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Full text of "Flora oder Botanische Zeitung ?welche Recensionen, Abhandlungen, Aufsa?tze, Neuigkeiten und Nachrichten, die Botanik betreffend, entha?lt /herausgegeben von der Ko?nigl. Botanischen Gesellschaft in Regensburg."

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Oder 



allgemeine botanische Zeitiing, 



lierausgfegeben 



von , 



der konigl. bayer. botanischen Gesellschaft 

in Regensburg, 

redigirt 

von 

Dr. J. Singer. 



IVeue Reihe* XIJUII. Jahrg^ang: 



Oder 



der ganzen Reilie LVIIL Jahrgang. 

Nr. 1—36. Tafel I— IX. 



Mit 

Original-Beitragen 



von 



Acaold, Bockeler, Celakovsky, Christ, Dippel, Dnby, Hildebrand, Krana, 
V. Krempelhuber, LSlir, Luerssen, Miiller C, Miiller J., Nylander, 
Pranti, Sanio, Schultz, Schamann, Thiimen, Uloth, de Vries , Wawra, 

1 Wieiiwr, Wmtfcr, , 



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Regensburg, 1875. 

Verlag der Redaction. 



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Haapt-CommiBsloixgre: G* 3. Mans and Fr. Pustet in Regensburg. 



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Mo. Bot. Garden. 



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58. Jahrgang 



. N? L 



Regensburg, 1. Januar 



1876. 



Inlialt* An unsere Leser. - 
(ler botanischen Nomenclatur. 
Lichenographiam europaeam. — 
zum Herbar. 



Dr. Lad. Celakovsky : Zwei Fragen 
— W. Nylander: Addenda nova ad 
Anzeigen. — Einiiiufe zur Bibliothefc und 



An unsere Leser. 

Die^lora erscheint, mit lithographirten Tafeln als Beila- 
gen, regelmassig^am 1., 11. und 21. Tage eines jeden Monats. 

TiichtigeKrafte, theils altbewahrte,theil8ueagewonDene, ermog- 
lichen es durch ihre rege Betheiliguiig, dass uun bereits nahezu 
der gauze Inhalt der Flora nur Originalartikel aus deu ver- 
schiedensten Zweigen der Botanik enthUlt. 

Die Redaction erachtet es als ihre Pflicht, bei dieser Gele- 
genheit alien ihren Herren Mitarbeitcrn fur soviele Beweise 
freundlicher Unterstutzung und Beihilfe den herzlichsten Dank 
auszusprechen und urn die Fortdauer gleich woblwoUender Theii- 
naliine wie bisher fUr die „Flora" zu bitten. 



Der Ladenpreis der 

15 Mark = 8 fl. 45 kr. 

Bestelluugen nehmen 

lungen von J. G. Manz 
die Redaction. 



Flora betragt fur deu Jabrgang 
5 Thir. 

an die Postamter, die Buc.Uhand- 
uud F. Pustct in Regensburg und 



Regensburg, den 1. Januar 1875. 



Dr. Singer. 






Flora 1875 



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ZiEvel Fragen dep botonisclienL IHoiaenclatar. 

Von Dr. Lad. Celakovsky. 

In Nr. 6, 8 und 10 des Jahrg. 1874 der „Flora'' veroflfent- 
lichte Dr. J. Mliller unter dem Titel ,,Nomenclaturische Frag- 
mente" eine Besprechung melirerer nomenclaturischea Fragen, 
deren sachgemasse Argumentation auf allgemeinen Beifall An- 
spruch machen kann. Ich stimnie den dort vertretenenAnsicbten 
um so riickhaltloser bei, als ich sie schon seit Jahren vertreten, 
Aehnliches schon im J. 1867 in der Prager „Lotos" unter dem 
Titei „Das Prioritatsrecht und der botanische Artnanie'* verthei- 
digt habe und in meinem Prodromus der Flora Bohoiensbeson- 
ders im 2. und 3. Theile konsequentfesthalte. Sehr richtig sind 
insbesondere in den Nomenclaturischen Fragmenten die Ausein- 
andersetzungen: 11. ,,Ueber das Citiren derAutoreu bei generisch 
fleu gestellten Arten'', IV. „Ueber das Autorschema bei umge- 
anderten Gattungsbegriflfen'' und VI. ,,Verliert ein systematischer 
Name seinen Rang, so verliert er zugleich sein Prioritatsrecht.'^ 
Aber zwei andere wichtige Fragen werden in diesemAufsatz ent- 
weder nicht bertihrt oder ihre Beantwortung in einer Weise an- 
gedeutet, die mit den sonstigen Ansichten und Argum^nten des 
geschatzten Verfassers nicht zu vereinbaren ist. Die erste Frage 
betriflft das Prioritatsrecht des specifischen Beinamens im syste- 
matischen Speciesnamen, wenn der Gattungsname geandert wird; 
die zweite betriflt den Zeitpunkt, von welchem die Prioritat der 
Gattungsnamen zu datiren hat. 



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L Ueber das Prioritatsrecht des specifischen Beinamens. 

Der Verfasser derNomenclaturischenFragmente sagt p. 156: 
„Der zweite Terminus eines binarenSpeciesnamens hat unbedingt 
Prioritatsrecht gegeniiber dem eines jiingeren synonymen Species- 
namens." Dieser Satz ist doch nicht anders zu verstehen, als ^ 

dass hiebei der Gattungsname gleichgiltig ist; so ist z. B. Cepha- 
lanthera pollens Rich, ein jUngerer synonymer Speciesname als 
Serapias grandiflora Scop. ; folglich der zweite Terminus grandi- 
flora unbedingtes Prioritatsrecht vor pallens. Ist aber dieser 
Ausspruch in Uebereinstimmung mit des Verfassers sonstigen 
Satzen und Argumenten? Es la.sst sich im Gegentheil nachwei- 
sen, dass er ihnen geradezu widerspricht und namentlich dem 
Absatz auf S. 121; ,;Man hort etwa die Einwendung machen 



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bis „namlich vor den vorlinu6'schen Phrasen/' Das vollkom- 
men richtige Argument dieses Absatzes ist dieses, dass der spe- 
cifische Beiname, da zum giltigen Speciesnamen immer auch der 
Gattungsname gehort, fUr sich allein ohne Bedeutung und ohne 
Geltung ist, dass man sogar keinen specifischen Beinanien geben 
konne, ohne zuvor die Gattung zu bestimmen. Hieraus folgert 
der Verfasser mil Recht, dass die in eine neue Gattung versetzte 
Art eigentlich einen ncuen Namen erhalte, zu dem auch ein 
neuer Autor gesetzt werden musse, derjenige namlich, der die 
Uebertragung vorgeuommen hat. Man dUrfe daher nicht Matthiola 
tristis L. soudern Matthiola tristis R. Br. schreiben. Allein aus 
dem Satze, dass der specifische Beinamen fur sich gar nichts 
bedeutet, gar nicht einmal gegeben werden kann, folgt ebenso 
nothwendig, dass er fUr sich allein auch kein Prioritatsrecht 
bestimmen kSnne, dass also, woferndermit ihm gesetzte Gattungs- 
name aus wissenschaftlichen Giiinden aufgegeben werden muss, 
auch der zugehorige specifische Terminus seinen Prioritatsan- 
spruch verliert. Denn besasse er den Prioritatsanspruch ohne 
Rucksicht auf die Gattung, so konnte auch der Fall eintreten 
oder wenigstens fingirt werden, dass Jemand fUr eine neue Art 
nur irgend einen specifischen Beinamen gabe, ohne sich um die 
Gattung zu kummern und dass jeder uachfoigende Aulor, der 
erst die Gattung dazu bestlmrate auch verpflichtet ware,, den 
specifischen Beinamen zu respectiren, — eine Folgerung, deren 
Absurditat offenbar ist. Folglich hat in dem angefuhrten Beispiel 
in dem Artnamen Matthiola tristis R. Br. der Beiname tristis 
nur dadurch wieder Prioritatsrecht erlangt, dass R, Brown ihu 
adoptirte, nicht aber besitzt er dieses Recht kraft Linn^'s Auto- 
ritat, und eben desshalb ist auch R. Brown der Autor des gegen- 
wartig giltigen Namens Matthiola tristis und nicht Linn6. Weil 
also nur der ganze binare Artname, keineswegs aber der blosse 
specifische Beiname Prioritatsrecht besitzt, so kann es auch nicht 
verwehrt sein, bei Uebertragung der Art in eine andere Gattung 
einen anderen specifischen Beinamen zu geben, wenn ein solcher 
aas spater bin angegebenden Giiinden wiinschenswerth erscheint, 
und ist darum auch Niemand berechtigt, hinterher den friiheren 
Beinamen, dessen Prioritatsrecht erloschen ist, wieder einzufuh- 
ren, um dann unverdienter Massen als Autor oder Mitautor zu 
glanzen, Eine solche Methode, die sich anlasst, als ob sie die 
Prioritatsregel recht strenge beobachten wtirde, verstosst gerade 
zu gegen den Geist des Gesetzes, welches sie wahren Will- 
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Indem sie den altesten specifischen Beinamen aufrecht halt, giebt 
sie bisweilen dcm jiingsten Totalnamen der Art den Vorzug vor 
einem alteren. So z. B. ist von den drei synonymen Namen 
Serapias grandiflora Scop. — Ctphalanthera pallens Rich. — 
Cephdlenthera grandiflora Babingt. der iu neuerer Zeit beliebte 
dritte Name der jiingste und Babiugton der jiingste der drei Autoren. 
Das alios ist eigentiich so einfach und klar verstandlich, 
dass man sich wundern niiisste wie so das Gegentheil davon 
all^emeine Aufaahme findet und so lange, so fest, ja leiden- 
schaltlich vertheidigt werden kaun. Ailein die Anhanger des 
bedingungslosen Prioritatsrechts des blossen specifischen Beina- 
ntens lassen sich auf principielle Erorterungen, die fiir ihre An- 
sicht so ungiinstig sind, gar nicht ein, sondern sie berufen sich 
auf Grunde ganz anderer Art; nainlieb einnial auf den subjecti- 
veu Grund der Gerechtigkeit gegen den ersten Aulsteller der 
Species, dann auch auf Grunde der Zweckmassigkeit. Bezeich- 
nend ist in dieser Hinsicht Boissier's Bemerkuug in derVorrede 
zu seiner grossen Flora Orientalis: „Deux raisons m'ont conduit 
a ce mode de nomenclature, I'un de justice, Pautre d'utilite." 

Untersuchen wir deun, ob das Gewicht dieser beiden Grunde 
gross genug ist, um ihretwegen ein klares Princip aufzugeben. 
Zuerst wird also verlangt, dass der Autor, der die Art aufstellte, 
jedenfalis auch Autor des Namens bleiben musse, und diess wird 
als ein Postulat der Gerechtigkeit hingestellt. Diese Art von 
Gerechtigkeit ist aber Ubertriebefi und widersiunig; dean es ist 
ein Irrthum zu glauben, dass immer der Autor des Artbegriffs 
auch Autor des Artnamens sein musse. Obzwar in der Eegel 
beide in einer Person vereinigt sind, so kann und muss es auch 
Ausnahmen von der Kegel geben. Eine ganz gewaltige Aus- 
nahme machen alle vorlinn^'schen Botaniker. Unzahlige Arten 
waren bereits vorLi'nn^ von den Patres aufgestellt, theilweise sogar 
besser aufgefasst und beschrieben und dennoch haben die spa- 
teren Linne'schen Namen fur diese . Arten Geltung erlangt. 
Unrichtig ware hiebei der oft gehorte Einwand, dass erst Linne 
den Speciesbegriff aufgebracht habe. Die Alien batten gewiss 
auch Arten, einzelne wie z. B. der besonnene Ray meist ganz 
gute Arten, wenu auch im AUgemeinen ihr Artbegrifif dem Linne'- 
schen an Strenge der Auffassung nachstand. Haben doch viele 
Neuere, die gewiss die Prioritat beanspruchen, ebenfalls einen 
Artbegrifif gegen den Linne entschieden protestiren wiirde, 
EbensoweniK fehlten den Alten die binaren Namen Manzlich: wir 



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finden besonders bei C. Bauhin sehr viele auch heutzutage an- 
iiehmbare binareNamen, die denn auch Linn6 znm Theil einfach 
aufnahm. Es fehlte aber ein allgemeines Princip der Namen- 
gebung uberhaupt, und diess ist der einzige Grund, wesshalb 
man sich im Interesse der Wissenschaft geeinigt hat, von den 
vorlinn^'schen Autoren insgesammt abzusehen und ihre Namen 
als antiquirt zu betrachten. Es ist daher nothwendig, zwischen 
Antiquitat und Prioritat zu unterscheiden, indem erstere keinen 
Rechtsansprueh begrundet wie die letztere. So liat z. B. Myrrhis 
palusiris Kivin, ein Name, der ganz gut brauchbar ware, bloss 
die Antiquitat fiir sich, wahrend das jiingere Chaerqphyllum 
hirsutum L. die Prioritat bcsitzt. Ein anderer, ebenso triftiger 
Grund zur Ausnahme von der Kegel, dass der Autor der Art 
auch.Autor des Namens sei, ist aber auch dann vorhanden, wenn 
der urspriinglicbe nachlinne'sche Artname wegen eines unrichti- 
gen Oder doch minder richtigen Gattungsnamens nicht beibehal- 
ten werden kann. Auch hier steht das Interesse der Wissen- 
schaft an einer richtigen Nomenclatur tiber der Rucksicht auf 
den Autor des ArtbegriflFs. Der Name Serapias grandifloraScop. 
ist ebenso antiquirt wie Myrrhis palustris Rivin, und aus der- 
selben Analogie liegt ebensowenig die Berechtigung vor, den 
nomenclatorisch richtigen Namen Gephalanthera pallens in Cepha- 
lanthera grandiflora umzuandern, als man bereehtigt ware, dem 
Namen Chaerophyllum palustre Lamb, den Vorzug zu geben. 

Wenn es aber Niemanden einfallt, fiber die Ungerechtigkeit 
zu klagen, dass die zablreichen vorlinne'schen Aufsteller von 
Arten auch wenn sie brauchbare specifische Beinamen gegeben 
batten, doch nicht als Autoren der giltigen Artnamen gelten, so 
soUte doch auch Niemand ein Unrecht darin sehen, wenn ein 
nachlinn^'scher Autor, der eine Art aufgestellt, ihr aber einen 
nicht mehr annehmbaren Namen gegeben, der Autorschaft des 
Namens verlustigt wird. Denn die beste Rechtsregel ist die in 
dem Sprichwort enthaltene: Was dem Einen recht ist, ist dem 
Andern billig. Der einzige Anspruch, den ein solcher Autor 
gerechter Weise machen kann, ist, dass er als Autor der Art 
anerkannt werde, d. h. dass seine Benennuug unter den Syno- 
nymen obenan stebe, womit er noch immer im Vortheil ist gegen 
einen vorlinne'schen Autor, den die heutige Synonymik meistgar 

nicht beachtet. 

Es bleiben noch die Zweckraiissigkeits- und Niitzlichkeits- 
s'rttnde zu besprechen, welche fur die Geltung des blossen spe- 



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cifischen Beinamens angefQhrt werden kSnnen. Diese Grlinde 
hat am erschopfendsten Ascherson in Beinem Referat fiber den 
Pariser botanischen Congress (Botan. Zeitg, 1868) behandelt. 
Als Vortbeile dieser Methode werden dort aufgezablt, dass man 
aus einem derart geschriebenenNaixien sofort das nngefahre Alter 
der Art undhaufig auch ihrVaterland erkennt, dassdprursprung- 
liche Autornamen der Art entweder zur Empfehlung oder auch 
als Warnungstafel dient, dass ferner bei Uebertragungen in eine 
andere Gattung der Zusammenhang uad die Uebersichtlichkeit 
der Nomenclatur bewahrt und dein Gedachtnisse zuHilfe gekom- 
men wevde, Als Beispiel des letzteren Vortheils ftihrt Ascherson 

Tetragonolobiis siliquosus (L.) an: wenn wir wissen, dass Linn6 
einen Lotus siliquosus hat, so wiirden wir sofort wissen oder 
veriDuthen, dass unter jenem Tetragonolobus diese Linn^'sche 
Art gemeint sei. 

(Fortsetzung folgt) 



Addenda nova ad lilchenograpliiain enropaeam, 

Continuatio nova decima. — Expouit W. Nylander. 

1. Ephebeia cantabrica Nyl. 

Subsimilis Ephebae pitbescenti^ sed apotbeciis extus subglo- 
boso-tuberculosis, solitariis; sporae ellipsoideae vel oblongo- 
ellipsoideae, longit. 0,011—16 miliim., crassit. 0,0045—0,0065 
millim. Jodo gelatina hymenialis vinose subrubescens (thecae 
praesertim tiuctae). 

Supra saxa arenaria humida mentis la Buhne prope St. Jean 
de Luz in Pyrenaeis occidentalibus (J. Richard). 

Species rnonoica, affinis Ephebeiae solidae (Born.) et forsan 
specie diflFerens, praesertim ob sporas majores. Genus Ephebeia 
distinguitur ab Ephebe: apotbeciis paraphysibus determinatis et 
anaphysibus conspicuis, sporis omnino simplicibus. Ephebeiae 
pertinet quoque E. spinulosa Th. Fr. Forsan trachytera Nyl. in 
Norrl. Lapp, p. 314 ejusdeni sit varietas thallo solum latere 
supero spinuloso, inde ramulis spinulosis crebris secundis; sed 
haec nondum rite cognita. Spermogonia omnibus discreta et 
sirailia extus (veceptaculo) apotheeiis. Physiologico autem 
respectu maxirae peculiare illud obvenit, quod anaphyses apothe- 
ciorumefficiuntur quasi sterigmatibus magis evolutis quam sterig- 
mata spermogoniorum verorum. Ita observatio ea credere fere suadet, 



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apothecia primitus fuisse spermogonia, quae non evolutione nisi 
ulteriore apothecia evaderent. Antea indicavi {Coenogon, p. 93, 
fig. 13), paraphyses Lichenum in apothecio juvenili occurrere 
sterigniatiformes; hoc quidem frequenter observatur. Spermatia 
fere similia in omnibus speciebus. 

2. EpJiebe lapponica Nyl. 

Forsitan varietas Ephebes pabescentis, at differt filameotis 

thallinis nonnihil crassioribus, monoicis, spermogoniis et apothe- 

ciis ant simplicibus aut aggregatis, sporis (fusiformibus) sobtri- 

septatis (longit. 0,014 — 18 millim., crassit circiter 0,004 millim.). 

Mixta crescens cum Phyllisco endocarpoide^) in Lapponiae 
rupibus humidis (Norrlin). 

3. Collemopsis caesia Nyl. 

Accedit ad Collemopsem ripariam (Arn.), sed thallus caesius, 
apothecia rufescentia et sporae nonnihil alias (longit 0,015 — 19 
millim., crassit. 0,007 — 8 millim.). Jodo gelatina hymenialis 
dilute coerulescen^, dein thecae ftftvescentes. 

Supra saxa calcarea aprica propeEpernay in Gallia (Brissou) 

4. Ptert/gium posterulum Nyl. 

Thallus olivaceo-nigricans fibrilloso-divisus, fibviUis teretius- 
culis varie divisis (crassit. 0,05—0,09 millim.), ambitu subradian- 
tibus, raro centrifugus, saepius subdlffusus. 

Supra saxa calcarea prope Petrila in Transsylvania (Lojka). 

Species bene distincia et a congeneribus mox distans thallo 
infra non coerulescente; forsan tamen potius hujus generis quam 
Leptogidium^ quod genus etiam in Europa baud deest. Apothe- 
ciis vero ignotis genus manet aliquantulum incertum. 

5. Galicium polyporaeum Nyl. 

Snbmmile Calicio parietino.sei sporis oblongis, longit. 0,010 
15 millim., crassit. 0,003—4 millim. 

Supra Folypomm ^onatum vetustura in Hungaria (Lojka). 

Sporae magis cylindraceo-oblongae quam in C, parietinOy 
quo caractere constante C polyporaeum sit distinguendum. 

l)Iii Th. Fr.Arct.leg2tur: j,hanc stirpem pertinere ad esp^ces eminem- 
ment liygrophiles — nova mihi fuit res. Permultis enim locis eamlegens 
valgo in rupibus siccis, saepe in aridissimis inveni." Scriptor alte inspiciens 
non animadrertit, eas rapes exsiccatae „vulgo" inundataa vel nuper irriguaa 
faisse. 



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^, Alectoria nidulifer a Norrl. 

Thallus olivaceo-spadiceus ereclus minuscuius (1 — 2-ponica- 
, crassitie basi circiter 0,5 millim.), patenti-ramosus, sat den- 
se arbusculiforniis, ramis subflexuosis, passim sorediosus, sorediis 
albidis non prominulis, saepius propagula erectula emittentibus 
indeque spinulosis. 

Supra truDcos pini in Finlandia media frequens (Norrlin). 

CI. Norrlin in litt. monuit, earn interdum altitudinera usque 4- 
pollicarem attingere et facicm constaniem exhibere. Facile spe- 
cies distincta. Vulgo sterilis, tamen etiam fertilis lecta (a Lang 
in Korpilahti), apotheciis, quantum vitli, quoque sporis, sicut in 
A. juhata (prolixa) Ach. Respectu physlologico notanda sunt 
soredia propagulifera, thallos juveniles splnuliformes (tamquam 
isidium spinulosum) proferentia; unde demonstratio optima quo- 
modo thalli novelli e sorediis oriuntur. 



l.Parmelia i s idiotyla Nyl. 

Forsan varietas vel subspecies P. prolixae, notanda thalli 
isidio verrucifoinii olivaceo-cinerascente, saepe conferto, denium 
crasso et supra albido-sorediatulo. 

In Finlandia saxicola (Norrlin et Lang). 

Notetur hie quoque P. lyrolixa var. exasperans, cui tballus 
pro maxima parte verrucoso-exasperatus, protuberantiis convexis 
(demum hemisphaericis) et saepe confertis (latioribus quam in 

P. exasperata); spermatis. eibifusiforraia, longit. 0,0005 — 7 millim,, 
crassit baud 0,001 millim. Saxicola in insula Hogland (Brenner), 

P. isidiotyla * isidiascens est analoga;P.Z)eZi5ei, in Anglia (Crombie). 

S. Lecanora deflectens Nyl. 

Affinis Z. badiellae et fortasse ejus subspecies, differens 
apotheciis faciei lecideinae (margine tballino vix ullo) et thallo 
subdissoluto. 

In Finlandia, Hollola, saxicola (Lang). 



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9. Le canor a cAancular i a Nyl. 



Thallna flavido-albidus tenuis inaequalis diffracto-rimosus ; 
apothecia fuscaminutaimpresso-innata (latit. circiter 0,2 millim.), 
thelotremoidea (margine thallino non prominulo); sporae 8 nae 
ellipsoideae, longit. 0,021- 



-28 millim., crassit. 0,010—15 millim., 
gracilescentes liberae. Jodo gelatina 
vinose fulvescens, praecedente coerulescentia. 



paraphyses 



hymenialis 



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Saxis siliceis umbrosis adnata prope La Mothe St H6ray in 
Gallia occidentali (J. Richard). 

Species facie thelotremoidea mox distincta. Loci ineerti ob 
spermogonia non visa; forsitan in stirpe Lecanorae cinereae 
disponenda. 

fr 10. Lecanorasubalbens Nyl. 

Thallus albidus inaequalis vel subverrucosus, firmiusculus 
(crassit. circiter 0,2 millim.), diffractus; apothecia badio-fusce- 
scentia (subsufiusa), integre thallino-marginata (niargine saepius 
depresso), planiuscula vel convexiuscula (latit. 0,5-— 0,7 millim.); 
sporae Snae ellipsoideae vel oblongae, l-septatae, longit, 0,009 
16 millim., crassit. 0,0035—0,0045 millim., paraphyses mediocres 
(apicibus incrassatis subviolaceo-fascescentibus). Jodo gelatina 
hymenialis coerulescens, dein vinose rubescens. 

Supra saxa calcareo-schistosa infra ajpem Retyezat in Trans- 
sylvania (Lojka). 

Forsan subspecies L. erysihes, thallo autem ita diverse, ut 
facile pro specie propria sumatur. Etiam thallo dififert a L* 
albariella praeter alias notas diversas. 

II, Lee ide a subornata Nyl. 

Thallus albidus areolato-diflfractus, sattenuis; apothecia fusca 
vel pallido-fusca, opaca, subverrucoso-rugulosa, convexa, iramar- 
ginata (latit. 0,5—0,9 millim.), intus pallida vel obscuriora; the- 
cae polysporae , sporae (forsan circiter 100 in quavis theca) 
globulosae, diam. circiter 0,00U millim., paraphyses mediocres, 
hypothecium incolor vel leviter rufescenti-obscuratum. Jodo gela- 
tina hymenialis coerulescens, dein thecae vinose fulvescentes. 

Supra saxa gneissacea mentis Retyezat in Transsylvania 
(Lojka). 

Species nulli cognitae affinis, sed facie accedit ad Lecideam 
eoardatam (ornatam) quacum etiam reactione thalli (CaCl 4") 









Endocoecus 



parasita. 



\2, Lecidea torvula Nyl. 



Thallus obscure olivaceo-fuscus, subfurfuraceo-opacus, laxe 
affixus (crassit. fere 1 millim.), glebulose dififractus; apothecia 
nigra opaca rugulosa convexa (latit. circiter 0,5 millim.), 3 — 6 
vulgo agglomerata, intus obscura; thecae polysporae, sporis cea- 



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tenis aut bicentenis globulosis, diam. 0,003 — 4 miliim., epithe- 
cium fuscum, thalamium et hypothecium lutescentia (K flavo-disso- 
luta). Jodo gelatina hymenialis intensive coerulescens. 

In Finlandia, Luhanko, supra saxa granitica (E, Lang), socia 
Lecideae eupetraeae. 

Affinis videtur L. ochrophorae, sed omnino alia. Paraphyses 
graciles parcae vel parum distinctae. 

13, Lee idea epixanthoidi&a Nyl. 

Forsan varietas Lecideae vernalis, sed thallo flavido leproso 
vel subleproso et sporsis tenuioribus(longit. 0,009—0,016 tnillim., 
crassit. circiter 0,004 miliim.). 

Supra truncum putridum in Finlandia (E. Lang). 

Satis similis Lecideae epixanthoidi, sed sporae simplices. 

14:, Led de a polio des Nyl. 

Thallns cinereo-griseus vel griseo-virescens, tenuis vel tenu- 
issimus, rugulosus,opacus, demurarimosus; apotheciacinerascenti- 
pallida convexa immarginata (latit. 0,5 miliim.), intus hypothecio 
obscuro; sporae 8nae ellipsoideae simplices, longit. 0,007 — 9 
miliim., crassit. 0,0025—0,0045 miliim., epithecium incolor, para- 
physes Don discretae hypothecium rufescenti-obscuratum, Jodo 
gelatina hymenialis vinose fulvo-rubescens (praecedente saepius 
glaucescentia vel coerulescentia obsoleta). 

Supra saxa micaceo-schistosa in Finlandia, Evo (Norrlin), 
socia Lecideae sylvicolae Krb. 

Affinis L. apochroeellae at forsan specie distinguenda. Sper- 
mogonia pallida, spermatia^recta (longit. 0,005—6 miliim., crassit. 
0,001 miliim.). 

15. Lecidea s uhglomerella Nyl. 

Thallus albido-cinerascens tenuissimus inaequalis vel evane- 
scens; apothecia nigra parva (latit. 0,2—0,3 miliim.), convexa, 
vtilgo phira connato-aggregata (iia latit. 0,5 — 0,8 miliim.), intus 
albida; sporae Snae fusiformi-ellipsoideae simplices, longit. 0,006 
9 miliim., crassit. 0,0030—0,0035 miliim., paraphyses non bene 
distinctae, epithecium vage nigro-coerulescens, hypothecium inco- 
lor. Jodo gelatina hymenialis bene coerulescens. 

Supra lignum vetustum loco humido in Finlandia (Norrlin). 

Species facie et sectione apothecii fere ut in L. glohulosa 
mox autem distincta jam sporis aliis (ellipsoideis vel fusiformi- 
ellipsoideis simplicibus). Spermatia recta. 






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11 



16. Led de a hemipoliella Nyl. 



Forsitan subspecies L. denigratae, thallo vix uUo visibili, 
apotheciis parvis lividis vel pro parte pallidis. 

Supra corticem alni in Finlandia (Norrlin et Lang). 

Sporae vulgo uni-eeptatae, longit. 0,008—0,011 millim., eras- 
sit. 0,003 millira. Epithecium K leviter violaceo-dissolutum. 

17. Lecidea laxula Nyl. 

Sat similis L, hotryime, sed thallo (pallido) subfurfuraceo. 
Forsan solum ejus subspecies. 

Supra saxa micaceo-schistosa in Finlandia (Lang). 

Thallus et apothecia satis laxe affixa. Thallus subochraceo- 
pallidus. Sporae longit. 0,007—0,010 millim., crassit. 0,0025 
0,0035 millim. (ut in L, hotryiza^ aeque atque quoad ceteras 
apothecii partes vix differentia adest). Spermatiaoblongo-cylindrica. 

18. Lecidea per oh scu vans Nyl. 

Thallus fuscus tenuis subfurfuraceus vel saepe lutescenti- 
sorediellus, hypotballo nigro maculiformi instratus ; apothecia 
livido-nigricantia eonvexa immarginata (latit. 0,5 — 0,8 millim.), 
intus cicerascenti-incoloria; sporae 8nae ellipsoideae simplices, 
longit. 0,010—15 millim., crassit. 0,005—6 millim., epithecium 
subincolor, paraphyses tenues non bene discretae, hypothecium 
incolor. Jodo gelatina hymenialis coerulescens (thecae praeser- 
tim tinctae et dein violacee coloratae). 

Supra corticem betulae in Finlandia (Lang). 

E stirpe videtur Lecideae turgidulae. Comparetur L. perob- 
scura Nyl. in Flora 1874, p. 9. 

Id, Lecidea f rater culans NyL 

Thallus albidus tenuiter granulosus, subdispersus vel disper- 
sus, intus laete viridis (flavo-viridis) ; apothecia nigra parvula 
(latit. 0,25 millim.), convexula, immarginata, intus albida; sporae 
8 nae incolores, oblongae vel cylindraceo-oblongae , 3-septatae, 
longit. 0,016—21 millim., crassit. 0,0045 millim. epithecium coe- 
rulescens, paraphyses non bene discretae, hypothecium incolor. 
Jodo gelatina hymenialis coerulescens, dein violacee vinose 

rubescens. 

Immixta cum Sirosiphme saxicola super saxa granitica in 

Finlandia (Lang). 



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12 



Species minnta distincta, sed loci incerti ob spermogouia 
ignota; forsitan inter species Lecideae premneae disponenda, at 
thalamium recedens. Thallus raacer gonidiis copiosis (diam. 
0,004—7 miliim.). 



20. Lee idea chalyb eio ides Nyl. 

Thallus glauco-coerulescens vel glauco-albidus, deplanatus, 
tenuis, areolato-diffractus : apothecia nigra subinnata plana (latit. 
0,3 — 0,4 millim.), obsolete marginata, intus coneoloria; sporae 
8nae ellipsoideae simplices, longit. 0,006—8 millim., crassit. 
0,0035 — 0,0045 millim., paraphyses crassiusculae apice incrassato 
coerulescente (etiam totum fere thalamium subcoerulescens), 
hypothecium nigrum supra rufo-fuscescens. Jodo gelatina hyme- 
nialis intensive coerulescens (coerulescentia praesertim thecarum 
persistente). 

Supra saxa quartzosa in Finlandia (Lang). 

Species lamina tenui apothecii feresicut in L. chalyheia, sed 
epithecio coerulescente et sporis simplicibus. Fortasse in stirpe 
Z. dispansae est accipienda. Conferatur L. lobulata Hepp, quae 
thallo alio et apotheciis convexis distat. 



21. Lecidea eupetr aeoides Nyl. 

Similis fere L, eupetraeae{^i reactione tballisimili K e flavo 
ferrugineo-rubente), sed apotheciis fere sicut in L, colludente, 
Sporae incolores 1-septatae, longit. 0,017—21 millim., crassit. 
0,006—8 millim. 

Supra saxa grauitica riparia in Finlandia, Luhanko (Lang), 
Thallus albidus subgranulato-areolatus. Apothecia latit, cir- 
citer 1 millim., plana, marginata, saepe subangulosa. 



22* Lecidea subocellata Nyl. 

Subsimilis L. ocellatae Flk., sed thallo K + (e flavo ferrugi- 

nascente) et J ^ 

Supra saxa micaceo-schistosa infra alpem Retyezat (Lojka 
no, 2328). 

Affinitas prope Z. uberiorem (Anzi). Hypothecium incolor. 
Gelatina hymenialis intensive coerulescens, dein vinose rube- 
scens vel vinose fulveseens. Sporae longit. 0,010 — 16 millm., 
crassit. 0,006—8 millim. Variat thallus supra fuliginose obscurata. 



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13 



23» L e ci d e a lepto gi ca Nyl* 



Apothecia nigricantia minuta (latit circiter 0,3 millim.), pla- 
l niuscula, subimmarginata (vel margine obtuso); sporae 8nae 

ellipsoideae simplices vel (spurie) uni-septatae, longit. 0,009 — 
0,012 millim., crassit. 0,0045— 0,0055 miilim., paraphyses graci- 
les, epithecium et perithecium fuscescentia, hjpothecium incolor. 
Jodo gelatina hymenialis non tincta, thecae vinose fulvessentes. 

Supra Leptogium muscicolam ') vetustum m*bis Bressuire in 
Gallia occidentali (J. Richard). 



24. Xylogr apha lari cicola Nyl. 

Thallus vix alius visibilis; apothecia nigra opaea superficialia 
oblonga sparsa (longit. 0,4—0, 8 millim.), demum explanatula 
(margine evanescente), intus albida ; sporae 8 nae ellipsoideae 
simplices, longit. 0,012—15 millim., crassit. 0,007 — 8 millim., 
epithecium fusicum. Jodo gelatina hymenialis vinoi-e fulvescens. 

Supra corticemlaricis(prope basin truncorum) in Scotia prope 
Ben Lawers (Crombie). 

Species omnino distincta a ceteris. Paraphyses nullae vel 
membranaceae, non normales. 

25. Ve r ru car ia r ivulicola Nyl. 

Thallus albidus subpulverulentus indeterminatus; apothecia 
fusconigra hemisphaerico-prominula (latit. 0,25 millim.), perithecio 
fusco-rufescente dimidiato; sporae 8 nae oblongae, tenuiterl-sep- 
tatae, longit. 0,023—28 millim., crassit. 0,007—0,010 millim. 
paraphyses nullae. Jodo gelatina hymenialis non tincta (proto- 
plasma thecarum vinose fulvescens). 

Supra lapides cretaceos (saepius submersos) rivuli prope 
Lenharr^ in regione Catalaunensi (Marne) legit Brisson. 

Species notis datis optime distincta, nulli affinis. Proxima 
forte Verrucariae saxicolae (Mass.). 



1) Gonidiis et gonimiis cardinem siatentibus Schwendenerismi aegre patet, 
quomodo e tali hypothesi explicaretur vitae ratio Lichemira parasltorum, qui 
solis apotheciis continentur, et quarumspecierum parasitarum nonnullae etiam 
vix niai in apotheciis vivunt Lichenum aliorum superiorum magisque erolu- 
tomm. Undecunque inspieitur haec nimis famosa hypothecis vitia inexperi- 
entiae OBtendit, nee earn ali quantisper complecti potuerunt nisi quidam renim 
hue pertinentiam inscii et perfacile deerrantes. 



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29. Verrucaria suhmuralis Nyl. 

E^t quasi F. muralis perithecio integre nigro. Sporae Ion- 
git. 0,019—23 millim., crasslt. 0,009—0,011 millim. 

Supra ossa vetusta inTranssylvania (Lojka). Etiam calcicola. 



30. Verrucaria psilot er a Nyl. 

Subsimilis F. oxysporae^ sed sporae aciculares longiores 
(loDgit. 0,030—40 millim., crassit. 0,0015—0,0020 millim., 3-sep- 
tatae). 

Supra corticem salicis in Novdlaudia (Zetterstedt)- 1» Fin- 
Jaudia super corticem Daphnes (Lang). 

Sporae breviores quam in F. Quercus (Beltr.;. 



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26. Verrucaria fluetigen a Nyl. 

Thallus fuscus subopacus sat tenuis, continnus aut passim | 

rimosus; apothecia parum prominula, perithecio dimidiatim nigro 
depressiusculo (latit. circiter 0,2 millim,); sporae 8nae oviformes 
1-septatae, longit. 0,013—15 millim., crassit. 0,006—7 millim., 
paraphyses mediocres irregulares (non confertae). Jodo gelatina 
bymenialis non tincta. 

Prope Marennes in Gallia occidentali supra scopulos calcareos 
marines ab aestibus submerses (J. Richard). Etiam in Anglia 
(Crombie). 

Species sporis minoribus et paraphysibus distincta a F. con- 
sequente^ cujus tamen esse possit subspecies. 

27. Verrucaria mediana Nyl. 

Quasi intermedia inter F. dopimam et F. umbrinam, thallo 
umbrino-fusco tenui, rimoso vel areolato-rimoso, laevi, perithe- 
cio dimidiatim magis nigricante quam in F. clopima. 

Supra saxa micaceo-schistosa infra alpem Retyezat (Lojka 

no. 2331). 

Forsan omnes hae tres Verrucariae ad unam specieni per- 
tinent. 



28. Verrucaria tr abalis Nyl. 

Forsan F. muralis lignicola, sed thallus castaneo-fuscescens j 

(tenuis inaequalis rimosus). Sporae longit. 0,016 — 22 millim., 
crassit. 0,009—0,010 millim. 

Supra trabes inundatas molendinae in Finlandia (Lang). 



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15 

Lecanora corallisa, Nyl. saltern subspeciem sistere videtur 
Z. vitellinae, ') a qua diflfert thallo (saepe crasso, crassitie 1 — 2 
millim., et turn albido, excepta parte supera vitellina) coralloideo- 
subfibrilloso vel granuloso-coralloideo, apotheciis demum convexis 
(margine thallino turn excluso). In Finlandia saxicola (Norrlin 
et Lang). 

Lecanora confragosa * exteriority], apotheciis nigris, demum 
sublecideinis, margine thallino saepe crenato. In Finlandia super 
saxa (Lang). 

Lecanora trahigena forsan ut subspecies diflfert a L. polytropa 
thallo parunj evoluto aut evanescente, sporis longit. 0,009 — 
0,014 millim., crassit. 0,005—7 millim. lu Z. poZ?/^ropalignicola, 
data in Arn. Exs. 537 sporae breviores (turgidiores), longit, 
0,009—0,011 millim.,, crassit. 0,006—7 millim. 

Lecanora anoptoides Nyl. in coll Lojka no. 2481 comparari 
potest cum L, paroptoide, sed jam diflfert paraphysibus distinctis, 
clava nigrescente et sporis minoribus. Late est distributa. 
Spermatia subcurvula, longit. 0,005 millim., crassit. non 0,001 
millim. 

Lecanora anopfa jungenda sit cum L. paroptoide, nam etiam 
immixta vidi spermogoma spermatiis ut in L. anopta, Thalli 
diversi saepe in lignis commixti observantur. 

Lecanora subriigosa Nyl. diflfert a Z. chlarona margine thal- 
lino apotheciorum determinate crenato et aliis notis. Diflfert a 
L. chlarotera apotheciis minus confertis et gelatina hymeniali 
jodo vinose fulvescente. In Finlandia corticola (Norrlin et Lang). 

Lecanora cembricola Nyl. Datur in Arn. Exs. ') no. 587. 
Differt a L. mughicola jam sporis longioribus (longit. 0,012—18 
millim., crassit. 0,004—6 millim.) et spermatiis brevioribus (lon- 
git. 0,009—0,010 millim,, crassit. 0,0007 millim.). 

Farmelia glabrans Nyl. Subsimilis P, glabrae, sed sporis mino- 
ribus (longit. 0,007—0,011 millim., crassit. 0,005—6 millim.) et 
spermatiis bifusiformibus (longit. 0,005 — 6 millim.). Supra saxa 
arenaria in Algeria (Paris) et forsan quoque in Europa obvia. 
Medulla Ca CI +. 



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1) Antea indicavi, Lecanoram candelariam Ach. ad eandem stirpem 
pertinere. Inexperientia solita adhuc in Tli. Fr. Scandin. p. 145 et 167 
ambabus „sterigmata multl-articulata'* attribuuntur, qualiaminimesniit. 

2) Nomine «iToneo „Alectoria sarmentosa" datur in Arn. exs. no. 574 
a, b, c, Ramalina thrausta Ach. facile dignota ab omni Alectoria, 



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16 



Awkxeigetk' 




In J. U. Kern's Verlag (Max Mliller) in Breslau 
ist soeben erschienen: 

Zur Abwehr 

der 

jSeliiirendener-Boiriiet^isclien FlecfatenUieorie* 

Von Dr G. W. Koer ber, 
Prof, extr, an der konigl, Univers. Breslau. 

Preis 7V2 Thl. 



Soeben erschien: 



Der Bauerntaback 



eine Pflanze der alten Welt 



Von L. Becker, 
Selbst verlag, Breslau Neueweltg. 2 — franco I'/i Mark. 



ElnlSnfe zur Bibliothek and zum Herbar. 

1, Koerber, zur Abwehr der Schwendener-Bornet'schen Flechtentlieorie. 

Breslau, Kern, 1874. 
2.. La Belgique horticole r^digee par E. Morren. Li6ge 1874. 

3. Nova Acta reg. see., sclent. TJpsaliensis Ser. 3. Vol. 9. fasc. 1. 1874. 

4. Tijdschrift ter bevordering van Nijverheid, 3 de Reeks, Dl. XV, Stuk 
5. 6. Haarlem 1874. 

5. Sallskapets Fro Tauna & Flora Fennica Notiser, ^y Serie, 10 Haeftet. 
Helsingfors 1871—74. 



Redaeteor: Dr. Singer. Dmck der F. Nenbaner'schen Bcch dnxckerai 

CF. Huber) in Regensbarg. 











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58. Jahrgang. 



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N? 2. 



Regensbnrg, U. Jannar 



1875. 



Inlialt« Dr. A. v. Krempelhuber: Rev. J. M. Crombie „0n theLichen- 
Gonidia Question," in Popular Science Review, Juli 1874. — Dr. Lad. 
Celakovsky: Zvrei Fragen der botanischen Nomenclatur. (Fortsetz. und 
Schluss.) — S. Kurz: Beschreibang von 4 neuen indischen Euphorbiaceen. 

Bellase Tafel I. 





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Rev. J. M. Crombie „0n the Lichen-GoDidia Question," in 

Popular Science Review, Ju)i 1874. 

Mitgetheilt von Dr. A. Vr Krempelhuber. 

(Mit Tafel I.) 

Die bekannteHypothese des Herrn Professor Dr. Schwendener 
zu Basel in Betrei! der Flecbten-Gonidien hat in neuester Zeit 
in der botanischen Welt grosses Aufsehen erregt und zur Ver- 
offentlichung einer ziemlichen Anzahl von in mdSreren Spra- 
chen abgefassten Abhandluugen, in welcheo die betr. Verfasser 
sich bald fiir, bald gegen diese Hypothese ausgesprochen haben, 
Vefanlassung gegeben. 

Der Autor oben angezeigter Abhandlung, Herr Rever. J. M 
Crombie, als ttichtiger Lichenolog geniigend bekannt, hat es nun 
unternommen, in dieser Abhandlung die bisher von den Anhan- 
gern und Gegnern dieser Streitfrage vorgebrachten Ansichten und 
Meinungen, sowie die Resultate der diessfalls angestellten spe- 
ziellen Untersuchungen, iiberhaupt den gegenwartigen Stand der 
Streitfrage zusammenbangend und tibersichtlich darzustellen und 



Flom 1875 



2 






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18 



ncue Beitrage zu deren Losung beiznbringen. Der interessante 
Inhalt dieser Abhaudlung diirfte ganz geeignet sein, auch in 
Deutschland zur aHgemeinenKenntniss des botanischen Publikums 
gebracht zu werden; da aber das englische Journal, in welchem 
die Original- AbhandluDg erschieuen, soviel uiir bekannt, in 
Deutschland uur wenig verbreitet ist und wie ich weiss, auch 
nur wenige Separat-Abdrucke davon nach Deutschland gelangt 
sind, hielt ich es fUr zweckmassig, eine niogiichst genaue deut- 
sche Uebersetzung derselben zu veranstalten und auf den nach- 
stehenden Blattern zu veroffentlichen. 



Zur Flechten-Gonidien-Frage. 

Seitdem die Lichenen eutschieden getrennt wurden von den 
Moosen, Algen undPilzen, unter welche sie von friiherenSchrift- 
stellern ohne Unterschied gesetzt "worden waren, wurden sie bis 
auf die neueste Zeit als eine besondere Classe von Pflanzen be- 
trachtet. Nicht bios die Licheuologen sondern die Cryptogamis- 
ten im Allgemeinen haben sie in alien naoderaen Systemen als 
berechtigt gehalten zu einer ebenso entschiedenenStellung im Rei- 

che der Pflanzen, als die Algen und Pilze. Sie galten allgemein 
als die vermittelnden Glieder zwischen diesen beiden Classen, 
obwohl ihre Verwandtschaft mit der einen oder anderen in den 
moisten der aufgestellten Classifikationen ihrer Familien und 

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Tribus nicht geniigend festgestellt ist. Nach Nylanders Classi- 
fication jedoch, die wenigstens in ihren GrundzUgen die natiir- 
lichste und desshalb auch wissenschaftlichste aller bis jetzt pro- 
ponirten Systeme ist, sind die Lichenen auf der einen Seite 
durch die niedrigeren Gattungen der CoUemacei mit den Algen 
und auf dei* anderen Seite durch die niederen Gattungen der 
Pyrenocarpei mit den Pilzen verwandt. Doch ist Jes immer 
schwierig gewesen, die Grenzlinien zwischen diesen drei Classen 
ganz bestimmt zu ziehen, obwohl in den letzteren Jahren mit 
Einwilligung der Algologen sowohl wie der Mycologen dasGebiet 
der Lichenen allmalig auf Kosten ihrer Nachbarn erweitert 
wurde. So machtc das Gebiet der Flecbten von den Algen und 
Pilzen verschiedene wichtige Acquisitionen, die mit Recht ganz 
allein zu ihm gehoren, obwohl ihre Berechtigung dazu durch so 
winzige und dunkle Merkmale ausgedrlicktist, dass es mikroskopi- 
seher Hilfe und scharfer Forschung bedurfte, urn sie zu deuten. 



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19 

Das Resultat davon war aber, dass die Lichenologen vermutheten 
guten Grund zu dem Giauben zu haben, ihre so geliebte, wenn 
auch in mancher Beziehung schwierige Wissenschaft set nun 
aut' dem besten Wege, bezuglich der beiden benachbarten Cryp- 
toganienklassen ihre ganz bestimmten Grenzen zu finden. Ganz 
\ kiirzlich wurde jedoch eine Theorie aufgestellt, die, im Falle sie 

■l angenommen wird, die Lichenen auf wirksame Weise der Stell- 

ung berauben wiirde, die ihnen bis jetzt im Pflanzenreiche ange- 
wiesen war. Denn obwohl danu der Name noch beibehalten war- 
den mag um der Bequemlichkeit und alter Verbindungen wiilen, 
so wUrde er doch nicht langer dazu dienen, unserem Geiste eine 
besoudere Classe von Pflanzen vorzufuhren, sondern uns nm- 
an die Entsetzung der Lichenen von eiuer eben so holien 
und anscheinend festeren Stellung erinnern, als die der Algen 
S^ Oder der Pilze ist, „Lichenes fuerunt; algofungi modo sunt." 



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Die ebenerwahnte und nun als„Schwendenerische Hypotbese" 
sehr bekannte Theorie wurde auf dem Continent von verschie- 
denen Cryptogamisten gUuslig aufgenommen, und hat den Anlass 
zu bedeutenden Discussionen gegeben. Doch hat kein Licheno- 
l loge bis jetzt diese Theorie irgendwie unterstiitzt, noch hat es 
den Anschein, als ob diess je geschehen wurde. Sie kann kurz 
und biindig dargestellt werden, wie folgt: — Die Flechten sind 
keine unabhangigen Pflanzen, sondern bestehen aus einer Alge 
und einem parasitischen Pilz. Diese merkwurdige Hypothese, 
die, wenn begriindet, alle friiheren Begrifife von der Natur der 
Lichenen ganzlich umsturzen wiirde, wurde zuerst von Prof. 
Schwendener am Schlusse einer Abhandlang, betitelt „Unter- 
suchungen Uber den Flechtenthallus,'' im Jahre 1868 publizirt, 
Nach der hier aufgestellten Ansicht wiirde jede einzelne Flechte 
als ein Algentypus zu betrachten sein, welcher der Wirth eines 
parasitischen Piizes geworden ist, woraus folgt, dass diese Algen 
unter dem Namen Gonidien bisher von den Cryptogamisten irr- 
thtimlicher Weise als specielle Flechten-Organe betrachtet wor- 
den waren. In einer spateren Abhandiung, publicirt im Jahre 
1869, „die Algentypen der Lichenen-Gonidien*' spricht Schwen- 
dener seine Ansichten in noch eingehenderer Weise aus, und 
bemiiht sich, seine Theorie durch verschiedene auf personliche 
BeobachtunggegrtindeteArgumentezuerweitern und zu befestigen. 
Um seine Theorie verstandlicher zu machen, und den Weg zu 
bahnen fiir eingehendere Details, wird es am besten sein, die all- 
gemeine Schlussfolgerung zu der er gelangte, in seiner eigenen 

2* 






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20 

und in dieser Beziehung etwas pittoresken Sprache anzufuhren: 
,,Al8 das Kesultat meiuer Forschungen "sagt er„ siud aile diese 
Gewachse keine einfachen Pflanzen, keine Einzelwesen in dem 
gewohnlichen Sinn des Wortes; sie bilden vielmehr Coionien aus 
Hunderten und Tausenden von Einzelwesen, von welcben jedoch 
nur EinesalsGebieter auftritt, walirend dieanderen in bestandiger 
Knechtschaft Nahrung ftir sich und ihren Gebieter herbeischaffen; 
dieser Gebieter ist ein Pih aus der Ordnung der Ascomyceten, 
ein Parasit, der gewohnt ist, von der Arbeit der Andern zu 
leben; seine Sklaven sind griine Algen, die er aussaugt, 
Oder in seine Macht bekomuien und in seine Dienste ge- 
zwungen bat. Er umscblingt sie, wie eine Spinne ihre Beute, 
Uiit eineni faserigen Netz aus engen Maschen, das sicb all- 
malig in eine undurchdringliche Decke verwandeit. Wahrend 
jedoch die Spinne ihre Beute aussaugt, und danu todt liegeu 
lasst„ spornt der Pilz die in seinem Netze gefangenen Algen zu 
rascherer Thatigkeit, ja zu kraftigerein Wachsthum an/' 

Nun scheint diese Hypothese Schwendener aus zwei ver- 
schiedenen Ursachen eingegeben worden zu sein. Die eine der- 
selben war eine (gewiss nicht ernstlich gemeinte) Bemerkung 
Nylanders in „Lapp. Or" p. 117, dahin lautend, dass, wenn die 
Gonioiia in den verschiedenen Cephulodien der Flechten parasi- 
tische Algen waren, so wiirde man a lie Lichenen-Gonidien als 
solche Parasiten betrachten mtissen, indem sie vom anatomischen 
Gesichtspunkte aus alle nait einander tibereinstimmen. — Die 
andere unmittelbare Ursache war eine durch Prof, De Bary in 
Hoffmeist. Handb. derPhys. Bot., ii. p, 291, gestellte ernstlichere 
Alternative, worin er bei Besprechung einiger Gattungen der 
Collemacei sagt: „Diese sind entweder Pflanzen in vollkonimen 
entwickeltem Zustande, deren unvoUkonaraene Formen bis jetzt 
unter den Algen als Nostocaceae und Chroococcaceae gestanden 
waren; oder diese letzteren sind typische Algen, welche die 
Form des Collema, Ephebe etc, dadurch annehmen, dass gewisse 
parasitische Ascomyceten in dieselben eindringen, ihr Mycelium 
in demfortwahrend wachsenden Thallus verbreiten und haufig an 
ihre, Pbycocrom enthaltende Zellen befestigt sind." Indem nun 
Schwendener die in solcher Weise aufgestellte Alternative als 
Ausgangspunkt annahm machte er, mitden Collemaceen beginnend, 
verschiedene Beobachtungen und Experimente, die spater auch 
auf andere Tribus und Genera ausgedehnt warden, und deren 
Resultate ihn zu der Folgerung fuhrten, dass die Lichenen aus 



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den zwei schon erwahnten urspriinglich besonderen Elementcn 
bestelien — dass die Lichenen-Gonidien Algen sind, und dass 
der Flechten-Thallus ein parasitischer Pilz ist. DieseAufsteliung 
bemiiht er sicb durch folgeude Erwiigungen zu unterstutzen: — 
1) dass bis jetzt die ^enetiscbe Vervvandtschaft der Gonidien zu 



den Hyphen (das ist das farblose, faserige Gewebe, welches in 
Verbindung mit dem farbigen zelligen Theil oder den Gonidien 
den Flechten-Thallus bildet) noch in keinein Falle deutlicb be- 
wiesen, sondern nur aus analomiscben Grtinden angenommen 
vvorden ist; 2) dass die Menibranen der Gonidien von jenen der 
Hyphen chemisch verschieden sind, indem die ersteren eine 
Algen- und die letzteren eine IMIz-Reaktion haben; 3) dass die 
verschiedenen Formen der Gonidien sowohl in Bezug auf die 
Struktur als auf die Art der Vermehrung den paralleleu Typen 
der einzelligen und faserigen Algen entsprechen; 4) dass wenn 
das Keimen der Sporen nicht welter als bis zum Anfang eines 
Hypothallus beobachtet werden konnte, diess wahrseheinlich dem 
Mangel einer Mitwirkung der erforderlichen Alge zuzuschreiben 
ist; 5) dass zwischen den Licbenen und Pyrenomyceten eine 
sehr auflFallende Uebcreinstimmung in der Entwickelung der 
Fructification besteht. — In derzweiten der beiden oben erwahn- 
ten Abhandlungen geht er auf nahere Details ein, und zahlt die 
verschiedenen Algentypen auf, die er als die Gonidien bildenden 
betrachtet. Diese Typen, ycht an der Zahl, schliesst er in zwei 
Gruppen ein, nemlich „Phycochromaceae" und „Chloi'ophyllaceae," 
so genannt vou der Farbe ihres respektiven Zelleninhalts. Der 
ersten Gruppe, nemlich der mit den blaulich-grtinen Zellen, theilt 
er funf Typen zu, als: 1. Sirosiphonae, 2. Bivulariae, S, Sc^tone- 
meae 4. Nostochaceae 5. Chroococcacae ; und zur letzteren Gruppe, 
der mit den chlorophyll-grunen Zellen, zahlt er die drei ubrigeo 
Typen, nemlich 6. Coftfe^vacene, 7. Chroolepideae, S. Palmellaceae 

(Fortsetzung folgt.) 



Zwei Frag^en der botaniscfien ]Vonienclatiur< 



V 

Von Dr. Lad. Celakovsky. 
(Fortsetzung & Schluss.) 



AUe diese Vortheile scheinen mir theils illusorisch, theils von 
geringem Bclang zu sein, daher ich sie ntiher beleuchten vverde. 
"Was das Alter der Art betrifft, so glaube ich nicht, dass es noth- 



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22 

wendig oder auch nur immer thunlich sei, es aus dem Artnamen 
sofort abzulesen. Wie gesagt. datirt eine grosse Anzahl Arten 
Linne's aus viel friiherer Zeit und ist es unmoglich, dem Namen 
gleich anzusehen, ob Linne die Art selbst aufgestellt oder Dur 
neu benannt hat. Es ware also oft geradezu ein Irrthum, alle 
Arten mit Linnets Autoritat ftir Linn^'sche Arten anzusehen. Ja -J 
es sind mauche Arten nach Linn6 wieder aufgeuommen worden, % 
die Linn6 nicht kannte, die aber schon seinen Vorgangern Ji 
bekannt waren. So wtirde man z. B. aus dem Namen Sparganitmi : 

minimum Fries falschlich schliessen, dass die Art verhaltnissmas- 
sig jung sei, wahrend sie in Wirklichkeit bereits von C. Bauhin 

4 

im 17. Jahrhundert und zwar unter demselben Namen unter- / \ 









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schieden worden ist. Um das Alter einer Art kennen zu lernen, 
dazu ist die Geschichte, insbesondere die Synonymic der Art da, 
und wer sich darum interessirt, der gehe an die rechte Quelle, 
und suche nicht aus dem gegenwartig geltenden Namen etwas 
herauszudeuten, was moglicherweise falsch ware. 

Wenn man ferner in uianchen Fallen aus dem ursprunglichen 
Autorsnamen das Vaterland ersehen kann, so geht das bei vielen 
anderen Namen, z. B. Linn^'s, De Gandolle's und anderer grossen 
Systematiker eben nicht an. Man wird doch stets sowobl nach 
dem altesten Synonym fragen, als auch in directerer Weise das 
Vaterland zu erfahren suchen, als durch Herumrathen amblossen 
Namen und Autornamen, welches gar leicht irrefiihren konnte. 
Sehr unwesentlich scheint mir schon gar das Argument, dass der 
ursprtingUcheAutor zugleichauch die (gute oderschlechte)Gewahr 
fiir die Giite der Art bietet. Denn erstlich kann man ja immer 
das alteste Synonym darum fragen, dann aber bietet der Autor, 
der die Art in eine andere Gattung iibertrug, die Gewahr eben- 
falls und oft noch besser. Ein besonnener Autor wird wohl sel- 
ten eine schlechte Art in eine andere Gattung iibertragen, ja er 
wird in Folge inzwischen gemachter Erfahrungen, und von dem 
nicht seltenen Vorurtheil der Vaterschaft der Art befreit, oftcr 
noch eine bessere Biirgschaft geben als der erste Autor. Von 
einem icichtfertigen Speciesmacher wird man aber auch die 
Uebertragung schlechter Arten erwarten konnen. 

Bestechender ist das mit dem Beispiel des Tetragonolohus 
siliqiiosus belegte Argument. Die stricte Beibehaltung des ersten / 
specifischen Beinamens erleichtert allerdings den Zusammenhang und ^ 
die UebersichtlichkeitderNomenclatur, doch oftermehr zumSchein 
und auch nicht einmal in alien Fallen. Wenn mir der Name 



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23 

Tetragonolohus siliquosus tiberhaupt ganz unbekannt ist, so werde 
ich gar nicht oder doeh nicht mit Sicherheit auf Lotus siliquo- 
sus verfallen, well es auch andere Arten mit diesem Adjektiv- 
beisatz giebt; und wenn ich schon weiss, dass beides Synonyme 
sind, so ist mir das Hilfsmittel des Gleichlautes weniger werth. 
Indessen ist siliquosus nocli ein seltener, auffallendererBeiname, 
Was nutzt mir aber in dieser Beziehung die Erhaltung von so 
haufigen und wenig bezeichnenden Beinamen, wie vulgaris, 
officinalis, arvensia u. s. w., die gar keinen Fingerzeig abgeben. 
Wer verfiele z. B. darauf, dass Silene vulgaris Garcke das ver- 
schoUene Behen vulgaris Monch, d. h. Cuculalus behen L. sein 
soil, wenn man nicht die Synouymie nachsehen kann, oder dass 
Calamintha vulgaris (L.) Vatke Clinopodium viilgare L. sein soil. 
Und ferner, wenn ich mir Cephalanfhera grandiflora (Scopoli sub 
Serapiade) oder C. grandiflora (Scop.) Babingt. merken soil, so 
ist das dem Gedachtniss beschwerlicher, als wenn ich nur 
Cephalanihera pallens Eich. zu merken babe. Denn dass da?u 
das alte Synonym Serapias grandiflora Scop, gehort, brauche ich 
f mir gar nicht zu merken, dieser Ausdruck wird nicht mehr 
^]f j gebraucht, und wenn doch ja einmal, so ist die Synonymic zum 

Nachschlagen da. Uebrigens wurde ja der alteste specifische 
Beiname doch in der Kegel von jenem Autor, der die Gattung 
emendirte, beibehalten, und muss die Beibehaltung, wenn keiner 
der noch zu besprechenden Grunde entgegensteht, auch in Zu- 
kuutt anempfohlen werden ; es handelt sich also nur urn 
nicht sehr zahlreiche Falle, wo diess bisweilen mit guten 
Grunde n nicht geschah, Schliesslich ist noch darauf hinzuweisen, 
.dass es Falle giebt, in welchen das Argument von der Evidenz 
der Nomenclatur gegen die Beibehaltung des altesten specifi- 
schen Beinamens spricht, namlich dann, wenn eine Gattung mit 
einer sehr bekannten Hauptart oder tiberhaupt nur einer Art 
eingezogen wird, wobei durch Annahme des immer bezeichnen- 
deren Gattungsnamens als specifischen Beinamens die Evidenz 
viel besser gewahrt bliebe. Gewiss wird man Clinopodium vul- 
gare L. weit eher in Calamintha clinopodium Benth. als in 
Calamintha vulgaris Vatke, und Phellandriwn aquaticum L. bes- 
ser in Oenanthe phellandrium als in Oenanthe aquatica wieder- 
erkennen. Das ganze Argument ist also nebstbei eine zwei- 
sehneidige Waffe, die besser in der Scheide bleibt. 

Einen bemerkenswerthen Grnnd bringt noch Boissier fiir 
seine Methode vor, indem er sagt: „seine Metbode gestatte den 



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24 

ernsthaften BotaEikern die Classifikation der Arten vom rein 
■wissenschaftlichen Standpunkte zu behandeln, ohne in Gefahr zu 
kommen, dass man sie mit jenen Autoren identifizire, welche 
Neuerungen anstreben, an deiieii die Eigenliebe mebr Theil hat 
als das Suchen nachWahrheif Darait ist gesagt, dass bei die- 
ser Methode der Botaniker nach bester Einsieht neue Gattungen 
bilden konne, ohne den Verdacht zu erregen, er stellte die Gatt- 
ungen bloss auf, um die zu ihnen gehorigen Arten umtaufen zu 
konuen. Ich babe von der wissenschaftlichen Kritik die gute 
Meinung, dass sie nach solchen Nebenriicksichten die Aufstellung 
einer neuen Gattung nicht beurtheilen wird. Denn jene Autoren, 
die aus Sucht, ihre Namen glanzen zu lassen, Gattungen zersplit- 
tern, erreichen ihreo Zweck doch nicht, da ihr Gebahren von der 
Wissenschaft abgelehnt wird. Wenn aber ein Autor, nur von 
wissenschaftlichenRticksichten geleitet, aus wahrer interesseloser 
Ueberzeugung eiue Gattung neu aufstellt, so wird die wissen- 
schaftliche Kritik seinen Standpunkt zu beurtheilen wissen, und 
ihm Eecht geben, wenn er wesentliche Merkmale der neuen Gatt- 
ung aufgefunden hat, er mag diese oder jene nomenklatorische 
Methode befolgen. Ist seine Gattung schlecht, so wird sie fallen, 
ist sie aber gut, so ist sein Verdienst gross genug, um seine 
Autorsehaft fur die umzuandernden Speciesnamen zu recht- 
fertigen. 

Endlich lassen sich auch Niitzlichkeitsgruude daftir anftihren, 
dass der blosse specifische Beiname keine syste- 
matische Geltung und Prioritat besitzen, und dass er 
somit eventuell durch einen anderen ersetzbar sein solle. Es 
giebt uamlieh verschiedene Griinde, welche die Beibehaltung des 
specifischen Beinamens bei der Veranderung des Gattungsnamens 
verbieten oder wenigstens nicht wiinschenswerth machen. Seiche 
Falle sind: 

1) Wenn der specifische Beiname bereits in der Gattung 
existirt, in welche die Uebertragung stattfinden soil; wenn z. B. 
Cucubalus hehen L. in die Gattung Silene kommen soil, in der 
bereits eine Silene iehenL, existirt. Hierbleibt durchnus kein an- 
dererAusweg, als einen neuen Beinamenzu geben, womit, wenn man 
die Unveranderlichkeit des specifischen Beiworts zum Gesetze ge- 
machthat, eine Ausnahme von diesem Gesetze statuirt wird. Erkennt 
man nur dem ganzen Artnamen Prioritat zui so brauchtman von 
seiner Kegel nicht abzuweichen und wird auch nicht zweifelhaft 
sein, dass nach der Prioritatsregel der Name Silene inflata 



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25 



Smith zu gelten habe. Misst man nber dem specifischen Bei- 
namen fiir sicb Prioritat bei, so wird man erst suchen mtissen, 
ob Dicht ein solcher in einer anderen Gattung ala Silene friiher 
gegeben wurde, und so sind wir denn gleich mit zwei neuen 
Namen Silene vulgaris Garcke (Behen vulgaris Moncb) und Silene 
venosa Aschers. {Cucuhalus venosus Gilib.) bescbeukt worden. 
Beide Namen sind tibrigens anderweitig anfechtbar, denn es ist 
doch sonderbar, MonchsBeinamenin Anerkeunung dessen, dass er 
eine so schlechte Gattung wie Behen aufstellte, gelten zu lassen, 
und gegen Cumbalus venosus ist einzuwenden, dass Gilibert nicht 
berechtigt war, Linn^s Cucuhalus hehen in C. venosus umzuandern. 

2) Wenn der urspriinglicbe specifiscbe Beiname nur inBezug 
auf seinen ursprtinglichen Gattungsnamen gegeben warde und 
daselbst Sinn batte, in der neuen Gattung aber widersinnig oder 
wenigstens bedeutungslos erscheint. So batte z. B. Fragaria 
sterilis L. eine Erdbeerart zu bedeuten, welehe keine saftigen, 
geniessbaren Friichte tragt, also in figiirlichem Sinne steril bleibt. 
Nachdem aber die Art zu Potentilla komraen musste, bedeutet 
sterilis gar nichts mehr, , da alle Arten der Gattung saftlose 
Friichte haben, oder gar etwasFalsches, als ob sie ira genaueren 
Sinne unfruehtbar ware. Ehrhart war demnach wohlberechtigt, 
denBeinamen in fragariastrum zu andern, der nun fiir Poteiitilla 
ebenso passend ist, wie es sterilis fiir Fragaria wan Linne 
selbst gab ein Beispiei einer solchen motivirten Namenanderung, 
indem er seine friihere Plantago uniflora in Litorella lacustris 
anderte. 

3) Wenn der altere Beiname einer Art zum Namen der 
neuen Gattung erhoben wird, und so ein neuer specifischer Bei- 
name ndthig wird, urn eine Tautologie zu vermeiden. Die Tan- 
tologie kann verschiedene Grade haben, und zwar: 

a) Die Tautologie ware voUkommen, wenn der unveranderte 
substantivische Beiname zum Gattungsnamen wird, z. li.Castanea 
(aus Fagtis castanea L.) Anthriscus (aus Scandix anthriscus L.). 
In diesem Falle erkennt man allgemein die Nothwendigkeit eines 
neuen specifischen Beinamens und muss wie unter 1) abermais 
eine Ausnahme von der Regel zugeben, wenn man den speci- 
fischen Namen an sicb fiir prioritatsfahig erklart hat. Bei die- 
sem Grundsatz wird man wieder leicht zu tiberflussigen Neuer- 
angen verleitet, wenn man nicht jenen specifischen Beina- 
r^ men gelten lasst, der mit der neuen Gattung zugleich zuerst 
I gegeben wurde. So erhielteu wir statt Anthriscus vulgaris Pera. 

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den neuen Namen Anthriscus scandix Aschers., well nach Linn^ 
zunachst Scopoli die Art Cawrafe scawdiic benannte. Also weil oder \ 
trotzdem Scopoli die Art, die er nicht aufgestellthat,in 
einefalschfcGattuDg stellte, also absolut garkeinVerdienst 
um die Art hat, so muss nach dem obigen Grundsatz sein 
specifischer Beiname erhalten werdenM Oder ist hiebei etwa 
auch ein Niitzlichkeitsgrund im Spiele? Braueheich mir bei dem 
systematisch giltigen Namen immer den unberechtigten und ver- 
schollenen Namen Scopoli's gegenwartig zu halten? 

b) Die Tautologie ist geringer, wenn der alte specifische Bei- 
name wenigstens in der Endigung vom neuen Gattungsnamen 
verschieden ist, wie in Selaginella selaginoides oder Spiranthes 
spiralis oder Viscaria viscosa* Die Mehrzahl der Autoren ver- 
meidet auch diese Tautologie und gebraucht hiebei andere Bei- 
namen, weieht aber damit ebenfalls wieder von ihrer Kegel ab. 

c) Die Tautologie liegt nicht im Wortlaute, sondern nur im 
Sinne, v^enn beide Worte des neueren Artnamens in lateinischer i 
und griechischerSprache dasselbe bedeuteu, z. B, Arctostaphylos ^ 

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tiva ursi oder Sarothamnus scoparius. Hieruber sind dieAnsicb- 
ten schon mehr getheilt, indem Einige solche Namen verwerfen, 

Andere sich nicht an sie stossen. 

In alien den genannten Fallen hat die von mir vertheidigte 
Methode der Prioritat des ganzen Artnamens den Vortheil, dass 
sie uns bessere Namen liefern kann, ohne jemals ihr Princip zu 
verlaugnen, ohne jemals die Prioritat nach ihrer eigenenDeutung 
zu verletzen. Dagegen nothigt die Methode der Prioritat des 
specifischen Beinamens einestheils zum Negiren ihres eigenen 
Princips, anderntheils zur Annahrae schlechter Namen, und lasst 
tiberdiess noch die Moglichkeit widerstreitender Ansichten offen. 

Die zuletzt angefubrten Grtinde sind offenbar ganz analog 
denen, um derentwillen J. Miiller im Cap. VI den Satz aufstellte, 
dass Arten- und Varietatennamen bei einem Rangwechsel ihr 
Prioritatsrecht verlieren. Ganz naturlich; denn der Rangwechsel 
besteht ebenso in einerVeranderung des nachst hoheren logischen 
Gattungsbegriffs und seines Namens wie die Versetzungeiner Art in 
eine andere Gattung. DerVerfasserderNomenclaturisehenFragmente 

undAlle,die seinem Satz VI. beistimmen,miissen, um konsequentzu 
sein, noch hinzusetzen: Der sp ecifische Beiname verliert, 
wenn der Gattungsname geandert vvird, sein Priori- 
tatsrecht Wobei aber ebenfalls' die zwei Schlusssatze der 
Fragmente auf S. 159 Beriicksichtigung verdienen. 



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IL Die Prioritat der Gattungsnamen beginnt erst mit Linn6. 

Wahrend es allgemein anerkannnt wird, dass die wissen- 
schaftliche Giltigkeit oder der Prioritatsanspruch der Artnamen 
erst mit Linn6 beginnt, sind die Ansichten iiber den Zeitpunkt, 
von dem die Prioritat der Gattungsnamen zu setzen ist, getheilt. 
Wahrend man frUher ziemlich allgemein alle in Linn6's Genera 
plantarum angefuhrten Gattungen mit Linn^'s Autorschaft zu be- 
zeichnen pflegte, und etwa nur dann auf Tournefort und andere 
Patres zuriickging, wenn eine von Linne eingezogene Gattung 
der Allen restaurirt werden soUte, so ist es besonders seit 
Endlichers Genera plantarum immer allgemeiner Sitte geworden, 
als Autoren solcher Gattungen, die vor Linn6 bereits im selben 
Oder ahnlichen Umfange aufgestellt worden waren, vorlinneische 
Botaniker, wie Tournefort, Micheli, Dillen, Rivin u. a. zu statui- 
ren. Die Ursache davon liegt in dem auch in Betreff der Arten 
sich kundgebenden Streben, die Prioritat moglichst weit zuiiick 
zu datiren. Hingegen sind die Verfasser der neuesten Genera 
'{ plantarum ^Benthd^m und Hooker, zur alteren Praxis zuriickgekehrt 
und betraehtenLinn^alsdenBegriinder derGattungsprioritat, was 
sie mit dera Satze ihrer Vorrede:„Linnaeus generis inventor fuit*' 
motivirten. 

Es ist zwar nicht zu leugnen, dass die Schreibung eines 
alteren Autors zu einer von Linn^ angenommenen Gattung in 
dem genannten Falle nicht gerade unrichtig ist. Allein die 
Schreibart Sparganium ramosum C. Bauhin enthalt auch keine 
Unriehtigkeit, und obzwar Bauhin viel alter ist als Hudson, so 
wurde diese Schreibart sicherlich auch nicht gebilligt werden, da 
man Bauhin dennoch keine Prioritat des Speciesnamens vor 
Hudson zugesteht. Die Prioritat ist also noch von ganz anderen 

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Dingen abhangig, ja es lasst sich wirklich die Ansicht begriin- 
den, dass dieNomenclatur Sparganium Tournef. anstatt Linn6 
ebenso viel oder so wenig gerechtfertigt ist, als die Schreibung 
Sparganium ramosum Bauhin') statt Hudson. 

„Linnaeus generis inventor fuit." Dieser Ausspruch 
tlingt paradox und ist in der That, wenn man ihn dem vollen 
Wortlaute nach versteht, ebenso iibertrieben und incorrect, wie 
jener, dass Linn6 der Erfinder des Speciesbegriffs gewesen ist. 
Es ist wohl nicht nothig erst nachzuweisen, dass die alteren 



B&hiuen 



Mhrieben 



28 



Schriftsteller sowohl Gattungen als Arten batten, Aber wahr 
ist es, dass die Gattung erst von Linn6 in moderner, noch 
gegenwartig giltiger, streng wissenschaftlicber Weise begranzt, 
eingehender durch scharfe Merkmale definirtj durchwegs muster- 
gilt benannt worden ist; was nlles ebenso aehr von den Avten 
gilt. Die systematiscben Arbeiten seiner Vorganger sind insge- 
sammt, Tournefort nicht ausgenonimen, als blosse Vorarbeiten 
anzusehen, die zwar ihre Verdienste bafaen and fiir ihre Zeit 
Bedeutung batten, aber Ansprucb auf Geltung, auf Prioritat in 
dev gegenwartigen Systematik nicbt macben konnen, Nebmen 
wir z. B. das renommirteste Werk, Tourneforts Institutiones zur 
Hand, so werden wir uns bald iiberzeugen, dass die meisten 
Gattungen darin nicbt auf scharfe UntersHchung der Bluthentheile 
und somit auf scbarfe Begriffe basirt, sondern mebr dem Habitus 
nacb und dem Herkommen gemass geschildert siud* Man ver- 
gleiebe z. B. die Gattungen Sium, Sisarum^ Tragoselinum {Pim- 
pinella L.) Biipleurum und ijberhaupt die meisten Umbellii'eren- h. 
gattungen Tourneforts, und man wirdin der fast gleicb lautenden 
Paraphrase nicbt ein diagnostisebes Merkraal finden. Der Au- 
tor gestebt auch einmal offen, dass er Gattungen ofter mebr 
nacb vegetativen Merkmalen, nach dem Habitus, nacb blossem 
naturlichem Tacte oder gar nacb dem bisberigen Usus aufgestellt 
hat. Yon 3Ieumj welche Gattung von Foeniculum nicht im gering- 
sten verschieden definirt wird, heisst es zum Scblusse: His notis 
addenda sunt folia tenuissime laciniata, qua in re non differt 
a Foeuiculo, etFoeniculum alpinum, perenne, capil- 
laceo folio, odore medicato lubens ipsum appellarem, 
nisi Mei nomen longo [usu comprobatum esset/' Von 
TJiysselinum lesen wir: „est plantae genus, ab Oreoselino diver- 
sum succo lacteo," womit die diagnostiscbeDiflferenz zu Ende ist, 
Der stereotype Beisatz zu so vielen Gattungen:,, His notis addenda 

sunt ,*^ worauf einzelne habituelle Merkmale von den Blat- 

tern u. dgl. angegeben werden, ist haufig nicht blosse Neben- 
sache, sondern geradezu der eigentlicbe Inbalt der Gattung. 
Auf diesem Standpunkte, der zwar durch seine Zeit als Phase 
der Entwickelung der Botanik ganz erklarlich und gerecbtfertigt 
ist, war die Anzahl sebr scblechter Gattungen, die dann Linne 
zum Zusaramenzieben aufforderten, nothwendige Folge. 

Indessen ist seibst die mangelhafte Begrlindung der meislen 
vorlinn6ischen Gattungen noch nicht der Hauptgrund, wesshalb 
die systematische Nomenclatur verpflichtet sein sollte, bei Linn6 



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9 



stehen zu bleiben. Denn es konnte eingewendet werden, dass 
eben nur jene Gattungen vorlinn6ischer Autoren zu gclten haben 
die gehorig definirt sind. Freilicb abcr ware damit ein eiuiger- 
massen zweifelhaftes Princip angenommen, denn es konnte bis- 
weilen strittig werden, welche Gattung noch kenntlich charakteri- 
sirt worden und welche nicht; aueh wendet man auf Linn6s 
Gattungen selbst diesen Maaystab nicht an, man verwirft eine 
Linn^'sche Gattung noch nicht, weil sie nicht scharf genug defi- 
nirt ist, sondern sucht sie seit jeher nur zu verbessern und 
bestimmter zu fassen, obne ibre sonstige Prioritat in Zweifel zu 
Ziehen. 

Der eigentliche, der triftigste Grund dafUr, auch hinsichtlich 
der Nomenclatur der Genera nicht auf die Vorganger Linn^s 
zuriickzugehen, ist aber der, dass Linn^ der Be gr under 
der ganzen wissen schaftichen Systematik ist. Selbst 
der Prioritatsgruudsatz gait vor Linn6 noch nicht, kein Autor 
hielt sich durch seine Vfrganger fur verbunden, deren Nomen- 
clatur anzunehmen, jeder wahlte sich Gattungs- und Artnamen 
nach Belieben. Auch Linne kannte diese Verpflichtung noch 
nicht und verfuhr haufig eigenmachtig. Erst Linne's Genie er- 
zwang sich Gesetzeskratt und gelangte erst nach ihra die Pri- 
oritatsregel eben an ihn anknupfend allmalig zur Herrschaft. 
Wenn fur die Wisseuschaft erst Linne's Arten angefangen baben 
zu existiren, so muss dasselbe auch von seinen Gattungen gelten, 
weil kein Artname ohne Gattungsnamen moglich ist. Seine 
Genera und Species plantarum sind eigentlich nur ein Werk und 
beide gleichmassig die Basis aller botanischen Systematik. 
Riittelt man an den „Genera" aus einer capriciosen Vorliebe fiir 
die Alten oder aus schlecht verstandenfim Gerechtigkeitsgefiihl, 
so erschtittert man mit die Species plantarum, Es scheint mir, 
dass sich noch Niemand die Muhe genommen hat, nachzusehen, 
wieviele Gattungen Tournelbrt's und anderer iilterer Autoren von 
Linn6 willkurlichoder nach personlichemGeschmackemit anderen 
Namen versehen worden sind. Ich babe nur die bei Tournefort 
Yorkommenden Gattungen dieser Categoric gezahlt und ihre Zahl 
mehr als Hundert gefunden. Um nur ein Beispiel aus den 
Umbelliferen zu geben, so ist Pimpinella L. = Tragoselinum 
Tourn,, Conimn L. := Cicida Tourn., Heracleum L. = Sphondy- 
Uum T., Carum L. = Carvi Tourn. Eivin und A. haben zum 
Theil noch andere Gattungs-Namen, z. B, Podagraria^iM Aego- 

podium L., Cynapium statt Adkusa L. 



30 

Wenn die Prioritat der Gattungsnamen auch den Patres 
gebiihrte, wenigstens von Tournefort an, so konnte man, urn 
konsequent zu sein, sich nicht damit begntigen, statt Sparganium 
L. Sparganium Tomnet zu schreiben oder nur solcheTournefort- 
sche Gattungen aufzunehmen, die bei Linn6 nicht vorkommen, 
weil sie vou ihm eingezogen wurden (wie z. B. Valerianella 
Tournef.), sondevn es mtissten alle Linne'schen Namen 
solcher Gattungen verworfen werden, die schon 
Tournefort und Andere unter anderen Namen kann- 
t e n , und in Folge dessen musste auch eine Menge von Arten umge- 
tauft werden. Ich zweifle, dass irgend ein ernster Autor zu dieser un- 
ausbleibiichen letzten Consequenz schreiten mochte. 1st aber die Con- 
sequenz verwerfiich, so ist es auch das Princip, aus dem sie sich 
nothwendig ergibt. Wie beziiglieh der Arten so ist auch beztig- 
lich der Gattungen zu unterscheiden zwischen jenem Autor, der 
zuerst die Art oder Gattung unterschied und benannte, und zwi- 
schen jeneai, der sie w issensch aftlith giltig benannte; nur 
auf letzteren geht das Prioritatsrecht. Das Motiv, wesswegen in 
neuerer Zeit die Prioritat bis auf Tournefort ausgedehnt wurde, 
ist wiederum ein nicht woh] verstandenes Gerechtigkeitsgefiihl. 
Wie beziiglieh der Artnomenclatur ist auch hier zu entgegnen, 
dass das Kecht der Wissenschaft und einer principiell richtigen 
und vortheilhaften Methode, die ich nachgewiesen zu haben 
glaube, uber dem oit eingebildeten Rechte der Autoren steht. 
Was ist iibrigens damit gewonnen, wenn man bis auf Tournefort 
zurUckgeht? Glaubt man vielleicht, dass dieser die Gattungen 
seiner Institutiones alle oeu unterschieden und benannt bat? 
Keineswegs, sondern er iibernahm sie, wennaucb theilweise noch 
weniger ausgebildet, vielfach von seinen Vorgangern. Also musste 
man immer welter zurUckgreifen und diese traurige Jagd ohne 
Rast und festen Haltpunct wiirde die Systematik noch mehr ver- 
wirren, als sie es in Folge verscbiedener Auslegung und anderer 
Ursachen ohnehin ist. 

Wenn aber die Prioritat der Gattungsnamen erst von Linu^ 
datirt werden muss, so haben auch jene Gattungen Tournefort's, 
die von Linneeinzogen, spateraber erneuert wurden, ihre Berechtig- 
ung nur in Folge dieser Erneuerung, und miissen folgerichtig mit dem ( 
Autorzeichen ihrerRestauratorenv^rsehen werden, denenesja auch 
frei gestanden hatte, ganz andere Namen als Tournefort zu geben. 

SoUte vielleicht noch die Ansicht (die ich irgendwo las) ent- 
gegengehalten werden, dass die Prioritat der Art nur darum mit 



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Linn6 beginnt, weil dieser ein richtiges Princip der Benennung, 
namlich durch binomiale Namen, zuerst konsequent durchgefuhrt 
hat, welches Verdienst fiir die Gattungen entfallCj so ist auch 
dieser Einwaud leicht zu widerlegen. Auch fur die Gattung 
hat Linii6 einen giltigen nom enclatorischen Grund- 
satz konsequent durchgefuhrt, den die Alten, selbst 
Tournefort, nicht kannten, dass der Genusname ein einfaches 
Wort und zwar ein Substantivum sein miisse. Bei Tournefort 
z. B. finden sich Gattungsnamen wie: Cyperoides (Carex L.), 
NarcissO'Leucojum (Leucojum L.)^ Lilio-Narcissus {Amarpllis 
L,), Lacryma Job. (Coix L.), Herha Paris {Paris L.), Corona im- 
perialis [Petilium L.^, Centauritim majus {Centaur eah)^ Centaur ium 
minus {Erythraea Rcb., Gentiana L.), Caryophyllus aromaticus 
(Caryophyllus L., wahrend Caryophyllus Tourn. = Dianthus L. 
ist) u. s, w. Auch aus diesem, ubrigens nach meiner Ansicht 
nebensachlichen, Grunde^uss Linn^'s Autorschaft der Gattungen 
ais die alteste betrachtet werden, welcher Prioritat zukommt. 



Beschreibung von 4 neuen indischen Euphorbiaceen. 

Von S. Karz. 

1. Sarcoclinium sessilifolium, nov. sp. Arbuscula glabra; 
folia elongato-obovato-oblonga, 1 — 2 ped. louga, versus basin 
obtusiuseulam attenuata et in petiolum crassum brevissimum 
1—2 lin. longum abeuntia v. saepius sessilia, breve acuminata, 
subcoriacea, Integra, glabra; stipulae triangulari-ovatae, carinatae, 
subulato-aeuminatae, glabrae; flores parviusculi, brevissime pedi- 
cellati, perpauci v. plures fascicular et bractea ovata obtusa v. 
obtusiuscula parce puberula ciliolata suffulti et in racemum cras- 
siusculum strictum puberulum foliorum longitudine v. breviorem 
dispositi; sepala $ appresse hirtula, triangulari-ovata, acuta; 
ovarium dense cinereo-puberulum ; capsulae pisi minoris magni- 
tudine, S-coccae, juniores minutae puberulae, pedunculo crasso 
puberulo vix lin. longo suffultae, 

Hab. Singapore. Bthzeit Okt. — Nov. 

2. Cnesmone glahrata^ nov. sp. Frutex volubilis, novellis 
ochraceo-hirtulis; folia elliptico-ovata ad elliptica, petiolo 1 — IVj 
polL puberulo glabrescente terete suffulta, basi 3- v. sub 5-nervia 
subtruncato-rotundata, breve cuspidata, 3—6 poll, longa, tenuiter 
churtacea, subintegra, supra pilis brevibus sparsis albis incon- 






32 

spicuis adspersa, in nervis utriusque paginae fulvescenti-pube- 
Tula; racemi sparse puberuli, ramulos axillares novellos terminau- 



tes; pedicelli puberuli, lin. circiter longi ; calycis laciniae lineari- 
obloDgae, acuminatae, sparse puberulae, fimbriatae, 2 lin. circiter 
longae, subinde in dentem unum alterumve productae; ovarium 
pallide hispido-tomentosum, stigmate giaberrimo magno campa- 
nulato-cuneato terminatum; capsulaeS-coccae, tomento canescenti- 
appresse-hispido cum setis rigidis longioribus intersperse ob- 
ductae; cocci pisi majoris magnitudine. 
Hab. Singapore. Fr. Octob. Nov. 

3. Homonoya symphylliaefolia^ nov. sp. Arbuscula, novel- 
lis parce pubescentibus ; folia oblongo-lanceolata, versus basin 
rotundatara v. subcordatam angustata, petiolo 1— -2 lin. longo 
crasso pubescente suffulta, obtuse acuminata cum mucrone, inte- 
gra. cbartacea, I'/a— 3 poll, longa, glabra; flores monoici v. pas- 
sim dioici, masculi in alabastro anientacei dein racemosi, pedi- 
cello brevi canescefiti-pubescente sufifulti; racemi axillares v. 
supra Ibliorum' delapsoium cicatricibus erumpentes; fl. feminci 
solitarii, laterales v. axillares, e ramulis novellis herbaceis ori- 
entes, pedicello 2—3 lin. longo glafiduloso-puberulo suffulti; 9 
perianthii segmenta liniaria, acuminata, glauduloso-puberula; cf 
lato-ovata, acuta, glabra, v. sursum indistincte puberuia; stamina 
botryomorpbopolyadelphia; capsulae S-coccae, coccis pisi magni- 
tudine moliiter muscoso-muricatis. 

Hab, Sikkim Terai, ziemlich gemein in den trocknen (beson- 
ders den Sal-} Waldern. Fl. Apr. May; Fr. May. Jun. 

4. Baliospermum reidioides^ nov. sp. Suffrutex perennis, 

erectus, i'/i — 2 pedalis, parce iulvescenti pubescens; folia line- 
ari-oblonga v. oblonga, basi 5-nerviaobtusa v. acuta, petiolo gra- 
cili 1—1 Va poll, longo brunneo-puberulo suffulta, acuminata, 2—4 
poll, longa, membranacea, supra minute subtus dense et moliiter 
pubescentia; flores parvi, pedicellati, in paniculas graciles pube- 
scentes longe pedunculatas 3 — 4 poll, longas axillares dispositi; 
perianthii segmenta lanceolata, IVa — 2 lin. longa, extns adpresse 
hirsuta; ovarium et capsulae adhuc nimis immaturae dense fulvo- 

hirsutae. 

Hab. Siam, Walder von Kanburi (Teysmann). 









Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'schen Buchdruckerw 

(F, Huber) in Regensburg. 











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58. Jahrgang. 



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N° 3. 



Regensburg, 21. Jannar 



1876. 






Inlialt* Dr. A. v. Krempelhuber: Rev. J. M. Crombie ,iOn theLichen 
Gooidia Question," in Popular Science Review, Juli 1874, (Fortsetzung.) — 
LiteratuT. — Personalnachrichfc. 



Rev. J. M. Crombie „0n the Lichen-Gonida Question," in 

Popular Science Review, Juli 1874. 

Mitgetheilt von Dn A. v. Krempelhuber. 

(FortsetziiDg.) 



Diejenigen Genera und Species, die im Wasser leben, sind 
natttrlich von der Frage ausgeschlossen, da es augenscheinlich 
ist, dass der Pilz keinen Zutritt zu ihnen liaben kann. Der Au- 
tor beschreibt auch das Vorkomraen dieser sogenannten Algen- 
typen in verschiedenen Flechtenarten, undmacht langere Bemerk- 
nngen fiber den Cbarakter, den sie prasentiren, und die Modifi- 
cationen, denen sie in verschiedeneu einzelnen Species unterlie- 
gen. Unter andernvon ihin angefuhrten Beispielen fuhrt er auch 
an, dass er gesehen habe, wie die Hyphen in vcrschiedene Al- 
gen z, B. bei Sirosiphon, Nosioc, Glaeocapsa eindringen und die 



Flom 1875 



3 



34 

Gouidien mit einem Netzwerk umschliessen, wahrend er in einer 
gewissen Anzahl von Artcn, wie bei Boceella^ Arnoldia, Lempho- 
lemmay Parnaria beobachtete, wie sie sich mit den Gonidien 
durch eine thatige Verbindung vereinigten. Am Schlusse seiner 
Abhandlung bemerkt er, dass die Algen-Natur der Lichenen- 
Gonidien, die, wie er behauptet, sich in alien von ihm genau 
gepriiften Fallen, bewahrte, sehr wahrscbeinlich sicbauchin jedem 
andernFalle oflenbaren werde und dassfolglich dasGonidium, wie 
bis jetzt vorausgesetzt, kein selbst entvvickeltes Organ der Li- 
chenen sei. Doch wenn die Gonidien auch nicht so betrachtet 
"werden durften, wiirden dieselben doch, vom physioiogischen 
Gesichtspunkt aus genommen, als Werkzeug der Assimilation und 
der geschlechtlichen Vermehrung iibrig bleiben. Obwohl sie nicht 
die Macht, einen TbaJJus zu bilden, in sich selbst haben, so sind 
sie doch ein vvesentlicher Bestandtheil desselbcu, und unstreitig 
die wichtigsten, wenn gleich nicht alleiningenNahrungswerkzeuge 
fCir die zusammengesetzte eine Flechte genrnnteFdanze, in soferne 
diese nemlich theilweise mit solchen auch vermittelst des Sub- 
strates versehen ist. Aus diesem ailgemeinen Umriss von 
Schwendener's Hypothese wird man sogleich bemei'ken, dass ihre 
Annahme alle unsere frtiheren Vorstellungen iiber die gegensei- 
tige Verwandtscbaft zwischen dera faserigen Gewebe und den 
Lichenen-Gonidien ganzlichumvverfen wiirde. Ja, noch mehr, sie 
wtirde die Entsetzung der Lichenen von der Stellung, welche sie 
so lange als unabhangige Classe eingenommen haben, nothwendig 
machen, und bei Herstellung jedes Systems wUrde die grosste 
Schwierigkeit sicb ergeben, die halb algen- und halb pilz-artige 
Monstrositat, Lichen genannt, richtig unterzubringen. Ueber 
mehrere andere Autoren hinweg gehend, die mehr oder weniger 
direkte Beitrage von grosserer oder geringerev Wichtigkeit za 
der oben erwahnten Tbeorie lieferten, kommen wir zu einem 
Deueren, und in gewisser Beziehung dem beredtesten Vertheidi- 
ger der Hypothese. Es ist diess Dr. E. Bornet, dessen umfas- 
sende und, von Schwendener'schen Standpunkte aus, erschopfende 
Abhandlung iiber diesen Gegenstand, betitelt „Eecherche3 sur les 
Gonidies des Lichens," in den „Ann. des Sc. Nat.," 5 ser. t. 
XVII (1873) erschicn. In dieser erweitert und beleuchtet der 
Autor die Ansichten, die von ihm schon in einer fruberen Mit- 
theilung an die Akademie der Wissenschaften in Paris vorge- 1 
bracht worden waren, indem er Schwendener's Tbeorie in ihrem 
vollsten Umfang als die einzige annimmt, die fahig ist, viele 



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35 

dunkle Erscheinungen in der Physiologie derLichenen geniigend 
zu erklaren. Dass diese Theorie von den Lichenologen zuriick- 
gewiesen wurde, giebt er dem Umstande Schuld, dass Schwende- 
ner die Beziehungen zwischen den Hyphen und den Gonidien 
und die Art und Weise ihrer Verbindung nicht geniigend bewie- 
senhabe. Dennes ist,wie erbemerkt,von wesentlicher Wichtigkeit, 
zubeweisen, dass diese Beziehungen solche sind, welcbe denGedan- 
[ ken an Parasitismus nothwendig hervonufen, und dass sie in anderer 
Weise nicht richtig gedeutetwerden konnen. Indem er die grosse 
Aehnlicbkeit bespricht, die zwischen den Lichenen^Gonidien und 
gewissen Algentypen zu Tage tritt, beweist er, dass diess nichi 
ein bios zufalliger Umstand ist, insoferne nemlich diese Gonidien 
in derselben Weise wie die korrespondirenden Algen sich ver- 
mehren und reproduziren, und zwar in ganzlicherUnabhangigkeit 
von den Hyphen, Ziemlich lange verweilt er dann bei der Ue- 
bersicht einer umfassenden Serie von Lichenen, und identifizirt, 
als Resultat seiner zablreichen Beobachtungen, ihre Gonidien mit 
gewissen Algengeschlecfatern und Algen-Arten. Indem er nun zu 
den beiden schon erwahnten Schwendener'sehen Gruppen iiber- 
geht, untersucht er zuerst die Chloropyhllaceae, nemlich Trmite- 
pohlia Mart, Phylladiditim Kiitz., Protococcus Ag. Hierauf 
verfolgt ev die Aehulichkeit zwischen Trentepohlia und den Lichen- 
Gonidien in dreizehn Arten, als URoccella^ als schon von Schwen- 
dener nachgewiesen 2. Lecanora in zahlreichen Species; S.Di.'i- 
na repanda Fr. ; 4. Coenogonium Linkii Ehr. u, C, confervoides 
Nyl. ; 5. Byssocaulon niveum Mont. 6. Lecidea lutea (Dcks) und 
L, microsperma Nyl. 7. Graphis elegans Ach., G, contexta Pers. 
und G. heterospora Nyl., 8. Opegrapha varia Pers. und 0. h^rba- 
rum Mont. 9. Stigmatidium crassum Duby. 10. Arthonia cinna- 
baripa Wallr. 11. Melaspilea arthonioides ; 12. Chiodecton myr- 
ticola F6q und C, nigrocinctum Mnt. 13. Verrttcaria nitida 
Schrad., in welcher sie schon friiher ebenso gut, wie in mehreren 
Graphideen von de Bary erkannt worden war. Das Genus 
Phyllactidium ist ihm dasjenige, welches der Opegrapha filicina 
Mnt, die Gonidien liefert, wahrend eine Art des Protococcus 
nemlich P. viridis^)^ den Gonidien der Physcia parhtina ahnlich 



1) Nach Nylander (in litt.) ist die von demVerf, hier gebrauchte Bezeich- 
nung Protococcus viridis in derAlgologle ein vager und es stellendie auf der 
heigcftigten Tafel fig. 5. dargestellten grunen Zellen an den Hyphen der 

kcdxnendeii Spown -^imPhysda parieUna diso J'ieurococmt pulja^'is Menegh. 
dar. Axun. des Uebers. 

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ist, wie es durch Streuen der Sporen der letzteren auf die 
ersteven bewiesen wurde. In gleicher Weise prtift. er Schwen- 
dener's andere Gruppe, die Phycochromaceae^ and findet, dass 
die folgenden dazu gehorigen Genera verschiedene Lichenen- 
Gattungen und Arten mit Gonidien versehon. — 1. Cdloihrix 
Ag. die Lichina. 2. Scytonema Ag. die Ephebella HegetscJiwei- 
leri Jtz., die Cephalodia des Stereocaulon ramulosum Sw. und 
verschiedene Pannarien. 3. Lyngbya Ag. dtn Stereocaulon ramti- 
losum. 4. NostocAie Collema, Arnoldta.Physma das Leptogkim^ 
Obrysum^) die Cephalodia des S^ereocauZoK; Nephromium, Stictina 
und gewisse Pannarien. 5. Stigonema Ag. die Lichenosphaeria 
Lenormandi Born., Spilonema paradoxum, Ephehe ptthescens und 
die Cephalodia des S^ereocaifiow furcatum* 6. Gloecapsa Kixtz, die 
Synalissa^ Omphalaria, das PhyUiscum^ (wie friiher durch Schwen- 
dener bewiesen) die Cora und gewisse Cephalodien des Stereo- 
caulon, Wie man aus Obigem sogleich schliessen kann steht 
nicht eine bestimaite Alge ausschliesslich zu jeder Flechten- 
Species oder zu jeder Flechten-Gattung in Beziehung, vielmehr 
liefert wie Bornet bemerkte, eine kleine Anzahl von Algen einer 
grossen Menge verschiedener Licheneu die Gonidien. — Bei den 
hoheren Lichenen giebt er zu, dass es schwer ist, die Anheftung 
der Hyphen (an die Gonidien) deutlich zu sehen, obwohl er bei 
einigen der oben aufgezahlten Species dieselbe Art und Weise 
der Adhasion zwischen diesen beiden wie in den anderen Fallen 
beobachtete. 

In Bezug auf den hochst wichtigen Punkt der Beziehungen 
der Hyphen zu den Gonidien versichert der Autor, dass nicht 
der geringste Beweis vorhanden sei, dass die Gonidien von den 
Hyphen und ebenso wenig davon, dass die Hyphen von den Go- 
nidien abstammen. Im Gegegentheil seien die Beiden ursprttng- 
lich ganz unabhangig von einander und ihre Vereinigung finde 
erst spater statl. Dieses beleuchtet er und bemuht sich, es 
durch seine genauen Beobachtungen an verschiedenen der so 
geprtiften Lichenen zu beweisen. Hiebei zeigt er auch, dass, 
wUhrend die Hyphen in der grossen Mehrzahl der Lichenen die 
Alge einschliessen, indem sie ein mehr oder weniger umschlin- 
gendes Netzwerk um sie bilden, doch in manchen Fallen ihre 
Vereinigung mehr als ein blosser Contact ist, indem hiebei auch 



1) Bornet scheint nicht zu wissen, dass dieses Genus ganz parasitisch ist 
und zu den Pyrenocarpen gehort. Anm. des Uebers. 






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37 



iiuweilen ein Eindringen dcr Hyphen in das Innere der-AIgen- 
zellen stattfindet. In solchen Fallen, wie z. B. bei Arnoldia 
minutula Born, wird die Zelle vergrossert, die Wand verdichtet 
sich, der Inhalt wird farblos; endlieh schrumpft die Wand ein, 
und das Gonidium wird zuletzt zu einer todten Membrane. In 
den Fallen, wo die Algen aus unabhangigen Zellen zusammen- 
gesetzt sind, ist die Modification, welcher sie in Folge dieser 
Verbindung unterliegen; nicht sehr raarkirt, aber wo sie fila- 
mentos sind, ist die Veranderuug viel siehtbarer, wahrend in 
einigen andern Fallen die einzelncn Zellen verandertsind, ohne 
dass dadureh das allgemeine Aussehen der Alge selbst besonders 
leidet. Bornet beriihrt dann noch verscbiedene andere Punkte 
in Bezug auf die Beziefaungen der Hyphen zu den Gonidien im 
Laufe seiner Forschungen, die im Ganzen 60 verschiedene Genera 
der Lichenen unafassen. Ohne jedoch auf die untergeordneten 
Details einzugehen, sei es genug zu bemerken, dasser nach dern 
Resultate seiner Untersuchungen sich als vollstandig berechtigt 
betrachtet, die nachstehenden zweiSatze aufzustellen. ■ — 1. Jedes 
Gonidium einer Flechte kann auf eine Algen-Species bezogen 
werden. 2. Die Verbindung der Hyphen mit den Gonidien ist 
von einer Natur, welchedieMoglichkeitausschliesst, als konne eines 
dieser Organe durch das andere producirt werden und dieses 
kann allein die Theorie des Parasiti&mus gentigend erklaren. 
Diess allein, behauptet er ferner, macbt uns die fast ganzliche 
Uebereinstimmung der Gonidien sehr verschiedener Lichenen 
erkiarlich, wie auch den deutlichen Unterschied zwischen den 
Gonidien mancher andern Lichenen, bei welchen Tbalius und 
Fructification (ibereinstiuimen. Auf di^selbe Weise, glaubt er, 
kann anch der Ursprung todter, im Innern der Lichenen gefun- 
dener Gonidien richtig erklart werden, sowie auch das Vorkom- 
men ungleich gefarbter Gonidien in dcm namlichcn Thallus, 
Wie von De Bary vorgeschlagen worden, wurden verschiedene 
Versuche mit der Kultur von Flechten und Algen gemacht, um 
ttiit Gewissheit fest zu stellen, ob die keimende Flechte Gonidien 
entvvickle, oder nicht, und ob diese letzteren in freiem Zustande 
aus sich selbst Hyphen bilden, oder nicht. Ebenso machte auch 
Professor Reess, um die Anwendbarkeit der Theorie in Bezug 
auf die Colkmacei zu prtifen, verschiedene Experimente, die im 
Oktober 1871 in den Monatsb. der k. Akad. der Wissensch. xu 
Berlin publizirt wurden. Diese bestanden im Ausstreuen der 
Sporen des CoUema glaucescens Hffm, fiber Nostoc lichenoides 



^ . 



38 

Vauch., die alsogleich keimend zahlreiche Fasera aussaBdten, 
welche in das substratum eindrangen und sich innerhalb dessel- 
ben verbreiteten. (Siehe Tafel I fig. 6.). Nachdem sie ver- 
schiedene Phasen der Entwicklung durchgemacht batten, um- 
gaben sie zuletzt die perlscbnurforaugen GonidieB und bildeien 
das ,,CoUema mycelmm" oder die Hyphenmasse; so dassauf diese 
Art und im Laufe der Zeit der Nostoc in ein Collema umge- 
wandelt wurde, trotzdem keine Fructifikation erlangt werden 
kounte. Hieraus folgerte Reess, dass jedes Collema von Natur 
aus ein „Nostoc" sei, welches, im Falle keine Hyphen dazu 
koramen, ein seiches bleibt, aber von diesen inoculirt, die oben 
erwahnte Umwandlung erleidet Es mag hier bemerkt werden, 
dass Eeess, wahrend er dutch sein Experiment Sehwendener's 
Theorie tiber Collema, wonaeh dieses eine zusammengesetzte 
Organisation hatte, zu bekraftigen scheint, (es wurde fortwahrend 
diess als einer ihrer Hauptbeweise angefuhit) er zugleich stark 
vermuthet, ja sogar ofFen behauptef, dass die Pilz-Hyphen, die 
Scbwendener als den Nostoc angreifend darstellte, (Schwend. t. 
X fig. 19 — 21) in Wirklichkeit die des achten Schimmels seien. 
Aber sei diess nun richtig oder nicht, so stimmen beideForccher 
darin iibcrein, dass sie Nostoc als eine unabhangige Alge betrach- 
ten, welche entweder normal fortlebt, Oder die Beherbergerin 
eines parasitischen Pilzes und durch diesen in ein Collema um- 
gewandelt wird. Sehr beeinflusst durch die beziiglich der Natur 
der Collemacei von De Bary, Scbwendener und Reess vorgebrach- 
ten Argumente, wollten Einige, worunter auch Professor Cohn, 
der die Theorie in Bezug auf die andern Familien als unhaltbar 
betrachtet, die Collemacei ganzlich von der Classe der Lichenen 
aasschliessen. Vor wenigen Jahren jedoch, zweifelsohne veranlasst 
durch die Untersuchungen Cohn's, der einer der besten Mikro- 
skopisteu ist, und schon im Jahrel852 die Produktion von Zoo- 
sporen in den Gonidien oder wenigstens im Protococcus nach- 
wies, (von welchem er vermuthete, dass derselbe von einem 
Flechten-Thallus herrtihre), wurden verschiedene collaterale Unter- 
suchungen durch Famintzin und Baranetsky gemacht. Die Re- 
sultate derselbea wurden in mehreren kontinentalen Zeitungen, 
wie die ,,Mem. de i'Acad. imp. Sc. St. Petersbourg," 1867 und 
Melang. „Biol. Bull, de I'Acad. de St. Petersbourg/' 1868 ver- 
offentlicht. Naehdem diese Forscher von den Gattungen Physcia 
Evernia und Cladonia chlorophyllische Gonidien erhalten batten, 
gelang es ihnen, diese unabhangig von den Lichenen selbst zu 






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39 

cultiviren. Ihrem hierubererstattetenBerichtegemass produzirten 
einige von diescn Gonidieu, wie die der Physcia parietina, Zoo- 
sporen, wahrend die andern forLfuhren, sich durch vegetatives 
Wachstbum zu vergrossern, Diese Treien Gonidien waren nach 
ihrer Folgerung identisch init dem Genus Cystococcus Naeg. •wel- 
ches demnach keine selbststandige Alge, sondern nur eine Phase 
der von ihnen untersuchten Lichenen-Gonidien w^re. So fanden 
sie auch in Bezug auf die Phycochrom enthaltenden Gonidien, 
die sie durch gleichartiges Cultiviren von ColJema und Peltigera 
erlangten, dass diese fahig seien, ein unabhangiges Leben fort 
zu setzen, und dass sie in einigen Fallen mit den Algen, wotdr 
diese freien Gonidien gehalten werden, ubereinstimmten. Daraus 
schlossen sie nun, dass diese frei lebenden Gonidien aus der 
Reihe der Algen gestrichen werden sollten. Einige ahnliche 
Versuehe wurden spater noch von Woronin (vir*. „Ann. des Sc. 
Nat." ser. V. t. XVI p. 317) mit der Physcia par^' Una und Ph, 
palverulenta gemacht, aber es wurde dabei in keinem Falle ein 
Flechten-Thallus produeirt. Auch Bornet versuchte die Kultivir- 
ung von Flechten-Sporen und Algen zusammen und berichtet in 

I seiner Abhandlung die Details dieses Experiments, das sehr ge- 
lungen austiel, und bei welchem einige Sporen der Physcia 
parieliita auf eine Schicht des Protococcjs viridi'i gestreut war- 
den. Das Keimen der Sporen ging nach einigen Tagen vor sich, 
und trieben dieselben kleine Wurzelfasern (radicle filaments) 
die, schnell lauger werdend und sich ven^weigend, wo sie irgend 
wie in Beriihruug mit den Zellen des T/olococcus kamen, an 

f diese entweder unmittelbar oder an einem Nebenzweig derselben 
festwuchsen, wobei in jedem Falle die Faser enge an das Goui- 
dium angesetzt war und es umgab. (Siehe Tafel I fig. 5.) 

/ Er fiigt noch bei, dass wenn das Vorhandensein der ange- 

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wachsecen Sporen nicht die wahre Natur dieser Fasern beweisen 
wiirde, e.^ unmoglich sein wiirde, die Gonidien-tragenden Fasern 
von jenen der ausgewachsenen Flechte zu unterscheiden. AUe 
anderen Versuehe werden jedoch ganzlich in denSchatten gestellt 
durch die des Dr. Treub, wenigstens was die darauf verwendete 
■ Arbeit und die verschiedenen Methoden die angewendet wurden 
sowie die sichtbare Sorgfalt, um einen sichern Erfolg dabei zu 
erzielen, betrifft. Einer kurzen Notiz von ihm in „Lichencultur," 
in der „Bot Zeit." Nov. 1873, folgte unmittelbar darauf eine 
langere Abhandlung, betite]t„Onderzockingen over de Natuur der 
Lichenen,*' Leiden Nov. 1873. In der zweiten Abtheilung der- 



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40 

selben giebt er einendetaillirtenBericht fiber die von ihm beziig- 
lich dieses Gegenstandes 1872—73 geraachten Forschungen 
und Experimente. Unglucklichei^ Weise ftir ihn selbst, wenigstens 
in Hinsicht auf die Zeit, die er darauf verwendet und die Miihe, die er 
sich gegeben hatte, misslangen die meisten seiner Versuche; und sogar 
in Bezug auf die giinstigsten Resultate, die er erlangte ist er gezwun- 
gen zuzugeben, dass, wennsie ihn auchbestimmen, daraus dieWahr- 
heit der Scbwendener'schen Theorie zu folgern, dieselbe doeh 
nicbt entscheidend genug seien. Diess mag nun als ein kurzer 
Umriss derbekannten „Schwendener'schen Hypothese^'und derphy- 

siologischen Arguinente und Culturexperimente, durch die man 
diese Hypothese zu beweisen suchte, betracbtet werden. "Wir 
verfahren nun in gleicher Weise, um in einer ebenso kurz ge- 
fassten Skizze die Grunde darzulegen, die auf anderer Seite an- 
gefiihrt wurden, um zu beweisen, dass diese Hypothese, weil 
jeder festen Begriindung entbehrend, ganz unhaltbar ist, und 
dass keine bestimmten Beweise zu ihrer Unterstiitzung gewonnen wer- 
den konnten. Wie schon bemerkt, ist sie bis auf die gegenwar- 
tige Zeit von alien Lichenologen zuruckgewiesen worden. Und 
diess nicht, weil sie eiwas Neues, Ueberraschendes und UmstUr- 
zendes ist, sondernaus andern Griinden, welcheihnen voUkommen 
triftig und genUgend zu sein schienen. Unter Anderen haben 
Nylander, Krempelhuber, Th. Fries, Miiller ihrUrtheil fiber diese 
Sache in sehr entschiedeuer Weise ausgesprochen, indem sie 
die Theorie ftir unmoglich, ja sogav absurd halten. Es konnte 
auch wirklich gar nichterwartet werden, dass sie so aequo animo 
zusehen wUrden, wie ihre lieben Lichenen unbarmherzig ihrer 
selbststandigen Existenz beraubt und wie durch den Schlag eines 
Zauberstabes in einen spinnenartigen Herren Pilz und einen ge- 
fangencn Algen-Sklaven verwandelt werden. Sicherlich dUrlte 
die Neuheit einer so seltsamen Theorie weit mebr als die an- 
scheinend plausiblen Argumente, durch welche sie unterstutzt 
wurde, der Grund zu ihrer Annahme seitens einiger Botaniker 
der sogenannten neuen Schule gewesen sein. Alle soeben ge- 
nannten Lichenologen baben langere oder ktirzere Beitrage zur 
Bekiinipfung der Hypothese geliefert, wahrend sich auchKorber') 
und Tuckermann sehr entschiedeu weigerten, sie anzuerkennen 



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1) Vid. Kofbers's neueste Abhandlung: „Zur Abwehr der Schwendener- i 

Bornet'schen Flechtentheorje." Breslau 1874, wo sich derselbe energisch { 

gegen die Annahme der Sehwendtntr'schcn Hypoibese aa0ge8proche& hat | 

Anm. d. Uebers. I 



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41 

nnd fiich dahiu aussprachen, auch inZukunft fest zu halten, dass 
die Lichenen unabhangige Pflanzen seien. Einige der erwahoten 
Beitrage sind in verschiedenen botani.schen Zeitungen zerstreut, 
"wahrend andere in besonderen lichenologischen Abhandlungen 
enthalten sind. Die vonNylander sind hauptsachlich enthalten in 
nLapp. Or." (1866), p. 117, „Notnla de Cephalodiis," in der 
„Flora'^ 1868 p. 185 „Circa evolutionem gonimicarc Collemaceorum 
Notula," ibid. 1870 pag. 52 „Animadversio de Theoria Gonidio- 
rum algologica;" „Obs. Lich. Pyr, Or.*' (1873) p. 45, „Contra 
hypothesim parasitosamSchwendenerianam,^' ganz besonders aber 
in der „Flora'' 1874, p. 56, ' und nochmals mit Zusiitzeu abge- 
druckt in Grevillea," II p. 145. „0u the algo-lichen hypothesis 
and the nutrion of lichens." I>ie Bemerkungen Krempelhuber's, 
welcher ausftihrlich auf den Gegenstand eingeht, und die von 
Sehwendener zuGunsten seiner Hypotheseangefuhrten Erwagungen 
der Reihe nach discutirt, sind in seiner sehr bekannten „Ge- 
schichte und Litteratur derLichenologie" III. Bd. 1872, enthalten; 
diejenigen von Th. Fries sind in der Vorrede zu seiner „Li- 
chenologia Scandinavica," 1871, pp. 4—8 verzeichnet, obwohl er 
nicht genauer auf die Details eingeht. Auch Dct. MUUer machte 
eine kurze Mittheilung uber den Gegenstand in der „Flova" 
1872, p. 90, in welcher er die neue Theorie als unmoglich er- 
klart, und zu gleieher Zeit eine selbst gefundene Hypothese 
aufstellt, die, wie er glaubt, den Schwendener'schen Forscbungen 
eine neue und nattirlichere Dentung geben wUrde. Und nicht 
'die Lichenologen allein betraten das Feld, una die alte und 
wohl construirte Theorie zu verfechten, auch andere Botaniker, 
^ie Prof. Caspary, haben ihren schatzenswerthen Beistand dazu 
geliehen. Dieser letztere ausgezeichnete Botaniker hat einige 
werthvolle Bemerkungen iiber die Hypothese gemacht, und sehr 
triftige Argumeute dagegen in einer Abhandlung „Ueber die 
ueueren Ansichten in Betreflf der Flechten, wonach diese Schma- 
rotzer seien'' in Schriften der Physik. Oekon. Gesellschaft in 
Konlgsberg, 1872, Abth. II. p. 18 angeftihrt. 

Es wiirde die Grenzen dieses Artikels weit iiberschreiten, 
wenn wir hier einen Auszug ans den verschiedenen Argumenten 
geben wollten, die von diesen Autoren in den oben erwahnten 
Abhandlungen und Werken gebvaucht vrorden sind. Ailes was 
^ir desshalb zu thun verouchen konnen, istreinfach ihrVerhalten 
gegeniiber den Haupl-Prinzipien der Schwendener'schen Hypo- 
tbese anzadeuten, wie diese ursprtinglich dnrch den Autor auf- 



42 

gestellt und spater durch Bornet und Andere naher beleuchtet 
wordeu sind. Und in der That, wenn diese Hauptprincipien als 
unhaltbar und jeder wiiklichen Begrlindung entbebrend nachge- 
wiesen werden konnen, mussen alle subsidiaeren darauf beziig- 
lichen Punkte jede Kraft upd Bedeutung verlieren. Die wahr- 
scheinlich beste, well kOrzeste Methode, die Schwache der frag- 
lichen Theorie zu beweisen, wird die Prtifung der beiden Haupt- 
gvunde sein , auf welche die Schwendener'ache Theorie augen- 
scheinlich basirt ist, und die der berdhmte Autor in einer neu- 
eren Mittheilung unter dem Titel „Die Flechten als Parasiten 
der Algen" in den „Verhandl. der Naturf. Gesellschaft in Basel" 
nocbmals darlegte. Spater werden wir noch einigeEinwendungen 
anderer Natur erwahnen, die nicht so direkt auf den einen 
Oder anderen dieser Hauptpunkte Bezug haben. Die bemerkten 
zweiHaupt-Punkte, die solchermassen hier discutirt werden, si.nd 
1. die Uebereinstimmung derFlechten-Gonidien mitAlgen; und 2. 
die Beziehungen zwischen den Gonidien und den Hyphen. 

In Bezug auf den ersteren Punkt behauptet Schwendener, 
wie schon bemerkt, „dass die verschiedenen Gonidienformen hin- 
sichtlich ihrer Struktur und der Art ihrer Vermehrung mit den 
parallelen Typen der einzelligen und faserigen Algen tiberein- 
stimraen. Nun kann kein Zweifel daruber sein, dass diese Hypo- 
these ihren Ursprung, und zwar ihren alleinigen Ursprung, ledig- 
lieh in der Aehnlichkeit der Gonidien mit gewissen Algen hat, 
Oder solchen, die daiiir gehalten werden, und dass man, wenn 
diess nicht der Fall ware, niemals davon gehort haben wUrde. 
Diese Aehnlichkeit wurde schon von frtiheren Autoren bemerkt, 
zuiuck bis in das Jahr 1849, woThwaites in der „Ann. Nat. Hist." 
ser. 2 vol. IlL p. 219 deutlich die Aufmerksamkeit auf diesen 
Umstand geleukt hat. Er sah darin jedoch richtiger Weise nur 
einen Parallelismus zwischen den beiden; denn ^Aehnlichkeit" 
diess sei wobl bemerkt, ist weder logisch noch wissenschaftlicb 
gleich bedeutend mit „Identitat." Auch Itzigsohn hat in der 
„Bot. Zeit.*' 1854, p. 521 auf die Aehnlichkeit gewisser Flechten- 
Gonidien mit freier Algenbildungen hingewiesen und Schwende- 
ner diese Aehnlichkeit sofort als gleichbedeutend mit Identitat 
genommen. Spater bemerkte auch Nylander in der „Flora," 1870, 
p. 92^), nur kurz die'algologische Theorie der Gonidien besprecb- 
end, sehr freffend, dass eine so unnaturliche Existenz, vrie sol- 



1) I^icht pag. 92, sondom p. 52. 



^^ 



43 

chermassen die Gonidien, in einem Gefangniss eingeschlossen 
und jeder Freiheit beraubt, verbringen raiissten, durchaus nicht 
mit der Lebensweise der anderen Algen Ubereinstimme, und daas 
es uirgends in derNatnr ein Gleicbes gabe, denn nirgends konne 
etwas physiologisch Analoges bemerkt werden. Er fragt auch, 
was denn verhindere anzunebmen, dass die Gonidieu der Li- 
chenen eine den Algen (oder den Gonidien der Algen?) ahnliche 
Form und Struktur haben, wie diess in gewissen besonders spe- 
zifizirten Beispielen der Fall ist, und dass doch beide besondere 
Klassen in der Pflanzcnwelt bilden, indem er dann auch die 
Thatsache erwahnt, dass obwohl das Chorophyll bei den Moosen, 
Farrenkrautern und Phanerogamen beinahe iiberall das ahnliche 
ist, doch noch Niemand diese Fflanzen-Gruppen desshalb in ein 
und dieselbe Classe gesetzt hat. Die richtigere Ansicht tiber 
diese den Gonidien gleichenden Algen ist, wie er weiter bemerkt, 
wohl diese, dass man sie wenigstens theilweise nicht als wirk- 
licbe Algen, sondern als erratische Flechten-Gonidien zu betrach- 
ten hat, die auf abnorme We'se vegetiren. Diese Ansicht theilt 
auch Krempelhuber, nach dessen Dafiirhalten keine entscheiden- 
den Grdnde gegen die Annahme bestehen, dass die Flechten- 
Gonidien eher von der Flechte selbst entwickelte Organe seien 
als Algen, dass diese Gonidien gesondert fort zu leben vermogen 
und desshalb irrthUmlicb fiir einzellige Algen gehalten worden 
Bind. So sagt auch Th. Fries^ 1. c. es sei wahrscheinlich, dass 
verschiedene neuere „AIgenfamilien" aus frei wachsenden Licben- 
Gonidien bestehen, und diese desshalb aus dem Algensystenl aus- 
zuschliessen seien. In ,,Obs. Pyr. Or." 1. c. ^) behauptet Nylan- 
der nochmals, dass wenn die Hypothesewahr ware, „dieLichenen 
am besten an Platzen wachsen und am haufigsten da vorkommen 
wijrden, wo die Algen, welche, wie man meint, die Flechten-Goni- 
dien bilden, reichlich vorkommen und die man dort vollgepropft 
davon findet. Er behauptet aber im Gegentieil, (und dieErfahr- 
ung aller Lichenologen wird diese Behauptung bestatigen), dass 
die LichenenderleiPlsitzeveTmeiden, und dass diesenur von spar- 
lichen Collemacei und wenigen anderen bewohnt sind, welche nicht 
immer gut entwickelt sind nnd keine solchen Algenahnlichen 
Gonidieu in ihrem Gewebe enthalten." Ausserdem fiigt er noch 
(p. 47) bei, dass „die Algen, welche nach Schwendener's triiber 
Hypothese die ErnUhrerinen ,,der parasitischen Pilzflechten" seiij 



U^wk 



44 

goUen, keine wahren Algen sind, im Gegentheile behanptet wcr- 
den muss, dass sie von lichenartiger Natur sind, woraus folgt, 
dass diese Pseudo-Algen im Systeme zu den Lichenen zu stellen 
sind, und dass die bis jetzt so nnbestimmt begrenzte Classe der 
Algen durch neue und wahrere Grenzen bestimmt werden soUte," 
In dieser letzten Bemerkung liegt unzweifelhaft eine voUstandlge 
Antwort auf die obigen von Schwendener zur Untersttitzung sei- 
ner Theorie angefiihrte Erwagungen;desshalb sind auch ofifenbar 
die sogenannteu Algengenera, wie Cora Pr., Dichonema N- ab 
Esnb; Scytonema Ag» (gp? Gonionema, Nyl.), Sirosiphon Kntz. 
(== Spilonema, Born.) und wahrscheinlich noch einige andere, *) 
welche bis jetzt nur in sehr unvollkommenem Zustande bekannt 
waren, zurKlasse derFlechten transferirt worden. Dieses wUrde, 
wie sogleich bemerkt werden soil, die von Schwendener und Bor- 
net aufgestellten Verzeichnisse bedeutend reduziren, und wenn 
es zugestanden wird, (anf verniinftige Weise kann es auch nicht 
gelaugnet werden) dass einige andere Algenartea nur freilebende 
Lichenen-Gonidi^n sind, so wtirden diese Verzeichnisse offenbar 
bald in Nichts zusammenschwinden. Eine solche Losung der in 
einigen Fallen wirklichen und in andern nur eingebildeten Iden- 
titat gewisser angenommener Algen mit Flechtengonidien ist ge- 
wiss viel nattirlicher und verstandlicher, da sie schon auf sicher- 
eren GrUnden beruht, als die gezwungene und prima facie sehr 
unwahrscheinliche Schwendener'sche Theorie. Als ein schlagen- 
dcs Beispiel dieser eingebildeten Identitat, die nach Allem nur 
„Aehnlichkeit" ist, wollen wir einen von Bornet's starksten Punk- 
ten nehmen, nemlich dieldentitat des Protococcus viridis mit deu 
Gonidien der Physcia parietina, denn diess ist augenscheinlich 
dasjenige, was er durch seine Culturexperimente zu beweisen 
wtinschte. Diese beiden sind ohne Zweifel sehr ahnlich, aber 
eine Verweisung auf fig. 3 und 4 unsererTafel wird genligen zu 
beweisen, dass sie |iicht identisch sind; denn, wie man sehen 
wird, die Gonidien der Physcia parietina sind grosser und ver- 
mehren sich im geringerem Grade, wahrend der Protococcus sich 
mit grosster Fertigkeit und Gescbwindigkeit vermehrt, viel 



1) Gexmss den tod dem Verf. nachtraglich zu meinem Exemplar seiner 

Abhandlung sind hier Zeiie 12 nach deu Worten ,,some others" noch das 

Wort ,.which'^ und Zeile 13 nach dem Worte ^condition" noch die Worte 

einiuschaUen : „are evidently to be transferred to the class of Lichens." 

Aum. des Ucbers. 



45 

schneller, als die Gonidien. Ex uno disce omnes. Soviel also 
ttber den ersten der beiden Hauptgitinde, durch welclie Schwen- 
deuer seine Hypothese zu stutzen sucht. 

(Fortsetzung folgt.) 



lilteraiur. 



Ueber innere Vorgange bei dem Veredeb der Bamne und 
Straucher von H. R- Goppert. Mit acht lithogra- 
phirten Tafeln. Cassel, Verlag von Theodor Fischer 

1874. 36 S. 4*^ 

Der hochverdiente Forscher hafc uns mit vorliegendem Buche 
wieder ein wertbvolles Gesehenk aus dem Schatze seiner reichen 
Erfahrungen geboten; er benierkt sehr richtig: „So unendlich 
oft auch die Operation des sog. Veredelns geiibt wird hat man 
sich bis jetzt kaum noeh veranlasst gesehen, die eigentlichen hie- 
bei atatt&Ddenden Yorgauge zv uutersuchen/' Die Handbiicher 
der Pomologen beschaftigen sich mehr mit den Producten dieser 
Operationen, als mit ihren physiologischen Verhaltnissen. Nur 
einige altere Schriftsteller sprechen hievon. 

Du Hamel da Monceau (Naturgeschichte der Baume II. p. 
61) habe allezeit bemerkt, wiewohl das Holz des Reises das des 
Stammes unmittelbar beriibrte, dass diese beiden Holzer sichniemals 
vereinigten. Weiterhin scheint er aber doch anzunehmen, dass im 
hoheren Alter wohl eine vollsfandige Verbindung erfoigen moge. 

L. C. Treviranus (Phys. II. Abth. 1838 p. 217) niramt nur 
die Vereinigung der Rinde, niemals die des Holzes bei den ge- 
duchten Operationen an. 

Im J. 1841 untersuchte G. einen Zweig von Sorhus Aucupa- 
Ha, mit welchem vor 2 Jahren ein Zweig von Sorbus lanuginosa 
und im April desselben Jahres mit letzterem wieder ein Zweig 
Ton S. graeca copulirt worden war. Ein Querschnitt darch die 
Verei nigungstelle der beiden ersten zeigte, dass, obschon der 
Schnitt bei beiden damals durch das Mark gegangen war, den- 
noch die Verbindung nicht durch das Zellgewebe der beidenMark- 
cylinder und der sie umgebenden Holzringe, sondern durch ein 
Von diesen verschiedenes aus ziemlich dickwandigen Zellen ge- 
bildetes Parenchym bewirkt worden war, weiches sich dem unbe- 
waflfneten Ange als ein zarter griinlicher Streifen darstellte. 
Erst die im zweitenJahre sicU bildenden Holzringe beiderZweige 
hatten sicb direct vereinigt und nun jenes Zellgewebe eingeschlos- 



sen. Die Vereinigung der Sorbus graeca mit lanuginosa war 
durch ein gleiches Gewebe erfolpt, welches G. als intermediaree 
Zellgewebe bezeichnete. Im April 1871 wiederholte Versuche 
ergaben dasselbe ResuUat. Auf der verticalen Flache desMutter- 
stammes, wenn sie von der des Pfropfiings engumsehlossen wird, 
entwickelt sich jenes von den Markstrahlen ausgebende Paren- 
cbymgewebe, welches mit dem des Pfropflings in Verbindung 
tritt und unter Begiinstigung raoglichst vollkommenen Abschlus- 
ses von der Atmosphaere die Vereinigung nebst der Cambial- 
scbicbt bewirkt. Bei Otulalionen und Pfropfen erfolgt bei 
gut gelungener Operation die Verwachsung in dieser Richtung 
so vollstandig, dass man nur durch das Mikroskop das nieverschwin- 
dende Vernarbungsgewebe zu erkennen vermag, Bei schieferem 
Schnitte, wie bei denmeisten Copulationen, oder aueh bei Pfropfen 
mit Bloslegung des durch den Pfropfling nicht hinreichend ge- 
deckten Holzes vertrocknet das Gewebe sehr bald, nimmt eine 
schwarzliche Farbe an, verschwindet jedoch nicht so dass man 
in den altesten Stammen seine Existenz in Gestalt eines schwar- 
zen Striches noch wahrnehmen kann. Mit der Entstehung die- 
ses „Verbindungsgewebes" treten auch die Cambiallagen des 
Pfropflings und des Subjectes in innige Verbindung und einigen 
sich so genau, dass man ihre Grenze nur imLangsschnitte deut- 
lich bemerkt. An der Voi'wachsungsstelle erleiden sie eine 
leichte, mauchmal fast S formige, richtiger diagonale Biegung, 
die sich dem nachstfolgenden Holziager mittheilt und sich durch 
den ganzen Stamm fortzieht. Diese diagonale Kriimmung tritt um 
so deutlicher hervor, je grosser die Zahl der Markstrahlen ist, 
die dann ebenfalls von ihrer horizontalenLage vielfach abweichen 
und sich auf unregelmassige Weise in verschiedenen Winkeln 
scheiden. Im jiingsten und jiingeren Alter erkennt man dieses 
Structurverhaltniss am deutlichsten beim Aufbrechen der Ver- 
edlungsstelle nicht in der ebenen Flache eines Langsschnittes ; 
in alteren Stammen auf das entscbiedenste in einer verschiedenen 

r 

Farbung, wodurch der Pfropfling von dem Wildling auffallend 
geschieden erscheint* G. hat diese Trennungslinie schon frtiber 
187 1 mit dem Namen Demarcation si inie bezeichnet u. z. als eine 
innere und zugleich noch eine aussere unterschieden, welche 
auf der Aussenseite der vereinigten Stamme des 
Wildlings und des Pfropflings sich genau in d^i 
Richtung der innern befindet und durch abweich- 
ende Rindenbildung, wie auch wohl durch verscnie- 



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47 

dene Starke der beiden Stamme kenntlicb macht, da 
sie nur selten vollkommen gleichmassig wachsen. 
Alle aber der nemarcationslinie vorkommenden 
Entwickelungen gehoren dem Propfliag, alle dar- 
unter befindlichen dem Mutterstamme oder dem 
Wildlinge an. 

Der Pfropfling entwickelt sich nun auf dem ihm als Unter- 
lage dienenden Stamme, treibt seine eigecen Blatter, BlUthen, 
FrUchte and Samen, ohne dass der Stamm, auf den er gepfropft 
ist, wenigstens in der unendlichen Mebrzahl der Falle irgend 
einen wesentlichen, seinen specificchen Charakter verandernden 
Einfluss auf ihn ausiibt, da er wcgen seines blattlosen Zastan- 
des an der Assimilationsthatigkeit keinen Antheil nebmen kann. 
Seine Mitwirkuug beschrankt sich nur auf Zuiuhrung des durch 
die Wurzeln aufgeuommenen sog. rohen Nahrungssaftes. Die zu 
seiner Existenz ebenfalls erforderliche assimilirte Nahrung em- 
pfangt er nur von dem Pfropfling, verandert ihn aber an der 
Demarkationslinie auf eine seiner urspriinglichen Individualitat 
ganz und gar entsprechenden Weise. Denn sein Holz, seine 
Einde bleiben, trotz der voliig verandetien VerMltnisse seiner 
bisherigen auf die Ernahrung gerichteten organischen Thatigkeit, 
in Folge dessen in ihrer friiheren Bescbaflfenheit, und treibt er 
Zweige, Blatter und Frtichte, so stimmen sie mit denjenigen 
eines nicbt gepropften Stammesmitausserstwenigen und nur auf 
Farbnng von Blattern beschrankfen AusnahmsfalJen gam nnd 
gar Uberein, ittrwahr ein ungewobnlicbes, bis jetzt noch niemals 
gewtirdigtes Verhaltniss, indem bier der gesammte Ernahrungs- 
process ohne die sonst nothige Mitwirkung der Vegetationsorgane 
vor sicb gebt und jene einfache, jeder besonderen Organisation 
entbehrende Grenze ausreichend ist, zwei in ihrem Wesen, 
vor allem auch in ihren Producten so verschiedener For* 
men auseinander zu balten. Man kann hieraus auch unter an- 
deren erkennen, welchen Werth die Natur auch auf Erhaltung 
der Varietat, geaehweige g^ der Art legt. Die gegenseitige 
vollige Unabhangigkeit der beiden miteinander vereinigten 
Stamme giebt sich Uberdies auch nicht selten, in dem verschie- 
denen Umfange beider zu erkennen, indem der Mutterstamm 
nicht selten den Pfropfling an Umfang ubertriflft oder auch wohl 
das umgekehrte Verhaltniss eintritt, was vielleicht imGanzen fast 
haHfiget vorkommt. In diesem Falle, so mei»t man bisher wohl, 
dass der Mutterstamm die Ffille des ihm von dem Pfropfling 



48 

zustromenden assimilirten Saftes nicht zu fassen oder zu ver- 
arbeiten vermOge, wodurch eine Aufstauung und zuletzt durch 
erbohte Zellenpioduction eine Verdickung erfolge, vfekhe man 
haufig an den veredelten Stellen bemerkt. Vielieicht findet sogar 
immer eine Hemmniss statt, wodurch die schon oft Sformige 
Kriimmuiig der Demarcationslinie veranlasst wird. Richtiger und 
naturgeniasser lasst sich die Ursache dieser Verdickung auf den 
jedesmaligen Zustand der Lebensthatigkeit der Zellen beider 
Stamine zuruckfiihren, deren Ueberwiegen bald in dem einen 
bald in dem andere jene Hyperproduction hervorruft. 

Bel einer allzu grossen Verschiedenheit in der BeschaflFen- 
heit der Safte beiderseits, wie bei Holzgewachsen aus sehr Ter- 
schiedenen Familien, findet keine Verwachsung statt. Wahr- 
scheinlich kommt es in solchen Fallen gar nicht erst zur Bildung 
des sog. iiitermediaren Zellgewehes, wortiber weitere Versuchc 
entscheideu miissen, die mit Rucksicht auf diese Verhaltnisse 
zur Zeit noch ganzlich fehlen. 

Im Allg. nimmt man an, dass nur verwandte Pflanzen sich 
gegenseitig veredeln lassen; wie weit sich aber die Grenzea 
dieser Verwandtschaft erstrecken, ist zur Zeit nocb bei keiner 
einzigen Pflanzengruppe durch Versuche genau festgestellt. 

Wir konuten es uns nicht versagen die Einleitung des Verf. 
wenn gleich ein wenig gekiirzt wieder zu geben, und wollen uns 
inBetreffdes ferneren Inbaltes ganz kurz fassen. Verf, bespricht 
nun A. die einzelnen Veredlungsarten u. z. I. Pfropfen (S. 5 ff) 
a) Pfropfen in die Rinde (S. 6 ff) b) Pfropfen in den Spalt 
(S. 8 ff)) c) Pfropfen mit dem Sattel (S. 9). — 2. Oculation 
(S. 9 ff). — 3. Copulation (S. 11 ff) dann B. dieVerwachsungen 
berindeter Stamme (S. 14 ff) — C. Veranderungen welcbe durcb 
das Veredeln veranlasst werden (S. 16 ff) a) besonderer Einfluss 
des Mutterstammes auf den Pfropfling (S. 19 ff); b) Einwirk- 
ung des Pfropflings oder Edelreises auf den Mutterstamm (S, 21 ff)- 



Personalnachricht. 



In Breslau wurde am 11. Januar das SOjahrige Doctor- 
jubiiaum des 6eh. MedizinalrathesProf.Dr. Goppert in uberaus 
feierlicher den hohen Verdiensten des allverehrten Jubilars ent- 
sprechender Weise begangen. 



Eedacteur: Dr. Singer. Druek der F. Neubaner'echen Buchdrackerei 

(F« Huber) in Regensbnrg. 



1 
I 



± 








58. Jahrgang, 



m 4. 



Regensburg, 1. Febrnar 



1875. 



Inlialt* Dr. A. v. Krempelhuber: Rev. J. M. Crombie „0n theLichen- 
Gonidia Question," in Popular Science Review, Juli 1874. (Fortsetzung und 
Schluss.) — Dr. J. Miiiler: Lichenologische BeitrSge. 4. — Edw. Tucker- 
man. Lecidea elabens. — Anzeige. 



Rev. J. M. Crombie „Oii the Lichen-Gonida Question," in 

Popular Science Review, Juli 1874. 

Mitgetheilt von Dr, A. v. Krempelhuber. 

(Fortsetzuug & Schluss.) 

Wir wenden uns nun zumzweiten derselbeu, nemlich zu den 
Beziehungen zwischen den Gonidien und den Hyphen. Hier be- 
haapteter, „dass bis jetzt die gCDetische Verwandtschaft der Go- 
nidien zu den Hyphen noch nirgends direkt bewiesen, sondern 
nur aus anatomischen Griinden erschlossen worden ist, „wahrend 
ftigt er bei „die anatomische Verbindung moglicher Weise von 
„Copnlation" abhangen kann." Nun ist es bemerkenswerth, dass 
diese Behauptungin direktem Widerspruch steht mit dem, was 
Sehwendener ursprunglich selbst glaubte, und was er inNaegeli's 
nBeitragen zur wiss. Eot.'' Heft 2. p. 125, t. 1. h. 18 t. 3 h. 6. 
nachzuweisen gesucbt hatte. Diese friihere An: ichtaber, sagt er, war 
sattsam hervovgerufen worden duich die friiheren Beobachtungen 
Bayerhoffer's und Sperschneider's, obgleicher behauptete, dass 
die Gonidien von den Zwisehengliedern der Jlyphen erzeug. 



1875 



4 



Mo. "Bot, Garden, 






50 



( 



werden, und nicht von dcnTerminal-Zellen, (wie Bayerhoffer etc. 
meinte). Wenn dann die Fi^ren, durch welche er seine ur- 
sprtinglichen Ansichten fiber diesen Punkt beleuchtete, correkt 
waren, wie man annebmen kann, so ist es eine richtige Folger- 
ung, dass der Wechsel seiner Meinungen unmittelbar dem Wun- 
sche entsprang, eine weitere Bekraftigung der Grundprinzipien ^ 
seiner schon erwahnten Theorie dadurch zu erlangen, dass er ^ 
die Connexion der Hyphen mit den „AJgen''(Gonidia), mag sie eine 
wirkliche oder nur angenomraeneseiu, zu Hilfe nahm. Es ist in 
der That schwierig, we jeder Lichenologe, der das Experiment 
gemacht bat, geougsam weiss, diese Connexion herauszufindenj 
ausgenommen in den friihesten Stadien der Flechten-Entwicklung 
und aucb bier nur unter ausnebmend giinstigen Unistanden. 
Dessbalb warden die verscbiedenen scbon erwahnten Lichenen- 
Culturversucbe in's Werk gesetzt, hanptsacblich zum Zwecke der 
Feststellung a primo initio, welches derUrsprung und der Charakter 
dieser Verwandtscbaft sei. Und hier magbemerkt werden, dass 
durch die besproebenea Experimente, die in verscbiedenen Be- 
ziebungen zugestandener massen unbefriedigend und unentscbei- 
dend ausfielen, die Hypotbese wenig oder gar keine Untersttitz- 
ung erbielt, indem wenigstens zum grossten Theil die beobacb- 
teten oder an^eblich beobacbteten Erscbeinungeu einer anderen 
und wabrscheinlich ricbtigeren Deutung fabig sind. So ist es 
aucb in Bezug auf Ress' bekanntes Experiment mit Nostoc und 
Collema-Sporen : es kann kaum bezweifelt werden, dass Nylan- 
der's Hypotbese, wie sie in der „Flora," 1868, p. 353 et alibi 
ausgedruckt wurde, ricbtig ist, nemlich dass Nostoc tbeilweise, 
wenn nicht ganz, ein Anfangs- oder unentwickelter Zustand 
einer Collema ist, analog den „Ieprariae" bei den Licbenaceen. 
Er hat beobachtet, dass Nostoc-Tballus baufig auf sandigen und 
kiesigen Platzen vorkommen, und dass auf denselben Stellen 
kurz danach Collema pulposum gefunden worden ist, was auch 
ganz mit unseren eigenen Beobachtungen auf Kreide-Detritus am 
Shiere und Surrey und bezuglich verschiedener anderer Species 
der Collemacei auf kiesigem Boden im westlicben Hocbland uber- 
einstimmt. Diess erscheint sicherlich als eine natiirlichere Los- 
ung, als die „dimorphe" (dimorphic) Theorie des Dr. Muller in 
der „Plora" 1872 p. 90. Doch wenn Obiges aucb nicht die Be- 
ziehungen zwiscben Nostoc und Collema erklaren wurde, so wiir- 
den Reess' Experimente doch nach AUem absolut Nichts zu 
Gunsten seiner Theorie in diesembesoudereuFalle beweisen; denn 



?'■■:"- 



51 

wenn er die Sporen einer Partnelia oder Opegrapha auf den No- 
stoc gestreut hatte, wiirdeer eine gleiche Erscheinung gesehen 
haben. So verhalt es sich auch in Betreff der faserigen Keime, 
deren Eindringen. in den Protococcus vonBornet und Treub beo- 
bachtet wurde. Auch diess diirfte die von ihnen nufgestellte 
Behauptung nicht beweisen, denn M. Normann, ein ebenso prak- 
tischer wie ausgezeichneter Beobachter sah, wie die Hyphen aucb 
Chlorophyllkornchen von Jungermannia und Korncben Bltithen- 
staubes umscblangen, vid. „Allelositismus," 1872, pp. 249 und 252. 
Doeh wenn es auch naturgemass noch so schwierig ist, sich 
iiber diese Sache Gewissheit zu verschaflfen, und dieResuItate der 
Cultivirungzukeinem sichern Schlusse luhrten. sownrde doch das, 
was wir als die wabre Connexion zwischen dem faserigen Flechten- 
Gewebe und den Gonidien ansehen, geniigend durch die Beobacht- 
ungen Bayrhoffer's, Speerschneider's, Tulasue's, Thwaite's, Gibelli's 
und anderer bestatigt. Ja sogar De Bary hat in seiner Abhand- 
lung „Morphologie und Physiologic der Pilze, Flecbten und 
Myxomyceten" p. 258 etc. deutlich nachgewiesen, dass das griine 
Gonidium in einer Aultreibung (Ausdehnung) eines kurzen Ne- 
benzweiges der Hyphe entspringt; welche dann als eine kugelige 
Zelle abgeschniirt wird und eine griine Farbe bekommt. Dieses 
Grune, bemerkte Nylander in der „Flora" 1874, p. 46 '), entsteht 
urspriinglich innerhalb des ersten, Chlorophyll- oder Pycochrom- 
tragenden Zellchens, und ist nicht von Aussen eingefuhrt*).Dass 
die Gonidien nicht aus einer fremden Quelle stammen, zeigt 
noch sattsam ein Blick auf Fig. 1 und 3 unserer Tafel, wo es in 
gleicher Weise bei einer Licbenartigen und bei einer Collemacei 
artigen Species augenscheinlich ist, dass die Gonidien in den 
Isidien entstehen; denn in den jungen Isidien konnen sie am be- 
quemsten studirt und da ihr Ursprung am deutlichsten geseheo 

werden. 

Wenn das Gonidium einmal gebildet ist, fahrt de Bary in 
seiner Darstellung fort, vermehrt es sich unabhiingig durch Theil- 
«ng; aber obwohl esgewohnlich an den kleinenZvveigen der Hyphen 
gesehen wird, so ist diess doch nicht immer der Fall, denn eine Anzahl 
derselben liegt zuweilen ohne Stielchen zwischen den Hyphen zer- 

1) Nicht p. 46, sondern p. 57. Anna, des Uebers. 

2) HeiT Nylander hat auch bei seinen Untersuchungen iiber das neue 
Genus Nematonostoc die Entwickelung dieser gonimischen Pfianze von der 
ersten ZeUe an beobachtet nnd gesehen , wie in dieser ersten ZeUe die goni- 

^alsche Materie sich bildet. Anm- des Uebers. 

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5 

streut Diess wurde ganz kiirzlich durch Th. Fries „Lich. Scand." p. 7 ] 

bestatigt, welcher geniass seinen direkten Beobachtungen diese 
Ansicht adoptirt und vertheidigt. Denn, wie er constatirt, sind 
die Hyphen nicht allein in einfache Fasern verlangert, sondern 
entsenden auch kurze Zweige, deren Tenninalzelle sich allmalig 
ausdehnt, rundlich wird, spater sich mit Chlorophyll fullt und 
dann in ein Gonidium verwandelt -wird, wekhes endlich yer- 
schiedenartig getheilt ist, und andern Gonidien ihre Entstehung f 
giebt Was die Anzahl jener andern Gonidien betrifft, die frei ^jf 
nnd unter den Hyphen zerstreut gcl'unden werden, bemerkt der- 
selbe Autor ganz richtig, dass dieser Unistand keineswegs ini 
Widerspruch stehe mit der Meinung, dass nonnaler Weise eine 
Verbindung zwischen den Gonidien und den Hyphen bestehe. 
Als weiteren Beleg zu dieser Sache bemerkt Krempelhuber, 1. c, 
noch, dass Schwendener nicht unternommen hat zu erklaren, 
woher den die Pilz-Hyphen, welche die grltnen Algen umhtillen, 
stammen, Angenommen jedoch, dass Schwendener seiches durch 
die Behauptung erklaren wollte, die von den keimendenFiechten- 
sporen erzeugten Fasern seien die Hyphen der ersten Thallus- 
Anlage, macht er geltend, dass die Idee solcher nach einen 
Algen-Wirth snchenden, und einem Flechtenthallus mit Frukti- 
fication Entstehung gebenden Hyphen ganz unbegreiflich sei. 
Es gebe vielmehr Lichenenarten, die in manchen Gegenden nie- 
mals fruchtbar sind, und deren Fortpflanzung folglich nur mittelst 
der Soredien geschehen kann, und seiche Hyphen konnten doch 
fiir sich selbst ebenso wenig zur Fortpflanzung dienen als die 
Hyphen des Pileus oder des Stieles eines Agaricus, wahrend es 
hochst unwahrscheinlich sei, dass sie diese Fahigkeit durch das 
Dazwischentreten einer fremden Alge erlangen konnten. An- 
derseits behauptet er, es sei doch viel naturgemasser, dass die 
Gonidien als aus den Lichenen selbst entwickelte Organe, gleich 
den Sporen, die von ihnen abstammenden Hyphen befahigten-, das 
Individuum fortzupflanzen und nicht hinzutretende Algen. Das 
halten wir fiir die richtige Ansicht betrefifs der Beziehungen der 
Gonidien zu den Hyphen, die auch wenn die neue Theorie ihre 
kurze Glanzzeit gehabt haben wird, ohne Zweifel allgemein ange- 
nommen werden wird. Allein auch ganz abgesehen von diesen 
Erwagungen bleibt noch ein anderes Argument iibrig, das scbon 
flir sich selbst genugend ist, zu beweisen, dass, welcher Art auch 
immer in anderer Beziehung die Connexion zwischen diesen bei- 
den Elementensein mag, dieselbe gewiss nicht die eines 5,Pilzes'' 






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53 

mit Algencolonien ist. Deun nach Allem stellt sich schliesslich 
heraus, dass Schwendener's Herren-Parasit (master parasite) gar kein 
Pilzist, wiedurch Nylander in „Grevillea" Up. 147, deutlich bewie- 
sen wurde, nemlich: ,,Die faserigen Elementeder Lichenen nnter- 
scheiden sich anatomisch durcli verschiedene Merkraale von den 
Hyphen der Pilze. Sie sind fester, elastisch, und zeigen sich 
sogleich in dem Licheuengewebe. Dagegen sind die Hyphen der 
Pilze sehr zart, besitzen eine dilnne Wand, und sind nicht im 
geringsten gelatinos, da sie sogleich durch Anwendung des 
Pottasche-Hydrats aufgelost werden, etc. etc.'' Diese sehr beton- 
ten wichtigen Unterschiede zwischen beiden , welche Beobachtung 
voUkommen besiatigt i*t, verniehten sogleich auf wirksame 
Weise die Rolle des Pilzes in der Schwendener'schen Hypothese. 
Soviel denn iiber die zwei Hauptprinzipien, auf welchen die 
neue Theorie augenscheinlich beruht. Die drei anderen gerin- 
geren Erwagungen, welche der Autor zu ihrer Unterstiltznng 
anftihrte, und von uns schon oben erwahnt warden, sind durch 
von Krempelhuber mit sehr wenig Worten abgethan worden. 
Auf die zweite erwiedert er, dass dieser Unterschied in der 
Reaction von keinem Belange sei, da die den Hyphen entstam- 
mendenMembranender Sehlauche dieselbe Reaction geben wie sie 
die Gonidien-Membranen zeigen. Auf die vierte entgegnet er, 
^dass, obwohl es denBeobachtungen Tulasne's etc. nicht ganzlich 
gelang, die Entwicklung der Gonidien aus den Hyphen genau 
festzustellen, dennoch in Folge ihres regelmassigen Erscheinens 
auf den letzteren vernUnftiger Weise die Wahrscheinlichkeit, 
dass sie aus diesen wirklich abstammen, nicht wobl gelaugnet 
werden konne. Und auf die letzte Erwagung erwiedert er, dass 
die Anwesenheit der Gonidien nicht der einzige Unterschied 
zwischen den niedrigsten Flechten und solchen Pilzen (Pyreno- 
mycetae) sei, die eine Uebereinstimmung in ihrer Fructification 
zeigen. Aber ausser diesen besonderenEinwendungen gegen die 
Hypothese giebt es noch verschiedene mehr allgemeine von 
gleicher Starke, die ebenfalls angefiihrt worden sind. Die bei- 
<len hauptsachlichsten von diesen beziehen sich auf die Ernabr- 
ong und die Vertheilung der Flechten. Beziiglich ihrer Ernahr- 
ung hat Nylander in „Obs. Pyr. Or." 1. c. constatirt, dass wir 
besonders rings urn die Gonidien (oder Gonimia) das vegetative 
Leben als hervorragend begtinstigt und tbatig erblicken, wie zum 
Beispiel durch Hervorbriugen junger Theile und durch Erzeug- 
«ng farbender Materie, wahrend dagegen diejenigen Theile des 



54 

Thallus, die von den Gonidien entfevnt liegen, oder im Alter 
vorgeriickt sind und ihre Lebensfahigkeit verloren haben, ^ me 
diess am besten an verdickten, verkrusteten Licbenen zu sehen 
ist — ganzlichweiflsteinartig werden, und sich danu sogestalten, 
als waren sie bloss dicker BodeDsatz- Da nun die Gonidien 
aller Flechten normal mit dem faserigen Gewebe bedeckt sind, 
wahrend bei manchen eine zusammenhangende Rinden-Schicbt 
die andern Theile des Thallus ganz iimgiebt, so ist es augeu- 
scheiulich, dass sie, so von der Aussenwelt isolirt, den Stoff zu 
ihrem Wachsthum und ihrer Vermehrung nur aus dem Thallus 
selbst beziehen kounen, zu dessen Ernahrung sie nach Schweu- 
dener's Theorie, wie schon erwahnt, selbst forderlich sein sollten. 
Aber, wie Th. Fries sehr treflfend bemerkt, 1. c. p. 5. ,,es ist 
sehr bekannt, dass andere Pflanzen , aus welchen Parasiten ihre 
Nahrung ziehen, in Folge dessen welk und krank werden, wah- 
reud wir hier Pflanzen (Algencolonien) sehen, die auf alien Sei- 
ten von Parasiten (Pilzen) beucruhigt werden, und nicht nur da- 
durch keinen Schaden erleiden, sondern sogar dermassen ange- 
regt und gereizt werden, dass sie nur desto besser wachsen, sich 
vergrossern und vermehren.''^) Wohl mag er hier ausrufen 
„ein niitzlicherund kraftigender Parasitismus — wer horte jemals 
von so etwas?'' Hiezu komnit nocb, dass, wie Nylander sehr aus- 
fUhrlich in der „Flora" 1874 pp. 59—61 beweist, die Flechten 
ihre Nahrung direkt aus der Atmosphare beziehen, (da sie von 
dem Substrat nichts erhalten, essei dennauf mechanische Weise, 
e. g. Eisen und Kalk), und dass diese gewohnlich durch die 
Oberflache (die rindige Schicht) des Thallus zur Gonidien -Schicht 
dringt, v^o das thatige Leben seinen Haupsitz hat, und so ist es 
deutlich dargethan, dass Schwendener's Idee nicht nur a priori 
ausserst unwahrscheinlich, sondern auch a posteriori ganzlich 
irrig ist. 

Doch wurde noch eine andere starke Einwendung gegen 
Schwendeners Hypothese auf Grund der Verbreitung der Flechten 
gemacht. In diesem Punkte beweist Krempelhuber: dass, da so- 
viele Flechten kosmopolitisch und ihre Gonidien iiberall die 
gleichen sind, man — von der Schwendener'schen Hypothese, dass 
diess Algen seien ausgehend — annehmen mtisse, es batten solche 




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1) Diese Bemerkung ist auch schon friiher von W. Nylander (Lapp, orient, 
p. 117 in nota) und gewiss auch von vielen Andern gemacht worden. Anna. 
des Uehers. 



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55 

Algen eine ebenso weite und allgemeine Verbreitung wie die 

Lichenen, und diess stehe aber ganzlich mit unserer bisherigen 
Kenntniss der Algen-Verbreitung im Widerspruch und sei daher 
im hochsten Grade unwahrscheinlich. Ueberdiess in direkter 
Beziehung auf dieses Argument niochte man die sehr treflfende 
Frage stellen, wie kommt es, dass die Lichenen, wenn sie zu- 



sammengesetzte Pflanzen sind, in Situationen getroffen werden, 
in welchen weder -Algen noch Pilze jemals gesehen worden sind? 
Diess wurde sehr klarvon Dr.Muller gezeigt 1. c.,wo er bemerkt 
dass in den hohen AJpen auf ungeheuren Felsenflachen, die weit 
von Waldern entfernt sind, wo keine Ascomycetes, Algen aber 
nur ganz selten vorkomaien, Lichenen sehr oft und in grosser 
Menge angetroffen werden. Diess wurde auch durchunsere eige- 
nen Beobachtungen auf den hoheren Grampians in Braemar geniigend 
bestatigt, wo gegen ihre Gipfel zu, auf ausgebreiteten Flachen 
GeroUes, granit- und quarzartiger Geschiebe, nicht ein einziger 
Pilz zu sehen ist, und Algen ganz unbekannt sind (denn die 
Wasserpflanzen in den nachsten Quellen und Bachlein sind nacb 
Schwendener's eigener Beweisfuhrung ausgeschlossen), Lichena- 
ceen aber in gentigender Menge und Versebiedenartigkeit ange- 
troflfen wurden. — Noch andere mehr oder weniger kraftige Ar- 
guments wurden in dem erwahnten Werke von Krempelhuber 
vorgebracht, aber die uns gesteckten Grenzen erlauben una nicht 
darauf einzugehen. Wir wollen uns darura begniigen, zum 
Schlusse noch einfach die drei Haupt-, und nach unserem Dafiir- 
halten, unwiderlegbaren Einwendungen darzulegen, die Professor 
Caspary in den obenerwahnten Journalen gegen die Hypothese 
machte. Darin macht er geltend: L Dass wenn die Theorie rich- 
tig ware, bienach der Pilzparasifc in Grosse and ZellenanzahJ 
um viele hundert Male die erniihrende Pflanze tibertreften wiirde, 
obwohl nirgends in der Natur Aehnliches vorkoramt. 2. Die 
Tlieorie ist unmoglich, denn man mUsste bienach annehmen, dass 
die „Algen" obwohl sie mit einem machtigen Parasiten behaftet 
sind, dennoch die grosste Gesundbcit und Kraft entfalteU) 
und sich zugleich vermebren konnen , was absurd ist. 3. Die 
Theorie ist unmoglich, weil die ernahrende „A]ge," da sie ganz- 
lich in dem Pilze eingeschlossen ist, ihm augenscheinlich keine 

Nahrung zufubren kann. 

Diejenigen unserer Leser, welche genauere Details der Hypo- 
these und der Einwendungen dagegen zu wisseu wunschen, als 
zu geben uns in dem hier zn unserer Verfugung gestellten Banme 



5S 

moglich war, werden solche in den verschiedenen Abhandlungen, 
Journalen und Werken, die wir erwahut, so wie auch bis zn 
einer gewissen Axisdehnung in Mr. Archer's ausgezeichnetem 
resume dieses Gegenstandes, „Quart. Journ. Micr. Sc.^^ vol, 
XIII. p. 217 und vol. XIV. p. 115, finden. Eine Uebersetzung 
desselben Autors von Schwendener's jiingstom Beitrag zur Hy- 
pothese, in welchem er auf verschiedene Einwendungen, die wir 
dagegen geltend macbten, entgeguet, und die betitelt ist „Ueber 
die Natur der Liehenen-Gonidien" erschien in detn namlicben 
Journal vol. XIIL p. 235. In diesem bemuht sich Schwendener 
wie man erwarten konute, aufs Neue, seine Theorie in ihrer 
ganzen Vollstandigkeit aufrecht zu erhalten, und beleuchtet fer- 
ner durch andere ahnliche Beobuchtungen diesen Aufsehen erre- 
genden „Roman derLicbenologie/' oder die unnatiirlicheVerbind- 
Hng zwischen einem gefangenenAlgen-Fraulein und einem tyran- 
niscben Pilz-Herrn. 

Erklarung der Tafel L 

Fig. 1. a und b. Durchschnitte des Thallus der Pertusaria 
Westringii, um vierzig Mai vergrossert, wovaus augenscheinlich 
bervorgeht, dass die Gocidiea aus den inneven Zellehen des isi- 
diosen Ktigelchens stamraen, und nichtvon irgend einem anderen 
Theil herkomnien. 

Fig. 2. a und b. Isidiose Kiigelchen des Collema ftirvim 
m verschiedenen Lagen, woraus zu sehen ist, dass die Gonidieu 
von ihrem crstenAnfang an iu den Isiden selbst entspringen. 

Fig. 3. Gonidien der Phpscia parieHna. 

Fig, 4. Protococcm viridis, beide gleich stark vergrossert, 
nud beide von demselben StUek Rinde, zumBeweis, dass, obwohl 
ziemlicb ahnlicb, sie doch nicht identisch sind. 

Fig. 5. Von Bornet copirt (PL X.) zeigt, wiedieSporen der 
Physcia paretina mit Protococcus viridis zusammengestreut sind, 
und' Faserkeime entsenden, die in die ProtococcuskUgekhen 
eindringen oder darauf ansetzen. 

Fig, 6, Von Reess copirt, zeigt, wie die Faserkeime der 
Collemasporen in den Nostoc lichenoides Vanch. eindringen. 



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r 

Aus den vorstehenden ErOrternngen und Darstellungen wird 
der nnbefangene Leser entnehraen k9nnen, dass in Betveff der 
Entschoidung der. fragUcheu Hypothese die Wagschale sich zu 



57 

Gunsten derGegner derselben neigt undich mocbte glauben,dass je- 
der wahre LichenoJoge, jederNaturforscher, derdie Licbenen nicht 
bloss iij der Stube und mit deru Mikroscope, sondern auch in 
der freien Natur und unter verschicdenartigen Verhaltnissen be- 
obachtet und studirt hat, und nicht von vorgefasbten Meinungen 
beirrt ist, nach den oben mitgetheilten Resullaten der neuesten 
Untersucbungen von Nylauder, Th. Fries UDdCrombie jetzt kaum 
mehr in Zweifel sein wird, dass Schwendener's abentheuerliche, 
mit alien Erfahrungen inkrassem Widerspruche stehende Hypo- 
these unhaltbar und bereits dem Grabe verfallen ist. Anders 
werden iVeilich die Pflanzen-Anatomen und Pflauzen-Physiologcn 
denken. Sie, welche die Licbenen in der liegel nur aus winzigen 
Herbar-Exemplaren kennen, und entweder biindlings obne eigene 
Untersucbungen nnzustellen, den Lehren und Ansicbten des 
Schdpfers der Hypotbese folgen, oder bei Beurtheilung derStreit- 
irage nur die Resultate ihrer eigenen mikroskopischen Untersucb- 
ungen im Auge behalten and solche fur infailibel eracbtend, die 
von den Gegnern vorgebrachten, theils auf die Kesultate mikros- 
kopiscber Beobachtungen, theils auf allgemeine physiologische 
und biologische Verhaltnisse sich stiltzenden Griinde und Ein- 
wiirfe aber einfaeb iguorirend — dieselben stets nur zu Gunsten 
der Hypothese zu deuteu pflegen, werden freilich noch fortfahren, 
ihre Ansicbten (vielleicht der eine oder andere wieder mittelst 
Belehrungen im Katheder-Style) den Lichenoiogeu aufzudringen, 
obne gleicbwohl liberzeugende Beweise derselben beibringen und 
die entgegcnstehenden Bedenken der Gegner entkraften zu 
konnen. 

Im Uebrigcn ware es, urn auch die Pflanzen-Physiologen 
endlich von der Grundlosigkeit der Schwendener'schen Hypothese 
zu tiberzeugen, sebr wUnschenswerth, dass die Untersucbungen 
Crombie's, Nylander's und Th. Fries, bei welchen sich beraus- 
gestellt hat, dass die Gonidieu wirklicb von der Flechte selbst 
erzeugt werden und nicht von Aussen hinzukomnien, durch gute 
Zeichnungen illustirt wiirden; denn es ist begreiflicb, dass derlei 
Abbildungen, wie z. B. die Figureu lab und 2 b auf der, 
Crombie's Abhandlung beigefiigten Tafel, nicht geniigen, den 
Physioiogen einen uberzeugenden Beweis von der liichtigkeit 
der Anschauungen ihrer Gegner, soweit diese sich auch auf den 
Resultate mikroscopischer Untersucbungen, griiuden, beizobringen. 

In der sicbern und unanfechtbaren Beweisfiihrung aber, dass 
die Flechten-Gonidien von der Flechte selbst produzirt werden, 



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nicht aber in dem Nachweise der Identitat gewisser fiir achte 
Algen bisher gehaltenen Zellen mit den Flechten-Gonidien, liegt 
wohl doch bauptsachlich die Entscbeidung der Streitfrage und 
ich bin weit davon entfernt, zu bezweifeln, dass dieser ent- 
scheidende Beweis auch t'iir diejenigen, welche als solche die 
Besultate der neuesten Unterschungen von Nyiander, Tb. Fries 
undCrombie noch nicht anerkennen wollen, sehr bald in vollkom- 
men Uberzeugender Weise erbvacbt und und dann den Resultaten 
der bisherigen mikroscopischen Untersuchungen der Anhanger 
der Hypothese, namentlich aber jenen des Hevrn Bornet, eine 
ganz andere Deutung, als von denbetreffenden Autorengeschehen, 
gegeben werden wird. — 

Schliesslich mochte ich bei dieser Gelegenheit bier noch 
eine Bemerkung anfiigen. 

Ein Haupteinwurf, welcher in der Regel von den Anhangern 
der Schwendener'schen Hypothese gegen dieAnnahme derLicbeno- 
logen, dass die Gonidien in demFlechtenthallus selbst entstehen 
vorgebracht wird, ist der, dass bisher die Bildung von Gonidien 
bei der Keimung einer Flechtenspore noch nicht mit Sicherheit 
constatirt worden ist. 

Allein bisher hat man nur die Anfange dieser Sporen-Keim- 
ung zu verfolgen vermocht, keineswegs aber die Bildung des 
Tballas selbst aus der ersten Anlage. Diese erste Anlage, der 
Protothallus der Flechte, welcher wahrscheiolich keiner aus Spo- 
ren entstehenden Flechte fehlt, besteht aber aus einera Faserge- 
bilde, welches zweifellos dem Mycelium der Pilze analog ist und 
aus ihm oder auf ihm bilden sich erst die Hyphen des den ei- 
gentlichen Thallus, resp. die sogenannte Medullax'- und Cortical- 
Schichte, konstituirenden Gewebes. Ich mochte nun glauben, 
dass — wenigstens bei den heteromerischen Lichenen — die 
Gonidien nicht sogleich bei der ersten Anlage oder der Bildung 
des Protothallus entstehen, sondern erst in einem spateren Sta- 
dium, nachdem das Hyphengewebe des Thallus sich bereits ge- 
ntigend entwickelt bat, und dass diess der Grund ist, warum bei 
derSporen-Keimung die Entstehung der Gonidien oder des gruuen 
Inhaltes derselben in vielen Fallen bisher nicht beobachtet worden 
ist; es ist mir ferner wahrscheinlicb, dass nur eiuzelne Hyphen 
Gonidien entwickelu und dass das einzelne Gonidium sodann 
nach der Trennung von der Mntter-Hypbe innerbalb des Thallus 
sich rasch durch Theilung vermehrt und so nach und nach die 
bekannte griine Gonidien-Schichte des Thallus sich bildet. Auf 



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59 

einen solchen Vorgang bei den heteromerischen Lichenen mochte 
vielleicht auch die Lage der Gouidien-Scbichte, welche sich be- 
kanntlich bei diesen Lichenen nahe der Oberfliiche unter der 
diinnen, aus Hyphenenden gebildeten Cortical-Schichte befindet, 
hindeuten, Aus dem Umstande aber, dass man bisher bei der 
Sporenkeimung aus den Fasern der Prototballus-Anlage keine 
Gonidien entstehen sah, sogleich denSchluss zu Ziehen, dass eine 
genetische Beziehung der Gonidien zu den Hyphen uberhaupt 
nicht bestehen konne, erscheint mir geradezu abgeschmackt und 
ganz unannehoibar. 

Endlich ist es mir auch nicht zweifelbaft, dass die bisherigen 
Aus^iaat-Versuche mit Flechten-Spoven nicht desshalb keine ent- 
spvechenden Resultate geliefert haben, weil den ersten Anfangen 
der Flechte der Zutritt der ihr zukommenden Alge fehlte, son- 
dern lediglich desshalb, weil die betieffenden Forscher, welche 
in der Regel sehr wohl die anatomischen und morphologischen 
Verhaltnisse, nicht aber auch die bioiogischen und uberhaupt 
die allgemeinen Lebensbedinguugen der Lichenen kennen, es 
noch nicht verstanden haben, die Sporensaat in diejenigen Ver- 
haltnisse zu bringen und darin lang^re Zeit 7A} erhalten, durch 
welche die Eutwicklung der Flechten-Spore zur Thallus-Bildung 
unumganglich bedingt ist. 



Miincben, im Dezember 1874. 



Dr, V. Krempelhuber. 



Licbenologische BeiirUge, 

4. 
Von Dr. J, MQIler. 

Vorigen Sommer haj; ein junges und eifriges Genfermit- 
glied des sehweizerischen Alpenclubs, Herr Alfred Brun, von 
Belalp auSj also von der Walliserseite aus, nach vielen Anstreng- 
ungen und Marschen iiber Eis und Schneefelder, den 11500 Fuss 
hohen Distelgrat (od. Distelgratli) erstiegen, welcher einen Theil 
des macbtigen und eisigen Aletschgebirgesbildet uud etwa eine 
Stunde westlich vom Aletschhorn liegt. Herr Bruu batte die 
Gtite dort einige Flechten aufzunehmen und mir dieselben fur 
die wissenschaftiiche Verwerthung zu uberlasscn. Die grossern 
Arten lagen mir in schonen Exemplareu vor, die kleiueru dage- 



60 

gen waren in der Kegel in nur sehr geringer Quantitat als Bei- 
mengsel vorhanden. Das Substrat war Gneiss, Quarz und ^ 

Glimmerschiefer. ; 

Die Untersuchung dieser Materialien ergab folgendes Resultat; 

36. Amphiloma elegans y ferax Miill. Arg. Thalli mediocris 
V. parvuli laciniae quam in a orbicidari angustiores, confertae, 
valdeturgidae, crebre rugulosae, intense e rufo-lateritio miniatae, 
fere usque ad peripheriam thalli apotheciis copiusissimis obtectae; 
apothecia quam in a distincte minora, confertissima, aonnihil 
tortuoso-subangulosa. — Structura interna apotheciorum non differt. 

Habitat ad saxa gneissiaca supra moles glaciates Aletsch. 

37. Placodiam concolor v. angustum Arnold Lichenol. Aus- 
flUge n. 13 (Brenner) p. 4, nuperrime editum, cui synonymon 
addendum: Lecanora polytropa y orbicularis Schaer. Enum. p. 
81 (non formae typicae adscribenda), et pro parte: Placodium 
concolor Korb. Par. p. 118. Thallus quam in forma genuina 
speciei minor et tenuior, magis adplanatus, centre facilius eva- 
nescens, undique v. pro parte cum apotheciis e stramineo 
cyanescens ; apothecia thallo concoloria , demum e coeruleo 
nigrjcantia. 

Reliqua omnina ut in Lecanora concolore Ram. (ex specim. 
pyrenaicis a Schaer. lect., et alpinis Massalongian. et Anzianis 
et uno in St. Bernhardo a me ipso anno 1852 lecto, insulatim 
inter alia numerosa hujus varietatis crescente), sc. lamina circ. 
55—65 fi alta, byalina, superne luteo-fuscescens, paraphyses 
graciles, subliberae, sporae 6 — 11 fi longae, 5 — 8 ^w latae, sc. 
ambitu latae, saepe late ellipsoideae v. late ovoideae, v. pro 
parte globoso-ellipsoideae. 

Habitat in tractu Aletsch ad Distelgrat: Alfr. Brun, in summo 
cacumine montis Dent du midi Valesiae allit. 10600': Chavel, 
in summo cacumine Mt. Rosa: Cas. de Candolle, in monte St. 
Bernhardo supra Hospitium altit. circ. 8500-pedali: Miill. Arg., 

et in Austriae monte Glockner: Laurer 1862 (omnia in bb. 
Miill.) 

Anmerkung. Die Sporen fand ich fast immer IVs— 2mal 
so lang als breit, nuv selten merklich schmaler, nie circa 3ni^ 
langer als breit, und ebenso verhalt sich auch die typische Form 
der Species. Die entgegengesetzten Angabe-n durften wohl da- 
rauf beruhen, dass eingemischte Apothecien voa Placodium dis- 
perso-areohtum, oder vielleicht von dem folgenden Placodiutn 
gracile nicbt erkannt wordcn waren. 



^ 



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61 

38. Placodium gracile Mtill. Arg. Thallus cartilagineo-tar- 
tareus, stramineus, v. stramineo-cinerascens, saepe lividescens, 
nitidulus, pro genere tenuis et exiguus, primum orbiilas parvas 
saepe inconipletas margine radiantes formans, dein disperso-are- 
olatus V. ab initio subeflusus, areolae glebuliformes, alte con- 
vexae, suborbieulares v. late rcniformes v. inciso-angulosae, de- 
mum saepe omnino obsoletae. Apothecia evoluta 1—2 mm, lata, 
eonferta, substramineo- v. albido-carnea, primum margine crasso 
aequali nitidulo dein tenuiore et undulato cincta, ex initio con- 
cavo demum convexa et subimmarginata. Lamina circ. 45 fx 
alta, apice fuseescens, caeterum cum hypothecio hyalina, para- 
pliyses subconglutinatae. Asci angusti, apice late obtusi, 8-spori. 
Sporae (simplicea, hyalinae) 9—13 ft longae, 3'/a— 4Va (— 5) /u 
latae, saepissime fere 3-plo v. tripio et quod excedit longiores 
quam latae, cum aliis paucis sesqui longioribus quani lafis mix- 
tae, longiusculo tractu aequilatae, iitrinque vulgo late rotuudato- 
obtusae, rectae v. leviter curvatae. Spermogonia atra, prominen- 
tia; spermatia capillaceo-filiformia, circ. 40 ^ longa et circ. '/» H' 
lata, sigmoideo-curvata. 

Sporis oblongatis et thallo minore aliterque colorato a pro- 
ximo et satis simili Placodio concolore ^. angusto Arn. differt. A 
P. disperso-areolato, cujus sporae etiam elongatae, recedit sporis 
utrinque obtusis, tenuitate omnium partium et insuper thalli 
indole. Forma athallina demum a Lecanorae polytropae formis 
similiter ecrustaceis caute distinguenda est, at sporarum ambitu 
et lamina nana statim recedit. — Ambitus sporarum simul ut in 
Hepp Abbild. Fl. Europ. t. 40. n. 358 fig. 1, 2, 5 a sinistra, n. 
361, et t. 43 n. 386 fig. 2, 3 a sinistra. 

Habitat in Distelgrat montium Aletsch, altit. 11500 ped., ad 

saxa gneissiaca: 

— — f^ atratiim Mtill. Arg. Apothecia demum e livido 

atrata (pro parte saltern vegetatione fungina toruliformi interiore 
inqainata). — Thallus et sporae speciei. 
Habitat cum forma normali speciei. 

fi amoemm Mtill. Arg. Apothecia juniora amoene 
rubella, linea zeorina intensius tincta inter discum et marginem 
ornata, demum pallida cinnamomea. 

Tballus et sporae ut in forma gennina speciei. 
Habitat cum praecedentibus, sed quartzicola. 

39. Thalloidima conglomeratum Mass. Ric. p. 97. 
Anmerkung. DieSporcnsindbei diesereigenthumlichenuad 



> 



02 



nur hoch vorkommenden Flechte im Umriss sehr veranderlich 
und circa IVa — 3Va so lang als breit, in der Mehraahl einfach 
(vergl. Arnold Lich. Ausfl. Brenner p. 7), jedoch fand ich immer 
auch scharfdeutlich 2-zellige Sporen unter den einfachen. 

40. Blastema ferruginea v. melanocarpa MUil. Arg. Thallus 

obsoletus, Apothecia parva ^ mm. lata v. raro diaraetro Va 

mm. attingentia, sicca atra, opaca, madefacta obscure ]ivido-ferru- 
ginea. Sporae 9 — 11 fi longae, 5 — 7 /t latae. 

Minutie apotheciorum et sporarum ad Leeanoram fernigi- 
neam v. festivellam Nyl. accedit, sed thallus obsoletus et apothe- 
cia nigra (ut in conspecificis L. ferniginea v. nigricante Tuck. 
et in Lecanora mendace Ohl.). Similiter differt a Caloplaca fer- 
ruginea 2 caesiomfa Tb. M. Fries Scaud. 

Habitat ad saxa gneissiaca in Distelgrat tractus Aletsch. 

4L BueUia ocellata v. tenella Mull. Arg. Thallus disperse- 

areolatus, areolae tenues, -j^ mm, latae, orbiculares v. ellipticae, 

regulares v. crenato-uni-paucilobulatae, convexae, margine adpla- 
natae, madefactae pallide prasino-virides, siccae viridi-cinerascen- 

tes. Apothecia -j^* mm, lata, emergentia v. emersa. Sporae 

8 — 9 II longae, 5 — 6 /( latae. 

Habitat ad saxa gneissiaca in Distelgrat montium Aletsch. 

Anmerkung: Das Pflanzchen ist in den Thallusareolen, 
Frticbten und Sporen etvvas schmachtiger und die Thallusareolen 
stehen viel entfernter als im Typus der Species, dagegen stim- 
men alle andern aussern und iunern Charaktere so vollkom- 
men miiBuellia oceZZa^a, dasshier auch trotz einerEeactionsdififer- 
enz von einer eigenen Art gar nicht die Rede sein kann. Wiirde 
ich uamlich der spieleudeu und der WissenschaftUnheil bringen- 
deu Methode folgen, welche seit einigen Jahren leider schon 
eine Reihe von Flechtenarten, durch chemisch hineingekUnstelte 
Differenzenin2 — 3 fingirte Species zerlegt, welche doch inWahrheit 
nichts anderes darstellen als physiologisch-chemisch verschiedene 
Zustande oder gar nur Entwicklungsstadien einer uud derselben 
Art, so musste ich auch diese Vai'ietat zur eigenen legitimen 
Species erheben, deun mit Bezugnahme auf Herrn Arnolds neae 
Uebersicht der Steinbuellien in Flora 1872 p. 291—292, passen 
die Reaktiunen weder ganz zu B. stellulafa noch zu B. ocellata- 

42. Nesolerhiu Bruniana Miill. Arg. Apothecia (parasitica) 

■r~ mm. lata, orbicularia, subinnato-sessilia, convexa, atra v. 



,Y 



68 



tuscescenti-atra, superficie levissime verruculoso-aspera, secta 
intus subatra, lamina tenuissima visa autem praeter epithecium 
fumoso-hyalina, Epithecium laete coeruleumj sc. paraphyses et 
asci superne coeruleo-tincti, paraphyses simplices et bifurcatae, 
2 ii latae^ asci angustius v. latius obovoidei, evoluti circ. 40 f.i 
longi, late obtusi, 6— 8-spori. Sporae (simplices, hyalinae) 10 
12 jtt longae, 6—8 ^ latae, ellipsoideae, utrinque vulgo late 
obtusae. 

Nesolechia thallicola Mass. huie novae speciei e forma apo- 
tbeeiorum et sporarum affinis est, sed valde recedit apotheciis 
exiguis et lamina superne cum epithecio e rufo pallide fusces- 
cente, et insuper sporis distincte minoribus. lieliquae species 
notae longiua distant, et Lecidea Cladoniarum Nyl. Enura. p, 
339 speciatjm differt magnitudine minora apotheciorum, hypo- 
thecio non hyalino et sporis oblongis. — Ambitus sporarnm ut 
in Hepp Abbild. d. Spor. d. Flecht. Europ. t. 89. n, 775. 

Habitat in ramificationibus thalli Thalloidimatis conglomerati 
in Distelgrat montium Aletsch. 

Ausserdem brachte Herr Brun von demselbea Standort nocb 
folgende Flechten mit: 

Gyrophora reticulata Th. M. Fries Scand. p. 166; Umbili- 
carta anthracina y reticulata Schaer. Enum. p. 28. 

Parmelia lanata Walk. Flor. crypt. Germ. 1. p. 529 ; Th. M 
Fries Scand. p. 126; Parmelia fahlunensis i lanata Schaer. Enum. 
p. 49. 

Parmelia encausta v. atrofusca ; Parmelia ceratophylla •& 
atrofusca Schaer. Enum. p. 42. 

Placodium disperso-areolatum Korb. Syst. p. 117. 

Lecanora gibbom § laevaia Th. M. Fries Scand. p. 276. 

Lecidea plumbea Mass. Kic. p. 74, Anzi Cat. p. 81. 

Lecidea polycarpa f. ecrustacea Anzi Exs. n. 399. 

Lecidea vorlicosa Korb. Syst. p. 251. 

Lecidea privigna v. strepsodina; Sarcogyne privigna strepso- 

dim Korb. Syst. p. 266. 



MjecifMea elahens Th. Fr. Lich. Scand. p. 554. 

Lichen citatus, jam diu notus, et iu America borcali aeque 
ac in Europn vigens, est absque dubio (Uceat dicere) Lecidea 
sabuletorum v. euphorea Fr. L. E. p. 340, fide Fr. Lich. Suec. 
n. I54f. atque Summ. Vcg. Scand. p. 114 (1846). Ipse specimen 






64 

ita notatum e manu ill. E. Fries accepi anno 1850. Nee minus 

eertum plantam laudatam ab antiquiori L. sabuletorum v. eupho- 

rea Floerk., clistinctam, nliaque designatione necessarie salutan- 

dam esse. Adsunt revera tria nomina cerfca, quorum antiquissi- 

mum Americanuin, nempe L. raelancbeima Tuckerm. Syn. Lich- 

of New Engl. p. 68 (1848) & Lich.Amer. exs. n. 138; Nyl. Lich. 

Scand. p. 312 etLich. Lapp. Or. p.^164. Recentiora sunt L. eluta 

Flot. in Korb. Syst. p. 246 (1855) et L. euphoroides Nyl. Scand. 

p. 244(1861). 

Quod attinet ad L. elabentem Fr. L. E. p, 344, lichen est 

(verbis Friesii) e serie ochroleuca, L. myrmecinae forsan nimis 
affinis, crusta scilicet simili e granulis discretis dein applanato- 
dififormibus apotheciisque immixtis; disco iittamen rugoso-plicato 
elabente excipulumque cupulare marginatum relinquente; cum 
Cliostomo non coufundendis. Pace scriptoris doctiss., in ])riuci- 
pio citati, credibile non est auctorem Liclienogmphiae Europaeae 
verba aliata ad definiendura Lich. Suec. n. 154 adhibere, aut 
thallum hujus cum Lecidea myrmecina, aut apothecia cum Cli- 
ostomo comparare posse. Repetita est comparatio cum Lecidea 
coramemorata in Summ. Veg. Scand. p. 115 (1846) qua locus 
Temsjo indicatur. E hoc loco specimen mibi olim misit 
amic. D. Th. Fries. Tballo baud vere differt, nisi gradu 
evolutionis inferiori, a L. myrmecina; ad quam (vix obstantibus 
apotbeciis visis satis atypicis) forsan melius rejicieudura sit. Ni- 
hil est „elabentis'' in apotbeciis L. melancheimae ; nomenque illud. 
ut supra primo citatum, et alibi pertinen3videtur,et prorsus absonum. 

Amherst, Mass. Dec. 1874. Edw. Tuckerman. 



Verkauf von Herbarien, 

Aus dem Nachlasse des in Kirchheim n. T. im November 



1874 verstorbenen 

Z^t*. jR. jP. Mohenueker 

sollen dessen sammtliche Pflanzenvorrathe verkauft wcrden. 
Dieselben besteben aus 86 Sammlungen, von denen jede einzeln 
abgegeben wird. 

Bestellungen nimmt der Unterzeichnete, der auch zu jeder 
Auskunft gerce bereit ist, entgegen. 

St Gallen, Ende Jauuar 187o. 

Dr. B. Wartmann, Rektor der Kantonschule. 



\i 



Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'schen Buchdnickerei 

(F, Hnber) in Begensburg. 








58. Jahrgang. 



N2 6. 



Regensburg, U. Febrnar 



1875. 



Inhalt* Dr. Carl Schumann: Ueber die Bewegungen in derZelle von 
Closterium Lunula. — C. Miiller: Manipulus muscorum novorum ex 
America septentrionali. — Anzeigc. 

Bellase Tafel II. 




Ueber die Bewegungen in der Zelle von 

Ciosteriutn Mjunulu. 

Von Dr. Carl Schumann. 

(Mit Tafel H.) 

Die ersten Notizen iiber Bewegungen in der Clostcriumzelle 
finden sich imJahre 1821 aufgezeichnet. Grnithuisen ') beschreibt 
der damaligenAuffassung gemass, die in denVacuoIen befindlichen 
Partikeln alsSamenkorperchen, die sich inlebbafterBewegung be- 
finden. Die im Jahre 1827 von Brown bekannt gemachte Mole- 
cularbewegung liess ftir diese Erscheinung eine annehmbare Er- 
klarung za, welche Meyen ■) 1837 aussprach. Derselbe machte zugleich 
auf die der Cbara ahnliche Rotationsstromung in der ganzen 
Zelle aufmerksam. Ehrenberg*) Focke*) Siebold') bespracbcn 

1} Nora acta Leop. Acad. X. 2. pag. 449. 

2) Wiegmanns Archiv. 1837 pag. 425 . 

3) Ehrenberg, die Infusorien als voUkommene Organismen. Leipzig 1838 
pag. 87 und 91. 

4) Focke physiolog. Studien. Bremen 1847 pag. 53. 

5J Siebold Zeitschrift fiir wissensch. Zoologie I. Bd. Leipzig 1849 
pag. 270. 



flora 1876 



5 



X ^ ' 



60 



beide Verhaltnisse eingehender. DieAuffassung fiber die Art der 
Bewegung in den Vacuolen ist bis auf unsere Tage dieselbe ge- 
blieben. De Bary *) und Naegeii") bezeichneu die Korncben als 
in Tanzbewegung begriffen, ein Ausdvuck, welcher der Zweck- 
massigkeit halber fur die Bvown'sche Benennung Molecu- 
larbewegung in der Botanik dvirch Nageli in Aufoahme gebracbt 
worden ist. 

Untersochungen in die«er Hinsicht, vvelche ich an Closteriiim 
Lunula vorgenommen habe und bei denen ich stets die Molecu- 
lavbewegung kleinevPartikelchen inFiiissigkeiten in Vergleich zog 
nothigten mich, meine fruhere Auffassuug uber den in Rede steh- 
eiiden Gegenstand, dass namlich diese Bewegung mit der Brown'- 
scheu zu identificiren sei, eingennassen zu verandern; im fol- 
genden will ich die Grtinde hieriiber entwiekeln. Die Vacuolen 
\o}^Closierinm Lunula, weicfaediein iebbai'ter Bewegung begrif- 
lenen Kdrnchen enthalten, haben nicht , wie diess gewohnlich 
gezeichnet wird, eine Form, welche sich durch eine Hohikugei 
ausdrficken lasst, Taf. II fig.lv. Die Gestalt ist vielmebr entweder 
konisch oder sie stellt eine Kugelkappe dar, welche in dem un- 
teren, d. b, naeh dem Chloropbyllkorper zngev^andten Theil, stets durcb 
eine Calotte von bedeutend grdssereniKrummungsradius abge- 
bchlossen wird. Sie ist also unter alien Umstanden oben stark, 
unten flach gewolbt. Dabei ist dieselbe in fortdauernder Gestalt- 
veranderuDg begriffen; bald nahert sich der obere Pol dem Ende 
der Zelle, bald entfernt sie sich von ihm, DieBegrenzuugscurven 
der Vacuole erreichen bald die unnaittelbare Nahe der Zellwand, 
es bleibt daher nur ein kleiner Zwi&chenraum zvvischen beideu 
Contouren, dann weicht die Peripherie der Vacuole wieder weiter 
nach dem Centrum zuriick; diess kann auf beidenSeiten gleich- 
massig geschehen, oder es voUzieht sich nur auf der einen und 
unterbleibt auf der anderen. In diesem Wechsel der seitlichen 
Gestaltveranderungen beruhen die vorhin angedeuteten Formab- 
anderungen der ganzen Vacuole; die Verengerung des Qixer- 
schnitts bedingt die Verlangerung — die Zunahme in der Breite 
bewirkt die Verkurzung des Langedurchmessers. 

Der Antrieb zu dieser Pulsation liegt in den Stromungen 
des Protoplasmas. Ich untersuchte nur die Be.schaffenheit des- 



1) De Bary, die CoDJugaten. Leipzig 1858. pag. 43. 

2) Naegeh, Gattungen einzelliger Algeo. Zutich 1849. pag. 106. Ders.Bei- 
trfige zur wissenachaftl. Botanik. Leipzig 1860 pag. 11. 



\ 



67 

selben, soweit es sich zwischen Zellwand und Chlorophyll befin- 
det. Hier stellt es sich zunachst der Zellwand als ein hyaliner 
Primordialschlauchvonausserster Zartheit dar; er wird nur sicht- 
bar bei Anwendung contrahirender Medien; unmerklich betreffs 
der AbgrenzuDg folgt darauf ein pruinoses Plasma, welches als 
Ausgangspunktfur ein System dfinnerer Faden und dickerer Strange 
dient. Beide Theile, der Primordialschlauch, wie das letztge- 

nannte Plasma, kleiden die Raume zwischen den ChloropbylJplatten 
in schlauchartiger Form aus, indem sie ebenso gestaltete Vacu- 
olen einschliessen. An denjenigenZellen, welche gewissermassen 
eiuen jugendlieben Zustand dadurch andeuten, dass das Chloro- 
phyll wegen des Mangels an inliegendem Amylum und Oel hell- 
griin und durchscheinend ist, finden sich wenige oder gar keine 
Querstrange, welche dieLangslinien der Vacuolenwande verbinden. 
In dem Masse aber, als die erwahnten Bestandtheile sich ver- 
raehren, wachst auch die Zahl jener durchsetzendenProtoplasma- 
faden, und zwar so, dass sie zuerst in der Nahe desZellkerns in 
beiden Zellhalften symetrisch auftreten , nach einem grosseren 
Zwischenraum, der leer von den Querbinden bleibt, folgen neue 
dann vervielfaltigen sie sich nach ktirzeren Entfernungen,bisin der 
Nahe der Vacuole der ganze Raum, welchen die Chlorophyllban- 
der zwischen sich lassen, von kornigem Plasma erfallt ist. Je 
mehr die Zelle assimilirt, desto mehr werden die Zwischenfaden 
nea eingesetzt und desto kleiner wird der Inhalt der durchsiege- 
sonderten Hohlraume, Die an Kornchen reicbsten Stellen sind 
die Hohen der Chloropbyllbander. Ja von hier aus nimmt die 
Zahl der Kornchen nach dem Centrum der Zelle zu ab. 

In dem ganzen Protoplasma ist dauernde Bewegung wahr- 
nehmbar, welche durch die fortriickenden Kornchen angezeigt 
wird. Dieselbe ist nicht ein regelloses Hin-undHerfluthea, sondern 
ist nach einem bestimmten Plan geotdnet. Die Kornchen stromen 
ruckweise nach dem Ende der Zelle zn, baldgehen sieingJeich- 
massigemZug vorwarts, dann machen sie plotzlich Halt, weichen 
auch zuweilen zuriick urn wieder mit grosserer Geschwindigkeit 
den Weg fortzusetzeu. Sind sie an der Vacuole angekommen, 
so ist der enge Zwischenraum ftir die groberen Partikelcben ein 
uniiberwindliches Hinderniss, sie haufen sich hier an, wahrend 
die feinen Contenta ungehindert die Enge passiren. In dem 
Raum zwischen dem oberen Vacuolenrande herrscht demgemass, 
weil die Strome von alien Seiten fortwahrend neues Protoplasma 
zufahren, ein reges Tummeln. Deutlich sieht man, wie die ein- 

5* 



' ■ 



1 



68 

zelnen Strome gegen einander ankampfen, kleine Inhaltskorperchen, 
welche mit dem homogeneren Plasma uach dern oberen Behalt- 
niss gefuhrt worden sind, fliessen ruhelos bin und her, bis sie 
zwiscben den aufstcigenden Stromen einen niedergleitenden ge- 
funden haben, der sie in den Hauptzellraum zuruckftthrt; diese 
riickwartslaufenden Strome treffen, nachdem sie iiber die Vacuole 
hinweggekommen sind, die am Eingang der Enge zwischen Va- 
cuole und Zellhaut angehSluften groberen Kornchen und reisseu 
alle die aus dem Bereich der aufsteigenden Strome in ihre Ge- 
walt kommenden Theile mlt fort. Daher geschieht es,dass der auf- 
steigende Strom sich an der Vacuole scheinbar theilt, indem die eine 
Haifte der Wand der Zelle folgend, rotationsahnlich kreist, 
wahrend der andere Arm mit spitzer Umdrehungscurve sich auf 
den Ruckweg begiebt. 

Der ungleichraassige Verlauf der Kornchcntitromung in dem 
Hauptzellraum hat einen zweifachen Grund. Der aufsteigende 
und sich nieder bewegende Strom gehen, und diess ist besonders 
auf der Kornchenreihenhohe der Chlorophyllplatten ersichtlicb, 
oft dicht neben einander vorbei, ist nun der eine durchreichlicheres 
Protoplasma besonders machtig, so kann er denanderen momen- 



tan inhibiren, oder sogar ein Sttick nach der anderssinnigen 
Kichtung mitschleppen; ausserdemaber vermag — auch diese Wirk- 
ung aussert sich dann in der Nahe der Vacuole und zurtickgrei- 
fend auf die unmittelbar folgenden Theile— die Kornchenstauun^ 
eine partielle Hemmung der Strome zu Wege zu bringen. 
Von diesen groberen Partikeln gelingt es bei recht kraftigen 
inhaltsreichenStromen dem einen oder demanderen, den Schlnnd 
zwischen Vacuole und Zellwand zn passiren: man bemerkt, dass 
dies mit einer gewissen Schv?ierigkeitgeschieht, denn in der Haut- 
schicht der Vacuole wirdeine Einbucbtung,Taf.II. fig, 1. a,erzeugt. 
Das^elbe irrt dann in dem obereo Raume unstet umher, bis es 
ein machtiger Strom wieder erfasst und zurdckleitet. Auf diesem 
Wege gelang es mir 2mal zu sehen, wie dasselbe in dem Eng- 
paHse erst zur Ruhe und dann, indem offenbar ein bedeutender 
Strom auf der andern Seite seine Kraftausserung geltend machte, 
die Hautschicbt durchbohrend in den Vacuolenraum eindrang und 
hier an der Bewegung sich betheiligte. 

Dieses Factum hat sehou Nageli *) beobachtet und er be- 
schreibt auch, dass er denAustritt desselben wahrgenommen bat. 



1) l^^eli I c. 



C9 



Ich habe denselben bei geinigender Z«hl von Untersuchungen, 
niemals sehen konnen, und meine auch, dass derselbe niemals 
statt hat, weoigstens fuhrt niich folgende Ueberlegung dazu. 
Der Ausdruck der Kraftausserung in Molecularbewegung schwin- 
gender Korper ist ohne Zweifel viel zu gerlng, als dass eine 
solche Arbeitsleistung, wie das Durchbohren der Hautsehicht, ge- 
schafifen werden konnte, die doch, wie wir oben gesehen habeu, 
ziemlich bedeutend sein muss, denn in bei Weiteni der Minder- 
zahl von Fallen gelingt es erst cineni Kornchen in die Vacuole 
einxudringen. Zudem i^t leicht zu beobachten, dass die Korper- 
chen niemals in so nahe Beriibrung mit der Hautsehicht konimen, 
uui den Durchhrucb zu versucheu, sie mussten dann zunachst 
adhariren und diess kann man in keinem Falle wahrnehmen. 
Ich komme auf diesen Punkt spater zuruck. Endlich bemerkt 
man, dass diejenigen Zelien, welclie hellgrlin gcfarbl sind, also wenig 
assimilirt haben, eine geringerc Zabl Kornchen enthalten, als 
dunkler reich mit assimilirten Stoffen durchsetzte. Fande der 
Eintritt wie der Austritt statt, so mlisste die Zabl der Kornchen 

nahezu constant bleiben oder zum mindesten durl'te man nicbt 

solchen auffallenden Zahlenunterschieden begegnen. 

Ich glaube vieluiehr, dass diejenigen Kornchen, welche ein- 

mal eingesehlossen sind, niemehr entschliipfen konnen; nur dann 

werden sie in denallgemcinen Strom wieder aufgenommen, wenn 

die Vacuole versehwindet Und dies muss zu beslimmten Zeiten 

geschehen. 

An Exemplaren von Closierium, welche ich in Spiritus gelegt 

hatte, beobachtete ich constant, dass sich quer iiber die Zelle in 
der Mitte 1 — 4eigenthumliche, ausserst zarte Linien, Taf.II Fig. 1 b., 
zogen, welche in gleicber Entfernung vom Zellkern in beiden 
Zellhalften symetrisch auftrateu. Anfangs hielt ich, als ich nur 
eine derselben .sab, diese fiir den Beginn der Theilung;ich iiber- 
zeugte mich aber, dass hier keine Vfand vorlag, sondern nur die 
Grenzandeutung einer sehr geringen Struct ur-Veranderuog in 
der Zellwand; bei sehr genauer Beobachtung konnte ich 
diese Linien auch an frischem Material jederzeit beobachten und 
ich Uberzeugte mich, dass sie keiner Closteriumzelle fehlten. In 
einigen Fallen fand ich dann auch, dass die eine Zellhalfte ein 
entschieden anderes Aussehen angenommen hatte; sie war dunk- 
ler geworden , erschien fast krankhaft, der prali aniiegende Pri- 
ffiordialschlauch aber, sowie die Anwesenheit der Vacuole lehrten 
mich, dass sie voHig gesund sei; die andere Halfte der Zelle 



70 

war normal gestaltet; sie war hellgrtin, mit wenigenAssimilations- 
produkten versehen; letzteres gait auch vou der ersten Halfte, in 
beiden Vacuolenbefanden sich sehr wenige Korpeichen inBeweg- 
uDg. Zu erwahnen ist noch, dass an der Grenzlinie die Zellbaut 
dicker, gequollen aussah. Jedenfalls glaube icb aus dieser Beo- 
bachtung schliessen zu dtirfen, dass bei Closterium eine perio- 
dische Verschleimung der Zellmembran sich vollzieht. Diese 
greift wethselweise auf der einen und der anderen Zelihalfte 
Platz und es bleibt die Marke, bis zu welcher dieselbe sich er- 
streckt hat, an der Zelle wahrnehmbar. Es ist wohl nicht zwei- 
felhaft, dass dabei die assimilirten Inhaltsproducte aufgebraucht 
werden; dann wiirde eine Erklarung gegeben sein fUr die Er- 
scheinung, dass man auch dann, wenn Neubildungen von Indivi- 
duen in Closteriencolonieen nicht wahrzunehmen sind, wieich deren 
wahrend der Monate Oktober — Dezember, trotz mehrere hundert- 
facher Betrachtung niemalssah,mandoch zahlreicheExemplare von 

hellem Griin und mit jugendlichem Aussehen antrifft. In dieser 
Periode scheinen auch die Vacuolen zu verschwinden, ihre Ein- 
schliissezuentlassen und erst spater erscheinen sie wiederundfiillen 
sich von Neuem. Es sind diese dttnnen Linien schon fruher ge- 
sehen, aber fiir Zustande der Theilung gehalten worden — ich 
mache aufmerksam auf Focke 1. c. Taf. III. Fig. 14. Ehrenberg 
Tafel VI fig. VII 2. 

Ich habe noch zu erwahnen, dass die Bewegung des Prolo- 
plasraas in den Closterumzellen mit der Erhohung der Tempera- 
tur bis c. 27 ''C. zunimmt; dann vermindert sie sich, bis sie bei 
41 " C. in volligen Ruhezustand gerath; hiermil; ist auch die 
Contraction des Primordialschlauchs verbunden. 

DieWahrnehmung, dass bei gesteigerter Rapiditat derStrom- 
ung die Molecularbewegung der Kornchen an Geschwindigkeit zu 
gewinnen schien, Hess mich einen Zusammenhang beider ahnen, 
der dann auch bei weiterer Prufung auf das genaueste constativt 
werden konnte. 

Die Ueberlegung, dass Protoplasmastrome, welcbe im Stande 
sind, die Form der Vacuole dauernden Veriinderungen, die sich 
auf nllen Seiten geltend machen, zu unterwerfen, auch vermogen, 
mit dieser Contourenvariationzugleich Stosse auf die minimalen 
Inhnltseinschlusse auszuUben, hat von vornherein nichts Unwahr- 
scheinliches. Es ist wahr, dem ausseren Anschein nach hat die 
Bewegung eine tauschende Aehnlichkeit mit der von Brown ent- 
deckten, aber doch erkennt man nach einiger Uebung einige Ab- 



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71 

weichucgen. Die Kornclien tunsnidn lebhaft dicbt aneinander 
gel'Ugt urn sich hernm, nber hier und da wird eins im grossen 
Bogen herausgeschleudert juis der Gemeinscbaft der Uebrigeu, 
geht ein wenig nach der Wand zu, \xm daun in ebenso kurzer 
Frist zuiii Hauptscbwarni zuruckznkebren. Solcbe eigentbumlich 
verlaufeude Curven snb ichbei molecular schwingenden zickzack- 
forniigsicbbewegendenPartikelcben — wie Indigo inWasser — nie- 
nials, auch die Neigung, stets nach dem Ausgangspunkt sich zu- 
riickzuwendei}, ist nicht deutlicb ausgesprochen, wie denn schon 
Wiener und Exner darauf hingewiesen haben, dass die kleinen 
Theilchen in keinerBeziehung der Gravitation zu einander stehen. 
Die in Rede stehende Beweguug kann auch deswegen 
nicht zu der MolecuLn'bewegung gezahlt werden, weil die Korn- 
chen nicbt gleichmassig in dem ganzen Raum der Vacuole ver- 
theilt sind. Ich stelltc mir zum genauen Studiura molecular 
schwingender Korper in kleinen Riiuuvn kiinstliche Vacuolen 
dar, indem ich indigo in Wasser fein vertheilte, dann einen 
mogjicbst kleinen Tropfen auf das Objectglas brachte und dann 
entweder Oel oder Chloroform hinzutveten liess. Ich hatte dann 
unter glinstigen Umstandeu eine grosse Zahl 'kleiner Hohlraume, 
die mil molecular sich bcvvegendem Indigo erfiillt waren, von der 
verschiedensten Gcstalt. Durch den Znsatz von 01 od. Chloroform 
vermochte ich auch die Unterschiedc des spec. Gew. u. deren 
ctwaige EinflUsse zu beobaehten, da das erstere leichter, das letz- 
tere schvverer nh Wasser ist. 

Zu meinen Zwecken am geeignelsten waren die kugelrunden 
kleinsteu mit raoglichst zahlreichen Indigopartikeln erfullten Va- 
cuolen. Ich sah in denselben, dass die minimalen Theilchen 
gleichmassig den ganzen Raum erfullten, mit Ausnahme der ans- 
sersten Randpariien; hier iibte die Adhasion der Hautschicht einen 
anziehendeD u. somit hcmmenden Eiufluss auf die Beweguug aus. 
Die grosseren, normal auch noch crzitternden Indigotheilchen 
waren'bewegungslos u. diekleinsten,soDStausserst lebhaft sich tum- 
melnden Kornchen, zeigten nur hie u. und da ein schwaches 
Hin- und Ilerschwankeu, bis ihm durch irgend einen Umstand, 
etwa die Ausdehnung der Peripherie der Vacuole, od. durch den 
Anstoss eines benachbarten im freien Raum tanzenden Korper- 
chens dieUeberfuhrung in den bewegten Kreis ermoglicbt wurde. 
Die gleiche Erfahrung machte ich an ausserst kleinen Hohlrau- 
iBen, vvelche ich bei der Anwendung von Bromoform und Was- 
ser erhielt. Der Durchmesser war von gleicher Grosse wie die 



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72 

Vacuolenraumen in den Closterien und in denselben schwangen 
tleine WasserWaschen in der verschiedensten Zabl, ich sah sol- 7 
che Vacaolen die nnr 3 tanzende Blaschen enthielten neben an- 
deren, die iiber 20 einschlossen. Vergleiche ich mit dieser Er- f 
fahrung die Lage der schwingenden Korncbencomplexe in der 
Closteriumvacuole, so ist bierbei ein wesentlieher Unterschied so- 
gleich in die Augen springend. Die einzelnenPartikeln befinden 
sicb namlich nicht in gleichformiger Suspension durch denganzen 
Eaumzerstreut, sondernsinddichtgescbaart, im Centrum zusammen- 
gebauft. Diese Thatsacbe kann keine andere Erklarung finden, als 
dass die simultanen, rings ura die Vacuole kreisende Protoplasma- 
strome ihre Kraftausserungen nicht bios auf die Form der Va- 
cuole ausliben, sondern dass dieselben radial fortschreitend auch 
auf die Inhaltscpntenta ihre Einwirkung fortpflanzen. Nur dann 
ist es moglicb, dass die randlichen Vacuoleuraume von tanzenden ji 
Korperchen frei bleiben und dass jedes sich nabende Korn un- 
mittelbar nach dem Centrum zuriickgeschleudert wird. Da sich 
diese St6sse von alien Seiten nahezu gleichformig vollziehen, so 
ist die natiirliche Folge, dass die Mitte der Sammelplatz fUr alle 
Inhaltbestandtheile wird. Der belle d. h. korncbenfreie Raum zu 
beiden Seiten der tanzenden Koruchen betragt durchschnittlich 
\'i von dem Durcbmesser der Vacuole, Aus diesem Grunde 
wird auch ersichtlich, dass die Kornchen einmal von der Vacuole 
eingescblossen, dieselbe nicht mehrverlassen konnen. Aber noch 
mehr: die Bewegungen der Kornchen steigert sich, sobald die 
Geschwindigkeit der protoplasraatischen Bewegung zunimmt, wie 
oben erwahnt wurde. Doch zugegeben, dass man sich bei so 
kleinen Dingen iiber solche relative Bestimmungen irren kann, 
so ist doch jedenfalls die Thatsacbe fiir meine Ansicht sprecbend, 
dass die Bewegung aufhort, wenn die protoplasmatische Beweg- 
ung sistirt wird. DerZusatz von Sauren, Jod, Glycerin, Erhobung 
der Temperatur heben wie bekannt die Stromungen des Plasmas. 
In demselben Masse aber, als ihre Einwirkung sichzeigt, verlang- 
samt sich auch die Locomotion der Kornchen, bis sie total ver- 
schwindet. Nun aber sind alle diejenigen Mittel, welche eine 
Todtung des Individuums zu Wege bringen, auch immer von der 
Wirkung, dass der Primordialschlaiich contrahirt wird. Man wird 
mir daher entgegnen, die Veranderung in der Beschaffenbeit der 
Flussigkeit, welche den Schwingungen alsVehikel dientund durch 
deren Rollen der Molecule die ganze Bewegung erzeugt wird, sei 
von hemmendem und endlich annulirendem Einfluss. Doch ist 



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73 

dies nicht dcr Fall Wenn man ausserst verdtinnte Jodlosung in 
Anwendung bringt, so contrahirt sich der Primordialschlauch 
nicht und der wassrige Inhalt der Vacuole tritt nicht aus. Man 
ersieht diess daraus, dass die Braunung des Protoplasmas an 
dieser Stella eine viel weniger intensive ist, und dass man die 
Umrisse der Vacuole noch erkennt, 

Hier muss deragemass das Protoplasma noch in jener dunnen 
Schicht vorhanden sein, welche dem engen Raume zwischenZell- 
hnut und Vacuolenperipherie entspricht und innerhalb derselben 
muss sich eine ungetarbte Flussigkeitspartie befinden. Ohne 
Zweifel ist die Beschaffenheit derselben nicht in soweit geandert 
worden, dass die Theiichen nicht noch ebenso lebhaft sich bewe- 
gen konnten, aber ordnungslos liegen sie jetzt in dem Raume 
zerstreut, nur hin und wieder aufzuckend. Dieselbe Erfahrung 
mac'hte ich bei der Anwendung von Alkohol in einemFalle; aucn 
hier war die Vacuole erhalten geblieben doch die Kornchen hat- 
ten das Centrum verlassen, zum grSsseren Theil lagen sie an 
dem nunmehr convexen unteren Vacuolenraum, einzelue befanden 
sich am entgegengesetzten Ende ohne Bewegung. Es scheint mir 
hieraus auch als ob die Fliissigkeit der Vacuole zur molecularen 
Bewegung der Kornchen Uberhaupt nicht geeignet sei. 

Was nun die Nalur der schwingenden Partikeln anbetrifft, so 
bin ich ebenso weuig wie De Bary zu einem sicheren Resultate 
gekommen. Nur das mochte ich erwahnen, dass dieselben nicht 
saramtlich anorganischen Ursprungs sind. Die Form ist einmal 
keineswegs durchgehends die glattflachiger Krystalle; wenn auch 
Dinge vorkommen, deren bestimmte Formen sich deutlich als 
solche erweisen, so sind doch auch rundliche, unbestimmte Ge- 
stalten nicht zu verkennen. Zudem habe ich oft beobachtet, dass 
einzelne Kornchen bei Zusatz von concentrirter Schwefelsaure 
ihre Gestalt offenbar verandern, ja dass die Zahl derselben ge- 
ringer wird. Nachdem ich den Ursprung derselben aus dem 
Protoplasma nachgewiesen habe, ist diese AnsicLt nicht ohne 
Wahrscheinlichkeit, denn man wird doch keineswegs meinen wol- 
len, dass alle kornigen Einschltisse des Protoplasmas unorgani- 
scber Natur seien und die scharfen Ecken und Kanten der Kry- 
stalle dtirften nicht allein der begtinstigende Factor beim Durch- 
dringen der Hautschicht der Vacuole sein. Das Gluhen der 
Closterienzelle lUhrte mich auch zu keinem Resultate, entweder 
war der Primordialschlauch verkohlt und undurchsichtig, oder es 
lagen bei voUkommner Verbrennung der Korperchen so viel in dem 



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74 



angedeuteten Hohlraum derZelle, dass man eine Schatzung, wel- 
ches die Korperche n der Vacuole sein diirften, nicht wagen 
konnte. Ich halte di e Methode der Verbrennung iiberhaupt flir 
sehr missllcb; die erste Einwirkung der Warmc besteht in der 
Contraction des Primordialschlauchs, die bei hohen Temperatur- 
graden in bedeutenderem Masse vor sich geht als durch irgend 
ein anderes Mittel; es verbrennt die Zellhaut und der protoplas- 
matische Inhalt kriimmt sich oft heraus, wo ist es dann moglich 
die Lage der friiheren Vacuole aufzufinden, Gegen diesen Uni- 
stand hilft auch die vorsichtigste Behandlung nicht. Ich unter- 
nahm das Gltihen ausserst langsam die Hitze steigernd auf diin- 
nen Gliramerblattchen oder auf Deckglaschen, mit Zuhilfenahme 
von Schwefelsaure und ohne dieselbe, doeh wie gesagt, ohne 
Erfolg. 

Zu der Ueberzeugung bin ich aber auf das Bestimmteste 
gelangt, dass Gyps nicht in der Vacuole enthalten sein kann, 
denn Gjps schwingt im Wasser iiberhaupt nicht dauernd mole- 
cular; eine Beobachtung, die man sehr leicht mit Gypspulver, 
welches hinreichend fein ist, wiederholen kann. 

Bei alien meinenBeobachtungen ftihlteichauf das Lebhafteste, 
dass unsereKenutnisse uber die Browns'che Bewegung noch sehr 
unvollkommen sind. Wir besitzenso wenige undfi'ir alle Zwecke 
brauchbare Arbeiten daruber, dass die Untersuchung das dank- 
barste Feld fiir einen Physiker sein miisste. ^) Ich machte eine 
grosse Anzahl Versuche mit den verschiedensten Substanzen in 
den mannigfaltigsten Fliissigkeiten, stiess aber bald auf solche 
Schwierigkeiten bei der eingehenden Umarbeitung, dass es mir 
klar ward, die Untersuchung konne nur bei den griindlichsten 
physikalischenStudien mit fruchtbarem Erfolge betrieben werden. 
Einige darften interessant genug sein, dass ihreMittheilung ent- 
schuldbar ist. 

Die Molecularbewegnng ist mathematisch ausgedrtickt eine 
Funktion die abhacgig ist von einer grossen Zahl von Variabeln, 
Ich will nur erwahnen: das specifische Gewicht, die Cohasions- 



1) Die mir zugangliche Literatur, in welcher Notizen sich fmden, war 
folgende : Wiener Chr. Erklarung des atomistischen Wesensder tropfbar fliissigen 
Korper und Bestatigung derselben durch die sogenannte Molecularbewegung- 
Poggend. Annal. 118. Schulze f. Die Sediment-Erscheinungen und ihr Zuaammen- 
hang mit verwandten physikalischen Verhaltnissen. Poggend. Annal. 129. — 
Exner Untersuchungen tiber Brown'sche Molecularbewegung. Sitztingsber. 
mathemat uaturwissensch. Classe der Wiener Academie 1867. 



y^ 



75 

verhaltnisse der Fliissigkeit, die Grosse der Partikeln, die Dich- 
tigkeit ihrer Lagerung, und wie Exner uachgemesen hat, Lieht 
und Wartne. Aus dem ersfen der erwahnton Factoren ergiebt 
sich zunachst die Unterscheidung Yon perpetuirlicher Molecular- 
bewegung, wie man sie wochenlang an eingekitteten PriipavuteD 
beobachten kann; und temporare. Die lang andauerndo und 
stets anhaltende wird beobacbtet an Gummi Gulti, Tusche, Indigo 
in Wasser, die zweite fritt bei alien Korpein aiif sobnld sie in 
Fllissigkeiten bewegt wordcn sind, sie ist raeist nur von kurzer Dauer 
und kann durch gewisse Mittei, welohe suspendirte Niederscblage 
fiockig fallen machen, wie Hausenblase, fast augenblicklich aufge- 
hoben werden; s. Schulze 1. c. 

Von den zablreichenVersuchen, welcbe ichgemacbt babe, will 
ich nur eine Reihe hervorbeben. Das Verbalten des Indigos 
zu verschiedenen FJussig:keiten. Seiaspec. Gew. libersteigt naehdeni 
Indigotin zu urtheilen das des Wassers nurum 0,3. Man weiss 
derselbe erhalt sich im Wasser so lange in Bewegung, dass 
man die ewige Dauer annehmen kann; ich selbst beobacbtete 10 
Tage hindureh ungeminderte Lebhaitigkeit. 

Mehrheb ist schonmitgetbeilt worden, dass Glycerin (ich be- 
niitzte solcbes von spec. Gew. 1,25) die Bewegung nicht unter- 
halt. Das Gleiche beobacbtete ich in Kalilauge, gesattigter Zink- 
sulphatlOsung, gesattigter ChlorcaliumlQsung. In Chlornatriumlo- 
sung konnte ich nur an einigen der kleinsten Partikeln Bewegung 
constatiren. In alien diesen Fallen kommt ohne Zweifel die Dif- 
ferenz des spec. Gew. nicht in Betracht, die schwerste der ange- 
wandten LSsungen hat 1,402; es liegt der Grund nur in den 
Cohasionsverfaaltnissen, in der Viscositat derFlussigkeit, Je mebr 
Arbeit verbraacht wird, um die einzelnen Molecule des illis- 
sigen Korpers gegen einander zu verschieben, desto weniger le- 
bendige Kraft wird abgegeben an die suspendirten Korper, so dass 
dieselben zuletzt in Rube verharren. Es ist sehv zu bedauern, dass 
iiber diese Eigeuscbaften keine Zahlangaben zu Gebote stehen 
u, dass man sich auf die rohe Schatzungverlassen muss, wenn 
man bestimmen will, ob diese od.jene Flussigkeit mehr od. min- 
der beweglich ist. 

Sobald die DickflUssigkeit abnimnit, tritt m gleicheui Masse 
die Bewegung ein; ich verdiinnte das obenerwiihnte Glycerin niit 
dem gleichen Volumen Wasser. Das spec. Gew. des Gemisches 
war 1,133. In diesem Medium konnte ich schon die Bewegung 
wenn auch imnaer erst der kleinsten unmessbaren Theilchen lest- 



V 



76 

stellen. Beinochmaliger Verdiinnungmit weiteren2 Theilen Was- 
ser, 80 dass das sp. Gew. 1,062 war, schwangenschon messbare Kor- 
per lebhaft. Exner giebt an, dass beim Erwarmen des Glycerins 
auf SO'^Bewegung eintritt; bei dem Praparat, das ich in Anwen- 
dung brachte, war es mir nicbt moglicb, die gleiche Erfahrung 
zu machen, wenn immerhin an weniger dickflussigem Glycerin 
die Erscheinung nicht ausbleiben diirfte, da die Warme die Be- 
weglichkeit der Molecule durch bie Zufuhr lebendiger Kraft er- 

hohen muss. 

In derselben Weise wie die Fliissigkeiten mit hoherera spec. 
Gew. als Waseer u. grosserer Zahigkeit als dieses die Molecular- 
bewegung nicht unterhalten, so zeigen sich auch fliissige Medien 
von geringerem spec. Gew. u. bedeutenderer Viscositat, wie das 
Mandelol. Eine Zwischenstellung nehmen die Stoffe ein von der 
Beschaffenheit der Propionsaure spec. Gew. 0,992, Octylacetat spec. 
Gew. 0,872, Methyleaprinol 0,826, dieselben sind ein wenig dick- 
flussiger, als Wasser n. haben demgemass eine nur temporare 
Bewegung, welche allerdings mehrere Stunden unter dem Deckglas 
anhalten kann. 

Ausserordentlich leicht bewegliche Substanzen von geringem 
spec. Gew. wie Alkohol, Aceton, Benzin u. Aether lassen keine 
Molecularbewegung wahrnehmen. Offenbar weil die Bewegnngs- 
energie ihrer Molecule nicht imStande istden Einfluss des spec. Gew., 
das urn Vieles geringer ist als das des Indigos, zu Uberwinden. 

Urn so nierkwurdiger aber ist die Thatsache, dass Chloroform 
spec, Gew. 1,49, Jodaethyl spec. Gew. 1,946, Bromaethylen spec, Gew- 
2,163 die ausgiebigste Bewegung untersttitzen u. wenn ich von 
dem letztgenannten Korperschliessen darf, sind ihnen perpetuir- 
liche Schwingungen eigen ; ich sah dieselbe mit ungemindeter 
Rastlosigkeit 2 Tage lang dauern. Schwierigkeiten wie die leichte 
Verdunstung u. andere Umstande hinderte mich, die Untersuchung 
weiter auszndehnen, was einer spateren Zeit vorbehalten bleibt. 




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HfanlpuluA muftcorum novomm 

ox America septentrionali. — Auctore Carol o MliHur. 

1. Bryum Akvateriae C. Mtill. n. sp.; Bryo alpino siniillimum 
e luteseenti-viridi purpurascens robustum strictum, ramis iongi- 
usculis uncialibus obtusatulis; folia caulina dense imbricata ma- 
dore vix patula, e basi angustiore latiuscule ovata ligulate obtu- 



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77 

sata, profunde subcochleariformi-concava apice subcucullata, mar- 
gine e basi usque ad medium vel ultra valderevolutaintegerriraa, 
iirma, nervo e basi longe fibrosa crasso flavido ante apicem 
evauido, cellulis ubique firmis pulchre lutescentibus parvis et 
inanibus basi infima rectangulnribus vel hexagonis laxioribua hie 
illic purpurascentibus. Caetera ignota. 

P a t r i a. America septentrionalis. California montosa, 
Yosemit valley, ad rupes irriguas cataractarum Yosemit-valley- 
lalls nuncupataruin: Domina Attvater 1873 legit. Hb. C. Mohr. 

Br. alpinum foliis apiculatis, Br, Muhlenherhii foliis multo 
iaxius reticulatis excurratinervibus jam longe recedit. Pulcherrima 
species. 

2. Dicranum (Campylopus) st<bleucogasterC.M.^l\,n, sp.; dioi- 
cum; laxe cespitosulum poUicare sordide lutescens strictiuscu- 
lum tenue, inferne tenerrimum simplicissimum apice solum ob 
ranmlos brevissimos dense congestos comam crispatulam crassi- 
orem setosam parvam sistens; folia eaulina inferiora minuCa 
erecto-conferta sed axin parum obtegentia, e basi longe flavide 
fibrosa plus minus latiuscule ovata dein acuminata, nervo appla- 
nato latissimo subulam canaliculatam latiusculam superne attenu- 
atam et apice serrulatam strictiusculam constituente, cellulis 
basilaribus laxioribus amplioribus pellucidis regulariter hexagonis 
paucis deinque qoadratisminoribus firmis incrassatis lutescentibus; 
alaribus multis laxissimis fuscidulis seaectute emarcidis pellucidis 
in ventrem levem congestis; perich. multo majora latiora basi 
vaginata vel convoluta, laxissime^et amplissime reticulata, subula 
elongata flexuosa grossius serrulata coronata. Caetera ignota. 

Patria. Alabama, Mobile, raro sed semper sterile: C. Mobn 

D, leucogaster Mexicanum proximum raplim distinguitur: 
caule magis flexuoso crassiore multo longius setoso, cellulis ala- 
ribus omnino^albidis laxioribus, caeteris minoribus. 

%.Barhula{Senophyllum)JoorianaC,WS\\. n. sp.; dioica, laxe 
cespitulosa pusilla amoene viridissima facillime emolliens igitur 
niolHssima tenera simplex vel ramulo infra pedicellum innovante 
brevissimo divisa ; folia caulina parum crispula madore remotiu- 
scula patula axin rufulum vix obtegentia, e basi semivaginafite 
erectiore oblongata angusta pellucidiore lineari-lanceolata plus 
minus obtusata vel acutiora sed mucrone brevissimo terminata, 
nervo flavido crassiusculo canaliculato dorso scabriusculo excur- 



rente basi fibroso-decurrente exarata, margineinfero solum pauli- 
sper revoluta, concava. alis saperioribus pKiniuscnJis integerri- 



' H 



78 

mis, cellulis parvis basi rectangularibus breviusculis angustis su- 
perne minute hexagonis valde chloropbyllosis moUissimis distinctis 
vix papulosis; perich. interiora perpauca erectiora e basi longias 
vaginata obloiiga acuminata baud mucronata; theca in ped. brevi 
rubente strictiu?ciiIo erectu minute oblonga, calyptra ubique fere 
tenuiter scabra spiraliter cellulosa; perstomii dentes tenerrime ca- 
pillares usque t'ere ad basin fissi elongati rufuli asperuli. Caetera 
ignota. 

Patria. Louisiana, Batonvougp: Dr. Juor in Hb. C. Mohr. 

Ab omnibuti congeneribus foliis humore prime memento emol- 
litis recedit, B. iwguiculatam ex h-'bitu aemulat, sed teneritate, 
exiguitate foliisque planiuseulis superne baud revolutis mollissimis 
toto coelo di£Fert, 

4. Barhiila (Sowphyllnm) purpurea C. Muller n. sp.; dioica; 
cespites pusilli depressi purpurei rigidissimi; caulis perbrevis te- 
nuis superne in ramulos brevissimos appressos paucos divisus 
rigidus, inferne defoliatus; folia eaulina firma parva pauca, in- 
distincte torquato-imbricata madore patula, purpurascentia, in- 
feriora minora superiora sensim majora, e basi oblonga breviter 
latiuscule robu.stiuscule oblique lanceolata, obtusiuscule acuta, 
cbncava, nervo crasso purpureo excurreute canaliculatOj margine 
e basi usque ad medium folii et ultra valde revoluta, integerrinia, 
e cellulis finnis pachydermis purpurascentibus parvis quadratis 
superne minoribus rotuudatis valde incrassatis magis opacis et 
carnosis areolata; perich. stricta e basi oblonga recte et breviter 
acuminata acutiora, teuuius nervosa, laxius et pallidius areolata; 
theca in ped. longiusculo tenui flexuoso flavido inferne purpura- 
scenteerecta minuta elliptica badia deinbrunnea, deoperculata 
ovata macrostoma, operculo conico obtuse spiraliter celluloso 
obliquiusculo rubro nitido thecae longitudinem snbaeqnante, an- 
nulo angusto persistente difficile dissolvente, peristoraio vix con* 
torto, in menibrana brevissima albida dein dilute rufescente, den- 

r 

tibus elongatis capillaribus liberis asperulis; calyptra basin thecae 
amplectens. 

J?, hrachyphylla SuU. et Lesq. M. Amer. Bor. Exs. No. 135 ex 
parte, specimina brevissima purpurascentia, forsan ab H. Bolander 
collecta. 

Patria. California, iu rupibus coUium Oakland, 2500 ped. 
alta, prope San Francisco, inter Barhulam virescentem Lesq.: H. 
P>olander 10. Majo 18G3. 









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79 

i 

I JB, hrachyphylla Sull. vera differt : caule elatiusculo erecto 

fastigiatim dichotomo, ramis distantibus lorgiusculis, ubique ae- 
qualiter foliosis, sordide viridibus, foiiis e basi ovata breviter 
erecto lanceolatis plus minus acutis, niargine usque fere ad api- 
cein valde revolutis, cellulis ubique minutis rotundatis viridibus, 
theca angustissime cylindrica lougiuscula, calyptra brevi opercu- 
lum parum superante, peristomio robustiore dhiincims nrticulato, 
5. Hypnam (Tripterocladium) leucoclndulum C. Mull. n. sp. ; mono- 
icum; cespites laxi elongatuli iuteitexti teneri pallescenfes ri- 
gidiusculo-molles;caulis elongatus gracillimus iiliformis, compres- 
sulus interne ramulis brevioribus marcescentibus p.dlide ferrugi- 
ncis apiceni versus ramulis lojigioribus filiformibus attenuatis 
magis julaceis minute caudatis inaequalibus patentibus irregu- 
lariterpinnatus; folia caulina erecto-conferta vel magis patula, parva, 
e basi decurrente perfecte ovata, acumine brevi obsolete denti- 
culato stricto terminata, ramulina magis oblonga angustiora, om- 
nia levissima brevissime binervia concava pallidissime virentia 
subscariosa, cellulis parvis ellipticis ad basin margine revolutam 
parum majoribus distinctioribus, alaribus rbombeo-quadratis incras- 
satis obscurioribus alam hastato-excisam sistentibnsjperich. plura 
multo majora, e basi longa vaginata latiuscula reflexe breviter acu- 
minata, suprema erecto-acuminata, omnia vix denticulata, e cellulis 
iongioribus robustioribus areoiata, margine baud revoluta ; theca 
inpedunculo tenuissimo semipollicari rubente Hexuoso glabro erecta 
parva cylindrico-ovalis parum cernua rubens nitida, operculo 
parvo conicoacuto, annulo aagGsto, caJyptra glabra; perist. dentes 
ext. lutescentes valde trabeculati, latere vix cristati, linea lon- 
gitudinali obsoleta exarati, interni lutei anguste ianceoJati hiantes 
vel secedentes, in membrana fragili scariosa positi, ciliis singulis 
teneris aodosiusculis. 



Patria. America sept., Oregon, Oakland; Harvy in Hb. C, 
Mohr. 1874. 

Androecia in caule fertili permulta axillaria vel in ramnlis 
brevibus terminalia, foliis gemmulam dense clausam sistentibus 
caulinis similibus vel apice obtusatis. — Ex habitu formis fili- 
formibus Hypni nnjosiiroidis var. stoloniferi persimile, sed caule 
rigidiusculo pinnato, foliis binervibus, theca erecta parva aliisque 
notis toto coeio distinctum. Quoad affinitatem Hypno compres- 
sulo mihi proximum, sed haecce species differt: cauiibus ramisqne 
distincte compressis latioribus amoene virentibus, nunquam fili- 
formibus, foliis latioribus nitidissimis ubique denticulatis, celln- 



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'^-- J - . _- J^ ^ 



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80 



lis ubiqae viridibus raollibus, thecalongiore angustissime cyliudrica 
cernua. Tribus propria (Tripterodadkim) speciem utramque in- 
cludit criteriis sequentibus. 

Triiiiterocladium \ Caulis compressus ramis compressis vel tereti- 
usculis attenuatis in egulariter pinnatus ; fbliaerecta plus minus patula 
levissima, e cellulisellipticis, alaribus quadratis rhombeis areolata, 
binervia; tbeca erecta cyliudrica cernua, operculo conico. — Ab 
Isothecio Schpr. ramificatione compressa, pinnata tenera foliisque 
binervibus jam longe distinctum. 

6. Hypnum{Tripi€rocladium)compressulum C. Miill. n. sp, ; monoi- 
cum; cespites laxi suprapoilicares intertexti teneri virentes molles; 
caulis breviusculus gracilis distincte compressus, ramulis brevibus 
compressulis gracillimis irregulariter pinnatus ; folia caulina erecto- 
conferta vel magis pa ula parum majora, e basi paulisper decur- 
rente ovata vel oblongn acuminata concava ubique fere di.-tii}cte 
denticulala, binervia, e celh;iis ellipticis mollibus virentibus areo- 
lata, uitidiftsiii a; perich. suprema lungius acuminata; iheca muUo 
longiore angustissime cylindrica cernua, Caetera ignota, 

Patria. Americ, sept, Oregon, Oakland; Rev. Neeve in Hb. 
C. Mohr. 

Ab H, leucofladulo criteriis accuratins laudatis prima in- 
spectione differt. 

(Schluss folgt) 



A VL X e I ^ Cm 



Diellnterzeichneten beabsichtigen eineSammlungaus Krain 
und KQstenland (inclusive Inseln) herauszugeben und werden 
im Herbst 1875 die ersten zwei Centurien versenden. Der Preis 
einer Centurie betragt 15 Mark und ist pranumerando zu ent- 
fichten. Die Subscription wird Anfang April geschlossen. Briefe 
sind zu adressiren an P. Kammerer, Professor an der k. k, 
Staatsrealschule in Triest. 

Trie St, im Februar 1875. 

Prof. Kammerer und Dr. Baumbach. 



Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Nenbauer'schen Buchdrnckerei 

(F. Huber) in Reg^bnrg. 








58. Jahrgang. 



/ 



N2 6. 



Regensbnrg, 21. Febrnar 



1876. 



Inlialt, 0. 65ckeler: Ein Beitrag zur Kenntniss der Cyperaceen-Flora 
NeahoUand's und einiger polynesischer Inseln. — C. M ii 11 e r : itanipulus 
muscornm novorum ex America septentrional!. Schluss. — 0. Nordstedt 
und L. J, Wahlstedt: Ueber die Keimung der Characeen, — Personal- 
Bachricht. — Anzeigen. — Einlaufe zur Bibliothek und zum Herbar. 



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Ein Beitrag zur Kenntniss der Cyperaceen-Flora Neuholland's 

and einiger polynesischer Inseln. 

Von 0. Bockeler. 



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Von Hcrrn Dr. Chr.Luerssen crhielt ich zur Bestimmung des 
Inhalts eine ausehnl'whe Snminluug von Gyperaceen, die hinsicht- 
lich ihrer Herkunft auszwei Theilen bes^^ht, von denen ein iiber- 
wiegeoder Theil von Fraa Anialie Dietrich in Queenslaud, ein 
kleioerer von Dr. Graefleauf den Samoa-, Fidscbi- und Tonga-In- 
seln zusammengebracht worden ist. 

Beide Tbeile der Sammlung zeichnen sich durch verhaltniss- 
massig zahlreiche neue und interessante Formen aus, und befin- 
det sich unter den Dietrich'schen Pflanzen selbst eine noch nicbt 
beschriebene ausgczeichnete Gattung. — Sehr erfreulich war mir, 
unter den letzteren neben ausgezeicbneten Novitaten auch eine 
Anzahl bereits von R. Brown im Prodromus bescbriebener Cy- 
peraceen zu finden, die in der ZWischenzeit, wie es scheint, nicht 
-wiedergefunden worden sind. Ich vermogte nunmehr — da die 

Flora 1S75. 



6 



82 

Pflanzen nurvorlagen — dieselben nach den sehr kiu'zen betreffenden 
Diagnosen meist mit volliger Sicherheit zxx erkennen, wahrend 
man friiher im anderen Falle in Belreff einiger derselben sehr 
abweichende Formen statt ibrer in Anspruch genommen hat. 
Hoffentlich werde ich spater Gelegenheit haben, von diesen letz- 
teren Pflanzen ausflihrliche Bescbreibungen zu geben. Da ausser 
denNovitaten mehrereArten der Dietrich'schen Sammlung inNeu- 
holland bisher nicht beobachtetworden sind, so wird es sich em- 
pfehlen, bier ein vollstandiges Inhaltsverzeichniss der letzleren 
folgen zu lassen. — Der Stand, welcher den aufzufdhrenden neuen 
Gegenstanden im Systeme anzuweisen sein wird, und somit die 
verwandtschaftliche Beziehnng derselben zu den alteren Arten, 
ist dutch diejenigen Zahlen angedeutetworden, welche in meiner 
Bearbeitung der Cyperaceen des Berliner Herbfirs (Linaaea, N. 
Folge) den betreffenden Arten voransteben. 



Kyllingia, 

1. K, hrevifolia Bottb. 

Nova Holland. Queensland, Brisbane River, Rockbanipton 

(Am. Dietrich). 

2. K, monocephala Kottb. 

Queensland, Port Mackay (Am. Ditrich). 

Cy per Its. 
Sect. I. Pi/creus. 

3. (34 b.) C, luteolus n. sp. 

Culmo 2 — 1-pedali rigido lineam fere crasso aequilatero- 
triangulari striate, basi subquadrifoliato; foliis rigidulis acute 
carinatis superne longe angustatis ibique complicatis margineque 
remote dentatis, inferne 2 lin. circ. latis, superioribus culmum 
subaequantibus; umbella 7 — 5-radiata, radiis valde inaequalibus 
patenti-erectis, exterioribus l--2Vi poll. long, interioribus bre« 
vissimis; foliis floralibus 3 patentibus satis inaequalibus, infimo 
6 — 10 poll, longo; spicis e spicnlarum fasciculis nonnullis compo- 
sitis, ovalibusdensis I'A— Ipoll. longis; spiculisovali- v.oblongo- 
lanceolatis acutis compressis 5—6 lin, long. 2— l*/s lin. lat. 

12 20-floris; squamis obJongo-ovatis acutiusculis, carina viridula 

trinervia superne acutiuscula, lateribus latescenti- v. ferrugine- 



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scenti-stramineis subtiliss. celluloso-reticnlatis; caryopsi squamae 
partem tertiam vix saperante obovata basi parum obliqua tumido- 
biconvexa, angulo prominulo, apiculata subtiliter eelluloso-reticu- 
lata cinerea v. atro-fusca nitidula. Nova Holland. QueensL, Port 
Mackay. Leg. Am. Dietrich. 

4. C. globosus Allioni (emend.) 
Queensl. Port Mackay (Am. Dietrich). 

5, C\ polystachyus Rottb. (emend.) 

Queensl, Rockhampton, Port Mackay (Am. Dietrich). 



Sect, 11. Eucyperus, 



(Aristati.) 



6. C pygmaeus Rottb. 
Queensl., Port Mackay (Am. D.). 

7. C. castaneus Wllld, 
Queensl., Port Denisson (Am. D.) 

8. 6\ ciispidatus Humb. et Kunth. 
Queensl., Port Denisson (Am. D.). 

Ejd. specie! forma pygmaea culmo abbreviata. — Lake El- 
phinstone (Am. D.), 

forma major. — Rockhampton (Am. D.). 

9. C, gracilis R, Br. 

Queensl. Port Mackay, Rockhampton (A. D.) 
10. C emrvis R. Br. 

Port Mackay (Am. D.) 
IL V. ftaccidus R. Br. 

=s C macellus Kunth. 

Port Mackay (Am. D.) 

12. C trimrvis R. Br. 

C. Lessonianus Kunth. 

QueensL Rockhampton (Am. D.) 

(Haspaniv) 

C. detmdatus Vahl (emend.) 

triqueter =: C denudatus Vahl. 
(C. amphibolus Steud.) — Port Mackay (A. D.) 

(Fusci). 

14. C\ concinnus R. Br. 
Rockhampton (A. D.) 

15. V. difformis L. 

Ruckhampto-ja (A. D.) 

6* 



84 



(Leptolepides). 



16. C. Sorostachys Bcklr. in Linn. 

Sorostachys kyllingioides Steuil. — fsolepis Kyllingia N. 
ab E. Rockhampton (Am. D.) 

(Marginati). 

17. C, pilosus Vahl. 

= (7. honestiis Kunth, — C. marginelhis Nees. 

C, piptolepis el 6\ paucifiorus ^ieu^. — Port Mackay(Am. D.) 

18. C Heynei Bcklr. in Linn. 

C. procerus Kunth. Enura. et Alior. (non Rottb.) 

Port Mackay (A. D.) 

19. C Sieberi Kunth. 

liockbamptoD, Port Mackay (Am. D.) 
(Corymbosi). 

20. C, rotundus L. 
Formae complures, inter quas C. hexastackius Rottb. 
Queensl. Rockhampton, Port Mackay, Lake Elphinstone (Am. 
Dietrich). — Samoa- insula (Graeffe). 

21. C. laetus Presl. — Port Mackay (A. D). 

22. C, rarinatus R. Br. — Port Mackay (Am. D.) 
(Exaltati) 

23. C exaltatus Retz. — Vahl. 
Port Mackay, Rockhampton. Brisbane River (Am. D.) 

24. C. alopecuroides Rottb. (emend.) 

/?. digynus. C\ alopecur, Rottb. 
Queensland, Lake Elphinstone (Am. D.) 
(Spicati). 

25. (257 b.) a Graeffei n. sp, 
Culmo pedem circ, alto stricto duro obtuse triangulo, basi 

incrassata vaginis brevibus fusco-atris obtecta multif oliato ; foliis 
coriaceo-perrigidis culmum subaequantibus longe angustatis cari- 
natis, supra apicem versus marginibus carinaque scabris, inferne 
3 lin. latis; coryrabo umbelliforrai sub 12 ramoso semicomposito; 
ramis patentibus satis inaequalibus vix angulatis laevibus, longi- 
oribus apice 3— 5-ramosis 3 — 2V» poU. longis, interioribus multo 
brevioribus indivisis; involucro poly- (7-) phyllo, phyllis alternis 
patentibus, infimis 12—10 poll. long. ; spicis breviter peduncula- 
tis densiusculis obtusis 4 lin. latis, terminali cylindrica polliccm 
circ. longa, lateralibus patentissimis ovalibus oblongisvesubsemi- 
poUicaribus; ramis bractea foliacea angusta munitis; spiculis 
nnmerosis purpnrascentibus dense dispositis patentissimis oblon* j 



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85 



gis turgidis ol)tU8is 2 lin. long. 4— 6-floris; squamis arete imbri- 
catis chartaceo-tenacibus suborbiculatis concavis ecarinatis obtu- 
sis muticis purpurascentibus nitidulis, nervis 9 tenuibus pallidis, 
subtus pallidioribus evideuter oelluloso-reticalatis, infimis 3 va- 
cuis; caryopsi (nonduni perfecte matura) squamam fere aequante 
ovali triquetra apiculata, punctulatalutescenti-viridula; stylo bre- 
vissimo, stigmatibusparumexsertis; filaraentis 3 brevibus latisque. 
In Samoa-insula Upolu leg. Graeffe. 

26. (257 c.) C. totigatabnensis n. sp. 

Tri — quadripedalis ; culmo superne pennaiu gallinaceam crasso 
dure obtusangulo, lateribas sulcatis; folia ba^ilaria desunt; invo- 
lucralibns 5 patentissiniiselongato-acuiiiinatis complicatis margine 
carinulaqueserrato-perscabris, iuferioiibus pedem et supra longis; 
ambella composita multi- (14—15-) radiata, radiisvalde inaequa- 
libus, 3 — Vi poll, long,, patentibus validulis perrigidis triangulari- 
bus, subomnibus apice corymboso-pluriramosis; ochreis primariis 
oblique truncatis postiee bieuspidatis; spieis compositis subtrian- 
gulis 1^4 — I'A poll, altis atque latis; ramisperbrevibus patentis- 
simis reflexisve bractea perbrevi setacea munitis ; spicis (illis 
radior. longior. subquinis)confertis su boon form i bus oblongo-cylin- 
dricis 'A — V» poU- long. 5—6 lin. crassis; spiculis numerosis 
purpurascenti-stramineis confertis patentissimis oblongo-lanceola- 
tis acutis turgidis 3 lin. long. 6— 5-floris; squamis arete irabri- 
catis late ovatis obtusiusculis uiuticis convexis tenuiter sub 7- 
nervatis nitidis paJIidis superne purpurascentibus, inferioribus 
3—4 vacuis, fertilibus basi subconstrictis; caryopsi squama Vs 
breviore ellipsoidea utrinque parum attenuata, triquetra dense 
elevato-punctulata atropurpurea, stylo vix exserto complanato 
profunde trifido ferrugineo terminata; filamenlis 3 exsertis latis. 

Tonga-insula Tongatabu. Leg. Graeffe. 

27. C, canescens Vahl. 

Queensland : Am. Dietrich; Samoa- et Fidscbi-insulae 

Graeffe. 

28. (265 b.) C ocJiroleums n. sp. 

Rhizomate brevissimo; culmo subpedali stricto firmo tenui 
triangulari infra apicera ad angulos scabrido, a basi fere ad me- 
dium foliato; vaginis subomnibus foliatis; foliis rigidulis remo- 
tiuseulis flexuoso-recurvis complicalis acuminatis sesquilineam 
latis subtilisp. multinervatis, marginibus carinaque spinuloso-sca- 
bris, superioribus culmnm superantibus, reliquls eo subaequilon- 
gis; umbella composita 9— 7-radiata; iovolucro 5— 6-phyllo, phyl- 



8< 



lis patentibus, inferioribus 6—7 poll, longis; radiis patentibus 
inaeqaalibus validulis striatis apice corymboso-ramosis, longiori- 
bus I'/j— 1 poll, longis; ochreis pallidis trnnversim truncatis; 
ramis brevibus patentibus inaequalibua setaceis foliaceo-bractea- 
tis, infimis (5—3 lin. long.) quam bracteae parum brevioribus; 
spiculis pluribus fasciculato-confertis parvis flavo-albidis 5—4- 
floris (ante anthesin) oblongo-ovatis obtusis; sqiiamis floriferis 
scariosis margine membranaceis, ovatis obtusis muticis v. obso- 
lete mucronatis, dorso viridi subtiliter trinervato, lateribus sex- 
suIcato-striatiB. 

Queensl. Lake Elphinstone (Am. D.) 
(Fasciculati). 

29. (267 b.) C. mornatus n, sp. 

Culmo 2 — 3-pedali stricte erecto duro pennam gallinaceam 
crasso acute triangulari, lateribus concavis, laevi basin versus 
pauci- (4-) foliato; foliis remotis culmo multo brevioribns (supe- 
rior, subpedalibus) coriaceisplanis v. margine involutis, carinatis 
sublaevibus supra evidenter celluloso-reticulatis, 2 — 27a lin. latis; 
vaginis herbaceis bipollicaribus lutescentibus v. fulvescentibus ; 
umbella subdecomposita circ. 10-radiata angusta (7 poll, alta); 
radiis radiolisque erectis valde inaequalibus validis triaugulis 
(inferne non raro compressis) laevibus, longioribus ad 6 poll, 
longis ; ochreis scariosis oblique truncatis muticis ; involucri 
tetraphylli foliis margine superne carinaque serrulato-scabris, in- 
fimis duobus nmbellam superantibus, reliquis ea brevioribus; um- 
bellulis 5— 7-radiatis, radiis setaceis, exterioribus IVj— Vi poll, 
long.) interioribus brevissiniis; involuceilorum foliis perangustis 
umbellalas fere aequantibus ; spiculis paucis in apice radiolorum 
fascicnlato-confertis anguste linearibus acutis 15 — 11-floris 5 — 4 
lin. longis; fasciculis breviter pedunculatis bractea setacea muni- 
tis; squamis membranaceis, frnctiferis patulis, late oblongis ob- 
tusiuscnlis subtiliter plnrinervatis e carina viridi breviter mucro- 
natis, lateribus ferrugineis, superne margine angusto membrana- 
ceo albido circumdatis; caryopsi minata squama Vs breviore ob- 
longa triangular! apiculata minute granulata fusco-lutea; stylo 
tenerrimo exserto ad medium trifido; stam. 3 subtilibus brevibus. 

Queensl Port Mackay (Am. Dietrich). 

30. C. Novae Hollandiae Bcklr. (in Linn.) 
Queensl. Rockhampton (A. D.) 
(Leptostachyi) 

31. (280 a.) C Luerssenii n. sp. 



87 

Pergracilis; rhizomate brevi fibrillis capillaribus; culmis pau- 
cis fasciculatis inaequalibus V/t—l ped. alt. tenuibus, vix supra 
lineam crassis, rigidulis, superne leviter incurvis, triangulis sul- 
cato-striatis laevibus, supra basin leviter bulboso-incrassalam 
paucivaginatis; vaginis remotis, infevioribus aphyllis, suprema 
cum lamina brevi et angusta (I— 3-pollic, vix llineam lata) cari- 
nato-complicata sublaevi munita; umbella simplici 5— 4-radiata 
explanata; foliis floralibus 3 illis culmeis similibus ac aequilon- 
gis, superne margine remote dentatis; radiis patentissimis fili- 
formi-setaceis triangulis 2—3 poll, longis, intermedio sessili ; 
ochreis angustis ore oblique truucatis oblusis; spiculis elongatis 
patentissimis gracilibus in radiorura apice alternatim approxima- 
tis leviter curvatis lineaiibus acuminatis 24 — 16-floris 16 — 13 lin. 
long, semilineam latis; squamis parvulis parum remotis apice 
patulis, oblongis acutiusculis muticis, lateribus purpurasceotibus, 
dorso viridi plurinervatis; caryopsi squamae dimidium vix ae- 
quante recta oblonga triangulari, angulis obtusis promioentibus, 
mucronuiata, dense elevato-punctata atro-fusca; rhachillae alis 
angustis hyalino-albidis. 

Queensland, Port Denisson (Am. D.) 
32. (297 b.) a Dietrichiae n. sp. 

Caespitosus; rhizom. brevissimo, fibrillis tenuibus fasciculatis 
rigidis; culmis strictis IVj — 2 ped. altis lineam crassis v. parum 
crassioribus rigidis triangulis sulcato-striatis, parte inferiore foli- 
atis; vaginis membranaceis pallidis; foliis alternis laete viridibus 
culmum subaequautibus rigidulo-berbaceis longe angustalis planis 
carinatis superne margine carinaque scabris 3Vi — 2 lin. latis; 
umbella semicomposita 10 — 7-radiata explanata; involucri 5—4- 
pbylli foliolis inferioribus umbella multo lougioribus; radiis pa- 
tentibus setaceis, exterioribus 5 — 6-poUic. non raro tri- (raro 5-) 
ramosis, ramis capillaribus patentissimis subpoUicaribus ; ochreis 
angustis ferrugineis ore subobliquis muticis; spicis orbiculato- 
ovalibus poUicem circ, longis atque latis; spiculis numerosis 
confertis, supremis erectis, reliquis reflexis setaceo-tenerrimis 
rectis 7 — 5 lin. long. 8— 5-floris, squamis apice vix patulis an- 
guste oblongis obtusiusculis muticis subtiliter mnltinervatis rufis, 
dorso angusto viridulis; caryopsi (non perfecte matura) elongata 
sqnama V4 breviore perangusta recta linear! otrinque attenuata 
triangulari dense granulata luteo-viridi ; stylo abbreviate, stig- 
matibus exsertis subtilissimis ferrugineis; rachillae rectae alis 
latiusculis byalino-pallidis. 



88 

Queensl. Port Mackay (Am. Dietrich). 
(Marisci). 

33. (312 b.) 6\ upohensis n. sp, 

Rhizomate parum elongato crassiusculo obliquo brunneo; 
culmo stricto 7-^8-pollicari vix lineani crasso acutangnlo laevi 
basi multifoliato; foliis confertisherbaceo-tenacibus subaequalibus 
culmo loDgioribus glauco-vindulis (15— 16-poll. long.) planis ca- 
rinulatis longe angustatis subtiliter multinervatis snperne mar- 
gine vix serrulato-scabris, 2 lin, lat.; spicis 7 graeilibus in apice 
culmi umbellatis , simplicibus subaequaliter brevi-pedanculatis 
cyliudricis laxis pollicem circ. long. 2 lin. lat; involucri foliis 6 
patentibus, exterioribus 8— 6-pollic. r/, lin. lat., interioribus 
subsetaceis multo brevioribus ; ochreis angustis ore transversim 
truncatis postice bicuspidatis; spicuHs minutislaxis patebtissiniis 
reflexis pallide purpureis sublanceolato-oblongis teretibus !'/« — 
IV4 lin. long, unifloris, bractea minuta setacea seabra munitis; 
squamis 4 cbartaceis concavis plurinervatis pallidis purpureo- 
variegatis, dorso angusto viridibus, inferioribus 2 late ovatis ob- 
tusis, tertia fertili ovata acutiuscula, suprema lamella lanceolata 
basi cuneata. 

In Samoa-insula Upolu leg. Graeffe. 

34. (317 b.) C, tetracarpus n. sp. 

Glaucescens; rhizom. elongato subrepente crassiusculo duro 
brunneo, fibriUis lougis validis fuscis; culmo 12—21 poll, alto 
perrigidio 7, lin. crasso obtusangulo (subtiliss. multistriato) basin 
versus foliato ; vaginis rigidulis brunnesceuti-ferrugineis ; foliis 
(culmeis) parum remotis culmo longioribus rigidulis perlonge se- 
taceo-attenuatis, inferne iVa lin. Jatis canaliculatis, superne ca- 
rinaque aculeolato-scaberrimis; umbella 9 — 6-radiata, radiis pa- 
tentiss. validulis trigonis, longioribus 1 7,-1 poll. long, apice 
triramosis, reliquis iudivisis, centralisubsessili; ramis fere sessi- 
libus, lateralibus reflexis; involucro pentaphyllo, phyllis inferiori- 
bus valde elongatis, non raro pedem et ultra longis; spica ter- 
minali cylindracea obtusa 6 — 5 lin. longa, 2V« lin- cire. crassa, 
lateralibus multo minoribus subrotundatis; spiculia densiss. dis- 
positis subomnibus reflexis, e basi parum obliqua ovatis acutius- 
culis turgidis nitidulis IVs— I'A Hn. long. 5— 4-floris, flore ter- 
minali impert'ecto ; squamis concavis obtusis subdecemnervato- 
striaiis inferne pallidis superne purpurascentibus medio ibidem 
viridulis, inferioribus suborbiculatis, soperioribus orbicnlato-ova- 
tis; caryopsi squama parum breviore obovata triangulari apicu- 



d& 



i 



lata puDCtulata atropurpurea; stylo parum exserto complanato 
usque fere ad medium trifido; stamin. 2. 
Queensl. Port Mackay (Am. D.) 

35. (iil7 c.) C. glaucinus n. sp. 

Cinereo-glaucus, Rhizom. brevissimo duro, vaginissqunmifor- 
mibns ovato-lanceolatis nervosis brunneis tunicate, fibrillis lon- 
gis rigidis atro-fuscis; culmo stricto perrigido trigono pedem 
circ. alto inferne lineam crasso foliisque granulate; foliis con- 
fertis culmura subaequantibus subcoriaceo-rigidisevidentercarina- 
tis, margine grosse dentatis, 1V«— 2 lin. lat. umbella subnovem- 
radiata contracta; radiis abbreviatis erecto-patentibus (v. inferi- 
oribus quandoque leviter recurvis) 6 — 3 lin. long, validis obso- 
lete trigonis; involucre hexapbyllo patenti-erecto, phyllis exteri- 
oribus 6 — 4 poll, longis; spicis ovalibus obtusis 5 — 4Va lin. long, 
simplicibus v. basi interdum pauciramulosis, ramulis brevissimis 
(occnltis) paucispiculatis; spiculis confertis, superioribus erectis 
inferioribus reflexis, oblongis acutis teretiusculis stramineo-rufe- 
scentibus IVa lin. long, unifloris; squamis quaternis: inferioribus 
2 minoribus suborbiculatis nervosis, terfia tertili ovali-orbiculata 
florem involvente, suprema tabescente membranacea acuminata; 
caryopsi (juvenili) oblonga triquetra; stylo longiusculo apice tri- 
fido; stam. 2; rhacheola late alata. 

Queensl. Port Mackay (Am. D.) 



manlpnlus mnscorum novorum 

ex America .septentrionali. Auctore Carolo Miiller. 

(Schluss.) 

7. Hypnum (Homalothecium) pseudo-serireum C. Miill. n. sp. 
dioicum; laxe cespitosum procumbens vage ramosum pallida la- 
tesceus flexuosum flaccidum sericeum, ramulis breviusculis apice 
breviter cuspidate curvulis turgidulis mollibus; folia caulina laxe 
conferta madore patula, e basi paulisper decurrente rotnndata vix 
impressa anguste vel latius lanceolata in acumen longiusculum 
acutatum saepius semitortum cuspidata, irregulariteret indistincte 
sulcata, profunde coneava, margine e basi ultra medium valde 
revoluto remote et obsolete denticnlata, nervo angusto in acumine 
dissolnto, cellulis ubique pallidis incrassatis angustissimis line- 
aribus striatulis; perich. externa minora lignlate ovata obtusata* 
interna e basi lata vaginata laxe elongate reticulata palUdissima 
tenerrima flaccidissima sensim in acumen valde elongatum den* 



I 



»0 



ticulatum angustias Bed elongate reticulatum protracta erecto- 
patula, cnervia; theca in pedunculo perbrevi rubente saepius valde 
flexuoso supra basin infimani valde tuberculoso erectiuscula 
vel vix inclinata, subito arcuato-cylindrica glabra badia, ore 
constricto brunnea, junior olivacea, calyptra firma truncatula 
levi; peristomii dentes ext. robusti rubiginosi valde cristato- 
trabeculati, albide limbati, int. in inembrana lutea tenera valde 
reticulata, ciliis singulis vel binis; operculoconico oblique rostellato. 

Pa tr i a. America septentrionalis, Oregon, Oakland et 
Portland, ubi primus legit Rever. Dr. Neeve vere 1873. Hb. C. Mohr. 

Ab U, sericeo proximo criteriis supra accuratius laudatis 
jam eerte distinctum pulcberrimum. 

8. Hypnum {Brachythecium^ Cavernularia) biventrosum C. Mtill. 
n. 8p.; dioicum; laxe eespitulosum viridissimum pusillum^ ramis 
simplicibus ienuibus brevissimis curvulis madore turgidiu- 
sculis strictis; folia caulina dense conferta humore erecto- 
patula, parva, e basi vix decurrente longiuscule acuminata per- 
fecte symmetrica, basi utrinque nervi loco plicae ventrem plus 
minus profundum sisteniiaj nunquam plicas longitudinales sulcatas 
constituentia^ margine basilari solum late convexo, supremo 
interdum angustissime nusquam valde revoluto sed pro more 
erecto ubique constanter distincte denticulato, nervo valde regu- 
lari viridissimo stricto canaliculato supra medium evanido «««- 
quam fkxuoso vel furcato, cellulis densis linearibus brevibus, 
alaribus paucis minutis massa chlorophyUosa repletis moUibus\ 
perich. parva, 6 basi vaginata laxe elongate reticulata plus minus 
subito in acumen longiuseulumcapillare reflexum|)roiradasuperne 
hie illic dente grosso vel minore ornata en^ry la eplicat a, externa 
minora e basi latiuscule ovata semivaginante subito reflexe acu- 
minata denticulata, nusquam margine revolttta; theca in pedun- 
culo brevi levi rubente spiraliter torto erecta minuta cylindrico- 
oUonga hmud curvata, operculo conico brevissimo obliquiusculo 
apiculato non protuberante, annulo simplici obsoleto; peristomii 
dentes ext. breves angusti rubiginosi linea longitudinali obsoleta 
notati parnm trabeeulati, interni in nicmbrana perbrevi lutea levi 
positi in crura duo capillaria dentem angustissimum vix sulcatum 
sistentia ad trabes solum cohaerentia levissima divisi, ciliis sin- 
gulis rudimentariis. 

Patria. Louisiana, ad truncos putridos in sylvis propc 

Batonroage cum Nechera (Orthostichella) Ludoviciae consociatum 

Febr, 1874: Dr. Joor in Hb, C. Mohr. 



91 



Ob inflorescentiam, peduncnlam glabrum et babitutn Hypno 
laeto^ cujas formam velati diminutam refert, simillimum, sed cri- 
teriis litteris cursivis accuratius designatis prorsus diveraum, 
exiguitate et statural, velutinum in memoriam redigens.In regi- 
onibus Mexicanis species variae alterae occurrunt, quae foliis 
Yentroso-caYcrnosis praeditae tribulum proprium parvum {Caver- 
nularia mihi) sistunt. 

2,Hi/pnum (Cupressina) Sequoieti C. MulU n. sp,; monoicum, 
flos masculus in ramuio proprio breYissimo ad pedem feminei 
minutissimus; habitus Hypni cupressiformis gmcWioris \ cespites 
prostrati, ramis procumbentibus gracillimis pallide Yiridibus Yel 
sordide lutescentibus; folia caulina valde circinnato-falcata parYa, 
e basi latiore ad latus unicum subauriculata ad latus alterum 
angusfiore asymmetrica oblongo acuininata inde in acumen fal- 
catum distinctius serrulatum protracta integriuscula, ubique pro- 
funde concava, obsolete binervia, basi aurea superne lutescentia, 
e cellulis brevibus angustis linearibus an-^ata,: alaribus fugacibus 
plerumque solitariis vesiculosis intense aureis incrassatis prae- 
dita, margine erecta; pericb. multo majora latiora exserta,e basi 
enervi aurea latinscule ovato-acuminata in acumen latiusculum 
rectiusculum denticuiatum elcngatum producta; theca in ped. 
brevi glabro rubro flexuoso parYa ovalis parum inclinata badia, 
operculo breYi conico, annulo angusto, peristomio breYi: dentes 
externi pallide lutei, latere parum cristati, interni albidi profundc 
sulcati Yix hiantes, ciliis aequalibus singulis tcnuissimis asperulis. 

E- circinale Sull. et Lesq. M, B. Amer. Exs. No. 474. 

Patria. California, in truncis Sequoiae sempervirentis, in 
fissuris corticis arete adhaerens, tamquam aqua perpetuo inunda- 
tum : Henry Bolander 27. Mart. 1864 propc Redwood-City legit 
et misit 

Ab M. circinali Hook, caracteribus supra accuratius designa- 
tis certe distinguitur. 

IQ, Bypnum {Cupressina) depressulumGMnW, n.sp.; monoicum; 
cespites tenelli depressi lutescentes; caulis prostratus, ramis te- 
nuibus brevibus flexuosis apice curvulis plus minus aequalibus 
irregulariter pinnatis simplicibns vel ramosulis vage ramosns 
applanatulus; folia caulina minuta horride distichacea, siccitate 
et madore patula, scariosula, vix vel parum falcatala, e basi 
saepius paulnlo constricia ovatula in acumen breviuscnlmn pler- 
umque paulisper falcatum plus minus acutum obsolete serrulatum 
producta, concava, margine basilar! angustissime revoluta, nervis 






92 

gemellis brevissimis subobsoletis pallidis, cellulis ellipticis palli- 
dis parvis, alaribus nonnullis majoribus laxioribus (minutis) qua- 
dratis pellucidis inanibus; perich. multo majora exserta, late lan- 

ceolato-acuminata strieta, externa minutissima reflexa, basi 
flavida et laxius reticulata, brevissime binervia vel cnervia 
apicem versus serrulata; theca in ped. brevinsculo rubro glabro 
flexuoso inclinata parva sed turgide ovalis macrostomaore aequa- 
lis, badia leptoderma, operculocupulato; perist. d. ext. latiuscnle 
lanceolati lutei membranacei parum cristati apice asperuli, int. 
illos subaequantes albidissimi sulcati imperforati vel vix hiantee, 
glabri, ciliis binis longis albidis conglutinatis. 

H» hamulosum'i Sail, et Lesq, in Muse Bor, Amer. Exs. 
No, 478. 

Patria. America sept., per montes Novae Angliae in trun- 
cisputridis: Oakes, James. 

II. hamulosim fpliu basi fibroso-cellulosis majoribus maxime 
falcatis jnm longe refugit. — ^ndroecia plura in viciniafloris fe- 
minei gemmacea parva, foliis ovatis vix acuminatis. 

IL NecJcera (firthostichella) Ludoviciae C. Mitll. n. sp.; perpusilla, in- 
ferne simplex et foliis appressis julacea, medio ramis paucissimis 
brevissimis irregulariter pinnata, apice turgidiusculo, simplex, 
viridissima strictiuscula; folia caulina indistincte spiraliter po- 
lysticiia erecto-patula, e basi rotundata cellulis alaribus miuutis- 
simis parenchyraaticis incrassatis fuscatis colorata aurea angus- 
tissime lineari-cjmbiforroia, acumiue longiuscnloacutiusculo piano 
impressione flexuosulo vix denticulato terminata, margine ubique 
erecta, nervotenuissimoviridi insummitateacuminis evanido, cel- 
lulis virentibus minutissimis angustissime ellipticis levibus. Cae- 
tera ignota. 

Patria. Louisiana, ad truncos putridos sylvestres prope 
Batonrouge cum Hypno biventroso: Dr. Joor Febr. 1874 sterile 
legit. Hb. C. Mobr. 

K eymbifolia (Pilotricho cymUfolio Sulliv.) Floridano habitu et 
statura siraillima differt: foliis distincte spiraliter polystichis multo 
latioribus majoribus brevius et obtusius acuminatis, distincte den- 
ticulatis, pallide nervosis, cellulis majoribus distinctioribus magis 
scariosis alaribusque crebrioribus majoribus massa grisea reple- 
tis ad alas magis adscendentibus nee aureis. 



93 



Zwei Moose aus Colorado. 

12. Mnium {Aulacomnimim) papillosum n,9f,\ caulis elongatus 
subgracilis flexuosus valde radiculosus apice fastigiatim divisus 
brevirameus ; folia caulina inferiora inter tomentum immersa di- 
stantia, superiora confertiora parum crispatula lateo-virentia vel 
sericeo-albescentia, madore stricta, e basi decurrente ventricose 
inflata cellulis pluribns laxioribus parenchymaticis brunnescentibus 
reticulata lanceolato-oblooga, ramulina minora breviter acuminata 
caulina longius acuminata et apicem versus plus minus undulata, 
margine int'ero distiacte revoluta supremo erecta et crenato-den- 
ticulata vel brevissime serrulato-denticulata, e cellulis parvis densis 
unipapiUosis scaberrimis areolata, nervo crasso virente, profunda 
canaliculato ante apicem evanido percursa ; pseudopodia brevia 
flavescentia. Caetera ignota. 

Inter Aulac, palustre et androgynum intermedium. Statura 
prioris elongata, foliis ulterorispapillosis; aprimofoliis rainu- 
tius areolatis papiilosis, a secundofoliis scaberrinio-papillosis nun- 
quam grosse serratis minutius areolatis et statura, ab utroque foliis 
basi distincte inflatis jam diversum. 

13. Bryum (Eubryum)lonchocaulon n, sp.; synoicura; caulis 
elongatus graeillimus flexuosus subsimplex luteo-viridis radiculo- 
sus stolonaceus; folia caulina inferiora inter radiculas remotiora, 
superiora densius conferta caulem subjulaceum hie iilic sistentia 
parva, e basi angustissime decurrente ovato-lanceolata, nervo va- 
lidiusculo inferne purpurascente superne virente in aristam elon- 
gatamattenuatamtenuem vix denticulatamprotracto, concava, mar- 
gine usque ad apicem valde revolutointegerrimo, apice solum vix 
denticulato, limbo nullo, cellulis parvis peilucidis inannibus irregu- 
lariter rhombeis basin versus laxioribus tenerioribus saepius pur- 
purascentibus; perich. ut caulina; theca in pedunculo valde elon- 
gate suprapollicari flexuoso purpureo pendula ovalis parvula; peri- 
stomii interni ciliis binis valde appendiculatis. Operculum ignotum. 

Formis gracilibus Bryi himi aliquantulum simile, sed foliis 
immarginatis jam distinctum et species gracilis. 



' i 



94 

Ueber die Edmnng der Characeen. 
Von 0. Nordgtedt uod JUJ. Wablstedt 

r 

Da Sachs auch in der vierten Auflage seines „Lehrbuches 
der Botanik'* (1874)*) in Betreii dcrKeimung und Zweigvorkeime 
der Characeen nur dasjenige anfubrt, was schon bei Prings- 
heim*) zu finden ist, welcher nicht selbst die Bewandniss der 
Keimung geseben, sondern dieselbe nur zufolge derUebereinstim- 
mung der Zweigvorkeime und der aus den Sporokarpien ent- 
wickelten Vorkeime muthmasst, so erlauben wir uns bier eine 
kurze Darstellung der Resultate mitzutheilen, zu welchen unsere 
zum Theil schon publicirten') Untersuchungen dieses Gegenstan- 
des gelangt sind. 

Bei der Keimung dehnt sich die Innenzelle der Spore und 
tritt durch die Oeffuung der Spore aus; der herausspringende 
Theil wird durch eine Wand von dem ubrigeu Inhalt der Spore 
getrennt, worauf aller Zuwachs in der Richtung der Langenachse 
der Spore aufhort, indem sich die obere Zelle durch eine gegen 
die erste winkelrechte Wand zweitheilt. Die eine dieser beiden 
neuen Zellen wacbst zu einem Organ aus, welches niit Prings- 
heims Zweigvorkeimen vollig iibereinstimmt, dabei eine Lage 
einnehmend, welche gegen die Langsachse der Spore winkelrecht 
ist, und falls die Spore platt isti wie bei Nitella flexilis A. Br., 
auch gegen die platten Seiten derselben. *) Die zweite dieser 
beiden Zellen bildet sich zu einem Knoten (der Samenknoten 
Pringsh. =* der priraare WurzelknotenNordst.), welcher in seinem 
entwickelten Zustande mit dem Wurzelknoten desZweigvorkeims 
(der secundSre Wurzelknoten Nordst.) vollig ttbereinstimmt. Der 
Samenknoten besteht zuweilen aus einer einzigen Zelie, mehren- 
theils aber theilt er sich in mehrere solche, dadurch Anlass zu 



1) Sachs: Lehrbuch der Botanik, Leipzig 1874, pag. 295: „Aua der Cen- 
tralzelle der Charenfrucht entwlckelt sich bei CAara bei {ffUeila ist dies 
noch nicht beobachtet) nicht unmlttelbar die geschlechtliche, bl&tterbildende 
Pflanze" . . . Pag. 298 : „Die Zweigvorkeime sind gleich jenen nacktfussigen 
Zweigen nur an Ch. fragiiis (yon Pringsheim) beobachtet worden", 

2) N. Pringsheim: „Ueber die Vorkeime und die nacktfussigen Zweige der 
Charcn" (Jahrbficher far wissenschafUiche Botanik, III B. 2 H. Berlin 1862). 

3) li. J. Wahlstedt:„Om Characeemas knoppar och ijfver vintring," Lund 
1864. — 0. Nordstedt: ,,Nagra iakttagelser Ufver Gharaceernas groning^'^ 
(Acta Univers. Lundens. Tom. 11^ Lund 1866). 

4) Nordflt. 1. c. ^e. 13. 



95 

■ Wurzein gebend, unter weicben eine gewobnlich grosser als die 

tibrigen ist (die Hauptwurzel). In seltenen Fallen geschieht es 

doch, dass nach der ersten Theilung der Innenzelle der Spore, 

die obere Zelle unmittelbar zum Vorkeim auswachst, ohne sich 

erst zu theilen, in welchein Falle der Sainenknoten folglich ganz 

J und gar vermisst wird, derVorkeim aber doch eine schiefeRicht- 

j ung in seinem Verhaltuisse 2U der Achse der Spore hat.') 

\ Die Keimung ist von uns bei folgenden Arten beobachtet 

I worden: Nittlla capiiata,mucronata, tenuissima; Chara scoparia, 

crinita^ riidis; die Keimung nebst den Zweigvorkeimen bei Ni- 

iella flexilis, Tolypella nidifica^ Normaniana^ glomerata, intricata; 

Chara Wallrothii*\foetida,hispida,conirariaj aspera,fragilis\ und 

ausserdem haben wir die Zweigvorkeime bei Nitella qpaca, trans- 

lucens ; Tolypella prolifera ; Chara stelligera^ tomentosa-t polyacari' 

tha^) beobachtet. 

Bei einigen Nitellen (Abtheilung monarthrae: Nitella opaca 
ftexilis) und Tolypellen {glomerataj intricata^ Normaniana) ver- 
inissen die Zweigvorkeime sehr oft den Wurzelknoten nebst dem 
zugehorigen Internodium, obschon diese Theile bei demVorkeime 
dieser Arten zu treffen sind. Das Endgebilde des Vorkeimes 
und Zweigvorkeimes bestebt gewohnlich aus 4 Zellen, bei Toly- 
pella nidifica aus 4 — 7 bei Tolypella Normaniana aus 3—4 , zu- 
weilen bis auf 6, bei Nitella capitata, flexilis und Tolypella 
glomerata aus 2 ( — 3), bei Nitella opaca aus 1—2 Zellen, 

Zweigvorkeime sowie nacktflussige Zweige konnen aus den 
Knoten des Stammes, Vorkeims, Zweigvorkeims and derWurzela 
entspringen, in dem letzten Falle besonders aus denKnoten ver- 
schiedener zu Kugeln aufgeschwollenen starkehaltigen luterno- 
dien (Chara Wallrothii und aspera)> Es giebt auch Beispiele 

einer Art van Uebcrgaag der Wurzein zuVorkeimen oder Zweig- 
vorkeimen, welcbe darin bestebt, dass sich eine schiefe Wand, 
welcbe sonst nur an den Wurzein zn finden ist, zwiscben dem 
Samenknoten und Wurxelknpten des Vorkeims (Chara Wallrothii) 
Oder unterhalb des Zweigvorkeims (Chara foetida)^) bildet. 

Die naektflussigen Zweige derCharen werden beixNitella von 
Zweigen mit etwas einfacheren Blattern repraesentirt. 



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1) Nordst 1. «. fig. 4. 

2) Flora Danica Vol. XVI, Tab. MMDCCXLV, 

3} Flor. Dan. Tab. MJHIDCCXLVL 
4) I^ordst 1. c. fig. 10. 



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96 



Pe]*»onalnadiricht. 



Am 13. Febr. d. J. starb zu Kiel im 84. Lebensjahre der 
Professor der Botanik und vormalige Direktor des bot. Gartens, 
Dr. Ernst Ferdinand Nolte. 



Bel Gebriider Borntraeger (Ed. Eggers) in Berlin, 
Zimmerstrasse 91 erschien soeben: 

Botanischer Jahresbericht Systematisch geordnetes Reper- 

torium der botanischen Literatur aller Lander. TJnter 
Mitwirkung einer Anzabl Fachmanner herausgegeben von Prof. 
Dr. Just inCarlsruhe. 1873. II. Halbband. Preis 14 Mark. 
Preis des completen Jahrganges 20 Mark. 



Im Selbstverlag des Herausgebers ist soeben erschienen und 

durch jede Buchbandlung zu beziehen: 
Biryothecu euvopueu^ Die Laub moose Europa's. 

Unter Mitwirkung der namhaftesten Bryologeu gesammelt und 

herausgegeben von Dr. L. Rabenhorst Fasc. XXVI. No. 

1251—1300. Dresden, 1875. 

Dieser Fascikel bietet vviederum mehrere nov. spec, seUene 
Arten wie: Trichostomum strictum, Bryum Donianum Gt^y, 
Zygodon Nowelli Scbpr, Hypnum badium Hartm. Telraplodon 
angustatus Br. eur. etc. etc. und 4 Arten aus Madagaskar. 



Einlliiife zur Bibliothefe und znm Herbar, 

6L Eerner, TorlSufige Mittheilungen Uber die Bedeatung derAsyngamit^ fUr 
die Enstehung nener Arten. Innsbruck, 1874. 

7. BoUnlsk Tidsskrift Anden Kaekke. Tredje Binds tredje Haefte. Ko 
benhavn 1874. 

8. Ascherson, Vorlaufiger Bericht uber die botan. Ergebniese der Rohlfs'- 

sclien Expedition zur Erforschung der libyschen Wtiste. 

9. U 1 e und M a 11 e r. Die Natur. Jahrg. 1871 

10. L. Rabenhorst, die AlgenEuropas. Dec.CCXL ct CCXLL Dresden, 1874. 



Redackeur: Dr. Singer. Dmck der F. Neubaucr'schen Buchdruckcrei 

(F. Httber) in Regensburg. 











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58. Jahrgang. 



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m 7. 



Regensbnrg, 1. Marz 



1875. 



Fnhalt« Dr. Hugo de Vries: Ueber den Einfluss des Rindendruckes 
auf den anatomischen Ban des Holzes. — W. Nylander: Addenda nova 
ad Lichenographiam europaeam. XX. — 0. BOckeler: Ein Beitrag zur 
Kenntniss der Cyperaceen-Flora Neuholland's und einiger polynesischer 
Inseln. (Fortsetzung). 



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Ueber den Einfluss des Rindendruckes auf den anatomischen 

Bau des Holzes. 

Vorlaufige Mittheiluug 

von 
Dr, Hugo de Vries. 

Bekanntlich hort in Stengelorganen mit Ende des Langenwachs- 
thums allmahlig auch die Langsspannung der Gewebepartien 
auf, und tritt an deren Stelle eine Querspanuung '). Bei Holz- 
gewachsen findet diese Querspannung hauptsachlich zwischen der 
Rinde und dem Hoize statt. Demzuiolge iibt die Rinde wahrend 
des Dickenwachsthums einen Druck auf das Cambium und das 
sieh entwickelnde junge Holzgewebe aus. Den colossalen Kraften 
entsprechend, welche die Rindenspannung verursachen *), darf 
man annehmen, dass anch dieser Rindendruck ein sehr ansehn- 
licher sei. Er besitzt aber nicbt zu jeder Jahreszeit die nam- 



1) Krans, die Gewebespannung des Stammes 
1867 S. 105. 

2) Krau3 ibid. S. 141. 
Flora 1875. 



und ilire Folgen; Bot Ztg. 



7 



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93 

liche Grosse, sondern ist im Friihjahr, zur Zeit wo das Holz am 
starksten durch Wasseraufnahme gequollen ist, sehr gross, wie 
man an dem Entstehen neuerRindeniisse und an derErweiterung 
der schon vorhandenen in dieser Jahreszeit sehen kannJ) Wiib- 
rend der Blatterentfaltung verliert das Holz einen grossen Theil 
seines Wassers durch Verdunstung, es zieht sich zusammen und 
der Druck der Rinde wird geringer. Von dieser Zeit bis zum 
Abschluss der Holzbildung im Hochsommer muss eben durch das 
Dickenwachstbum der Druck wieder allmablig zunehmen. 

Sachs ^) stellte die Vermuthungauf, dass diesem zunehmen- 
den Drncke der Unterschied zwischen dem anatomischenBau des 
Fmhlingsholzes und des Hexbsthoizes znzuscbreiben sei; es ge- 
lang mir die Richtigkeit seiner Meinung experimentell nachzuwei- 
sen. ') 

Die Versuche iiber diesen Gegcnstand habe ich spater fort- 
gesetzt und erweitert, und bin dabei zu dem Resultate gelangt, 
dass der erwahnte Satz eine Folge ist von allgemeinerenBezieb- 
ungen zwischen dem anatomischen Bau des Holzes und dem 
Bindendruck. Nach meinen Versuchen iibt der Druck einen 
Einfluss auf drei Sachen aus: 1) die Zahl der Zelltheilungen 
im Cambium, 2) das radiale und tangential© Wachsthum der an- 
gelegten Elementarorgane^ und 3) das Zahlenverhaltnisa zwischen 
den verschiedenartigen Elementarorganen, 

In der vorliegenden Mittheilung will ich diese Bezieh- 
ungen in kurzen Satzen aussprechen und die Versuche, 
aus denen ich sie ableite, kurz andeuten. Die ausfUhrliche 
Beschreibung der Versuche und des anatomischen Befun- 
des, sowie die kritische Begrlindung der hier mitzutheilenden 
Resultate wird demnachst an einem anderen Orte erscheinen. 



Die Versuche wurdeii nach einer sehr einfacben Metbode ge- 
macht. In der einen Reihe wurde durch Langsschnitte der Rin- 
dendrtick theilweise aufgehoben, in der anderen Reihe wurde 
dieser durch Ligaturen von Bindfaden kiinstlich erhoht. Die Ver- 
suche fingen zu verschiedenen Zeiten des Frtihjahrs und des 
Sommers an; dieZweige warden aber gewohnlich erst im Winter 



2) Sachs 1. c. 
3} Ueber den 
Flora 1872 p. 241. 



1868 S. 409, 



Herbstholzes 



99 






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i. 









\ abgeschnitten und der anatomischen Untersuchuug unterworfen. 

' Die Untersuchung erstreckte sich im Ganzen uber elwa 40 Arten 

I von Laubholzern, welcbe sammtlich ein gleicbes Verhalten zeigten, 

^ wodurch die Anuahme berechtigt wird, dass die mitzutheilendeu 

Saize fur dieLaubholzer iui iiilgemeinen Giiltigkeit habenwerden. 

\ 1) Die Zahl de r Zelltheilungen imCambium hangt 

I vou dam auf das Cambium einwirkenden radialen 

D r u c k a b ; je grosser dieser Druck, desto geringer wird die Zahl der 

Zelltheilungeu in jeder radialen Reihe in der namlichen Zeit und 

1 nnter sonst gleichen Umstauden sein. 

I Bekanntlich baogt die Dicke einer Holzscbicht von dem 

Druck der Riude ab, unter dem sie enstanden ist"). Die so ent- 
standenen Untersebiede in der Dicke konnen sehr ansehnlicbe 
sein, und die Beobaehtung lehrt, dass dabeiim allgemeinen diedUn- 
nerenSchichten ausweniger Zellenbesteben als die dickeren. Einen 
schonen Beweis bekommt man, wenn man an Querschnitten eines 
Versuebszweiges den unter einer starken Ligatur entstandenen Jahr- 
ring vergleicht mit Theilen des namlichen Jahrringes, welcbe in 
geringer Entfernung oberhalb oder unterhalb der Ligatur unter 
normaien Verhaitnissen gewachsen sind. Oder wenn man die 
ansebnlichen Holzschichten betrachtet, welche entstchen konnen, 
wenn man wahrend der Herbstholzbildung durch radiale Ein- 
schuitte den Rindendruekkiinstlicb vermindert. Holzer, bei denen 
die Holzfasern auf dem Querschnitt in radialen Reihen regel- 
massig geordnet sind, eignen sich sehr zu solchen Versuchen, 
bei ihnen ist es leicht, die Zahl der Zellen einer radialen 
Reihe zu bestimmen ; man findet nicht selten, dass unter kiinst- 
lich erhohtem Druck nur die halbe, unter kiinstlich vermindertem 
Druck die doppelte oder auch mehrfache Anzahl von Zellen ge- 
bildet wird, 

2) Das Wacbsthum (Streckung) der Elementar- 
organe des Holzes in radialer und tangentialer 
Richtung hangt von dem Druck ab, unter dem es 
stattfindet; je grosser dieser Druck, desto geringer ist diese 

Streckung. 

Dieser Satz ergibt sich sowohl aus der Beobachtung des un- 
ter kunstlich erhohtem Druck gewachsenen Holzes, als aus dem 
Stadium des unter kunstlich verringertem Druck entstandenen. 
In dem ersteren ist der radiale Durcbmesser der Holzfasern 



BaumkOrpers 



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ICO 

imtner kleiner als in dera norraalen Holze desselben Zweiges, 
das in einiger Entfernung von der Ligatur unter sonst gieicheu 
Umstiinden gebiidet worden ist. Auch sind in jenem Versuchs- 
holze die Gelasse weniger weit als in dem normalen Holz. B«i 
einer klinstlichen Verminderung des Rindendruckes durch radiale 
Einscbnitte entsteht sofort, und meistscharf vom vorhergehenden 
Holzgewebe getrennt, eine Holzscbicht mit radial weiteren Zellen 
und mit in jeder Ricbtung des Querschnitts grossereu Gefassen. 
Es ist dabei gleichgllltig, zu welcher Zeit derWachsthumsperiode 
des Holzes der Versuch aniangt. 

Die raitgetheilte Beziehung zwiscben der Streckung der Zel- 
len des Holzes und dem Druck, unter dem sie stattfindet, ist in 
YoUkommner Uebereinstimmung mit der Auffassung, welcbe von 
Sacbs') iiber dieUrsache desWacbsthums der Zellhilute geltend 
gemacbt wurde. Nacb ibm spielt dieDehnung, welcbe eine wach- 
sende Zellbaut durch den turgescirenden Zellinbalt erfahrt, bei 
dieser Streckung eine sebr wiehtige Rolle. Jede Ursache^ welcbe 
dieser Dehnuugentgegenwirkt, muss also nachtheilig aufdas Wachs- 
tbum einwirken, wie dieses in meinen Versuchen mit dem Rinden- 
druck der Fall war. 

3) Das Verhaltniss zwiscben der Zahl der Ge- 
fasse und der der Holzfasern in einer Holzsc'hicht 
hangt von dem Druck ab, unter dem diese Holz- 
scbicht entstanden ist; je grosser dieser Druck, desto ge- 
ringer ist die relative Zabl der Gelasse. 

Bei den Versucben mit kiinstlicb erbobtem Druck zeigte sich 
das unter der Ligatur entstandene Holz immer armer an Gefas- 
sen als das normale Holz der nanilicben Art. Andererseits war 
die gleich nacb dem Aufscbneiden derRinde durch radiale Langs- 
scbnitte entstandene Holzscbicht immer reicher an Gefassen als 
das kurz vorher gebildete Holz. Bei Arten, deren Friihlingsbolz 
einen Ring von Gefassen zeigt, gelang es mebrere Male, durch 
Langscbnitte eine Wiederholung dieses Ringes im mittleren oder 



ausseren Tbeil des Jahrringes berbeiznfubren. 

Man kann unserem Satz aucb eine aildere Fassung gebeu, 
indem man sagt „da8s die Aussicht fur eine Cambium- 
tochterzelle eine Gefasszelle zu werden, desto ge- 
vinger ist, je grosser der Druck ist, unter dem sie 
sicb entwickelt. In dem "leiehen Maasse wird die Aussicht, 



1) Sachs, Lehrbuch der Botanik. 4, Auflage S. 762. 



101 

sich zur Holzfaaer auszubil den grosser sein. Es bangt also wenigstens 
I in dieserBeziehung die morphologische Diflferenzirungim Cambium 

von einer ansseren Ursache ab. Nacb einigen bis jetzt nur verein- 
. zelt dastehenden Versuchen scheint der Druck auch auf das 
' Zahlenverhaltniss anderer Elementarorgane im Holze einen Ein- 

fluss auszuuben. 

Gehen wir jetzt fiber zur Betrachtnng des Einflusses, den 
der Rindendruck auf die Ausbildung des Hevbsthohes ausubt. 
Nach den Untersuchnngen von Sanio') sind es hauptsachlich 
vier Ursachen welche die Jalirringe siclitbnr machen, Unter 
diesen giebt es zwei, welcbe in keinem Laubholze fehlen, dessen 
Jahrringe Uberhaupt sichtbar sind, und zwei andere, welche 
nur bei einer geringen Anzahl von Arten beobachtet worden sind. 

Die beiden allgemeinen Ursachen sind: 

Das Abnehmen des radialen Durehmessers der Holzzellen von 

dem Inneren des Jahrrings pach aussen. 

Das Abnehmen der Gefassenach Weite und Haufigkeit in der 

namlichen Eichtung. 

Zu den seltneren Ursachen, welche meist auch nur bei einer 
sehr genauen Untersuchung bemerkbar sind, gehoren: 

Das Auftreten solcber Elementarorgane im Herbstholz, welche 
in dem ubrigen Theil der Jahrringe feblen. 

Die grossere absolute Dicke der radialen Zellwandungen im 
Herbstholze, 

In Bezug auf die beiden zuerstgenannten Ursachen leuchtet 
ein, dass sie von dem veranderlichen Rindendruck abhangen konnen, 
und da nun wirklich dieser Druck durch das Dickenwachsthum 
fortwahrend gesteigert wird, so muss diese Steigerung ibrerseits 
die beiden genaunten Unterschiede zwischeu Frtihlings- und Herbst- 
holz herbeifuhren. Ich folgre also: 

4) Die Thatsache, dass derradiale Durchmesser 
der Holzfasern, und die Anzahl und die Weite der 
Gefasse in jedem Jahrring des Holzes von innen 
nach aussen abnehmen, wird durch die stetige Stei- 
gerung des Rindendruckes wahrend des Dicken- 
wachsthums in geniigender Weise erklart. 

Dieser, wie oben erwahnt, schon von Sachs aufgestellte Satz 
ist also als ein specieller Fall der allgemeinen, unter 2) und 3) 
roitgetheilten Satze zu betrachten. 



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1} Sanio, Bot. Ztg. 1863 S. 393. 



102 

Was schliesslich die beiden zuletzt genannten Punkte betrifft, 
so lasst sich die Frage, ob auch sie von dem Eindendruck abhangen, 
noch nicht mit Sicherheit entscheiden. Nacb einigen Versuchen 
niit Carpinus Betiilus und Corylus Avellana lasst sich erwarten, 
dass spatere UutersuchungeDauchhiereine Abhangigkeit von dem 
Druck warden auffinden lassen, da bei diesen Arten die Nothwen- 
digkeit des Rindendruckesftir die Entstehung det gefassahnliehen 
Tracheiden im Herbstholze nachgewiesen wurde. 



Addeada nova ad Iilcheno8:raphlam europaoam 

Continuatio vicesima. ') — Exponit W. Ny lander. 

L Pyrenopsis phylliscella Nyl. 

Thallus fusco-nigricans 'squamulosus, squanflilis subverrucu- 
loso-inaequalibus subadnatis aggregatis (tamen non contiguis) 
rotundato-difformibiis (latit. 0,5—0,9 millim., crassit. 0,3—0,4 inil- 
lim.); apothecia endocarpoidea minutissima conferta (5 — 15 in 
quavis squamula thallina) extus epithecio punctiformi eoncolori, 
margine thallino cinctulo, indicata; sporae 8nae oblongo-ellipsoi- 
deae, longit. 0,005—7 millim., crassit. circiter 0,003 raillim., para- 
physes gracilescentes parcae. Jodo gelatina hymenialis coerule- 
scens, dein thecae obscure vioiascentes. 

Supra saxa silicea montis Ben-y-Gloe in Scotia (Crombie). 

E cognitis maxime accedens ad Pyrenopsin Tasmanicam. 
Squamulae thallinae e granulis minutulis coalitis compositae sunt, 
ut in lamina tenui apparet. Spermatia tenella oblonga vel fusi- 
formi-oblonga. 

2. Magmopsis pertenella Nyl. 

Thallus fuliginosus tenuis opacus subfurfuraeeus subsqua- 

ranloso-diffractus; apothecia innata pyrenio*) nigro (latit. 0,13— 

0,14 millim,), intus alba; sporae 8nae incolores oviformes 1-sep- 

tatae, longit. 0,014—16 milliuj., crassit. 0,006—7 millim., para- 



1) Continuatio praecedens (in Flora 1875, No. 1) errore typographico in- 
scribitur ,,noTa decima" pro nona decima, 

2) Pyrenium significat conceptaculum pyrenocarpeum (vulgo olim perithc- 
cium dictum). Terminum perithecium fas sit modo adhibere ut designans 
partem conceptaculi cingentem thecium (hymenium) vel thecio periphericam 
ant apothecii discococarpei aut apothccii pyrenocarpei conceptaculum „annula- 
tum,^'' „dimidiatum/' 



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103 

physes graciles sat parcae vel subevanesceutes. Jodo gelatina 
hymenialis non tincta protoplasma thecarum vinose fulvescens. 

Super saxa calcarea in regione Ladogensi Fenniae (Norrlin). 

Genus propriumad irihnm Phyllis codeorum pertinens vel ad 
propriam, nam apothecia videntur peridia sistere, saltern verum 
ostiolum non inveni; esset tuna quasi Myeoporum inter Byssa- 
ceos, Tballus pyrenopsideus e syngonimiis luteo-virepcentibus 
glomerulosis vel granuloso-dififorniibus constans, gonimiis pallido- 
glaucescentibus vel thallo cetero concoloribus inordinate disposi- 
tis, inediocribus. Pyrenium (vel peridium) sub microscopio ob- 
scure violaceo-nigrescens. Thecae oblongae. Spermogonia rite 
evoluta non visa, Vix duci potest ad tribum Pyrenidieorum. 

3. (Jollema granuUferum Nyl. 

Subsimile Collemati melaeno sed thallo firmiore et pro parte 
globulis isidiosis (saepe confertis) consperso; apothecia rufeseen- 
tia mediocria, margine thallino denium subcrenato cincta; sporae 
(fere ut in C, melaeno) 3-septatae (iuterdum septulis 1 — 2 jun- 
gentibus), longit. 0,025—32 millim., crassit. 0,008—0,012 millim. 

Super saxa calcarea (libenter inter muscos) in Gallia e meri- 
dionali ad mediam et in Anglia. 

Laciniae thallinae subtus saepe longitrorsum conferte tenuiter 
plicatulo-rugulosae in sicco statu. 

4. Usnea scdbrata Nyl. 

Subsimilis TJsneae plicalae, thallo autem toto papillis ere- 
bris, parum elevatis, exasperato, pendulo, strictiusculo, 

Abieticola in Tyrolia, Waldrast (Arnold). Quoque in Helve- 
tia. Defectu ramulorum pr.tentium mox differt ab U. ceratina. 

5, Parmelia aleuritica Nyl. 

Comparanda cum Parmeliopsi aleuriti, sed Parmelia et thallo 
subtus lacteo (rhizinis parvis nigricantibus). Sporae 8nae elli- 
psoideae, longit. 0,009—0,012 millira., crassit. 0,005—6 millim. 

Supra saxa aprica in Finlandia media (Norrlin). 

Notavit cl. Norrlin: cre^cendi modo centrifuge et facie simu- 
lat P. centrifugam, sed distat colore thalli. Hie perlato-albus 
subopacus (K ±, scilicet supra turn flavens), centro cinerascens, 
laciniis vulgo latit. circiter 1 millim., subconvexiusculis, versus 
ambitum planioribus, nonnihil imbricatis, apicibus subcrenatis; 
apothecia spadicea (latit. 2—3 millim.), margine receptacolari 



>x . 



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104 

subintegro ant obsolete crenato. Spermatia lageniformi-bifusifor- 
mia, lougit. fere 0,005 millim. 

6. Lecanora crassescens Nyl. 

Forsan varietas Z. confragosae, tliallocrassiore (erassit. 1 — 2 
millim.) cinereo verrucoso-diffracto, sat laxe adfixo. Spovae Ion- 
git. 0,018—24 millim., erassit. 0,009—0,013 millim. 

Snpra saxa micaceo-schistosa in Fiulandia media (E. Lang). 

Thallus facie fere ut in Lxidea conglomerata et K flavens. 

7. Lecanora conisella Nyl. 

Thallus albido-flavidus, tenuiter granulatus, subiudetermina- 
tus ; apothecia lutescenti-rufella minuta (latit. 0,2—0,3 millim.), 
margine thallino subgraoulato obsoleto cincta; sporae 8nae clli- 
psoideae, longit. 0,009— 0,011 millim,, erassit. 0,006—7 millim., 
epithecium luiescens (non inspersum), paraphyses fere mediocres. 
Jodo gelatina hymenialis coerulescens, dein vinose vel violacee 
falvescens, thecis obscurius tinctis. 

In Gallia media prope Bonnat, ad basin pini (E. Lamy). 

Species videtur distincta in stirpe Lecanorae variae, A i. 
conizea comparanda mox differ! sporis turgidioribus. Distat quo- 
que a X. sarcoptella. Facie accedit ad L. piniperdam^ sed jam 
sporae aliae. Thallus K flavescens. 

8. Lecidsa mspeirea Nyl. 

Sat similis Lecideae speireae Ach. (P. trullisatac Kphb.), sed 
sporis majoribus vel turgidioribus (longit. 0,016—18 millim,, 
erassit. 0,010—11 millim.). 

Calcicola in monte llelvetico Gemmi (Schimper). 

Apothecia latit. circiter 2 millim., plana, marginata (perithe- 
cio epithallino-obducto), epithecio albo-suffuso aut caesio-pruinoso 
aut alibi nndo. — P, tndlisata Kphb. est cmnino L. speirea 
qualis datur in Fr et Stenh. L. S. no. 410. 

9. Leeidea inconfluens Nyl. 

Subsimilis Lecideae soredi^ae Nyl, Pyr. or. p. 38 (L, albo- 
coerulescens Mudd Exs. Nr. 181), at sporis nonnihil minoribus 
(longit. 0,013—18 millim., erassit. 0,007—8 millim.) et gelatina 
hymeuiali jodo intensive coerulescente deindeque mox vinose ru- 
bescente vel vinose violascente. 

Supra saxa calcarea prope Onegam (Norrlin). 



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105 

In speciminibus Muddii citatis sporae longit 0,016—23 mm., 
crassit, 0,008--9 millim. 

10. Lecidea leucitvoides Nyl. 

Snbsimilis L. confiuenti var. leuciticae Flot., sed jam sporis 
ellipsoideis turgidioribus (iongit. 0,009—0011 millim., crassit. 
0,005 — 7 miJIim.) et spermatiis Jongioribus certe differens. Jodo 
praeterea gelatina hymenialis cocrulesceus, dein thecae vinose 
violaceae. 

Super saxa granitica in Lapponia (Norrlin). 
In L. confluenteym, ?ewc«^ira sporae oblongae, longife. 0,009 
0,014 millim. crassit circiter 0,0045 millim. 

11. Lecidea polycarpoides Nyl. 

Forsitan varietas Leccideae tessellatae Flk-, quacum reactioni- 
bus convenit, sed sectione apothecii sicut in L. spilotica i. e. 
perithecio medullae portionem involvente. Sporae longit. 0,009 
0,012 miliim., crassit, 0,005—6 millim. oecurrit etiamferro tincta. 

In Lapponia late distributa (Selin et Norrlin). 

12. Lecidea parasitaster Nyl. 

SubsimiHs L. sociellae, sed apotheciis latit. circiter 0,3 
millim.) intus pallidis et sporis solum 3-septatis (longit. 0;015— 
18 millim., crassit. 0,005—7 millim.). Epitbecium et hypotheci- 
um dilute rufo-fuscescentia, parapbyses gracilescentes non bene 
distinctae. Jodo gelatina hymenialis coerulescens, dein thecae 
vinose violaceae tinctae. 

Supra Lecideam sphaeroidem in Finlandia (Norrlin). 

13. Verrucaria nigraUda Nyl. 

Species est e stirpe F. chlorotieae omnino peculiaris, thallo 
nigro tenui opaco (chroolepuideis dementis niunito); apotbecia, 
pyrenio integre nigro (latit. circiter 0,4 millim.) innata et extus 
parte supera prominula; sporae 8nae incolores ellipsoideo-fasi- 
formes 3— 5-septatae, longit. 0,021—25 millim., crassit. 0,008 
millim,, parapbyses sat graciles. Jodo gelatina hymenialis non 
tincta. 

Supra muscos in Finlandia orientali (Norrlin). 

14. Verrucaria meliospila Nyl. 

Subsimilis Verrucariae chlorotieae^ sporae autem longiores 
et nni-septatae, longit. 0,021—27 millim., crassit. fere 0,0045 



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106 

millim. (ad septum subconstrictulae et ibi facile fractae), para- 
physes graciles sat copiosae. 

Supra corticem fraxini in Gallia occidentali (J. Richard). 

Thallus fusco-maculans satis effusus, gonidia chroolepoidea 
continens rdiametro transverse circiter 0,008 millim.), cblorophyllo 
saepios in vegeto statu aureo-aurantiaco. Sporae fere sieut in 
F. ilicicola. Spermatia oblonga, longit. 0,0025 millim., crassit. 
baud 0,001 millim. 

15. Thelopsis umbratula Nyl. 

Thallus macula subsilaceo-cinerascente indicatus; apothecia 
fusconigra opaca, parte supera submastoideo-prominula, pyrenio 
toto obscuro; tbecae polysporae, sporae oblongae 3-septatae, lon- 
git. 0,012—18 millim,, crassit. 0,006—7 millim. 

Supra muscos in Finlandia orientali (Norrlin). 

Thallus chroolepoideo-gonidiosus. Affinis est haec species 
Thelopsi melatheliae^ sed apotheciis sublaevibus, non nigris, etc. 
differens. Pyrenium parte tenui externa rufo-fusca, interna cras- 
siore incolore. 



Leptogium amphinodes dicatur quod („subathallum")ante sub 
amphineo Ach. duxi, e Fennia (detectum a cl. Norrlin), 

Collema rivulare Ach. (ad subgenus Collemodium ducendum 
generis Z€2)%n)Yarietatemhabet compUcatulum, thsdlo lobis minori- 
bus constans, congestis, obveniens inDovre (Zetterstedt^. Var. cre- 
natulum (errore dispositum sub L, scotino in Norrl, Lapp. p. 315, 
e Kilpiskoski) thallum habet etiam magis divisum, lobulis etiam 
minoribus subimbricato-adscendentibus confertis crenatuUs. L. 
scotinum var. crenatum dixi varietatem puhinato Ach. proximam, 
sed thallo laevi vel sublaevi, lobis crenato-dentatis. 

Ohry&um corniculatum (nomen conveniens quodammodo ob 
corniculum utroque apice sporarum) etiam ex Anglia vidi in Lepiogio 
microscopico^ quod optime parasitismum speciei demonstrat. 

Parmelia hypotrypodes pertinet ut forma sub P. vittata Ach. 
(potius forsan dicenda duplicafa Ach.), quae distinctam sistit spe- 
ciem spoils et spermatiis minoribus quam in P. physode. 

Lecidea lotryi^a varietas sit Z. lotryoidis, 

Lecidea suhimindata spermatiis dupio brevioribus distincta est 

a L, inundata, quacum ab auctoribus conjungitur. 

Opegrapha lithyrgodes dicatur quae daturin Arn.Exs.no. 418. 
Non est 0. Uthyrga Acharii. 



If 



h 



107 

Ein Beitrag znr Kenntoiss der Cyperaceen-Flora Neuholland's 

und emiger polynesischer Inseln. 

Voc 0. Bockeler. 

(Fortsetzung.) 

36. C. paniceus Bcklr. (Mariscus Vahl). Fidschi-insulae (Graeffe). 

37. a scaler Bcklr. (Mariscus R. Br.) Port Mackay (Am. D.) 
(Diclidia). 

38. (335 b.) 6'. muUibradeatus n. sp, 

Culmo 2 — 3-pedali robusto duro pennam cygneam v. anseri- 
iiam crasso aequilatero-trianguiari basin versus bulboso-iucras- 
satam vaginis bruuneis tectam foliato; foliis culmo brevioribus 
coriaeeis parum remotis longe angustatis carinatis (siccis mar- 
gin, involutis) soperne vix margine serrulato-scabridis, ceterum 
laevibus, 3Va— i iin- lat; vaginis submembranaceis bipollicaribus; 
unibella composita 8 — 9-radiata; radiis validis obsolete trigonis 
valde inaequalibus, longioribus 2 — 3 robustls 4—3 poll, long., 
reliquis multo brevioribus; ochreis radioruni in lamiuam foliace- 
am bicuspidatam productis, pollicem circ. iongis; involucri foliis 
6—8 umbella duplo longioribus basi 4—6 Un, latis; radiolis 
pluribus brevibus confertis cum spiculis usque fere ad basin obsessis ; 
involucellis 7 — 6-phyllis, phyllis subomnibus ombellula duplo lon- 
gioribus, inferioribus Vjt — 2 lin/ latis; spiculis erectis v. paten- 
tibus filiformibus acutis rectis v. leviter carvatis 7 — 3 lin. long. 
14 — 6 floris; squamis rigidulis alternisadpressis, fructiferis apice 
patulis, V. lato-ovatis obtusis v. acutiusculis, convexis pluriner- 
viis lateribus rufescentibus v, fuscentibus dorso viridulis; 
caryopsi parva squama Vs breviore oblouga basi parum attenu- 
ata, curvata triangulari apiculata punctulata griseo-fusca opaca; 
rhacheolae alis caryopsi parum brevioribus spongioso-crassis 
margine tenuioribus, rotundato-obtusis luteis- 
In Samoa-insula Upolu leg. Graeffe. 

Trih, Scirpeae* 

Heleocharis. 
39. (66 b.) H, Dietrichiana n. sp. 

Rhizomate elongato repente crassiusculo, fibrillis numerosis 
tenuibus flexuosis; culmis numerosis subcaespitoso-conrertis laete 
viridibus stricte erectis 8—6 poll, .litis tenui-filiformibus obsolete 
angulatis plurisulcatis; vaginis sulcato-striatis interne purpureis, 
inferioribus saperne tenuissime meiabranaceis hyalino-albidis ore 






* -. '- ^ ^ ■ '^ ^ » - -^ . -^- . ^ 



/ 



108 

oblique fissis, superiore subpollicari angusta superne stramineo- 
viridula, ore transversim truncato annulo concolorato mucroneque 
longiusculo munita; spicula oblongo-lanceolata acuta 3Va— 27; 
4 lin. longa IV4 lin. lata; squamis hyalino-membranaceis longi- 
usculis laxiuscnle dispositis, apice patulis, oblongis subacutis ob- 
tuse carinatis luteo-stramineis, juxta carinam viridulam zona fer- 
rugineo-purpurea angusta praeditis, margine pallidioribus, infima 
vacua suborbiculata basi amplectente; caryopsi squamae partem 
tertiam subaequante minuta obovata basi cuneato-attenuata, ver- 
tice leviter eonstricta, biconvexa, latere dorsali altiore, angulo 
prominente, subtiliter celluloso-reticulata olivacea nitidula; styli 
bulbo pyramidato brevi triangulari fusco-stramineo ; setis 6 cary- 
opsi parum brevioribus adpressis pallidis complanatis obtusis 
dense setulosis; stigm. binis exsertis. 
Queensl. Rockhampton (Am. D.) 

40. (67 b.) If. cylindrostachys n. sp. 

Rhizom. brevissimo, fibrillis fasciculatis validis moUibus; 
culmis numerosis fasciculatis 1 — I'A ped, altis lineam crassis 
intus spongiosis, teretibus, apice leviter constrictis, contiguis, 
(baud septatis); vagina inferiore colorata, vix poUicem longa, ore 
truncato antice breviter fissa, superiore subtripollicari sordide 
straminea (fusco-punctata), ore rccte truncato annulo angusto 
fusco mucroneque praedita ; spicula exacte cylindrica obtusa 
9 — 5 lin. longa sesquilineam circ. crassa; squamis dense inibri- 
catis adpressis scariosis pellucidis pallide stramineis convexis 
obsolete carinatis rotundato-obtusis, margine angusto prominulo 
tenuiore superne circumdatis, inferioribus late ovatis — infima or- 
biculata — , superioribus ovatis, caryopsi minuta squamae dimi- 
diura vix aequante ex orbiculari utrinque attenuata, turgidule 
lenticulari obsoletiss. subtiliter lineata v. reticulata, lutea nitida^ 
styli basi pyramidali complanata ferruginoso-fusca vertici cary- 
opseos parum latiore coronata; setis 6 aeqnalibus validulis basi 
validioribus caryopsin coronatam aequantibus retrorsum setuloso- 
hispidulis pallide ferruginosis. 

Queensland, Brisbane River (Am. D.) 

41. H. variegata Kunth. 

Scirpus — Polr. 
Brisbane River. (Am. D.) 

42. H. sphacelata R. Br. 
Queensl. Port Mackay (Am. D.). 

43. (75 b.) H. Graeffeam n. sp. 



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i. 



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* 



1 



109 

Glaucescens; rhizomate elongate pennam auserinam crasso 
oblique descendente fusco; culmis p'luribus fasciculatis subaequa- 
libus 2 ped. circ. altis teretibus lineam crassis fistulosis baud 
septatis, basi vaginis membranaceis purpuraseentibus ore obliquo 
obtusis arete vestitis; spicula lineari v. (breviore) lineari-oblonga 
obtusa subinultiflora 10—7 lin. longa iVi— IVs lin., fructifera 
2 lin. circ. crassa; squamis magnis remotiusculis pleiospiria ad- 
pressis late oblongo-obovatis convexis rotundato-obtusis disco 
rigidis multistriolatis stramineo-viridulis v. fuscescentibus con- 
coloratis, margine perlato tenuissime niembranaceo hyalino-albido 
fusco-punctulato circumdatis ; caryopsi majuscula (c. rostro ses- 
quiiineam et supra longa) squamae partem tertiam subaequante 
late obovata turgide biconvexa infra apicem truncatumconstricta 
longitudinaliter striata inter strins subtilissime lineata, pallide 
cinerea margaritaceo-nitidula, rostro elongate ferrugineo-brunneo 
conico complanato caryopsin subaequnute; filam. 3 subtilibus 
longe persistentibus ; perigonii setis 6 aequalibus basin versus 
diiatatis, retrorsum setulosis, pallide ferrngineis caryopsin rostra- 
tarn paruDi superautibus. 

Samoa-insula Upolu (Graefle). 

Scirpus> 
Sect. L Euscirpus* 

44. S. supimts L. {Isokpis R. Br.) 
Port Mackay (Am. D.), 

45. S, articulatus L. §. major Bcklr. in Linn. == S. articulatus 
Rottb. — Isolepis Kunth. — Nees. 

Port Mackay (Am. D.) 

46. S. mucronatus L. 
Port Mackay (Am. D.) 

47. S, lacustris L. 

Queensl. Rockhampton (Am, D.) 

48. S, maritimus L, 
Rockhampton (Am. D.). 

49. (97 b.) S. Dietrichiae n. sp. 

(Echinolytrum Desv. — N. ab E. — Isolepis sensu Alior.) 
Virens; caespitosa, fibrillis radical, capillaribus; culmis nu- 
merosis foliisque erectis, filiformi-setaceis setaceisve firmis valde 
inaequalibus 6—2—9 poll, altis obsolete quadrangulis striatis ba- 
sin versus 3 — 2-foliatis; vaginis alternis ore niembranaceo obli- 
que secto parum ampliatis, suprema Integra; foiiis setaceis ca- 






^" " ^ 



no 



naliculatis apice extremo [modo scabris inaequalibus, supremo 
culmum non raro subaequante; spiculis 4—3, raro 6, globosis v. 
ovato-globosis in culmi apice congestis 1 — 2 iin. long.; foliis in- 
volucralibus 2 eloDgatis patentissimis deflexisve 2V4— 1 poll, lon- 
gis; squamis numerosis perdense imbricatis minutis sensim de- 
cidentibus memhranaceis lineari-oblongis sensim breviter acunii- 
natis, acumine parum recurve, dorso plurinervatis, stramineo-pal- 
lidis, carina viridi, snperue interdum purpureo-variegatis; caryo- 
psi minuta squamae laraellain aequante oblongo-lineari, apice 
attenuata, leviter incurva obsolete trigona, dorso pluri- (5 — 3-) 
nervata, subtiliss. punctata pallida fusco-cinerea margaritaceo-ni- 
tidula; stylo minutissimo. — Perigon. nullum, 
Queensland, Rockhampton (Am. D.). 

Sect. 11. Oncostylis. 

50. S. harbatus Rottb. — Isolepis R. Br, 
Queensl, Port Mackay, Rockhampton (Am D.) 

Fimhr is t yli s. 
Sect. I. Eufimbristylis. 

51. F, acuminata VahU 

Queensl. Port. Denisson (Am. D.) 

52. (2 b.) F. nuda n. sp. 

Rhizoraate — ut videtur — parum elongate, pertenui fibrillis capil- 
laribus; culmis pluribus fasciculatis I'ere setaceis erectis 4Va — 3 
poll, aitis quadriquetris iaevibus glabrisve subtiliter multistriatis 
atropunctulatis subbivaginatis; vaginis aphyllis brevibus angustis 
membranaceis rufescentibus, suprema longiore (5—6 — lineali) ore 
obliquo acutato-submucronulata; spicula unica exacte ovali obtusa 
tereti 2 — IVj Hn. longa plnri-v. multiflora, squama mucronulata 
quam ipsa multo breviore bracteata; squamis minutulis 
dense spiraliter dispositis adpressis rufescentibus membra- 
naceis late ovalibus obtusis muticis concavia obsolete carinatis ; 
caryopsi perminuta squama multo breviore obovata inferne atte- 
nuata compresso-biconvexa , rugis 4 — 5 transversalibus, longitu- 
dinaliter subtiliss. multistriata nivea nitida; stylo latiusculo fim- 
briate, stigmat, cxsertis tenuibus brevibusque. 

Queensl. Port Denisson (Am. D.) 

53. (1 a.) F. decumbem n. sp. 

Humilis; glauca; dense caespitosa; fibrillis radical, capillaceis; 
culmis numerosis setaceis decumbentibus apice saepius recurvis 
valde inaequalibus 2— Vi poll, longis, basi vaginis tribus brevibus efoli- 



I 



111 



atis membranaceis stramineis ore, lanceolato-productis vestitis, 
subquinis fasciculato-confertis, fasciculis basi foliis singulis muni- 
tis; his subevaginatis rigidulis fuscescentibus falcato-incurvis per- 
angustis acutiusculis culmis aequalibus v. brevioribus, facie su- 
periore evidenter ^elluloso-reticulatis, inferiore striatis, superne 
margine sparsim setulosis ; spicula erecta v. cernua, oblongo-lan- 
ceolata acuta compressiuscula 6 — 9 — flora 3 lin. longa; squamis 
rigidulis late oblongis obtusiusculis v. acutiusculis subcarinato- 
convexis, carina viridula v. fuscescente pluriuervatis, lateribus 
pallide stramineis; caryopsi perminuta squamae partem tertiam 
vix superante obovata biconvexa transversim subsexrugulosa lac- 
tea, rugis flavidis ; stylo stigmatibus parum exserto superne spar- 
sim setulosa; stamine unico. — Vix F. acicularis R. Br. 
Queensl. Lake Elphinstone (Am D.) 

54. F, aestivalis Vahl. 
Rockhampton, Port Mackay (Am. D.) 

55. F, dichotoma Vahl. 

variatio glabrescens. 
Port Mackay (Am. D,) 

56. F. polymorpha Bcklr. (Linn. N. F. IIL 1.) 
Variationeseximiae: 1) Rhizomate repente, umbella contrac- 

ta. 2) Hirsuta. 3) Inflorescentia depauperata, rhizomate elongato 
repente ; F. depauperata R. Br. 

N. Holland. Queensl. (Am. D.), Tonga-, Fidscbi-et Samoa-ins. 
(Graeffe). 

57. F. ferruginea Vahl. 
Rockhampton, Port Mackay (Am. D.) 

Sect. IL Irychelostylis, 

58. F, fenera Schult. 

(Scirpus tenellus Roxb. [fide Schult.] (Trichelost. tenella 

Nees. hb.) 
Foma major, umbella magis evoluta, squamisque minoribus. 

— Forma valde elongata. — Rockhampton (Am. D.) 

+ 

59. F. aiitumnalis R. et S. (emend.) 

Forma major = F. complanata Link, 
(cf. Linn. N. F. IIL 1.) 
Tonga- insula Tongatabu: Graege. 

60. F. miliacea Vahl. 

Port Mackay, Rockhampton (Am. D.) 

61. F. glomerata N. ab E, (emend,) 

(^Scirpus gloroer. [Retz.] Vahl.) 



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112 



forma umbella capitato- contracta, 
ToDga-ins. Tongatabu: Graeffe. 

Fuirena, 

62. F. umhellaia Rottb, 

Variatio spiculis ferrugineits. 
Rockbampton, Port Mackay (Am. D.) 

63. -PI glomerata Lamck, 
Rockbampton (Am, D,) 



64. 



65. 



Hypolytrum, 
B, giganteum Wallicb. 

(Variatio viridis et glauca). 

Fidschi-insulae : Graeffe. 

Pa ndanophyllitm. 



(1 bj P. longifolium n. sp. 

Glaucura. Culmo valde abbreviate (7 — 8-pollic.)robusto, 31in. 
crasso, triquetro, Jateribus Jeviter excavatis, laevi });mci-(2)l*oliato, 
foliis valdeelongatis, 5 — 4 ped. longis, remotis coriaceo-perrigidis 
superne perlonge angustatis evidentercarinatis margine involutis, 
inferne planiusculis 17 — 16 lin. lat., basi complicatis, margiuibus 
carinaque saperne grosse dentatis; vaginis perrigidis ampliatis 
triangularibus 2 — 3 poll. long, tardius fissis; spica opulenta e 
spiculis compositis numerosis structa lanceolato-ovata (fructifera) 
4 poll, alta 2V4 poll, lata; spiculis (compositis, Iructif.) fascis 
cocfertis uncialibus alternis polycarpis, foliis coriaceis bracteatis; 
his valde inaequalibus, inferioribus foliiformibus elongatis, 3' — !'/>■ 
pedalibns, supremis e basi lata cuspidatis spiculis suis parum Ion- 
gioribus brevioribusve; bracteis spicularum secundarum squami- 
formibus rigidis late ovatis obtusis nervato-striatis margine setu- 
loso-ciliatis; caryopsi permagna, 4 — 4V3 lin. longa, longe exserta 
brunnescente opaca lignoso-dura sublanceolato-ovata teretiuscula 
apice obtusiusculo mutica v, styli basi brevi baud incrassata api- 
cata; longitudinaliter subrimoso-rugulosa grosseque areolata, stylo 
rigido tenui basi vix parum incrassato, indiviso v. apice extremo 
bifido. — Exstat exempl. fructiferum in herb. Luerssen. 

In Samoa-insula Upolu leg. Graeffe. 

(Schluss folgt) 



L 



Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'schen Buchdrockerei 

(F. Haber) in Regenahnrg, 








58. Jahrgang. 



N2 8. 



Regensburg, II, Marz 



1876. 



Iniialt* Julius Wiesner: Bemerkungen iiber rationale und irrationale 
Divergenzen. — 0. BSckeler: Ein Beltrag zur Kenntniss der Cypera- 
ceen-Flora Neuholland's und einiger polynesischer Inseln. (Schluss.) — 
Literatur. 



Bemerkungen iiber rationale und irrationale Divergenzen. 

Von Julius Wiesner. 

Schon vor Jahren begann ich eine grossere, die dasPfianzen- 
reich beherrschenden Symmetriegesetze betreflfende Untersuchung, 
deren Fortsetzung vielfacbeUnterbrechuugeneiiitt. In jener Arbeit 
suchte ich einige bis jetzt weniger gekannte aber doch wichtige, die 
symmetrische Yertheilungvon Ge^veben undOrganen betrefiende Yer- 
haltnisse eingehend zu erortern, aber auch einige auf das Zustande- 
kommen, denZusammenhangund die physiologische Bedeutung der 
Blattstellungsverhaltnisse bezugliche Fragen za losen. Es wird mir 
hofifentlich in nicht allzuferner Zeit gegonnt sein, jene Arbeit 
zum Abschluss zu bringen; eiastweilen sei es mix erlaubt, eiaige 
wenige Bemerkungen theoretischer Natur uber rationale und ir- 
rationale Divergenzen zu verofifentlichen. 

So sehr die gegenwartigen Bestrebuugen gebilligt werden 
miissen, die Blattstellungsverhaltnisse nicbt nur an iertigen Zu- 
standen zu studiren. sondern auch bis in die ersten Anlagen zu- 



ruckzuverfolgen, 



bekanntlich von den Begriindern der Blatt- 



stelluugslehrevernachlassigt wurde; so wenig erfreuUch erscbeint 



1875 



8 






h 



114 

es zusehen, dass von vielen betheiligten Seiten die Bestrebungen 
A, Braun's und der Brfider Bravais ,.einen Einblick in den 
mathematischen Zusammenhang der Blattstellungsverbaltnisse za 
gewinnen, unberttcksichtigt bieiben, oder ihnen eine tiefere wissen- 
schaftliche Berechtigung abgesprochen wird. 

So hat z. B. Sachs in seinemgewiss in vielen Beziehungen 
ausgezeichnetem Lehrbuch der Botanik') folgende Bemerkung 
gemacht: 

„Mit derSpiraltheorie ...,,. hangt eineandere, ungemein 
sonderbare Vorstellungsweise der Divergenzen nahe zusammen. 
Man glaubte namlich eine Art Naturgesetz zu finden, indem man 
beraerkte, dass einige der am haufigsten vorkommenden constan- 
ten Divergenzen Vaj V's, Vs, '/», Vu wnd manche seltner vor- 
kommende wie Vai, 'Vs4; ^V»5, *Vi44 sich als Partialwerthe des 

Kettenbruches 

V.+ 

Vt+ 

darstellea lassen. Ware es nun moglieh, sammfcliche Blattstel- 
lungen ohneAusnahme auf diese Weise durch einen einzigen 
Kettenbruch in Verbindung zu setzen, so hatte man wirklich 
eine Art Naturgesetz, dem freilich jede causale Beziehung fehlt, 
welches daher wie ein unerklartes Wunder dastehen wtirde . . *' 

Dass es wissenscbaftlich berechtigt ist, nach einem mathemati- 
schen Zusammenhange der empirisch ermittelten Glieder der 
Divergenzreihen zu suchen, bedarf wohl keiner Begriindung. Es 
handelt sich nun in diesen Zeilen zunachst darum, festzustellcn, 
ob die Kettenbriiche fur den Einblicic in den Zusammenhang der 
Divergenzreihen etwas leisten oder nicht. 

Will man ein Blattstellungsverhaltniss characterisiren, so 
geschieht dies entweder durch Angabe derDivergenz, oder, wenn 
es sich nicht genau ermitteln lasst, durch Bezeichnung 
der Grenzwerthe, innerhalb welcher es eingeschlossen ist, oder 
durch Hinweis auf die Divergenzreihe, der es angehort, oder 
endiich durch Bezeichnung des Kettenbruches, aus welcfaem 
es ableitbar ist, Ob ich beispielsweise sage , ein gewisses 
Stelluugsverhaltniss liegt zwischen '/a und '/s oder, es gehort 



t 



1) 3. Aufl. p. 186 ff. 



115 



der Reihe '/a, V?, Vs an, oder, es lasst 

sich aus dem KetteDbruche 

Vi+ .... herleiten, ist in Be- 
zug auf Bequemlichkeit des Ausdruckes wohl einerlei. 

Nun giebt es aberkeine pracisere mathematischeZusammen- 
f'assung a Her Divergenzen einer Reihe als die duvch* die Ketten- 
brtiche gegebene, warum soil diese klare Beziehung nicht hervor- 
gehoben warden. Aber auch derUmstand, dass die auf einander- 
folgenden Naherungswerthe jedes beliebigen Kettenbruches ab- 
wechselnd grosser und kleiner sind als die ganze Summe des- 
selben und die ersteren der letzteren sich continuirlich nahern, 
eine Eigenthtimlichkeit, welohe die Divergenzreihen aufs scharf- 
ste characterisirt und ihr wahres Wesen ausmacht, zwingt uns, 
in einer wissenschaftlich begviindeten Blattstellungslehre die Be- 
ziehungen der Divergenzreihen zu den Kettenbruchen darzulegen. 

Das Naturgesetzliche in der Vertheilung der Blatter und an- 
derer an Pflanzenaxen seitlich auftretenden Organe scheint miv 
desshalb in den den einzelnen Divergenzreihen zu Grunde liegen- 
dea Kettenbriichen den schartsten Ausdruck zu finden und zwar 

gunz unabhangig davon, ob jede Divergenzreihe ihren eigenen Ket- 
tenbruch erfordert, oder ob alle Divergenzen sich auf einen 

Kettenbruch zuriickfuhren lassen. 

Immerhin durfte es aber vonlnteresse sein zu erfahren, dass 

eine Zusammenfassung aller constanten Divergenzen in einen 

einzigen Kettenbruch, durchfuhrbar ist. Ich finde namlich, dass 

dieselben sich als Na,herungswertbe, beziehungsweise als Summe 

des unendlichen Kettenbruches 

Vz+ 

darstelleu lassen, wobei z eine ganze Zahl oder ein unechter Bruch ist. 

Dieser Kettenbruch als Ausdruck fur die Stellungsverhalt- 

nisse mit constanter Divergt;nz steht nicht ohne causale Beziehung 

da. Er lehvt nnseben den WechselderDivergenzgrosse in denauf- 

einander folgenden Giiedernder daraus ableitbaren Reihen, die 
schon durch die beiden ersten Naherungswerthe des Kettenbruchs 
bestimmten Grenzen der in jeder Reihe iiberhaupt moglichen Stell- 
ungsverbaltnisse und endlich die Constanz der Divergenz, auf welcher 
im Grunde das ganze Wunder der Blattstellungsverhaltnisse beruht. 

CScWuss folgt) 

, 8* 



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f f - -^ 



116 



Cypi 



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Von 0. Bockeler. 

(Schluss.) 



66. (1 c.) Pandanophyllum macro cephalum n. sp. 
Subglaaco-virens. Culmo subabbreviato, IVi — 1— pedali levi- 

ter curvato pennam anserinam crasso (in specim. macrior. 
multo tenuiore) duro triangulo infra apicem punc- 
tato-scabriusculo, parte inferiore pauci-(2-)foliato , foliis re- 
motis subcoriaceo-tenacibus culmo multo longioribus pla- 
nis, basi complicaiis, longe angustato-acuminatis obsolete 
tri^savinatis subtiliss. multinervatis, subtus costa mediana 
prominente marginibusque serrato-perseabris, 3 — 2 ped. longis 
sesquipollicem latis jvaginisperrigidis angustis triquetris clausis 
2 — 3 poll longis ; capitulo perraagno subrotundo e spiculis (compositis) 
numerosis v. pluribus composito (maturo 3V4 — IVa poll, lato); 
involucri foliis 3 illis basilarib. similibus patentissimis infimo 
subsesquipedali; spiculis magnis fuseis confertis conicis acutius- 
culis(maturis poUicem circ. long. 5 — 7 lin. crassis); caryopsi nucaceo- 
perdura magna (3 lin. longa) pyriformi tereti obtusa atro-fusca 
basi pallidiore, obsolete punctulata opaca, stylo elongato subindi- 
viso rigido basin versus dilatato concplore coronata. — (Vidi 
exempla matura). Herb. Luerssen. 

In Samoa-insul. Upolu et Tutuila leg, Graeffe, 

TVtA* Rhynchosporene* 

Bhynchospora, 

67. E. glauca Vahl. 
Brisbanne River. (Am. D.) 

68. jB. aurea Vahl. 

Queensl. Port Mackay (Am. D.), Fidschi-insul (Graeffe). 



. 






Ee^n ire a 



69. E. tnaritima Aubl. 



Port Mackay (Am. D.) 

S aumea. 

70. B. ruhignosa Bcklr. (Liun. N. F. IV) 

Schoenus Soland. — Cladium dubium N. ab E. in Sieb. Agrost. 
Queensl Rockhampton (Am. D.) 



117 



Machaerina, 



71. (3) 3L hirta n. sp. 

Culmo subabbreviato, vix pedem alto, corapresso lineam lato, 
basi plurifoliato; foliis coriaceis culmum superantibus (IV4— 1'/ 



ped. long.) lineari-ensiformibus planis 4—5 Ho. lat ; pani- 
cula terminali abbrevita, 4—5 poll, alta, oblonga laxiuscula pluri- 
ramosa; fasciculis ramorum remotiusculis e bractea spathiformi 
ortis; bracteis infirais lamina foliacea perbrevi falcata munitis; ra- 
mis curvatis inaequalibus, longioribus apice i:)luriraraosis; rhachi 
uuiversali superne ad angulos hirta; spiculis ternis singulisque 
purpureo-fuscis turgidis sublanceolato-ovatis leviter curvatis sub- 
bifloris 2 lin. circ. longis; squamis rigidis late ovatis acutis ca- 

rinato-convexis multinervatis, carina seabridis, raargine ciliolatis; 
stylo valido exserto, stigmatibus breviusculis incurvis ; perigonii 
setis (interdum deficient.) 3 brevibus subtilibus coaiplanatis 

acutis. margine scabris, ferrugineis; filam. elongatis. — Herb. Lu- 
erssen. 

Saraoa-insula Savai. Graeffe leg. 

^ 

Schoenus. 

72. (20) S, elatus n. sp. 

Planta tri-quadripedalis: Fibrillis radicalibus validis rigi- 
dis e culmi basi incrassata vaginis atrosanguineis tecta ortis; 
culmo stricto rigido 2—1 lin. crasso triangulo folioso; foliis vi- 
ndibus coriaceo-rigidis culmum superantibus longissime augu- 
stato-acuniinatis, inferne planis 2— 2*/j lin. latis, superne canali- 
culatis carinatisque ad margines subtiliss. serratis, superioribus 
(bracteisque inferioribus) remotis, inferioribus confertis; vaginis 
illorum rigidis integris pictis 1 — 2 poll, longis; panicula valde 
elongata, pedem et ultra alta, angusta apice nutante e ramorum 
fasciculis numerosis constructa, basi interrupta; bracteis fascicu- 
lorum inferiorum foliiformibus elongatis, superioribus abbreviatisper- 
angustis;ramisinaequalibus superne leviler flexuosis triaugulis sca- 
bris saepissime apice pluriramulosis ; spiculis ternis binisve pedicel- 
latis leviter curvatis v. rectis linearibus v. oblongo-linearibus 
compressiusculis 3^2—3 lin. long, bifloris; squamis 5, varins 4 
V. 6, superiori'bus 3 carinato-complicatis lineari-lanceolatis acu- 
tiusculis fusco-ferrugineis, carina pallidioribus, inferioribus mine- 
ribus pallidis ovato-lanceolatis cuspide scabra munitis; caryops 
perminuta obovata obtusangula foveolata, vertice obtaso niveo-se- 



C^?^!^5?^fs*^ 



^rt ^ 



-' . \V^ 7<"/^V.^ ^, \^ ' C^ 






118 



tulosa; stylo exserto, stigmat. elongatis flexnosis hispidulis; filam. 
elongatis, antheris longis cuspidatis. 

Queens). Rockhampton, Port Mackay (Am. D.) 

(XL VI b.) Hexahpis nov. genus. 

Spiculae numerosae spicatae peduneuiatae uniflorae bractea- 
tae, fructiferae globosae crassae. Squamae sex in rbachilla bre- 
vissima spiraliter dispositae, difformes rigidae latissiniae; exteri- 
ores 3 longiores, acuminataecarinatae, interiores coriaceo-tenaces 
suborbiculatae rotundato-obtusissimae muticae caryopsinaretissiine 
obtegentes eamque fere aeqnanfes. Stamina 6 jfilamentis elonga- 
tis persistentibus complanatis fuscis, niargine sparsim setulosis. 
Caryopsis nucaceo-dura sessilis subgloboso-tetragonn longitudina- 
liter rugulosa, granulata. Stylus elongatus profunde quadrifidus, 
basi leviter incrassata persi^tens; stigmatibus capilluribus. Peri- 
gonium nullum. 

73. 1, H, scabrifoUa. 

Planta perrigida. Culmo stricto duro subbipedali teveti, iu- 
ferne, 2 lin. crasso, basi folioso; vaginis confertis fuscis omnibus 
laminiferis; foliis erectis viridulis culmo multo longioribus 3*/2 
ped. long ; longiss. angustato-acuminatis niarginibus involutis, 
superne ubique denticulato-scaberrimis; spiels pluribus (5) in 
eulmi parte superiore alternis incluse pedunculntis fusco-ierrugineis 
crassis ovatis v. subcylindraceis, basi ramosis, 172~1\'4 poll. long, 
inferne 9—10 lin. crassis; bracteis foliiformibus valde elongatis 
pedunculisspicarum iilisque spicularum validis perduris compresso- 
trigonis ad angulos setulosis; spiculis numerosis confertis, maturis 
2V$ lin. long. ; squamis exterioribusapice patentibus bracteoiisque 
e basi lata suborbiculata longe acuminatis elevato-punctatis, ca- 
rina niargineque scabridis; caryopsi straminea 2 lin. longa. 

N. Holland, Brisbane River. Leg. Am. Dietrich. 

Seleria. 

7i. (7 a.) S. depanperata n. sp. 

Planta glauco-cinerea liexuosa rigidula laevis ac glabra sub- 
scsquipedalis, fibrillis radicalibus, e culmi basi iufima ortis levi- 
ter incrassata dura squamis minntis late ovatis uervosis ferrugineis 
obtecta, fere capillaribus; culmis fasciculatis acute triquetris, in- 
ferne Vs lin. crassis vaginis remotis perangustis vestitis nudis 



X 



if. 




119 

V. breviter foliatis, ore truncate ciliatis, parte superiore setaceo- 
attenuata plurifoliatis; foliis subapproximatis reflexis, superne valde 
curvatis, culmum superantibus perangnstis basi vix semilineam 
]atis sarsum longissime angustatis acute carniatis, marginibus su- 
perne subtiliss. serratis, utrinque celluloso-reticulatis; spica valde 
tlepaupeiata interrupta simplici v. basi (cymoso-) pauciramosa, e 
spicniis paucis distantibus sessilibus v. breviter pedunculatis com- 
posita; his minutis perangustis — ut videtur — unisexualibus (an sem- 
per?) unifloriSj a bracteis capillaribus superatis; squamis 
conformibus ovato-lanceolatis luscescenti-testaceis e carina -viri- 
di cuspidatis; caryopsi squamassubaequante (dura) late ovali, basi 
in stipiteni crassum contraeta obtuse triangula apiculata pallide 
coerulea laevi ac glabra nitida; perigynio disciformi obscuro (cum 
cupula pallida concrete) fructui adhaerente. — Herb.Luerssen, 
Samoa-insula Upolu. Graefife leg. 

75. S. lithosperma Swartz. 
S, capillaris E. Br. 

Fidschi-et Samoa- insulae (GraeflFe). 

76. (18 b.) S> maekaviensis n. sp. 

Rhizom. parum elongate lignoso; culmis fasciculatis subpe- 
dalibus foliisque firmis, apice leviter curvatis, Va — Vslin, crassis 
acute triquetris uno latere canaliculatis, ad angulos scabris, pauci- 
(bi-) foliatis; foliis semilineam latis carinatis, margine spinuloso 
revolutis, supra interdura punctulis sparsis asperulis,infimo 1^ — 2- 
poUicari^ altero triple quadruplove \ong\oYe\ vaginis angustis hir- 
tulis, ligula elongata linguiformi; fasciculis 4 — 3 distantibus; pe- 
dunculis binis v. ternis aut singulis brevibus seasilibusque hirtulis 
3— 2— 1-stachyis; bracteis foliaceis elengatis, omnibus culmum 
superantibus; spiculis foemineis c. masculis androgynisque mix- 
tis 2Va lin. long.; squamis oblengiscarinatis obtusis pallide ferru- 
gineis v. viridulis; caryopsi parvula squamis V» breviore fragili 
subglebosa trigona, basi contraeta, albo-mueronata tuberculato- 
rugosa, rugis subhirtulis, lacteaopaca; perigyniis minutis: saperior- 
niveo membranaceo repando-trilobo, lebis obtusissimis undulatis, 
inferiore persistente patelliformi orbiculari. 

Queensl. Port Mackay (Am. D.) 

77. (18 c.) S, pallidiflora n. sp. 

Fibrillis capillaribus ramosis brnnneis e cnlmi basi subbulbosa 
vaginis brevibus nervesis ferrugineo-brunneisobtecta; culmis plu- 
ribus fasciculatis filiformibus foliisque firmis, pedem circ, altis, 
superne curvatis, acutangulis leviter sulcatis, ad angalos serrulate- 






120 

r 

Hi- 

scabris, inferne paucifoliatis; foliis remotiusculis culmo breviori- 
bus perangustis acute carinatis celluloso-reticulatis, marginibus 
refiexis setuloso-scabris; vaginis foliiferis perangustis purpurasc- 
eutibus birtellis^ ore truncato ciliolatis; fasciculis pedunculorum 
daobus in culmi apice parum di3taatibus;pedunculis binis v. raro 
ternis inaequalibus (altero9— -5 lin., altero 3—1 Jin. longo) leviter 
compressis birtellis apice 3 — 2— l-stachyis; bracteis foliaceis 
erectis, infima fasciculum suum aequante; spiculis audrogynis in- 
anthesi lineari-oblongis 2Vs— 3 lin. iongis; squamis albidis fer- 
rugineo-variegatis carina viridi, ovato-lanceolatis aeutiusculis, 
infima bracteali cuspidata; caryopsi parvuia Iragili squamis brevi- 
ore rotundo-ovali basiin stipitem contracta, evideuter obtuse trian- 
gula grosse undulato-tuberculata nivea opaca, apiculo fusco-atro; 
perigynio trianguJari, superiore niveo margine unduiato patente, 
ini'eriore patelliformi pallido. — Herb. Luerssen. 

Queensl., Gladstone (Am. D.) 
78. (18 d.) 8. setoso-asperiila sp. n. 

Canescens; tota planta setulis dense obtecta. Radicis fibriJ- 
lis numerosis elongatis validis niultiramulosis purpureis hirtellis 
e culmi basi bulbosa vaginis efoliatis palUdis bruimeo-nervatis 
obtecta ortis; culniis pluribus fasciculatis foliisque rigidulis cur- 
vatisve, 10—11 poll. alt. brevioribusve semiiineam crassis trique- 
tris, basi paucitohatis; foliis culmo parum brevioribus */» — 1 ^io. 
lat. acute carinatis marginibus recurvis supra punetulato-asperis 
(ac setulosis) ; ligula brevi rotundato-obtusa ; fasciculis ternis qua- 
ternisve remotissimis ; bracteis foliiformibus, inferioribus satis 
elongatis, suprema fasciculum aequante; pedunculis binis 
subtristachyis, altero 12 — 2 Hn. ioDgo, altero subsessili ; 
spiculis androgynis subsessiiibus oblongo-lanceolatis ferru- 
ginescenli-stramineis 3 lin. long. ; squamis elongato-ovatis 
V. oblongis lanceolatisve aeutiusculis, carina margineque — 
V. ubique — hirtulis; caryopsi sessiliparvula squamis multo brevi- 
ore perfragili alba opaca ovali triangula breviteralbo-acatata, trans- 

versim undulata v. plicata; perigyu. obsolete. 

Queensl Lake Elphinstone (Am. D.) 
70. (18 e) S. liovae Ilollandiae n. sp. 

Viridis; laevis ac subglabra; fibriilis radicalibus tasciculatis 
purpureis; culmis pluribus fasciculatis, basi baud incrassatis, in- 
aequalibus 15 — 6 poll. alt. tenuibus acute triquetris paucifoliatis; 
foliis remotis culmo brevioribus berbaceo-rigidulis carinato-planis 
breviter acutis v. obtusis Uneam circ. latis margine subtiliss. den- 



} 



121 

tatis; vaginis angustis subpuberulis, ligula abbreviata rotundato- 
obtusa margine dense hirtella ; fasciculis terminalibas ac laterali- 
bus 3 — 2 distantibus pedunculatis sessilibusque; bracteis foliaceis 
eloDgatis; peduuculis laevibus glabrisve; spiculis 3—5 — 2 sexu 
distinctis in fasciculis confertis, foemiueis pluribus c. masculis 
singulis consociatis, his anguste linearibus vix 2 Uq. lougis ; squamis 
foemineis e lato-ovato lanceolatis, breviter cuspidatis carinatis 
laevibus fuscescenti-testaceis, carina viridula, masculis angustiori- 
bus; caryopsi grandiuscula squamasfere aequante dura glandiformi 
basi truncata, teretiv. obsoletiss. trigonaapice minute umbonulata 
leviter striata inter stiias obsolete lacunosa lactea nitidula; peri- 
gynio superiore viridulo-albo trilobo, lobis suborbicularibus, raar- 
gine latiusculo trianguiari concolore fructui adnato; peiigynio 
inferiore in squamarum fundopersistente scutelliformi tviangulari. 
~ Herb. Luerssen. 

Port Mackay. Nov. Holland. (Ana D,) 

80. (44 b.) S, Dietrichiae n. sp. 



Culmo stricto 2*/, ped. alto lineam crasso perrigido (4- 



I 



foliato) aequilatero-triangulari, angulis acutis retrorsum asperu- 
lis ; foliis distantibus erecfis coriaceo-rigidis viridibus carinatis longe 
angustatis, marginibus reflexis superne scabris, basi 2 lin. latis, 
4—9 poll, longis; vaginis 2— 2V4 poll long, angnste alatis, alis 
scabris; ligula herbacea rotundato-obtusamargine hirta; panicula 
unica ternainali simplici oblongo-lanceolata laxa quadripoUi- 
cari subseptenaramosa ; bracteis ramorum valde inaequalibus , 
inferioribus duabus foliiformibus paniculam parum superanti- 
bus, reliquis capillari-setaceis spicas suas vix aequan- 
tibus basi parum dilatata ciliolatis; spiculis biais ternisve fas- 
ciculatis, masculis numerosioribus plerumque sessilibus oblongo- 
linearibus teretiusculis sesquilineam longis; squamis rigidis ca- 
rinatis brunnescenti-fuscis: foemiueis suborbiculatis v. breviter 
acutatis v. apice obtusis mucronulatis, masculis ovato-lanceolatis 
cuspidatis; caryopsi majuscula exserta sessili ovata trigona basi 
truncata, apice umbonulata, obsoletiss. undulata, alba nitida gla- 
bra v. obsolete hirtella; perigynio rigido, superiore albido ad 
basin usque trilobo, lobis lanceolatis fructui adpressis, inferiore 
illo adnato orbiculari leviter repando, disco fusco margine pal- 
lido, — Herb. Luerssen, 

Port Mackay, N. Hollafid. ( Am. D.) 
81. (75 b,) >S. Graeffeam n. sp. 






122 



Fibrillis radicalibus validis duris brunneis e culmi basi no- 
dosa squamis ferrugineo-brunneisobtecta ortis;culmo stricto ro- 
busto (c. infloresc.) 3'/2— 27, ped. alto triquetro 2Vi Hn. crasso, 
angulis snperne scabris, medio plurifoliato; foliis viridibus per- 
rigidis patentibnslonge angustatis margine revoluto serrulatis, su- 
pra apicera versus asperis, inferne 3— SVj lin lat.; vaginis superne 
hirtellis ore truncato dense setulosis; panicula composita 12 — 7 
poll, alta e paniculis simplicibus 7 — 5 remotiusculis composita, 
continua v. basi interrupta angusta; his alternis solitariis v. raro 
binatis louge bracteatis pyramidalibus v, oblougo-lanceolatis laxi- 
uscnlis pluriramosis 3 — 2 poll, alt., superioribus breviter, infimis 
longe pednnculatis; rhachi primaria glabra ;ramis breviusculis va- 
lidis erecto-patentibus superce ad angulos hirto-ciliatis; spiculis te- 
staceis dense dispositis, Ibeminis nnmerosioribus, masculis subpe- 
dieellatis lineari-oblongis sesquilineam longis; squamis acute cari- 
natis ffiucronatis: foemineis suborbicularibusbrevissime acutatis, 
masculis angustioribus; caryopsi dura majuscula exerta ovata bre- 
viter stipitata basi truncata, verticeeicatricula obscura notata, trans- 
versim leviter (interd. obsoletissime) rugulosa, rugulis hirtellis, 
nivea v. dilute vlolacea, interdum subvitrea; perigynio superiore 
rigidio profunde trilobo, basi transversim secto, lobis adpressis late 
triangularibus margine subdentatis, rubescenti-flavidis nitidis; peri- 
gynio inferiore (magno) cum illo coujunctoscutellifornii orbiculato 
subtriangulo disco fusco. 

Nova Holland. Port Mackay (An). D.)- Samoa-insulae 
(Graeffe). 

Carex. 

82. C\ appressa R. Br. 

Rockhatnpton (Am. D.) 

83. (162 b.) C. Bietrichiae n. sp. 

Planta caespitosa subsesquipedem alta; rhizomate brevissimo 
v. parum elongate; culmis abbreviatis vixsemipedem longis 1 — *U 
lin. crassis triangulis laevibus foliosis ; foliis inflorescentiam 
superantibus laete viridibus rigidulo-herbaceis longe acurainatis 
carinatis planis, superne marginibus facieque dorsali ad nervos 
serrulato-perscabris 3Vj — 3lin. latis; panicula elongata, pedem 
circ. alta, laxa inferne interrupta, e paniculis partialibus 5—4 
solitariis constructa; his longe exserte pedunculatis laxis ambitu 
oblongis, pluriramosis 3 — 4—2 poll. long, pollicem circ. latis; 
ramis brevibus remotis patentibus cum pedunculis setaceis rhachi- 



E 



153 

que universali ad angulos spinuloso-scabris ; bracteis foliaceis 
omnibus paniculam compositam superantibus; bracteoJis minutis 
subrotundis, scabro-aristatis; spiculis remotis alterni« sessilibus 
patentissimis acutis densifloris 6—5 — 7 lin. longis parte 
superiore anguste lineari v. oblongo-lineari floribus nume- 

t- r 

rosis masculis, parte inferiore subrotunda floribus paucis (7 — 4) 
foemineis ; squamis difformibus stramineo-rufescentibus, carina 
superne scabris; masculis longioribus oblongis acutis raucronulatis, 
foemineis obovatis v. obovato-cuneatis rotundato-obtnsis scabro- 
aristulatis; utriculis majusculis, 2 lin. long,, laete viridibus 
patentibus rectis squama eiic. Vs longioribus Inte ovalibus trigonis 
striato-nervatis,Tostro mediocri (utriculo ipso Vs breviore)angusto 
triangulo, ore integro postice oblique secto, ad angulos spinuioso- 
scabris; caryopsi arete inclusa vix pedicellata late eilipsoidea 
triangula, angulis obtusis promiuentibus, lateribus concavi^ ioveo 
lata atrofusea nitidula, styli basi minuta apiculata. — Species C 
filicinae N. ab E. proxime affinis. 

Queensl. Port Mackay (Am D.) 
84. (187 b.) a Graeffeana u. sp. 

Subglauco-viridis, Culmo subpedali duro triquetro sesquilineam 
lato, parte inferiore nudo, superiore paucifoliato, apice rhachique 
ad angulos serrato-perscabris; foliis basilar . . . . , culmeis brac- 
teisque inferioribus valde elongatis coriaceo-rigidis longe angu- 
statis planis, superne margine carinaque scabris, 2 — 1 ped. longis 
3—2 Va lin. lat.; spiculis numerosis (16) in culmi parte superi- 
ore approximatis, omnibus binatis pedunculatis elongatis angustis 
atropurpureis, parte icferiore exacte aequali tereti lineam eras- 
sis, superiore breviore (1—Va-pollicari) mascula parutn incrassatis 
4 — 3 — 2Va poll, longis; pedunculis setaceis rigidis cernuis iaevibus, 
infimis ]**/j~l poll, long., reliquis gradatim multo brevioribus; 
bracteis fasciculorum inferiorum (3) foliaceis elongatis, sequentibus 
setaceis pedunculos superantibus; squamis parvis densissime 
arcteque imbrieatis rigidis purpureo-atris nitidulis medio 
linea glauca notatis, ovatis acutiusculis, foemineis minoribus 
trinerviis breviss. mucronatis, masculis enerviis muticis; 
utriculis (juvenil.) minutis squama parum longioribus oblon- 
gis superne leviter angusfatis plano-convexis, erostratis ore le- 
viter emargiaatis, striatis terrugiueis apice castaneis; stylo per brevi 
ac tenui. — Herb. Luerssen. 

In Fidschi-insula Ovalau leg. Graeffe. 
V a r e 1 , im Decbr. 1874. 



-^ 






134 



li f t er afiiB 



Dr. G. "W. Korber. Zur Abwehr der Scdwendener-Bor- 
net'schen Flechtentheorie. Breslau 1874 , 8. J. TJ. 
Kern's Verlag (Max Miiller) pp. 30. 



Wir haben hier eine AbhandluDg vor uns, in welcher der allbekann- 
te und gefeierte deutschc Lichenologe, Professor Dr. G. W. Koer- 
ber in Breslau Jenen Vortrag im Drucke verSflenlicht, welchener iu 
der zweitcD Sitzung der 47. Versammlung deutscher Naturforscher 
und Aerzte v. J. zu Breslau iiber die bekannte Schwendener'sche 
Flechten-Hypothese zu dem Zwecke gehalten hatte, um seine Ein- 
wUrfe gegen diese Hypothes darzulegen. Denn auch Prof. Korber 
gehort, wie ja aus dem Titel seiner Abhandlung schon hervorgeht 
gleich alien ubrigen gegenwartig lebenden Lichenologen zu den 
entschiedenen Gegnern besagter Hypothese. 

Des Verfassers Einwiirfe gipfeln nun in folgenden 3 Hauptsatzen : 

L Das Nichtgonimische in der Flechte, wie die 

Flechte iiberhaupt, ist kein Pilz. 

Indem cr bei seinen Erorterungen hiertiber die Griinde, welche 
vonKrempelhuber (Gesebte u. Litt. der Licb. Bd. Ill und Flora 1871 
N.3,) fur obigen Satz angefiihrthat, als nichtdurchwegs stichbaltig 
erklart, bemerkt er, dass allein das Vorhandensein von Gonidien 
die Flechte vom Pilz (speciell vom Ascomyceten) konstant unter- 
scheiden mache and fiihrt zugleich zur Unterstiitzung seiner Be- 
hauptung, dass die Flechten keine Pilze sind und dass sie we- 
sentlich dutch die Gonidien ebarakterisirt werden, die Tbatsacbe 
an, dass es viele (indessen fast nur Kru8ten-)Flechten giebt, die 
in der That in ihrem Thallus keine Hyphen besitzen, wahrend 
Frucht-Hjphen (als SchlSuche und Paraphysen) wohl vorhanden 
sind. Verf. fiihrt diess naher aus, erlautert es durch Beispiele 
und glaubt, dass diese eine, bisher nicht genugend gewurdigte 
Thatsache vSllig geeignet sei, die Schwendener-Bornet'sche Theo- 
rie in ihrer ganzen Nichtigkeit hinzustellen. 

Diese Thatsache erscheint auch dem Ref. von grosser Bedeut- 
ung und derselbe ware begierig, zu erfahren auf welche Weise 
die Schwendenerianer bei solchen hyphenlosen Lichenen die Bil- 
dung des Thallus aus einer Copulation von Pilzhyphen mit Algen 
erklaren woUen. 



125 

11. Die Gonidien der Flechten sind keine Algen. 

Diesen Satz begruodet der Veil durch iolgende Erwagungen, 
die er auch naher erortert and die wir bier nar ganz kurz an- 
fuhren wollen. 
[ 1) Niemals komme es, sagt derselbe, bei den eigentlichen 

Algen vor, dass der gonimische Antheil derselben in Hyphen aus- 
I wachst; bei den Flechten dagegen sei das Auswachsen der Goni- 

! dien in hyphenartige Faden eine haufige Erscheinung, wie er 

bestimmt versichern konne; 

2) Wenn die Gonidien autouome Algen waren und die Hyphen 
sie umsponueu, so ware es doch hochst sonderbar, dass bei einer 
grossen Menge von Flechten (wie z. B. bei Icmadophila aeruginosa^ 
Aspicilia chry sophana etc., in welcher gewohnlich Macrogouidien 
neben hellgriinen oder blaulichgnmea Microgonidieu vorkom- 
men) inehreve Algentypen zur Bildung der Flechte nothwendig 
waren, und noch sonderbarer, dass draussen in der Natur die Hyphen 
jene verschiedenen Algen auch wirklich immer ohnc Weiteres bald 
vorfanden ; 

3)Es gebe eine Menge Gonidienformen, z. B, die Gonidien des 
Phylliscum endocarpoides ^ des Thelomphale Laueri etc., welche 
den Algologen als Algen nicht bekaunt sind, well sie ibnen im 
freien Zustande noch nicht vorgekommen sein inogen auch zunj 
Theil wircklich nicht vorzukommen scheinen, welche aber doch 
Algen sein und isoiirt vorgekommen sein mussten, wenn sie von 
den Hyphen angefallenund umsponnen worden waren zur Bildung 
der betreffenden Flechten 

Der Verf. giebt dabei zu, dass die sogenannten Algengattungen 
oder wenigstens gewisse Arten derselben, vf\t (Jhroococcus^ Gleo- 
capsa etc. allerdings innerbalb der Flechten als Gonidien auf- 
treten, erklart diess aber dadurch, dass alle diese Gonidien keine 
selbststandige Algen sondern Organ-Elemente der Flechten seien, 
von welcher sie sich isoiirt haben, in diesem Zustande ein deu 
sonstigen niederen Algen analoges Dasein ftthren konnen und 
von den Hyphen anderer Individum der btr. Flechten behufs voll- 
standiger Thallus-Bildung umsponnen und aufgenommen werden 
(confer, das weiter unten sub IV Erwahnte.) 

4) Es sei doch hochst auflFallig, dass die Flechten-Gonidien 
ihrer Form nach nur solchen sogen. Algen entsprechen, welche 
sich lediglich durch Theilung, niemals durch s€ccuelleFortpQa.nz\ing 
vermehren. Die Vermehrung durch Theilung sei aber ein physio- 
logischer Yorgang, der jeder niederen vegetabilischen Zelle zukom- 









, E 



126 

mep kann, babe daber keinen systematischen Werth und konne 
desshalb aacb nicbt als ein cbarakteristisches Merkmal der Aigen 
bcaBsprucht werden. 

In der von Famintzin und Baranetzky und And. beobach- 
teten Umwandlung mancher Flechten-Gonidien in Schwarmzellen 



aber, welcbe allerdings fur die Algen-Natur der Gonidien zu spre- 

chen scheint, erkennt der Verf. gJeichfalis kein Criterium der Algen- 

natur der Gonidien, verniuthet vielmehr (sicherlich mit Recbt), 

dass dieser Prozess, gleich dem der Zelltheilung, dereinst als ein 

fur die niedeve vegetabliliscbe Zelle (bier freilich wobl nur fiir 

die chloropbyllbaitige) allgenieiu geltender Vorgang nachgewiesen 

werden wird. 

Hier bespricht sodann der Verf. auch diesogenannten asyn- 

thetischeu Flechten-Gonidien (nemlich die durch Soredienausstau- 

bung Oder durcb Auflosung des Flechtenlageis freigewordenen, 

von den Schwendeneriauerndurehweg fiir selbststandige Algen 

gebaltenen Gonidien), unter Berufung auf Wallrotbs Naturgescbichte 

der Flecbten, wo die Flechteugonidien und die aus ihnen hervor- 

gebenden Soredien bochst ausfiihrlich behandelt sind, indeni er 

die von keinem Lichenologen bisher bezvveifelte Ansicht festhalt, 

dass diese asynthetischen Gonidien nicbt als Algen, sondern als 

frei gewordene, syntbetiscbe (d. b. dem F]echtenlagev angeborige), 

mit ihm in Verbindung gewesene Flechien-Gonidien zu betrachteu 

sind, was aucb Ref. niemals bezweifelt bat. 



III. Die Flecbten sind nicbt Erzeugnisse eines 

Parasitismus, 

Zur Begrundung dieses Satzes ftibrt der Verf. an, dass der 
von den Scbwendenerianern behauptete Vorgang bei der Flech- 
tenbildung scbon desshalb nicbt als ein wirklicber Parasitismus 
betrachtet werden konne, weil die Nabrpflanze (die gonidienbil- 
dendeAlge)keineswegs von der sie befallenden Pilzhypbe in ihrer 
Vegetationsweise gescbwacbt, krankbaft affizirt und scbliessUcb 
vernichtet werde, vielmebr die Gonidie erst recbt .durch ibren 
Contact mit der Hypbe eine gedeiblicbe Turgeszenz undWucber- 
ung zeige. Diess ist aber eine Erscbeinung, die mit dem Wesen 
einea wahren Parasitismus ganz unvereinbar ist. 

Ausserdem vervveist der Verf aucb auf dasjenige, was vonTb. 
Fries in seiner Licbenographia Scand. p. 6 hieriiber gesagt, und 
wo derselbe ausfiibrlich erorterte^ dass es widersinnig sei, einen 



127 

Parasitism us bei den Flechten anzunehmen, da hienach bei die- 
sen Gewachsen ein doppelter und wechselseitiger Parasitismus 
stattfinden mUsate. 

Aucb das Experiment, welches Rees (Monatsber. der k. Akad. 
der Wissensch. zu Berlin, Okt. 1871) gemacbt hat, gilt dem 
Verf. (und wohl auch den tibrigen Lichenologen) durchaus nicht 
fur eine Bestatigung eines solchen Parasitismus. 

IV. Eigene Ansichten. 

In diesem Abschnitte beschat'tigt sich nun der Verf, damit, 
die vvichtigsten seiner eigenen Ansichten und Ueberzeugungen 
von den einschlagigen biologischcn Verhaltnissen der Lichenen 
darzulegen und neue Belegefiir seine, bisher von alien Licheno- 
logen getheilte Ansicht, dass die Flechten autonome Vegetabilien 
sind, beizubringen. 

Wir woUen aus diesen Erorterungen hier uur einige Haupt- 
punkte hervorheben. 

Dass die Gonidieu von den Hyphen des Flechtenlagers er- 
zeugt werden, kann mit Schwendener, Bornet und And. auch der 
Verf. nicht glauben, noch weniger aber, dass ein parasitisches 
Herfallen der Hyphen iiber die Gonidieu angenommen werden 
miisse; derselbe deutet vielmehr den Contakt der Hyphe mit der 
Gonidie, wie er von Bornet gesehiidert und gezeichnet ist, als 
eineii eiufachen Ernahrungspvozess, was auch dem Verf. sehr 
wahrscheinlich ist. 

Die sich hier nothwendig aufdran^ende Frage aber, woher 
denn dann die Gonidieu kommen, wenn sie nicht von den Hyphen 
erzeugt werden, beantwortet der Verf. folgendermassen. „Eine 
der Spore entkeimte Hyphe wird , um eine normale Flechte ent- 
stehen zu lassen, die ihr spezifisch benothigte Gonidie (d. h. die 
Gonidienform eben derjenigen Spezies, welcher die Spore ange- 
hort) unmittelbar finden miissen. Bei dem masslos verbreiteten 
Auftreten asynthetischer Gonidieu auf den verschiedensten Sub- 
straten und namentlich auch in der Nahe der normalen Flechte 
deren Spore die Hyphe erzeugt hat, ist aber die Mdglichkeit 
eines solchen Findens sehr erleichtevt" 

Der Verf. stellt also hier der Schwendener'schen Hypothese 
eine andere Hypothese entgegen, welche eben auch nichts weiter 
als eine blosse Hypothese ist, und dem Eef. iibrigens mindestens 
ebenso gewagt erscheint, als die Schwendener'sche, mit welcher 
sie manches gemeia hat. 



-\ 



i. 



128 

Weit wichtiger, ala diese neue Koerber'sche Hypothese, 
diirfte aber die pag. 27 erwahnte, von Koerber wahrscheinlich 
znerst beobachtete Fortpflanzungsweise gewisser Sporen sein, welche 

r 

der Verf. hier als neueste Neuigkeit den Schwendenerianern mit- 
theilt und von welcher derselbe glaubt, dass solche einTodesstoss 
mebr ftir die Schwendener-BorDet'sche Theorie sei. 

Nach dieser Mittbeilung giebt es nemlich Licbenen, deren 
Sporen keine Hyphen, sondern goniniischeEIemente erzeugen und 
aus sich heraustreten lassen und wird dieser Vorgang von dem 
Verf, zunachst von den mauerformigen Sporen sainmtlicher 
Sphaeromphale- Arten behauptet. Verf. glaubt, dass vielleicht bei 

alien gleich den Sphaeromphale-Arten hyphenlpsen Krustenflech- 
ten eine derartige gonimische Sporenfortpflanzung stattfindet. 

Es ist zu bednueni, dass diese wiehtige, und wenn sie be- 
statigt wird, entscheideude Beobachtung von dem Verf. nicht 
naher beschrieben und durch Zeichnungea erliiutert ist. 

Schliesslieh erortert der Verf. noch kurz die verschiedenen 
Erzeugungsweisen des Flechtenthiillus durcb asynthetii^cbe Goni- 
dien oder die Soredien, welche ganz geeignet sind, die Autono- 
mic der Flechten nachzuweisen und weiche von ihreni Stand- 
punkte flus befriedigend zu evklaren die Schwendenerianer bis- 

her vermieden haben. 

Ueberblickt man nun die ganze Reihe der von dem Verf. 
gegen Schwendeuer's Hypothese dargelegten Einwurfe und die 
von ihm dagegen geltend gemachten Beobachtungen, so wird man 
zu der Ansicbt gelangen, dass wenn auch durch diese Einwurfe 
etc* der Beweia fiir die Nichtigkeit der Schweudener'schen Hy- 
pothese in der Weise, wie solcher von der Wissenschaft gefor- 
dert werden muss, noch nicht als vollstandig erbracht erachtet 
werden kann, doeb durch dieselben die Kichtigkeit dieser Hypothese 
noch unwahrscheinlicher sich darstelU , als diess in Folge der 
schon fruher von denGegnern derselben gemachtenEinwendungen 
bisher der Fall war. Die in Rede stehende Abhandlung Koer- 
bers enthalt ausserdem so beachtenswerthe Angaben und Winke, 
dass die Lekliire dieses Schriftchens alien Denjenigen, welche 
sich ftir den Gegenstand desselben tiberhaupt interessiren oder 
sich mit einschlagigen speziellen Untersuchungen beschaftigen 
Oder zu beschaftigen beabsichtigen, angelegentlichst empfohlen 
werden kann. K, 

Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Keubaner'sclien Buchdrackerei 

(F. Haber) in Regensburg. 








58. Jahrgang 



-^ 



m 9. 



Regensbnrgy 21. Marz 



1875. 



fnhalt* Dr. Georg Winter: Zur Anatomic einiger Krustenflechten. — 
Julius Wicsner: Bemerkungen fiber rationale uud irrationale Diver- 
genzen. — Th, M. Fries: Schjzopelte, novum Lichenum genus. — Einlaufe 
zur Bibliothek und znm Herbar. 

Beila^e. Tafel m und IV. 






K 



1: 

^ 

s 



Zur Anatomie einiger Krustenflechten. 

Von Dr. Georg Winter. 

(Hit Tafel HI und IV.) 

Ineinem klirzlich erscbienenen Schriftchen; „Zur Abwehrder 
Schwendener-Bornet'scben Flechtentheorie" hat Herr Prof.Koiber 
iu Breslau verschiedene Satze aufgestellt, die [die Nichtigkeit 
obiger Theorie beweisen sollen. WeDn ich es unternehme, einen 
dieser sogen. Beweise zu widerlegen, so geschieht diess auf 
Grund grosserer Untersucbungen, die ich Uber den Bau des 
Thallus und dev Perithecien der Krustenflechten in letzter Zeit 
unternommen habc. Korber behauptet (L c pag. 11), dasseinige 
Flechten in ihrem Thallus der Hyphen vollstandigentbehrten, und 
fiibrt diesen Umstand als einen der Beweise gegen die Schwen- 

dener'sche Theorie an. 

Wenn wir nun auch annehmen, dass ein solcher Hyphen- 
naangel in der That vorhanden ware, so ist damit offenbar noch 
keineswegs die MSglichkeit einer parasifisehen Ernahrungsweise 
der betreflfenden Flechtenfiiichte ausgeschlossen. Denn auch die 
Apothecien bestehen ja aus Hyphen, die bier allerdings zu einem 
Pseudoparenchym verschmolzen sind, die aber doch noch die 

Flora 1875 9 



130 



Ffihigkeit besitzen konnten, eine Nahrsngsaufnafame aus den 
Gonidien zu bewirken. Zu einer Ernahrung aus dem Substrate 
miissen sie aof alle Falle im Stande sein, da eine anderweitige 
Nahrangsaufnahme nicbt wohl denkbar ist. 

Sehen wir indess zu , wie die thatsachlichen Verhaltnisse 
sich gestalten, und betrachten wir zu diesem Zwecke die Anato- 
mic einiger der von Korbei^ als Beispiele fiir obigen Satz aufge- 
fiihrten Flechten. Leider konnte ich von diesen nur Secoliga 
abstruse^ (Wallr.), Sarcogyne privigna (Ach)., Hymenelia affinis 
Massal. und Naetrocymbe fuliginea Kbr. untersuchen« Sphaerom- 
phale und die Verwandten sollen in einer zweiten Mittheilung 
behandelt werden, da sie auch noch in anderer Hinsicht interes- 
sunt sind. 

Secoliga ahstrusa, eine auf Baumrinden lebende Flechte, 
besitzt keinen eigentlichenj jedenfalls doch sehr unscheinbaren 
Thallus; vielmehr zeigen sich nur eine Anzahl blassgruner Goni- 
dienballen, die von den in die Bildung des Apotheciums einge- 
henden Hyphen niassenhaft durch- und uberwuchert sind. Die 
den Pilz tragende Rinde ist bis zu ansehnlicher Tiefe von einem 
dichten Hyphengeflecht darchsetzt, einem Mycelium, das sich von 
dem der meisten anderen Ascomyeeten nichfc wesentlich unter- 
scheidet. Es bestebt aus langen, vielfach verzweigten, farblosen 
Faden, die in den oberen Rindentheilen immermassenhafter auf- 
treten und scbliesslich an der Oberflache sich zur Cupula ver- 
einigen. Sie bilden hier ein pseudoparenchymatisches, schwach 
rothlich gefarbtes Gev?ebe, das aus sehr dickwandigen Zellen mit 
kleinem Lumen besteht. In der Mitte der Cupula sind diese Zel- 
len rundlicb, poiyedrisch, unregelmassig, wahrend sie nach oben 
and der Aussenseite zu eine mehr langiiche Form annehmen 
und eine gewisse Regelmassigkeit in der Anordnung, radial vom 
Centrum der Cupula ausstrahlend, erkennen iassen. Die Subhy- 
menialschicht besteht aus etwas diinnwandigeren, rundlichen 
Zellen, aus denen die zahlreichen Paraphysen und Asci entsprin- 
gen. Ein wirklicber Thallus ist also nicht vorhanden; man fin- 
det nur eine regellos wachsende Hypheumasse, die ihre Nahrung 
theils aus dem Substrat, theils aus den auf der Oberflache des 
Substrates vegetirenden Gonidienballen bezieht. Die Algen-Gat- 
tung, welcher diese Gonidien angehoren, ist Pleurocorcus ; es 
sind kugliche oder eiformige Zellen mit dicker, farbloser Mem- 
bran und hellgrtinem Inhalt; nur selten finden sich einzelne die- 
ser Zellen in Theilung begriffen : diese scheint in der Weise vor 



131 

sich zu gehen, dass der Inhalt in 2, 4, 8 Partien zerfallt, die von 
der Mutterzellmembran umhxillt bleiben. Diese Fleurococms- 
Zellen bHden nuu grossere Oder kleinere Colonien oder Ballen 
von ruDdlich-eifdrmigerGestalt, umgeben von einer geineinschaft- 
lichen, farblosen Masse. Es geiingt leicht, einzelne oder 
kleine Gruppen dieser Alge zu isoiiren und ebeiiso leicht ist es 
zu beobachten, dass die ganzen Algenballen von den Hyphen des 
Pilzes in grosser Menge durchzogen und umsponnen sind. Diese 
legen sicb fest an die AlgenzeJlen an, umschlingen sie vielfach 
mit kurzen Zweigen, die selbst gewaltsam nur selten von den 
Algen loszulosen sind. Ein Eiudringen der Hyphen in die Go- 
nidien konnte icb nicht beobachten. 

Wir haben also gerade in Secoliga abstnisa eine Flcchte, die 
im bSchsten Grade geeignet ist, die Eichtigkeit der Schwen- 
dener'schen Theorie zu bevveisen. Ein Discomvcet durchwuchert 
mit seinen Mycelfaden das Substrat, sendet aber solche auch in 
Aigencolonien, die sich in seiner Nachbarschaft tiuden, und be- 
zieht offenbar aus dem Substrat sowobl als aus den Algen je 
einen Theil seiner Nahrung. 

Es diirfte hier eine Bemerkung amPlatze sein uber das von 
Korber (1, c. pag. 25.) ausgesprochene Bedenken hinsichtlich der 
Entuahme von Nabrstoffen seitens der Hyphen aus denGonidien. 
Korber findet dies Verhaltniss unwahrscheinlich deshalb, well cr 
nie in den Hyphen, die den Gonidien anhaften, Chlorophyll oder 
sonst einen der den Gonidien eigenthiinilichen Farbstoffe ange- 
trofifen hat. Er ist der Ansicht, in den betreffenden Hyphen 
miisse man Spuren solcher Farbstoffe fiuden, falls die oben er- 
wahnten Beziehuugen der Hyphen zu den Gonidien riehtig sind. 
Es ist nicht nothig, hier auf diese Frage naber einzugenen; es ist 
ja bekannt, dass das Chlorophyll nicht leicht in Losung iibergeht, 
dass es dazu jedenfalls andrer Mittel bedarf, als die Hyphen zu 
produciren vermogen. Und selbst wenn wir annebmen, dass 
Hyphen (z. B. bei PelHgera) mit phycochromhaltigen Algen in 
ein parasitisches Verhaltniss eintreten, ist es unwahrscheinlich, 
dass dureh die Einwirkung des Hyphen-Inhalts auf die Algen 
das Phycocyan in Losung Ubergehe und durch Endosmose in die 
Hyphen gelange. 

Die Gonidien haben wahrscheinlich nur die Aufgabe, die 

Versorgung des auf ihnen schmarozenden Pilzes mit der notbi- 

gen Kohlensaure, zu vermitteln. 

9* 



*H^ 



-•-■.:-".■- ^- ' . - V 



132 

Ich gehe nun zur Betrachtung der Sarcogyne privigna (Ach). 
iiber, von der wir darch von Flotow *) eine kleine Monographic 
erhalten haben. Diese interessante Species ist derzuvor betrach- 
tetea Secoliga in so fern ahnlich, als auch siekeinen eigentlichen 

Thallus besitzt. 

Sie findet sich nteist auf Granit, seltner auf Thonschiefer 
und dergl. Im ersteren Falle siedeln sich ihre Apothecien haupt- 
sachlich in den kleinen Spalten undFugen an, die an denjenigen 
Stellen entstehen, wo mehrere der das Gestein zusammensetzen- 
den Krystalle aneinandergrenzen; in diese Fugen dringt das 
Mycelium ziemlich tief ein; es ist also, um dasselbe voUstandig 
berausprapariren zu konnen, nothig , das Gestein aufzulosen. 
Dies habe ich nittelst Flusssaure wenigstens in soweit bewirkt, 
dnss nur noch geringe Mengen mineralischer Massen zwischen 
den Mycelfaden zuriickblieben, die durcb Salzsiiure und Wasser 
zum grossten Theil ebenfalls beseitigt warden. Auf diese aller- 
dings zeitraubende Weise, erhalt man das Mycelium ziemlich 
rein, und es zeigt sich nun, dass dasselbe :ius einer grossen 
Menge vielfach verzweigter, ziemlich dicker, farbloser Hyphen 
besteht, die in der Kegel zu einer Art S iel oder Biindel ver- 
einigt sind; diese letztere Erscbeinung ist offenbar eine Folge 
der oben erwahnten Wachsthumsweise der Apothecien und in 
vieler Hinsicht interessant. 

Zwischen diesen Hyphen finden sich nur selten und nur in 
den oberen Partieen Gonidien; bingegen zeigen sich unter- 
halb der Apothecien grosse Ballen einer Alge, die von den Hyphen, 
die sich seitiich dorthin erstrecken, umwachsen sind; ebensolche 
Colonien finden sich auch an den Seitenwanden und auf der oberen 
Flache der Apothecien. Sie sind meist(an getrockneten, langere 
Zeit aufbewabrten Herbarexemplaren der Flechte) roth gefarbt 
seltener grtin, kuglich oder an den Seiten, wo sie an andere 
Zellen anstossen, polyedrisch. Sie gehoren nach alien ihren Cha- 
rakteren, insbesondere nach ihrerTheilungsweise zu Pleitrococctis 
und zwar wahrscheinlich zu Fl. viridis; bei diesem ist, wie Al. 
Braun^) bemerkt, eine Aenderuug des griinen Farbstofies in einen 
rothen beim Austrocknen beobacbtet worden. Aehnliche Farben- 
iinderuugen treten bekanntlich bei vielen anderen Algen eben- 
falls dann ein, wenn dieselben in den Ruhezustand iibergehen, 
der ja auch in der Kegel durch langsames Austrocknen hervor- 

1) Botanische Zeitung. 1851. pag. 753 sqq, 

2) Verjiingung in der Natur p. 22a Anmerkung. 



i 



133 

gerufen wird; es ist recht gut moglich, dass auch bei Sarcogyne 
urspriinglich, im Zustande lebhafter Vegetation, die Gonidien griin 
sind. 

Das Apotbecium von Sarcogyne privigna zeigt nun folgende 
anatomische Verhaltnisse. Die erst beschriebenen Hyphen ver- 
einigen sich nach oben zur Bildung der Cupula zu einern Pseu- 
doparenchym, das aus zieralieh dickwandigen, farblosen oder 
scbwach gelblich gefarbteii Zellen besteht, die in der Mitte des 
Apotheciums und an der Peripherie rundlich oder polyedrisch 
nach den Seiten hin dngegen gestreckt, langlich oder unregel- 
miissig geformt sind. Diese letzteren Zellen zeigen auch bier 
eine centrifugale, radiale Anordnung, wie bei Secoliga; ihreWan- 
de sind stark verdickl, die Trennungslinie zwischen zwei anein- 
ander stossenden Zellen verwischt, so dass nur die Zell-Lumina 
sichtbar sind. Auch die subhymeniale Schicht wird von rundlich- 
polyedrischen Zellen gebildet, die nach oben unkenntlich werden 
und denen die Asci und Paraphysen entspriugen. Auf letztere 
ist endlich eine braune oder schwarzbraune Schicht aufgelagert, 
die aus meist undeutliehen, dickwandigen braunen Zellen besteht. 
Diese Schicht erstreckt sich auch uber die Seitenwande des Apo- 
theciums und umzieht den Grund desselben bis zu dero Mycel, 
welches es, wenigstens in dem Falle wo dasselbe stielartig er- 
schcint, am oberen Theile scheidenartig umgiebt, Einen Unter- 
schied zwischen der Partie jener braunen Schicht, die den Para- 
physen aufliegt, uud derjenigen, die das ttbrige Apothecium (iber- 
zieht, habe ich nicht auffinden konnen. Ebenso wenig kann ich 
die Angabe von Flotow's (1. c. pag. 757.) bestatigen, dass dieses 
sogen. Excipulum den ganzen Stiel bekleidet; es beschrankt sich 
vielmehr auf die oberste Partie des stielartigen Mycel's und 
umschliesst dieses verrauthtlich nur soweit, als es aus den Ge- 
steinsfugen hervorragt.Bei Exemplaren, die nicht auf makrokrystal- 
linischem Gestein gewachsen sind, ist ein solch stielartig geformtes 
Mycel tiberhaupt nicht vorhanden. Hierist dasselbe indergewohnli- 
chenWeiseauf die ganzeUnterseite der Cupula ausgedehnt, und diese 
ist dann ganzlichohne Excipulum I Dieser Umstand ist ein Beweis 
mehr fur die Anpassung auch derFlechten an die ausseren Verhalt- 
nisse; unf Gestein. dessen Oberfiache zu hart und zu widerstands- 
fahig gegen die Zersetzung iyt, verlangert sich das Mycel unter 
gleichzeitiger stielartiger Verschmalerung, um in die zwischen 
den einzeluen Gesteinspartikelchen vorhandenen Ritzen und Spalten. 
einzudringen und auf diese Weise seine Nahrung zu erlangen 



|j ^ •■ r^ r- 



134 

Auf weicheremGestein, dessen Oberflache leichter verwittert, be- 
dnrf es dieser eigenthiimlichen Umformung des Mycel's nicht; es 
wachst hier in der gewShnlichcn Weise, als ein weitverbreitetes 
Hyphengeflecht. 

Diesem braunen Excipulnm sind nun oft ebenfallsGonidien ein- 
gemengt, die hier grun gefarbt sind, im Uebrigen aber mit den 
rothen iibereinstinimen, — 

Leidei- konnte ich keine jugendlichen, ebenso wenig frische 
Exeuiplare der Flecbte untersuehen ; ich muss mich daher auf die 
hier gegebenen Mittheilungen, die sich auf altera, troekne Exem- 
plare beziehen, beschranken. 

Auch Sareogyne privigna darf nach dem iiber sie Gesagten 
als ein, die Theorie Schwendener's stiitzender Beweis angesehen 
werden. Die Hyphen, die Korber selbst bei einer 300maligen 
Vergrosserung (vergl. 1. e. pag. 8.) gesehen haben wurde, wenn 
er brauehbarere Praparate dargestellt hatte, sind in uppigster Weise 
entwickelt; wenn sie hier auch nicht in so hohem Masse, wie ich 
es bei /SeroZt^a geschildert babe, die Gonidien-Gruppen durchziehen 
so finden wir hier ein anderes Verhaltniss ausgebildet; es ist dies 
die Auf- undEinlagerung der Gonidien in die Fruchtwandung selbst, 
ein Uinstand, der g-eeignet sein diirfte, meine oben bereits angedeutete 
Ansicht zu erharten, dass auch das Pseudoparenchym der Apothecien 
zur Nahrungsaufnahmeaus den Gonidien befahigt ist. — 

Keihcn wir hieran liymenelia affinis Massah^ die ich in einem 
von Weiss in Dalmatieu gesaiumelten undvon Korber selbst bestimm- 
ten Exemplave untersuehen konnte. — Bei alien Kalkflechten mit kru- 
stenforniigem Thallus zeigt dieser, nach ineiuen bisherigen Unter- 
suchungen einen sehr tibereinstimmenden Bau. *) 

Bei Hymenelia affinis speciell bildet er ein ziemlich dickes, 
weissiiches Hautchen, dem die Apothecien vollstandif? eingesenkt 
sind. Auf dem Langsschnitt findet sieh folgendes Bild: Eine 
dichte Hyphenmasse, gebildet aus vielfacb verzweigten, anastomo- 
sirenden, oft knotig angeschwollenen Faden von betrachtlicher Dicke 
vereinigt sich nach oben zu einem farbiosen Pseudoparenchym. 
Dies bildet eine ziemlich scharf abgegrenzte Schicht iind besteht 
aus diinnwandigen, polyedrischen oder rundiichen Zellen, denen 
nur vereiijzelte Gonidien eingemengt sind. Diese Lage, die etwa 
ein Drittel der Dicke des Thallus einnimmt, geht dann nach oben 

1) Wie bereits Fiusting (in botan. Zeitung 1868 p. 641.) bemerkt, ist es 
zur Unteraachung der knistenformlgen Kalkflechten durchaus ndthig, den 
Kalk durch Behandlung mit 3alzsfture zu entfemen. 



f 



135 



dr^l 



in eine sehr gonidienreiche Schicht iiber, deren Zellen wesentlich 
dieselben Verhaltnisse zeigen, wie die der unteren Partie, oft aber 
noch zartere Wandungen besitzen, als diese und nach der Ober- 
seite des Thallus bin immer kleiner u»d kleiner werden, 

Scbliesslich verschwinden die geformten Zellen ganz, wir finden 
die ausserste Schicht des Tballus aus einer krumig zersetzten, ge- 
staltiosen Masse bestehend, die als ein weisser, staubartiger Ue- 
berzug das Ganze bekleidet. Etvvas andevs gestalten sich die Ver- 
haltnisse des anatomiscben Baues an den Stellen des Thallus, 
wo Apothecien demselben eingesenkt sind. Hier findet sich ausser 
den oben bescbriebenen Hyphennurjene Partie des Pseudoparen- 
chym's, die arm an Gonidien ist. Die aodere, im sterilen Thal- 
lus dieser aufgelagerte gonidienreiche ^Schicht ist durch die Apo- 
thecien ersetzt, welche die Oberflache des Thallus nicht tiber- 
ragen. 

Die Apothecien besitzen keine besondere Hiille; man 
erkennt in ihnen nur eine subhymeniale Schicht, die sich an den 
Seitenwanden des Apotheciums mehr oder minder weit nach oben 
erstreckt. Sie ist von der gonidienarmen Pseudoparenchym- Lage 
scharf abgesetzt, und besteht aus kleineren rundlichen oder un- 
regelmassigen Zellen, die eine ziemlich dicke, farblose Membran 
besitzen und die Asci undParaphysen tragen. Auch diebei Hf/- 
menelia affinis im Thallus vorhandenen Gonidien gehoren zu Pleu- 
recoccus, der bekanntlich bei den meisten Krustenflechten als Go- 
nidien-Bildner auftritt. 

^ 

Die Hyphen sind also auch hier nachgewiesen, und zwar sind 
sie in so bedeutender Menge vorhanden, dasses schwer zu begreifen 
ist, wie sic je ubersehen werden konnten. 

Betrachten wir scbliesslich die Gattung Naetrocymbe Korb. 
und insbesondere die Melanogonidien, aus welchen nach Korber's 
Ansicht (Parerga lichenol. p. 442, und obige Schrift pag. 12.) 
sowohl der Thallus als die Perithecien gebildet werden. Es ergiebt 
sich bei gut entwickelten Exemplaren zunachst die Thatsache, 
dass zwei verschiedene Thallusformen bei Naetrocymbe \oikommeu^ 
die jedoch zahlreiche Uebergange unter einander zeigen. Ich be- 
rlicksichtige nur die beiden extremsten Formen, die durch Folgcndes 
charakterisirt sind. Die erste, wie es scheint haufigere dieser 
Thallusformen bildet diinne weit ausgebreitete KrusteUj auf denen 
die Perithecien in dichten Heerden stehen. Bei dieser Form baut 
sich der Thallus auf aus einem Pseudoparenchym, dessen Zellen 
rundlich, dUnnwandig, helibraun gefarbt sind. Die Perithecien- 



136 



wanduDgen bestehen aussen aus ganz ahnlichen Zellen; diese 
gehen allmahlig in eine eiformige und polyedrische Form iiber; 
zugleich nimmt die Dicke der Zelltneinbran nach und nach zu, und 
in Folge dessen erscheinen die Wande der Zellen je welter nach 
der Mitte der Perithecienwandung zu, immer dunkler braun- 
gefarbt. Diese letztere selbst besteht aus langlich polyedrischen 
zieinlich dickvvandigen Zellen; die Form dieser bleibt bis unterhalb 
der subhymenialen Schicht dieselbe, nur nimmt die Dicke der Mem- 
bran allmahlich wieder ab, die Farbung ist weniger dunkel, 
bis endlich die eigentliche subhymeuiale Zone wieder rundiiche, 
und hyaline, zartwandige Zellen zeigt, die den Asci ihrpn Ursprung 
geben. 

Die Form der Perithecien istkuglich, wird aber spater napf- oder 
pezizenformig, eine Erscheinung, die vermuthlieh der Grund ist, 
dass Korber der Gattung ein spater zum Discus erweitertes Osti- 
olum zuscbreibt. Dieses ist kurz papillenformig, endlich mit 
eiuem Porus versehen, aber wie gesagt, nie scheibenformig ! Ebenso 
konnte ich mehrere besondere Nucleoli , mit centrifugaler 
Schlauchbildung, (was Korber ebenfalls gesehen zu habenbehauptet,) 
nichtauffinden;es ist dies wahrscheinlieh ein Beobachtungsfehler, der 
durch die von Korber augewendete sehr primitive Untersuchungs- 
methode verursacht sein diirfte. Ich habe stets gefunden, dass 
die Asci ganz in derselben Weiseangeordnet sind, wie bei den mei- 
sten anderen pyreuocarpischen Flechten. 

Die zweite oben erwahnte Thallusform zeigt nun kein pseu- 
doparenchymatisehes Gewebe; sie besteht vielniehr aus einer viel- 
fach verschlungenen, dichten Hyphenniasse, deren einzelne Faden 
sich aus kurz cylindrischen, ebenfalls braungelarbten Zellen zu- 
sammensetzen. Diese Hyphen bilden nun nicht diinne Krusten 
wie die erst erwahnte Thallusform, sondern es sind oft mehrere 
Millimeter dicke, weuig ausgedehnte, schollenformige Stucke, 
deren Rander in der Kegel steil abfallen, die sich leicht 
von dem Substrat abloseu lassen. Diese Form des ;Thal- 
lus zeigt nun viel seltener Friichte als die zuerst bespro- 
chene; oft sind ganze StUcke voliig steril; jedoch zeigen 
diese Fruchte im Wesentlichen ganz denselben Bau, wie ich ihn 
oben fiir die dein dflnnkrustigen Thallus entspringeuden Perithe- 
cien beschrieben habe. — Beide Thallnsformen sind zuletzt bei 
der Reife der Fruchte oberflachlich; sie sitzen der Korkschicht 
der Zweige auf ; doch scheinen sie ursprunglich durch die obersten 
Riudenpartieen hervorzubrechen, wenigstens tindetman oft in den 



137 



I 



i 






nntei'sten Thallusschichten und rings von diesen umgeben, noch 
einen oder einige Korkstreifen, die durch das eraporstrebende 
Pseudoparenchym mit nach oben gezerrt warden. Ein Eindringen 
desMycePs in tiefere Schicbten derKinde findet jedoch nicht statt, 
die Hyphen, die sich an der unteren Flache des krustenformigen 
Thallus vereinzelt vorlinden, ebenso wie die den schollenformigen 
Thallus constituirendenMycelfadenkrieciien nur auf derOberflacbe 
des Substrates bin. 

Es geht nun aus dem bier Mitgetbeilten bervor, dass Goni- 
dien iiberhaupt nicht vorhauden siud ; das, was Korber als Me- 
lanogonidien bezeichnet, sind theils echte, braungefarbte Pilzhypben, 
theils ist es ein aus der Verschmelzung dieser Hyphen hervor- 
gegangenes Fseudoparencbym, ein Stroma! — Ich glaube nicbt 
zu irren, wenn ich Naelrocymbe als eine Cncurbitaria betracbte, 
umsomehr, als auchdie Sporenform dieser Annahme entspricht;auch 
die Erscbeinung, dass altere Perithecien am Scheitel allmahlicb ein- 
sinken undendlicb eine pezizenformige Gestalt zeigen, findet sich 
ja bei den Cucurbitariaceen nicht selten. Wir hahen ausserdem 
in einerachten Curcurbitaria, derC, paY?/^^^*^'' 6ine Species, deren 

Stroma und Perithecien einen Ban zeigen, demjenigen von Nae- 
trocymhe ausserordentlich ahnlich. 

Uebrigens hat bereits Millardet in seiner Arbeit iibcr die 
Gattung Naetrocymhe^) nachgewiesen, das dieselbe nicht zu den 
Flechten, sondern zu den Sphaeriaceen gehore; ich kann 
alle seine Beobachtungen durchans bestatigen, babe aber trotz 
der vonihm gegebenen vortrefflichen Abbildungen es nicht fiir 
tiberfltissig gehalten, auch meine Zeichnungen zu verofientlichen, 
da die citirte Abhandlung nur wenig bekannt zu sein scheint. 

Rekapituliren wir kurz das Mitgetheilte, so finden wir bei 
den 4 untersuchten Flechten unzweifelhafte Hyphen, die sich von 
denen anderer Pilze, speciell anderer Ascomyceten in Nichts un- 
terscheiden. Wir konnen aber auch I'erner nicht laugnen, dass 
die anatomischen Verhaltnisse entschieden fiir dip Schwendener'sche 
Theorie spreehen und dass auch in physiologischerHinsicbtein Be- 
denken gegen die Richtigkeit derselben nicht vorliegt. Ich hoflFe 
in Kurzem weiteres Material beibringen zu konnen. 



1) In M^moires de la Society des sciences natur. de Strasbourg tome sixi 
^me, Liv. II. pag. 16-18 taf. U Bg, 18—22. 



138 



ErkUrung der Abbildnngen. 



Tafel. m. 

Figur 1—3. Secoliga absfrusa (WUr.) 

Fig. 1. Ein Apothecium, vertikal durchschnitten. 

a. Das Substrat, voniMycel durchwuchert. 

b. Gonidien-ColoDien. c. Apothecium. 

Fig. 2. Vier Gonidien {Pletirococcus-ZtWeQ) vielfachvon deu 

Hyphen der SecoUga umsponnen. 
Fig. 3. Zwei durchDruck isolirte Gonidien, jedes von einer 

Hyphe befallen, die sich an ihrer Spitze gabelig 
getheilt bat. 
Figur 4 — 6. Sarcogyne privigna (Ach.) 

Fig. 4. Halfte eines Verticalschnittes durch ein Apothecium. 

(Die obere der Hymenialschicht aufliegende Partie 
ist weggelassen.) 

a. das sogenannte Excipulum. 

b. Mittlere, c. peripherische Pseudoparenchympartie, 

aus rundlich-polyedriscben Zellen bestehend. 

d. Pseudoparenchym des Seitentheiles der Apothe- 

cien, zwischen b. und c. gelegen, ausgezeichnet 
durch die radiale Anordnung seiner langlichen 
Oder Ysrschiedengestaltigen Zellen. 
g. Gonidien-Gruppen. 
h, Hymenialschicht. m. Mycelium. 
s. Subhymenialschicht. 
Fig, 5. Ein Stuck des sogen. Hypothecium, Verticalschnitt. 
Fig. 6. Ein ganzes Apothecium; schematisch gezeichnet; 

Langsscbnitt. 

e. Hypothecium und Excipulum. g. Gonidien. 

St. Stielartig verschmalertes Mycel. 



TafellV. 

Figur 7. u. 8. Hymenelia affinis Massal. 

Fig. 7. Stuck desThallns mit 2 Apothecien; Vertikal-Schnitt. 

Fig. 8. Stuck des sterilen Thallus. 

a. Oberste, auskrumig zersetztenMassen bestehende 

Schicht. 

b. Gonidienreiche, e. Gonidienarme-Schicht. 

d. Mycelium, g. Gonidien. 



vT 



J 



139 






Figur9 — 11. Naetrocymbe fuUginea Korber. 



Fig. 9. Bin Stuck des krustenformigen Thallus mit einem 

Peritheciun). Vertikal-Schoitt. 
Fig. 10. Stuck der Perithecien-Wand mit HinweglassuDg der 

subhymenialen Schicht. 
Fig. 11. Isolirte Hyphen aus dem sehollenformigen Thallus. 



Bemerknngen iiber rationale und irrationale DivergenzcDi. 

Von Julius Wiesner. 

(Schluss.) 

Dass die in den natiirlichen Blattstellungen zum Ausdrucke 
kommenden, so oft angestaunten Symmetrieverhaltnisse im Gruude 
nur auf der Gonstanz der Divergenzen und keineswegs auf der 
absoluten Grosse der letzteren beruhen , lasst sich durch Rech- 
nung am iiberzeugendstendarlegen,aberaueh schon durch die un- 
mittelbarc Anschauung klar machen. Man braucht nur auf eine 
Schraubenlinie, die man als Grundspirale annimmt, Puncte als Blatt- 
insevtiouen in gleicben Eutfernungen aufzutragen — die Grosse 
der Entfernung ist ganz gleichgultig — um sich zu liberzeugen, 
dass man als Resultatein „Stellungsverhaltniss" mit alien seinen 

Eigenthtimlichkeiten bekommt. 

Eine Stelle in Schimper's bekannter Schrift iiber S?/W2)%- 
tum Zeyheri *), lasst mit Bestimmtheit annehmen, dass er bereits 
wusste, dass auf der Gonstanz der Divergenzen die Blattstellungs- 



verhaltnisse beruhen. Desshalb muss es befremden, dass die neu- 
eren Schriftstellerdiese naheliegende,aber noch keineswegs selbst- 
verstandlichegeometrischeUrsache des ZustandekommensderBlatt- 
stellungsverhaltnisse nicht hervorheben. 

Wahrend Hofmeister in seiner Morphologic ') im Sinne 
A. Braun's den Werth der Kettenbriiche fur das Verstandniss des Zu- 
sammenhanges der den einzelnen Reihen angehorigen Divergen- 
zen anerkennt, so lasst er doch die von den Brtidern Bravais 
erschlossenen irrationalen Divergenzen, die sich am einfachsten 
aus den KettenbrUchen ableiten lassen, und eine Consequenz der 
Kettenbruchtheorie sind, nicht gelten. 

Dass rationale Divergenzen in der Natur vorkommen, also 

z. B. die Werthe V», Vs, Vs ist gewiss und es sind ja 

selbst von L. und A. Bravais Falle angcfUhrt worden, welche 

1) p. 52. , 

2) p. 457. 




140 

diess ausser Zweifel stellen*). Allein ebenso gewiss ist es, dass 
in der tiberwiegenden Mehrzahl der Falle bei Aufsuchung der 
Stellungsverhaltnisse pracise die Anweaenheit rationaler Diver- 
genzen sich nicht erweisen lasst; so z. B. an den Zapfen der 
Coniferen, an reich beblatterten Hiillkelchen der Compositen etc. 
wo man immer in Zweifel ist, welches (rationale) Stellungsver- 
haltniss hier wirklich stattfindet. Nie findet man, bei unbefan- 
gener Beuvtheilung, in den bezeicbneten Fallen ein Blatt genau 
tiber einem als Ausgangspunkt gewahlten Anfangsblatt, immer 
erscheint es seitlich verschoben, was besonders deutlich hervor- 
tritt, wenn man den Versucfa macht, den Abschluss eines zweiten, 
dritten etc. Cyclus ausfindig zu machen, Ist man in alien die- 
sen ausserordentlich haufig vorkommenden i?'allen nicht gezwun- 
gen anzunehmen, dass die Divergenz, die wie hier bloss approxi- 
mativ abzuschatzen vermogen, eben nur eine Annaherung an den 
wahren Werth reprasentirt? Da nun z. B. far den Kettenbrucb 






die aus demselben hervorgehenden Blattstellungsverbaltnisse 
V«i % V«, */», .... seine suceessiven Naberungswerthe bilden, 
die sich dem wahren Werthe dieses Kettenbrucbes, namlich sei- 
ner Summe immer mehr und mehr nahern; was ist natiirlicher 
als anzunehmen, dass die durch die Snmme des Kettenbrucbes 
gegebene Divergenz die' in jenen Fallen wirklich herrschendeist. 

Die Summe dieses Kettenbrucbes, also der voile Werth desselben 

3-1/5 
ist nach der Berechnung der Bruder Bravais bekanntlich -^^ 

also eine zum Stammumfange irrationale Grosse. Bei dieser 
Divergenz finden die Cyclen keine endliche Begrenzung, oder mit 
andern Worten: kein Blatt steht genau senkrecht iiber einem 
zur Beobachtung ausgewahlten Anfangsblatt. 

Da die irrationalen Divergenzen fiir das Studium der Blatt- 
stellung ihre Berechtigung beanspruchen und die BruderBravais 
die Ableitung derselben nicht gegeben haben, so scheint es mir 
eine nicht fiberflUssige Sache zu sain, die in Rede stehenden 
Werthe zu entwickeln, umsomehr, als aus jenem von mir aufge- 
stellten allgemeinen Kettenbruche fur die constanten Divergenzen 
die Ableitung sich in sehr einfacher und ubersichtlicher Weise 
geben lasst. 



3) Vergl, auch HofmeisUr 1. «. p. 455. 



141 



j 



Setzt man den allgemeinen Ausdruck 



7.+ , 

7.+ 

wobei also x = Vi+ 

Vi+ 

ist; so ist doch, da ich in einem aus unendlich vielen gleichen 
Gliedern bestehenden Kettenbruche eines vernachlassigen darf, 
ohne den Werth der Summe zu storen 

I 

1 + x 

also auch x+x'— I. 

Aus dieser quadratischen Gleichung ergiebt sich 

Subetituirt man dieseu Werth von x in den Kettenbruch 

V5-1 2 

»/z+x so erbiilt man y'z4 — ^r— = n— ttttt 

' * 2 2X+V5-1 

Durch Rationalmachen dieses Bruches bekommt man 

2 z — V 5—1 

2 (z» — z — 1) 

als den allgemeinen Ausdruck fiir die irrationalen 

Werthe der Blattstellungsverhaltnisse mit con- 

stanten Divevgenzen. 

Substituirt man in diesen Ausdruck fiir z die Werthe 2, ;>, 

4 , so bekommt man die irrationalen Werthe fUr die 

einzelnen Divergenzreihen. 

Ftir z=2 erhalt man — — 

z=3 t}!l 

7-V5 

„ z— 4= „ „ 22 

Die aus dem oben angefahrten allgemeinen Kettenbruch ab- 
leitbaren Divergenzreihen sind also die folgenden: 

Fur z=2 ; «/„ % V*. */», 'A- '/» ~ I) 

,, z«=3 ; v., •/., Vr, Vii, Vii, V|. ^ II) 

„ z=4 ; v«, v., v., V.4, •/•«, V.T — - in) 



r. 



142 

Schon oben wurde dargethan, dass die Stellungsverhaltnisse 
einfach dadurch zu Stande kommen, dass die aufeinanderfolgen- 
den Blatter in gleichen Abstanden von einander angebracht sind. 

So wait ist also an den Stellungsverhaltnissen mit constan- 
ten Divergenzen nichts merkwiirdiges. Das abev ist im hohen 
Grade merkwurdig, dass der denkbar einfachste Werth von z 
in dem mehrfach angefuhrten allgemeinen Kettenbrucbe namlicb 
2=2') derjenige ist, welcher in der Natur am hauligsfen vor- 
kommt, indera die Glieder der Eeihe I aJs Divergenzwerthe am 
haufigsten im Pflanzenreicbe auftreten. Die Stellungsverhaltnisse 
welche aus den Kettenbriichen 



/«+ V4+ Vs+ 

/i+ Vi+ ■ . • - . Vi+ 



I 



abzuleiten sind tretea in deniMaasse seltener in der Natur auf, 
je hoher der Werth des ersten Nenners (z) ist. Der Zweck, den 
die Natur erreicht, indem sie fUr z die einfachsten Werthe wahlt, 
ist leicht einzusehen: eswirdmit der moglicbst kleinsten 
Zahl der Blatter bei gle ic hmas sige r Anordnung 
eine moglichst viels e i tige V e rthe il u ng der Blat- 
ter nm die Axe h erum erreieht. — 

Dass bei irrationalen Divergenzen zur Axe parallele Zeilen 
(Orthostichen) ausgeschlossen sind, ist selbstverstandlieh, auch 
leuchtet ein, dass sich Irrationalitat und Constanz der Divergenzen 
keineswegsausschliessen; dervon Sachs *)aufgestellte Satz: „sind 
bei einzeln gestellten SeitengUedern mit schraubiger oder spiraliger 
Anordnung die Divergenzen unter sich gleich, so stehen sie auch 
gleichzeitigingeradenHeihen'' hatsomit keine allgemeine Geltung. 

Um etvvaigen Missverstandnissen vorzubeugen, betone ich, 
dass keineswegs alle in der Natur vorkommenden Stellungsver- 
haltnisse, sondern bloss die mit constanten Divergenzen, sich 

dem allgemeinen Kettenbrucbe 

Vz+ 

Vi+ 

unterordnen; was aber wohl die naturgesetzliche Bedeutung die- 
ses allgemeinen Ausdrnckesnicht beeintrachtigt. 



1) Setzt man z=l ; so kommt man anf die Reihe Vjj V«i '/« ^/s 

l-zIlL, deren Glieder, absolut genommen, idf^tisch sind mit den Gliedem der 

Reibe I. 

2) 1. c. p. 179. 



\ 



4, 






1 

1 



1 



' 

V 



143 

Nicht nur vom morphologischen,sondern auchvombiologiscben 
Standpuncte scheint es cothwendig, Stellungsverhaltnisse mit con- 
stanten Divergenzen von jenen mit variablen oder irregularen zu 
unterscheiden, und zu untersuchen, ob die beiden letzteren, wenn 
sie an fertigen Zustanden beobachtet wer^cn, scbon ihrerAnlage 
nach variabel, beziehungsweise irregular sind oder nicht Dass 
wir gerade an Sprossen mit gvlinen Blattern fast ausnahmslos 
constante Divergenzen finden, und hier sog. Storungen nur selten 
vorkommen, dass constante, durch sog. Storungen bedingte 
Divergenzen an den Phyllomen der BlUthe haufig sind, und die 
Eegellosigkeit in den Anordnungen der seitlichen Auszweigungen 
der Wurzel den gewohnlichen Fall bildet; das sind durchwegs 
Dinge, weiche auch biologisch interessant sind. auf die ich aber 
bier nicht naher eingehen kann. 

Wien, im Februar 1875. 



Schi^opeltej, novum Licbenum genus 



Describit Th. M. Fries. 



Ab amico G. Eisen, ad Academiam Upsaliensem Zoologiae 
Docente, qui jam in California peregrinatur, plantarum coUecti- 
onem nuper accepi, in qua hand pauca adfuere specimina liche- 
nis antea vix dubic ignoti. Novi generis typum praebet ejasdera- 
que satis insignis, cujus descriptionem hie dare Uceat. Nominan- 
dum est 

Sc hisop elt e nov. gen. 

Thallus fructiculosus, teretiusculus, solidus, gonidia cooeate- 
nata et progemmatioiie procreata foYens. Apothecia termioalia, 
niargine thallode cinctft, primitus rotundata, dein lobes elongates 
varieqne crenatos expansa divisaque. Sporae normaliter 3-septatae, 
nigricantes. 

Rocceliae^ etsi e longinquo, affinis; apotheciorum sporarum- 
que indole abunde recedens. Ilia Tkysanotheeitim Hooheri Beck. 
€t Mont. (Nyl. Syn- tab. VI. f. 1.) forma quodammodoreferunt; sunt 
tamen multo majora, magis divisa lobataque. — Unica bactenus 
cognita species : 

Sch, californiea n, sp. 

Habitat in Colifornia ad rupes, verisimiliter maritimas. 
Thallus e pluribns podetiis e communi basi caespitose as- 
surgentibas compositus,sat validis, fragilibus, rarius subsimplicibus, 



1 



"*. 



-^ 



144 

vulgo plus minus ramosis, teretibus, passim saepe incrassatulis, 
levibus vel rugulosis, ad 13 cm. altis, 1^—6 mm. crassis, cinereis 
vel cinereo-albidis, opacis, sorediis elevatis albidis passim 
adspersis; totusthalltts e fibris vavie ramosis laxeque intricatis 
contextus, gonidiis zonam contiguam concentricam formantibus. 

Apothecia primitus rotundata, concava et margine thallode 
elevato, incurvo crenatoque cincta, dcin varie lobata ramosave, lobis 
vulgo unilateraliter productis, rotundato-crenatis, demum elongatis 
(usque ad 2 cm. vel forsan ultra); discus uiger, nudus vel vul- 
go caesiopruinosus. Hypotbecium nigricans; paraphyses sat graci- 
les, varie ramosae, apicem versus fuligineae. Asci clavati. Sporae 
8nae, elongato-vel subcylindrico-oblongae vel oblongae, utrinque 
obtusae, ad septa saepe leviter constrictae (habitu Leciographae 
baud dissimiles), normaliter 3-, interdum 4—5- septatae, 0,015 — 
24 mm. longae et 0,005 — 6 mm. crassae. Jodo theciumtantummodo 
leviter lutescit. 

Hydrate kalico tractatus thnllus colorein servat. Jodo hyphae 
tantummodo lutescunt. Hypochlorites calcicus partibus thalli ex- 
ternis eolorem inteu?e rubncoso-sanguineuni tribuit, internavS non 
coJorat; si vero postea solutio jodi adspergitur, etiam internaepar- 
tes colorem rubricosum obtinent. 



Einlaufe zur Bibliothek nnd zum Herbap. 

11. Gottache uud L. Rabenhorst, Hepaticae europaeae. Dec, LX und LXl 
Dresden, 1874. 

12. Engler, A. Ueber Begrenzung und systematische Stellung der Ochnaceae 
Dresden 1874. 

r 

13. Descriptiones plant nov. in regionibus Turkestanicis eoleet. Auctore E. 
Kegel. Fascic. 2. 

14 Engler A., Biographic von Max Wichnra. Liegnitz, 1874. 

15. Monatachrift des Vereines z. Beforderung d. Oartenbaues in d. k. preuss. 
Sta&ten. 17. Jahrg. BerHn 1874. 

16. Sitzangsberichte der kaiserl. Academie der Wissenschaften in Wien. 
Mathem.- naturw. Classe. 1. Abth. LZVID. Bd. m.—V. Hft, L2tIX. Bd. 

I— m HfL 

17. Nuovo Giornale botanico italiano, diretto da T. Caruel. Vol. YI. Fisa 
1874. 

18. Yerh&ndlangen des natarf. Ver. in Brunn 12. Bd. 1873. 



Singer. Druck der F. Neabaner'schen Buchdruckerei 



. ^\ 



(F. Huber) in Regensbnrg. 



-A 








58. Jahrgang. 



Ns 10. 



Regensbnrg, 1. April 



1876. 



liilialt« Dr. Heinrich Wawra: Beltr^e zur Flora der Hawafsclieii 
Inselii. Fortsetzung. — F. Arnold: Licbenologische Fragmente. XVIII. — 
Dr. Carl Kraus: Pflanzenphysiologische Untersuchungen. — Ankundig, 
ung einer botaniacken Reiae, — Anzeige, 

Bellagre* Tafel V. 



BeitrSge znr Flora der Hawai 'schen Inseln 

Ton Dr. Heinrich Wawra. 
(Fortsetzung. Con£. Flora 1874 Nr. 36.) 



EupUoTbiaeecLe. 

Euphorbia clusiaefolia Hook. a. Arn. Beech. 95. 

Frutex succo lacteo spisso subito coagulantescatens,glaberri- 
mus parce ramosus; trunco et ramisvalidioribus circiter poilicem 
crassis; ramulis pennae anserinae crassitie, fistulosis teretibus, 
post fol. lapsum nodosis; internodiis in universum poilicem lon- 
gis. Folia brevissime petiolata (in sieco) chartacea, 2 — 3-polli- 
caria, obovato-oblonga, rotundata ad basin inaequilateram obtusa 
vel subtruncata, laevia, supra (in vito) saturate viridia et opaca, 
subtus fere lactea submicantia et nervo mediano roseo percursa; 
nervis secundariis nonnisi in sicco conspicuis confertis patentibus 
ramulosis; venulis subtus nulHs, supra confertissimis et lineolis 
mirum in Baodum impUcatis reticulum teuerrimum uonuisi sub 
lente conspicuum efiormantibus. Stipulae interpetiolares brevis- 

Floro 1875 10 



146 



simae, triangulares obtnsae. Capitula in fol. axilHs nunc solita- 
ria nunc paniculata; paniculae racetniformes, fol. dimidia longi- 
ludine, depauperatae; pedicellisG— 10 lin. longis integrisvel sae- 
pius (in racemo) supra basin articulatis. Bracteae stipulares, 
minutissimae saepe lacero-dentatae ; bracteae foliares abortivae 
et cicatrice semilnnari indicatae. Involucruoi late campanula- 
turn 10-lobum, lobis alterniscrassisglandulahorizontali-oblongater- 
minatisetintus adapicem hirsutis, lobis alternispetaloideis inclu- 
sis obtusis ciliato-fimbriatis vel fere glabris. Bracteae inter 
floras (stamina) plurimae, lacero-fimbriatae. Stamina (floresmasc.) 
vix exserta pluriserialia, pleraque abortientia]; filamentis glabris 
supra basin articulatis; antheris aurantiacis didymis, locnlis glo- 
bosis. Ovarium (fl. fern.) fusco-rubens breviter pedicellatum ad 

inscrtionem articulatum sexangulare triloculare; styli 3 brevissimi 
crassi basi connati ; stigmata biloba, lobis retrorsis. Capsula gla- 
bra tricocca septicide- subinde loculicide dehiscens. Semina . . 

Oahu; am Waiolani; 1647. 

Euphorbia Bemyi Gray ined. Mann, Haw. PI. in Am. Ac. 

VII 201. 

Fruticosa, trunco procumbente poUicem crasso, ramis erectis, 

ramulis diflfusis saepe patenti deflexis, caule gracili conferto no- 
doso-articulato glabro. Folia raembranacea, elliptica rotundata 
basi inaequali obtusa, 2 — 3 poll, longa concoloria micantia, novel- 
la vernicosa; nervis secundariis supra inconspicuis.subtus promi- 
nulis; venulis subtus nullis supra (sub lente) implicatis; petio- 
li 2 — 3 lin. longi. Stipulae interpetiolares triangulares obtusae, 
12 lin. longae. Florum capitula in fol, axillis 5— pluris fascicu- 
lata, rarius solitaria, fasciculis sessilibus, bracteis intermixtis; 
pedicelli 1 — 2 lin. longi. Involucrum turbinatum 5-glandulo8um, 
glandulis suborbicularibus parvulis. Flores masc. (stam.) inter 
bracteolas densissimas lineares nunc glabras nunc birsutas pluri- 
seriales; flos fem. (ovar.) parvulus, longe stipitatus, globoso-ovoi- 
deus triangularis. Styli 3, spiraliter torti ovar. subaequantes, in- 
tegri, lineares. 

Kauai; Walder ober Waimea ; 2086. 

Sieht der E, clusiaefolia einiger Massen ahnlich doch zeich- 
net sich letztere durch ihre an der Unterseite weiss lakirten 
Blatter aus. Alle bawaiscben Euphorbien besitzen gegenstandige 
Blatter. Hochst eigenthiimlicb sind die (nur unter der Loupe 
Bichtbaren) arabeskenformigen Zeichungen an der Oberseite der 

BlUtten 



V 



hi 



147 

Euphorbia multiformis Gaud. Freyc. (absq. descr.) Hook, a, 
Arn, Beech. 95. Mann I. c. 202. 

Frutex sesquiorgyalis amplus densissimus; ramuli validiores 
magis minusve genuflexi glabri, ramuli ultimi abbreviati conferte 
nodoso-articulati valde foliosi, sub lente cum petiolis et stipulis 
puberuli. Folia subchartacea circiter pollicaria, obovato-oblonga 
utiinque obtusa et apice non raro aliquatenus retusa vel subacu- 
ta, supra laevia et pallide viridia subtus nitidula et penninervia ; 
nervis confertis gracilibus ramosis; petioli ad summum linieam 
longi. Stipulae scariosae triangulares acutae. Florumcapitula ter- 
minalia rarius (ad foL supr.) axillaria, solitaria, brevissime pedi- 
cellata, minuta; involucro turbinato, praesertim ad lobos extus 
pulverulento-toraentello ; glandulis 5 suborbicularibus. Flores 
fern, vix exserti globoso-trigoni, cum stipite tomentelli. Styli 3, 
brevissimi, stigmatibus clavatis revolutis. Capsula Cannabis 
grani magnitudine glabra. Semina (an matura) angulata lateritia 
grosse scrobitulata. 

Maui; Thai von Wailuku; 1852. 

E. multiformis var. tenuior Gray ined. Mann 1. c. 

Arborescens, glaberrima; ramuli valde graciles, folium com- 
positum mentientes, diffusi, nodoso-arliculati. Folia tenera, quam 
in praecedenti majora et longius petiolata, emarginata, supra 
giauco-viridia et sub lente lineis implicatis pulcherrime picta, 
subtus incana et tenerrime nervata. Florum capitula terminalia 
et axillaria quam in praec. longius pedicellata glabra. 

Oahu; sehr feuchte Waldschluchten 1754, 2341. 

Die Zweige sehen genau den Blattern von Eobinia pseudoa- 
cacia ahnlich. 

r 

E, multiformis var. lorifolia Gray ined. Mann 1. c, 
Arborescens ; ramuli crassiuscnli stricti , in statu juvenili 
cum foliis novellis puberuli. Folia chartacea brevissime petiolata 
linearia, 3 poll, Iga ac 3 lin. Ita obtusa, basi valde inaequilatera 
supra opaca subtus nitidula; nervis secundariis confertis rarau- 
losis fuscis. Flores . 



• * 



Maui; trockene Schluchten um Macavao (Haliakala) 2527, 



2343. 

Euphorbia cordata Meyen (Reise II. 150)Boi3S. in DC.Prodr. 
XV. IL 13. 

Suffruticosa; ramuli conferti patentes graciles glabri nodoso- 
articulati; internodia folio hand longiora, surama incano-puberu- 
la. Folia patentissima opposita, vix semipollicem longa, orbicu- 

10* 




143 



r 

F ■ 

lari-ovata rotundata basi subcordata sessilia, ad basin ciliata 
caeterum glabra. Stipulae late triangulares emarcidae, lanato- 
ciliatae. Capitula terminalia et axillaria solitaria, brevissime pe- 
dunculata basi bracteis 2 stipularibus fulta, Involucri lobi hir- 
suti; glandulae transverse ovales concavae. Antherae didymae 
parum exsertae; filamenta glabra, apice articulata;bracleae inter 
stamina apice fimbriato-hirsutae. Ovarium glabrum, stipite invo- 
lucro aequilongo versus apicem incrassato et hirsuto sustentum. 
Styli 3 discreti, apice bifidi, ramis (stigni.) clavatis fuscis. Cap- 
sula Cannabis grani magnitudine laevis. Semina obovata qua- 
drangulari-subcompressa pellicula (arillo?) hyalina arete obclusa 
lateritia, leviter scrobiculata. 

Aus Hillebrands Herbar 2344. 

Weicht in vieler Beziehung von den andern (haw.) Euphor- 
bien ab, stimmt auch nicht ganz mit der citirt. Beschreibung in 
DC, iiberein, doch scheint keine neue Art — hochstens eine 
kahle Varietat von E. cordata vorzuliegen. Leider ist nur ein 
kleines Zweiglein vorbanden, 

Claoxylon Sandwicense Mtill. Arg. in Linn. XXXIV 165); 
(Claoxylon) Seem. Fl. Vit. 223. 

Dioica. Frutex arborescens parum ramosus, ramuiis erassi- 
usculis cinereo- et rngoso-corticatis. Folia sparsa snbchartacea 
erecta, maxima petiolo bipollicari abjecto semipedalia et fere 4 
poll, lata, obovata vel oblonga, apice rotundata vel retusa basi 
acuta dentibus glandula terminatis argute serrulata, punctulis 
prominentibus undique asperata, supra fusco-viridia subtuspalli- 
diora vel subviolacea: nervis secundariis utrinque 5 — 7, venulis 
crebris subtus prominentibus conneii; fol, novella tomentosa ve- 
tustiora glabrata. Stipulae nullae. Flores racemoso-fasciculati ; 
racemi axillaressolitarii folio breviores; fasciculi pauciflorisessiles 
vel brevi pedunculati basi bracteis hirsutis cincti; fl. pedicelli 
2 — 6 lin. longi hirsuti, ad basin articulati; perigonium trimerum 
cxtus flavescenti hirtellum, aest. valvatum. Mas: Glandulae nullae. 
Stamina in toro conico innumerabilia, quaedam sterilia; filamentis gla- 
berrimis ; antheris purpureis, loculis discretisobovato-clavatis rima 
longitudinali dehiscentibus; ovarii rudimentum nullum. Fern: 
Glandulae purpureae cum perigonii segmentis alternantes et iis 
aequilongae obtusae. Ovarium globoso-trigonum; glabrum; styli 
3, crassi simplices, inferne valde hirsuti apice nudo supra peri- 
gonium revoluti, ovario sublongiores, ovula in loculis solitaria su- 
pra medium anguli centralis afifixa. Capsula tricocca, Piso major 



149 



r^ 



^^ 



i 



laevis glabra saepe violaceo inducta; coccis bivalvibus, valvnlia 
post dehiscentiam spiraliter contortis. Semen globosum Piperis 
grani magoitudine (ecarnuculatum,) pellicula (arillo) ochroleuco 
tenenimo arete adhaerente vestitum, testa Crustacea pellicula de- 
rasa fusco purpurea et grosse rugosa scrobiculata. Embryo axi- 
lis; albumen carnosum, 

Kauai; Gebiet von Halemanu 2078. 

FhyllantJius Sandwicensis MiilL Arg. (in Linn. XXXlI 31); P. 
distichus Hook, a. Am. Beech. 96. 

Dioica? Fruticulus glaberrimus e basi multiramosus; rami 
virgati subsimplices — 2 ped. longi. Folia conferta alternantia im- 
bricatim subdisticlia, chartacea, pollicem longa ovalia utrinque 
rotundata et aliquatenus-retusa, subsessilia, nervo mediano in caule 
decurrenta Stipulae geminae minutae triangulares scariosae. 
Flores perpauci, in axillis foliorum solitarii aut gemini; pedicellis 
setaceis subsemipollicaribus basi bracteis 2 — pluribus cinctis, apice 

incrassatis, Fl. masc Fl. fern, perigonium hexamerum, 

foliolis bilinearibus ovatis margine scariosis; discus hypogynus 
membranaceus undulatus; ovarium tricoccum, coccis didymis bi- 
ovulatis; styli (brevissimi) bifidi, ramis stylo longioribus reclinatis 
apice (stigmatibus) fuscis. Capsula Cannabis grani magnitudine 
laevis. Semina fusco maculata, caruncula arilloque nuUis. 

Oahu; Kamm der Waianaeberge ; 2217. 

Ausserdem liegen noch zwei Pflanzen aus der Hillebrand- 
'schen Sammlung vor 2340 a und 2340 b, von denen die erstere 
eine grossblattrige die letztere eine kleinblattrige Form des 
P. Sandwicensis reprasentirt, 

fm. grandifolia: foliis 3 poll, longis acutis remotiusculis sub- 
tus nitentibus; pedicellis saepe pollicem longis; perigonii foliolis 
quam in priori angustioribus, 

fm. parvifolia: foliis semipollice brevioribus valde confertis 
rotundatis. 

Von alien Formen fehlen mannL Bliithen. 

Pisonia umbellifera Seem. (Bonpl. X 154) Fl. Vit. 195. 

Kauai um Kealia; 2022. 

Nur Fruchtexemplare sind vorhanden. Die Kapseln sind mit 
einer dicken Schichte einer zahklebrigen Masse tiberdeckt,welche 
seibst heute also nach vier Jahren nocb nicht voUstandig einge- 
trocknet ist; die Kanaken bereiten daraua Vogeileim. 



150 

Pisonia inermis? Forst. Seem. 1. c. 

Oahu ; Schlochten des Nuanuthales ; 2750. 

Unsere Pflanze ist vielleicht nur eine breitblatterige Form 
der vorigen; iibrigens fehlen ihr die Friichte, auf die es hier 
bauptsachlich ankommen wiirde. 

Boerhavia diffusa L. Seem. 1, e. 196. 

Maui; Ebene 1922; Kauai (?) Seeufer bei Kealia. 

(Fortsetztmg folgt.) 



Lichenologische Fragmente 

von F. Arnold. 

(Mit Tafel V.) 

Salt jeher galten die Licbeneu als besonders formeureiche 
Pflanzen und haben diese Eigenschaft auch seit Anwendung des 
Microscopes nicht verloren. Die haafig vorkommenden Species 
warden daher in Unterartec, Varietaten und blosse Formen so 
oft zertheilt, dass der Vorwurf, die Unterschiede seien nur ge- 
kiinstelt, nicht immer abgewiesen werden kann. Betrachtet man 
eine derartige Gruppe naher und vergleicht man unter Beizieh- 
ung der veroffentlichten Exsiccata die Ansichten der Autoren, so 
tritt zum Unbehagen, welches die Verschiedenheit derMeinungen 
rait sich bringt, die Schwierigkeit hinzu, die habituellen Aender- 
ungen, denen die Arten in ihrer Verbreitung tlber Earopa uuter- 
worfen sind, darzulegen. Eine neue von Glowacki aufgefundene, 
muthmasslich zur Flora desostlichen Europa zu zahlende Physcia 
bot mir Gelegenheit, die mit ihr zunachot verwandten Arten und 
letztere wieder unter sich zu vergleichen. Das Ergebniss dieser 
Priifung veranlasste mich, die einzelnen Arten und ihre Formen 
wiederum um ein Weniges anders, als es bisher geschehen, abza- 
grenzeo: ob mit Recht, wird eine ktinftige Revision der Exsiccata 
leicht ersehen lassen. Ueber die Spermatien haben sich bereits 
Mudd man. p. 132, Nyl. Sc. 136, Th. Fries Scand. 169 geaussert 

A. tota planta hydrate cal. non mutata (K — ). 

1. Ph. medians (Nyl.) 

exs. Zw. 59, Rabhst. 796, Arn. 222 a, c, d: spermatia sub- 
ellipsoidea, paullo latiora, quam apud sequentes spec, 0,004 — 45 
mm. Ig., 0,0015 mm. lat. — Anzi 444. b. 



? 



151 

B. tota planta hydr. cal. intense rubesa (K+)- 

1. spermatia breviellipsoidea, minora, 0,0025 — 3 mm, Ig., 
0,001 mm. lat. 

2. PA. granulosa (Mull.) 
s. Hepp. 908, Erb. cr. it. IL 165, Arn. 340 a. b. 

3. Fh, elegans (Lk.) 

a) orbicularis Schaer. 

exs. Schaer. 338, Hepp 195, Mass. [104, M. N. 354 (lobis 
paullo brevioribus) Anzi m. r. 133 b;Erb. cr. it. I. 835. Schweiz. 
Crypt. 460 a. b.; Rabhst. 487 (lobis latioiibus), 915 (thallo orbi- 
culari). 

b) Thallus e minio flavens, Schaer. En. 52, 

exs. Schaer. 545 (minime in Ph. murorum transiens, quod 
spermatia demonstrant; sed. Ph. muror. admixta est.) 

c) compacta Arn. V. Rettenstein p. 535, Nyl. Flora 1872 
p. 549. 

d; ferax Mull. Flora 1875 p. 60. 
e) m-^Hcicola Mull. Flora 1872 p. 466. 
i) granulosa Schaer. En,; 52: „semel modo legi"; vix ad 
eleg, pertineat. 

g.) biatorina Mass. sched. 52, Exs. 63. 

h) planta fulvominiata, praecipue centro thalli magis com- 
pacta. 

exs. Anzi m* r. 133 a;— hue quoque exempla lapponica a cL 
Hellbom collecta dacenda sint. 

i) discrefa Schaer. En. 52 (a sequente vix diversa.) 

exs. Schaer. 481. 

k) tenuis Wbg., Nyl Sc. 137, Th. Fries Sc. 168. 

exs. Hepp 906, Anzi m. r. 133 c. 

1) apoth. margo crenulatus: Nyl. Sc. 137, Th. Fries Sc 169. 

II. Spermatia recta, bacillaria, 0,004-^5 rarius 6 mm. lat. 

a) sporae latiores, medio inflatae, 0,015— 16 mm. Ig. 0,008—9 
mm. lat.; spermatia 0,005—6 mm. Ig., 0,001 mm. lat. 

4. Ph. callopisma (Acb.): habitus mollior, lobi magis appla- 
nati, latiores. 

exs. Schaer. 337, Mass. 103, Rabhst. 228, Hepp 907, Koerb. 
305, Erb. cr, it. I. 1379, II. 163; Malbr. 124, Arn. 488. 

/". sympagea Ach., Nyl. Flora 1873 p. 197, Th. Fries Sc. p. 
170. 

f. aurantia Pers., Schaer. En, 63. 
Ambo mibi ignotae. 



' > 



152 

5. Th. Heppiana (MUll. princ. 39): habitus strictior, lobi te- 
naiores, rigidiores. 

a) exs. Hepp 197, Rabhst. 198, 671; Arn. 380, Zw. 58, 
Mudd 96; 94 (sec. meam collect, non differt); Malbr. 125, Anzi 
444 a; Erb. cr. it. IL 164 

b) ad /*. centroleucam Mass. valde accedunt exs. Anzi m. r. 
134. a; Crypt. Bad. 533, Leight. 113. 

c) centroleuca Mass. Sehed. 50. 
exs. Mass. 58, Anzi m. r. 134. b. 

d) centrifuga Mass. Sched. 66. 

exs. Mass. 94, Arn. 381; (vitellina Mass. 95). 

e) murorum Mass. sched. 65, exs: 93. 

f) detriia Ma^s. sched. 66, exs. 96. 

g) areolata Th. Fries Scand. 169: forsan potias ad Heppi- 
anaiD, quam ad callop. pertineat. 

h) plicata Wed. (secundum specimen orig., a clar. Wed- 
dell communicatum a typica Heppiana non differt.) 

i) emissa Kplhbr. Lich. Bay. p, 142 (mihi ignota.) 

)s.) pumila m,i planta PA, murorum simillima; thalli pulvi- 
nuli dispersi; thallus minute orbicularis, ambitu plieato-lobatus, 
crassiusculus, apothecia speciei; sporae medio inflatae, sporobla- 
stiis polaribus saepe porrectis, 0,012 — 15 mm. Ig., 0,007 mm. 
lat.; spermatia baciilaria, 0,004 mm. Ig.. 0,001 mm. lat. 

Auf Tertiar-Sandstein bei Gorz, leg. Glowacki. Die Pflanze, 
welche in Gesellschaft der BlasL erythrocarpia wachst, bildet kleine, 
kreisrunde Polster, unterscheidet sich aber von der sehr ahnlichen 
Fh. murorum durch die characteristischen Sporen. 

b) sporae medio non inflatae, oblongae; spermatia 0,004—45 
mm. Ig., 0,001 mm. lat. 

6. Fh. decipiens Arn.: sporae 0,01£ 
mm. lat. 



18 mm. Ig., 0,007(— 8) 



a) exs. Arn. 222. b., 445 a. b. c; Rabhst 904. 

b) planta laetius colorata, sabfulvominiata. 
exs. Rabh. 850. 

c) Thallus praecipue centro compactus. 
exs. Arn. 382 a. b. 

d) planta lignicola, habitu moUiori, apoth. saepe subproinosa. 
exs. Arn. 446. 

e) P. mur. var. cirrhochroa Hepp in sched. ad banc speciem 

trahenda est. 



153 



*c- 



f) corticicola Nyl. Licb. Luxbg. p. 366 (mea praesumtione 

hue pertinebit) 

g) incrustans (Nyl. in sched.).: tota planta pallidior, thallus 
minus evolutus, subalbescens, glebulosus, margine indistincte 
sublobulatus, apoth. vitellina, sporae speciei. 

An alten Kalkmauern zu Paris, leg. Nylander, 

Ph. decip. ab aflfinibus duobus sequentibus differt thallo majore, 

lobis magis inflatis, non raro in sorediaconcoloriaefflorescentibus, 

sporis paullo maioribus. 

Leight. exs. 86 (: Gallop, citrinum) habitu Ph, decipienti sat 

similis, sed thallo non lobulato et sporis differt. 

7. Ph. murorum (Hoff.): sporae 0,012-16 in,m. Ig., 0,006—7 
m.m. lat. 

a) pulvinata Mass. sched. 66* 

exs. Schaer. 479, Hepp. 196, Malbr. 126. a, Leight. 207, 
Mudd 95, Mass. 97,98 (euphorea.) 

b) aurantia Schaer, Enum. 63: mihi ignota; compar. nota 
apud Hepp 397. 

c) hhilata (Smft.) Th. Fries So. 171. 
exs. Hepp 71, Anzi 29 (vix differt.) 

d) scopulorum Tb. Fries Sc. 171. 

e) gyalolechioides Miill. Flora 1867 p. 434 (sporae ut apud 
typum, sec. spec, originale auctoris.) 

f) cinnabarina (NyL prodr. 74.) Malbr. Lich. Normand. p 
133: apothecia centraliaintensius colorata; forma vix distinguenda. 

exs. Malbr. 126. b. 

g) ohliterata (Ach.?) Leight. L. of Gr. Brit. p. 176; planta 
miniata, thallus margine indistincte lobuiatus. 

exs. Leight. 268. 

h) miniata Anzi cat. 40; Thallus albescens, decoloratus, pa- 
nim evolutus, apothecia saturate miniata, dispersa; sporaeO,015 
16 mm. Ig., 0,007 mm. lat. 

exs. Anzi 30. 

i) Thallus parum evolutus, albescens, subareolatus nee loba- 
tos, apoth. pallidiora, liava, leviter pruinosa, sporae 0,015 — 16 
Dam. Ig., 0,006 mm. lat.; ad saxa cakarea prope Orival, Rouen, 
leg; Malbranche (nr. 35 in sched.) 

k) placibilis Kplh. Lich. Bay. 142 (mihi ignota.) 

8- Fh, pusilla Mass. sched. 67, microspora Hepp; sporae 
0,010—12 rarius 15 mm. Ig., 0,005 m.m. lat. 

a) planta epruinosa: exs. Mass. 99, Rabh, 363. 






254 



tt 



b) iMrgida Mass. sched. 67:planta plus minus pruina obtecta 
non raro roseola. 

exs. Mass. 100, 101 (euphorea); Hepp, 397, Arn. 383; 489 
(planta magis compacta, loco sicco crescens); Anzi 275 a, Zw. 
386; Erb. cr. it. I. 668. 

c) detrita Mass. mon Blast. 55. 

exs, Anzi Venet. 29 (sporis pleruraque vetustis, dyblastis.) 

d) subsoluta Nyl. Flora 1873 p- 197(ThalIu8 tenuis, diffracto- 
areolatus, hie inde margine paullo effiguratus vel incisocrenatus, 
epruinosus, areolae planae, apoth. non ^-aro singulis areolis im- 
posita, thallo laetius colorata, sporae 0,010 — 12 mm. Ig., 0,005 
6 mm. lat.); exemplum prope Collioure a celeb. Weddell collec- 
tum vidi; hue quoque pertinet planta prope Hyeres a cl. Metz- 
ler coUecta: nr. 73 in sched. 

e) miniata (Hoff., Th. Fries Scand. 170): planta. epruinosa, 
miniato fulvescens. — Nyl. Scand. 136; „sporae saepe minores, 

exs. Rabh. 141. ad 141,; Anzi 275 b. 

f) miniata: paullo minor, quam e), thallo roseo miniato. 
exs. Am. 384 a. b.: Anzi 391 (hue pertineat.) 

g) obliterata Koerb. par. 48 (secund. specimen orig, auctoris.): 
thallus subnullus vel minute glebulosus, ambitu non lobatus; 
apoth. numerosa. 

Ph. pusilla species est suspecta, dubiosa; formae d) et e) 
typica planta constantiores videntur; spermatia ut apud Ph, mu- 

rorum^ 0,004 mm. Ig., 0,001 mm. Jat. 
9 Ph. cirrhochroa (Ach) 

a) Exs. Schaer. 480, Hepp 398, Rabhst. 142, Arc. 160, Malbr. 

321, Anzi 31. a. b; 316 med. 

b) calcicola Anzi exs, 316 dextn, Arn. 160. b. 

c) fulva Koerb. par. 49, Anzi exs. 316 sin. 

d) obliterans 'Syl Flora 1874 p. 7 (: forsan species propria.) 
c) sporae dybiastae loculis approximatis, nonpolari-dyblastae, 

saepe curvulae, 0,022— 25 mm. Ig., 0,006— 7 mm. lat. (Gyalolechia.) 
10. Ph. australis m. (n. sp.): planta colore et exteriore ha- 
bitn Ph. Heppianae ^ini\lV\m2k; thallus ambitu plicato-radiosus, lobi 
leviter incisocrenati, apoth. aurantiaca, marginata ; spermogouia illis 
caeterarumPh. omnino simili3,rara, supra thalli lobes dispersa vix 
punctiformiprotuberantia, thallo intensiuscolorata,apotheciis conco- 
loria, spermatia recta, bacillaria, 0,004 — 45 mm. Ig., 0,001 mm. lat. 
An Kalkfelsen des Berges Krn im osterreichischen Littorale 

bei 6000', leg. Glowacki. 



155 



Erklarnng der Abbildungen. 



Fig. 1. Acht Sporen der PA. Heppiana f. piimila m/ 

Fig. 2. Vier Sporen der Ph, decipiens m., Rabhst. exs. 850. 

Fig. 3. Sieben Sporen der Ph. decipiens lignicola Arn. exs, 

446. 

Fig. 4. Sieben Sporen der Ph. ausiralis m. 

Fig. 5. Spermatien der Ph. australis m. 

Fig. 6. Spermatien der Ph. elegans. 

Fig. 7. Spermatien der Ph, medians Nyl., Arn. exs. 222, c. 



Pflanzenphysiologische Untersuchungen. 

Vou Dr. C a r 1 K r a u s in Triesdorf. 

I. Ueber die Natnr des CWorophyllfarbstoffes *) 

1. Es giebt kein Mittel, welches Chlorophyll ganz uuverandert 
in LSaung bringen wtirde. Versucht man au3 frisebeii oder ge- 
trockneten Blattern Chlorophyll init Benzol auszuziehen, so 
erb^lt man .nur eine gelbe Losung, die hochstens Spuren 
von Chlorophyll euthait. Uebergiesst man aber dieselben 
Pilanzentheile hierauf mit Alkohol, so lost dieser aofort Chloro- 
phyll in grosser Menge auf. Setzt man zu dieser alkoholischen 
ChlorophylUosung Benzol und scbiittelt wm, so geht alies Chloro- 
phyll in das Benzol, wahrend es in Benzol beinahe unloslich war, 
als dies auf die frischen oder getrockneten Pflanzentheile ge- 
bracht wurde. In Benzol lost sich also nur ein durch Ausziehen 
fflit Alkohol' bereits vcrandertes Chlorophyll, nicht aber das ur- 
sprungliche, so wie es sich in denPflanzen findet. 

2. Durch Ausziehen mit wasserigem Alkohol wird Chlorophyll 
nicht mehv verandert als durch Ausziehen mit *absolutem Alkohol, 



1) Anezug sms der Inaugural-Dissert, d. Verf. 

Einschlagige Literatur zur Beurfcheilung: Berzelius, Lehrb. 3. Aufl. Bd. 
VII. — Mulder, Versach einer a]]g-. physiol. Chem- 1844. — Fremy, Ann. «. 
nat. 1860; Compt. r. i865. T. LXI. — MarcMicheli, Arch. d. 3. biWioth. univ. 
d. Geneve 1867. — N. Muller, PriDgsheim's Jahrb. Ill, — Filhol, Ann. Chim. 
Phys. 1868. — Timiriaseff, Verb. d. 2. russ. Naturf.-Vers. Ret hot Zeit. 1860. 
— Gregor Kraua, Sitzgsber. d. phys,- med. Ges. zu Erlangenv. 7. Juniund 10. 
Juli t871, Mem. d. Ac. d. sc. d. Strasbourg Vol. VI. — Konrad, flora 1872. 
J. Sachs, Lehrb. d. Bot. IV. AuH. p. 46, 731. — Ueber ExtraktJTBtoffe bee, 
ScUowberger. org. Chem. p. 247. — 



156 



es giebt keine in Wasser loslichen gelben Zersetzungsproducte 
des Chlorophylls, die hiebei auftreten. Es ist richtig, dass sich 
Chlorophylllosungen mit Aether oder absolutem Alkobol und sei- 
che mit wasserhaltigemAlkhoI bereitet in den meisf en Fallen beim 
Abdampfen verschieden verhalten. Behandelt man namlich den 
RUckstand aus letzteren Losungen mit Wasser, so farbt sich das- 
selbe gelb and zwar mebr oder vreniger, je nach der verwende- 
ten Pflanzenspecies. Diese gelbe LOsung wird mit Alkalien 
braunroth und giebt an der Luft einenAbsatz, verhalt sicli also 
wie eine Losung der sog. Extraktivstoffe. Diese wurden, weil in 
wasserhaltigem Alkobol loslich, bei Behandlung griiner Pflanzen- 
theile mit demselben gleichzeitig mit Chlorophyll in Losung iiber- 
gefilhrt. In absolntem Alkobol oder Aether sind sie beinahc oder 
ganz unloslich; deshalb ist ein direkt aus frischen Pflanzenthei- 
len bereiteter atherischer Auszng in den meisten Fallen sehr 
War. Chlorophyll in absolutem Alkobol oder Aether gelost giebt 
in den meisten Fallen einen Abdampfungsriickstand, der in Was- 
ser keinen gelben Extraktivstoflf abgiebt. Reines, extraktivstoflf- 
freies Chlorophyll erhalt man durch wiedevholtes Auskochen mit 
Wasser, Trocknen, Ausziehen mit absolutem Alkobol; eingedampft 
giebt dies Chlorophyll an Wasser keinen gelben Farbstoff ab. 
Wird dies reine Chlorophyll in wasserhaltigem Alkohol gelost, 
so giebt der Abdampfungsruckstand an Wasser kein Gelb ab. 

3. Lasst man auf alkohoHsche Chlorophylilosung Saizsaure, 
Salpetersaure oder Schwefelsaure einwirken, so farbt sich die 
Fliissigkeit gelb, dann allmahlig biau, am raschesten mit Salpe- 
tersaure, so dass eineOxydation damit verbunden zu seinscheint. 
Aus diesem Verhalten folgt auch, dass Blau als solches nicbt ur- 
spriJDglicb im Chlorophyll vorhanden gewesen sein konnte. Scbiit- 
telt man diese blau gewordene Chlorophylilosung mit Benzol, so 
farbt sich dies gelb, die untenstehende Alkohol undSalzsaure ent- 
haltendeSchichte ist indigoblau Oder auch grun, jenach Menge und 
Concentration der Saure. (Fremy's Versucb in anderer Form). 

Durcb Saureeinwirknng auf Chlorophyll entstehen verschie- 
dene gelbe FarbstoflFe. Wird dasjenige Gelb, welches sofort auf 
Zusatz irgend einer Saure erhalten wird, (in alkoholischer Losung) 
mit Benzol geschuttelt, so nimmt Benzol nichts davon auf, wenn 
der Alkohol stark genng ist; ist er etwas wasserhaltiger, so ent- 
steht eine gleichmassige Farbung der beiden .Bchichten. Di^^ 
Gelb heisse Acidoxanthin. Setzt man Salzsaare zu und schlittelt, 

so spaltet sich dies Gelb in Blau und ein zweitesGelb, dasselbc, 



167 



welches beim Schiitteln alkoholischer ChlorophyUlosang mit Salz- 
saure und Benzol in das Benzol getreten ist. 

Wird diese zweite gelbe BenzoUlosung mit Alkohol geschiit- 
telt, so nimmt dieser, auch wenn er stark ist, Nichts oder fast 
Nichts von dem Gelb auf. Diess Gelb verhalt sich also umge- 
kehrt wie Acidoxanthin. Dieser Korper, von unbestimmter Zu- 
sammensetzung, heisse Xantbophyll im engeren Sinne. Dies 
\ Xantophyil ist noch waiter spaltbar; mit der Pipette herausse- 
; Lommeu, wieder mit Salzsaure geschtittelt, farbt sich diese wie- 
der blau. (Daraus evklarcn sich die Angaben Nagelis (Mikroscop 
11), dass Anthoxanthiu mit coneentrirter Schwefelsaure in Blau 
I libergebt, durcb Auswaschen wieder gelb wird.) Nach mehrma- 
liger Wiederholung des Schiittelns mit Saure erhalt man rein 
gelbes Benzol, wahrend die Salzsaure furblos bleibt Dies letzte 
nicht weiter in Blau und Gelb spaltbare Gelb heisse Xauthin. 
Es entste^it also der in Salzsaure geloste Korper nicht dnrch Um- 
andernng der geiben Stoffe in Blau, sondern durch Spaitung der- 
^elben in Xauthin und einen zweiten Korpei', der sich mit Sau- 
ren unter Oxydation blaut. Dieser Korper heisse Chlorin, well 
er im freien Zustande griin ist. Diese Zersetzung geht aber nur 
schrittweise vor sich, beginnt mit dem Acidoxanthin und endigt 
mit dem Xanthin; Chlorin und Xanthin sind allein bestandige 
chemische Individuen. Die Xantophyile bildeu eine genetische 
Reihe, in der ein Glied von dem anderen durch relativ grdsseren 
Gehalt von Xanthin radikal verschieden ist. 

4, Alkalien zersetzen das Chlorophyll in derselben Weise 
wie Sauren. Eine mit coneentrirter Kalilauge versetzte alkoholi- 
sche Chlorophylllosung erleidet scheinbar geringe Veranderung. 
Schtittelt man sie aber mit Benzol, so farbt sich dies gelb, die 
alkoholische Schichte ist intensiv griin. Das Gelb ist bei voll- 
standigerZersetzungXanthin. Der griine Korper ist Chlorinkali.Dies 
mit Salzsaure bis zur stark sauern Reaktion versetzt, farbt sich 
zuerst gelblich, dann in Blau oder Griin iibergehend, indem die 
erwahnten Saureverbindungen entstehen. Diese blaue oder griine 
Farbung ist keine einfache Losung des Chlorins in den Sauren, 
well die blaue Farbung auch nach Zusatz von Kalilauge bis zur 
stark sauern Reaktion bleibt, sie verhalt sich also wie die ge- 
paarten Sauren des ludigblaus. Zersetzt man die alkoholische 
Kaliverbindung mit Schwefelsaure, so scheidet sich schwefelsau- 
res Kali ab, in Losung bleibt Chlorin im freien Zustande, die 
Losung desselben ist grun, fluorescirt, wird mit SSLuren allmahlig 



153 

blau. Dnrch nascirenden Wasserstoflf werden die gepaarten 
Chlorinsauren (Chlorinschwefelsaure etc.) entfarbt, beim Abdam- 
pfen wieder blau, also ahnlich den Indigsulfosauren, Wird Chlo- 
rophyll mit Zink und Salzsiiure entfarbt und abgedampft, so 
wird Grlin erhalten, aber dies ist kein Chlorophyll mehr, sondern 
dieselbe Mischung von Blau und Gelb, wie sie durcb Zusatz 
einer starkeren Saure zu ChIorophylll6sung erhalten wird. Das 
griine Chloriukali und die Chlorin^^aure sind am Lichte sehr be- 
standig. 

Dieselbe Trennung wie mit Kali gelingt mit Barytwasser u. s. w. 

Una die chemische Natur des Cbiorophylls und seiner Eadi- 
kale ganz fest zu stellen, ist eine Darstellung von Xanthin und 
Chlorin in grosserer Menge nothwendig; die Methoden sind ein- 
fach: Xanthin erhait man durch Abdampfen der Benzollosung, 
Chlorin aus Chlorinkali und Eindampfen der alkoholischen Losung. 

6, Die durch Sauren aus Chlorophyll erhaltenen gelben 
Farbstoflfe stimmen mit natiirlich vorkommenden nahe iiberein. 
In die Kategorie der Xanthophylle gehoren Xanthophyli in alien 
grfinen Pflanzentheilen, in den meisten Herbstblattern, unter dem 
Namen Phykoxanthin in den Algen. Xanthin ist haufig in gelben 
Herbstblattern, selten in manchen sonst Anthoxanthin enthalten- 
den Bluthen, im gelben Theil des Maisendosperms; haufig finden 
sich in gelben Herbstblattern Chlorophyll, Xanthophyli und Xan- 
thin neben einander. 

7. Das Chlorophyll in lebenden Pflanzenzellen ist in fort- 
wahrenderUmsetzung begriflen und es sind dem Chlorophyll auch 
der kraftigst vegetirenden Pflanzen Xanthophylle beigemengt, die 
in diesen Fallen wohl nur als temporare Degradationsproducte 
zu betrachten sein diirften (Naheres dartiber spater). Zieht man 
daher griine kraftig vegetirende Pflanzen mit 80 — 907oigem Al- 
kohol aus^ setzt Benzol zu diesem Auszuge und schlittelt urn, so 
farbt sich Benzol griin, indem es fast alles Chlorophyll aufnimmt 
darunter bleibt eine alkoholische Xanthophyllschichte. Die griine 
Benzollosung verhalt sich vollstandig wie alkoholische oder atheri- 
sche Chlorophylllosung. Diese Trennung ist aber keine voUstiLn- 
dige, da Losungsmittel und Geldstes in einen gegenseitigen 
Gleichgewichtszustand treten. Eine Zersetzung des Chlorophylls 



kann hiebei nicht nachgewiesen werden. Mischt man anthophyll- 



freie Benzol-ChlorophylUosung mit chlorophyllfreier Xanthophyll- 
Benzollosung, so erhait man eine Mischung, in der beim ScbQt- 
telu mit Alkohol dieselben Erscheinungen eintreten. 



<^^ 



159 

Das Chlorophyll ist sonach ein einfacber Korper, keineMiach- 
ung aus mehreren, indem kein Unterschied dieses Grtins von 
reinem Chlorophyll aufzufinden ist. (Man erhaltalso das gleiche 
Resultat, me bei ahnlicher Behandlung der alkoholischen Aus- 
zuge vieler Algen, wo auch keine Zersetzung des Chlorophylls 
bemerkt wurde.) 

Die Beobachtung Miiller's beim Verdunsten eines Tropfens 
alkoholischer Chloropbylllosung eiklart sich einfach: zu ausserst 
bleibt ein gelber Saum von Xanthophyll, innerbalb desselben ein 
griiner Saum, ini Centrum des Flecks Chlorophyll in dickeren 
Lagen. 

Mit absolutem Alkohol gelingt dieTrennung nicht, abernicht 
desbalb, well durch wassrigen Alkohol Chlorophyll gespalten 
wiirde, sondern weil Benzol und absoluter Alkohol eine Mischung 
geben, keine Trennung in Schichten, was naturlich fur die Reak- 
tion absolut nothwendig ist. 



(Fortsetrang folgt.) 



Aukiindigmig elner botonto^lien Relse. 



Die erste botanische Reise der Herren Porta und Bigo 
nach Stid-It alien ist 1874 gelungen, und beide Herren treten 
heuer frUhzeitig die zweite Reise an, urn den Mte. Gargano, 
Terra d'Otranto und Taranto nebst den bohern Gebirgen 
des Volturno-Thales zu durchforschen. 

Wer sich in erster Linie an der Ausbeute betheiligen will, 

Daoge gtitigst die Pranumerationsbetrage ehestens ffir 1 — 5 Cen- 
turien a 10 fl. = 20 Mark einsenden an 



Rupert Hater in Sexten (Tifol). 



160 

InternatiODale Gartenbau-Anssteliung 

zn Eoln 

i in J a h r e l§95. 

Ihrer MajesUt der Kaiserin und KOnigin 

und 

Seiner Kaiserlichen und Koniglichen Hoheit des Kronprinzen, 



Wir bringen hierdurch znr Anzeige, dass wir vom 25« August tola 
26. September d. J* eine,, Internationale Gartenbau-Aus- 
»telluns^< In den Anlagen der hiesigen CSartenbau-ttesellseliaft 

JFCiORA uad deren Angrenzungen veranstalten- 

Zur Ausstellung werden zogelassen: 

a. AUe Arten und Gattungen von Pflanzen nndBSumen des Gartenbaues, 

sowohl aus dem freien Lande, als aus Warm- und Kalt-H&usern. 

b. Sammtliche Producte des Gartenbaues, als Friichte und Gemiise in 
friscbem, getrocknetem und conservirtem Zustande, Erzeugnifise des 
Pflanzensaftes und' der Pflanzenfaser und Fabrikate daraus, Bienen- 
zueht und deren Erzeugnisse, Samereien aller Art. 

c Garten- Architektur, als: Gewacbshauser, Gartenhauser, Veranda's, Gar- 
tenmSbel, Brucken, Teich-Boote, Voli^ren, Wege, Gartentliore,Spa]iere, 
Felsen-Tunnel-Grotten, Bauten, Terrarien, Aquarian, Einfriedigungen, 
Entwiirfe und Pl?ne. 

d. Garten-Ornamentik, als: Springbrunnen, Statuen, Vasen, Einfass- 
ungen etc. 

e. Gartengerathe und Maschinen, alfl: Pumpwerke, Brunnen, Beriesel- 
ungs-Apparate etc. 

£ Gartnerische Sammlnngen. 

g. Kunstliche Friichte, Blumen und Pflanzen. 

h. Fossile Pflanzen und Friichte. 

i, Gartenbau-Literatur. 

Demnachst werden specielle Programme fiir jede Abtheilnng ttber die zu 
ertheilenden Preise und Auszeichnungen, so wie uoer die Anmeldungs-Termine 
auBgegeben. Ein Standgeld wird nicht erhoben. 

,,Wir fordern alle Pflanzen- und Frucht-Zuchter, alle Gartenliebhaber, alle 
„Fabrikanten und Technikcr, welche zum Gartenbau und zur Landflchawts- 
„g»rtnerei dienende GegenstHnde anfertigen, die Fabiikanten von kiinstlichen 
„Frachten, Blumen und Pflanzen, so wie die Besitzer fossiler Pflanzen 
„und Friichte zu einer umfangreichen Betheiligung an diesem Unternen- 
„men auf." 
Gesuche um Auskunfi und specielle Programme sind portofrei an die 
Gartenbau-C^aellscbaft FLORA zu richteu. 

K 0,L N , im Februar 1875. 

Das eeneral-Comit^ 
der iateraationalen G^artenbau-Ausstelliuigr* 



Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'scbeu Buchdrackerei 

(F. fiuber) in R^ensburg. 








58. Jahrgang, 



m 11. 



Regensburg, 11. April 



1875. 



lnlialt« Dr. Leopold Dippel: Einige Bemerkungen uber die Struktar 
der Zellhtille von Pinus silvestris. — Dr. Heinrich Wawra: Beitrage 
zur Flora der Ha-wai'schen Inseln. Fortsetzung. — Einlaufe zur Bibliothek 
nnd zum Herbar. 



Einige weitere Bemerkungen iiber die Struktur der 

ZellhuUe von Pinus 9iivestris 



von 



Professor Dr. Leopold Dippel. 

Als ichim vorigen Jahre meiae Bemerkungen iiber die Struktur 
der Zellhtille von Piniis silvestris veroifentlichte, geschah es in 
der Voraussicht, dass es Dr. Sanio weder an Gegcnberaerkungcn 
noch an moglichst scharfer Kritik fehlen lassen wurde. Die 
Sache ist^ nun nach der neuesten Veroffentlichung Sanios in 
diescr Zeitschrift doch nicht so sehliinm geworden, als icli es er- 
wartet batte. Wo Sanio meine Darsteliiiug angreift, da driickt 
er mir haufig genug selbst die Waffen in die Hand, mit denen 
ich seine Streiche pariren kann. Ausserdem hat er mir sogar 
in einzelnen nicht ganz unwichtigen Punkten, wenn nucli nichi; 
gerade mit leichtem Herzen nachgegeben. Das ist mir sehr er- 
freulich and lUsst mich der Hoffnung Raum geben, dass, wenn 
Sanio noch etwas genauer zusieht, als er dies bereits gethau 
hat und wenn er sich nicht bios darauf beschrankt, seine friihere 
Ansicht fiber die von mir angegriflfenen Beobachtungsresultate 

Flora 1875, 11 



163 

einfach wiederholt zu behaupten, eine ziemHch vollstandige Ueber- 
einstimmung in unseren Auflfassungen erzielt werden dlirfte. 

Was den Inhalt der Gegenbemerkung betrifft, so werde ich 
beimeinerschon angekiindigten uinfangreicheren Arbeit eingehender 
auf die einzelnen Punkte derselbeu zu sprechen kommen, meine 
Beobacbtungen durch die entsprechenden, io meinen Praparaten 
ihre Originale findenden Zeichnungen belegen und meine An- 
sichten umfassendcr begriinden. So lange miissen, da icb mich 
auf weitere vorherige Erorterungen nicht mehr einlassen werde, 
Sanio sowohl, als die ubrigen Leser auf die nothigeVollstandigkeit 
yerzichten und will icb, selbst auf die Gefahr bin in ein und dem 
andern Punkte nicbt ganz klar zu sein, nur einige Andeutungen 
bringen, daniiteswenigstens nicbt den Anscbein babe, als babe mieb 
der Verfasser der Gegenbemerkung mundtodt gemacht. 

Ueberdie Verfliissigung und Aufsaugungder Cambiummutter- 
zellen babe ich bereits in meiner Arbeit „Die Intercellularsub- 
stanz und deren Entstebung" (Nieuwe Verbandelingen von bet 
BotaafschGenootschap. Rotterdam 1867) gelegentlich derBesprecb- 
ung der von Sanio 186l> (bot. Ztg. pag 362) aufgestellten Hypo- 
tbese yon der Persistenz dieser Mutterzellen das Erforderliche 
gesagt und wird ihra daraus wohl klar werden, wovaus icb die 
Verfliissigung der Mutter-Zellen erscblossen babe. Die erwiinscbte 
Belehrung war also langst vorhanden, dass dieselbe Sanio nicht 
bekannt, dafUr bin nicht ich verautwortlicb. Ich werde auf diese 
Frage seinerzeit nocb etwas naher zuruckkommen und Material 
fUr die Begrundung meiner Ansicht beibringen. Ich muss aber 
bier doch fragen, ob Sanio denn je einmal eine Cladophora mit 
den in einander geschachtelten Zellbullgenerationen betracbtet und 
ob er sich bei Uebertragung dieses Strukturverbaltnisses auf die 
geschlossenen Gewebe nicht die Ungeheuerlicbkeiten des Baues 
Yor Augen geftihrt hat, die damit in denselben zu Tage treten 
mtissten, die aber bis heute von Niemanden beobachtet worden 
sind. Wo treten im Cambium noch die erhaltenen jUngsten Ge- 
nerationen der Mutterzellbiillen aui? und wo sind denn die Sum- 
men der alteren Generationen verblieben, die (selbst wenn man 
Sanios Ansicht von dem Vorhandensein nur einer Cambiumzelle 
bcipflicbten vvoUte, wobei allerdings in der tangentialen Wandung 
nur drei und bei wiederhoiter Tbeilung von jungen Holz- und 
Bastzellen vier bis fUnf Zellhullfienerationen zusammentreten) 
gerade zwischen den jiingsten Zellen der Cambiumregion auftre- 
ten mtissten? Woraus hat Sanio das Vorhandensein dieser bun- 



\ 



163 

dert und aberhundert Zellbiillgeneration erschlossen? Und wo- 
raus hat er erschlossen, dass \m jungen Stammholze, welches 
allerdings meiner Fig. 1 Tafel VIII der botanischen Zeitung 
1860 zuGrunde gelegen hat, diese Zellhiillgenerationea nicht ver- 
blieben seien? Ich meine doeh auch dort miisste, selbst bei nur 
wenigen Jahresriugen, schon ein gut Theil davon vorhanden und 
bemerkbar suiu! lat sich denu Sanio nicht bewusst, dass er sich 
hier im Widerspruche mit sich selbst befindet? Zustande, wie 
sie Sanio in den Figuren 2 Tafel V und 3 Tafel VII abbildet, 
habe ich schon auf der Tafel II der oben angezogeuen Abhand- 
lung gezeichnet, also vor mir gehabt; und als ich meine Bemerk- 
ungen niederschrieb, standen mir eine guteAnzahl Prapavate aus 
100 und liber 100 Jahre alten StSmmen zu Gebote. Was aber 
konnten mieb diese Zustande lehren? Einmal, dass Sanios Fi- 
guren — und ich kann leider mit diesem Ausspruche nicht zu- 
rtickhalten — eben ganz entschieden nicht genau der Wirklich- 
keit entsprechen. Denn so, wie Sanio gezeichnet hat, zeigt 
kein guter Schnitt den Sachverhait. Zum andernmale, dass 
zwischen den immer doppelt, nie einfach (wie es Sanio 
theilweise zeichnet) contourirten Htilleu der Cambium- jun- 
gen Holz- und Bastzellen eine strukturlose, in ihrer Machtigkeit 
keineswegs hunderten von Zeilbiillgenerationen entsprechende 
Masse vorhanden ist, in der hie und da einmal in Umbildung 
begrififene Reste von den einmal intakt vorhandeneu Mutterzell- 
hiillen, nie aber diese selbst ganz erhalten auftreten. Man mag 
sich hier drehen und wenden, wie man will, man muss erkennen 
dass man es hier mit einem Produkte chemisch-physikalischer 
Veranderung, mit einem Produkte der Auflosung zu thun hat, dus 
theilweise zwischen den tangentialen Hiillstucken (wo es in ein- 
zelnen Fallen iibrigens auch noch recht 4eutlich sichtbar ist) 
heraus und in besonderer Machtigkeit zwischen die radialen 
Hullstucke gedrangt ist. Auch die vergle ihende Beobachtung der 
Dimensionsverhaltnisse dieser Zwischenmasse, auf welche ich 
seinerzeit etwas eingehender zurtickkommen werde, entscheidet 
fur die Sanio'sche Auffassung nicht giinstig. Ich weise vorlaufig 
nur Sarauf bin, erstlich, dass es sich nach devselben schwer er- 
klaren liesse, wie gerade zwischen den Cambiumzellen und den 
jiingsten aus ihnen hervorgegangenen, verhaltuissmassig noch 
weichen, keine besondere Druckkraft ausiibenden Elementen, wo 
sie doch am starksten vertreten sein mtisste, die Zwischenmasse 
haufig nur in den Eden stark angehauft erscheint, wo sich vier 

11* 



164 

Zellen mit abgerundeten Ecken einander gegenuberstehen, wglh- 
rend dieselben zwischen den Ubrigen Theilen der radialen HuU- 
stUcke verschwindend klein crscheict; dann wie die Zwischen- 
masse zwiscben vor kurzem eingescbobeiien, aus radialer Tbeil- 
ung hervorgegangenen Zeilreihen oft nichl minder reich vertreten 
ist, als an andern Steilen, an denen sich eine weit grossere An- 
zabl von MutterzellhUligenerationen angehauri; haben milsste (Ver- 
gleiche aucb Sanios Fig. 1 Tafel V). Die Dicke der radialen 
Cambiumwande konnte mir bier umsoweniger zu denken geben, 
als dieselbe — die von Sanio vvohl hinzugezahlte Zvviscben-Masse 
abgereebnet — nicht so ausserordeutlich in die Augen fallend 
ist, Wenn die radialen aucb etwas dicker siud, als die tan- 
gcntialen Hullstucke, so spricbt dies doch keineswegs fur ihr 
Zusaminengesetztsein aus Mutter- und Tochterzellbullen. Dass 
sich die in einem Uebergangsstadinm befindliche Zvvischenmasse 
durch Chlorzinkjodlosung mehr oder minder deutlich violett 
farbt, babe icb scbon a. a. 0. und vor Sanios Arbeit mitgetheilt, 
hat aucb Schacht sclion vor langou Jabren gesehen und gezeich- 
net. Diese Farbung liefert aber fiir sich allein keinen Beweis 
flir das Verbleiben der MutterzellhulIeD und Sanio wird nun vvobl 
begreifen, wie ich aucb angesichts seiner Abbildung Tafel Vll 
(nicht III) Figur 4 die Auflosung und Aufsaugung der Cambium- 
mutterzellen aufrecht erhalten konnte ui^d noch aufrecht 
erhalte. 

Dass icb mit Herrn Sanio wieder einmal in Differenz in 
Beziehang auf Farbe gerathen bin, bedaure ich, muss es aber 
hinnehmen, da meine Lehrmeisterin die Natur ist. Deshalb babe 
ich meine frlihere Ansicht Uber die Farbung der sogenannten ter- 
tiaren Membran welche auf einer, wie sichjeder tiberzeugen kann 
gerade bier und namentlich bei Farbung dlinner Schnitte mit 
Jod und Schwefelsiiure leicbt moglichen, optischen Tauschung 
beruhte, bereits scbon lange geandert (Siehe mein Mikroskop 
Bd. II). Aus dem gleichen Grunde muss ich aber aucb daran 
festbalten, dass die cambiale Zellhulle nicht aus Zellstoff bestebt 
und dass sie ungefarbt bleibt. Zwischen den jungen Holz- 
und den Bastzellen ist dies auf feineri, ganz senkrecht zur 
Langsachse der Zellen gefubrten Querschnitten namentlich bei 
der Reaktion mit Jod und Schwefelsaure unzweifelhaft zu erken- 
nen und babe nicht ich allein es beobachtet, sondern aucb An- 
dere. Fiir meine Farbenangabe spricbt aucb das Vevhalten im 
polarisirten Lichte. Die cambialen Zellhiillen leuchten im dun- 



165 

keln Gesichtsfelde nicht, wahrend die Zellstofihiille sofort ihrDa- 
sein durch entschiedenes Aufleuchten bekundet. 

Wenn Sanio meine Angaben iibev die Entwickelungageschichte 
der Verdickung mit Entschiedenheit zuriickweisen will, so muss 
er diese Zurtickweisung doch" mit etwas triftigeren Griinden be- 
legen, als dies bisher und in seiner Gegenbemerkung geschehen 
ist. Das Nichterkennen eines Strucktnrverhaltnisses ist noeh kein 
giltiger Beweis fur desseu Nichtsein. Hat aber Sanio wirklieh 
so dtinne Scbritte zur Beobachtung verwendet, wie er dieselbe 
nach einem friiheren Berichte zu machen versteht, so ist es in 
der That umbegreiflich, dass er nicht schon an frischen, beson- 
ders aber an mit Kali behandelten Querschnitten geseben haben 
soil, wie innerhalb der primaren Zellhiiile zuerst eine starker 
licbtbrechende (die sog. tertiare) und dann erst zwiscben dieser 
und der ersten eine minder licbtbrechende, sich idurch Intusu- 
sception verdickende Schicht (die sog. sekundare) entwickelt. 
Meine Praparate zeigen dieses Strukturverhaltniss so klar, dass 
es auch von einera weniger Geiibten nicht iibersehen warden 
kanu. Und dieser Sachvevhalt ist denB auch nicM von miv allein 
sondern auch von audern, so z. B. von meinem Collegen, Herrn 
Professor Dr. Eimer erkannt worden. An einem Praparate, 
welches nach mehrtagigem Liegen in stets erneuerter Chlorzink- 
jodlosung in Jodglycerin aufbewahrt wurde, bat sich die Farbung, 
wenn sie auch etwas abgeblasst ist, bis heute noch recht gut er- 
halten. Dasselbe bestatigt auch heute noch, dass ich meine in 
der Flora gemachte Mittbeilung Uber diesen Punkt in ihrem, 
ganzen Umfange aufrecht erhalten darf, dass dagegen Sanios 
Figuren 3 und 4 Tafel VII sowieFigur 1 Tafel VIII. in der so- 
gar bei den schon stark verdickten Holzzellen jede Andeutung 
der innersten, starker lichtbrechenden, sich blasser farbenden 
Schicht fehlt, mit dem Sachverhalte in der Natur entschieden in 
Widersprnch stehen. Woran es liegen mag, dass Sanio dieses 
eminent deutliche Strukturverhaltniss nichterkennen kann ist mir 
nicht klar. Sanios Figur 4 Tafel VIII babe ich zur Zeit kein Praparat 
an die Seile zu stellen. Dieselbe falU indessen, wenn sie Uber- 
haupt richtig aufgefusst und nicht auch bei ihr, wie bei den eben 
angezogenen Figurender Unterschied in der Farbung der sekun- 
daren Verdickung iibersehen ist, den anderseitig erlangten Beo- 
bachtungsresultaten gegeniiber nicht niehr ins Gewicht. Was 
Sanio mit dem in dem eben be^^procheuen Absatze seiner Gegen- 
bemerkung geftibrten leeren Wortgefechte uber Wachsthum durch 



166 

Intususception oder Apposition bezwecken will, ist mir umsowe- 
niger klar als meiiie Darstellung keiBerlei VeraulassuDg dazu 
gegeben haben kann. Jeder Unbefangene der meine „Beinerknngen" 
mit dieser Stelle vergleicht, wird finden, dass ich dort ausdriick- 
lich an der betrefienden Stelle gesagt babe: ,,Soviel ist aber ge- 
wiss, dass be! fortsehreitender Verdickung nur die mittlere, weniger 
stark lichtbrechende, sich dunklev violett farbende ScMcbt durch 
Jutususception in die Dicke wachst.'' 

Was Sanio in ersterEeihe gegen meine Darstellung von der 
Entstehung der primaren Zellstoffbulle innerhalb der eambialen 
nicht aus Zellstoff bestehenden TochterzellhUlIen angefuhrt, wider- 
legt sich schon theilweise durch das Voranstehende dieser Be- 
merkungen. Weiteres Material zur Widerlegung seiner Ausstel- 
lungen bringt der Verfasser der Gegenbemerkung dann selbst 
iu dem gespervt gedrackten wwi in dera darauf folgeuden Satze 
(Seite 552.) Man lese dieselben nur einmal mit Aufmerksamkeit 
durch und es wird dartiber von meiner Seite keiuer weiteren 
erklarende Silbe bediirfen. Hier ware Sanio ubrigens besser bei 
einer fruheren Annahme — die sich allerdings nicht mit der 
Hypothese von der Persistenz der Mutterzellen vertragen wolite 
— stehen geblieben. Die Umkehr kommt seiner Ansicht nicht zu 
statten. Stelle sich derselbe doch einmal auf den Standpunkt 
des Pbysikers und er v?ird bald finden, vfa?^ es mit der Compri- 
mirung verhaltnissmassigsocolossaler Wanddicken aus organische 
Substanz, wie sie in Figur 4 Tafel VII in den Reihen 1 und 2 
gezeichnet sind, fur eine Bewandtniss hat. Ich nebme an, dass 
die cambialen Tochterzellhullen wahrend dieZwischenmasse allma- 
lig der Aufsangung anheim fallt, theils durch die radiale Aus- 
dehnung, weJche bei dem vorliegeuden Entwickelungszustande auch 
auf die tangentialen HulIstUcke nicht ohne Einfluss bleiben kann, 
theils durch den unzweiMhaftea und bedeutenden Wasserver- 
lust in dem Masse verdiinnt werden, dass sie unter Umstanden 
sich ganz der Beachtung entziehen, Daraus erklart sich denn 
auch dass die Yerdickung der Zellhullen bei der sowohl in dem 
jiingsten Holze, als in dem Baste noch eine Weile fortdauernden 
Ausdehnung und,Wasserentziehung nicht merkbar wird. 

Beziiglich des Verhaltens der Holzzellen bei der Mazeration 
will ich nur bemerken, dass ich grosse Zellenreihen in durch 
nnteibrochene Mazeration erhaltenen Praparaten \or m\v babe, bei 
denen in den tangentialen Theilen der Intercellularsubstanz aucb 
nicht eine Spur von den Dickenunterschieden vorhandenist,Yon 



167 

denen Sanio auf Seite 553 spricht, und welche, wie derselbe wieder 
auch nur erschlossen nicht aber beobachtet hat, vorhanden sein 
nu'issten, wenn an der Bildung der Intercellularsubstanz eine 
verschiedene Zahl von verbliebenen Mutterzellhiillen theilgenom- 
men batten. Ebenso wenig finde ich auch nur eine Stelle, wo 
die Intercellularsubstanz zwischen den tangentialen Theilen der 
primaren Zellhiillen fehlt. Ueberall ist dieselbe, ohne dass sie 
durch Quellung irgend sehr bedeutend an Dicke zunimmt, in tan- 
gentialer Richtung in annahrend gleicher Dicke vorhanden. 

Im tibrigeu muss ich bei meiner frliheren Darstellung stehen 
bleiben und kann ich dieselbe in Folge der Gegenbemerkung 
keineswegs als widerlegt b.etrachtea. Dass der vermeintliche 
Nachweis von Zellstofif in der Intercellularsubstanz auf einer durch 
Lichtwirkung veranlassten optischen Tauschuug beruht, worauf ich 
schon in meiner genannten Abhandlung hingevviesen habe (in der 
sich auchDarstelluDgen solcher Praparate befinden, welche nach Ma- 
zeration in Salpetersaure und chlorsaurem Kali und darauf folg- 
ende Einsenkungin Kalilaugenait Clorzinkjod behandelt wurden), 
das moge auch uoch aus dem Folgenden hervorgehen: 

Holzschnitte, aus denen der HolzstoflF voUstandig ausgezogeo 
ist, zeigen keinerlei Farbung der sammtlichen Zellhiillschichten 
durch Anilin ; wo dagegen eine auch nur verschwindend kleine 
Menge von Intercellularsubstanz zuriickgeblieben ist, da wird diese 

soiort intensiv roth gefarbt und es erhalt sich diese Farbung 
dauernd. Wiirde der gebliebene Hackstand aus Zellstoff besteben 
\ so uitisse derselbe ebensogut, wie die von ihrem Holzstoff befrei- 

ten Zellhiillen ungefarbt bleiben. Wie endlich will Sanio das 
Verbalten der Intercellularsubstanz gegen concentrirte Schwefel- 
saure mit seiner Ansicht vereinbaren? Durch letztere wird nur 
jene — und auch dann, wenn sie nurnoch in verschwindend 
kleinen Mengen vorhanden ist — nicht gelost, wahrend alle 
ubrigen Zellhullsehichfen der Auflosung verfallen. Es ware doch 
wunderbar, wenn die geringe und zudem ausserst gelockerte 
Zellstoffraasse diesem Reagenz starkeren Widerstand leisten 
soUte, als der Zellstoff der primaren und sekundaren Hlillschich- 
ten. Ferner zeigt die Intercellularsubstanz in nicht verholzten 

Geweben, z. B. in dem Baste von Pinus silvestris^ in dem Rin- 
denparenchym krautartiger Gewachse, in dem Sameneiweiss u. s. 
w., wo sie wie die Zellen derselben nicht verholzt ist, ebenfalls 
nicht die Zellstoffreaktion. Wahrend sich die Zellhullen mit Jod 
und Schwefelsaure blau, mit Chlorzinkjod violettblau farben, bleibfc 



"♦» h 



^ X 



■J H 



168 



jene, wie ich schon 1851 nachgewiesen habe, ungefarbt uBd stellt 
innerbalb des gefarbten Gewebes ein weisses Netzwerk dar. 
Gegen die Losnogsmittel wie gegen concenfrirte SchwefelsMure 
verhillt sie sich hier geradeso und nicht anders, wie im Holze. 
Wie will denn Sanio dieses Verhalten deuten^ Auch das Ver- 
halten im polarisirten Lichte spricht dagegen, dass die Intercel- 
lularsubstanz aus den verbliebenen undstarkst verholzten Mutter- 
zcUhuUeu hervorgegaDgen sei und noch KilckstandevoD ZeUstoS 
enthalten. Es ist bekannt, dass diejenigen ZellhulUheile am 
starksten im dunkein Gesichtsfelde leucbten, welche am dicbte- 



sten und am starksten verholzt sind (bei Pinus z. B. 
mare Zellhiille und innerste secundare 



miisste die 



die pri- 
Schicht). Demgemass 
Intercellularsubstanz eiuen entschiedeuen Einfluss 



auf das polarisirte Licht aussern. Dem ist aber, wie ich nach- 
gewiesen habe und wie sich Jedermann leicht iiberzeugen kana, 
nicht so, Dieselbe erscheint vielmehr mit demselben Verhalten, 
wie die cambiale Tocbterzellhtille. Dass endlich mein Nichts 
wirklich Nichts, als das zwiscden die getrennten Zelien getre- 
tene Aufbewahrungsmittel ist, geht daraus hervor, dass sich die 
Zelien eines nach der Losung der Intercellularsubstanz noch 
einigermassen in Zusammenhang gebliebenen Praparates durch 
die Nadel sofort trennen lassen, ohne dass auch nur eine Spur 
von einem inneren Netzwerk zuriickbleibt, wahrend letzteres bei 
nicht erfolgter vollstandiger Losung sofort erkannt wird. Ich 
habe eben noch frisch angefertigte derartige Praparate vor mir, 
welche mehrere Tage lang mit stets erneuerter ChlorzinkjodlOs- 
ung behandelt worden sind. In denselben finden sich neben 
solchen Stellen, wo das Mazerationsmittel seine voile Wirkung 
geaussert hat, also die Zelien getrennt erscheinen noch einige 
solche, an denen noch zusammenhangende Sttjcke und einzelne 
Spuren der Intercellularsubstanz verblieben sind. Beide werdeu 
fiberall noch mehr oder minder hellgelb bis weiss gefarbt, wah- 
rend die primaren HUUschichtendeutlich blau mit einem Stich in's 
Violette, die secundaren intensivrothviolett erscheinen. Nirgends 
igt zwischen den Zelien auch nur ein Schein von Blau zu ent- 
decken. Der Zwischenraiim bei isolirten Zelien ist nach Ver- 
duustung des Jodes in der FlUssigkeit rein weiss wie das Ge- 
sichthfcld. Da wo die Zelien noch sehr nahe aneinander liegen 
tritt in Folge derLichtbrechung und Spiegelung eher eine schat- 
tenartige rothviollette als eine blaue Farbung auf. Die von Sa- 
nio fUr den Zellstoflnachweis angefuhrteFigur I Tafel VII leidet, 



^ 



+ : 



I 1 






^ , X 



169 

wenn die in den violett gefarbten ZelMUtheilen gezeichneten 
Doppclconturen jetzt als Ausdruck der primaren Zellhiillen gelten 
soUen, ausserdem dass die Farbung iiicht den Thatsachen ent- 
spricht, an Uebertreibung. Bei der gemeinen Kiefer ist das 
Netzwerk der Intercellularsubstanz ausserst zart, selbst bei Pinus 
canariensis, wo dieseibe in grosserer Menge vorhanden ist, er- 
reicht es niemals die Starke, wie es in der angezogenen Figur 
gezeichnet ist. Praparate, welche zu einer AufifassungVeranlass- 
ung geben konnen, wie sie in der Figur 2 Tafel VII bervortritt, 
habe ich neben solchen, wo das theilweise entleerte Netzwerk 
ganz evident bios aus Intercellularsubstanz besteht und demge- 
mass gefarbt erscheint, gleichfalls zur Hand und bin ich durch 
seiche vor genauester Untersuchung fast selbst irre gefuhrt wor- 
den. Sie sind durch Losreissen der primaren Zellhijlle von der 
sekundaren Verdickung entstanden und es liegt inihnenerstere — 
aber imnierhin in getrennten Blattern — als scheinbare Intercel- 
lularsubstanz zwischen den anscheinend intaktenZelJen, Dass wir 
es aber hier nicht mit Intercellularsubstanz, sondern mit dem 
genaunten Zellhulltbeile zu tbun haben, dariiber belehrt sofort 
das polarisirte Licht. Ftir das Nahere hieruber namentlich fur 
genaue bildliche Darstellung muss ich auf spiiter verweisen, ich 
wollte aber den Fall nicht unerwahnt lassen. Die diflFerenzirt 
verholzten Zellen angehend, auf deren Diskussion ich vorlaufig 
nicht einmai grossen Werth lege, brauche ich nur zu erwahuen, 
dass niir Zustande, wie ich sie schilderte in der That vorgelegen 
haben und noch vorliegen- 

Dass ich bei der Hofporenbildung die Wirklichkeit nicht 
kenne, habe ich meines Wissens nicht behauptet. Ich habe vieU 
mehr gesagt, dass ujeineUntersuchungen iiber diesen Gegenstand 
noch nicht abgeschlossen seien. Daraus geht aber nicht hervor, 
dass ich noch etwas anderes und vielleicht etwas mehr gesehen 
habe, wie Sanio. Leider habe ich auch in dieseni Sommer u. zw. 
wegen der im Gange befindlichen Verlegung desbotaniscben Gartens 



nicht viel weiterkomnien konnen. Einigc neuere Praparate geben 
mir aber keinen Grund von meiner geausserten Ansicht abzugehen. 
Fertige Zustande u. zw. sowohl diflferenzirter, als nicht differenzirter 
Verholzung (und ich sehe nicht ein warum solche nicht beweisend 
sein sollen) sind derselben entschieden gunstig. Auch spricht 
die Analogic in dcm Bane der sogenannten einfachen geschlossenen 
Poren dafur. Betrachte doch Sanio einmai diese Poren an gelun- 
genenPraparaten aus dem Sammeneiweiss von Phytelephas^Phoe- 



^ 



170 



nix u. s. w. aus dem Marke von Taxodium, den Collenchym 
Yon Cereus und er wird sich naruentlich auch an Mazerati- 
onspraparaten auf das bestiinmteste davon iiberzeugen konnen, 
dass der Verschluss derselben in der von Hartig (schon 1842) 
geschilderter Weise gebildet wird. Dass die Entwicklung bei den 
Hofporen eine andere, als hier sein solle, daftir kann ich keinen 
Grand finden. Auch iiir die Entwicklungen der Hofporen stehen 
nach diesen Andeutungen meine Beobachtungsresultate mit der 
Figur Sanies nicht in EinklaBg. Ich babe dieselben bis jetzt und 
das ist etwas was weder Schacht noch ich 1860 richtig erkannt 
hatten — in ihren ersten Anfangen immer erst da auftreten sehen, 
wo sich die Anlage der innersten sekundaren Verdickungsschicht 
(der tertiaren Membran) zeigt. Dafiir scheinen mir sogar auch 
die Figuren 6, 7, 8 Tafel X von Sanio zu sprechen, welche mit 
der Figur 4 Reihe c und d in Bezug auf den Fortschritt in der 
Hofbildung ofifenbar in Widerspruch stehen. Denn man kann 
doch wohl nicht gut annebmen, dass der Hof in jlingeren Zellen 
schon weiter entwickelt sei, als in alteren, mit schon vorhandener 
sekundarer Verdickung. Dass meine Behauptung von der Auflo- 
sung der primaren Membran im VerJaufe der Primordialporen 
so nngeheuerlich sei, kann ich nicht einsehen. Sie ist es gewiss 
nicht in boherem Grade, als die Behauptung Sanies, dass sich die. 
primare Membran bis zu einfacher Contouriruug verdiinne, nm 
sich dann in der Mitte wieder zu verdicken. Uebrigens babe 
ich nicht behauptet, dass zuerst die primare ZellhtiUe aufgelost, 
werdc und sich dann erst eine neue Schliesshaut bilde. Die Auf- 
losung erfolgt vielmehr (ganz so, wie es bei den einfacben Peren 
geschieht und wie man es hier aus dem Vergleiche fertiger Zu- 
stande slcher erscbliessen kann) wahrend des dem Copulationsvor- 
gange vergleichbaren Gegeneinanderwachsens der inneren sekun- 
daren HuUschichten. Wenn Sanio will, so ist, wie aus der Ent- 
wicklungsgeschichte bervorgebt, der weichere aussere Theil der 
sekundaren Verdickung in der That ein Fullsel zwischen der pri- 
maren ZellhUlle und der innersten sekundaren Schicht (der sog. 
tertiaren Membran). Ob sie aus der letzteren, mit der sie in 
innigem Zusammenhange steht, durch Differenzirung hervorgehe, 
Oder auf andere Weise entstehe, das babe ich vorlaufig noch un- 
entschieden gelasseu. Dass sie selbstandig in die Dicke wachst, 
wahrend die primare Zellhiille und die innerste Schicht 
keine weitere Wachsthumserscheinung zeigen, ist uuzweifel- 
haft. 




L' 



171 

Die schliessliche Herzensergiessung Sanio's, welche mein 
harmloser und doch wohl berechtigter Wunsch veranlasst hat, den 
ich in meinem Aufsatze in Nr. 17 1874 ausgesprochen, lasst mich 
wtinschen, dass Sanio, statt sich von seiner wohl etwas gereizten 
Stimmung leiten zu lasscn, meine Worte entweder ein wenig 
genauer angesehen, oder ein besseres Verstaudniss derselben 
gezeigt batte. Ich batte, da icbSanioebenaowobl wie mich eelbst 
als Parthei betrachten musste, nur gewiinscht, dass die Revision 
unserer Beobacbtungen von anderer — allerdings berufener 
Scite in die Hand genommen warden mochte. Herrn Sanio ah 
nicht berufen zu betrachten, wie er anzunehmen geneigt scheint, 
konnte mir umsoweniger in den Sinn komnien, als ich oflFen ge- 
standen seine uns schon zum oftern zu Gemiith gefuhrte Fahig- 

keit, Scbnitte von ^ Millimeter und dunner zu tertigen, nicht 

ganz erreicht zu haben glaube. Weun derVerfasser der Gegen- 
bemerkuug sich fiir die berufenste Seite halt und durch seine 
Untersuehungen die Entwickelungsgeschichte des Holzes in ihren 
Hauptmomenten fur imnier flir erledigt ansieht, so sind da8 
seine Sachen. Auf mich macht diese Stelle nur den Eindruck, 
dass derselbe noeh immer nicht bei dem Punkte angelangt ist, 
I wo uns Forschern die Erkenntniss wird, dass wir eigentlich recht 
\_ wenig wissen und noch gar vieles zu lernen haben. 

DARMSTADT, den 1. Februar 1875. 



Beitrage znr Flora der Hawai 'schen Inseln 

von Dr. Heinrich Wawra. 

(Fortsetzung.) 

Sfantaiaceae, 

Santalum Freycinetianum Gaud. Freyc. 442; Gray in Proc. 
Am. Ac. IV 326- 

Folia subcoriacea sesquipollicaria obtusa — rotundata in petio- 
lum bilinearem contracta, ovalia subtus flavescenti-glauea. Pani- 
culae axillares et terminales, rufro pruinosae — tomentellae. 
Perigonii late campanulati tubus vix lineam longus. 

Drupa Cerasi fere magnitudine globoso-ovoidea, ad apicem 
rotundatum et brevissime mucronatum annulo depresso quam 
drupa multo angustiore ornata. 

Aus Hillebrands Herbar 2339. 



^ "^ 



172 



van latifolium Gray 1. c. S. paniculatum Hook, a- Arn, 
Beech. 94. 

Folia (inferiora) subsessilia coriacea orbiculari-ovata utrin- 

que rotundata vel brevissime apiculata plerumque subfalcato- 

complicata, apicalia Jongius petiolata teneriora glauco-viridia 

elliptica et ia petiolum angustata. Panicula terminalis glabra, 

pedunculis cum perigonio caffipannlata rubiginosis; perigonii la- 
ciniis ovatis, 

Maui am Haliakala 1892. 

Santdlum pyrularium Gray L c. 

Fruticosa; ramuli graciles. Folia chavtacea oblonga vel 
oblongo-lanceolata, utrinque acuta lucida vel subtus glaucescen- 
tia — 3 poll. loDga et petiole pollicem longo sustenta. Panicu- 
lae saepius axillares glabrae. Perigonium tubuloso-campanulatum 
viresceuti-flavidum, laciuiis oblongis. Drupa obovalo-clavjita acu- 
ta et infra apicem annulo alto membranaceo quam drupa latiore 
oruata (nondum matura). 

Kauai; Gebiet von Halemanu; 2137, 2342. 

Ueber die haw. Santalumarten gehen die Ansichten der Au- 
toren weit auseinander ; v?ahrscheinlich diirften sich alle von den 
Inseln beschriebenen Species auf die zwei oben ervvabnten redu- 
ciren; der Hauptiinlerscbied liegt in der Frucht. Zwar sind die 
Frtichfe uus. Pfl. von S, pyrularium noch nicht ganz ausgereift, 
doch merkt man schon an der Gesamnitform, dass sie von jenen 
des S. Freycinetianum wesentlich verschiedeo sein miissen, wah- 
rend S. paniculatum Hook, a. Arn. (und S.ellipticum Gaud*) die- 
selben Beeren besitzt wie S, Freycinetianum' 

Im Habitus mag S. elliptieum nacb der Beschreibung in 
Gaud. (Freyc. 442) nnserer als S. pyrularium bebandeltenPflanze 
ziemlich ahnlich sehen wahrend es nach jener von Gray 1. c. 
vpieder bedeutend abzuweichen scheint. Die haw. S.-arten unter- 
liegen eben einer ungemeinen Variabilitat, auch die in Gaudi- 
ehaud (t. 45) als S. Freycinetianum abgebildete Pflanze hat ein 
von der unsrigen grundverschiedenes Aussehen. 

Exocarpus Oaudichaudii A. DC. (Prodr. XIV 90); Kcupres- 
siformis Hook. a. Am. 1. c. (non R. Br.) 

Frutex sesquiorgyalis amplissimus et densissimus, trunco 
pluripoUicari fere a basi ramoso, ramis divaricatis. i'olia eorum 
Loranthi compagi, subsessilia, ~ 3 poll, longa obovata pleraque 
vero — nonounquam et omnia ad squamulam minutam reducta, ra- 
mis tunc faciem cupressinam assumentibus. Flores in ramulis 




■^3 



173 

ultimis axillares solitarii, vel complures et tunc spicatim disposi- 
ti, 5-meri. Drupa sessilis vel spicae rhachi pedunculum demum 
incrassatHin et fior. delapsorum bracteis squamosum mentiente 
stipitata et basi disco hypogyno (perigonio?) valdc aucto quin- 
abncrenato amplexa. 

Oahu; Waiolaniberge 2218, 2338. 

Gray (Bot. Expl. Exp. ined.) f. Mann (Haw. PI. in Proc, Am. 
Ac. VII 198) 

nennt eine var. foliosa; Hook. a. Arn, erwahnen die grossen 
Biiltter (ihres E, cupressif ormis) gar nicht; soUte bloss ein belaub- 
ter Zweig zur Aufstellung der Varietat Anlass gegeben haben ? 
Blattertragende und blattJose Zweige konmiea au eiuemund dem- 
selben Strauch vor; manche Strauchersiod vollkommen blattlos. 

Phimlago Ceylanica L. Seem. Fl. Vit. 194. 
Maui; 1856. 

THywneleacetBe. 

WicJcstromia Endl. 

,,The species are difificult to define" klagt Gray in seiner 
Abhandlung New or little Known Polynesian Thymeleaceae und 
man kame damit gar nicht zum Ziele wollte man die Merkmale 
fur die Arten in den Blattern, Bliitiienstielen u. dgl. suchen. Doch 
sind die Wickstromien in dieser Beziehung nicht schlimmer als 
so viele andere (auf den Bandwichinseln vertretene) Ptlanzen- 
familien,und sie besitzen uberdies gewichtige Eigenartigkeiten 
im Bluthenbau resp. im Bau des Pestills, welche uns sehr ver- 
lassliche Merkmale fur die Unterscheidung der einzelneu Species 
an die Hand geben. 

Nach dem Bau des Pistilis zerfallen die sammtlichen zu dieser 
Gattung gehorigen mit Bliithen versehenen Pflanzen unsercr haw. 
Sammlung in drei Arten — oder sagen wir Gruppen; der Aus- 
druck„Gruppe'' ist mehramPlatze, denn es konntemoglich sein,dass 
eiue Oder die andere der altenvielleicht vollberechtigten Species einer 
solchen von uns umschriebenen Art resp. Gruppesubsummiit ware. 

Bel der ersten (W, foetida) ist der Fruchtkcofen cylindrisch 
undkahl nur anderaufgetviebenen Spitze dicht strigelhaarig, Griffel 
iiusserst knrz, Narbe sehr klein, zwischen den Frucbtknoten- 
haaren versteckt. 

Bei der zweiten(Tr. elongata)\^i der Fruchtknoten eiformig, 
ganz kahl und verdUnnt sich in eineu verhiiltnissmassig sehr Ian- 
gen Griffel, der eine dicke kugelige Narbe tragt. 



174 

Bei der dritten (TT. phyllireaefolia) ist der Fruchtkno- 
ten cylindrisch ganz kahl und eudet an der Spitze mit 2 Hor- 
nern, welche den sehr kurzen kleinbenarbten Griffel zwischen 

sich fassen- 

Mit diesen zwei Hornchen mag es eine besondere Bewandt- 
niss haben, und es ware von grossem Interesse moglichst viele 
Daphnoideen zu untersuchen urn ihre Bedeutung zu eruiren. 
Die Mehrzahl der Daphnoideeng^tttungen besitzt seitenstandige 
Griffel und es steht sehr zu vennuthen, dass auch bei ihnen der 
Griffel durch accessorische wenn auch nicht immer entwiekelte 
Organe zur Seite gedrangt werde. 

Die zwei Horner sind auch bei den andern Arten oder doch 
bei deren Varietaten angedeutet; sie stehen entgegengesetzt den 
Seitenlappen des Perigon's: an dieser Stelle sitzt bei W. elongata 
ein kleinwinziges Haarbuscheichen, bei W, foetida var. glabra 
stehen hier die Haare viel dichter als an der Vorder- und 
Hinterseite, und bei var. glaitca tragt der Fruchtknoten an der 
sehr verdickten Spitze allerhand Lappen und Auswiichse, die ich 



wobl fiir eine Verbildung halten muss, durch - welche Verbildung 
aber wie es scheint latente nur in der embryonalen Bliithenan- 
lage vorhandene Organe zur Entwickelung kommen; in diese 
Verbildung scheint auch der Griffel mit einbezogen zu sein, denn 
es t'ehlen ihr die Friichte, welche sonst ausnahmslos von alien 
Arten und Varietaten vorhanden sind; aus der Lange der Blii- 
thenspindel lasst sich entnehmen, dass die Pflanze schon lange 
Zeit in Bliithe gestanden haben mochte. 

Das Perigon unterliegt der Veranderlichkeit sowiedie vegeta- 
tativen Organe, nur scheint es, dass sich eine gewisse Consistenz 
der Farbe und Behaarung an die einzelnen Varietaten von W. foetida 
ketteu ; von den beiden anderen Arten liegen keine Varietaten 
vor, obgleich W, elongata in der Sammlung durch sehr viele Ex- 
emplare vertreten ist. 

Das Perigon ist bei alien Arten und Varietaten etwas unre- 
gelmassig; seine Seitenlappen sind merklich kleiner als der vor- 
dere und hintere Lappen, und von diesen ist wieder der erstere 
kleiner als der letztere. Hochst eigenthumlich ist auch die Knos- 
peniage: die Seitenlappen — in der Knospe etwas fleischig — 
liegen mit ihren Innenflachen platt aneinander, beide umschliesst 
(zum Theil) der Vorderlappen und alle drei zusammen der Hin- 
terlappen; die Knospenlageist somit ahnlich jenerderFapilionaceen. 




i 



175 

Die Wickstromien sind die einzigen (urspriinglichen und wirk- 
samen) Giftpflanzen der Inseln und spielten eine Hauptrolle in 
der Pharniakapoe der althawaischen Kauka's (HeilkiiDStler). 

WicJcstromia foetida Gray in Seem. Journ. Bot. III. 302. 

Pistillo perigonio multoties breviore ; ovario cylindrieo ad 
apicem incrassatum strigose hirsute; stylo brevissimo; stigmate 
niiuutissimo inter ovarii villos sito, 

Bacca ovoidea coccinea, Piso major. Semen Piperis grani mag- 

nitudine turbinatum fuscum epispermio carnosulo flavescente ob- 
tectum. 

W. foetida var. Oahuensis Gray 1. c. 

Frutex erectus arborescens, ramulis virgatis gracilibus glabris. 
Folia membranacea sesquipollicaria oblonga acuta glabra novella 
subtus (saltem secus nerves) glauco-pruinosa. Florum rhachis 
brevissima gracilis nonnisi in pedicell. axillis hirtella; pedicelli 
cum perigonio birto-pubescentes ; perigonium 3 lin. longum, her- 
baceum, flavescens. 

Maui Thaler des Waiheegebirges 1812 a. 2304. 

fm. humilis, 

Fruticulus squarrose ramosus, ramis inferioribus procumben- 
tibus, foliis quam in priori firmioribus, ramulis ad apiceui cum 
pedicellis densius pubescentibus; florum rhachis brevissima hirsuta. 

Maui; kahle Hugel um Waihee; 1812 b. 

Kauai, in Pandanuswaldern; 1990. 

1990 scheint eine etvvas verbildete Pflanze zu sein, wie iiber- 
haupt der Pandanuswald dem Fortkommen anderer Gewacbse 
durchaus ungunstig ist ; ein echtes Pandauetum beherbergt auch 
nicht eine einzige Pflanze. 

W. foetida var. glabra. W. foetida var. Vitiensis ? Grdij 1. c. 

Perigonio semipollicari subcoriaceo glaberrimo, ovario cylin- 
drieo ad apicem subiucrassatum hirsute; foliis chartaceis oblongis 
obtusis laevibus cum florum rhachi crassiuscula glaberrimis. 

Frutex paaciramosus, rarauli erecti glaberrimi cortice fusco 
obscure vestiti. Folia petiolo lineam longo sustenta sesqui-polli- 
cem longa basi rotundata utrinque nitidula subtus conferte pen- 
ninervia nervis subtilibua quam venularum rete distinctias pro-^ 
minulis. Spicae axillares et terminales multi- (in specim. nostr.) 
20-florae, brevissime pedunculatae, rhachis fusca hand elongata 
est mauifeste incrassata demum recurva glaberrima neutiquam 
in pedicell, axillis barbella. Antherae inferiores tubo triente 
superiore insertae. Ovarium lineam longum apice penicillato- 






176 

pilosuro, pilis saepe ad ovarii latera lobis minoribus op- 
posita confertioribus, ad alterna rarefactis. Squamae hypogyaae 
liberae vd binae aut omnes inagis minusve connatae. 

Oabu; am Waiolani 1640. 

W. foetida var, glauca, W*. Sandwicensis^ Meissn. (in DC. 
Prodr.) Gray I. c. 303. 

Perigonio Ivilineavi tenero albido sericeo-pubescenti ovario 
cylifldrico infeme glabro superne et ad apicem valde incrassatum 
et diverfto modo lobatum strigoso-hirsutissimo; foliis subcoria- 
ceis pollicaribus acutis glaucis; florum rhachi accrescente recta 
valde ferrugineo tomentosa et coDferte areolata, 

Frutex ramis plerumque humifusis, ramulis densis squarrosis 
sub lente adpresse ferrugineo-tomentellis. Folia conferta hreviter 
petiolata brevissiine raiius productius acuta, laete glauco-viridia 
opaea (in sicco) rugulosa, circiter poliiccm louga; nervis subtus 
prominulis, venwHs obsoletis. Florum rhachis polliceiu longa recta 
nee unquani recurva. Squamae bypogynae aequales liberae, ov. 
parte augustata aequilongae. Stylus brevissimu:? (cum stigrnnte 
minuto in floribus plevisque degeneratus). 

Maui; trockene Hohen um Waihee; 1961. 

Es ware sehr leicht moglich, dass auch W. t/ra wr^i Gray h c. 
als eine derbbiatterige Abart hieher gehort. 

(Fortsetzung folgt.) 



ESniaafe zur Bibllotliefe und zmu Herbar. 

19. JahrbUcher des Nassauischen Vereins fUr Naturkunde. Jafarg. 27 & 28. 
Wiesbaden 1873/74. 

20. Verhandlungen des natnrhistorischen VereiBes der preussischen Khein- 
lande und Westfalens. 30. 3ahrg. 2. Haifte; 31. Jahrg. Bonn 1873 & 1874. 

21. Sorauer, die Entstehung der Rothflecken aaf Aepfeln & Birnen, 

22. Schmitz, fiber die sog. Masem der Hadis; Rhei. 

23. K. Mailer, die Rlnde unserer LaubhOlzer. 

24. Sorby, Vergleichende vegetabilische Ghromatologie. 

25. Der Gartenfreund. 7. Jahrg. Wien 1874, 

26. A. de Candoiie notice biographique sar Ch. Fr. Meissner. 



Redacteur; Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'schen Buchdrnckerei 

<F. fiaber) ia Begendbnrg. 



^ _H 



I 











58. Jahrgang. 



N2 12. 



Regensburgy 21. April 



1875. 



Iniialt« Dr. F. Schultz: Beitrage zur Flora der Pfalz. — Dr. Heinrich 
Wawra: BeitrSge zur Flora der Hawai'schen Inseln. Fortsetzung. -— 
Herbariiims-Verkauf. 



BeitrS|f« zur Flora der Pfalx* 

von Dr. F. Scbnltxl in Weissenbnrg im Elsass. 
Vierter Kachtrag. September 1874. 

Seit dem November 1872, wo ich den dritten, am 21. Mai 
und 1. Juni 1873 in der Flora erschienenen Nachtraggeschrieben, 
babe ich, besonders auf den, fur meine geognostische Karte in 
der Pfalz gemachten Reisen wieder neue Beobacbtungen gemacht 
und theile hier die Ergebnisse mit. 

In den FShrenwaldern zwischen Mainz und Niederingelbeim, 
wohin ich, weil zu weit von pflalzischen Bahnen abgelegen, seit 
vielen Jahren nicht gekommen bin, beobachtete ich vor 40 und 
50 Jahren mehrere Arten von Thalictrum^ welche zu verscbie- 
denen Zeiten bliihen, Nach den wenigen und unvollstandigen 
Exemplaren, welche ich z. Z. daselbst gesammelt, kann ich sie 
nicht be^itimmen, das eine scheint mirjedoch T, -ScAwten Jordan, 
das andere T. Jacqiiinianum Koch zu sein. T, sylvaticum K. 
welches in nenerer Zeit, wohl nur weil iui Walde wachsend, da- 
selbst angegeben wird, kommt nicht in dieser Gegend vor. Um 
die Arten von da bestimmen zu konnen ware es nothig, dass ich 
von jeder einige iebende Siocke (Setzlinge) ftir den Garten er- 



Floia 1875 



12 



Vi- . 



^lH* 



178 

hielte. T. pratense, T, porphyritae und T. sylvaticum bliihen zu 
Ende des Mai oder Anfangs Juni und ersteres unterscheidet sich 
von den beiden andern durch den Maugel der langen Auslaufer. 
T. Schult^ii, welches aucb lange Auslaufer hat, bliiht Mitte Juni 
und T. Jacquinianum und T, tnajus bliihen Ende Juni oder An- 

fang Juli. 

Batrachium Petiveri {Ramiculus Koch) F. S., eine dem B, 
aquatile ahnliche Pflanze, babe icb am Pfalzer Standorte, wo es 
vor 50 Jabren der seel. Koch gefunden, einem breiten Wasser- 
graben an der Strasse unterbalb der Diirkheimer Saline beiPfes- 
singen, vergeblich gesucht. Wer es daselbst findet, denbitte icb 
urn ein Exemplar. 

Barbarea lyrata (Erysimum Gilib.) Aschs. ; B, vulgaris R. 
Br. — var. a, eampestris Fries. Ufer und feuchte Ackerrander. 

P iberica Asks. ; Barb. ib. Willd. ; B, arcnata Rcbb. An ahniichen 
Orten aberseltner. Die Verbreitung ist nochgenauer zn bestimmen. 

B. stricta Fr. Glaube ich auch vor vieleu Jahren bei Ku- 
sel bemerkt zu haben und ist daselbst wiederaufzusuchen. 

Arabis pauciflora {Turritis Grimm. 1767) Garcke; A, bras- 
sicaeformis Walk. Brassica alpina L. Poll. Melaphyr auch im 
Steinalbtbale bei Ratbsweiler (schon Koch) und zwischen Ober- 
stein and Idar. 

Diplotaxis viminea. Schon in meiner, 1845 herausgegebenen. 
Flora der Pfalz (p. 49) habe ich bemerkt, dass ich „Exemplare 
von D. muralis gefunden, welchekaum anderthalbZoll hoch sind 
und in der Blattform und dem von der Basis an voUig blattlo- 



sen Stengel vollkommen mit D. viminea iibereinstimmen." Nun 
fand ich aber aucb solche, welche in den iibrigen Merkmalen 
Uebergangsformen von D. muralis in Z). viminea darstellen. 
Ich nenne daher letztere D. muralis var. viminea. 

In einer aus Siebenbtirgen unter dem Namen D. intermedia 
Schur. erhaltenen Pflanze erkannte ich aber nur grosse Exemplare 
von D. muralis, wie ich sie aach in der Pfalz, z. B. bei Fran- 
kenthal fand. Aus Samen der Pflanze aus Siebenbtirgen, die icb 
in den Garten gesat, erhielt icb die gewohnliche D. muralis. 

Die DipL muralis, welche Pollich nicht in der Pfalz angege- 
ben, scheint erst spater eingewandert zu sein, wenn sie Pollich 
nicht unter D, tenuifolia {Sisymbrium) mitbegriffen hat. Sie ist 
jetzt das gemeinste Unkraut des Rheinthals von Bingen liber 
Mainz, Worms und Frankenthal bis Schifierstadt und geht langs der 
Ejsenbahn aufwarts bis niicbst Weisseuburg. Besonders Stoppel- 



^L/ 



^^^ 



^. 



r 



b 



fv 

1- 






179 

felder, Kartoflfelacker and Esparsettenacker sind damit angefullt 
und die Pflanze ist viel haufiger als D. ienuifolia. 

Braha verna L. VorKurzem hat mir Herr A, Jordan seine 
neueste Schrift „Remarques sur le fait de I'existence en soc. a 
16t. sauv. des esp. v6get. affines etc." als Geschenk gesendet. 
Er sagt darin (p. 13) „J'ai signale, il y a d^j^ un grand nombre 
d'ann^es, cinquante trois especes d'Evophila, toutes 6tablies aux 
depens du seul Draba verna de Linne. Depuis ma collection 
s'etant accrue par des acquisitions successives, ce n'est pas se«- 
lement cinquante trois, mais deux cents especes environ d'Ero^ 
phila que je reproduis par semis, chaque ann^e.' — In seiner 
Fl. de la chaine jurassique beschreibt Grenier 5 Arten von Jor- 
dan, nemlich Erophila brachycarpa, E. mediomixta, E, hirtella, 
E, stenocarpa und E. majuscula, als Varietaten von Draba verna. 
Ich selbst konnte in der Pfalz bisher nur 4 Formen unterschei- 
den, welche ich aber, da ich keineZwischenformen fand und sie 
auch bei der Zucht aus Samen unverandert geblieben sind,* fur 
gute Arten halte, jedoch noch nicht alle niit Sicherheit bestim- 
raen konnte. Eine davon halte ich fUr E, brachycarpa, eine 
zweite und dritte schcinen mir E. stenocarpa und E. majuscula 
zu sein Uber die vierte wage ich noch kein Urtheil. Es ware 
zu wiinschen, dass in der Pfalz sammelnde Botaniker von jeder 
Form die sie finden eiuige Exemplare (auch mit reifer Frucht) 
sammeln und mir mittheilen wollten. Ich wurde dann alle an 
Herrn Jordan senden und ihn bitten sie zu bestimmen. Bei je- 
der Form ware aber das Datum der Einsammlung und der Ort, 
sowie dessen Beschaffenheit anzugeben. Das Kesultat der Be- 
stimmung wiirde ich dann in der Flora bekannt machen. 

Camelina sativa {Myagriim L., Pollich) Crantz. — var, a 
pilosa DC; C. sylvestris Wallr. C. microcarpa Andrzj. Unge- 
baute Orte, Felder, Alluvium, Diluvium, Kalk, seltner auf anderem 
Boden, an vielen Orten , doch nicht tiberall. — var. jS glabrata 
DC; C\ sativa Fries, gebaute Aecker. 

C. foetida {Myagrum Bauh.) Fries; C. dentata (Myagrum 
Willd.) Pers.; Myagrum sativum § Pollich. Nur in Flachaackem. 

Lepidium campestre. Die Hauptmerkmale, durch welche 
diese Pflanze von L. Jieterophyllutn Benth. unterschieden wird, 
sind (nach Gren. et Godr. Fl. de Fr, p. 14 gen. 150) fiir erste- 
res „style court inclus, peduncules plus courts que le fruit" und 
fiir das andere i,style exserte, peduncules 6galant le fruit." Nun 
fand ich aber, vor vielen Jahren schon und auch noch diess 

13* 



^ 



180 



Jahr im Nabethal eine Pflanze, welche ich, well dieBlathenstiele 
80 lang als die Frucht sind uud auch der Griffei etwas liber die 
Fvucht hervorvagt, fUr L. heterophyllum gehalten. Bel diesein 
ist aber der Griffei dreimal so lang als an der Pflanze desNahe- 
thals and die Kelchblatter sind langlieh (uicht umgekehrt-eifor- 
mig), die Blumenblatter sind noeh einmal so lang als der Kelch 
(nicht bios etwas langer) und die Antheren sind gelblich (nicht 
ins violette spielend). Ob diese Merkmale bestandig sind wird 
die Zucht im Garten lebren, wo ich nun die Pflanze des Nahe- 
thals aus Samen ziehe. Diese ist, wie Zwischenformen zeigen, 
sicher var. von L.campestre^ welche ich nun yaw longipedunculata 
nenne. Ich fand sie im Nabethal auf der Kohlenformation, Eotb- 
liegendem, Melaphyr und Porphyr, an steinigen ungebauten Or- 
ten, gewohnlich mit Melicaglauca und an einer Stelle auch mit 
Tordylium maximum. Ob auch L, heterophyllum, als var. longi- 
siyla dazu zu bringen sei, kann vielleicht die Zucht aus Samen 
lebren. Ich babe es 221, im herb. norm, unter dem Namen 
i. Smithii Hook. (L. heterophyllnm Benth.) var. /9 campestre (F. 
S. fl. Gall, et Germ. exs. 3 et 4 introd. p, 3. — 1840) gegeben, 
im Garten wo ich es aus Samen gezogen, ist es aber zu Grunde 
gegangen und ich konnte spater, trotz ofteren Begehren, keine 
Samen mebr erhalten. 

Viola hirta L. Die Angabe bei Rumbach beruht auf einer 
Verwechselung mit F. odorata, welche sich daselbst als Garten- 
flUchtling gezeigt hat. Sie fehlen beide im pfalzer Vogesensand- 
steingebirge und die einzige Stelle wo F. hirta wirklich auf der 
Vogesias wachst, befindet sich auf der Ebene in den Fohrenwal- 
dern zwischen Eaiserslautern und Landstuhl. Ich fand sie da- 
selbst mit oder in der Nahe von Thalictrum silvalicum, Banun- 
cuius nemorosus^ Aquilegia vulgaris, Viola silvatica^ Potentilla 
alha^ Knautia silvatica^ Arnica montana^ Hieracium laevigatum, 
Betonica officinalis /? glabrata, Ajuga pyramidalis^ Cephalanthera 
rubra^ Anthericum ramosum, Avena pratensis. Das Vorkommen 
von Eeseda luteola und Crepis foetida auf ^benachbarten Brach- 
feldern ist auch auffallend fur die Vogesias, denn diese sind 
kalkliebend. 

Hypericum elegans Stepb. Von dieser Pflanze des ostlichen 
Europas als deren westlichstes Vorkommen Thuringen gait, habe 
ich z. Z, ein von H. Felix bei Odernheim in Rheinhessen ge- 
sammeltes Exemplar erhalten (derselbe hat eine Menge auf einer 
Naturforscherversammlung vertheilt) und es ist keinZweifel,dass 



\ 



181 

diese Pflanze wirklich dort gewachsen ist. In neuerer Zeit er- 
hielt ich aus derselben Gegend von andern Sammlern, unter dem 
Namen H. elegans, das If, pulrhrum und nach den letzten Nach- 
richten soil H, ehgans nicht mehr daselbst zu finden sondern 
durch unnQtzen Sammeleifer ausgerottet worden sein. 

Geranium pratense giebt Pollich winter Frankenstein dem 
Bicard etHartenbnrg^und „circa Heidelberg, Mosbach" an. An 
letzteren) Orte wachst wirklicb G. pratense^ sowie auch in der 
Ebene bei Diirkheim, Frankenthal u. s, w., aber bei Frankenstein 
fand ich nur G. silvaticum und zwar in Menge mit Aquilegia 
vulgaris und Knautia silvatica. Ein Ort Bicard ist mir unbe- 
kannt und ich finde denselben auf keiner Karte der Pfalz, Da 
Pollich, der die Gegend von Frankenstein so oft durchwandert 
hat, das Ger. silvaticum in seinem Werke gar nicht erwahnt, so 
scheint er es fiir G. pratense angesehen zu haben. 

Melilotus altissima Thuillier; M. macrorhim Pets. Trifolium 
Melilotus Poll, pro parte; var. a genuina K. {Trifolium macro- 
rhizum W. et K.) var. )9 palustrisK. {Trif. pahistre W. K.). Da 
der von Thuillier gegebene Name der alteste ist so muss er 
voranstehen. 

Trifolium striatum L. Bei Mtinster am Stein nur anf Por- 
phyr (F. S.), anderwarts auch auf Melaphyr, auf Schiefer und 
anderen Formationen. 

T, h^bridum L. wird ietzt aucb gebaut und hat sich da- 

durch in Gegenden verbreitet, wo dieser Klee nicht einheimisch 
war. 

Oxytropis pilosa habe ich bereits 1845, in meiner Flora der 
Pfalz, auf dem Porphyr des Rothenfels bei MUnster am Stein an- 
gegeben und wenn sie sparer nicht daselbst gefunden wurde so 
ist es nur weil dieStellen, alssteileFelsabhange, schwer zugang- 
lich sind. Ich fand sie noch diess Jahr daselbst, besonders mit 
Thalietrum porphyritae^ Alyssum montamm, Carex supina und 
Melica glauca, 

Buhus. Wer iJ. fastigiatus Weihe et Nees (R. Pseudo- 
Idaeus P. MUU. R. suberedus Bor., von Arch.). iJ. fruticosus L. 
(B. plicatus Weihe; iJ. stiberedus Arch, non Anders.), JR. rusti- 
canus Merc.,iJ. discolor Weihe (jR. speciosus P. Mull.), B, tomen- 
tosus Borkfa. B. laevefacius P. Mtill. (-R. purpureus F.S.); B. 
ScAwZ/^Efn Ripart und B. caesiusL. vergleicht, wird nicht zweifeln, 
dass diese 8 toto coelo verschiedene Arten sind. H* P. Mnller 
hat aber schon vor 10 Jahren in der Pfalz tiber 100 Arten un- 



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r82 



terschieden (von denen ich liber den vierten Tbeil lebend ge- 
sehen und yiele als verschieden erkannt) wahrend in der 1873 
erschienenen FJ, von Hessen nicht eine einzige der von H. Mul- 
ler beschriebenen Arten erwahnt und tiberhaupt nuv 22 als Arten 
beschrieben, viele von Andern aber als Species beschriebene R. 
als Abarten betrachtet sind. So werden z. B. zu JB. villicaulis 
Kohl. 7 Varietaten gebracht. In seinein Essai nionographique 
sur les Rubus du bassin de la Loire. Angers 1869, welches bei 

F. Savy libraire, 24, rue hautefeuille a Paris, fur 6 Franken zu 
faaben ist, beschreibt H. L. Gaston Genevier (Phavmacie Mollo et 

G. Generier, 83, quu6 de la Fosse, a Nantes), auf 346 Gross- 
octavseiten, 203 Species Rubus so deutlich dass wohl keiue 
Verwechselung moglich ist. Darunter sind 4 von Llnne, 22 von 
Weihe et N., 43 von Ripart und 94 von P. Muller. Da ich nun 
71 Jahre alt bin, so wird es mir schwerJich moglich sein -noch 
eine neue Auflage meiner Flora der Pfalz fertig zu bringen. 
Sollte es aber der Fall sein, so rniisste fiir die Gattung Rubus 
ein jiingerer Bearbeiter gefunden werden und da wiirde ich ra- 
then Exemplare von jedem in der Pfalz gefundenen Rubus durch 
Herrn Genevier bestimmen zu lassen und mir mitzutheilen. 

Bosa exilis Crepin in Bullet de la see. de bot. de Belg. 
tome 8 no 2, 21 Novemb, 1868. DiesePflanze sieht aus wie eine 
verkrtippelte R, canina und die Kleinheit aller Theile, besonders 
der Blatter und Bliithen ist auffallend. Die Blumen sind nicht halb 
so gross als an B. canina, ja sogar kleiner als an Bubus rosei- 
floriis^ Ich fand, als ich, am 10 Juni 1873, ins Nahethal reiste 
Bosa exilis zu sammeln, urn wenige Stocke, an denen aber die 
meisten Blumen noch nicht aufgeblttht waren, vresshalb ich nur 
einige v?enige Zweige mituahm. Als ieb aber, am 10. September 
Frucbtexemplare sammeln wollte, waren alle Rosenstocke abgehauen 
und ausgestockt, sodass nurnoch2 vcrstiimmelte StScke zu finden 
waren. Wenn es so fort geht so wird es bald in der Pfalz 
keine wildwachsenden Rosen mehr geben, Schone Stocke werden 
in die Garten gesetzt urn zahme Rosen darauf zu propfen, alle 
iibrigen aber werden, „al8 unniitze Hecken" verbrannt. Sogenannte 
Verschonerungsvereineund„Klub^o" thun in den Bergen und Waldern 
auch alles mcjgliche um die urspriingliche Vegetation zu vernichten 
oder durch Zierstraucher zu ersetzen. Ich habe nun einen jungen 
Stock von Bosa exilis m Garten und bin begierig zu sehen was daraus 
wird wenn er Bliithen und Fr&chte bringt. Der nachste Standort 
ist 15 deutsche Meilen von Weissenburg, im Nahethal bei Staudera- 



5 

w 

! 



i 







183 

heim, auf Mittelrothliegendem, in SteiDgerCll an Weinbergs- 
randern. 

R, flexuosa Rau Enum. Bot. Wirceb. 127. Nach dem Verfasser 
des Essai monographique sur cent cinq esp^ces de Rosiers apar 
a la i\. de la France, Angers 1861, Herrn A. D6s6gHse, welcber auf 
Ersuchen meines Freundes Dr. Ripart, im Herbarium DC. zuGenf 
nachgesehen hat, gehort die Pfalzer E. trachphylh zn K flexuosa 
Rau. Die B. trachi/phyUaR^M, welcbe sich im Herb. DC. befindet 
ist, nach Des6glise eine seltene Pflanze. In der Pfalz wurde sie 
nicht gefunden und die von Wintgen, in seinen kauflichen Samm- 
lungen und von mir, im herb. norm, als R, trachyphylla gegebene 
Ftianze ist R. flexuosa Rau, wie aach die von mir „bei Forst, 
aul Basalt'' gefundene und als B, collina angegebene. 

jR. septum Thuill. Als ich voriges Jahr, im Juli, nach Kusel 
kam, erfuhr ich, es sei im Juni zur Bltithezeit der Rosen, ein 



Botaniker aus der Schweiz, Herr Dr. Fries aus Sissack (Canton 
Baselland) da gewesen, um Rosen zu sammeln und babe, bei 
Dindelkopf, die fUr die Pfalz neue R, graveoletis gefunden. In 
einigen frischen Fruchtexeraplaren und einem lebenden Stock, die 
ich am 7. Oktober durch die Gate des Herrn Oberforster Jacobi 
aus Kusel erhalten, giaubte ich B, sepium Thuill. zu erkennen, 
mein Freund D. Ripart in Bourges, dem ich davon mittheilte, schrieb 
mir aber: „tout en faisant une reserve pourPexamen descaracteres 
floraux, je crois qu'il appartient a mon B. virgultorum que j'ai 
etabli aux depensdu JS, sepmw quia 6t6 publi6 par D6s6glise No 
32 de son exsiccata. Vous en trouverez la description dans le 
Billotia de 1864, par Deseglise." Ich habe davon noch keine 
Bltithen gesehen und kann daber, da der junge Stock, den ich 
gesetzt, diess Jahr nicht bluhte, noch nichts Bestimmtes iiber die 
Pflanze sagen.Wenn ich dieGattung Bosa^ fiir eine neue Auflage 
meiner Flora der Pfalz bearbeiten soil, so ist es notbig dass ich 
aus den verschiedenen Gegenden der Pfalz, von jeder Art einige 
Exemplare in Bliithe und einige mit Frucht erhalte. Wer mir 
solche (franco) sendet, dem will ich sie, durch Herrn Or Ripart 
in Bourges, bestimmen lassen. 

Crataegus Oxyacantha L., var. j3 monogyna Gren. CraU mo^ 
nogyna Jacq. Ist in manchen Gegenden gemeiner als C\ Oxya- 
cantha , 

Sderanthus. In der Pfalz wurden bisher nur 2 Arten an- 
gegeben, es finden sich aber wahrscheinlich noch mehrere, welche 
ich zu bestimmen suchen werde, wenn die Monographic, an welcher 



/ 



A 



184 



Herr Reichenbach, Vater, arbeitet, erscheint. Aus Ungarn habe 
icb 4 neue, von Reichenbach benannte Arten erhalten und in mein 
herb. norm, aufgenommen. 

Sedum maximum Pers. Telephium E maximum L. Alluvium, 
Diluvium und TertiUrkalk von Landau bis Bingen zerstreat, 
Schiefer bei Bingen und Stromberg. 

iS. Telephium (a) L.; 5. purpuraseens Grenier, non Koch; S, 
SchtiltiS!ii Scriba et Dosch Fl. von Hessen. Vogesias und Dilu- 
vium bei Weissenburg (F. S.) und wohl auch an vielen anderen 
Arten, Bergabhange an der Bergstrasse (Scriba). 

S. purpuraseens Koch; S. >S. Faharia Godv, Fl, Lor. Gren.Fl. 
Jur. non Koch. Buntsandstein, Vegesias, Rothliegendes, Porphyr 
und Melaphyr fast iiberall. 

^ angustifolium F. S.: Fabaria Wirtg., non Koch. Vogesias 
bei Bitsch, Dahn und Frankenstein, Porphyr und Melaphyr im 
Nahegebiet am Lemberg und bei Baumholder. Hieher gehort auch 
das in der Pfalz angegebene jS. Fabaria, 

(Fortsetzung folgt.) 



fieitrSge znr Flora der Hawai'schen Inseln 

Yon Dr. HeinriGh Wawra. 

(Fortsetzung.) 

WicJcsirdmia ehngata Gray 1. c. 303. 

Ovario ovato-oblongo basi in stipitem brevem apice in stylum 
pro genere longiusculum sensim producto glaberrimo, incano-ver- 
rucoso; stigmate valde crasso globoso inter staminum vertieil- 
los site. 

Frutex orgyalis subsimplex vel pauciramosus ; rami graciles 
cortice fusco ruguloso opaca vestiti, glaberrimi. Folia membra- 
nacea vetustiora subchartacea oblonga vel oblongo-lanceolata acu- 
minata et utrinque acuta petiolo trilineari sustenta, supra laete 
viridia et nitidula subtus flavicantia vel flavescenti-glauca, 3Vi 
poll. Iga ac poUicem circiter lata; nervis subtus prominulis secan- 
dariis quam venularum rete laxum conspicue fortioribus. Flores 
in pedunculis axillaribus demum ad lineas 4 — 6 increscentibus 
perpauci subcapitati, rhachi vix increscente glabra ct nonnisi 
in pedicellorum axillis barbclla. Perigonium semipollicare tcne- 
rum glaberrimum album, tubo subinflato ad faueem constrict©. Sta- 
mina superiora infra faueem, inferiora medio tubo inserta. Ova- 
rium (cxim stylo) perigonii dimidio aequilongum fuscum glaber- 
rimum et nonnisi apice ad latera perigonii lobis minoribus oppo- 






185 



flita minatissizne pubernlum^ dimidio superiore grosse iDcano- 
Terrucosum* Sqnamae hypogynae diraidia ovarii longitudine, bi- 
oae in Ugalam unam lobis perfg. lateralibns oppositam connatae, 
Bacca pedicellata oblonga (in sicco fusiformis) coccinea, semipol- 
licem longa. Semina Cerasi pyrenae magnitudine et quam in 
spec, praec. triplo majora gioboso-turbinata, basi acutissima et 
apice in apiculnm brevem flavum contracta, laevissima atroviren- 
tia et epispermio tenerrimo fusco obtecta. 

Oahu; Berge von Waianae 1693, 2237. 

Wi(Jcstrdmia phyllireaefolia Gray var. /? rigida Gray 1. c. 

Ovario cylindrico glaberrimo apice non incrassatobicorne; 
stylo brevissimo, stigmate minutissimo capitato. 

Fruticosa; ramuli breves, divaricati glabri fol. delapsorum cica- 
tricibus torulosi. Folia in petiolo bilineari pollice breviora oblonga vel 
oblongo lanceolata utrinque acuta chartacea opaca, nervis obso- 
letis, venularum reti (sub lente) fusco in ntraque fol. pagina con- 
spicuo; folia in ramulis fructiferis firmiora et distincte penniner- 
via, venulis obsoletis. Flores paucissimi in peduuculo terminali 
et axilJari postea recurvo 2 — 3 lin. longo; rhachi brevissiraa nee 
unquam accrescente, glaberrima. Perigonium semipoUicare te- 
nerum rubellum glabrum nonnisi in alabastro parcissime birtel- 
lum, tubo ampliusculo ad faucem non constricto; antherae superi- 
ores fauci, inferiores infra tubi medium insertae. Ovarium Va 
lin. Joflgoffi, apice bidentatum, dentihus perig. JacJniis lateralibus 
oppositis, convergentibus et stylum clavatam ovario dimidio bre- 
viorem fulcientibus. Squamae hypogynae 4 vel plures (?), altera© 
liberae, alterae ad medium et ultra connatae. Bacca Piperis grani 
magnitudine exsucca, globosa rubescens. 

(Hawai?) Aus Hillebrand's Herbar. 2335. 

Die bisheraufgezablten Wickstromiaarten— vorausgesetzt dass 
man die gegebene Umschreibung gelten lasst — sind auch in 
den vegetativen Theilen trotz aller Veranderlichkeit der letzteren 
so grundverschieden von einander, dass eine Verwechselung 
Oder ein Zweifel gar nicht moglich ist; dasselbe gilt auch von 
der letztenzu beschreibenden Art; da ihr aber dieBliithen fehlen 
so mussen vorlaufig die vegetativen Organe herhalten zur Cbarak- 
terisirung der Species. 

Wickstromia Hanalei sp, nov. 

Fruticulus erectus parce ramosus, internodiis exactedichoto- 
TBis articalatis longissimis; foliis pro genere ampiissimis mem- 
braoaceis oblongo-lanceolatis argute acuminatis glaberrimis. 



186 



Spicae in dichotomiis pedunculatae, rhachi breTissimaglaberrima; 
floribus . . . . ; baccis numerosis ovalibus in capitulum globosnm 
coDgestis. 

Ramuli (internodia) gracillimi laeves, 3 poll, longi. Folia 
semipede longiora ac 2V« — 3 poll, lata, basi acuta, subconcoloria 
lucidula; nervo mediano supra impresso sabtas prominente, nn. 
secundariis Vi—l PoU. ab invicem remotis patentisBimis, 2 lin. 
juxta marginem arcu magno confluentibus; veuis tenerrimis in 
gicco moniliformi-corrugatis. Spicae pedunculo fere poUicarisu- 
stentae, pedunculo fructifero decurvo, rhachi brevissima nee ac- 
cresceute. Baccae (in speeiin. nostn) duodenae, brevissimae pe- 
dicellatae Piso majores, parum succulentae nitentes (idtemporis?) 
virides. Semina Pisi magnitudine obovata, basi producte apice 
brevissime acuminata epispermio flavescente, crusta fragili ni- 
teute laevissima. 

Kauai; Bergschlncbt von Hanalei. 2020. 



Psilotrichum Sandwichense Seem, Fl. Vit. Ptilotus Sandtvicensis 
Gray ined; Mann Haw. PI, in Proceed. Am. Ac. VII 200. 

Suffrutex — ramnlisgracilibusarticulatis superne cum petiolis 
pedunculisque ochraceotomentellis. Folia (superiora) pollice parum 
majora ovata acuminata acuta supra hirteila subtus tomento adpres- 
so flavescenti-sericea; petioli 3 lin. longi, Spicae axillares et ter- 
minales ad ramuli apicem subcorymbosae sessiles vel peduncu- 
latac ovoideae sive oblongae densissimae vix semipollicem longae 
Flores unisexuales tetrameri tribracteati; bracteae perigonio dimi. 
dio breriores ovato-lanceolatae carinatae, ad carinam vilosae ad- 
latera scariosae, intermedia cauli — duae laterales fl. basi (pedi- 
cello abbreviato) insidentes. Perigonii foliola aequalia lanceolata 
acuta extus villosa, cum staminibus toro carnoso inserta. Stamina 
inclusa perig, fol. dimidio breviora filamcntis graciiibus basi in 
annulumcarnosomcoalitis, antherisinversis medio dorso affixiscor- 
dato-hastatis obtusis. Ovarium depresse globosumglabruminstylum 
filiformem stam. aeqnilongum acutatum uniloculare uniovulatum; 
stigma minutum capitatum. Ovulum amphitropum micropyli ba- 
sin Tcrsua spectante ; funiculo longiuaculo torto e medio ovarii 
fundo adscendente. Capsula tenera prope basin circumscisse dc- 
hiscens. Semina . . : . , 




^. 



Aqs Hillebrands Herbar 2303. 



:* 



187 

In der Sammlung bios durch cin kleines Zweigleia vertreten, 
Samen sind ieider keine vorhanden, sonst ware es moglich ge- 
wesen die Gattung PHlotus (Seemann 1. c. schreibt Psilotum) 
uach alien Seiten festzustellen. Von der Blume'schen Gattung 
(Psilotrichum) falls nicht noch andere 'Eigentbiimlichkeiten im 
Sanien zu finden waren — durch die tetramere Bluthe verscbie- 
den. Es verdient benaerkt zu werden, dass die indigenen hawai- 
schen Amaranthaceen ausserordentlicb seiten Samen ansetzen. 
Die hawaische Art {Psilotrichum Sandwichense) hat viergUe- 
drige Bliithen und ein aucb nach dem Verbluhen gleicbblattri- 
ges Perigon; sie steht also entfernter von der Brown'schen Gat- 
tung P^iJo/Ms (utriculus .... perigonii foliolis tribus interioribuB 
medio lana cohaerentibus apice patentibus nudis inclusus) als 
der Seemanu'schen Gattung Psihtrichum. Auf die gegen- oder 
wechselstandigen Blatter kommt es (bei haw. Pli.) weniger an, 
Euxolus lineatus Mocq. (in A. DC. Prodr. XIII v. 2. p. 276.) 
Maui; Ebene; 1919. 

Die cit. Bescbreibung dieser Spezies steht mir nicht zu Ge- 

bote; von E. candatus Mocq., die hierallein in Betracht kommen 

konnte, unterscheidet sie sich (nach der Schilderung in Seem. Fl 

Vit. 198) durch die lancettfdrmigen Blatter; gebaat fand ich 

diese Pflanze nirgends (Gaud, und- andere, v. Seem. 1. c); sie 

wachst zerstreut in den ungeheuer ausgedehnten nicht kultivirten 

Panicumfeldern auf Maui am Fuss des Haliakala. 

Amaranthus Blitum L. 

Maui; in Zuckerplantagen. 2303. 

Vharpentiera obovata Gaud. Freyc. 444 (t. 47). 

Arbores tri — quadriorgyales; truncus semipede crassior, ligno 

valde fragili; ramuli juveniles graciles laeves vetustiores torulosi 

cinereo - et rugose corticati. Folia sparsa ad ramulorura apicem 

conferta, petiolo subpollicari sustenta, 3 — 4 poll, longa merabrana- 

cea carnosula, obtusa vel rotundata rarius breviter acuta, in pe- 

tiolum acutata glabra snbtns nerve mediano rubescente percursa, 

penninervia ; nervis secundariis gracilibus munc crebris nunc 

paucis. Paniculae in fol. axillis superiorum oriundae pedunculatae, 

fol. multoties longiores modo den^ae modo valde depauperatae et laxis- 

simae, simplices rariusve compositae. Flores remotiusculi in 

rhachibus fiiiformibus 3—5 poll, divaricatis, spicati, ad basin 

tribracteati. Perigonium pentapbyllum, foJiolis coriaceis ovatis 

rotundati. Stamina 5, filamentis brevibus basi in cyathulura 

conuatis; aBtheris sagittatis obtusis medio dorso affixis. Ovarium 



188 



OYoideum compressum; stigmata 2, ov. snbaequantia basi con- 
nata superue divergentia, intus papillosa. Ovulum unicum funi- 
cnlo brevi germ, fundo insertum. Utriculns indehiscens. Semen 
atrum nitens orbiculare marginatum. 

Maui Schluchten am Fuss des Haliakala; Eaui um Eealia 
1873 b. 

var. ovata; Charpentiera ovata Gaud. 1, c. (t. 48). 

Folia tenere membranacea ampla, petiolis 2 — 4 poll, lon- 



gis fulta ovalia 4 — 5 poll longa — 3 poll, lata; paniculae laxae 



semper (?) compositae. 

Maui, Kauai; 1873 a. 

1st allerdings nur eine leichte Abart der vorigen, doch ist 
der Standort ein verschiedener. Beide Formen sind in der 
Sammlung Behr reich vertreten, entwickelte Samen aber ansser- 
ordentlicb selten. 

JPoMygoneae<. 

Bumex giganteus Ait. (H. Kew. ed. 2. II. 323. Mann En. 
Haw. PI. in Proc. Am. Ac. VII 198. 

Dioica? SufiFrutex alte scandens, caule inferne saepe pol- 
lice crassior, striate glabro. Folia membranacea carnosula ovato- 
oblonga acuminata basi truncata rel retusa, — semipedalia, satu- 
rate- vel glauco-viridia glabra penninervia; nervi secundarii nu- 
merosi graciles patentesvalidiores stricti tenuioribus flexuosis in- 
terjecti; petioli Va~l poll. longi; stipulae inochream emarcidam 
fugacem connatae. Tbyrsi terminales densissimi inferne foliis in- 
termixti superne aphylH. Flares diclini, fasciculate spicati mi- 
nuti basi bractea fulti ; pedicelli lineam longi. Fl. roasc: Peri- 
gonii foliola aestivatione valvata, laevia, 3 externa aequalia her- 
bacea oblonga, 3 interna obovata tenera inaequalia, altera reli- 
quis multo majore. Stamina plerumque sex, inclusa; filamentis 
brevissimis, antheris basifixis obtusis. Ovarii rudimentum ovoi- 
deum triangulare ; styli 3 supra ovarium reflexi ovario subbrevio- 
res rarius nulli; stigmataminuta capitata. FLfoem; . . . . Perigonii 
foliola (in fruct.) persistentia, exteriora externis maris homomorpha 
deflexa, interiora (valde aucta) cordata obtuse acuminata costato- 
reticulata et fusco-punctata, eroso-dentata sanguinea. Semen 
globoso- triangulare acutum fuscum laevissimum nitens stigroati- 
buB 3 stipitatis et penicillato-fimbriatis. 

Maui; am Haliakala 1880 a. 

Mumex giganteus Ait. var. hirsuius. 



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189 

Monoica. Caules cum foliis pilis brevissimis crispis cano- 
liirteili. Folia tenere membranacea, fere pedalia, subhastata. 
Pedicelli capillacei — 3 lin. longi. Flores masc. cum fern, saepe 
in eadem uuibella. Fl. masc. ii pvaecedentis. Fl, fern. : Perigonii 
foliola externa membranacea oblonga, interna ext. subduplo ma- 
jora corollina ovata elevato-nervosa margine erosula; styli ovario 
multo breviores, supra ovariam deflexi; stigmata sanguinea, pen- 
niciUato fimbriata. 

Kauai, Walder von Halemanu. 

Polygonum glabrum Willd, Seem. FL Vit. 201. 

Maui; feuchte Waldungen. 1880 b. 



CHemopodiuceue* 



Chenopodium Sandwicheum Mocq. (Chen. Enum. 28 ot) in 
DC. Prodr. XIII v. 2. p. 67. 

SuflFrutices pluripedales parce ramosi, caule striato ramis 
gracilibus. Folia (inferiora) 2 poll, longa, superiora minora, te- 
nera glauca, ambitu trigona vel subrhombea, rotundatairregulari- 
ter et obtuse siuuato-dentata basi vero integra et in petiolnm 
laminam plerumque euperantem gracillimum sensim — vel abruptius 
angustata. Paniculaaphyllalaxiuscularacemosa; flores glomerate 
spicati; spicae fructiferae valde elongatae, diffusae. Perigonii 
laciniae ovatae obtusae extus glandulosae nee carinatae; ovarium 
minutum, stigmata 2 inclusa. Semen perigonio inclusum margine 
obtusum glanduloso-farinosum opacum. 

Reise des Prinz. Coburg: Oahuin den Mendanabergen ; 152 

Chenopodium hybridum? L. 

Oahu; Salinen. 2271. 

Batis maritima L. 

Dioica ; suflfruticosa ; immersa ; ramosa ; rami pluripedales 
pennae cygneae crassitie teretes aphylli; ramuli oppositi ple- 
rumque abbreviati graciles herbacei, foliosi. Folia opposita, circi- 
ter poilicaria succulents saepiusque bullata in sicco glauco-lnca- 
na sessilia et ad basin dorso in lobum membranaceum Vt lin. 
longum deorsum spectantem producta. Stipulae nullae. Amenta 
in fol. axillis solitaria brevissimestipitata fol. subdimidio brevi- 
ora. Fl. masc: Amenta ovoidea vel oblonga densissima; brac- 
teae latissime cordatae lineam latae semilinea latiores apicnlatae 
concavae. Perigonium gamophyllum utriculum valde tenerum sub 



\ 



190 



antbesi apice pt:oruptani etstaminorum basin cingentem constitnens. 
Stamina quatuor; filamenta lanceolata et laucronata quam brac- 
tea duplo longiora: antherae citrinae globoso-oblongae, inversac; 
loculis omninosegregatis snbglobosis rirua latissimadehiscentibus; 
squamae (petaIinae?staminocIia?) cumstamiDibusalternantes et iis 
diffiidio breviores orbiculareshyalinaetenerrimae concavaeanguloso- 
dentatae, ungue quam lamina duplo longiore tenuiusculo filiformi 
stipitatae; discus hypogynus nullus; ovarii rudimentum nullum. 
Fl. fem: Perigonium et squamae nullae. Pistilla plerumque 12 
quadrifariam soperposita amentum strobiliforme quam amenta 
masc. multo brevius et angustius construentia; sub anthesi brac- 
tea aequilonga, post feeundationem valde accrescentia ; bracteae 
minutae peltatae orbiculares hyalinae. Stigma sessile orbiculare 
bilobum, sub anthesi apicale, in fructu infraapicale, germen qua- 
driloculare loculis uniovulatis; ovula in fuuiculo brevi tenerrimo 
e loculi fundo asceudentia amphitropa, micropyli basis versus 
spectante. Amentum fructiferum (syncarpium) breviter stipitatum, 
pollicem longum rigidum carnosum flavum ovariis 2 summis ste- 
rilibus. mammitormibus saepe bicorne; fructus subdrupaceus, epi- 
carpio membranaceo sarcocarpio subfarinaceo; pyrenae cartilagi- 
neae, quatuor, corpus quadrangulare a dorso compressum oblon- 
gum subulatum constituentes, singulae sarcocarpio farinaceo inter 
loculos continue ab invicem sejunctae, in fructu valde accretae 
rarissime vero seminiferae. Albumen nullum. Embryo rectus 
cuticula (epispermio) tenerrima basi (supra radiculam) in proces- 
sum filiformem hyalinum protracta obclusus, olivaceus; cotyledo- 
nibus spathulatis (in specim, nostr. lineam longis); radicula in- 
fera quam cotyl. duplo breviore. 

Oahu; Sumpfe um Honolulu. 2269. 

Obgleich dieFruchtfacher sehr umwachscn, bleibt das Eichen 
docb in den allermeisten Fallen unbefrucbtet; es findet sich im- 
mer am Grunde des Fachs, aber unter 50 Fallen wird mankaum 
Einmal einen Samen zu Gesichte bekommen; aucb diirften die 
von mir gesehenen Samen noch nicht ausgereift sein, obgleich 
der Embryo vollkommen entwickelt schien; immerhin genligte 
aber dieaer Zustand der Reife um di^ Abwesenheit von Eiweiss 
konstatiren zu konnen. — Die Gattung Batis wird unter den 
Chenopodien aofgezahlt, hat aber bis auf das Aussehen 
gar nichts mit dieser Familie gemein; die eigenthiimliche 
Fruchtform besonders aber der eiweisslose Samen und der ge- 
rade Embryo stellen sie weit abseits von den Chenopodiaceen 



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und den Oleraceen tiberbaupt. Sie scheint in der That eine ei- 
gene FamiJie fiir sicb zu bilden, ihr Blufchen- und Fruchtbau 
findet-sich bei keiner andern wieder, iiber ihre Stellung im Sy- 
stem kann vielleicht nur die Entwickelungsgeschichte Aufschluss 
geben; besonders ware zu beachten ob die Schuppen der mann- 
licben Bluthe nicht als Staubgefassorgane aufzufassen sind, und 

ob das vierfachrigePistili nicht etwa eine polycarpische Frucht- 
form vorstellt. 

Die Piperaceen ubergebe icb mit einiger Reserve. Ihr ab- 

solut einfacher Bliithenbau bietet zu wenige oder fast gar keine 

Anhaltspunkte zur Unterscheidung der Arten; und dass alle den 

vegetativen Organen entnommenen Merkmale fiir die Fixirung 

einer hawaischen Species nicht zureichend und geradezuunbrauch- 

bar sind wurde zur Geniige hervorgehoben. Bei den haw. Pe- 

peromien ist sogar die Blattstellung — ein sonst schwerwiegen- 

des Merkmal nicht halbwegs konstant, von Form, Consistenz etc. 

gar nicht zureden; daher die Unsicherheit in den Bestimoiungen, 

und ich muss ausdrucklich conylatiren, dass gar keine unserer 

Pflanzenmit denvonMiquel (Syst. Pip.) gegebenenBeschreibungen 

vollends ttbereinstimmt, Noch ein Umstand muss hervorgehoben 

werden, welcher die Schwierjgkeiten vermehrte; es ist die Unzu- 

langlichkeit des Materials. Zwar enthalt die Sammlung fast die 

sUmmtlichen bis jetzt bekannten haw. Piperaceen, doch sind die 

einzelnen Arten meist nur sparlich verCreten, wahrend gerade fiir 

die pracise Beurtheilung solcher wechselvollen Arten ein mog- 

lichst reichhaltiges Material hochst wiinschenswerth gewesen 

ware. — Wenn die Piperaceen im Herbarium schlechter bedacbt 

sind als die andern Pflanzenfamilien, so kommt dies wohl daher, 

dass sie mir wegen ibres einfachenBaues beim Botanisiren leich- 

ter entgangen sein mochten und dass ich irregeleitet durch ihre 

grosse Gleicbformigkeit die eine oder die andere Species fruher 

schon in hinreichender Menge eingesammeit su haben wahnte. 

Peperomin Sandwicensis Miq. Syst. Pip. 126, (111. Pip. 19 
t. 14). 

Herba erecta semipedalis simpliciuscula. Caules petioii pe- 
dunculique magis minusve hirtelli. Folia inferiora opposita raris- 
siffie alternantia superiora ternata, petiolis 3—6 Jin. longis 
sastenta, in universum pollicem longa ac circiter V» ?*>'*• '^^^i 
obovata rotundata basi acuta ad margines aliquatenus crispula in 



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vivo carnosula in sicco raembranacea supra fusco viridia subtus 
violacea et secus nervos albido picta, undique brevissime hirtella 
deinque glabrata, trinervia; nervis supra parum conspicuis sub- 
tus manifestis et impressis, versus apicem ramulosisetarcu magno 
inter se anastomosantibus. Amenta axillaria solitaria pedunculis 
semipoUicaribus gracilibus stipitata, (in specim. nostr.) pollicem 
longa, densiflora. Bracteae minutissimae orbiculares hyalinae; 
stamina subsessilia flava; ovarium apice piano stigmatiferum, 
sub anthesi bracteam baud vel parum superans. Bacca libera 
ovoideo-globosa, resinoso-papillosa basi et apice acutinscula. 

Oahu; an den Pali 1726 a. 

Die Bracteen sind kleiner als bei irgendeiner anderen haw. 
Piperacee. — Eine violette Farbung an der Unterseite der Blat- 
ter kommt bei den meisten haw. Peperomien, wenn aucb nicht 
konstant, vor. 

Peperomia Sandwicensis? var. robusta. Ramis subligneis, in- 
ternodiis valde elongatis; foliis quam in tm. typ minoiibus sub- 
orbiculatis in vivo earnosis in sicco coriaceis et nigricantibus; 
amentis gracillimis in peduncuio bipollicari 3 poll, longis demum 
remotifloris. 

Oahu; Kaalagebirge 1726 b. 

Gehort vielleicht zu P. leptostachya Hook. a. Arn. (Miq. 1, c. 
136); im Aussehen von der frtihern sehr verschieden, doch las- 
sen sich keine specifischen Dnterschiede namhaft machen; besitzt 
gleichfalls die sehr kleinen Bracteen von 1726 a. 

(Fortsetzung folgt.) 



Herbarimus-Yerkaut 

Das von dem verstorbenen Professor der Botanik Dr. E. F. 
Nolte zu Kiel hinterlassene Herbarium ist zu verkaufen. Das- 
selbe besteht aus einer allgemeinen Sammlung und zablreichen 
Separatcollectionen, wie Keichenbach's Flora germanica, Fries 
Herbarium normale etc., umfasst im Ganzen mehrere hundert 
Packete und ist vortrefflich gebalten. Wegen naherer Auskunft 
wolle man sich an Professor Eicbler in Kiel wenden. 



Redacteur: Dr. Singer. Dmck der F. Neubauer'schen Bachdrackerei 

(F. Hnber) in Regensbu]^. 



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58. Jahrgang. 




N2 13. 



Regensburg, 1. Mai 



1875. 



Iiilialt« Dr. W. Uloth: Ueber Pflanzenschleim und seine Entstehung in 
der S amen epidermis von Plantago maritima nnd Lepidiiim sativum. — 
Dr. F. Schultz: Beitrage zur Flora der Pfalz. (Fortsetz.) — Dr. Carl Kraus: 
Pflanzenphysiologische Untersuchungen. (Fortsetzung.) — Anzeigen. — 
Einlaufe zur Bibliothek und zum Herbar. 

JBeilasc« Tafel VI. 









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IJeber PflaiizenscMeim und seine XSntsCehung^ 

in der Samenepidermis von 

^Iwntugo wnwritiwnu und fjepidiw^n sutivuwn* 

Von Dr. W. Uloth. 

(Hit Tafel VI.) 

Bei Keimungsversuchen, welche ich mit Samen you Flantago 
maritima in Wasser und. wiissrigen Salzlosungen anstellte, be- 
merkte ich, dass sich dieselben aussen mit einer betrachtlichen 
Schleimscbicht umgaben, ahnlich wie diess bei den Samen von 
Plantago Psyllium^ Limim, Cjjdonia u, a. dev Fall ist. I Th. 
Samen gibt mit 200 ^Th. Wasser noch eiuen Schleira von der 
Consistenz des Gummischleims , der sich, wenn er mit viel 
Wasser verdiinnt oder zum Kochen erhitzt ist zwar nicht 
filtriren, aber durch Leinwand durchpressen und so von 
den Samen trennen last; er vertheilt sich in Wasser 
vollkommen klaren Flussickeit , ohne sich indessen 



zu einer 
wirk- 



Flussigkeit, 
lich zu losen; nach dem Erkalten erstarrt er zu einer klaren, 

Fiom 1875 13 



194 

farblosen Gallerte. Nach dem Abdampfen bleibt ein sehr gerin- 
ger weisser Ruckstand (15,0 Samen lieferte im Mittel aus drei 
Bestimmungen 0,045), der in Wasser mit den fruheVen Eigen- 
schaften wieder aufquillt. Alkohol schlagt den Schleim aus sei- 
ner Mischung mit Wasser als ein wcisses Coagulum nieder, ohne 
dass sich auch hierdurch seine Eigenschaften anderu. Jod, Chlor- 
zinkjod, sowie Jod und Schwefelsaure bringeo keineFavbung her- 
vor. Weder anorganische noch organische Sauren — mit Aus- 
nabme der Gerbsaure, durch die ein flockiger Niederschlag ent- 
steht — noch Alkalien fallen den Schleim; duvch Kochen mit 
verdiinnter Schwefelsaure verwandelt er sich leicht in Trauben- 
zucker, der sich durch Reduction alkalischer Kupferiosung erken- 
nen lasst; Salpetersaure verwandelt ihn in Oxalsaure und einen 
anderii crystalUnischen Korpet, der \?ahrscbei\^Uch Sebleimsaure 
ist. In seinem Verhalten gegen Mctallsalze stimmter ebenfalls 
mit anderen Pflanzenschleimen iiberein; basiscb essigsaures Blei- 
oxyd und sal|)etersaures Quecksilberoxyd geben weisse flockige 
Niederscblage ; neutrales essigsaures Bleioxyd, schwefelsaures 
Kupferoxyd, salpetersaures Silberoxyd lassea ihn uuveraudert. 
Ammoniakalische Silberlosung wird nicht reducirt. 

Aucb bei den Samen von PL maritima sind es die Zellen 
der Samenepidermis, welche den in Beriihrung mit Wasser auf- 
quellenden Schleim enthalten. Der anatomische Bau dieser Zel- 
lenschicht dagegen, sowie die Entstehung des Schleims weicheu 
von dem bei anderen Saraen wahrgenommenem in mannigfacher 
Beziehung wesentlich ab und da sich bei eingehenderer Verfoig- 
ung der betrefienden Vorgange die Aussicht auf Losuag einer 
pbysiologischen Grundfrage erofifnet bat , so halte ich es fUr ge- 
boten, die Aufmerksamkeit der Forscher auf diesen Gegenstand 
zu lenken. 

Der Same von PI, maritima ist braun, langlich eiformig, ca. 
2 bis 2,5 Mm. lang, 1 Mm. breit, auf dem Rucken gewolbt, auf 
der feauchseite flach oder schwach ausgehohlt, von einer schma- 
len Langsfurche durcbzogen , oberhalb deren Mitte der Nabel 
liegt. Der gerade, nahezu cyliudrische Keim liegt in der Mitte 
des Samens, denselberi der Lange nach durchziehend, umgeben 
von dem hornartigen, schmalen Eiweisskorper ; seine Mediane 
lauft parallel der Bauchflache. 

In Alkohol liegende Qucr- und Langschnitte des Samens 
unter dem Mikroskop betrachtet, zeigen folgende Zellenscbichten: 
zwei Schichten gehoren der Samenschale an und zwar nach Aus- 



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195 

sen eine schmale, scheinbar structurlose, durchscheinende — die 
Samenepidermis — und nacb innen eine einreihige tafelformiger 
kleiner, braungefarbter Zellen mit verdickten Wandungen, (Fig. 
1 e. Fig. 5 d) der Ueberrest des wabrend der Sameureife ver- 
anderten Integument's. Innerhalb der SamenscLale folgt nun das 
Endosperm, welches auf der Riicken- und Bauchflache des Samens 
[ aus 2— 3j au den Seiten aus 6 — 8 Reihen eines fast regelmassi- 

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gen, Starke und Oel entbaltenden Parenchyma besteht. (Fig. 1 f. 
Fig. 5 e.) 

Lasst man z\x den in Alkohol liegenden Praparaten wenig 

Wasser zutreten oder legt man sie in ein Gemisch von gleichen 

Theilen Alkohol und Wasser, so qnillt die Samenepidermis all- 

maiig auf, die zellige Structur wird wabrnehmbar, die scheinbar 

zusammengedriickteu und der Flache des Samens schief anliegen- 

den Zellen richten sich auf, dehnen sich, uamentlich in radialer 

Richtung, aus, da eine Ausdehnung nach der Seite durcb das 

t gleiche Bestreben der Nachbarzellen aufgehoben vvivd, und die 

^ ganze Schicht besteht jetzt aus sechsseitig prismatischen Zellen, 

s deren Dimensionen in alien Ricbtungen ziemlichgleieh sind. Die 

r / Aussenwand ist schwach gewolbt und mit einer diinnen Cuticula 

bedeckt, die Seitenwiiude sind sebr diinn uud nur in Folge ihrcr 



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starken Liehtbrecbung als feine Linien eben wabrnehmbar. Die 
Mitte jeder Zelle durchziebt in radialer Richtung ein, aus einer 
dunnen, in der Regel vielfach gefalteten Membran bestehender 
Schlauch, dessen beide, den entsprechenden Zellenwiinden auf- 
sitzende, und mit ibnen verwachsene Enden becherformig erwei- 
tert sind, wahrend sein mittleres Stiick bei fortscbreitender Auf- 
quellung des Scbleims und den dadurch zunebmenden intraeellu- 
laren Druck allmalig enger wird, so dass die Gestalt des 
Sehlauchs an die Form einer Sandv\hr eriunert(Fig. 1 Fig. 2 a.). 
Das Innere des Scblaucbs ist verscbieden weit, je nacb deni Sta- 
dium, das die bier zu schildernden Entwickelungsvorgange er- 
reicht haben; bei unreifen Samen ist es ganz mit Starkemehl 
vollgepfropft, (Fig. 1 d. Fig. 5 c). bei reiferen enthait es sei- 
ches nur noch an seinen beiden erweiterten Enden (Fig. 1 c); 
bei ganz reifen Samen ist es leer (Fig. 1 a. und b.) Der Raum 
zwischen diesem axilen Schlauch uud den Seitenwanden derZelle 
ist mit einem farblosen durchscheinenden , weichen Schleim aus- 
gefullt, der in der Regel structurlos ist, in seltneren Fallen eine 
zarte Schichtung parallel den Seitenwanden zeigt. Die Mengcn 
des im Schlauch enthaltenen Starkeniehls und des ihn umgebcn- 

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196 

den Schleims stehen in gerade umgekehrten Verh^ltniss zn ein- 
ander, so dass mit fortschreitender Reife immer wenigev Starke, 
dagegen desto mehr Sclileim gefunden wird, Auf Tangential- 
schnitten erscheinen diese Zellen naeh begonnener Aufquell- 
nng als ein sehr diinnwandiges, regelniassigesParenchym; in je- 
der Zelle beaierkt man den Schlauch als eine unregelmassig be- 
grenzte centrale Hoblung oder als eine kraterartige Vertiefung^ 
die je nach den vorher beschriebenen Umstanden Starke enthalt, 
oder leer ist und uni welche herum der structurlose oder ge- 
schicbtete Schleim liegt (Fig. 6). 

Lasst man grossere Mengen Wasser zutreten, so dehnen sich 
die Zellen in Folge des Aufquellens der peripherisr.hen Schleim- 
schicht so bedeutend in radinler Richtung aus, dass sich die 
Seiteuvvande um das 10 und mehrfacbeihrer urspriingVichenLange 
strecken. Die Aussenwand widersteht dabei anfangs dem, von 
dem aufquellenden Schleim auf sie ausgeiibten Druck, sie wolbt 
sich mebr oder weniger halbkugelig bis sie spater gewohnlich 
nur an einer Seite oder — namentlich dann, wenn der VVasser- 
zuU'itt und damit das Autquellen plotzUch staUfiudet, ~ viugsum 
von den Seitenwanden abreisst und dem Schleim den Austritt 
gestattet, Bei dem aufquellenden Schleim bemerkt uiau aueh nur 
selten Schichtung; gewohnlich ergisst er sich in Inngen Strahlen 
aus der geoflfneten Zelle in das umgebende Wasser, uud da er 
nahezu gleiche lichtbrechende Kraft mit diesem zu haben seheint, 
so entzieht er sich bald der Beobachtnng. Wahrend diese Ver- 
anderuDgen an der Membran der Zelle vor sich gehen, wird an- 
fangs der Schlauch durch den zunehmenden intracellularen Druck, 
welcheu der aufquellende Schleim ausiibt, in seinem raittleren 
Theii verengt, sodann ein wenig auch in die Lange gestreckt ; 
bald aber kann er, zufolge der geringen Elasticitat seiner Mem- 
bran, der radialen Ausdehnung der Zelle nicht mehr folgen, lost 
sich entweder von der unteren (Fig. 2 b) oder von der oberen 
Zellenwand los (Fig. 2 c und Fig. 3 b) und hangt oder steht dann, 
mit der anderenWandnochverbunden, in der Zelle als ein, andem 
freien Ende ofienev, Cylinder, oder er losst sich voubeiden Wan- 
den los (Fig 2 d und Fig. 3 a) und wird durch den austretenden 
Schleim mit fortgerissen ; Letzteres ist namentlich dann der Fall, 
wenn das Aufquellen der Zellen sehr rasch vor sich geht; so, 
wenn man einen Samen kurze Zeit in Wasser legt; betrachtet 
man alsdann den gebildeten Schleim unter dem Mikroskop, so 
ist derselbe mit einer grossen Menge solcher einzelnenSchlauehe 



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197 

unteimischt. Die Membran ties Schlauchs ist nach seinem Frei- 
werden noch runzlig gefaltet und behalt die SaDduhrform bei; 
nach langerem Liegen in Wasser, odei* rascher durch Maceration 
in Salzsaure und Ubermangansaurem Kali glattet sie sich und 
nimmt eine prismatische, der der Zelle ahuliche Gestalt an 

(Fig. 4). 

So lange die Zelle noch geschlossen und der Schleim also 
nicht ausgetreteu, erscheint der Schlauch bisweilen von der 
Scbleimschicht, nicht voilkonimen scharf abgegrenzt, sodass man 
in diesen Fallen geneigt sein konnte, ihn bios fiir die dicbtere 
innerste Schicht desselben aufzulassen; indesyen, sobald er von 
der geoffneten Zelle isolirt ist, mtiHseu alleZweifel daran schwin- 
den, dass wir es miteiner Cellulosemernbran zu thun haben. Von 
der Substanz des Schlauchs kana ich bier constatiren, dass sie, 
wie sich schon aus morpbologischen Grltnden erwarten lasst, Cel- 
lulose ist Sie farbt sich durch Jodlosung anfangs gelb, nach 
langerer Einwirkuug braun; durch Sehwei'elsaure und Jod oder 
Chlorzinkjod wird sie geblaut; in conrentrirter Schwefelsaure 
lost sie sich allmahlig auf; inKalilaugeist sieunloslich; Anilinlos- 
ung farbt den Schlauch sowie den Schleim und die innere Schicht 
der oberen und unteren Wand intensiv roth, wahrend die Seiten- 
wande nur wenig gefarbt werden. Von der vorher aufgestellten, 
fiir die grosse Mehrzahl der Falle geltenden Kegel in Bezug auf 
die Beschaffeuheit nnd Anordnung der einzelnen Schichten, gibt 
es ubrigens auch Abweichungen; so babe ich z. B., "wenn auch 
in seltnen Fallen, Zellen gesehen, in denen gar kein Schlauch 
vorhanden war, in denen vielmehr die Schleim- und Starkekorner 
unregelmassig in der Zelle vermischt lagen odet beide Substan- 
zen in zwei oder niehreren radialen und paralleleu Streifen an- 
geordnet erschienen, im letzteren Fall so, dass die Scbleimschicht 
nach ausseu (den Seitenwanden zu), dieStarkeschicht nach innen 
lag; andere Zellen enthielten nach den Seitenwanden zu eine 
Schicht ganz klaren Schleims, in der Mitte der Zelle eine Schicht 
Starke, und zwischen beiden, gleichsam als Uebergang, eine 
Schicht trliben Schleims; in eiuem dritten Fall endlich fand sich 
in der Mitte der Zelle ein blasenartiger, ringsum geschlossener 
und mit Slarke angefiillter centraler Schlauch, wahrend der peri- 
pheriscbe Raum mit Schleim angefullt war. 

Aus dem bier Mitgetheilten ist ersichtlich, dass die Epider- 
niiszellei. der S^iuien von Plantago maritima sowohl in Bezug 
:»ut ihren Bau, nanieiitlich das Vorhandensein des axiien 






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198 

Schlauchs, als aiich in Bezug auf die Ablagerung der Schleim- 
schicht den Seitenwanden gegeniiber, von denjenigen anderer in $ 
dieser Beziehung bekannter Pflanzensamen wesentlich abweichen, 
iiamentlich von Cydonia^ Linum, Plantago Psyllium u. a., wo die 
Ablagerung vorzugsweise gegen die Aussenwand stattfindet 

Im Uebrigeu will ich bier noch beraerken, dass die Samen- 
epidermiszellen von FL alpina denjenigen von Plmaritima voll- 
kommen gleicb construirt sind; auch die von Lepidium sativum 
sind jenen sehr ahnlich, doch zeigen sie einige Abweichungen 
auf die ich spater zuriickkommen werde. 

Die Betrachtung der in Vorstehendem mitgetheilten That- 
sachen evregt die Frage nach der Entwickelung und den gegen- 
seitigenBeziehungen der in denSamenepiderniiszellen enthaltenen 
Substanzen und der gescliilderten Structurverhaltnisse derselben; 
es wird namentlich dieBildung de^ Schleims und dieEntstehung, 
sowie die Natur des axilen Schlauchs zu ermitteln sein und es f 

ist Aufgabe der folgenden Mittheilungen, diese Fragen zu discu- | 

tiren. 

Es wird bis jetzt als feststehende Tbatsache angenommen, 
dass der in den Samenepidermiszellen von Linum, Cydonia und 
PI, Psyllium u. a. enthaltene Pflanzenschleim DesorganisationB- 
oder Degradationsproduct von, als Verdickung der primaren Wand 
aufgelagerten, Celluloseschichten sei;^) man folgertdiess nament- 
lich aus der Aehnlichkeit beider Substanzen in Bezug auf die 
Schichtung und auf das Verhalten gegen Jod , ohne den Procese 
dieser Umwaudlung eigentlich direct beobachtet zu haben. Auch _ 
in dem vorliegenden Fall konnte man, da der Schleim von PI- 
maritima in seinen physikalischen und chemisehen Eigenschaffen 
mit dem derobigenPflanzen vollig tibereinstimnit, eine ahnliche 
Bildungaweiseannehmen,indessen drangt sich jedemunbefangeuen 
Beobachter durch das scharf begrenzte und in seinen Mengen- 
verhaltnissen reciproke Nebeneinandervorkommen von Starke 
und Sehleim in ein und ders-elben Zelle, die Vermuthung auf, dass 
hier nicht Cellulose, sondern Starkemehl das Material zur Bild- 
ung des Schleims liefert. Es gewinnt diese Vermuthung eine 
um so grossere Wahrscheinlichkeit, als eine Verwendung des in 
jenen Zellen enthaltenen Starkeniehls zum Aufbau entfernterer 
Zellenschichten, etwa des Endosperms, dadurch ausgeschlossen 
wird, dass die zwischen ihr und dem Endosperm liegende, aus 

1) u. a. Sachs, Experimentalphysiologie der Pflanzen p. 368. 



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199 



verholzten Zellen bestehende Schicht jede Stoffwanderung verhin- 
dert. Der Uebergang von Starke' in Schleim lasst sich in der 
That bei PI. maritima entwicklungsgeschichtlich verfolgen. Die 
Resultate meiner Beobachtungen sind folgende: 

Die Epidermis janger Samen ist der der reifen, wie ich sie 
bereits oben beschrieben babe, ahnlich construirt; siebesteht aueh 
aiis regelmassig prisniatisciien Zellen mit sehr diinnen Wand- 
UDgen, unter denen die AuBsenwand mit einer diinnen Cuticula 
tiberzogen ist. Naehdeui die Zellen vollig entwickelt und ihre 
primare Membran vollstiindig aupgebildet ist, entsteht iunerhalb 
derselben eine sekundare Schicht (die sogen. secundave Membran) 
welcbe alle Wai:de (die Seitenwiinde sowohl wie die untere und 
die Aussenwand) als eine sehr diinne und gleichmassige, sich 
ieicht von ihr abJosende Laji}eJiebekleidel;.(Fig". 5 a.), Ausserdie- 
ser Schicht, deren Substanz sich nicht veraudert, sicb nament- 
lich nicht in Schleim verwandeif, bildet sich in keinem Stadium 
der Entwicklung eine weitere Verdickungsschicht, Das ganze 
librige Zellenlumen ist jetzt mit Starkemehl angeflillt. 

Das Letztere besteht tbeils aus zusammengesetzten, theils 
auch aus einfachen Kornern. Die ersteren beslehen in der Re- 
gel aus 2—4, seltner mehr K5rnern (Fig. 7 a und b),die letzteren 
sind kleine, wahrscheinlich durch Zerfallen der zusammengesetz- 
ten gebildete, entweder halbkugelige oder an den gegenseitigen 
BerUhrungstiachen abgeplattete und dadurch mitunter eckige 
Korner, (lie durcfa einenRandschatten markirt sind und an denen 
Schichtenbau nicht wahrziinehmen ist. (Fig. 7. c, d. e.). 

Die Epiderraiszellen enthalten in diesera Zustande noch 
keinen Scbleim und demgemass findet auch kein Aufquellen statt, 
wenn sie mit Wasser in Beriihrung gebracht werden. Allmalig 
mit der i'ovtschreitemhn EntwickeJung: des Samens verwandelt 
sich das Integument in die Samenschale nnd sobald der Same 
ausgewachsen ist, d. h. sein Volum sich nicht mehr vcrgrossert, 
fangen die Zellen der zwischen der Epidermis und dem Endo- 
sperm liegenden Schicht (jetzt die innerste der Samenschale) an, 
sich braun zu farben und zu verholzen, wodurch die Farbe und 
Havte der Samenschale bedingt wird; gleichzeitig mit diesem 
Vorgang beginnt die Schleirabildung in den Epidermiszellen. 

Die erste Schleimablagerung erfolgt zwischen der primaren 
und secundaren Membran der Seitenvvande als eine sehr schmale, 

1) In der Folge werde ich diesen Ausdruck, der membranosen Beschaflfen- 
heit dieser Schicht halber, belbehalten. 



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200 

gleichmassige und durchsichtigere Schicht, die jene beiden Mein- 
branen auf ihrer ganzen Flache von einander trennt (Fig. b. 
und c). Auf derAussen- und unteren Wand tritt keineSchleim- 
ablagemng ein; nur bisweilen liegt die secundare Membran der 
primaren auch hier so locker an, dass es mir einige Male durch 
Quetschung des Praparats gelungen ist, beide von einander zu 
trennen, die primare der Aussenwand zu zerreisseu und so den, 
von der secundaren Membran sackartig umschlossenen, nur aus 
Starkeinehl bestehenden Inhalt der Zelle austreten zu sehen, als 
babe gleichsam eine Zelle in der andern gesteckt. 

(Fortfletzung folgt.) 



Beitrage zur Flora der Pfalz« 

von Dr. F. Schultz in Weissenburg im Elsass. 

Vierter Nachtrag. September 1874, 

(Tortsetznng). 

IMosciadium nodiflorum und H. repens. In der Bonplandia 
1854 (p. 237 und 238) habe ich diese beiden Pflanzen 
besebrieben und bei ersterer drei Abarten unterschieden. Nun 
habe ich aber eine Pflauze gefunden, welche z. Th. die 
Merkmale der ersten z. Th. die der zweiten hat. Ein 
Bastard kann es nicht sein, denn sie findet sich an den Stand- 
orten in MengeohneH. nodiflorum undohnefi; repens, Ich habe 
sie z. Z. fur mein^. nodiflontm var. Jongipeduncidatum (Bonpl. 
1. c.) gehalten, in den letzteu 3 Jahren in Menge gesammelt und 
auch in die neuersten Cent, des Herb. norm, aufgenommen. Icb 
glaubte Uebergangsformen in iZ. repens gefunden zn haben, diess 
beruht aber, wieich mich vorKurzem, an Ort und Stelle uberzeugt 
habe, auf einerTauscbung. Die vermeintlichen Uebergangsformen 
sind die unteren, niedergestreekten Aeste, mit Doldenstielen die 
viel langer als die Dolden sind. Diese Aeste treiben an fast alien 
Gelenken Wurzeln und scheinen besondere Stocke zu sein, wenn 
der aufrechte Hauptsteugel abgestorben oder, beim Heumachen, 
abgemahet worden ist. Sie haben, in diesemZustande eine solche 
Aehnlichkeit mitZ^. repens, dass man sie leicht fur Uebergangs- 
formen nehmen kann. Meine Pflanze kann nieht H. nodiflorum 
ii ochreatimi DC, (Prodr. 4 p. 104; Slum repens ? DC. Fl. Fr. 
4 p. 300) sein, denn der Stengel ist nieht ,,sabrepens" sondern 
„erectus vel adseendens" nur die untersten Aeste sind „subre- 




5' 



4 



-^ 



201 

pentes". Der Blattstiel ist zwarad baein membranaceo dilatatas 
aber das ist er bei der Normalfoim von H, nodiflorum ebenfalls. 
Die Dolden sind nicht „sublongius pedunculati" als beiH. nodi- 
florum^ sondern an ein und demselben Stocke (besonders am Haupt- 
Stengel) oftso kurz wie bQ\ H. nodiflormn uui oft so lang gestreckt 
(besonders an den unteren Aesten) wie bei H. repens. Das „in- 
voluero oligophylio" passt auch nicht, denn es ist „3 — 6 phyllum" 
Das H. nodiflorum var. /S intermedium Coss. et Germ. (Fl. de 
Paris 1 p. 208) ^involucre nul ou a 1 — 2 folioles'' kanu es auch 
nicht sein, denu das involucrum ist immer vorhauden und „ 3 — 6 
pbyllum'' ja sogar meist „5 — 6 phylium". Es kann auch nicht 
H, nodiflorum var. ochreatum (DC.) ^OY^m {Siumhyl)ridum Merat) 
sein, denn dieser Schrlftsteller sagt (Fl. du centre t. 2 p. 209) 
,,tige rampente radicante, ombelles pourvus d'un pedoncule plus 
court qu'elles.'' Mein H. ncdiflorum yarJofigipedunculaium^ von 
welchem ich nur 2 unvoUstandige Exemplare (ohne Frucht) aus 
Schottiand, besitze, kann es auch nicht sein, denn diess hat den 
Habitus, die Blattform und alle Merkmale von H. nodiflorum nur 
sind die Dolden ianger gestielt. So langekeiue Uebergangsformen 
gefunden werden und die in den Garten verpflanzten 8tocke nicht 
in H. nodiflorum iibergehen halte ich dahermeinePflanze fiir eine 
eigene Art, welche ich beschreibe wie folgt: 

Helosciadium palatinum (F. Schultz herb. norm. nov. ser. 63 
H, nodiflorum var. palatinum F. S.) caule erecto, demum decum- 
bente vel adscendente, ramis inferioribus decumbentibus , pro- 
stratis,adgenicula non omnia radicantibus, apiceerectiuscuJis, foliis 
pinnatis, pinnis 2 — 5 jugis, ovato-lanceolatis, ovatis, et rotundo- 
ovatis, aequaliter et inaequaliter dentato-serratis lobatisve, den- 
tibus acutis, umbellis oppositifoliis pedunculo longioribus, brevi- 
•oribus et tripio breviovibus, involucre persistente, 3—6 phyllo, 
fructibus ovato-oblongis, curvatis. 2^. Jul. Aug. In fossis aquati- 
cis subexsiccatis pralorum (absque H. nodifloro et H. repente) cum 
graminibus variis et in rivulis lente fluentibus cum Oenanthe 
fistulosaj Sio angustifolio^ Scirpo lacustri, Nymphaea alba^ Pota- 
mogetone pusillo etc. diluvii, planitiei Palatinatus prope Schaidt. 

Nomen dedi in honorem patriae. 

U, nodiflorum differt foliorum pinnis omnibus aequaliter 
obtnsiuscule serratis, umbellis omnibus pedunculo longioribus, 
vel rarius (in varietatibus) bjevioribus, involucro nullo vel oligo- 
phyllo deciduo fructibus ovatis. 



202 



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H, repens dififert caule ramisque repente ad genicula omnia [ 



radicante; foliorum pinnis omnibus latioribus, e basi truncata 
subrotundo-ovatis, 4 — 7 jugis, peduuculis omnibus umbella multo 
longioribus, fructibus obovato-orbicularibus. 

Ichhalte das K palatinum fur eine eigne Art, weil an denOr- 
ten wo es wachst weder H, nodiflorum noch H, repens zu linden 
ist, ja sogar keine Form, welche mit einem dieser beiden ver- 
wechselt oder alsUebergangstbrm betrachtet werden konnte. Ich 
fand keine Abart, aber auf ein und demselbeu Stocke finden sich 
kurz und lang gestielte Dolden, ja der Stiel der Dolde ist oft so 
lang wie bail?, repens. Es finden siehauch auf demsclben Stocke 
langere und schmalere sowie kUrzere und breitere Fiedern der 
Blatter. In fliessendem W^isser ist die ganze Pfianze oft lang 
hingestreckt, Solcbe Exemplare habe ich fruber fur Formen von 
H. repens gehalten und forma fluitans genannt. DC. hielt friiher 
sein H, nodiflorum ^ ochreafmn ftir eine var. vonjff. repens. Es 
ist das Slum repens fi seiner FI. Fr. 

In Herbarien, besonders von Tauschvereinen, finden sich oft 
Formen von If. nodiflorum unter dem NamenH. repens. Dass die 
Pflanze, welche sich Nr. 454, als H. repens im Herb, der bot. 
Gesellsch. zu London befindet, eine var. von H. nodiflorum ist, 
nemlich meine var. longipedunculatum^ habe ich bereits 1854, in 
der Bonplandia gesagt. Die von Herrn 0. v. Dieudonn6 in Bel- 
gien gesammelte und im schlesischen Tauschverein als K repens 
gegebene Pfianze ist aber If. nodiflorum und zwar wie ich mich 
Hberzeugt, kleine Exemplare der Normalform, 

Tordylium maximum L. Ungebaute steinige Hiigel, Weinbergs- 
rander, Mittelrothliegendes beiStaudernheim an derNahe (F. S.)- 
Galium Wirtgenii F. S. hat reife Frucht wenn G, verum 
zu bliihen beginnt. Sehr verbreitet auf den Wiesen am RheinQ 
von Strassburg bis Neuwied (bei Weissenburg aber erst eine 
Meile ostlich von der Stadt und von da bis an den Rhein) und 
von Landau abwarts anch bis zu der westlich gelegenen lliigel- 
region und in die Seitenthaler reichend in's Quechtbal bis Al- 
bersweiler, ins Nahetbal bis Kirn, im Alsenztbal von Ebern- 
burg bis Mtinchweiler hinaaf besonders auf dem Rothliegenden 
sehr haufig, dann, auf der Vogesias, gegen Eckenbach, seltner 
werdend und verschwindend, vereinzelt auch bei Lautern und 
Zweibrticken. 

G, Wirlgenii-elatum. Von dieser Pfianze hatte ich belDannstadt 
(nicbt Darmstadt, wie als Druckfebler in der Flora von 1871 steht) 



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nnfern Schieferstadt, einige Stocke gefunden (aber stehen lassen) 
suchte aber in den letzten 3 Jahren vergebens darnach. Sie stand 
daselbst unter einer Menge von G. Wirtgenii und G. datum, 

Knautia silvatica fand ich besonders gross und iippig aaf der 
Vogesias zwischen Neustadt und Lautern, bei Frankenstein mit 
Geranium silvaticum^ und zwar sowohl mit ungetheilten als mit 
fiederspaltigen Blattern. 

Bidens radiatusThmW, Davou sammelte ich beiBitscb, wo ich 
diese Pflanze schon 1833 gefunden, aber fur Form von B, tri- 
partitus gehalten hatte, im Herbste 1873 einige Fruchtexemplare 
von denen ich Samen an verschiedene Orte sate. Es sind aber 
nur 2 Stocke, in einem Topfe aufgegangen, welche ich nun lebend 
mit dem hier schr gemeinen B. tripartitus und mit B, cetnuus 
verglichen habe. Der Name radiafus veranlasst Verwechsel- 
ungen uud ist unpassend, denn die Pflanze hat niemals capitula 
radiata. — Thuillier sagt:„involucris calyces superantibus, radi- 
atim polyphyllis" und darum gab er den Namen „radiatu8" die 
Blumen aber sind niemals „radiantes". Die Pflanze kann nur 
mit B, tripartitus verwechselt werden, findet sicb wahrscheinlich 
auch in der Pfalz und, um das Finden zu erleicbtern, gebe ich 
hier eine Diagnose: 

B. radiatus^ fiavo-viridis; caule erecto, simplici vel ramoso; 
ramis erectis, fastigiatis; foliis 3— -5 partitis, laciniis lanceolato- 
linearibus, serratis; petiolo brevi, alato; capitulis erectis, fastigi- 
atis; involucro externo sub 10-phyllo, phyllis erectis ; corollisom- 
nibus tubulosis; acheniis triangulari-cuneiformibus, biaristatis. 
Septembr. Cum Scirpo radicante in fossis et piscinis exsiccatis, subtur- 
fosis formationis vogesias prope Bitsch, Lotharingiae (F. S.) et 
probabiiiter in regionibus vicinis Palalinatus, 

5. ^ri7?ar^«^MsdiflfertcoIoreobscure-viridi,raraispatentibus, folio- 
rum laciniis latioribus, capitulis cum ramis patentibus, involucro sub- 
8-phyllo, phyllis patentibus, acheniis cuneiformi-oblongis, longi- 
oribus, plerumque triaristatis. Folia hujus specie! saepe indi- 
visa sunt. 

B, cernuus dififert foliis sessilibus indivisis, capitulis cemuis 
discoideis vel radiantibus, involucro externo sub 8-phyllo, phyllis 
patentibus, acheniis 3 — 5 aristatis. 

B. cernuus und B, tripartitus wachsen zuweilen in Menge 
beisammen, aber ich konnte niemajs einen Bastard aus densel- 
ben finden. Dass C. cernuo-tripartitus Wirtgen einfach B, cer- 
nuus ist habe ich bereits 1871 in der Flora bemerkt. B.radiatus hat 



I 



* * 



204 

nur die bleiche, gelbgrune Farbe mit B. cernuus gemein, kann 
aber, in alien iibrigen Merkmalen, nur mit B, tripartitus vergli- 
chen warden, welchen ich auch bei Weissenburg oft mit unge- 
theilten Blattern gefunden habe. 

B. cernuus jS radiatus {Coreopsis bidens L.) kommt an eini 
gen Orten bei Weissenburg wie auch der Pfalz, ohne die Nor- 

mallorm vor. 

Taraxacum corniculatum (Leontodon Kit. in Schult. Oester. 
Fl. 1814) DC; T. glaucescens (Leontodon M. Bieb. taur. cauc. 
1819). F. S, Kommt nur an trockenen Orten vor, wahrend 1\ 
paludosum immer auf feuchtem oder sumpfigem Boden wachst. 
Dieses ist, aus Samen gezogen , aber auch auf trocknem Boden 
im Garten unverandert geblieben. 

Crepis foetida L., Poll. {Wibelia Schtz-Bip.) Ausnahmsweise 
auch auf der Vogesias, jedoch selten, z. B. zwiscben Lantern und 
Landstuhl (F. S.). 

.Pilosella officinarum-Auricula F. S. wurde in den letzten 
Jahren an den alten Standorten wegcultivirt und ist wieder auf- 
znsuchen. 

P. Auricula -officinar urn F. S. desgleichen. Findet sich aber 
noch auf Granit bei Baden, namentlich an der Strasse naeh dem 
Gerolsauer Wasserfall (F, S.). 

P. officinarum-praealta F. S, habe ich in den letzten Jahren 
an den alten Standorten bei Frankenstein und bei Weissenburg 
vergeblich gesucht und an den Bitscher Festungshiigel, wo ich sie 
1833 gefunden, kann man jetzt, ohne besondere Erlaubniss nicht 
kommen. ' 

P. praealtO'Officinarum F. S. findet sich noch , wiewohl sel- 
ten, an den alten Standorten bei Durkheim, Deidesheim, und 
Weissenburg, aber die forma recedens ad P. officinarum (Hiera- 
cium pilosellinum) vielleicht auch ein durch Befruchtung der 
P, praealtO'off. mit P. offic, entstandener Bastard, konnte ich, 
seit 20 Jahren, nicht mehr finden. 

P. florentinO'Officinarum F. S.; P. piloselloidi-offic. F. S.; 
Hieracium floreniino-PiUosella F. S. H. piloselloidi-PHosella F. f 

S. So bestiramte ich z. Z., im Herb, meines seel. Bruders zu 
Deidesheim, Exemplare des Hieracium hrachiatim Bert.! aus 
Italien. 

P. officinarum-pratensis F. S. Hieracium Pilosello-pratense 
•F. S. FI. der Pfalz p. 278. excl. synon. H. stoloniflori. Diese 
Pflanze fand ich nur selten und nur ao Steilen wo P. officinarum 






205 

und besonders P. pratensis in grosser Menge wachsen, z. B. am 
Rbeine zwischen Worms und Frankenthal. Die P. stoloniflora 
(Hierarium W. et Kit.) var. flava [K stoloniflonim Wimmer) 
wachst diigegen, z, B. in- Schlesien, an Orten wo P. pratensis 
fehlt. Ich babe beide imherb. norm. nov. ser. 90 und 91, neben 
einander gegeben, um die Versehiedenheit zu zeigen. In der 
Flora 1873 babe ich, in einem imNov. 1872 geschriebenenNach- 
trag z. Fl. d. Pfalz, beide Pflanzen irrthiimlich als Hieraeium 
repens Willd. angegeben. 

P. Villarsii F. S.; Hieraeium Villarsii F. S. ; H, Auricula 
Villars, uon L., welches oft mit P. off.- praealta, P. praealto-off. 
und P. florentino,-off, vervvechselt wird, ist kein Bastard, son- 
dern eine gute^ immer lauter keimfahig^ Achenen bringende Art, 
welche oh an Orten wachst, wo die_ veroieintlichen Eltern nicht 
vorkommen. 

P. Bothiana ist auch kein Bastard, konnte aber mit P. hy- 
hrida {Hieraeium Villars) identisch sein. Ein Exemplar des 
letzteren, aus dem Dauphin6e welches ich vor vielen Jahrea ge- 
sehen, konnte ich niclit davon untcrsclieiden. Die von Wirtgen, 
alif Melapbyr am Rothenfels bei Kreuznach, angegebeue P. Mo- 
ihiana^ halte ich aber nach Exemplaren die ich, a. a. 0., lebend 
untersucht habe, fur P. praeaUa var. hirsuta. P. praealta var. 
hirsulissima {Hieraeium Ziziaynim Tau^ch) gebe ich jetzt audi 
im herb. norm, und zwar neben der var. hispidissima {Hieraeium 
praealtum var. hispidissimum Fries; H. auriruloides Lang), ers- 
teres aus der Pfalz und das let/.tere aus Ungarn, 

Alle oben genannten P., mit Ausnahme P. fiorentino-ofjic*, 
habe ich bereits im Herb. norm, gegeben. 

Pilosella aurantiara {Hieraeium Lin.) fand ich als Seitenheit 
auf der Vogesias bei Kaiserslautern, am Rande eines Waldes 
gegen einen Sumpf, in Gesellschaft von Pilosella officinarum^ P. 
Aurieula, Hieraeium laevigaktm, H 'vtdgatum und H, muronim. 

Die geringe Zahl der Stocke und das bescbraukte Vorkom- 
men auf einer kaum 6 Meter langen und 2 Meter breiten Strecke, 
macht es aber walirscheiniichj dass die Pfianze nur aus zufallig 
dahin gerathenen Samen, aus dem Garten einer nahen Miihle, wo 
sie viellejcht z. Z. gepflanzt wurde, aufgegangen ist. Jetzt be- 
findet sie sieb nicht in diesem Garten. 

Hierarium sabaudum h. In den Archiv. de Fl. p. 58 und in 
der Fl. der Pfalz p. 285, habe ich zwei Abarten unterschieden, 
a Friesii(H, sabaudumFi'les] H. autumnale Grieseb.) und/? ftoreafc 



1^ 



206 

(J5. boreale Fries). Im Jahresber. der Pollichia 1866 , fligte ich aber 
noch das H. sahmidumGxhQhdLth, als dritte Abart bei, wekhe ich 
daselbst var. pollens nannte. Da die involucra aber nicht immer 
bleich, sondorn oft fast wie bei der var. horeah gefarbt sind, so 
habeiches im herb. norni.,nov. ser. 98,unterdetn Namenvar.GH- 
sebachii aufgenommen. Die Exemplare wurden in Savoyen ge- 
sammelt. Es tinden sich dabei Uebergangsformen in die var. 
boreale^ welches als dritte var. y zu bezeichDen ist. 

Campanula hirta var. a lancifolia (C rotundifolia y Koch) 
fandich, wiewohl selten auch in Ex. an denen die unteren SteDgel- 
blatter herzformig und, wie dietibrigen ganzrandig, mehrere aber 
grob gezahnt sind. 

Cuscuta Epithfjmum var. ^ TrifoUi F. S. in Jahresb, der 
Pollichia 1863, fand ich in manchen Jahren, wie 1873, bei Weis- 
senburg, auf Kleeackern in zahlloser Menge und zwar nicht nur 
auf Trifolitim pratense und Medicago saliva^ sondern auch auf 
fast §llen Pflanzen, besonders aber auf Plantago lanceolata. 

CScbluss folgt.) 



Pflanzenphysiologische Untersuchungen, 

Von Dr. Carl Kraus in Triesdorf. 

n. Ueber Membranfarbungen and optisches Verhalten 

Ton ZeUha.iiten. 

Nageli fiihrt (Mikroscop II) die Samensebalen von Abrus pre- 
catorius als Beispieldafuran, dass die FarbungderMembranen zu- 
weilendureh einen wie Anthocyan reagirenden Farbstoff entsteht, 
und vermuthet, dass in diesem Falle das Anthocyan zuerst im 
Zellsafte gelost war, Aehnliche Mittheilungen macht S. Eosanoff 
bot, Zeit. 1870. 

Ein weiteres Beispiel waren Sorgho-Halme mit rothen Stellen auf 
der Oberflache, auch schwarzlich aussehcnden Flecken ; die Gefassblin- 
del erscbienen blutroth. Die Wande des Prosenchyms der Gefassbtindel 
und der Markzeilen enthalten einen rothen Farbstoff, der mit Alkali 
blauviolett, dann griin wird. Dieser Anthocyanfarbstoff war vor- 
her im Innern der Zellen vorhanden, wie noch ganz deutlich in den Epi- 
dermiszellen zu erkennen ist, deren Inhalt noch voUstandig in dieser 
Weise gefarbt ist. Dieser Farbstoff kann mit Wasser ausgezogen 
werden. In alteren Theilen erleidet er eine Veranderung, indem er in 



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207 

Rothbraun iibergeht; jetzt reagirt er nicht mebr wie Anthocyanfarb- 
stoff, sondern giebt mit Alkali einen braunrothen Auszug; die 
schwarzlich erscheinenden Flecken enthalten denFarbstoff beson- 
ders dick. 

In diese Kategorie der Wandfarbung durften viele Beispiele 
gehoren, wenn sie auch wie z. B. in rothen Maisliescben weniger 
auffallend sind; namentlich diirften Falle hieher gehoren, wo die 
Wande von Gefassbtindelelementen rothbraun gefarbt erscheinen, 
da diese sehr haufig in der Jugend Anthocyane enthalten. 

Die Wandverdickungen der Samenschale von Solanum Pseudo- 
capsicum enthalten einen schwach gelben Farbstoflf, der mit Al- 
kalien schoner geib, mit concentrirter Schwefelsaure spangriin, 
zulezt schwarz wird. So verhalten sich auch die Membranfarb- 
ungen derSamen- und Frucbtschale der Maiscaryopsen; vielleicht 
gehoren hieher auch die gelben Farbstoffe anderer Samenhaute 
z, B. von Hippocrepis^ die Nageli (1. c.) beschreibt. 

Frank hatte (hot. Zeit, 1867) die Beobachtung gemacht, dass 
die biaue Farbe der Samen der moisten Arten von Paeonia und 
der Friichte von Viburnum Tinus nicht auf der Anwesenheit 
eines blauen Farbstoffs, sondern auf den optischen Eigenschaften 
der ungefarbten ausseren Wandung ihrer Epidermiszellen beruhe, 
welche er auf eine derselben zukommendeFluorescenz zurUek- 
ftihrt. H. V. Mohl zeigt (bot. Zeitg. 1870), dass die Schlussfol- 
gerung irrig sei, dass vielmehr die betreffenden Membranen bei 
Benetzung mit Wasser sich triiben und damit bei dunklem Hinter- 
grunde die Eigenscbaft erhalten, die blauen Strahlen des auflfal- 
lenden Lichts zuriickzuwerfen und die minder brechbaren durch- 
gehen zu lassen. 

Ein ahnliches Verhalten, welches ebenso wenig von Fluores- 
CGBz herrlihrt, zeigen Frucht- und Samenschalen der Maiscary- 
opsen. Die Samenschale (nach dem Einquellen in Wasser von 
der Frucbtschale leicht zu trennen) ist beim Durchsehen farblos, 
die Frucbtschale nur schwach gefarbt. Setzt man Kaliluuge zu, 
so geht die Farbe der Frucbtschale in Gelb Uber (vergl. oben), 
im aufifallenden wie im durchfallenden Lichte, Wenn man sie 
aber durch Schaben hinreichend verdiinnt, so erscheint sie 
im auffallenden Lichte bei dunklem Hintergrunde blau; ist sie 
dicker, so geht die Farbe durch blaugriin, griinlich, gelbgrUnlich 
in Gelb tiber. Die Samenschale zeigt wegen ihrer Zartheit die 
Erscheinung nur schwach. Die mit Kalilauge eintretende Trtlb- 
ung der Membran durfte die Ursache dieser Erscheinung, die 



208 

auch andere Gramineenfrttchte zeigen, sein. Manche Individuen 
mogen geeigueter sein, je nach der Dicke der Schichten, Menge 
des hevvorrufbaven Farbstoffs u. s. w. Hatte die Fvuchtschale des 
Mais die richtige Dicke und einen dunkelnHintergrund, so miiss- 
ten die Caryopsen beim Einlegen in Kalilauge blau aussehen. 

(Fortsetzung folgt.) 



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etymologisch-botamscbes fiandvorterbacb. 13 M. 



liinlaufe zur Blbliotliek und zmn Herbar* 

27. Sitzungsber, der mathem.-phyBic.Classederk. b.Acad. d.Wiss. inMunchen. 
1874 Hft. m. 

28. Literarische Arbeiten von H. R, Goeppert. Breslau 1875. 

29. Bryotheca Europaea von Dr. L. Rabenhorst fasc. XXVI. No. 1251—1300. 
Dresden 1875. 

30. Verhandlungen des histor. Vereins von O berpfalz & Regensburg ; 30. Bd. 
Stadtamhof 1874. 

31. —- Verzeichnigs Uber die Verbandlangen von Bd. I — XZX. Stadtam- 
hof 1874. 



Redactenr: Dr. Singer. Dmck der F. Nenbauer'schen Bnchdrackerei 

(F. Haber) in Regensburg. 



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58. Jahrgang. 



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Regensbnrg, 11. Mai 



1875. 



Inlialt* Dr. W, Uloth: Ueber Pflanzenschleim und seine Entstehung in 
der Samenepidermis von Plantago maritima und Lepidium sativum. 
(Fortsetzung & Schluss.) — Dr. F. Schultz: Beitrage zur Flora der 
Pfalz. (Schluss.J — Einlaufe zur Bibliothek und zum Herbar. — Anzeige^ 



1! 



Ileber Pflanzensdileim und seine Sntsitehung^ 

in der Samenepidermis von 

Piuntugo m>uritim,tB nnd IjepidiwuM, sutivuwn* 

Von Dr. W. ufoth. 

(Fortsetzung & Schluss.) 

Auch bei der weiteren Eiitwicklung seUt sicb die Schleim- 
ablagerung nur den Seitenwanden gegeuiiber fort; bier aber aucb 
uicht parallel mit tienselbeu, sondern in einer von ihrem oberen 
und unteren Ende nach derMitte bin zunehmenden Schicht; denn 
da der Schlauch an seinen beiden Enden festsitzt, so muss sich 
die Schleimanhaufung vorzugswerse der Mitte der Seitenwande 
gegeniiber Raum sucben. (Fig. 5), In demselbeu Mass, in wel- 
chem die Schleioiscbicht auftritt und w^cbst, nimmt die Stlirke- 
bchicht ab. Genau in Zusammenbang mit diesem Vorgang stebt 
denn auch die Entwicklung und die Gestalt des Sehlauchs, der, 
wie aus den bisherigen Schilderungen hervorgeht, nichts Anderes 
ist, als die secundare Membran. Diese hat sich in der beschrie- 
benen Weise von der primaren Membran abgehoben, indem das 
sich verfliissigende Starkemehl durch sie» hindurch diffundirt 
und sicb zwischen beidc Membranen lagert, gleichsain cine Ver- 

Blora 1875 14 



210 

dickung der primsLren Membran bildend, wahrend jene, (die se- 
cundare Membran) zwischen die Schleim- und die Starkeschicht 
za liegen kommt. Aus der Vermehrung desVolums derSchleim- 
schicht folgt selbstverstandlich auch eine Vergrosserung ihrer 
Oberiiache, welcher die sie uberziehende Schlauchniembran unter 
Dehnung ihrer Subatanz folgt. 

Der oberen (Aussen-) und unteren Wand gegentiber, und 
zwar auf der ganzen Flache der Wand, erhalt sich das Starke- 
niebl am langsten; es zeigt sich weder eine Trennung der Mera- 
branen, die hier in der Eegel optisch nicht mehr unterscheidbar 
sind, noch Schleimablagerung in der Weise, wie sie an den Sei- 
tenwanden statlfindet Nach Maceration mit iibermangansaurem 
Kali und Salzsaure oder dem Schulze'schen Macerationsgemisch 
sab ich in einigen Fallen die secundare Membran sich von der 
primaren der Aussenwand stellenweise abheben; bei dieser Be- 
handlung quillt ihre Substanz, ebenso wie die des iibrigen 
Schlanchs, wahrnehmbar auf, Bei Praparaten won Plantago alpina^ 
wclche in einem Gemisch von Alkohol und wenig Wasser lan- 
gere Zeit gelegen batten und deren Schleimzellen sehr langsam 
aufgequollen waren, fand ich ineinzelnen der letzteren diesecuu- 
dare Membran rinsgum losgelost und der aus ihr gebildeteSchlauch 
trat jetzt als ein ring&um geschlossner, der Gestalt der Zelle 
entsprechender Sack auf; seiche totale Ablosungen der secunda- 
ren Membran habe ich auch oben far PI. maritima angegeben, 
als den Auanahmefall, in dem der Schlauch von der primaren 
Membran allseitig durch Schleim abgegrenzt war. 

Es geht aus dem hier AngefUhrten wobl zweifellos hervor, 
dass der (auff der Zelle) isolirte offene Schlauch die den Seiten- 
wanden der Zelle entsprechende secundare Membran ist, wahrend 
die der Aussen- und unteren Wand entsprechende fiir gewohn- 
iich mit dieser verwachsen bleibt und von jenen bei dem Auf- 
qaellen abreisst. 

Sobald alles Starkemehl verschwunden ist , hort der Process 
der Schleimbildung selbstverstandlich auf; der Schleim bildet 
jetzt der Lagerung nach die secundare, die Schlauchmembran die 
tertiare Schicht und als solche das nunmehr leere Zellenlumen 
auskleidend und von der Schleimschicht abgrenzend; der Bild- 
ungszeit uacb dagegen ist die Schlauchmembran die secundare, 
der Schleim die tertiare Schicht. Es hat dieser Vorgang in 
dieser Beziehung Aehnlichkeit mit der von Dippel geschilderten 
Entstehung der Verdickungsschichten bei Pirns, mit dem Unter- 



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211 

schied, dass hier die zwischenliegende Substanz nicht Zellstoff, 
sondern Schleim ist. ') 

Der Vorgang bei der Verwandlung des Starkemehls in 
Schleim bietet sich an den einzelnen Kornern der optischen 
Wahrnehmung in zweierlei Weise dar. In den meisten Fallen 
schmilzt das einzelne Korn auf seiner ganzen Oberflache gleich- 
massig ab, sodass in der Kegel ringsum gleiche Substanzmengen 
verschwinden; es wird hierdurch immer kleiner, bis es endlich 
ganz vergangen ist; die Oberflache solcher Korner bleibt in der 
Kegel glatt, seltner ist sie ein vvenig corrodirt; mitunter findet 
# die Verflussigung auch an eiuer Seite des Korns rascher statt, 
als an der andern; die Korner farben sich mit Jod, so lange 
sie wahrnehmbar sind, blau. In andern Fallen behallen die Kor- 
] ner Form und Volumen bei, werden durchsichtiger und weicher 
(wahrscheinlich unter Wasseraufnahme), die vorher scbarfen Uin- 
risse werden matter, der Kandschatten verschwindet, bis sie end- 
lich unsichtbar werden; man bemerkt auf der inneren Wand- 
flache des entleerten Schlauchs haufig Reste solcher Starkekor- 
ner, gleichsam deren Skelette (Fig. 16), die die Umrisse dersel- 
ben besitzen, von ausserordentlicher Zartheit sind und sich mit 
Jod nur schwach oder gar nicht mehr blau farben und die, wenn 
sie in grosserer Menge neben einander liegen, der betveffenden 
Stelle ein netzartiges Aussehen verleihen; allmalig •verschwinden 
auch sie. 

Ueber die Factoren, welche die Umwandlung der Starie in 
Schleim beherrschen, ob dieselben namentlich chemischer oder 
physikalischer Natur sind, geben die bis jetzt gewonnenen That- 
sachen zu wenig Auskunft, als dass bei der Schwierigkeit des 
Gegenstandes schon jetzt eine Hypothese anfgestellt werden 
durfte. 

Die Samenepidermiszellen enthalten ausser Starke nur sehr 
geringe Mengen Protoplasma, dessen Mitwirkung moglicherweise 
bei der Umwandlung eine RoUe spielen konnte. Die Warme ist 
jedenfalls von hervorragendem Einfluss auf den fraglichen Vor- 
gang. An beissen Sommertagen zeigte sich namlich derselbe in 
so hohem Grade beschleunigt, dass sich die Zwischenstadien der 
Beobachtung entzogen, wahrend sie sich in den kiihlen Herbst- 
monaten bequem verfolgen liessen. Die beiden Arten der Um- 
wandlung lassen auf eine Verschiedenheit in der Molecularstruc- 

1) Wenn man der Anhaufung eines derartigen formlosen Products tlber- 
haupt noch den Namen einer Verdicku ngsschicht znerkennen kaau. 

14* 






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212 

tur der Starkekorner schliesseii. Im ersten Fall, in dem die 
Subsianz derselben gleichmassig und centripetal verfiussigt wird, 
ist vermuthlich dasGetuge ein festere:^, ao dassdie verfliissigende 
Einwirkung nur schichtenweise vorzudringen vermag. Die zweite 
Art der Umwaudlung wttrde sich durch eine grossere Lockerheit 
ira Gefiige des Starkekorns erklaren, weiche gestattet, dass sich 
der Yorgang rascher durch die gauze Substanz des Korns und 
allenthalben verbreite und in diesem zuuachst die Gianulose und 
dann die resislentere Cellulose verliiissigt werde. 

Gegen den polarisirten Lichtstrahl ist das Verhalten der 
Starkekorner, je nach dem Veriauf ihrer Umwandlung verscbie- 
den; die Einen, weiche sich centripetal verkleiuern, zeigen das 
schwarze Kreuz solange noch Stiirkesabstanz wahrnehmbar ist; 
die Anderen dagegen zeigen es nur an dtm uuveranderten Koru, 
wahrend es je nacb dein Grad der Uniwandluug weniger wahr- 
nehmbar wird, bis sie zuletzt gar nicht mehr polarisiren oder 
nur am Rand glanzen. 

Es bedarf wohl kaum der Erwahnung, dass man die Um- 
wandlung der Starkekorner in Schleim nicht an ein und demsel- 
ben Korn verfolgen kann; wohl aber vevraag man die Reihe der 
EntwicklungSYorgange durch Zusamiuenhalt der verschiedeuen 
Umwandlungsstadien an verscbiedeneu Koruern lUckeulos herzu- 
stellen. Das durch Desorganisatiou der Starkekorner gebildete 
Product umgibt dieselben als eine farblose, mehr oder weniger 
klare, durchscheinende; weiche und zahe Masse, die, wie es 
scheint, ziemlich rasch durch die Schlaucbmembrau hindurch dif- 
fundirt. Ob diess erste Product schon fertiger Schleim ist 
oder ob sich zunachst aus dem Stavkemehl ein, zwischen diesem 
und dem Schleim stehendes Uebergangsproduct bildet, vermag 
ich zur Zeit nicht zu entscheiden. Ich glaube wahrgenommen 
zu haben, dass allerdings jenes Product sich von dem schliess- 
lich resultirenden Schleim durch grossere Loslichkeit in Wasser 
und geringere Quellungsfahigkeit unterscheidet. 

Wenn ich bei dem reciproken Auftreten von Starkemehl und 
Schleim in ein und derselben Zelle die Mitwirkung eines Diftu- 
sionsvorganges annehme, so glaube ich, dass nach Zusammenhalt 
der Thatsachen fUr die Hinuberschafiung der sich umwandelnden 
Starke aus dem Lumen des Schiauchs, durch dessen vollig homo- 
gene Membran, in den peripherischen Raum der Zelle, kein an- 
dever physikalischerVorgang alsErklarung denkbar ist. In eine 
weitere Erorlerung dieses Vorgangs hier einzugehen, durfte bei 



\ 



213 

unserer geringen Kenntniss der Diffusionsvorgange in Pflanzen- 

zellen gewagt sein. Wir wissen einerseits, dass PflaDzenschlelm, 
Eiweiss etc. sowohl durch todte thierische, wie auch durchPflan- 
zenmembranen nur sehr schwierig dnrchgehen; anderseits aber, 
dass dieselben Substanzen durch die Membran derlebenden Zelle 
lebhaft dififundiren; ferner hatHofmeister gezeigt, dassLeinsamen- 
schieim beim Aufquellen durch die durchaus homogene Aussen- 
wand der Zelle durchtritt; es verhalt sich also die Membran der 
lebenden Zelle jedenfalls anders, als diejenigen, *welche man in 
der Kegel zu derartigen Versuchen verwendet. Ichhalte es, wie 
ich schon oben angedeutet babe, flir moglich, dass zwischen Starke und 
Schleim ein Uebergangsproduct steht, welches moglicherweise leichtcr 
dififundirtalsSchleiui, dessen Isolirung niir aber nicht gelungen ist. 
Die Diflfusion ist librigens jedenfalls fiir die schliessJiche 
Bilduug des Schleims nur ein nebensachlicher Vorgang, denn bei 
den ersten der oben beschriebenen Ausnahmefalle, bei denen 
kein axiier Schlaueh vorhanden war, weil sich die secundare 
Membran nicht abgelost hatte, ging die Umwandlung der Starke 
gerade so vor sich, wie in den gewohnliehen Fallen. 

Jjepidiuwn sa.tivum. 

Die Samen von Lepidium sativum aind bereits von Caspar! 
und Hol'nieister untersucht worden. Caspari') erlautert beson- 
ders den anatomisehen Bau des Sameus und findet die Samen- 
schale aus vier Schichten bestehend: „nach aussen die Epider- 
miszellen, deren innere Wand *) eine pilzahnliche Verdickung 
tragt; dann folgt eine Schicht brauner Zellen, deren innere 
Wand und die Seitenwande zur Halfte stark verdickt sind; auf 
diese eine dritte braune Schicht und als innerste eine nicht ge- 
Jarbte Schicht, welche weisse in Saure losliche Kdrner enthalt/' 
Meine Beobachtungen weichen abgesehen von der Deutung des 
Schlauchs als Verdickung der unteien Zellenvvand, insofern von 
denen Caspari's ab, als die Seitenwandungen der zweiten Schicht 
nicht bis zur Halfte, scudern ganz (Fig. 8 b) verdickt sind und 
dass die der dritten Schicht (Fig. 8 c) nicht braun gefiirbt, sondern 
I'arbios sind; diese, sowie die foigende Schicht (Fig. 8 d) besteht 
aus diinnwandigem tafelformigeniParenchym; die Zelien der vier- 
ten Schicht sind etwas hoher als die der dritten. Hofmeister*) 

1) Genera plantar, flor. germ. XXVII, 

2) Es ist die untere gemeint. 

3) Berichte fiber die Verhandlungen der k. Sachs. Gesellsch. der Wis- 
sensch. a. Leipzig 1858 I. d. 20. 



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214 

theilt Folgendes mit: „Auf trocknen oder in Alkohol liegenden 
Durcbschiiitten erscheint die Zellhoblung als ein niedriger, ver- 
kehrt keg^elformiger Raum, nur schwer von der verdickten un- 
deutlich geschichteten Zellwand zu unterscheiden. NachBefeucht- 
ung ninimt der Hohlraum in der, vorwiegend in radialer Richt- 
nng gedehnten Zelle eine Form an, welche Caspari trefifeud mit 
der eines Hutpilzes vergleictt Nicht nur die ausserste, sondern 
auch die innerste Lamelle der Wand zeigt geringeres Aufquell- 
ungsvermogen. Die Zellhohlung erscheint in der aufgequollenen 
Zelle von einer ziemlich dicken, farblosen Membran umscblossen. 
Der Raum zwischen dieser und den aussersten Lamellen der J 
Aussen-und Seitenwandungen ist von ganz dunnfliissiger Galleite J 
erfiillt, deren Beschaffenheit es erklart, wie Caspari sie als In- 
haltsflussigkeit der Zelle, den Zellraum mit seinem eingedorrlen 
Inbalt als pilzformige Verdickung der Innenflache der Zellhaut 
auffasste." 

Aus den Angaben Caspari^s und Hofmeister's geht bervor, 
dass diese Forscher die Epidermis schon reifer Samen bei 
rascbem Aufquellen in Wasser oder erst nach dem Aufquellen 
beobacbtet baben. 

Icb beobachte Folgendes : Die Zellen der eingetrockneten 
Samenepidermis sind auch bei Lepidmm sativum bedeutend zu- 
sammengedruckt, so dass ihre SFructur nicht erkennbar ist. Bei 
langsamem Aufquellen dehnen sich ihre sehr dunnen Seitenwande 
in der Regel in wellenformigen Linien (Fig. 8 a. Fig. 9 a) 
deren Steigungswinkel immer grosser wird, erheblicb aus, bis 
sie allmalig gerade Linien bilden. Da die Befeuchtung der 
Zellen gewohnlicb von aussen nach innen stattfindet, so schreitet 
selbstverstandlich auch in dieser Richtung die Aufquellung und 
Streckung fort. 

Die Epidermis besteht jetzt aus sechsseitigem Parenchym 
(Fig, 11). Jede Zelle entbalt einen axilen Schlauch, dessen beide 
Enden mit den entsprechenden Zellenwanden verwacbsen sind 
(Fig, 9 a und d) Der Raum zwischen dem Schlauch und den 
Seitenwaodeu ist mit Schleim ausgefullt (Fig. 9 a und d). Diese 
Vcrhaltnisse sind also denen vou Plantago ganz ahnlich; ein ge- 
ringer Unterscbied zeigt sich in der Gestalt des Schlaucbs, die 
bei Lepidmrn mehr cylindrisch ist. 

Bei mehr "Wasserzutritt strecken sich die Seitenwande nocb 
mehr; die Ausseuwand wolbt sich halbkugelig und wird mit den 
sich streckenden Seitenwanden zwar fortgeschoben, von dem auf- 



215 



quellenden Schleim aber nicht gesprengt. Der axile Schlauch 
kann wegeii der geriogen Elasticitat seiner Membran auch hier 
der Ausdehnung der Zelle nur wenig iiber seine ursprlingliehe 
Lange folgen, er reisst plotzlich und in der Kegel nur von der 
Aussenwand los, wahrend er mit der unteren Wand verbunden 
bleibt, undnimmt dann,indemihn derindergeschlossenen Zelle auf- 
quellende Schleim mehr oder weniger sowohl seitlich wie auch 
von oben naeh unten zusanmiendriickt (ev scheint plotzlich zu- 
sammenzuschrumpfen) eine Gestalt an, die der eines Hutpilzes 
alierdings entfernt ahnlich ist (Fig. 9 b. c und Fig. 10). 

Beim Aufqueilen unter Wasser verlauft derVorgangso rasch, 
dass sich die Einzelheiten desbelben der Beobachtung entziehen. 

Die Epidermiszellen junger Samen zeigen auch auf ihre 
primaren Membran eine s.ehr diinne secnndare abgelagert; das 
Lumen der Zellen ist mit Starkemehl, welches in Gestait und 
sonstigen Eigenschaften dem von Flantago maritima ganz ahn- 
lich ist, angefiillt. (Fig. 11). 

Die Entwicklung und die Bedeutung des Schlauchs, sowie 
die Umwandlung des Starkemehls in Schleim sind ganz gleich 
denselben Vorgangen bei Flantago maritima. 

Die Bildung des Schleims bei Linum und Cydonia babe ich 

bis jetzt noch nicht eingehender verfolgt, indessen scheint es 

mir wahrscbeinlich, dass auph bei diesen Plianzen (wie vielleicht 

bei alien iibrigen) Starkmehl das Material zur Bildung des 

Schleims liefere, wie dies fiir Linum auch schon Frank') und 
Cramer') vermuthen. 

Die Epidermiszellen der jungen Samen dieser Pflanzen sind 
auch ganz mit Starkemehl angefiillt, dessen Korner ebenso wie 
diejenigen von Flantago und Lepidium gestaltet sind. Das Ver- 
schwinden des Starkemehls und das Auftreten des Schleims 
findet auch hier in reeiprokem Verhaltniss statt und zwar in der 
Richtung von der Aussenwand der Zelle nach der unteren zu. 

Das Nahere des Vorgangs bei diesen Pflanzen zu ermitteln 
muss spateren Untersucfaungen vorbehalten bleiben. 



1) Journal f. practische Chemie Bd. 95. S. 479. 

2) Nageli und Cramer*, Pflanienphysiolog, Untersuchangen 3. Heft. 



>^ 



216 



Erklarung der Abbildungen. 



Fi'^ 1. Quersehnitt durch die Samenschale von Flantago mari- 

tima. Die Samenepidermiszellen (abed) sind lang- 
sam aufgequollen und zeigen verschiedene Reife- und 
Entwicklungszustande; e innerste braune Scbicht der 
Samenschale; f. Endosperm. 

Fig. 2, Die Zellen der Samenepidermis sind starker aufgequol- 
len; die Schlauche in denselben bereits von der untereu 
(b) Oder der oberen (c) oder beiden Wanden (d) abge- 
rissen. 

Fig. 3. Vollstandig aufgequollene Zellen; die obere (Aussen-) 

Wand ist gesprengt. 

Fig. 4. Epidermiszelle nach Behandlung mit tiberinangansaurem 

Kali und Salzsaure. 

Fig. 5. Quersehnitt durch die Samenscbale gauz junger Sanien. 

Fig. 6. Samenepidermiszellen von oben (Tangentialschnitte) 

betrachtet. 

Fig. 7. Starkekorner aus den Zellen der Samenepidermis. 

Fig. 8. 9. und 10. Querschnitte darch die Samenschale you Lepi- 

dium sativum\ die Epidermiszellen in verschiedenen 
Stadien der Aufquellung. 

Fig. 11. Epidermiszellen von oben (Tangentialschnitte) betrachtet. 



Beitirage zur Flora der Pfalz, 

von Dr. F. S c h u 1 1 z in Weissenburg im Elsass. 

Vierter Nachtrag. September 1874. 

(Schluss.) 

SymphyUim hilbosiim i.st sicher in. der Pfalz nicht urspriing- 
lich einheimisch und wohl nur z. Z., mit dem Wurzeln von Re- 
ben aus dem Siiden in die Weinberge der Pfalz gekommen. Es 
vermehrt sich sehr schnell durch die Knollen, die Friichte schei- 
Bcn aber meist fehl zu scnlagen. Kochs Angabe der Bliithezeit 
„Mai, Juni^' ist falsch, denn es blUht in der Pfalz nur zwischen 
dem 15. April und 8. Mai, in ihrem stidlk-hen Vaterlande aber 
naturlich noeh Iruher. In Deutschl. Fl., 2. Band, 1826 pag. 79, 
sagt Koch : „die bei Heidelberg vorkommende Pflanze stimmt ge- 



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217 

nau mit dem Symphytum tuberosum, welches in der siidlichen 
Schweiz und im siidlichen Frankreich wiichst llberein/' In der 
1850 erschienenen Fl. d. France von Gren. et Godr. ist S. hil- 
bosum aber nur in Corsica „a Calvi (Bertoloni)" angegeben und 
Koch sagt in der synops. ed. 2 p. 575: ,, specimen gullicum vero, 
ab amico b. Zizio prope Telonum lectum, ad aliam, et quidem 
quantum scio indescriptam speciem pertinet, quam in D. 11. 1. c. 
cum S. huTboso confundi:5. medUerraneum^ rhizomate . . , ," etc. 
Die Beschteibuug ist, wahrscheinlich nach einem Stiickchen ohne 
Wurzel gemacht, sehr unvollstandig. Ein tieissiger Sammler furs 
herb, norm., Herr Professor Huet hat bei Toulon seit 12 Jahren 
vergeblich nach dieserPflanze gesucht und mir endlich, 1872, ein 
Symphytum gesendet, welches Herr Schuttleworth bei Hyeres 
uufern Toulon, gefunden, und, weil es nicht S, medUerraneum 
Guss. ist, S. floribundum genannt hat. Ich babe die Pflanze, 
welche ich nun von Herrn Huet in der nothigen Zahi von Exem- 
plaren erhalten, ins herb, norm, aufgenommen, zwei, von demsel- 
ben.erhaitene, Stocke haben im Garten gebluht und ich habe da- 
von folgende Beschreibung. gemacht. Den IS'amen S. medUerra- 
neum Koch habe ich beibehalten, weil in der Gegend von 
Toulon kein anderes Symph. gefunden wurde, das dafur gehalten 
werden konnte, 

Symphytum medUerraneum (JS.oq^ syn. fl. germ. ed. 1 et ed. 2 
575, F.SchuItz Arch.Fl. d'Eur.p. 27. et herb. norm, nov.ser. 106, DC. 
prodr. 10 p. 507, (excl. synon. Guss.) non Guss. necG. G,;S. flori- 
bundum Schuttl. in sched.) radice fusiformi, ramosa; caule folioso 
ramoso, apice bifido; foliis ovatis, vel basi subcordato-ovatis, in- 
ferioribus in petiolum et caulem decurrentibus supremis sessili- 
bus, in caulem decurrentibus; racemis densifloribus; floribus nu- 
merosis ; pedunculis calicc brevioribus; calice cylindrico-campa- 
nulato, apice quinquedentato, dentibus erectis, corolla adpressis; 
corolla subinfundibuliformi-cylindrica, limbo quinquedentato, den- 
tibus tubo quadruple brevioribus, erectis, demum patulis; fornici- 
bus inclusis; antheris filamento longioribus; stylo exserto; fructi- 
bus globosis, obtusis, minimis vel abortivis. 2f, Floret majo, 
junio. Habitat ad fossas et vias, in culturis prope Hyeres 
(Schuttleworth et Huet). 

Diflert a S, medUerraneo Gussone, >S. bulboso Schimp. et S, 
tuberoso L. radice non tuberosa et a S, officinalis foliis latioribus, 
radicalibus basi subcordatis, racemis densius florigeris, calice 



218 

apice quinquedentato, nee ad basin penes usque quinquefido;den- 
tibus corollae non recurvatis. 

Quuffi, post Kochium, cl. Gussone, sub nomine S. mediterra- 
mi, alteram speciem descripsit, planta sua S. Qussonei denomi- 
nanda est. 

Herr Schluttleworth sagt, in einer Bescbreibung welche mir 
Herr Huet mitgetheilt , ^corolla (ochroleuca) parva'\ aber im friscben 
Zustande ist dieBlume weisslich, wie bei S. officinale albiflorum mit 
etwas grUnVicben happen und mrd erst spater, oder durchs Trocknen 
„ochroleuca." Sie istauch nicbt kleiner als bei S, officinale oder 
bei S. bulbosum. Koch sagt nichts von der Fruc.ht und Herr 
Schuttlewortb auch nicht. An den Exemplaren welche ich unter- 
sucht, scheinen die FrQchte fehlgeschlagen zu sein, denn es ist 
keine vollkommen ausgebildet. Kein Schriftsteller spricht vom 
Kelch, der jedoch bei dieser Pflanze ein Hauptmerkmal bietet. 

Digitalis media babe ich im Juli 1873 und 74 vergeblich ge- 
sucht und zwar bei Niederalbeae und Wieselbach, wo sie Koch, 
ich und Bogenhard, vor mehr als 30 Jahren gefunden baben. Sie 
scheint durch noMtzen Sammeleifer ausgerottet worden zu sein. 

Die vermeintlichen Eltern, D. ambigua und D. Itdea fand ich 
aber, wie friiher, auch diess Jahrnoch in zahlloser Menge daselbst, 

Veronica polita Fries 1814; V, didyma Tenore 1826. 

Euphrasia verwaBellardi; E, Odontites auct. et pro parte, Pol- 
licb, 'Koch. Aecker, Saatielden 

E, Odontites L. et, pro parte, Pollich, Koch ; E. serotina Lam. 
et auct. gall., non Kpch. Bliiht wenn E. verna bereits reife Frttchte 
hat. Wiesen, ungebaute feuchte Orte. 

E. Kochii F. S.; E. serotina Koch, non Lam. ; Odontites sero- 
tina var. canescens Rehb. Italien, siidlicfae Schweiz, Triest, Dal- 
matien. 

jE*. litoralis Fries ; E. verna Wirtgen, non BeJardi. Feuchte 
Wiesen auf Salzboden, Roselthal bei Forbach, Durkheimer Saline. 

Mentha piperita L. fand ich zwischen Scbilfrohr (Phragmites) 
mit M* nemorosa, M. aquatica var. verticillata^ M. sativa u. s. w. 
an Ufern bei Weissenburg, wo ich sie, fiir die nachsten Centurien 
meines h. n. gesammelt habe. Cosson et Germ. (FL de Paris p. 
315) Ziehen die M, pip., als var. fi, glabra, zu M. pi/ramidalis 

Tenor. Aber diese ist die darneben wachsende M. aquatica var. '( 

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219 

verUcillata (M. aquatica $, subspicata Benth. in DC. Prodr.) und 
ich konnte keine Uebergangsforraen in M. piperita finden. 

Planiago ramosa {Psyllium Gilib.) Achers. ; P. arenaria W. et 
Kit; P. indica L.?. Von Karlsruhe bisBingen auf beidenRhein- 
ufern, wohl erst in den letzten 97 Jahren eingewandert, da sie 
Pollich nicht bemerkt hat. 

Castanea sativa Mill; C, vulgaris Lam; Fagiis castanea L. 

Potamogeton alpino-natans F , SchuMz in Jahresb. derPoll. 1863; 
P. rufescenti-natans F. S. I c. 1861; P. spathidatus Koch et 
Ziz. non auct. Diese Pflanze welche ich sowohl in meiner Fl. 
exsicc, als auch in meinen herb, norm, gegeben, findet sich nur 
in Graben und Bachen ausgetroekneter Weiher. P,alpinus, wel- 
ches sich in fruheren Jahren, an denselben Stellen, bei Kaisers- 
lautern und zwiseheu Homburg und St. Ingbert, fand, ist daselbst 
ganz verschwunden, wahrend P. spath. sich noch vorfindet, aber, 
wegen dem ofteren Putzen der Graben und Bache, selten mehv 
zuv BlUthe und gar nicht zur Fruchtreife gelangt. Ich habe es 
auch bei Weisseuburg cultivirt, wo es sich, durch die zahlreichen 
Auslaufer schnell vermehrte, wohl zurBluthe, abernie zlir Frucht- 
reife gelangt ist. Die unreife Frucht ist genau wie die des P. 
alpimis beschafien zu welchem es wohl als var. sierilis gehort. 
Es wird beim Trocknen auch meist roth, wie dieses. 

P. coloratus Vahl. Diese bei uns seltene Pflanze, welche 
fruher in der Pfalz nur bei Mainz und bei Waghausel uud vor 
28 Jahren von mir in der Gegend von Speyer gefunden worden 
ist, habe ich, an einer der Stellen, zwischen Schifferstadt und 
Schauernheim, wieder gefunden nnd fiirs herb. norm, gesammelt. 

P. trichodes Cham, et Schl habe ich vor 20 Jahren zwischen 
Weissenburg und Schaidt gefunden aber in den letzten Jahren 
vergeblich gesucht. P. pusillus L. ist in dieser Gegend sehr 
gemein. 

Orchis purpurea Huds. und 0. militaris L. Auf Maschel- 
kalk bei Bergzabern fand ich Exemplare, von denen es schwer 
zu bestimmen ist, zu welcher von beiden sie gehoren. Erstere 
ist vielleicht doch nur var. von letzterer. 

Orchis bifolia L. und . montana Schmidt {0,virescens ZolWk-) 
unterscheiden sich auch dadurch, dass letztere 14 Tage frUher 
blijht als erstere, nemlich in den letzten TagendesMai oder den 
ersten im Juni. Nun erinnre ich mich aber in der Gegend von 






920 

Speyer, am 6. oder S.Juli eine 0. in schonsterBluthe gesehen zu 
haben, welche ich, obgleich sie iippiger und grosser war, damals 
fur 0. hifolia gehalten habe. Es ist aber wahrscheinlich eine 
davon verscbiedene Art, welche den NamenO. rhenana erhalten 
soil und ich empfeble deren Aufsuchung den um Speyer Sam- 
meluden. 

AntJiericum Liliago L* et var. ramigera F, S. fand ich immer 
zwischen dem 20. Mai und 15. Juni bliihend. 

A. ramosum L. et var. simplex F. S. dagegen zwischen dem 
30. Juni und 20. August. Meine var. simplex, welche keine Spur 
von eiuem Aste hat, fand ichbei keinemSchriftsteller angegeben. 
A, ramos. hat meist scbmalere Blatter als A. Liliago, ich fand es 
aber auch auf der Vogesias bei Lantern mit Thalictrum silvali- 
cum, und auf kalkhaltigem Diluvium bei Strassburg mit T. gali- 
oides, so breitblattrig wie A. Liliago und mit ganz flachen und 
nur gegen die Basis etwas rinnigen Blattern. Solche Exemplare, 
besonders der var. simplex, werden oft mit -4. Li^ia^overwecbselt, 
durch die Bluthe und Frucht sind aber beide Arten leicht zu 
unterscheiden. Bei A. Liliago sind die Bluthen noch so gross 
als bei A. ramosum, die Bliithestielchen sind unter ihrer Mitte 
gegliedert, der Griffel gekrummt aufsteigend, die Kapsel eiformig 
dreikantig, spitzig, bei A. ramosum sind die Bluthestielchen hart 
an der Basis gegliedert, der Griffel gerade, die Kapsel kugel- 
rund-dreikantig, stumpf und mit einem Stachelspitzchen. 

Carex contigua Hoppe; C. muricata L., pro parte; C mur- 
var, vwZ^aris Anders.; Cmz(nvar,i/icrass(^^a Crepin. Fast iiberall. 

C. Leersii F. S.; C. muricata Hoppe, et pro parte L.; C 
muricata § elongata Gren.; C. canescens Leers, non L.; C. virens 
(non Lam.) var. a Buriaei F, S. in Jahresb. d. Poll. 1863. Voge- 
sias, Rothliegendes, Tertiar- und Muschelkalk an den Abdach- 
ungen des Haardtgebirges gegen das Rheinthal bei Weissenburg 
und Neustadt, Porphyr am Donnersberg, Melaphyr bei Kusel, 
Vogesias und Buntsandstein bei Saarbriicken und zwischeu 
St. Ingbert und Blieskastel (F. S.). Durch trocknen Jahrgang 
verkummerte Exemplare, mit unreifer Frucht, von den zwei letzten 
Orten,habeichz.Z.mit(7. C/ia6erttverwechseltunderstals C. Leer- 
sii erkanntals in den Garten gepflanzte Stcicke reifeFrtichte beka- 
men. Diese sind nemlich bei C. Leersii sternformig-abstehend, bei 
C. Chaberti aber aufrecht. Letztere wurde in Deutschland noch 
nicht gefunden und die Exemplare, wdcbe ich in der neuesten 
Centurie des herb, norm, gebe wurden in Frankreich gesammelt. 



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221 

C divulsa Good. Diluvium des Rheinthals bei Hagenau 

(Billot)" haufig undKandel (F. S.), Vogesias zwischenRechtenbach 
und Bobenthal (F. S.) selten, Muschelkalk bei Hornbach (seit 
Bruch) haufig. Die Angabe am Donuersberg und bei Kusel be- 
ruht auf einer Verwechselung mit 0. Leersii. Von dieser unter- 
scheidet sich C. divulsa durch aufrechte Frtichte viel spatere 
Bltithezeit u. s. w. 

C, Pairaei F. S. Ausser denfriiher augegebenenOrten auch 
auf Vogesias zwischen Neustadt und Lautern (F. S.) z. B. bei 
Frankenstein. 

C htimilis, Auch auf Vogesias, gerade iiber dem Rothlio- 
genden bei Neustadt (F. S.). 

Bromus asper Murr. ; B. montanus Pollich ist uicht so all- 
gemein verbreitet als man gewohnlich annimmt und an mehreren 
Orten, wo er angegeben wird, steht statt dessen Festiicagigantea. 
Lautern, wo ihu sebon Pollich angiebt, ist der einzige Standort, 
welcher mir in der Pfalzer Vogesias bekannt ist, ich fand ihn 
auf dera Muschelknlk um Zweibruckeu, Pollich auf Porphyr am 
Donnersberg, auf Schieter bei Stromberg und (auf Vogesias?) bei 
Heidelberg und Neckargemtind. In Succow's Fl. mannhemiensis 
ist die Pflanze nur in den Rheinwaldungen bei Altrip angegeben 
in Dierbach's Fl. Heidelb. aber auch auf den Muscfaelkalkbergen 
um Nusloch und Wiesloch. Was ich bisher von Pflalzer Stand- 
orten gesehen, gebort zur Normalform , die var, ^ serotinus 
Aschers.; B. ser* Benecken, konnte aber auch in der Pfalz vor- 
kommen und ist darnacb zu suchen. 

Pihilaria glohidifera L. Davon und von Utricularia inter- 
media babe ich, vor vielen Jahren, von Lautern mitgebrachte 
Plianzen in eine Pfiitze bei Schweighofen (Pfalz) unfern Weis- 
senburg geworfen. Die Pilularia hat sich da so vermehrt dass 
sieAlles bedeckt, die Utricularia ist aber wieder verschwunden. 
Sie ist auch bei Lautern selten geworden und kommt daselbst 
seit 20 Jahren nicht mehr zur Biuthe, 

Buxhaiimia 'aphylla. Vogesias auch haufig zwischen Weyer, 
(bei Edenkoben) und dem Frankenberg (F. S.). 

Wehera annotina. Vogesias auch bei WUrzbach (F. S.). 

OrthotricJmm rupestre, Melaphyr auch zwischen Winnweiler 
und Rockenhausen (F. S.)- 

Grimmia sphaerica. In der Flora 1871 ist ein Druckfehler 
stehen geblieben. Statt G.pulvinata y2^v. gymnostoma, soil stehen 
Cr. apocarpa var. gyynnostoma F. S. in sched. 1824. Die Ver- 



222 

wechselung rtihrt daher, dass gleich daneben Schistidum pulvina- 
turn steht, welcbes ein Synonym Yon Grim, sphaeriea ist, 

Bacomitrium subsessile {Schistidum Brid. mant.) bryol. eur., 
welches Herr Bauer auf dem Sande der Syenittriimmer bei Mal- 
chen, in der Gegend von Darmstadt gefunden, von wo es durch 
Dr. J. Scriba gesammelt, im herb. norm. (S, et W. cryptog. 75, 
cent. I) gegeben warde, konute wohl auch ia dev Pflalz geluBden 
werden, z. B. auf dem Basalt bei Wachenheim. Es ware aber 
im Februar oder Marz, spatestens im April zu suchen. 

Brachyodus trichodes. Der Stein, auf welchem diess Moos 
Herr P. Miiller, bei St. German unfern Weissenburg gefunden 
und fiir Campylostelium saxicola gehalten hatte, ist, von Stein- 
brechern entfernt worden und so daselbst verschwunden. Ich 
fand es aber in Menge bei Kumbacb u. s. w. in der Gegend von 
Dahn. 



Nachsclirift. Als ich Vorstehendes zum Druck absen- 
den wollte erhielt ich ein Schreiben von meinem jungen Freunde 
med. Dr. J. Scriba, worin er u. A. Folgendes sagt, was mit 
meinen Beobachtungen iiber Diplotaxis ubereinstimmt: 

„Ich werde Ihnen nachster Tage A\q Diplotaxis schicken, von 
der ich 300 Exemplare gesammelt habe, sowohl muralis als vi- 
minea, als auch Zwischenformen und zwar seiche, die der mura- 
lis und solche die der viminea naher stehen. Diese sind aber 
keine Hybriden, sondern wirkliche Zwischenformen, da sie viel 
haufiger sind als viminea und muralis. Es sind dabei gross- 
bltihendc mit stumpfer kopfformiger Narbe und kleinbliibende 
mit ausgerandeter Narbe, solche, mit rasch in deu Nagel zusam- 
mengezogeneu Kronblattern und solche mit ganz allmahlig schma- 
ler werdenden. Es giebt eine sehr grosse Anzahl von Formen, 
die man frich beobachten muss, um sie genaukennen zu lernen." 



Herbarium von F. Schaltz. 

Durch mein hohes Alter, geschwachte Augen und andereUm- 
stande, sehe ich mich genothiget die Herausgabe des Herbarium 
normale. aufzugeben, und gedenke nur noch zwei Centurien her- 
auszugeben. Fiir diese besitze ich schon ein iiberreiches Ma- 



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223 

terial, welches noch duroh diess Jahr von Freunden gesammelte 
Beitrage vermehrt werden wird. Icb bitte daher meine Freunde 
and Sammler nachstes Jahr nichts mehr fur mich zu samraeln. 
Main Herbarium, welches, mit den Doubletten und den Vorrathen 
des Herbar. normale, 4 Zimmer fullt, gedenke ich zu verkaufen. 
Wer es kaufen will, muss es sehen, denn ich besitze weder ein 
Verzeichniss des Herbariums noch Doublettenverzeichnisse. 
Meine Adresse ist: Dr. Schultz, Akademiker, Weisseoburg im 
Elsass. Unfrankirte Briefe nehme ich keine mehran und zweck- 
lose beantworte ich nicht mehr. 



Weissenburg ira Elsass, September 1874. 



Schultz 



i Nachschrift. 



Seit ich Obiges zum Druck abgesendet, erging von Freunden 
und von Subscribenten des Herb. norm, die Bitte an mich, doch 
noch 2 Centurien herauszugeben. Ich kann desshalb meine 
Sammlungen nicht verkaufen, wenn der Kaufer nicht selbst die 
Herausgabe dieser Ceuturien iibernehmen will. Von den Pflan- 
zen der bereits erschienenen Centurien sind noch 30 bis 100 
Exemplare vorrathig und von denen fiir die neuen Centurien 
120 bis 200 und mehr Exemplare. 



Weissenburg im Elsass, April 1875. 



Schultz 



JBinlanfe zap BiUiothek and zum Herbar. 

32. Corresp.-Blatt des zoogl .-mineral. Vereines inRegensburg. 28. Jahrg. 1874. 

33. Transactions and Proceedings of the Royal jSociety of Victoria. Vol. 

X. 1874. 

34. L. Just. Botanischer Jahresbericht 1. Jahi^. (1873") 2. Bd. Berlin, Born- 

trager 1875* 

35. 6. Schwendener. Ueber die Verschiebung seitlicher Organe durch ihren 
gegenaeitigen Druck. Basel, Schweigbausen , 1875. 



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224 



A n z e i ST ^« 

Dem Unterzeichneten ist vielfach und immer von Neuem der Wunsch 
ausgesprochen worden: sein Verfahren bei der Praparation der Diatomaceen 

veroffentlichen zu wollen. 

Derselbe erklart sich gegen eine entsprechende Entschadigung dazu 

bereit und beabsichtigt folgenden Versuch: 

Eine geniigende Betheiligung vorausgesetzt, wird derselbe eine kleine 
Schrift nait erklarenden Abbildungen unter dem Tite] : 

Die Praparation der Diatomaceen 

in ihrem ganzen Umfange, 

verSffentlichen. 

Dieselbe soil enthalten: 

1) Das Sammeln, — 2) Das Reinigen, a. der lebenden^ b. der abge- 
storhenen im Schlamme, c. der fossilen. — 3) Das Trennen der ver- 
schiedenen Arten. — 4) Das Pprapariren, a. ais gewOhnliches (Massen- 
prdparaO-, b. als Typen- und Probe-Platte^ Geordnetes etc. 



Preis fiir die deutsche Ausgabe 30 Mark. 

„ englJsche „ 1 L. 12 s. 

,, „ franzGaische „ 40 Francs. 



/ 



11 •,•> 

11 



Ausser dem Unterzeichneten nebmen Bestellungen entgegen die Herren : 
a F. Otto MUUer, Berlin W., Koniggratzer Str. 21. 
Dr. E. Hartnack & A. Prazmowaky, Paris , Rue Bonaparte 1. 
R. & J. Beck, London, E. C. 31 Cornbill. 
Edmnnd Wheeler, London, N. 48 Tollington Road. 
C. Baker, London, W. C. 224 High Holbora. 
James W. Qneen & Co., 924 Chestnut Street, Philadelphia. 



Die Bestellungen mussen bis langstens September d, J, angemeldet 
sein, worauf im October den betr. Herren Bestellern mitgetheilt werden wird, 
db das Unternehmen zu Stande kommt, 

Im gunstigen Falle hat jeder Besteller den Preis an den Unterzeich- 
neten oder an einen der vorgenannteuHerrenzuzahlenund empfangt dagegen 
langatens Anfangs 1876 die Schrift 

W e d e 1 in Holstein. J. D. Moller, 



Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Nenbauer'schen Buchdruckerei 

(F, Huber) in Kegensburg. 




r 








58. Jahrgang. 



m 15. 



Regensburg, 21. Mai 



1876. 



Inhalt« Dr. Heinrich Wawra: Beitrage zur Flora der Hawai'schen 
Inseln. Fortsetzung. — Dr. Carl Kraus: Planzenphysiologische Unter- 
suchungen. Fortsetzung. — F. Baron Thtimen: Pilze auf Borkenkafer-Holz. 
Einlaufe zwr Bibliothek und zum Herbar, 



Beitrage zur Flora der Hawai'schen Inseln 

von Dr. Heinrich Wawra. 

(Fortsetzung). 




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Peperomia Mauiensis sp. n. 

Herbula gracilenta, caulibus erectis glabris parcissime dicbo- 
tomis ; foliis pctiolatis tenerulis, quuternis — seuis, anguste spa- 
thulatis glabratis uninerviis; ymentis terminalibus longe pedunca- 
latis longiusculis densifloris; bracteis oibiculatis ovario sessili 
obovoideo apice subobliquo; baccia ovoideis rhachi glabra subim- 
niersis, resinoso pupillosis. 

CauJes e radice nbhlloso-contexta pluies, erecii vel adscen- 
dentes glabri superne cum petiolis ad lenteni hirtelli. Folia 
membianac'ca tciua— quiiiJiad iamific;;tioueri et seiia, abjecto peti- 
oio 2 — 3 lin. longo capillaceo 8 — 10 lin. longa, apice rotundato 
2 lin. lata, supra saturate viridia subtus violacca et albido picfa, 
parce hiitella ct plerumque glnbrata. Podunculi glabri capillacei, 
I'A poll, longi. Aineuta 2- 2V» poll, longa, deiuum remotillora. 

Flortv 1875 15 



226 



Bracteae ad margines hyalinae. Antherae flavidae, loculis rima 
longitudinali dehiscentibus. Stigma subanticum papillosum. 

Maui; feuchte Schluchten im Wailukuthal; 1828. 

Scheint trotz dem sehr verschiedenen Aussehen der vorigen 
docb nahe verwandt zu sein; ob die angedeuteten Unterscbiede 
2ur Sicherstellung der Art hinreichen ist mindestens zweifelhaft. 

Feperomia insularuyn 7 Miq. in HooLLond. Journ.bot. IV 422. 

Herba semipedalis; caules e radice plures ad basin plerum- 
que decumbentem radicantes, cum petiolis pedunculisque hirti. 
Folia iufima opposita, superiora quatevna vel et quina, in eodera 
verticillo magnitudine plerumque inaequalia, oblonga vel rbom- 
beo-elliptica, basi in petioium 1 lin. Igm angustata, apice obtu- 
siuscula undique hirta deraumque glabratn, resinoso-pulverulenta- 
trinervia, nervis subtus prominulis, n. mediano usque ad lam. 
apicem protenso, lateralibus sub apice evanidis. Amenta ad cau- 
lis apicem conferta (5 — 8) ; pedunculo semipollieari subglabro ; 
rhachi V/t poll, longa filiformi, remotiflora. Bracteae orbiculares 
majusculae membranaceae. Ovarium late ovoideum fuscum ; stigma 
ad ov. apicem obliquum subanticum demum terminale. Antberae 
in filamentis brevissimis orbiculares, longitudinaliter dehiscentes. 
Bacca fusca minute areolata, ovoideo-globosa subapiculata. 



Maui; Fuss des Haliakala; 1870. 

Folia opposita? unsere Pflanzen haben 



fast durchgangig 



4blattrige 'Wirtel;doch stimmt dieubrigeBeschreibuns ^^t ibneii 
Uberein, nur diirften unsere Pflanzen etwas kahler sein. — Bei 
Arten mit sitzenden oder haibeingesenktenOvarien ist dieFrucht- 
knotenspitze gewohnlich etwas schief, wahrscheinlich inFolge des 
Druckes vonSeite derSpindel; beim befruchteten Ovarium gleicht 
sich diese Unebenheit meist wieder aus, 

Feperomia Gaudichaudii Miq. Syst. Pip. 217. 

Erecta sesquipedalis glabra ramosa. Caulis calami scriptorii 
crassitie, teres; internodia (inferiora) pluripollicaria. Folia in- 
feriora opposita superiora terna, in eodem veticillo modo magni- 
tudine aequalia modo inaequalia et nunc aequilatera nunc inae- 
quilatera, nervo mediano tunc curvato; petioli ferepollicemlongi; 
lamina elliptica utrinque angustata et acuta membranacea, supra 
laete viridis subtus pallida; conferte pellncide punctulata, 2V2 
poll, longa ac pollice latior (folia superiora sensim breviora et 
brevius petiolata), dempto nervo marginali5-nervia; nervis ruben- 
tibus subtus piominulis, mediano validiore et usque ad lam. api- 
cem percurrente, 2 lateralibus gracilibus supra medium — 2 ex- 



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227 

timis infra fol, medium evanescentibas ; nervulo marginali 
ultra quem margo hyalinus et erosulus, usque ad lam. apiccm 
conspicuo; nervis omnibus subtiliter raruulosis. Amenta in foK 
superiorum axillis nunc solitaria nunc geraina, ad vcrticilluni 
sumraum — quina, pedanculis semipollice longioribus stipitata, 
— 4 poll, longa filiformia striata. Bracteaeorbiculares fuscae, medio 
glanduloso-punctulatae, margine crispulo hyalinae. Ovarium ova- 
ideum sub anthesi bractea tectum, rhachi carnosae baud rugosae 
adpressum nee vero immersum; stigmate ad ov. apicem obliquum 
subanthico post anthesin demum terminali. Antherae oblongae. 
Bacca libera ovoidea fusco-virens obtuse apiculata. 

Oahu; an den Pali; 1760. 

Konnte vielleicht mit demselben Recht zn P, membranacea 
Hook. a. Arn. (Miq. 1. c. 120) gezogen werden: die letzteie bat 
nur cinfach gegenstandige Blatter. — Nach Miquel sollen die 
Beeren schwarz sein, unsere Pflanzen haben im Gegensatz zu 
alien andern Torliegenden haw. Piperaceen grtinliche Beeren. 

Peperomia Hesperomannii^) spec. n. 

Herbacea glabra, caule erecto simplici foliis oppositis et qua- 
ternis breviter petiolatis lineari-lanceolatis membranaceis uniuer- 
viis; amentis terminalibus solitariis vel geminis remotifloris; fila- 
mentis longiusculis; ovario crasso ad apicem umbonatum stigraa- 
tifero. 

Herba pedalis; caulis solitarius e basi decumbente et radi- 
cante erectus simplicissimus vel semel dichotomus, giaberrimus 
succulentus, inferne calamo scriptorio parum angustior superne 
gracilescens; internodia infima 2 poll, longa, superiora sensim 
abbreviata suprema brevissima. Folia inferiora opposita superi- 
ora plerumque quaterna, membranacea, liuearia aut lineari-lan- 
ceolata 2 — 2V» poll, longa ac 2 — 3 lin. lata, versus basin et api- 
cem seasim attenuata ipsa apice obtusiuscula et basi In petiolum 
2 — 3 lin, longum supra eiaratum acutata apice ciliolato excepto 
glabra, supra saturate viridia et (in vivo) niteatia, subtus pallida, 
conferte pellucido punctulata et punctulis resinosis raiuutissimis 
undique densissime adspersa, nervis 2 lateralibus subtillimis bre- 



1) Dem hochverdienten Forscher der hawai'schen Flora, Horace Mann, iu 
Ehren so genannt; bezuglich des Xamens P. ^.Hesperomannif-' folgte ich 
dem Vorgang Gray's, welcher demselben Botaniker eine Compositengattung 
widmete und selbe ^^Hesperomannia'-^ nannte einerseitsweilder Name ^^Man- 
nia>^ bereits vergriffen war, anderseits, um durch den Namen die amerikani- 
sche Abkunft des gefeierten Gelehrten nacbdrucklichst hervorzuheben. 

15* 



^ 



223 

vibus et nonnisi sub lente conspicuis omissis uninervia, neiTo 
in fol. pagina inferiore fortiusculo et usque ad fol. apicem per- 
currente. Amenta pedunculo glabro 3—4 lin. longo stipitata — 
3 poll, longalaxiflora; flores spiraliter dispositi,spiris ab invicem 
remotis raagnas rhacheos partes nudas inter se relinqueutibus, et 
nonnisi in amenti apice magis approximatis. Braeteae orbicula- 
res peltatae glanduloso-punctulatae et margine lato diaphanae; 
antberae in filamentis pro genere longiusculis etantbera subduplo 
longioribu9 orbiculari-oblongae, conneciivo valido fuscothecis luteis 
semiorbiculatis; ovarium rhacbi adpressum globosum; stigma in 
ov. apice (pressione?) non rare subobliquo imraersum nudum. 
Bacca . , . , 

Kauai; am Waialeale bei 6000', 2156. 

Es ist wabrscbeinlich dieselbe Pflanze, deren H. Mann (En. 
Ilaw. pi. in Proc. Am. Ac. VII 204 sub N. 463) erwahnt, ohne 
sie weiter zu beschreiben. 

Diese ausgezeicbnete Species hat die schmalsten Blatter von 
alien Peperomien die icb mich erinnere je gesehen zu haben; 
nur P. myrtillus Miq. (Syst.Pip. 154) und P.SivarUianal dtirften 
ibr in dieser Eigenbeit am nachsten kommen, und in der That 
scheint ibr letztere ziemiich nahe verwandt zu sein. P. Hespero- 
mannii unterscheidet sich jedoch hauptsachlich durcb den ein- 
fachen Stengel und die Kahlbeit der viel schmaleren Blatter. 
Eine besondere Eigenthumlichkeit sind auch die langen Staub- 
fiiden, welche sonst immer sehr kurz zu sein pflegen. — Die 
Pflanze scheint sehr selten zu sein, es v^aren nur drci Exemplare 
aufzutreiben, obgleich ich eifrig darnacb gefahndet. 

Peperomia reflexa A. Dietr. 

Diese kosmopolitische Art erfveut sich eines ungeheuren 
Formenreichthums; schon Miquel stellt eine ahsebnlicheZahl von 
Varietaten auf, welche mir fur die haw. Inseln noch um zwei 
vermehren miissen. Gerade die haw. Formen zeichnen sich 
durcb ein ganz pekuliarcs Aussehen aus; die eine (var. Oahu- 
ensis) glelcht vollstandig einem kleinen fleischigblattrigen 
Sedum. wahrend die andeve (var. HonoMensis) eine stattliche 
breiiblattrige Staude vorstellt; eine dritte Form ist die auch auf 
den Gesellschaftsinseln wachsende var. Forsteriana Miq. Doch 
muss bemerkt werden, dass die Varietaten selbst wenig Neigung 
zur Veriinderlichkeit zeigen, dass somit keine Uebergange zwi- 
schen ihnen vorkommeu; ein alien gemeinsames und liberbaupt 




^^ 






229 

das wichtigste Merkmal filr die Species sind die dichtbehaarten 
Randern der Griibchen in welehe die Bluthen sammt den Brac- 
teen sich einsenken; dadurch erscheint wahrend der Blfithezeit 
die ganze Spindl rauhaarig. 

P. reflexa A. Dietr. van Forsieriana Miq. Syst. Pip. 173. 
P. tetraphylla Hook. a. Arn. Beech. 97. 

Herbacea valde ramosa, ramis diffusis divaricatis e nodis 
radicantibus quadrangulatis apice parcissime hirtellis; internodia 
circiter 1 poll longa, surama breviora. Folia quaternatim ver- 
ticillata, petiole semilineari hivsuto sustenta, subcoviacea, 3 — 5 
Iiii. longa orbiculari-oblonga sive subrbonibea parcissime et bre- 
vissime hirtella minute resinoso — altera nigro punctata, punc- 
tulis in planta viveuti magis prominnlis asperula in sicco sub- 
laevia, obsolete trioervia. Amenta terminalia solitaria in pedun- 
ciilo glabello nunc brevissimo nunc sesquipoUicem longo, Flores 
confertissimi rhach. areolis immersi. 

Oahu; am Kaala; 2242. 

Miquel gibt die Blatter etwas grosser an; es durfte dieselbe 
Pflanze vsein welche auch Lay und Collie (Beechey) von den In- 
£eln raitgebracht haben. 

P. reflexa A. Dietr. var. Oahuensis. 

Plantula sedoides nunc subsimplex, caule tunc erecto et 
pollicem longo, nunc dense caespitosa, caulibus basi repentibus 
angulatis et non raro spiraliter tortis, foliosissimis. Folia in 
vivo valde crassa et carnosa, 4 — 6 lin. longa, orbicularia vel ra- 
rius ovata, in sicco valde rugosa et obsolete triuervia, pilis bre- 
vissimis parcissime hirtella vel grabrata, punctulis resinosis 
dense — alia punctulis nigris inimersis parce conspersa, petiolo 
brevissimo sustenta. Amenta praecedentis. 

Oahu; lehmigc kahle Stellen an den Pali; 1732, 

p. reflexa A. Dietr. var, Honolulensis. 

Suffrutescens, glaberrima. Canles e radice fibrosa plurimi 
(in specim. nostr. 12) penae anserinae crassitie et pede longio- 
res erecti angulati, inferne nudi superne foliosi et dichotome 
vel trichotome ramosi, ramis divaricatis ad insertionem articu- 
latis. Folia in petiolis '/a— 2 lin. longis glabris vel dorso parce 
pulverulento-hirtellis pollice longiora oblonga vel ovato-oblonga 
obtusa basi acuta, in vivo carnosula in sicco coriacea, subniten- 
tia et valde rugosa, glabra punctisque nigris mode immersis modo 
elevatis parce vel confertius adspersa, folia novella laevia in- 
punctata enervia et opaca. Amenta solitaria terminalia, pedun- 




X^ 



230 

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culo semipollicari glabro sustenta, stricta longitndinaliter foveo- 
lata, pro genere crassa, ochracea, 2 poll, longa. Flores densi, cum 
bractea rachi foveis immersi; foveolaruoi margine membranaceo 
hirsutissimo. Bracteae niinutae fuscae margine diaphano erosu- 
lae. Antherae orbiculares in filamentis fuscis anth. aequilongis; 
loculis pallidis semilunaribus. Ovarium oblongum apice producto 
stigmatiferum. Bacca ovoidea acuminata, acumine stigmate per- 
sistente terminato, atra nitidula. 

Oahu; trockene bewaldeteSchluchten in der Nahe von Hono- 
lulu; 1984. 

Wenn wir Nro. 2242 fiir die von Miquel als P. reflexa var. 

Forsteriana annehmen, dann unterscheidet sich 1732 (var. Oahu- 
ensis) dureh den rasenartigen Wucbs, die uberdichten fleischigen 
fast kreisrunden Blatter, 1948 (var. Honolulensis) diirch den 
staudenartigen Wuchs die sehr grossen derbbautigen Blatter uud 
die fast voUstandige Kablbeit; dieser letztere Umstand nabert 
var. HonoMensis der var. Javanica Miq. wahrend var. Oahum- 
$is sicb an keine der vou Miquel (1. c.) beschriebenen Yarietaten 
anzulehnen scheint. 

Nun folgt eine Reihe von Nummern (1674, 1715 a und b, 
1844 a und b) wo an den einzelnen Exemplaren Blatt, Form, 
Consistenz, Behaarung und Blattstellung so weit auseinander- 
gehen dass es ganz unmoglich ist die Art zu fixiren. Es scheint 
dass sie alle sich in zwei Arten theilen, (P. latifolia und P. hy- 
;poleiica) aber eine genauere Umschreibung derselben lasst sich 
kaum geben; nur ein Organ scheint eine ziemliche Bestandig- 
keit zu bewahren und zwar der Katzcbenstiel; er ist entweder 
sehr diinn schwach behaart und geht ohne anzuschvvellen in die 
gleichfalls magere Bluthenspindei iiber oder er ist dick racist 
langbehaart nnd schwillt nach oben bedeutend an bevor er in die 
fleischige Rhachis Ubergeht. An diesen rein kiinstlichen Ein- 
theilungsgrund habe ich mich gehalten, um alle diese polymor- 
phen Pflanzen in zwei Gruppen (Arten) unterzubringen, mochte 
aber nicht behaupten dass diese so eingetheilten Pflanzen auch 
wirklich den zwei Miquel'schen Species enlsprechen. Noch ware 
hervorzuheben, dass die Blatter bei den DUnnstieligengewohnlich 

meliv membranoser jene der Dickstieligen mehr lederartiger Con- 

sistcnz .sind. 

I*cpcromia latifolia Miq. Pip. 128. 

Sufifruticulus iicmipedalis; caules e radice 2—3 ereeti glabrati apice 
dichotomi veltrichotomi ethirtelli. Folia membranacea in aliis sub- 



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231 

chartacea opposita aliqua alterna vel ternatim verticillata 2 poll, 
ionga ovalia utrinque rotuDdata vel et retusa rarius basi sub- 
acuta, supra fusco-viridia glabra, Bubtus flavicantia et minute 
hirtella demum nervis exceptis glabrata, subtilitcr venulosa, 
5-nervia, nervis 3 interiovibus rectis usque ad fol. apicem conti- 
uuis, 2 extimis tenerulis arcuatis et ad fol. medium evanidis, 
omnibus tenere ramulosis ; petioli 74 — 1 poll. longi, hirti. Amenta 
ad ramulorum apicem aggregata plerumque sena, pedunculis gra- 
cilibus glabellis V» — 1 PoU. longis apice baud incrassatis su- 
stenta; rhachi filiformi densiflora. Ovarium globoso-obovoideum 
apice piano stigmatit'erum. Bacca subimmersa ovato-globosa mi- 
nute apiculata fusca. 

Kauai, Thai von Hanalei 184d a. 

P. latifolia ? var. alternifolia, 

Caules brevissimi, birsuti. Folia plerumque alternantia, te- 
nere membranacea ovalia et orbicularia, infima minnta et longi- 
tudine latiora manifeste venosa, 5-nervia, nervis ramulosis. 
Amenta in caulis apice plerumque gemina. Ovarium late obova- 
tum apice piano stigmatiferum. 

Kauai Thai von Hanalei 1844 b. 

Es ist bisher nur Eine Art mit wechselstandigen Blattern 
von den Inseln bekannt {P. pallida)^ zu diesergehort aber unsere 
Ptlanze nicbt, eber wtirde sie der javanischen in Miq. Comment, 
phyt, t. 8 fig. d. abgebildeten P. Candida entsprechen; da sie 
aber mit der voiher beschriebenen bis auf die erwahnten Eigen- 
heiten libereinstimmt, diirfte sie am besten als Varietat mit al- 
ternirenden Blattern bei dieser stehen. 

Peperomia hypoleiica Miq. Pip. 136. 

Herbacea pedalis; caules e radice plures, birsuti. Folia co- 
riacea opposita vel alternantia, inferiora sacpe longis^ime (iVa'O 
petiolata orbicularia, superiora majora ovalia vel elliptica rotun- 
data vel subacuta basi plerumque in petiolumsemipollicarem hir- 
sutum conctracta, supra glabra et saturate viridia, subius ocbra- 
cea vel olivaceo-flavescentia, sparse hirtella vel nervis exceptis 
omnino glabra, obscure venulosa et confertissime punctulata, tri- 
nervia vel infima latissima quinqnenervia, nervis validis indivi- 
sis vel n. mediano ramulos 1 — 2 validos emmittente. Amenta 
in caulis apice 1—^3; pedunculis erassiusculis in amenti rhachin 
crassnm sensim abeuntibus. Bracteae orbiculares fuscae margins 
crispulo diaphanae; ovarium ovatum apice stigmatiferum (in spe- 



/ 



Pflanzenphysiologische Untersuchungen, 

Von Dr. Carl Era us in Triesdorf. 

UI. ChlorophyUmetamorphosen. 

Von den beiden (inlbezeiclineten) Chlovopbyllradikalen er- 
leidet wahrend des Lebens und beim Absterbeu assirailirender 
Zellen besonders das Chlorinradikal verschiedeneMetamorphosen, 
wiihrend das Xanthinradikal bestandiger ist, Diebei Chlorophyll- 
anderuDgen zuerst auftretenden Glieder der Xanthophyllreihe, 
mit deni Xanthin endigend, wurden bereitserwahnt. Eine auffal- 
lende Veranderung erleidet das Chlorinradikal in den Fallen, Wo 




232 

cira, Dostr. in corpora manaraiformia degenerata); filamenta bre- 
viBsima, antherae oblongae fuscescentes. 

Oahu; an Kohannhanui; 1715 a. 

Konnte ebensogut bei P. pachyphylla Miq. (Pip.) stehen, lei- 
der feblt in dem cit. Werke die Beschreibung der Bliithe und 
Frucht sowohl von P. liypoleiica als auch von P' pachyphylla. ^ 

P. hypeleuca fm. glabra, 

Suffrutescens glaberrima; caules basi radicantes; folia oppo- 
sita coriacea pallida snbtus flavescentia diaphana epunetata dia- 
phana et eleganter venulosa, quinqueuervia, nervis erectis raedi- 
ano-rarius 2 lateralibus ramulos 1 — 2 emittente. 

Oahu; am Kohannhanui 1815 b. 

Bliithen und Friichte fehlen; die Blatter zeigen bei durch- 
fallendem Licht ein zierliches Venennetz. 

P. hypoletica? var. alternifolia. 

Herba pusilla; caule cum petiolis hirsute. Folia subcoriacea 
circiter Va poll, longa opposita et alternantia, plerumque orbicu- 
laria inpunetata subtus canescentia et simpliciter trinervia vel 
violacea, nervis tunc ramulosis. Amenta terminalia solitaria, pe^ 
dunculis subglabris apice incrassata sensim in rhacliin succulen- 
tam abeuntibus , bracteae orbiculares. Dacca basi immersa glo- 
bosa fusca resinoso-punctulata. 

Oahu, am Waiolani 1674. 

Vielleicht haben wir es hier mit verbildeten Pflanzen zu 
thun; die mit unterseits violetten Blattern erinnern einiger Maa- 
sen von P. Sandwicensis^ 

(Forteetzung folgt.) 



9 






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t. ( 



233 

das Chlorophyll zuerst gelb, dann roth, wird, wie z. B. in den 
Friichten von Solaniim Psetidoca2)sicu7n. Ueber das chemische 
YeyhfiUei) dieses Farbstoffes ist darch A. Weiss (Sitzgsber. d, 
Wiener Akad. XLIX 1864) bekauut, dass der beim Reifen auf- 

tretende rothe Farbstoflf, welcher der Kiirze wegen hier als Rho- 
dophyll bezeichnet werden soil, durch Schwefelsaure schon violett, 
dann griinblau, endiich entfarbt werde; dieanatomischen Verhalt- 
nisse sind ausfuhrlich geschildert, 

Bei der Uutersuchung des Rhrodopbylls macht es einen be- 
deutenden Untersehied aus, ob man dasselbe ini Anfange desAuf- 
tretens oder spater verwendet, da es in einer fortwahrenden Aen- 
derung begriffeu ist, vvomit auch ein Zerfallen der Korner in 
inimer kleinere Kornchen veibunden ist. 

Die Chloi'ophyllkorner gehen zuerst in Xanthophyll fiber; 
lasst man Schwefelsaure einwiiken, so werden sie blau, das Blau- 
kann man mit Wasser wegwaschen; auf nochmaliges Zufiiessen 
von Sehwefelsaure werden sie wieder blau, aber schon schwacher, 
zuletzt bleiben die Korner gelb oder entfarbt zuruck. 

Behandeit mnj) Rbodopbjli mit coueeDtrirter Sehwefelsaure, so 
wird es blau; wascht man dies Blau mit Wasser weg, so bleibt 
Gelb oder Roth zuruck, welches durch Sehwefelsaure wieder blau 
gefarbt werden kann, und so mehrmals, aber immer schwacher: 
zuletzt bleiben die Korner farblos oder gelblich oder mehr weniger 
rothlich zuruck. 

Das Roth ist nicht etwa dem Gelb schon im Anfange seiner 
Bildung schlechthin ais Ulminbildungsproduct beigemengt, son- 
dern ist ein verandertes, rothes Chlorophyll, welches in Alkohol 
kaum losiich ist, sonst aber noch gerade so reagirt wie Xantho- 
phyll, so dass voraus znsetzen ist, dass diese Yeranderung zu- 
xsachst das Ch/orinradikal trifft, in Folge deren Rhodophyll d. b. 
Xanthophyll mit verandertem Chlorinradikal entsteht. 

Diese Metamorphose des Xauthophylls geht nur allmahlig 
vor sich und lange noch ist dasselbe demRhodoph}ll beigemengt; 
durch iiinger dauerndes Behandein mil Alkohol lasst es sich aus- 
zieheD, Ebodophjii bleibt zuruck; dies verhalt sicb gegen con- 
centrirte Sehwefelsaure in der beschriebenen Weise, ein Beweis, 
dass die blaue Farbnng diesem Rhodophyll zukonimt. 

!seben diesem Rhodophyll enthaiten die Farbstoffkorner an- 
fangs noch einen in Alkohol kaum liislichen, in Wasser leicbt 
losiichen tleiechrothen Farbstoff, der durch Siiuren uud Alkalien 
in derKalte allmahlig entfarbt wird. Je alter die Beeren werden, 



234 

urn so weniger lasst sich mehr mit Wasser auszieheu , so dass 
anzunehmen ist, dass auch die UlminbilduDgsproducte dieses 
Farbstoffs sich denen des Rhodophylls beioiengen. 

Von Aussen her beginnend, mit dem Alter des Rhodophylls 
zunehmend farbt sich das Rhodophyll mit concentrirter Schwefel- 
saure immer schwieriger blau und es bleibt beim Auswaschen 
mit Wasser eine immer intensiver rothbraune Farbung, die mit 
Schwefeisaure nicht mehr blau wird , zuriick. Diese weiteren 
Veranderungen werden durch Eintrocknen, Liegenlaasen an der 
Luft, Einlegen in Kalilauge und drgl. sehr beschleunigt. 

Es ist zu schliessen, dass das in Xanthophyll ubergegangene 
Chlorophyll der Beeren sich allmahlig weiter verandert, indem 
Chlorinradikal eine Veranderung erleidet, die den ganzen Farb- 
stoff in Alkohol unloslich macht, das veranderte Chlorinradikal 
giebt aber anfangs noch mit concentrirter Schwefeisaure blaue 
Verbindungen. Je weiter diese Umwandelung fortschreitet, um 
so vollstandiger wird das Xanthophyll hineingezogen, zuletzt wan- 
delt sich das Rhodophyli vollstandig in Ulminkorper um, die mit con- 
centrirter Schwefeisaure nicht mehr blau werden; alle diese Aen- 

derungen diirften des Chlorinradikal allein treffen. 

Schon Berzelius hat angegeben, dass die alkoholische mit Zink 
u. Salzsaure reducirte Chlorophvlllosung abgedampft u. erwarmt 
kein Griin mehr giebt, sondern roth wird, was ich bestatigen kann. 
Der Rtickstand enthiilt Gelb d. h. durch die Saure freigemachtes 
Xanthin gemischt mit einem rothen Korper, der nur von einer 
Veranderung des Chlorins herstammeu kann. | 

Dagegen ist es eine Vermuthung, anzunehmen, dass der in 
Wasser losliche Farbstoflf von einer weiteren Veranderung des 
Chlorinradikals herstammen moge. Eigenthumlich ist, dass in 
den fniher Chlorophyll fUhrenden Zellen Rhodophyli auftritt, nicht 
Erythrophyll neben Xanthophyll; dass bei den Algen keine An- 
thocyane, sondern dafiir diese in Wasser loslichen Farbstoffe vor- 
kommen. Es kommen aber auch Fiille vor, wenn auch selten, in ^ 
denen den Xanthophyll- oder Chlorophyllkornern Anthocyane ein- 
gelagert sind, die mit Wasser ausgezogen werden konnen.^) 



1) Es diirfte sich herausstellen, dass diese Unterschiede mit dem Saure- 
gehalte zTisammenhaliigeii, dass das Chlorin selbst zu den Benzolkorpern ge- 
hort, an die seine eigenthumlicbe Natur unwillkiihrlich erinnert. A. Baeyer hat 
(Bericlite d. deutsch, chem. Ges. IV) wahrscheinlich gemacht, dass die Antho- 
cyane aus Oxybenzolen u. Pflanzensauren unter Wasseranstritt eutstehen, 
wie er auch aus Hydrochinon u, Phtalsaure einen Rothholz ahnlichen, aus 






235 

Aehnliche Veranderungen wie in den Solanani-Beeren erleidet 
das Chlorophyll auch sonst haufig: so in den Zellcn hcrbstlich 
rothbrauner Blatter, in den Pruchtschalen von Weizen, Roggen, 
Gerstc, Hafer, (nicht in alien Varietaten gleich viel). In manchen 
Fallen z. B. in schwarzwerdenden Haferspelzen gehen die Chlo- 
rophyllkorner beim Absterben in rothliche, braunrothe oder schwarz- 
braune Korner iiber, *) die sich mitunter mit concentrirter Schwe- 
felsaure noch blau larben, im Allgemeinen aber nicht mehr rea- 
giren. Wahrscheinlich gehoren hieher anch die Faerbungen mancher 
Blumenblatter, der Antheridien von Laubmoosen, Charaeetnu. s. w. 
ebenso die winterlichen Aenderungen des Chlorophylls in nianchen 
ausdauernden Blattern [H. v. Mohl, G. Kraus] u. dergl. 

Es ergiebt sich; dass die Farbstoffkorner reifender Solanum- 
Beeren anfangs Xanthophyll, Rnodophyll u. einen in Wasserloslichen 
Farbbtoff enthalten; bei weiterer Veranderung liefern Clorin und 
dieser, vielleichtdavon herstammendeFarbstoflulminartige Korper. 

Die Fiorideen enthalten Xanthophyll, Clorophyll und einen 
in Wasser loslichen Farbstoff, in den absterbenden Zellen Xantho- 
phyll und Umwandlungsproducte desselben wie des Phykerythrins. 

Die Fucoideen enthalten in den jtiugsten Zellen Chlorophyll (ne- 
ben Xanthophyll), in alteren Zellen Chlorophyll, Xanthophyll, Phyk- 
erythrin oder dafur einen ulminartigen, anfangs theilweise in Was- 
ser mit rothbrauner Farbe iQslichen Korper, der urn so unlos- 
licher wird, je alter die Zellen werden. Die altesten Zellen ent- 
halten bios mehr solche Ulminstoffe, (vielleicht neben Xanthin.) *) 

Brenzcatechin und Phtalsaure einen Blauholz ahnlich en Farbstoflf dargesteUt 
hat. Uebergiesst man blaugriinen Algenfarbstoff mit Alkalien, so iarbt sich 
derselbe augenblicklich gelb, die uberstehendeFlussigkeitist farblos, wird aber 
allmahlig grun, spater in braun Ubergehend (Reaktion auf Brenzcatechin.) 
Es durfte sich auch herausstellen, dass bei der Zersetzung der Anthocyane 
DQit Alkalien die darin enthaltenen Oxybenzole frei werden, aber sich sofort 
weiter verandern. Dass dies bei den FarbstoflFen Baeyer's wirklich stattfinde, 
hat A. W. Hofmann kiirzlich (Berichte VIH) am Eoain gezeigt. 

1) Einen andern Grand hat diese braunschwarze Farbung der Chlorophyll- 
kdrner in absterbenden Blattem gerbstoffreicher Gewachse z. B, von Weiden, 
Pappeln. Diese rilhrt vieJ mehr von einer dirckten Einwirkung des Gerbstoffs 
her. Versetzt man namlich alkohoiische ClorophylUosung mit Gerbstoff, so 
wird sie sofort geib und giebt einen schmutzigen llockigen Xiederschlag, der 
beim Auswaschen mit Alkohol als braunschwarze Masse bleibt. Spater mo- 
gen Humificationsproducte auftreten. 

2) Literatur tiber Fucoideenfarbstoffe : Millardet, Compt. r. d. I'Acad. d. sc. 
1869. — Rosanoflf: Mem. d. 1. soc.imp. d. so. nat, d. Cherbourg T. Xlil. 1867. 
Askenasy. bot. Zeit. 1867. 



236 



Setzt man Kalilauge zu, so andern sich anfangs diejenigen 
Zellen , welche schon rothen Inhalt ( Phykery thrin ) enthalten, 
wenig, die anderenmit hraunrothem Inhalte werden intensiv roth. 
Dieselbe Farbung zeigen jetzt auch manche vorher nicht gefarbte 
Zellen des Thallus, namentlich viele mit bereits gelbein Inhalte. 
Der wasserige Auszug des Fucus ist lederbraun und giebt beim 
Stehen an der Luft unter Entfarbung u. Missfarbung einen braunen 
Absatz. 

Der Grund dieser Veranderung diirfte ein ahnlicher sein wie 
bei den Solanum-Beeren, nur mit dem Unterschiede, dass hier 
die Veranderung rascher vor sich geht, dass sich kein Rhodophyll 
bildet, sondern Chlorin sofort in ulminartige Korper, seltener in 
Pbykerythrin iibergeht. 

Das Phykophain kann nicht auf gleiche Stufe mit Pbykerythrin 
gestellt werden, es ist vielmehr bereits ein Ruekbildungsproduct 
desselben ; die Fucuszellen mit bereits braunem Inhalte machen 
durchaus nicht den Eindruck, als ob sie noch assimilirenwtirden, 
es scheint vielmehr, dass sie wenigstens theilweise aus vorher gelb 
gevvesenen Zellen entstehen. Die jiingsten Zellen enthalten kein 
Phykophain, dies tritt erst spater auf und um so mehr, je alter 
und unthatiger die Zellen werden. 






i'. 



Die untersuchten Fucus sp. stammtenaus dem adriatischen 
Meere ; sie waren von dunkelbrauner Farbe und zeigten im Quer- 
schnitte an der Peripherie eine pallisadenformig stehende (Epi- 
dermis-) Zellschichte, deren Zellen roth oder braun waren. Auch | f 
manche weiter nach Innen an diese Schichte anstossende Zellen dea 
Thallus, wie auch manche im Innern des Gewebes zerstreute zeig- 
ten diese Farbung. Der Inhalt der ubrigen Zellen, auch der der 
Mittelparthie ist griin. Die Zellen mit roth oder braungefarbtem 
Inhalte nehmen von der Epidermis tiber dem mittleren dickeren 
Theil gegen die flUgelartige Ausbreitung des Thallus zu, in den 
Fliigeln selbst sind alle Zellen rothbraun. Oft aber lauft unter 
der Epidermis der Flugel, also ausserhalb der rothbvaunen Zellen 
eine Schichte Chlorophyll fiihrender Zellen herum. Die jiingsten 
Verzweigungen sind fast ganz griin, spater gelblich griin. In 
alteren Partien tiberwiegen die Farbstoffe so sehr, dass alle Zellen 
mit einer gelben oder rothbraunen luhaltsmasse erfiillt sind, ohne 
alles Chlorophyll. 






it- 
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J 






V - 






237 

Von einer vollstandigen Loslichkeit des Phykophains in Wasser 
ist keine Rede, wobei es iiberdies nocb auf das Urawandiungs- 
stadium des Phykophains ankomuit. 

(Fortsetzung folgt) 



Pilze aaf BorkenkSfer-fiolz. 

Von F. Baron Thiimeii. 

Die ganz eolossalen Verheerungen, wekhe der Borkenkafer 
Bostryclms typographns L. in den Waldbestanden des Bohmi- 
schen und Bayrischen Waldes in den letzten 2Jahren verursacht 
hat, sind genugsam bekannt. Der absolute Schaden, welchen 
dieses, scheinbar so luibedeutende, Insect anrichtele iind noch 
anrichtet, beziffcrt sich auf mehrere Millionen Gulden. Der 
relative Verlust aber ist natUrlichervveise ein noch utn Vieles 
hoherer; durch die gezwungene Entwaldung meilenweiterGehietc 
niussen nothwendig die klimatischeu Verhaltnisse auf Jahr/ehnte 
binaus alterirt werden, und anhaltende Diirre sowohl, als verhee- 
rende Regengusse niit daraus resultirenden Ueberschwemmungen 
sind rait Sicherbeit vorauszusagen. Die Bevolkerung der Wald- 
orte, welche fast ausnahmslos nur voniWalde und seinen unxah- 
ligen Produkten lebte, ist auf das Schwerste in ihrer Existenz 
bedroht und Tausende werden dera Ruin nicht entgehen konnen, 
Bei so grossen, das AUgemeine wie das Wohl des Einzelnen, 
betreffenden Calamitaten hat man begreiflicherweise auch nach 
Mitteln und Wegen gesucht urn dem Verderben bringenden 
Feinde zu wehren, wie es alien Anschein hat, aber bis jetzt lei- 
der ohne Erfolg. Die Besprechung der, zu diesem Behuf, 
angestellten Versuehe, gehort aber nicht hierher, sie ist Sache 
der forstlichen Fach-Literatur, Es soil an dieser Stelle nur 
eines Versuches gedacht werden, welcher aber leider ebenlalls 
kein znfriedenstellendes Resultat lieferte. 

Da bei den grossen Verheerungen durch die Kiefernraupe 
in den preussischenStaatsforsten sich einzelne Pilze als thatige 
Heifer bei Vertilgung der Waldverwiisterdem Menschen zur Seite 
gestelit batten und nacb den Mittheilungen Bails die Raupen zu 
vielen, vielen Millionen it Folge des Auftretens, namentlich von 
Botrytis Bassiana Bals. zu Grunde gingen, so lag die Ver- 
muthung nahe, dass auch der Verbreitung des BorUenkafers 



238 

durch naturliche Feinde, und zwar aus der Reihe der Pilze ein 
Ziel gesetzt werde. Der konigiich bayerische Regiei'ungs- und 
Forstrath Grimm zu Landshut in Nieder-Bayern fasste diese 
Idee und ersuchte mich die Untersuchung von Borkenkafer-Holz 
auf Pilze zu unternehmen. Ob auch von anderer Seite versucht 
ward, in dieser Richtung vorzugelien , ist mir nicht bekannt, 
publizirt ward dariiber nichts und bo bleibt dem Genannten das 
Verdienst zuerst diese Frage in Anregung gebracht zu haben. 
Deber diese Untersucbungen nun will icb bier in aller Kurze 
referiren, da die bewegende Yeranlassung gewiss allseitig das 
Interessse in Anspruch nebmen diirfte. 

Das mir, bebufs Untersuchung ubersendete Fiehtenbolz be- 
staud aus mebreren, ca. 60 Centimeter langen, nocb mit der 
Rinde bedeckten, StammstUcken von offenbar ziemlich alten Biiu- 
men; der innere Hoizkern derselben war, da er nicbt inBetracht 
gezogen zu werden braucbte, herausgeschnitten. Die Rinde 
zeigte ausserlich weder Pilzbildungen, nocb auch, sehr in die 
Augen fallende, Verletzungen durch die Kafer, mit Leichtigkeit 
Hess dieselbe jedoch sich von dem ganzen Stammstiick ablosen. 
Auf der Innenseite zeigten sich nunmehr in ganz enormer An- 
zahl die, fiir den Bostrychus typographus^ so characteristischen 
Loth-Gange, d. b. atsgefressene Hohlungen, welche mehr oder 
minder mit der Langsacbse des Baumes gleichlaufen, und von 
diesen ausgehend, die horizontal verlaufenden kleineren Seben- 
gange oder „Wiegen'* zum Aufenthalt fur die Brut, die Larven 
bestimmt. Ein grosser Theil dieser Bohrgange nun war mit 
einem ungemein kleinen, weisslich- wasserhellen Pilz bedeckt. 
Dieser trat stets in grosseren Colonien auf, so dass oft auf die 
Entfernung von 4 — 6 Centimeter der Bohrgang und (jedoch sel- 
tener) auch die, denselben umgebende innere Rindenflache, dicht 
mit dem Pilze bedeckt war, wahrend dannwieder grossere, span- 
nenlange und auch langere Intervallen folgten, wo nichts zu fin- 
den war, Auf dem Holzkorper selbst fand derselbe Pilz sich in 
nocb grosserer Menge vor, aber ebenfalls nicht ailgemein und 
gleichmassig verbreitet, sondern auch in grosseren oder kleineren 
aber stets den, in der Rinde befindlichen lothrechten Gangen 
ent.^prechenden, Anbaut'ungeu. Die mikroskopische Untersuch- 
ung zeigte einen Scblauchpilz und zwar eine Pezizee. Es war 
Pseudohelotiiim hyalinum Fckl. — Pe^iza hyalina Pers. Syn. 
fung. p. 655. — Pers, Myc. eur, L p. 316 (pr. p.) — Fries. 
Syst. myc. II. p. 102 (pr. p.) — Weinm. Hymeno- et Gasteromyc, 



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239 

Rossiae p. 449 — 50 no, 83. — Karsten Monogr. Pez. fenn. p. 180 
no. 190 — ib. Mycologia fenn. I. p. 144 no. 54 (sub llelotium)-- 
Nyl. Obs. in Pez. fenn. p. 53. — Cooke, Handb. of br. fung. p. 
689 — Fuckel, Symb. niyc. 298. — Dieser scbone Pilz, welcher 
prachtvoll entwickelt war, ist durch die Form seiner Schliiucbe 
ausserst charackteristiscb, dieselben werden vonNylander 1. c. sehr 
trefifend, attenuato-subelavati genannt, Persoon und Karsten 
geben a. a. 0. das faulende Holz der Fichte als Substrat an, 
wahrend Fuckel Salix nennt und Weimann nur von „lignum 
putridissimum'' spricht. AUe Autoren betonen aber die Faul- 
niss des Holzes, wahrend im vorliegenden Falle das Holz, so- 
wohl wie die Rinde, noch gar keine Spur von Faulniss zeigten, 
im Gegentbeil noch sehr fest wareu. Pseitdohelofium hyaliniim 
ist also zum ersten Male auf hartem, gesunden Holz gefunden 
worden, die grosse Kleinheit des Pilzes inag wohl die Ursache 
sein, dags er als sehr selten aufgefiihrt wird; man durfte aber 
wohl eher das Gegentbeil annehmen und voraussetzen, dass er 
nur iibersehen wurde. — Dass dieser Pilz nun mit dem Borken- 
kafer, in dessen Gangen und deren Nachbarschaft er gefunden 
ward, nichts zu thun hat, liegt auf der Hand er hat sich jeden- 
falls nur angesiedelt, weil die, durch den Bostrychus hervorge- 
rufene, Krankheit und der darauf erfolgende Tod des Baumes 
eine Losschalung der Rinde vom Holzkorper bewirkte, hiedurch 
War das Eindringen der athmosphaerisehen Feuchligkeit ermog- 
licht und dem Pilz ward ein Substrat geschafift auf welchem er 
freudig vegetiren konnte! 

Ausser diesem Pseudohelotium fanden sich aber auch noch 
einige andere Pilzformen vor. Es waren diess : Sporotrichum 
densum Lk. Dieser Pilz bedeckte und durchzog ein Individuum 
des Bostrychus vollstandig und war in schonster Entwickelung. 
Obwohl nun diese Art auf dem Kafer selbst auftrat, so kann 
doch aucb er nicbt als ein Feind desselben angeeehen werden, 
da er namentlicb im zeitigen Fruhjahr, auf den todten Korpern 
aller Arten von Kafern und andern Insekten gefunden wird und 
sich nur auf todten Thieren ansiedelt, nicht aber gesunde befailt 
und dadurch deren Tod verursacht. Ferner fand ich einige we- 
nige Larven des Bostrychus in den „Wiegen'' von einem Pilz- 
mycel umvvuchertund durchzogen, doch kann diess auchgeschehen 
sein als das Holz schon langst geschlagen war und die, demsel- 
ben noch innewohnende Feuchtigkeit die Pilzbildung besonders 
begunstigte, FQr diese Annahme dtirfte hauptsachlich die Be- 






f ^ 



240 

nierkuDg sprechen, dass nur einige wenige Larven und zwar im- 
mer nahe dem Querschnitte des SlamiDes diese Erscheinung 
zeigten, wahrend aHe iibrigen vollstandig gesund waren. — Aus- 
serdem fanden sich, so nanientlich an den Querschnittilachen 
noch verschiedene Mycelien von Schimmelpilzen auch einige 
entwickelte Rasen von Aspergillus glaums, Diese letzteren Bild- 
ungen -waren aber zweifelsohne secundaren Ursprungs und er^t 
entstanden als das Holz schon in die Kiste verpackt worden 
war. ■ — Ferner fand sicb an mehreren Stellen, so namentlich an 
alten Astlochern zwischen Kinde und Holzkorper ein, aus didi- 
test verwebten Mycelfaden bestehendes Gebiide von weisslicher^ 
beim Trocknen strohgelb werdencier Farbung, vielleicbt eine 
Hypha; eine sehr ahnliche Form beobachtete ich schon haufig an 
stchengebliebencn Stumpfen der Ficbtcn und Tannen, es liiirlte 
identisch sein mit den Anlangen von Rhuomorpha snhcoyi'tcalis 
Pers. wenigstens nacb der Anuahnie R. Hartigs. — 

Aus dem Gesagten ist mit Evidenz der Schluss zu ziehcn, 
dass es uicht geiungen Ut einen Pilz aufzufiuden, welchor \cy- 
nichtcnd auf den Borkenkafer oder desseu Brut einwirkt, {ieiui 
die sammtlichen besprochenen Fovmen sind in ihrem Auitrcten 
von dem Thiere ganz unabhangig, sie siedeln sich eben dort an, 
wo, durch das Insekt verursacht, der Baum zum Absterben ge- 
bvacbt wild und kieniurch ihnen ein gceigneter Bodea zur Eut- 
wickelung gescbaffen ist. Iloffen wir, dass es den rastlosen Be- 
miihungen der Manner der Wissenschaft und der Praxis vevcint 
gelingen mOge, mit der Zeit Mittei und Wege aufzufinden uiu 
das gefahrliche Insekt njit Aussicht auf Erfolg zu bekampfen. 



r 



Binlaufe zur Bibliotheli und zum ilerbar. 

36. H. A. Weddell, Florule lichenique des laves d'Agde. Paris 1874. 

37. E. Stizenberger, Kriegsbereitschaft im Reiche Floras. St. Gallen 1875. 

38. Mittheilungen des naturwlssenschaftl. Vereines fur Steiermark. Jahrg. 
1874. Graz. 

39. Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien. Jahrg. 
1874. 



Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'schen Buchdruckerei 

(F. Haber) in Regensburg. 



I 1 



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58, Jahrgang. 



N^ 16. 



Regensbiirg, 1. Juni 



1876. 



Inlialt« Dr. Heinrich Wawra: Beitriige zur Flora der Hawai^schen 
Inseln. (Fortsetzung & Schlass.) — Dr. Carl Kraus: Pflanzenphysiolo- 
gische Untersuchungen. (Fortsetzung.) — Einlaufe zur Bibliothek und zum 
Herbar. 



Beitrage zur Flora der Hawai'schen Inseln 

von Dr. Heinrich Wawra. 

(Fortsetzung & Schluss.) 

Astelia Banks et Sol. 

Flores polyganio-dioici , perigonium sexfidum petaloideum. 
Fl. masc: Stamina sex, perigonii fauci insertaet perig, lac.oppo- 
sita, inclusa; antherae inversae basifixae ovales loculis rima Ion- 
gitadinali dehiscentibus; ovarii rudimentum trigonum, stylo apice 
trilobo. Fl. fern: Stamina nulla vel rudimentaria; stylus simplex 
stigmata tria, sessilia; ovarium triloculare; ovula in loc. plura 
ftifliculis breVissimis fascicu^atim e loculi apice penduiisanatropa 
micropyli basilari rostello superata. Bacca perigonio persistente 
emarcido velata, trilocularis, loculis tetra — hexaspermis ; placenta 
mammiformis apicalis usque ad loc. quadrantem superiorem pro- 
jecta. Semina in loc. quatuor — sex, biserialia et geminatim 
placentae immediate vel (inferiora) ope funiculi insidentia, lineari- 
oblonga, dorso couvexa ventre mutua pressione lateribus com- 



4 



Flora 1875. 



16 



g 



242 

planata, utrinque acutata, apice umbilico orbiculari minuto no- 
tata; testa Crustacea atra laevissima, superficie mucilaginosa. 
Embryo in axi albuminis copiosi carnosi minutus homotvopus; 
radicula supera crassiuscula rotundata, cotyledone cuspidate. 

Bei der Gattung Astelia hangen die Eichen — zum Unter- 
schied vou alien andern Liliaceen aus der Spitze des Frueht- 
faches herunter. 

Astelia Menziesiana Smith (in Bees. Cycl. App.); H. Mann 
in Proceed. Am. Ac. VII 207. 

Folia basibus valde dilatatis margine emarcidis bulbum spu- 
rium formantia, linearia, 3-pedalia et ad summiim semipollicem 
lata, erecta, triente inferiove complicata superne plana, supra 
labra subtus paliide ochracea nitentia et pilis paleaceis parcis 
ad margines eonfertioribus adspersa vel gabella, trinervia; nervo 
mediano supra depresso nn, lateralibus supra prominentibus lae- 
vibusque. Pedunculus (scapus) folio plus dimidio brevior, pennae 
anserinae crassitie, lanugine densa cano-sericeus. Panicula race- 
mosa laxa, ramis circiter bipollicaribus, bractea fultis; bractea 
infiroa semipedalis fol. homomorpha, sub angulo recto patens; 
bractea« superiores multo breviores, summae ovatae ramulo ad- 
pressae demum deflexae, cum rhachi et pedicellis cano-lanugino- 
sae; pedicelli 2 lin. longi infra medium bracteola lineari onusti. 
Perigonium aest. imbrieatum, rotatum, nonnisibasi extus lanatum, 
laciniis lineari-oblongis obtusis; antherae virides ovales obtusae; 
ovarii rudimentum glabrum. Fl. fem. ovarium oblongum glabrum 
in stylum trigonuni ov. breviorem desinens; stigmata capitata 
convexa et obsolete lobulata incano-papillosa ; stamina sterilia 
exigua vel plane nulla. Bacca stylis persistentibus coronata, Pi- 
peris grani magnitudine, olivacea leviter trisulca, sarcocarpio 
parco, Semina in loc. plerumque sena impresse umbilicata. 

Kauai; auf bemoosten BUumen im Thai vou Hanalei (mas.); 
am Pohakupili and Halemanu (fem); 2001, 

Astelia veratroides Gaud. Freyc. 420. 

Folia patentia lineari lanceolata 3 poll, lata, sesqui- in aliis 
quadri-pedalia producte acuminata, supra pierumque glabra sub- 
tus apice exeepto plerumque tomento ochraceo iuduta, nervoso- 
striata trinervia,!nervis 2 lateralibus supra prominentibus laevibus 
usque in fol. apicem continuis. Pedunculus digiti crassitie com- 
pressus lanuginosus demum glabratus. Panicula ampla composita 
rarius decomposita; racemi semipedales bractea lata racemi ba- 
sin amplectente et excepta infima eo breviore fulti, densiflori; 






i 
i 



243 

pedicelli brevissimi, medio bracteola minuta onusti. Flores poly- 
gami, quam in praecedenti majores. Baccagloboso-oblongalaevis 
leviterque trisulca , trilocularis, loculis 2 — 6-spermis. Semiaa 
praecedentis. 

Kauai; Giptel des Waialeale, im Boden wurzelud. 2179,2172. 

An unseren Exemplaren sind die meisten Beeren degenerirt 
und bergen einen (selten zwei) monstrose aufgeblasene kugel- 
runde taube Samen. 

Unsere Pflanze hat eine sehr bedenkliche Aehnliehkeit mit 
der in Seemann Fl. Vit. t. 95 abgebildeten Ainontana; die letz- 
tere soil sich nach der Beschreibung (p. 313) durch zugespitzte 
Antheren auszeichnen. 

Astelia veratroides Gaud. var. villosa. 

Folia longissima, sesquipollicem lata; pedunculus cum pani- 
cula et perigonio niveo-villosissimus. 

Kauai; Gipfel des Kaala, am Boden. 2212. 

Sie ist gewiss eine Mittelform zwischen A, Mensieriana und 
A, veratroides \ auch H. Maun (1. c.) ist geneigt diese beiden 
Arten mehr als Fornien einer Species anzusehen; die Dichtheit 
der Behaarung ist wenig konstant. Die Bliithen derVarietat sind 
braun, jeue von A, Menziesiana braunpurpurn, und die von A. 
veratroides braungriin. A, Menziesiana fand sich nur auf Bau- 
men, im Moos eingebettet, die beiden andern im Boden wnrzelnd. 

Astelia Waialealae sp. n. 

Dioica, semipedalis. Caudex brevissimus inter folia infima 
(emarcida) radices perpaucas longas subsimplices eraittens. Fo- 
lia basibus valde dilatatis sese amplectentibus raolliterque villo- 
sis bulbum ovoideum ovi galinacei magnitudine efformantia,cori- 
acea, semipede longiora patenti-reclinata lineari- lanceolata, us- 
que ad apicem implicata, glabra uninervia, supra (in sicco) rugu- 
losa et nitentia, subtus laevia et lacteo-vernicosa; nervo mediano 
subtus prominente et saepius puberulo, Panicula foliis brevier, 
racemosa; pedunculus brevisinterdum brevissimus, magis minusve 
(cano-) hirsutus, paniculae rami infimi bractea sesquipollicari 
ovato- lanceolata plana caeterum foliis homomorpha fulti; brac- 
teae superiores minutae vel nullae. Flores racemosi densi, pedi- 
ceilo 1-lineari bracteola lineari onusto sustenti. Perigonii laci- 
niae lineari-lanceolatae,' glabrae. 

Ovarium ovoideum trigonum stylo brevissimo crasso termi- 
natum, loculis bi-rarissime tri-ovulatis; stigmata concava (stylo 
immersa) et nonnisi margine papillosa. Bacca aurantiaca ovoi- 

16 » 



T 

.* 



244 

dea Pisi magnitudine, pnlposa, stylo persistente apiculata. Se- 
mina in loc. gemina quam in* praec. multo latiora, obovoidea ob- 
tusa apice protracle umbilicata laevia^ testa Crustacea atra muci- 
laginosa. Embryo quam in praec. multo longior totum fere al- 
bumen percurrens, radicula brevissima rotundata. 

Kauai Gipfel des Waialeale und Hochplateau auf Halemanu. 

2131. 

Ausser durch gewichtige Merkmale in den vegetativen 

Organen durch die sehr abweichende Konstruktion der Narben, 
Beere und Samen von den zwei frliher beschriebenen A verschie- 
den. Unsere Pflanze besitzt Einnervige steife bis an die Spitze 
gefallet unten weiss lakirte ^Blatter; kurze eiformige Bracteen; 
concave, nicht gelappte nur am Rande papillose Narben, sehr 
wenige Samenknospen, und dicke ovale Samen mit vorspringen-* 
dem Nabel; ihr Embryo ist dreimal so iang als bei den vorigen 
Arten. 

Cordyline terminalis Ktb. (in Act. Ac.^ Berol. 1820 p. 30); 

Hook a. Am. Beech. 97. 

Oahn; am Kohannhanui 1711; Maui urn Lahaina, Eauai Ha- 

naldthal 1851. 

Dianella odorata Blume (Enum. I 13); Hook. a. Arn. Beech, 
218. Dianella Sandwicensis Hook. a. Arn. 1. c. 97. 

Oahu; am Waiolani 1678; Kauai Walder von Halemanu,2117. 

Dracaena aurea H. Mann in Proc, Am. Ac. VII 207. 

Arbor, trunco semipedem crasso orgyam unam et dimidiam 
alto, laevi; ramis erectis; ramulis digito crassioiibus teretibus 
laevibus foliorum fascicule terminatis. Folia membranacea line- 
ari-lanceolata pede parum breviora Va poU- l^t^i utrinque niten- 
tia et (in sicco) subtiliter striata. Flores racemoso-panicuiati. 
Panicula Iructifera deflexa bipcdalis decompositaj rhachi primaria 
inferne quam ramulicrassiore et supra basin hamatim recurva; pedi- 
celli sparsi nunc solitarii nunc 2-velplures fasciculati Vj poll, longi, 
apice articulati et incrassati, basi bracteola minuta cartilaginea fulti ; 

bracteaebipoUicareslineari-lanceolatae emarcidae. — Bacr.adepresse 
globosa bi — trisulca, mono — di — trisperma, Cerasi magnitudine 
aurantiaca nitens sub maturitate rugosa. Semina Pisi magnitu- 
dine, endocarpio tenero chaitaceo arete obclusa; testa coriacea 
laevi. Albumen osseum. Embryo in albuminis axi brevissimus, 
cotyledone oblongo obtuso, radicula infera semiglobosa basi im- 
pressa. 

Mauai; am Fuss des Haliakala 1876. 



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245 



Pniwnate. 



Die Sammlung entbalt zweizur GB.it\xng Pritrhardia gehorige 
Palmenarten (Nro. 2401, 2402). H. Mann (Haw. PI. in Proc. Am. 
Ac. YIl 204) zahlt gleichfalls zwei haw. Pritchardiaarten auf 
(P. Martii, P. Gaudichaudii) zu welchen obne Zweifel auch un- 
sere Pflanzen gehoren nur bin ich wegen Mangel aller Behelfe 
nicht in derLage anzugeben, welche von den beiden zu der einen 
und welche zu der andern gehort. Von Nr. 2401 liegt bios ein 
kleinwinziges Zweiglein einer Bluthenrispe vor, welche Dr. HiUe- 
brand in Spiritus aufbewahrte; diese Palme soil nach Hillebrands 
Aussage auf Oahu vorkommen. Nr. 2402 ist sehr reich vertre- 
ten; doch fand ich die Palme nicht in wildwacbsendemZustande, 
unsere Exemplare stanimen von Pflanzen, welche in einem Pri- 
vatgarten von Honolulu gezogen werden; nach Hillebrand soil 
diese Palme auf Kauai wachsen und zwar auf den Pali, welche 
Hanalei von Waiana trennen. Beide Palmen sind inGaudichaud 
Bonite abgebildet und in Martins Palm, (als Livisionia) wohl ausfiibr- 
lich beschrieben so dass von einer Detailschilderunghier fiiglich 
abgesehen werden kann. Nur von 2402 gebe ich nach den Journal- 
notizen einige Andeutungen uber das Gesaramtaussehen dieser 
Palme. ,,Etwa sechs Jahre alt;Stamm zwei Fuss hoch, nach der 
Basis zu kolbenartig verdickt und hier etwa Va Fuss im Durch- 
messer; Kinde glatt und durch schmale Langs- undQuerrisse in 
regelmassige Quadrate von 'A Zoll Lange nnd 'A ZoU Brfeite 
getheilt, ganz kahl. Blatter an 1 Klafter hoch, Blattstiel tiber 1 
Fuss lang; Blattspreite kreisrund 3 Fuss und dartiber im Durch- 
raesser^Bliithen- undFruchfrispen sehr dicht fast kngelig; Bllithen 
gelb; Beeren derzeit (April) grun, olivenformig." 

Pandanus verus Eumpf. Seem. Fl. Vit. 281. 

Oahu; Kauai; 2188, 

Bildet auf Kauai in derHohe von etwa 2000 Fnss ausgedehnte 

Bestande. 

Freycindia arhorea Gaud. Freyc. 431 t. 41; F. scandens 
Hook. a. Arn. Beech. 97 (non Gaud.) 

Oahu; Kauai; 2243. 

Ist ein echtes Schlinggewachs, welcher Umstand auch Hooker 
et Arnot und A.veranlasste, diese einzige auf denlnseln vorkom- 
mende F. zu F. scandens G nnd. zm stellen, dieaber eine von F.ar- 

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borea durchaus verschiedene Art ist 



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246 



Sfujades. 



Buppia maritima (?) L. 
Oahu; Salinen, 2275. 

Fourcroya 

Maui; in dem Gesenke von Waihee, nicht bJiihend; spater 
fand sich eine bluhende aber ganz zerisauste Pflanze in der 
Nahe von Honolulu; 2277. 



Bioscorea scdiva L. (non Kth): Helmia bulbifer a Kih. (Ennm. 
pi. V. 435.) 

Oahu; Kauai; 1976. 

Die KnoUen in den Blattachseln werden tiber faustdick, und 
haben das Aussehen von Kartoffeln; sie sollen von den Einge- 
bornen gegessen werden ; mag sein, icb fand aber den gekochten 
KnoUen ganz abscbeulicb bitter. 

Ow^chideue. 

Anoectochylus Sandwicensis Lindl. Gen. et Spec. Orch. 300. 
H. Mann in Proc. Am. Ac. VII 206. 

Kauai, Thai von Hanalei, umKealia 2008, 2334; in feuchten- 
Waldern, am Boden krieehend. 

Liparis Hawaiensis Mann 1. c. 

Kauai Walder von Halemanu, und an dev Spitze des Poha- 
kupili 2136, 2039; meist zwischen Moos auf Baumen, seltener 
zwischen diirrem Laub am Boden. 



Mrideue. 

SisyrincMum acre Mann 1. c. 206- 

Radix fibrosa; caules caespitosi. Folia linearia, semipede 
longiora ac lineam lata, glabra. Pedunculi fol, aequantes iisque 
subconsimiles. Flores 4 — 5fasciculati, singuli bracteafulti; bractea 
extiina (spatha) cunctas interioresinvolucrocirciter poUieem longa 
lanceolata et praesertim versus apicem obtu&um carinata subgluma- 
eea plurinervis; spathae interiores margine, intimae omnino hya- 
linae bifidae binerviae, nervis viridulis; pedicelli strict! bract. 




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247 

aequilongi. Perigonium hexamerum citrinum post anthesin con- 
tortum ; perig. foliola elliptica subacuta 3 exteriora interioribus 
^hquatenus majora. Stamina tria, basi baud connata; GlameDtis 
compressis ; antheris extrorsis lineari-oblongis triente inferiore 
affixis obtusissimis, loculis basi discretis et aeutis; connectivo 
tenerrimo hyalino* Ovarium obovoideum ; stylus brevissimus ; 
stigmata stylo quadruplo longioraobtusa sub anthesi torta; ovula 
loculi angulo interno biseriatim inserta horizontalia, funicu- 
lis distinctis. Capsula tcnera olivacea globosa, Piso subminor. 
Semina plurima funiculis longis sustenta testa tenerascrobiculata; 
albumine cartilagineo. Embryo axilis antitropus. 

Maui; am Fuss des Haliakala, 1908. 

Die Analysen konuteu nur an Bliithenknospen vorgenoramen 
werden ; die Pflacze enthalt einen prachtvollen purpurfarbigen 
atzeiiden Extractivstoff. 



Pletosmilax Sandwicensis ^t^m, (Joura, Bot 1868 193, et) 
Fl. Vit. 309. Smilax Sandtvicensis Kth. (Ea. PL V 253.) 

Dioica, glaberrima. Canlis teres gracilis. Folia petiolis ad 
summuni polllcaribus dorso convexis plerumque tortis et deflexis 
sustenta, chartacea late cordata, 3—4 poll, longa in acumen breve 
obliquuni contracta, sinu basilari parum profundo excissa, (in 
sieco) olivacea concoloria et utrinque Incida ; nervo marginali 
praetermisso 5-nervia; venularum reti denso et utrinque argute 
prominulo ; cirrhi stipulares filifornies fol. breviorcs. Flores 
masc. umbellati; umbellae globosae 10 — 12-florae geminae vel 
teruae in ramulo abbreviate vix Va poU. longo aphyllo et parce 
bracteato; pedunculi compressi poll, longiores; pedicelli cum pe- 
dunculo articulati et basi bracteola scariosa fulti, filiformes pe- 
dnnc. dimidio breviores. Perigonii foliola aestivatione imbricata 
sub anthesi revoluta lineari-lanceolata acuta '/a polJ- longa. 
Stamina duplo perig. fol. numero (vel in specim. nostris potius 
14,) iisque aequifouga, filamentis subcompressis, antheris ba^si 
affixis obtusis, filam. triplo breviores. Pistilli rudimentum nullum. 

Maui; 1815 a. 

Pletosmilax Sandwicensis ? 

Fem. Caulis striatus. Folia ovato-Ianceolata producte acumi- 
nata him in pet. cofltnicia 6—8 poll, longa quiuquenef via; cirrhi 
fol. aequilongi. Urabellae in ramulis pluripollicaribus aphyllis 



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246 

2—4, loBge peduncnlatae, pedunculi supra exarati ; pedicelli snb- 
pollicares, 12—16. Pevigonium .... Ovarium (fecundatumj 
oblongum triloculare loculis uniovulatis, ovulis loc. apici insertis. 

Maui (?) 1815 b. 

Von 1815 b ist nur eine Pflanze mit halbreifen Fruchten 
vorhanden. Trotz der angefUhrten Vevschiedenheiten mochte ich 
doch glauben, dass hier nur die weibl. Pflanze von P.Sandwicen- 
sis vorliegt, das Gesamnitaussehen wenigstens ist ein gleiches. 
Die mannl. Pflanze entspricht vollstandig der Beschreibung und 
Zeichnung von P. Vitiensis Seem. 1. c. 310 t. 93, nur hat die 
letztere etwas kUrzere Antheren. Noch musshervorgehoben war- 
den, dass die Zahl der Staubfaden an unseren Exemplaren nicht 
genau das doppelte derPerigonalblatter, sondernimmer 14betragt, 
es scheint also, dass die Zabl der Staubgefasse selbst nur von 
geringer Bedeutung ist. 



Lumla campesiris DC. 

Kauai; Gebiet von Halemanu; 1939, 2130. 

Joinvillea ascendens Gaud. Bon. 54 t. 39 40. 

Culmi 20 — 30, crassitie subpollicari, altissimi — 40 ped* 
longi, simplicissioii erecti fistulosi laeves, tubo ad nodos strato 
medullari lineam crasso diviso, internodia pedem longa. Folia 
alternantia vaginantia Graminum more ligula pollicari scarioaa 
biaurita instructa; vagina semipedalis laevissima; lamina lanceo- 
lata — 3 pedes longa — 5 poll, lata sensim acuminata, striate- 
nervosa et basin versus flabellato-plicata, in nervisscabra; vagina 
in fol. summis Bpathacea, lamina abortions. Panicula pyramida- 
lis in statu juvenili folio spathaceo fota; rami pilis minutissimis 
retrorsis scabridi; bracteae nuUae. Flores spicati, in rhachi 
flexuosa, bracteola minntissima dentiformi fulti, hermaphroditi ; 
panicula fructifera circiter pedem alta totidemque basi lata; ra- 
mis rigidis, patenti-deflexis. Perigouium hexaphyllum (ante an- 
thesin) lineam longum, foliolis ovatis concavis apiee yotundato 
erosulis, 3 exterioribus glumaceis et mucronulo reflexo praeditis, 
3 interioribus teneris muticis. Stamina 6, perig. fol. oppo&ita 
iisque subaequilonga, filamentis brevissimis antheris inversis su- 
pra basin fissam insertis, lineari-oblongis obtusis. Stigmata 3, 
filiformia anth. aequilonga, intns papillosa. Ovarium conicum tri- 
loculare, loculis uniovulatis, ovulis in angulo interno e loc. apice 



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249 

pendulis; funiculo quam ovulum dimidio breviore. Bacca fere 
Pi si magnitudine globosa stigm. basibus in corpus marnmaeforrae 
coadunatis superata, aurautiaca nitens, in sicco rugosa. Semina 
3, globosa et basi operculo (radicali) couico subapiculata arillo 
carnoso usque ad operculum arete involucrata, testa i'usca rugu- 
lis transversis aspera, albumine fnrinaceo farcta. Embryo minu- 
tissimus leRticularis operculo incumbens. 

Kauai; Walder von Hanalei und Kealia; 1998. 

Gaudichaud (I. c. fig. 16) zeichnet einen keillorniigen vod 
einem faeberarUgen Kamm iiberragten Embryo; ieh konute mir 
einen einfacheii linsenabnliehen Embryo sehei), er liegt unmittel- 
bar unter dem Deckelchen. — Der Same ist mit einer fleiscb- 
igen Haut uinhiillt, die ieh fiir einen Ariilus halte; sie ist oben 
an der Stelle der Chaiaza fast mit der Samenschale verwachsen, 
uud erstreckt sich nach unten bis zum Deckelchen. 

Seemaun (Fl, Vit. 313) stelltcZ. ohne weiteres zu Flagellaria 
und erwabnt im Char, gen ; ovula in loculis 1, basilaria sessilia 
anatropa; das kommt allerding.s der Gattung Flagellaria zu, un- 
sere Pfianzeu haben aber gauz entschiedea hangeade Eichen und 
Samen; dieser h^cbst wichtige Umstand geniigt um wenigstens 
die Gattung Joinvillea von Flagellaria zu trennen. J. biidet be- 
zuglich der Samenanheftung uud Embvyobildung eiuen Uebergaug 
zu den Restinceen, bei welchem sie mit eben so gutem Kechte 
stehen kOnnte wie bei den Juncaceen. 



Verzei chniss 

der anf den Hawai'schen inseln gesammelten Holzproben, 

1638 Heptapleitrum Waimeae Wwr. 

1639 Lobelia Gaudiehaudii A., DC, 
^645 Straussia Mariniana Gray. 
1649 Peeca rotundi folia Gray. 

1663 Byronia Qandivicensis End!. 

1664 Coreopsis micrantha Gray. 
1677 Dubaittia laxa Hook. a. Am. 
1690 (Sadleria) 

1698 Sroussaisia arguta Gaud. 

1711 Cordyline terminalis Kth. 

1728. Plantago princeps Cham, et Schleehtd. 

1734 Pipturus albidus Gray, 

m46 Cyrtandra gravdifloro, Gaud. 



250 

1747 Urera Sandwicensis Wedd. var. glabella; mas. 

1775 Pittosporum terminalioides Planch. 

1803 Sida sertum Nutt. 

1812 Wiclstrdmia fotida Gray. 

1816 Chrmontia macrocarpa Gaud. 

1817 Cyathodes Tameiameiae Cham. 
1819 Cyrtandra Picheringii Gray. 

1849 Gouldia axillaris Wwr. 

1850 Dodonaea viscosa L. . 
1853 Scaevola Chamissoniana Gaud. 

1865 Morus indica Eumpf, 

1866 Ochrosia Sandwicensis A. DC. 
1873 Charpentiera obovata Gaud. 
1876 Dracaena aurea H. Mann. 

1883 Rumex giganteus Ait. 

1884 Edwardsia chrysophylla Salisb. 
1892 Santalum Freycinetianum Gaud. 
1906 Coprosma MenHesii Gray. 

1929 Hedera Gaudichaudii Gray. 

1930 Eaillardia linearis Gaud. 
1938 Sphacele hastata Gray. 
1940 Cassia Gaudichaudii Hook, a. Arn. 
1975 Delissea Honolulensis Wwr. 

1977 Neraudia melastomae folia Gaud. 

1978 Urera Sandwicensis Wedd. var, glabella; fem. 
1987 Coprosma foliosa Gray, 
1998 Joinvillea ascendents Gaud. 
2005 Gouldia Sandwicensis Gray. var. arborescens. 
2022 Pisonia umbelUfera Seem. 

2025 Eurya Sandwicensis Gray. 

2027 Maba 9 

2040 Gunnera petaloidea Gaud. 

2043 Delissea clermontioides Gaud. 

2053 Dubautia plantaginea Gaud. 

2063 Pelea anisata H. Mann. ! 

2064 Fsychoiria hexandra H. Mann. | 

2065 Platydesma campanidata H. Mann. i 
2068 Claeocarpus bifidus Hook. a. Arn. 

2074 Capparis Sandwichiana DC. 

2075 Coreopsis cosmoides Gray. 
2077 Wilhesia gymnoxiphium Gray. 






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251 



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2078 Claoxylon Sandwicensis Miill. Arg. 

2080 Coprosma longifolia Gray. 

2081 Solanum Sandwicense? Hook. a. Arn. 

2082 Coprosma pubens Gray var. Kauviensis. 
2084 Maeocarpus bifidus Hook, a. Arn. 
2086 Euphorbia Remyi Gray. 

2088 Xylosma Hawaiense Seem. 

2093 Myoporum Sandwicense Gray. 

2099 Melicope cinerea Grny. 

2100 Coprosma Waimeae Wwr. 
2103 Lepidiiim Serra H. Mann. 

2105 Myrsbie Sandwicensis A. DC- var. buxifolia. 

2107 Pittosportim terminalioides Planch, var. spathulatnm 

2108 Lobelia neriifolia Gray. 

2109 Alphitonia excelsa Reiss. 

2110 Fittosporum caidiflormn H, Mann. 

2111 Vaceinium reticulatimi Smith, fm. calycina. 

2113 Neraudia sericea Gaud. 

2114 Tetraplasandra Waimeae Wwr. 
2116 Cyanea leptostegia Gray. 

2118 Myrsine Gaudichaiidii A. DC. 

2120 Labordea Waialmlae Wwr. 

2126 Myrsine Lessertiana A. DC. 

2138 Zanthoxylttm Kaviense Gray. 

2140 Nothocestncm subcordattini H. Mnnn. 

2141 Zanthoxylttm dipetalum H. Mann. 

2154 Broiissaisia argnta? 

2206 Clermontia parviflora Gaud. 

2218 Exocarpus Gatidichandii A. DC. 

2223 Sapota Sandwicensis Gray. 

2231 Morinda citrifolia L. 

2238 RoUandia Humboldtiana Gaud. 

2239 Delissea regina Wwr. 

2262 Phyllostegia grandiflora Benth. 

2278 Indigo f era anil L. 

2527 Euphorbia multiformis Gaud. var. lorifolia. 



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252 



Addenda. 



Supotaceae* 



Sapota Smdwicensis Gray in Am. Ac, V. 328. 
Oahu; Schluchten des Kaaiagebirges; 2223, 2362 



Ceiastrineue. 



Perrottetia Sandwicensis Gray Hot. S. Pac. Exp. L 291 t. 24 
Oahu; Walder des Waiolani 1660. 



Vcrhenuceue^ 



Der Fascikel die Verbenaceen enthaltend, scheint in Wien 
zurlickgeblieben zu seic. Nach dem Journal notire ich: 

Stachytarpheta dichofoma Vahl* 

2265. Erst in neuerer Zeit eingefiihrt fand dieses Unkraut 
eine erstaunlich rasche Verbreituug; so hat es z. B. auf deu 
Waidwiesen von Halemanu die ganze einheiniische Vegetation 
sogar Holzgewachse verdrangt, und wird hier iiber Mannshoch, so 

dass man sieh nur mit Miihe durch einen solchen Bestand durch- 
arbeiten kann. 

Priva aspera? (H. B. K.) 

2407. Ein gleichfalls vor kurzem auf den Inseln eiugefiihrter 
und besonders den Kolonisten bocbst lastiger Strauch. 



SpecimiMOt- wiwnis n^unca. 



Nro. 1861 YomHaliakala auf Maui scheint eine jungePflanze 
vou Argxjrosip'h'mn (Sandwicense ?) zu sein. \ 

Nro. 2154 vom Waialeale auf Kauai diirfte nur ein verkttm- 
mertes Exemplar von Broussaisia arguta sein. 



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253 

Pflanzenphysiologische Untersuchungen. 

Von Dr. Carl Kraus in Triesdorf. 

(Fortsetzung.) 

IV. Entstehungsweise von Pflanzensaaren. 

FrUher einmal (Buchner'ti N. Hep. f. Pharui. Bd. XXII, 5) 
fiibrte ich aus, dass die Liebig'sche Annahme von der Bildungs- 
weise der Pflanzensauren unbaitbar sei (vergl. auch Pfefier Land- 
wirtb. Jahrb. III. L), dass vielinehr ein Theil derselbenvon Kohle- 
hydraten in der Weise herstammen aioge, dass inimer der aus 
niehreren Molekiilen eines Kohlebydrats austretende Sauerstoff sich 
in eiueni Kohlchydratmolekule anhaufe u. so daraus Pflanzensauren 
bilde, wiibrend die gleichzeitig aul'tretenden (relativen) Reductions- 
prod ucte Oxybenzole von geringerein SauerstoflFgehalte als er in 
den Kohlebydraten vorhanden ist, zunachst besonders Brenzcate- 
cbin ') seien. (Vergl, A.Baeyer's Beispieledieser Sauerstoflfvvauder- 
ung, Bericbte der deutscben Chem. Gas. III.) 

Icb stiitzte damais ineinc Ansichten vor Allem auf die Ver- 
suche von Hoppe-Seyler (med.-cbera. Untersuch. 1866-71), vvekher 
bei Behandlung 7on Traubenzucker mit Alkalien unter moglichster 
Abhaltung der Luft Brenzcatechin erhielt, wahrend hiebei gleicb- 
zeitig Ameisensaure auftritt (Kavvalier, Wien. akad. Bericbt. 30). 
Ferner erhielt Hoppe beim Erbitzen von Starkmebl u. s. w. in 
zugescbmolzenen Glasrohren mit Wasser Brenzcatecbin neben 
Ameisensaure u. Koblensaure, die aucb von einer Zersetzung ge- 
bildeter Oxalsaure herstammen konnten. Die gebildeten Oxyben- 
zole, besonders Brenzcatechin, konnten sich mit Pflanzensauren 
unter Wasseraustritt zu (mit Alkalien grun werdenden) Antho- 

1) Dieser merkwurdige Kbrper wurde jedenfaUs schon in einer grossen 
Anxahl von Fallen in Pflanzen bemerkt (b. z. B. die Zusamnaenstellungen in 
Gmelin's Handb. Bd. V. Phytochemie)*, bestimmt nachgewiesen in lebenden 
Pflanzen zuerst von Gonip-Besanez (Sitzgsber. d. phys. med. See. Erlangen 
V. 9. Dez. 1871 und 1874) in Ampelopsis hederacea. — Junge rasch wachsende 
Theile von Keimpflanzen, manche Vegetationskegel (von Seitenwurzeln, viel- 
lelcht bei Wachsthumshindernissen) u. a. werden mit Alkalien sehr haufig 
und oft ganz intensiv griiu (Reaktion auf Brenzcatechin). Am leichtesten ge- 
llngt der Nachweis in gerbstofffreien Pflanzen wie z. B. Celtis^ Morus alba, 
SamhucHs nigra^ Hobim'a , "w^lchG merkwurdiger Weise auch kein Cyaneogen 

(Wigarids Holzchromogen bot Zeit 1862) enthalten. Das wassrige Holz- und 
R-indenextrakt dieser Pflanzen, welches ich im ersten Friihjahr untersuchte, 
reagirte deutlich auf Brenzcatechin. Die Reaktionen auf diesen KGrper sind 
bekanntlich ausserordentlich scharf und charakteristisch (Verhalten gegen 
Ferridsalze, hierauf Kali, dann mit Saure neutralisirt, bierauf wieder alkalisch 
gemacht u. 8. w; Verhalten gegen Kali allein). 



254 

cyanen vereinigen (vergL Illdieser Unters, Aum.), vielleicht aucb 
mit Zucker und Kohleos^ure bei Gegenwart reichlicher Koble- 
hydratmengen (wie in keimenden Samen) zu Gerbstoflfen. (Vergl 
A. Baeyer Berichte V). Besonders sncbte ich auf diese Weise 
das gleichzeitigc Auftreten reichlicher Mengen von Pflanzensauren 
und Authocyanen zu erklaren.*) 

Nunmehr kann ich einen direkten Nachweis des Zusammen- 
bangs von Pflanzensauren (zunachst Oxalsaure) und Brenzcatechin 
als in Pflanzen thatsachlich vorkommend anftihren. 

Die gewohuliche Kuchenzwiebel zeigt von Aussennachlnnen 
in ihren Schalen verschiedene Stadien herbstlicher Veranderungen 
der Blatter; die aussersten sind bereits braunlich roth, ihrlnhalt 
besteht aus Eesten kornigen Protoplasmas; ihre Zellwande zeigen 
die in absterbenden Organen so gewohuUche Ecscheinung eiuer 
betrachtlichen Wandverdickung. In jederZelle liegt ein ziemlich 
grosser Krystail (ol'ter auch zwei), der sich durch seine Loslich- 
keit in Saizsaure, Unloslichkeit in Essigsaure und seine Form 
als oxalsaurer Kalk erweist. Diese Krystalle gehoren dem qua- 
dratischen Systeme an ; man findet die verschiedensten Forraen, 
besonders Quadratoktaeder, quadratische Prismen and Combina- 
tionen beider.*) Stellenweise ist der Zellinhalt nicht rotbgewor- 
den, sondevn mehr gelbgrtin geblieben, 

Zieht man die aussersten voilig abgestorbenen Schalen ab, 
so findet man darunter solche, welche theilweise rothlich, theil- 
weise gelblich oder griinlich gefarbt sind. Diese Farbungen 
gehen ohne Unterbrechung in einauder Uber. In den gelben 
oder grunlichen Zellen finden sich bereits dieselben Krystalle wie 
in den rothbraanen, nursind sie noch vielkleiner, die ganz weis- 
sen Stellen der Schalen enthalten keinen Faibstoff und keine 
Krystalle. In den noch lebenskraftigen Schalen finden sich 
Krystalle uberhaupt selten und dann in winzigen Individuen. 



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1) ZSller Hess Schimmelaporen in kunstlichen Nahrstofflosungen wachsen, 
wobei organische Substanz in Form von Essigsaure (essigsaurer Salze) gege- 
ben war; diese lieferte den Kohlenstoff iiir die Schimmelpilze. (Sitzgsber. d. 
Erl. phys, med, Soc. 1871). Dies ist keine Stutze fur die Liebig'sche An- 
nahme, weil Essigsaure Wasserstoff und Sauerstoff in demselben Verlialtnisse 
wie Wasser enthalt, also kein Austreten von Sauerstoff nothig ist. 

2) Manche der Krystalle scheinen auch phosphorsaurer Kalk zn aein. 
Diese treten aber jedenialls erst spat auf, Fourcroy und Vauquelin (Hand- 
wftrterbucli d. CUem.) geben ausdriicklich phospborsauren Kalk als Saftbe- 
standtheil an. -— In ganz abgestorbenen Schalen finden sich auch spharo- 
krystalUmflche Bildangen, welche nicht welter verfolirt wurden. 






* 1 



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255 

Zieht man noch saftige Schalen ab and lasst sie durch lang- 

sames Austrocknen absterben, so tritt ganz dieselbeFarbung ein, 

zuerst giiin, dann gelb, zuletzt rothbriiunlich; gleichzeitig treten 

Krystalle von oxalsaurem Kalke auf, olt in prachtig ausgebilde- 

ten Formen and mit der Intensitat der Farbe an Grosse zuneh- 
mend. 

Auch auf Zusatz von Kalilauge tritt zuerst grune, dann gelbe 
Farbe auf, wahrend man ofter auch Krystalle entstehen sieht, 
freilich meist sehr kiein, bisweilen aber auch ganz deutlich und 
grosser. 

Die Grosse der Krystalle hangt natiirlich auch von der 
Menge der vorhandenen Kalksalze ab, so dnss es sehrwohl einen 
Unterschied ausmacht, ob eine Schale in Verbindung mit dev 
Zwiebel abstirbt oder abgerissen, ferner ob die Zwiebel sicli 
noch in der Erde befindet oder nicht, da der Verbrauch von 
Kalk die Herbeileitung zur Folge hat (J. Sachs, Schulze-FIeeth). 
Es muss daher in herbstlich absterbenden Blattern der Kalkge- 
halt zunehmen. 

Lasst man Eisenchlorid auf eine abgestorbene Schale (natiir- 
lich Oder kunstlich bcschleunigt) einwirken, so farbt sie sich in- 
tensiv gviin; wascht man das Ferridsalz weg und setzt Kalilauge 
zu, so werden die griinen Stellen roth, auf Saurezusatz wieder 
griin u. s. w. ; Keaktionen des Brenzcatechins, die auch das Ex- 
trakt liefert. 

Lasst man Eisenchlorid auf eine frische Schale (auf Schnitte) 
einwirken, so bleibt die Mehrzahl der Zellen ungefarbt, nur ei- 
nige isolirte Zellen farben sich griin, das Extrakt verhalt sich 
zienilich neutral. Also war Brenzcatechin nicht urspriinglich 
vorhanden, ') sondern trat erst beim Absterben der Schalen (ne- 
ben Oxalsaure) auf. An der Luft verandert sich Brenzcatechin 
wie gewohnlicb, hier um so rascher in Folge derEinwirkung des 
absterbenden Protoplasmas , erst griin, zuletzt rothlichbraun 

werdend. 

Die Krystalle finden sich auch aufwarts, wo die Schalen frtiher 
grtin waren; dort enthalten die Zellen jetzt gelbgrunen Inhalt 



1) Fourcroy und Vauquelin geben keinen Gerbstoff als Bestandtheil des 
Zwiebelextrakls an ; wahrscheinlich batten sie alle &bgestorbenen und abster- 
benden Schalen entfernt R. Schwarz dagegen (Gmelin Handb. Bd. V.) 
Bcheint Bronzcatechin bemerkt zu haben, da er fur Aliium Cepa einer ewen- 
grUnenden Gerbs&ure erw^nt. 



256 

neben Xantophyllkornchen. Die innersten Schalenlagen sind nie 
gefarbt und enthalten auch keine Krystalle, 

Es ist eine durchHoppe's Experimente gesttitzte Behauptung, 
dass Brenzcatechin und Oxalsaure (vielleicht auch andere Sauren) 
von einer Zersetzung der in den Schalen reichlich vorhandenen 
Glykose herstammen; dieGlykose scheinlin den ausseren Theile 
der Schalen reichlicher vorhanden zu sein als weiter einwarts. 
Lasst man Kalilauge auf den Querschnitt einer Schale wirken, 
so sieht man leicht, dass die Farbung Aussen beginnt und am 
starksten wird, gerade wie beim Absterben, scbwacher, je "ffeiter 
die Zelien gegen die Innenseite der Schale zu liegen. Diese 
aussern Partien sind es auch, welche haufig Anthocyane fiihren, 
besonders aufwarts in den Schalen. Je jiinger die Sehalen sind, 
um so schwieriger fiirben sie sich, die jiingsten gar nieht niehr. 

Vielleicht klareu sich hiedurch verschiedene altere eigeu- 
thiimliche Angaben auf (Schleiden), dass Gerbstoff in absterben- 
den Zelien auftrete. 

(Fortsetzung folgt.) 



SinlSufe zur Blbliothek. und zum Heirbar* 

40. Verhandlungeii der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschait in Wien. 
Jahrg. 1874. 24. Bd. 

41. Taschenworterbuch der botanischen Kunstausdrflcke von Schlickum. 2. 
Aofl. Leipzig, Giinther 1875. 

42. Convolvulaceae in medicinisch-pharmaceutischer Beziehung von G. Ros- 
sig. Leipzig, Gunther 1875. 

43. Vergriinungsgeschichte der Eiehen von AUiaria officinalis Andrz. von L. 
Ceiakovsky. 

44. Zur Discussion iiber das Eiehen, von L, Celakovsky. 

45. Einige Abhandlungen von Dr. J. Wiesner in Wien. 

46. Sitzungsbericlite der kais. Academic der Wissenschaften in Wien; mathem.- 
naturw. Classe, 1874, L Abth. No. 4-7. 

47. Joiirral de Botanique, pubUe par la see. bot. de Copenhague. L'annee 
]874. 1. 

48. Bataviaasch Genootschap van Kunsten en Wetenschappen. Tijdschrift VoL 
XAI 3, 4; XX JT, 1—3, 



Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'schen Buchdruckerei 

OF. Haber) i n Regensburg. 




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58. Jahrgang. 



N« 17. 



Regensburg, 11. Jnni 



1875. 



Inlialt* 0. Bockeler: Diagnosen neuer Cyperaceen. — Dr. Uloth 
Ueber dieKeimung von Pflanzensamen in Eis. — Dr, Carl Kraus: Pflan 
zenphysiologische Untersuchungen. (Fortsetzung.) — Sammlungen. 



Diagnosen neuer Cyperaceen. 

Von 0, Bockeler. 

Aus dem offenfliclien Herbarium zu Kew, sowie aus den Her- 
barien der Herrn. Hooker uod Hasskarl erhielt ich eine Anzahl 
Cyperaceen zur Begutachtung, unter denen sich mehrere als uu- 
bekannt auswiesen. Diese, aus dem ostlichen tropischen Afrika, 
aus Indien, den Sandwichinseln nnd zwei kleinen Eilanden des 
siidatlantischen Oceans stammend, enthalten namentlich aus den 
Gattungen Kyilingia, Scirpus und Carex recht ausgezeichnete 
Formen, und will ich dieselbenhier, mit ausfuhrlichen Diagnosen 
versehen, verzeichnen. 



K yllingia, 

1. K. leucocephala Bcklr. 

Viridls; pluriculmis; baud stolonifera; radicis fibrillis nu- 
merosis validulis rigidis multiramulosis fuscis, e culmi basi parum 
incrassata vaginisdissolutis brunneis obtecta;culmiserectis firmis 
subaequalibus 12—10 poll, altis validulis aequilatero-triangulari- 
bus sulcato-striatis basin versus paucifoliatis; foliis remotiuscu- 



Hora 1875. 



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lis rigidulis culmo mnlto brevimbus aeauaiDatis planis lineam 
latis superne carinatis ibique margine carinaque subtiliss. spi- 
nulosis; capitulo subgloboso denso 6 — 4 lin. diam., foliis 4 — 3 
valde inaequalibtts reflexis involucrato; spiculis numerosissimis 
oblongo-ovatis lanceolatisve 2 lin. lougis trifloris, floribus inferi- 
oribus 2 V. 1 fertilibus triandris; squamis hyalino-mexnbranaceis 
albidis concoloribus apice rectis, carina exalata laevi, floralibus 
subsexnerviis, bast decurrentibus, superioribus 2 conformibus 
ovato-sublanceolatis obtusiusculis (baud acuminatis), tertia ovata 
obtusa, infimis 2 bractealibus illis multo minoribus; caryopsi im- 
malura obovato-oblonga obtusa compressa minute applanato-granu- 
lata testacea; stylo exserto pertenui brunneo profunde bifido. 
K. Imcanthae Bcklr. ex habitu baud dissimilis. — (Herb. 
Hooker.) 

Africa orient, tropica, alt. 4068 ped. (Speke et Grant.) 
2. K, bulbocauUs Bcklr. 

Pallida viridis; fibrillis radicalibus teauibus rigidis ramulosis 
fuscis e culmi basi valde bulboso-incrassata vaginis emortuis 
fusois vaUde x^rvosis dissolatis tecta; culmo solitario 5 — 6 poll, 
alto rigido 'U lio. crasso triangular! striate basin versus folioso; 
foliis subapproximatis culmo plerumque multo longioribus flex- 
uosis rigidulis infernelineam circ. latis superne longe angustato- 
cuspidatis, complicatis margine laevlbus v. subtiliss. serratis, infra 
Bubtiliter multinervatis, supra celluloso-retieulatis; vaginis brevi- 
bus rigidulis nervosis fissis, margine tenuiss. membranaceo albido; 
capitulo singulo globoso-hemisphaerico 4 — 5 lin. lato; involucri 
tripbylli foliolis reflexis perangustis valde inaequalibus, exterio- 
ribus 3—4 poll, long.; spiculis perdense dispositis 2 lin. long. 
teretiusculis leviter compressis ex oblongo superne attenuatis 
obtusiusculis, basi baud obliquis, bifloris, flore tertio tabescente; 
squamis cbartaceo-raembranaceis albidis pellucidis oblongis su- 
perne angustatis obtusiusculis, apice rectis, convexis ecarinatis 
subtiliter malti-(lO-) nervatis subtilissimeque celluloso-retieulatis. 
— (Flores in specim. exstant., triandri, solummodo staminiferi.) — 
Herb. Hooker. 

Zanzibar (Speke et Grant). 
3. K. sphaerocephala Bcklr. 

Pallide viridis; rhizomate brevi brunneo stolones tenuesemit- 
tente; culmo solitario elongate filiformi 12—9 poll, alto triangu- 
lar! sulcato ac striolato, ima basi—haud incrassata— pluri-(7-) toliato ; 
foliis confertis p^entibus culmo multo brevioribus (4V3— 2Vj poll. 



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259 

Ig.) acuminatis planis complicatisve '/^ lin. lat, superne margine 
serrulatis; vaginis brevibus herbaceis tenui-nervatis brunnescen- 
tibus; capitulo singnlo subperfecte globoso perdenso S'A— 3 lin. 
diam.; foliis involucralibus 3 patentiss. perangustis valde inaequa- 
libus 2 — V4P0II. long. ; spiculisdensiss.imbricatis valde compressis 
ovato-lanceolatis acutis basi parum obliquis IV4 lin. long, uni- 
floris; squarais floralibus duabus membranaceis albidis concolo- 
ratis parum inaequalibus late ovatis lanceolatisve apice rectis, 
subtiliss. celiuloso- reticulatis, carina acuta exalata laevi, inferi- 
ore minore 10-nervata vacua, superiore fertili subsexnervia; stamin. 
3 inclusis; stylo vix parum exserto complanato pallide fusco bre- 
viter bifido ; caryopsi obovata compressa subtiliter granulata lu- 
tescente. — Herb. Hooker. 

Zanzibar: Speke et Grant. 

Diedrei, durch ihreweissenKopfchensogleichauffallendenKyl- 
lingienstebenunter sich innaherer verwandtscbaftlicber Beziebung 
und schliessen sicb zunachst der oben genannten, von mir inLin- 

naea N. F. IV. S. 356 beschriebenen abessinischen Art an. 



Cyperus, 
Sect. Fycreus, 



4. C, Teysmanni Bcklr. 



Pallide viridis. Rhizomate (culmi parte subterranea) elongato 
descendente tenui, fibrillis numei-osis fasciculatis capillaceis; cul- 
mis pluribus fasciculatis inaequalibus, 16--6 poll, alt., strictis 
filiformibus aequilatero-triangulis faciebus profundesulcatis stria- 
tisve, parte inferiore bifoliatis; foliis remotis erectis firmulis cul- 
mo multo brevioribus longiuscule vaginatis acuminatis carinato- 
planis apice triquetris ibique spinulosis, vix semilineam latis, in- 
1 fimo 2—1, altero 6—4 poll, longo; umbella capitato-contracta, 

radiis omnibus fere sessilibus, densa polystachya 1— 7» poll, lata; 
involucri foliis tribus patentissimis valde inaequalibus, 4 — VaPoll- 
long.; spiculis albidis confertis linearibus (minor. oblongis) rotun- 
dato-obtusis baud compressis 4 — 2 lin. long. 1V» lin. lat. 24—12- 
floris ; squamis laxiuscule imbricatis subpellucidis albidis dorso 
non raro fusco-lineolatis abbreviato-ovatis obtusis margine subun- 
dulatis, carina infra apicem squamae evanescente viridula subti- 
liter nervata; caryopsi perminuta squamae dimidium vixaequante 
orbiculata (interdum obovata) lenticulari apiculata dense granulata 

17* 



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260 

rufo-ferruginosa ; rhachilla validula Jeviter flexuosa quadriquetra 
baud compressa, foveis linearibus; stam. 2. 

Herb. Hasskarl. 

In Sumatra meridion. leg, Teysmann. 

Species e vicinia C. diaphani S^chxad. et C.Fontanesii Kimth. 

Sect. Eucyperus, 

5. C. Orantii Bcklr. 

Viridis; rhizomate brevi crasso duro vaginis vetustis disso- 
lutis brunneis dense obtecto, fibrillis tenuibus rigidis brunneis; 
culmis pluribus gracilibns pedem circ. altis strictiusculis firniis 
evidenter trigonis (baud compressis) basin versus foliatis; foliis 
patentibus subflexuosis inaequalibus culmo submulto brevioribus 
rigidulis perlonge angustato-acuminatis, marginibus subscabridia 
involntis, inferne vix lineam latis, inferioribus approximatis 5—3 
poll, longis, superioribus remotis 7 — 8 pollicar.; vaginis purpu- 
rascentibus; corymbo umbelliformi 8 — 10-ramoso; ramis erecto- 
patentibus valde inaequalibus, longioribusvix supra pollicem lon- 
gis, capillari-setaceis, teretiusculis, apice v. simpliciter spiculatis 
V. pauciramulosis; bracteis ramorum inferiorum 2 — 3Vj poll, 
long.j reliquis gradatim decrescentibus ; ochreis transversim trun- 
catis; spiculis pluribus numerosisve confertis patentibus rectis 
sublanceolato-linearibus 12— 8-floris 3—2 lin. long.; squamis 
lucidis subchartaceis patuiis remotiusculis oblongis superne pa- 
rum dilatatis carlnato-navicularibus obtusiusculis brevissime mu- 
cronatis, mucrone recto, carina evidenter trinervata, atrosangui- 
iieis concoloribus, basi paliidioribus ; rhacheola recta anguste hy- 
lalino-marginata. — C tenaci Bcklr. proxime' affinis. — 

In Africa orient, tropica, alt. 3800 ped. leg. Grant, — 
Hetb. Hooker. 



Scirpus, 
Sect, Euscirpus, $ 

6. S. Qlweri Bcklr. 

Virens; dense caespitosus; rhizomate perbrevi brunneo, fibril- 
lis capillaribus; cnlmis numerosis foliisque setaceo-capillaribus 
erectis infirmis 4Vi— 3 poll. alt. foliorum fasciculis sterilibus in- 
termixtis, obsolete triaugulis, lateribus leviter suicatis, supra ba- 
sin 4— l-foliatis; foliis confertis patentibus culmum subaequanti- 
bu9 canaliculato-teretiusculis ; vaginis membranaceis angustis 




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261 

testaceif^; iSpicalis 3—1 lateralibus ovato- v. oblongo-lanccolatis 
acutiusculis subteretibus 3-.2 lin. long. 15— V-floris; bracteis se- 
taceis, inferiore erecta 14—7 lin. longa, altera patente spiculas 
subaequante; squamis remotiusculis apice patuJis chartaceis ova- 
tis acutato-mucronatis subtiliter striatis, carina mucroneqae levi- 
ter recurvo laete viridibus. lateribus purpureo-rufis; caryopsi mi- 
nuta squamae dimidium subaequante ovali v. subovata utrinque 
obtusa turgide biconvexa, anguio obsolete obtuso circumdata, 
styli basi breviss. valida atrofusca terminata, subtiliss. reticulata 
sordide straminea margaritaceo-nitidula; stylo exserto profunda 
bifido; stamine unico caryopsin vixaequante. — Perlgon, nullum, 
5- Oliveri Bcklr. in Herb. Kewensi. 
In insula Inaccessible leg. Mo^eley. 
7. 8. prolifero-ramosus Bcklr. 

Virens; laxiuscule caespitosus; rhizoraate brevissimo, fibrillis 
tenuibus rigidis; culmis numerosis erecto-patentibus firmis filiform 
fflibus 4Va— 3 poll. alt. teretiiiscuHs subtiliter striatis laevibns 
basi 4 — 3 foliatis, omnibus (semper?) ex apice prolifero-ramosis ; 
vagiais tenuiter membranaceis purpurascenti-stramineis subtiliter 
atropurpureo-nervatis, omnibus t'oliatis; foliis eulmum aequanti- 
bus superantibusve fere setaceis plaao-canaliculatis, apice obtuso 
ad margines evidenter serralatis; ramis 4 — 2 (raro pluribus) pa- 
tentibus 1 — Vi poll, longis, basi ieviter bulboso-incrassata pluri- 
foliatis; spiculis 5 — 2 in ramorum apice confertis pallida viridi- 
bus ovalibus oblongisve obtusis teretibus 15 — S-floris, in anthesi 
27a— -2 lin, longis; bracteis duabus foliiformibus rigidis patenti- 
bus, altera spiculas subaequante, altera eas duplo triplove super- 
ante; squamis rigidis apice patentibus ovato-orbiculatis subtiliter 
denseque striatis, e dorso viridulo submucronato-angustatis, ob- 
tusiusculis, lateribus albidis v. sanguineo-variegatis ; caryopsi 
(immatura) squama multo breviore late obovata rotundato-obtusa 
bine convexiusculo-plana iude convexa, subtiliss. celluloso^reticu- 
lata stramineo-albida, vertice cicatricula atra uotata; stylo breW 
profunde bifido; filam. 1—2 latis caryopsi multo longioribus. 
Perigonium nullum. 

S, prolifero-ramosum in Herb. Kewensi. 
lusula Inaccessible (Moseley). 
8. S. virens Bcklr. 

Tota planta viridula; caespitosa; rhizomate brevissimo fibril- 
lis capillaribus; culmis numerosis erecto-patulis flaccidisfiliformi- 
bus obsolete quadranguUs basi paucifoliatis, supra basia non 



262 

raro prolifero-ramosis; foliis culmo brevioribus herbaceis angu- 
stissimis canaliculato-planis acutiusculis subtiliter nervatis laevi- | 

bus; spiculis 7 — 3 subterminalibus confertis ovali-oblongis teretiu- 
sculis 20—12 floris2Vi — IVi lin. long, lineam circ. latis; bracteis 
2 foliiformibus patentissimis v. altera erecta, inferiore 1 — 2 poll. f 

longa, altera spiculas aequante v. parum superante; squamis ; 

majusculis herbaceo-rigidulis apice patulis ovato-lanceolatis sub- 
carinatis e dorse viridulo plurinervato submuci'onato-acutatis, 
lateribus pallidis; caryopsi perminuta squamae partem quartam 
vix superante obovata ima basi attenuata, bicon'vexa umbonato- 
apiculata pallide testacea subtiliss. reticulata, apiculo ferrugineo- 
atro; stylo brevi tenerrimo profunde bifido; filam, 2 exsertis an- 
gustis. — Perigon. nHllum, . 

jS. virens Bcklr. in Herb. Kewensi. 

In insula Inaccessible leg, Moseley. 

9. S, MoseUyanus Bcklr. 

Laete viridis; dense caespitosus; rbizomate parum elongate 

descendente tenui, fibrillis capillaribus lanuginosis; culmis nume- 
rosis erectis subflexuosis setaceis firmulis 8—3 poll. alt. obtuse 
quadrangulis lateribus sulcatis, basi vaginis atropurpureis vesti- 
tis; vagina superiore elongata pallidiore ex ore oblique truncato 
in laminam subbilinealem perangustam obtusam producta; spicu- 
lis 5 — 1 sublateralibus confertis pallide ferrugiueis atvopurpureo- 
variegatis sublanceolato-oblongis teretiuscuiis subacutis 18—8 
floris 3 — IVi lin long, lineam circ. latis; bracteis foliaceis abbre- 
viatis, inferiore erecta v. patente spiculis parum longiore v. bre- 
viore, altera brevissima; squamis laxiusculissubquadrifariis mera- 
branaceo-chartaceis, apice subrecurvato-patulis , ovatis carinatisacu- 
tato-mucronatis ; caryopsi (immatura) parva oblonga acutato-mucrona- 
ta, basi attenuata, triangulari laevi subtiliss. striata pallida nitidula 
(diaphana), basi mucroneque ferruginea; stylo exsertopertenui pro- 
funde trifido; stam. 1. — Perigon. setae nullae. 
Variat pallide viridis spiculis albidis variegatis. 
5. Moseleyanus Bcklr. in Herb. Kewensi. 
Insula Nightingale (Moseley). 

Die oben aufgefUhrten, von zwei kleinen felsigen — Tristan- 
da-Cunha wahrscheinlich nahe gelegenen — Inseln stammenden 
Scirpus-Arteu finden ihre Nachstangeborigen in der aus zahlrei- 
chen kleinen mit armlicher Inflorescenz versehenen Arten besteh- 
enden Gruppe, und schliessen sich die drei erstgenannten Arten 
zunachst etwa dem S, hicolor^ die vierte dem & Gaudichaudii an. 



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Sect. Oncostylis, 



10. S. HUdebrandtii Bcklr. 

Pallide glauco-viridis. Fibrillis radicalibus tenuibus rigidu- 
lis; culmis pluribus fasciculatis setaceo-filiformibus 16—6 poll, 
alt. firmulis rectis v. leviter flexuosis foliisque v. patentUpilosis 
V. glabris, teretiusculis leviter compressis, infra apicem subangu- 
latis, striatis basin versus pauci- (2—3-) foliatis; vaginis mem- 
branaceis ferrugineo-stramineis, ore oblique secto pilis iongis al- 
bidis dense ciliatis; foliis remotissetaceis rigidulis brevibus, 1—3 
poll, long., acutis canaliculatis dorso striatis; umbella depaupe- 
rata simplici 3— 6-radiata (quandoque ad radium unicum mono- 
stachyum redancta), radiis rigidulis patentibus indivisis v. rare 
uniramosis, setaceis snbglabris, 2—4 lie. long., intermedio ses- 
sili; involucre abbreviate, foliolis e basi lata longe ciliata cuspi- 
datis, omnibus umbella multobrevioribus; spieulis obIoDgi« obtusi- 
usculis leviter compressis 10— 5-floris 3—2 lin. long.; sqnamis 
majusculis tenuiter membranaceis opacis ovato-oblongis obtusis 
carinato-convexis, carina nervata I'usca infra apicem squamae 
saepias. evanescente, muticis v. interdum ex apice obtuso mucro- 
nulatis, elevato-punctatis flavidis dorso castaneo-variegatis; squa- 
ma infima bracteali mucronata; stylo validulo longo c. stigmat 
flexuosis exserto ; ovario foecundato perminuto cuneato-obovato 
lacteo apice retuso; filamentis exsertis, antheris magnis, — 
Scirpo piiherulo Poir. proximus, — J. M. Hildebrandt. coll. no. 
1059. — (Vidi in Herlj. Hasskarl). 

Insula Zanzibar. 

Carex, 

IL C. tric^hala Bcklr. 

Rhizomate elongato repente nodoso pennamanserinamtenuem 
crasso, vaginarum residuis fuscis ad nodos tunicato; cuImiR. (fa- 
sciculisque folior. sterilibus) e rhizomatis nodisortis, erectis fill- 
formibus 12 — 5 poll, alt. leviter cnrvalia inferne foliatis ibique 
triangulis laevibus, superne triquetris striatis angulis peracutis 
subalatis dense subserrulato-setulosis; foliis remotiuscuiis viridi- 
bus berbaceisplanisacuminatis apice ad margines carinulaque snbti- 
liss.serrati8,infimisbrevissimis,reliquisculmum aequantibus vel pa- 
rum superantibus 2Vi— I'/a lin. lat. ; capitulis 3 v. 2 androgynis ses- 
silibus fructigeris grloboso-bemisphaericis densi&oris 3--2Vt Hb- eras- 
sis, superioribus duobus in culmi apice eonferlia, inferiore distante, 



264 

illis bvactea perbrevi ac angusta suffultis, hoe folio culmum pa- 
rum superante munito; floribus terminalibus perpaucis masculis 
fasciculatis, foemineis 10—5; squamis membranaceis fuscescenti- 
viridulis subhirtellis opacis, foemineis ovatis obtusis mucronatis 
dorso obsolete trinerviis, masculis angustioribus submucronulatis; 
utriculis congestis patentibus quam squamae multo longioribus 
2 lin. longis yiridulo-fuscis (humefactis luteis) caryopsin arete 
vestientibus hirtis aequilatero-triangulis e lato-ovali sensim in 
rostrum longiusculum rectum ore bidenticulatum attenuates. 
Zolling, coil. no. 1778. — Herb, Hasskarl. 
Madura-ins ula Occident, 

Eine recht eigenthUmliche, schon dadurch sehr ausgezeich- 
Bete Art, dass bei ihr ■ — in der Gattung Carex der einzige mir 
bekannte Fall — die Bltitben in wirkliche Kopfchen geordnet 
sind; ein in der -verv^andten Gattung Hoppia normaler Zustand. 
Ihre nacbste naturlicbe Verwandtschaft genau zu ermitteln 
diirfte sehr schwierig sein; in der von mir fiir die Carices ge- 
troffenen Anordnung wiirde die Pflanze beilaufig bemerkt, in 
eine hesondere Unterabtbeilung ^^CapitxiUgerae,"' einer kleinen 
aus Car, uncinoides^ C. curvata Boott uud einigen andereu Artea 
bestehenden Gruppe zu stellen sein. 
12. C. Bemyi Bcklr. 

Gracilis. Rhizom. parum elongato horizontali tenui duro 
squamis lato-ovatis fuscis vestito; culrao (sine infloresc.) pedali 
stricto fere filiformi acute triangulari laevi basin versus foliato; 
foliis erectis firmis infloresccLtiam subaeqnantibus angustis, vix 
sesquilineam latis, longe angustato-cuspidatis carinatis planis 
complicatisve, margine serrulatis, supra perscabris ; panicula 
eiongata rufula, 10—12 poll, alta, angusta subcontinua e ramo- 
Tum fasciculis numerosis (9) composita; ramis subquinis brevibus 
subsessilibusve erectis, v. simplicibus monostacbyis v. pauciramu- 
losis, racbique primaria laevibus glabrisve; bracteis foliaceis, in- 
ferioribus fascicules longe superantibus ; spiculis subfasciculaiis 
erectis sessilibus anguste linearibus parte superiore mascula 
pluriflora attenuatis, acutis 12—6 lin. long.; bracteolis brevibus 
squamiformibus muticis,- squamis dense imbricatis tenui-membra- 
naceis late obiongis obtusis v. acutiusculis lateribus rufescentibus 
dorso obsolete triuervato margineque angusto pallidioribus,- utri- 
culis (nondum maturis) membranaceis squama longioribus 2 lin. 
circ. long, erectis reclisque stipitatis compressis plano-convexis 
subtiliter striatis ferrugineo-stramineis sensim in rostrum ore 



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265 

acute bidentatum margine serrulatum attenuatis; stigm. 2 longe 
exsertis flexuosis. Inter C. teinogynam Boott et C, hrunneam 
Tbnbg. locanda est — (Herb. Hasskarl). 

Ins. Oahu Sandwicens. (J. Remy, no. 141). 
13, G. pentacarpa Bcklr. 

Gracilis, Rhizomate brevi, fibrillis validis longis; culmo 
tenui stricto (panicula excepta) subsesqnipedem alto triangulo 
striato superne pauci-, inferne submultifoliato ibique lineam c. 
crasso; foliis culmum subaequantibus angustis 1-1 */, lin. lat., 
firmis ioDge angustato-acuminatis marginibus revolutis cannula- 
que acuta superne scabris, inferioribus confertis breviter vagi- 
natis; panicula depauperata perlaxa nutante 10 poll. circ. alta; 
ramis paucis, superioribus binatis, infimis solitariis, remotis lon- 
ge exsertis inaequalibus nutantibus baud flexuosis capillari-seta- 
ceis triangulis interne saepius pauciramulosis, superne simpliei- 
ter spiculatis; ramulis capillaribus remotis erectis vix semipoUi- 
cem longis; spiculis androgynis parvis, parte mascula perminuta, 
ferruginescenti-stramineis solitariis remotis, fructiferis late ovali- 
bus densis 3 — 2Va lin. long, paucifloris; fioribus foemineis 5— 
4—3, masculis 3 v. 2; bracteolis subtilissimis scabris ima basi 
membranaceo-dilatatis, inferioribus spiculas superantibus; squa- 
mis parvis byalino-membranaceis stramineis ferrugineo-lineolatis 
acutiusculis e nervo carinali mucronul^tis, foemineis late ovatis, 
niasculis angustioribus; utriculis patentibus squama longioribus 
IVa lin. circ. long, stramineis ferrugineo-lineolatis oblongis ro- 
stratis obtuse triangulis obsolete striatis; rostro longiusculo recto 
V. recurvo apice emarginato-bidenticulato, margine setuloso-cili- 
ato. — Species 61 viridi Jnngh. proxima est. —(Herb. Hasskarl). 

Java, M. Ungup-Ungap, alt. 5600 ped. (Zollinger). 
14, C. Sandwicensis Bcklr» 

Culmo triquetro laevi superne pennam anserinam tenuem 
crasso; fol, basilar, desunt; spiculis numerosia (7, — omnibus 
androgynis) in culmi apice approximatis (subfascicula- 
tis) valde elongatis pedunculatis subnutantibus ferrugineis 
subflexuosis 5 — 10 poll. long, cylindraceis apice extremo ma- 
sculis acutis, maturis 27, lin. crassis superne densi-, inferne 
laxifloris; pedunculis brevibus validis laevibus; bracteis infimis 
(2) valde elongatis, bipedalibus, evaginatis subcoriaceis planis 
sursuni longe angustatis, 5—3 lin. latis, carina subaiata margiui- 
busque serrulatis, superioribus brevibus, subbipol]icaribus,line:iri- 
setaeeis; squamis membranaceis difformibus, foemineis ovato- 



266 

lanceolatis cuspidatis, cuspide scabrido, dorso angusto trinervato 
viridi-stramineo, lateribus castaneis, infimis apice non raro obtu- 
sis V. excisis perlonge cuspidatis, masculis pallidis angustis acu- 
minatis; utriculis squamam ipsam (sine cuspide) subaequantibus 
IV4 lin. long, fragilibus suborbiculatis (raro late obovatis) turgi- 
dule biconvexis costato-marginatis vix obsolete striatis fnscescen- 
ti-stramineis nitidis, rostro perbrevi bidenticulato; caryopsi arc- 
tiuscnle inclusa lenticular! suborbiculata ima basi contracta, sub- 
tilissime punctata fusca, styli basi aequali pallida coronata. 
Ex affinit. natural! (7. PrescoUianae Boott et C. olivaceae Ejd. 
(Herb, Hasskarl). 

Insula Molokai Sandwicens. (J. Remy, no. 148.) 



Ueber die Keimung von Pflanzensamen in Eis- 

Von Dr. Uloth, 

In Nr. 13. 1871 dieser Zeitschrift theilte ich dieBeobachtung 
mit, dass Samen von Acer plantanoides und Triticum, welche 
mit Eisblocken in einen Eiskeller gebracht worden, zwischen die- 
sen bei einer 0** nicht tibersteigendenTemperatur gekeimt batten. 
Die durcbaus normal entwickelten Keimpflanzen batten ihre 
Wiirzelchen in das Eis eingesenkt und namentlich die langen 
fadenformigen Nebenwurzeln von Triticum batten Eisstixcke von 
V» Meter Dicke durchbohvt und ragten an ibrem unteren Ende 
nocb mehrere Centimeter iang aus denselben heraus. Diese 
Wabrnehmung, welche gegen die bisherige Annahme spricht, dass 
Pflanzensamen nicbt unter einer Temperatur von + 4* bis + 5**C. 
keimten, veranlasste mieb, nocb eine Anzahl anderer Samen in 
dieser Richtung zu priifen. Zu dem Zweck saete icb in dem 
Winter 1871/72 und 1872/73 die Samen der unten verzeichneten 

Pflanzen in folgender Weise in Eis aus. Icb liess in zwei Ki - 
sten je einen Eisblock einfrieren ; streute auf diesen in, in das 
Eis gerissene, etwa 4 mm. tiefe Einnen, die Samen eiu — und 
zwar in jede Kiste Samen der gleichen Pflanzen, — bedeckte 
die Kiste mit einer Eisplatte und setzte sie in zwei verscbiedene 
Eiskeller. Ebenso saete ieh dieselben Samen aucb in zwei Ki- 
sten mit Erde, bedeckte diese ebenfalls mitEisplatten und setzte 
sie in dieselben Eiskeller. Bei dem Einsetzen wurde besonders 
Eiicksicht darauf genommen, dass rings um die Kisten berum 
eine dicke Eisschicbi (in dem einen Eiskeller betrug diese IVa, 



1 



\ 



^ 

L 



2C7 

in dem anderen l'/4 Meter nach den Seitenwanden, und 1 Meter 
nach oben und unten) jede Temperaturerhohung verhindere. 

Die Kisten warden im Januar 1872 bei — 8® C. eingesetzt 
und am 15. Mai herausgenommen; und 1873 im Februar bei — 5** 
eingesetzt, am 25. Marz beobachtet und am 15. Mai heraus- 
genommen. Ausgesaet wurden je 25 Samen vou: 

Papaver alpinum, Scutellaria alpina. Erinus alpinus. Genti- 
ana lutea, Aethionema saxatile, Lepidium sativum, Lepidium ru- 
derale. Brassica Napus. Brassica nigra. Sinapis alba, Arahis al- 
pina, Daucus Carota. Petroselinum sativum, Foeniculum vulgare, 
Ervum Lens. Fisum sativum, Phaseohis vulgaris. Arnica mon- 
tana. Laduca saliva. Cannabis sativa, Fhalaris canariensis 
Avena saliva^ Secale cereale Hordeum vulgare. Von diesen Sa- 
men waren am 25. Marz gekeimt: Lepidium ruderale^ Lepidium 
sativum, Sinapis alba uud Brassica Napus (also nur Cruciferen); 
am 15. Mai waren gekeimt; ausser den vorhergenannten Arabis 
alpina (10 Samen) Aethionema saxatile (23 S.), Brassica nigra 
(15 S.), Petroselinum sativum (15 Samen), Ca«wa&»5 sativa (6S.), 
Ervum Lens (5 S.), Pisum sativum (20 S.), Avena sativa (12 S.), 
Secale cereale (23 S.), Hordeum vulgare(ll S.), Triticum vulgare 
(24 S.). 

Hiernach keimten also ganz besonders leicht bei 0* die Sa- 
men der C uciferen und der Gramineen. 

i 

Von den angefuhrten Samen waren die in Eis und die in 
Erde ausgesaeten in ziemlich gleicber Zahl gekeimt. Die WUr- 
zelchen waren ebeuso in das Eis eingedrungen, wie icb dies 
schon von Acer und Triticum beschrieben babe. 

Die iibrigen nicht zur Keimung gekommenen Samen lagen 
gefault auf der Eis- oder Erdoberflache. — 

Auch Prof. Kerner beobachtete *), dass die Samen vieler Al- 
penpflanzen in Schnee und Eis nicht allein keimea, sondern aach 
bei 0» Stengel, Blatter und BlUthen entwickeln. 

Ohne Zweifel giebt es noch viele Pflanzen, die sich ahnlich 
verhalten. — In meiner ersten Mittheilung Uber diesen Gegen- 
staud sprach icb die Ansicht aus, dass das Eindringen des wach- 
senden Wtirzelchen's in das Eis nieht allein eine Folge des 
Druck's sei, welchen dasselbe auf das Eis ausube, sondern, dass 
hierbei auch die zunachst liegenden Eistbeilchen durch die bei 
der Keimung der Samen und dem Wachsthum des Wurzelcheus 



1) Berichte des naturwissenschaftlichen Vereina in Innsbruck 15. Mai 1872. 



268 

frei werdende Warme geschmolzen und dadureh das Einsinken 
des letzteren ermoglicht wiirde. Sachs') bemerkt hiezu, dass 
sich dieseXhatsache auch anders erklaren lasse: das Eis sei Yon 
warmeren Korpern (den Wanden dea Kellers u. dgh) umgeben 
gewesen, die ihm Warme batten zusenden konnen; durch diese 
strahlende Warme konnten die Samen sowohl, wie die Wurzeln 
(abnlich wie dies bei eingefi^orenen Korpern, Luftblasen in Eis 
etc. der Fall ist) erwarmt werdeu und in Folge dessen das Bis 
geschmolzen sein. 

Dies ist zwar an sich richtig, der vorliegende Fall wird 
sich aber kaum auf diese Weise erklaren lassen. 

Zunachst war die zwischen den keim enden Samen und den 
Kellerwanden in der bezeichneten Weise angebrachte Eisschicht 
eine so bedeutende, dass wohl kaum eine wirksame Warraemenge 
bis zu ihnen dringen konnte; angenommen aber dies ware der 
Pall, dann wiirden gewiss auch andere feste Korper, die in das 
Eis ^ingefroren waren, wie Stohhalme, Holzstuckchen, sowie die 
nicht zur Keimung gekommenen Samen, miterwarmt und durch - 
Oder doch tiefer gesunken sein; indessen war hiervou nichtswahr- 
zunehmen. Ferner darf man annehmen, dass die dicketen Wur- 
zeln weil sie mehr Warme aufsaugen, rascher einsinken wiirden, 
als die diinneren; hier war es umgekehrt, die fadenformigen 
Wurzeln der Gramineen drangen weit rascher und tiefer ein als 
die dicken der Erbse, des Ahorns u. a. 

Auch ein directer Versuch spricht nicht fur die Ansicht von 
Sachs. Holz und Metallstabchen wurden namlich senkrecht auf 
Eisplatten befestigt und diese nahe bei den Kisten wahrend der 
ganzen Versuchszeit in die Eiskeller eingestellt; wederdie eineu 
noch die anderen sanken auch nur um ein Geringes ein, was 
zweifellos hatte erfolgen miissen, wenn das EinsinKen die Folge 
\on anfgesogener Warme ware. 






Pflanzenphysiologische Untersuchungen. 

Von Dr. C a r I K r a u s in Triesdorf. 

V. Ueber die Bezichimgen des Chlorophylls zur 

Asisimilation* 

Diese Beziehungen lassen sich ermittein, wcnn die zeitliche 
Reihenfolge im Auftreten von Chlorophyll und Assimilationspro- 
dueten fes tgestellt ist. Es giebt hier drei Mdglichkeiten: Chlo- 

1) Sachs, Lehrbucb der Botanik, ed. 3. p. 635. 



? 



K 



X 



269 

rophyll ist vor der Assimilation vorhanden, das bestehende Chlo- 
rophyll (unter Mitwirkung des Protoplasmas) bildet das Organ 
der Assimilation, ist Ursache der Assimilation; oder Chloropbyll 
tritt erst nach der Assimilation auf, ist Folge der Assimilation, 
gleichsam ein Abfallstoff; oder Chlorophyll ist zwar Folge der 
Assimilation, well es durch dieselbe entsteht, aber gleichzeitig 
auch Ursache, weil es obne Chlorophyll keine Assimilation giebt 
d. h. Ursache der Assimilation ist nicht das bestehende, sondern 
das entstehende Chlorophyll. 

Nach der ersten Moglichkeit stfinde der Prozess der Chloro- 
phyllbilduDg in keiner Beziehung zum Prozesse der Assimilation. 
Als vom Lichte abhangige chemisehe Vorgange erscbeinen die 
fortwabrende Entstehung und Zerstorung von Chlorophyll, Assi- 
milation von Kohlensaure und Wasser, Nur ' die anfangliche 
Entstehung von Chlorophyll und die iiffisimilation wfirden durch 
diese Moglichkeit erklart. Was far einen Werth fiir die assimi- 
lirenden Pflanzen hatte aber die fortwabrende Zerstorung von 
Chlorophyll, da es doch die Strahlen, welche dieselbe hervoirufen, 
Dicht sind, die zur Assimilation dienen? Wozu sollte diese 
Kraftquelle verbraucht warden ? Die im Cblorophyllkorn neben- 
einander fortwahrend hergehenden Prozesse stunden in kei- 
ner Beziehung zu einander. Das diirfte wohl nicht anzunehmen 
sein, im Gegentheiie muss eine Erklarung der Beziehungen des 
Chlorophylls zur Assimilation auch iiber die Verwendung der 
vom Chlorophyll absorbirten Strahlen und iiber den Wertb der 
Chlorophyllzersetzung Aufschluss geben. 

Ferner liest man: Bei Lichtabschluss sei farbloses Chloro- 
phyll vorhanden, welches am Lichte in Griin iibergehe; hiezu 
bedurfe es eines letzten Impulses, welchen nicht das Licht, 
sondern der Sauerstoflf am Lichte giebt. Was soli das ftir 
ein Sauerstoff sein? Soil der Sauerstoff der Luft am 
Lichte starker oxy dirend wirken ? Das dUrfte der G rund 
Dicht sein, wenn man erwagt, dass soviele Ozontrager in den 
Pflanzen vorkommen, Es bleibt nur tibrig, dass dieser Sauer- 
stoff am Lichte von der Assimilation herstammt. 

Nach der zweiten Moglichkeit ware das Chlorophyll ohne 
alien Nutzen fUr die Pflanzen. Dies kann nicht fest gehalten 
werden, da es sonst nicht einleuchten wiirde, welchen Werth das 
Leukophyll fur die Pflanzen hatte, wahrend es doch in alien assi- 
milirenden Zellen auftritt. 



270 

Die dritte Moglichkeit endlich durfte noch die meiste Wahr- 
scheinlichkeit fur sich haben. Einmal stimmt sie mit den That- 
sachen vollstandig uud bringt die im Chlorophyilkorne amLichte 
vor sich gehenden Prozesse in einen Zusammenhang, ja sie ver- 
langt gerade diesen Zusammenhang. Sie stellt sich das Leuko- 
phyll als eine Verbindung vor, welche die Sauerstoffentwickelang 
unter Beihiilfe desProtoplasmas gerade deshalb bewirkt, well das 
Reductionspvoduet grosse Neigung hat, mit ihm eine Verbindung, 
das sog. Chlorophyll zu bilden (durch eine Art pradisponirender 
Wahlverwandschaft). Das Licht setzt die Molekiile in Bewegung, 
es kommt nur auf die Verwandtschaften der vorhandenen StoiFe 
an, ob Oxydation oder Reduction eintritt. 

Uni aber das Reductionsproduct wieder in Freibeit zu setzen 
und mit einer relativ geringen Quantitat Leukopbylls viel Assi- 
mihitionsproduct liefern zu.konnen, ist es von/hochsteni Werthe 
fiir die Pflanze. wenn die entstandene Verbindung (das Chloro- 
phyll) durch die von ihm absorbirten Strahlen zerstort wird, wo- 
bei diese Strahlen vielleicht gleichzeitig zu einer weiteren Ver- 
anderung des Reductionsproductes dienen. Die ChloiopbyllzeT- 
storung tritt auch ohne Licht ein, aber viel langsamer, wahrend 
am Licbte gerade wegen der stattfindenden Assimilation eine 
cnergische fortwahrende Zersetzung nothig ist, 

Dass die ganze Menge der Assimilationsproducte den Weg 
durch das Chlorophyll machen miisse, darf nicht auffallen, da 
wir ja bemerken, dass bei sehr schwacher Lichtwirkung nur 
Chlorophyll bemerkbar ist, obwohl anzunehmen ist, dass selbst 
bei der schwachsten Beleuchtung Assimilation stattfindet (Pfeflfer, 
landw. Jahrb. III. 1. p. 12.). Es miisste ja selbst nach derersten 
Moglichkeit mindestens ein Theil der Assimilationsprodukte den 
"Weg durch das Chlorophyll machen, da bei dessen fortwahrender 
Zerstorung das Material zum Wiederaufbau doch nur dem Assi- 
milationsproducte entnommen werden konnte. 

Um Anhaltspunkte zur Entscheidung zu gewinnen, muss man 
erst eine Vorstellung vom Assimilationsprozesse haben. 

Am meisten Wabrscbeinlichkeit dlirften die Annabmen A. 
Baeyer's (Berichte der deutbch. chem. Ges. Ill) fur sich haben, 
dass namlich in den assimilirenden Zellen bei der gleicbzeitigen 
Reduction der Kohiensaureund des Wassers Formaldehyd gebildet 
werde (COj+H,0=COH,+00), welcher letztere zu Zucker oder 
dessen Anhydrid, der Starke, sich polymerisire. Butlerovr hat 
aus dem Formaldehyd durch Einwirkung von Alkalien einen 



k 



271 



zuckerartigen Korper dargestellt. DieseAnschauung stimmt auch 
am meisten mit den gegenwartigen Kenntnissen von der Consti- 
tation der Kohlehydrate. 

Von dieser Basis ausgehend versuchte icb, ob Pflanzen durch 
Ernahvung mit Stoffen, welche leicht zu Formaldehyd oxidirbar 
sind, auch bei Lichtabschluss griin wiirden. 

Die Versuche wurden mit Maiskeimpflanzen angestellt. Als 
Nahrfliissigkeit diente Methylalkohol, in reinem Zustande aus 
kanflichem Holzgeiste dargestellt, auf ca Vi» niit Brunnenwasser 
verdiinnt, Derartige im Finstern erzogene Keimpflanzen wurden 
noch vor Erschopfung ibrer Reservnahrungsstoflfe in die Losung 
gesetzt und in einen Licht nicht durchlassenden Rezipienten ge- 
bracht; naeh ca. 8 Tagen farben sicb die Blatter ersichtlich 
wenn auch schwach grun, wie Vergleichung mit Controlpflanzen 
zeigt. Das Ergrunen beginnt im untersten, wenigst mehr wach- 
sendeu Blatte, bier wie in den spateren Blattern von oben her, 
wahrend sekundare Wachsthumszonen und angrenzende Partien 
noch gelb sind. Die Versuche gelingen auch, aber scbwierig, 
mit Aethylalkohol. Bascher gelingt es bei Einwirkungen von et- 
was Alkoholdampf. Vorsicht ist in alien Fallen nothwendig, da 
sonst die Pflanzen absterben. 

Stellt man am Lichte ergriinte Maispflanzen bei Licht- 
abschluss in verdiinnten Methylalkohol, in welchem sie vorher 
einige Zeit am Lichte gestanden batten, um sicher zu sein, dasa 
eine Aufnabme von Holzgeist eiutritt, so andert sich derFarben- 
ton im Finstern nur wenig, auch nach tagelangem Stehen im 
Finstern stechen sie scharf ab gegen Controlpflanzen. 

Es fehft noch derBeweis, dass bei dieserErnahrungsart eine 
Gewichtszunabme eintritt, wenigstens ftir den Holzgeist; fur den 
Aethylalkohol ist er bereits geliefert, indem Zoller Sitzgsber. d. 
phys. med. See. Erlangen 1874) gezeigt hat, dass Schimmelpilze 
aus Essigsaure ihre organische Substanz bilden konnen; Essig- 
saure ist 2CHaO und Traubenzucker ist 6 CHjO oder 3 CH^O,. 

In den bei Lichtabschluss normal ergriinenden Pflanzen konnte 
sich Formaldehyd in derselben Weise durch Oxydation bilden. 

Das Eisen scheint nicht zur Entstehung des Chlorophylls, 



sondern des Leukopbylls nothig zu sein , da in den best ausge- 
bildeten Fallen der Chlorose das Protoplasma nicht gelb, sondern 
farblos wird. (Vergl. A. Oris, Ann. so. nat. 1857; J. Sachs, 
Handb. d. Experimentalphys.) 

(Fortsetzung folgt.) 



2T2 

Mycothecu univeirsulis ed. de Thumen. Cent. I. 

Im Selbstverlage des Herausgebers ist jiiogst die 1. Centurie 
einer Samml«ng getrockneter Pilze erschienen, welche es sich im 
Gegensatz zu den bisher erschienenen und erscheinenden zur 
Aufgabe macht, wo mi)glich aus den verschiedensten Gegenden 
unserer Erde Exemplare zu bringen. Der durch die rasche Auf- 
einandevfolge seiner 13 Centurien Fungi austriaci^ welche nun 
nicht mehr fortgesetzt werden, den Mycologen bereits riihmlichst 
bekanute Herr Herausgeber hat sicb eine offenbar hochst schwie- 
rige Arbeit vorgecomnieD, zu deren Fortfiihrung eine ganz un- 
verdvossene Avbeitslust und Kraft, dann aber auch die so mUb- 
selig zu erreichende Verbindung mit tiichtigen Sammlera im 



Auslande gehort. Die Bearbeitung der Ascomyceten fur die 
SammluagbatnachdemPi'ospekt Herr Dr. Georg Winter in Leipzig 
ubernoffimen,wasdiesemTheileeinenbesondershohenWerthverieiht. 

Im Interesse der Wissenschaftist entschieden jede neue seiche 
Sammlung freudig zu begriissen, wenn das darin Gebotene so ist, 
dass es fur dieWissenschaft verwerthbar wird.Eineinternationale, 
in einer grossereu Anzahlvon Exemplaren ausgegebene und somit 
an den Hauptstiitten der betr. Wissenschaft anzutreffende Sammlung 
bietet naturlich fUr dasfernere Forschen und Vergleichen eine Mog- 
Uchkeit, die bisher in dieser Weise im Ausland fast fehlte, 

Schon die 1. Centurie dieser Sammlung gibt den deutlichsten 
Beweis vondem ernstiicbstenwisseuschaftlichenBestreben des Her- 
ausgebers. Sieenthalt naturlich meistdeutsche und bereits bekannte 
Arten, dochauch bereits auslandischeRaritaten, wie z. B. Hysterium 
ortile und Angelina rufescens aus Nord-Amerika. In Deutschland 
haben Beitrage geliefert: von Thiiraen, Winter, Kornicke, Knnze, 
Rehm, Walther;in Oesterreich: RossIer,in SiebenbUrgen: Barth; in 
Danemark : Rostrup; in England: Plowright ; in der Schweiz : Morthier; 
in Italien : Passerini und Saccardo ; in Nordamerika : Ellis und Gerard. 

Der Fascikel ist elegant in Quart, die Exemplare lose in angekleb- 
tenPapierkapselnliegend, schon instructivundmeist reicblich, das 
Ganzehandlich. Jahrlichsollendrei Centurien erscheinen. Hoffentlich 
hat sicb derunermudliche Herausgeber dieser Sammlung derregsten 
Beihilfealler betr. Forscher im Inlande und der Unterstutzung aller 
Botauiker im Auslande zu erfrenen, damit die Lebenskraft des schon 
begonnenen Wei kes cine wachsende und nach haltige sei. R, 



Redacteur : Dr. Singer. Druck der F. N eu b a n e r 'schen Buchdruckerei 

(F. Ruber) in Regensburg. 



i 








58. Jahrgang. 



Ns 18. 



Regensburg, 2L Juni 



1875. 



fnlialt* Dr. Christ: Neue und bemerkenswerthe Rosenformen. — 
Dr. J. E. Duby: Diagnoses Muscorum quorum descriptiones et iconesSoc. 
Phys. et Hist. nat. Genevensi primo April! eommunicavit. — Dr. Hein- 
rich Wawra: Beitrage zur Flora der Hawai'schen Inseln. 



Neue und bemerkeniswerthe Rosenformen^ 

beobachtet 1874 



von 
Dr. Christ in Basel. 



li. cinnamomea L. f, fidgens, 

Schon seit Jahren senden mir Prof. Wolf und Favrat aus 
dem subalpinen Ober-wallis eine cinnamomea^ weiche ieh nunniehr 
als eine besondere, sehr charakteristiscbe Form erkenne. 

Sie ist fast stachellos, ohne aciculi, und bieteteinen ganz an- 
deren Habitus, als die typische Form, indem sie sehr kurzastig, 
gTossblattrig, lebhaft grUn, also laabreich auftritt, und die ver- 
langerten, ruthenformigen Zweige und schmalen graugriinen 
Blattchen der gewohnlichen Zimmtrose nicht zeigt. — Blattcben 
breit elliptisch, stumpf, dUnn, oben freudig, unten blasser griin 
ins Blauliche, Grosse ^QxBeuteri. Zahnung hreit, einfacb, zusam- 
luen neigend. 

Petalen sehr gross, iibergreifend, kaum ausgerandet, prachtig 
purpurn, Bliithenstiel ganz kurz. 



Flora 1875. 



18 






274 

Verhalt sich zum Typus wie B. Eenteri zur canina. 
Hab. leg. Wolf: Herbrigen im Niclausthal. 
leg. Favrat: Schalbet und Simpeln. 

B, cinnamomea L. kommt nach Ex. leg. Zabel echt wild am 
Rand der Dorddeutschen Ebene : auf den Gypsbergen des Vorhar- 

zes bei Nordbausen vor. 

Im schweiz. Jura fand ich sie bei dem 1801 zerstorten 
Schloss Homburg, jedenfalls aus alter Cultur herstammend, wo 
sie mit Philadelphits coronarius sich iiber 70 Jahre hindurch er 
halten hat. — 

B, acicularis Lindley f. Carelica. 

(E. Carelica Fries suram. veg. Scand. 43.) 

Die Carelica ist mir dutch Prof. Scheutz in vollis reifen 



Fruchtex. vom Sept. 1874 leg. Melander von dem bekannten 
Standort Skellefte zugekommpn. Die Frucht ist sehr ahnlich der 
alpina L., langgestielt, etwas nickend, oval, orange, mit 2 bis 4 
grossen stumpfkantigen Achaenien , und bleibenden aufrechten 
Kelchzipfeln iiber dem tief eingeschuUrten, kurzen Halse der 
Fvucbt. Die Fruchtstiele sind kahl bis dicht drusenborstig. Die 
ficstachelung besteht aus borstlichen aciculi, denen doeh hie und 
da lange pfnemliche, in runde Basis plotzlich verbreitete Stach- 
eln beigemischt siud. 

Ich verdanke Hrn. Zabel in Minden cultivirte Ex. der nor- 
malen iJ. acicularis Lindl. Ros, 44., und muss finden, dass die 
Carelica^ wie schon Fries (Scheutz Studier 43) bemerkt zu haben 
scheint, mit derselben zu vereinigen ist: die acicularis stellt 
lediglich die grosse, entwick^Ue usd buschige, die Carelica die 
verktirzte subuniflore arctische Zwergform dar. Nach der Dia- 
gnose von Ledeb. 11. Ross. II 75. gehortauchE. Gmelini Bunge 
hieher, und es hat Ledeb, die acicularis mit Unrecht zur alpina 
gezogen. — 

Sehr schon vermitfelt eine im Hort. Kew. cultivirte und 
mir von Baker gesandte Form den Uebergang der grossern aci- 
cularis zur kleinen Carelica; es ist eine ungemein reich und 
kurz vevasteUe Pflanze, vielWiitbig, aber niedrig, und in den 
Dimensionen genau in der Mitte. Die Charaktere aller dreiFor- 
men sind absolut identisch. — Die Form von Kew bat fast 
nackte Kechzipfel, wabrend Carel, und acicuL in der Regel dicht 
hispide haben: ein bekanntlich sehr relativer Unterschied. 

Mithin ware die ij. Carelica als Art einzuziehen und als 
arctische Localform der nordasiatischen acicularis anzureihen. 



275 

Der Charakter der ganz in weiche borstenformige Aciculi einge- 
hiillten Wurzeltriebe ist alien diesen Fornien gemein. 

MM, JPiwh^tmeMMeae* 

R, alpina L. i. puhescens Koch, in Syn. Ed. I 224. 

Diese, mir aus den Alpen nie vorgekommene Form ist im 
Herb. Uechtritz von Salzgmnd b. Waldenburg, Schlesien, wo sie 
mit dem Typus vorkommt. 

Die Driisen sind sehr vermindert, dagegen sind die Stipulae, 
die Blattstiele, die Unterflache der Blattchen, namentlich die 
Mittelrippe, und der Blattuniriss zieralich dicht behaart — 

Besonders auftallend sind Ex. vora Glat^er Schneeberg bei 
3500' 1. Uechtritz, weiche bios 5 grosse Blattchen haben, die im 
Umriss an Canina mahnen; Zahne fast einfcich, ohne driisige 
Zahnchen; auch die Blattstiele sind drtisenlos, und nur die 
Stipulae zeigen einige driisige Wirapern; die Behaaruug erstreckt 
sich Yom Blattstiel auf den Mittelnerv der Blattchen. BlUthen- 
stiele und Kelche sind kahl, die Kelchzipfel sind mit mehrern 
langen iinealen seitlichen Anhangseln besetzt. 

Eine ausserst gracile, stachellose Pflanze. 

B, alpina L. t parvifoUa Favrat in Sched. 1874. 

Sehr abweichend durch Kleinheit und KUrze alier Tbeile, 
reiche gedrungene Verastelung: Habitus einer Canina L. f. fir- 

mula Godet. — 

Stachellos. Blattchen 3 mal kleiner als beim Typus, wenig 
zahlreich (5—7) o"val, stumpf, kurz doppelt gezahnelt, Driisigkeit 
des Typus. Fruchtstiel kaum so lang als die Frucht, 
aufrecht, dicht feindriisig, Frucht rundlich-oval, klein, kaum 
in einen^Hals verschmalert, kahl, sowie die Kelchzipfel. — 

Hab. St. Pierre, Wallis 1. Favrat. 

B. alpino-coriifolia. {R, stem sepala Christ R. d.Schweiz 139.) 

Durch Material das ich D. Rapin verdanke, dem immer noch 
riistigen Nestor der Rhodologen, bin ich zur Ueberzeugung ge- 
kommen, dass R. stenosepala (Christ Rosen d. Schweiz 139) als 
Art zu unterdriicken und alsHybride anzusehen ist, weiche durch 
Vermischung der alpina mit pubescirenden Rosenformen (corii- 
folia) zu einer Mimicry der abietinae sich ausgebildet hat. 

Rapin fand in den Waadtlander-Alpen 2 Formen, deren eine 

a) er „B, Salaevensis intermedia'' nennt, und fur eine „Mittel- 

form von, Salaevensis und spinulifolia'' halt. —- Von der von 

mir I. cit. 139 beschriebenen Leukerform unterscheidet sie sich 

18* 



2i% 

durch starker gedoppelte, immerhin aber in einfach ttbe rge fa- 
en de Zahnung, zahlreichere schwach gebogene Stacheln, stark 
driisenborstige Kelchrohre von iibrigens charakteristischer, fla- 
schenrormiger Gestalt, reichlich getheilten, aber doch langen und 
schmalen Kelchzipfeln. — Bliithenstiele und Kelcbzipfel stark 

hispid. — Discus schmaL 

Hab. Cbessi^res, Alpea Yaud. 1250 M. 1 seul buissoB, Grand 

arbuste de 2 a 3 metres. 

b) Die andere Form nenntRapin ,,i?. Salaevensis? xar. veluHna.^'' 
Hier sind, bei iibrigens gleichem Habitus der Pflanze, die 
Stacheln gerade, die Zahnung fast einfach, mit wenigen driisigen 
Zahnchen, und die Bliithenstiele, die Fruchtrohre und die Kelcb- 
zipfel kahl, letztere lang, schmal, einfach und ungetheiltT —Dis- 
cus schmal. — 

Hab. Chessieres 1400 M. 1 sen! buisson. 

Beide Formen; gleich den 2 1. cit. ausWallis beschriebenen, 
sind ziemlich dicht behaart. — 

Mithin findet, wenn wir die 4 bisher beobachteten Modifica- 
tionen dieser schon 1. cit. von mir als hybrid vermutheten Pflanze 
zusammennebmen,ein Schwanken det Charactere zwischeu 
alpina {Form der Frucht, der Kelcbzipfel, der Stacheln, Schmai- 
heit des Discus) und der coriifolia (Pubescenz, Form der Blatt- 
cben, einfach werdende Zahnung) statt, und gerade der "Umstand, 
dass bei jeder dieser Formen diese Charactere etwas anders com- 
binirt sind, spricht fiir die Hybriditat 

jR. alpino X Reuteri'^ und R, alpino x canina? 

Wenn wir die R, stenosepala als Mischung einer behaar- 
ten Canina und der alpina auffassen, so diirfea wir uns nicht 
verhehlen, dass wir die R, Salaevensis, das vollkommene, k a }i 1 e Ana- 
logon der stenosepala, als Mischung einer kahlen Canina mit 
alpina aufzufassen genothigt sind. Von diesem Standtpunkt "wtirde 
sich die von mir in R. d. Schw. 176 beschriebene typische Form 
vom Saleve (mit breitern Blattchen und verlaugert ovaler Frucht) 
als B. alpino X Renteri f. typica, die Form vom Neuchateler 
Jura (mit schmalen Blaltchen, keuliger Frucht) als iJ. alpino 
canina f. Ltdetiana^ und die Form Pcrrieri Songeou mit driisig 
doppelt gesiigten Bliittchen als R. alpino^ Reuteri f. complicata^ 
endlich die f. adunca Chr. 177 als eine forma recedens zur Reu- 
teri enthullen. — Spveehend fiir diese Ableitung istaucb hier der 
schmale Discus, die saftlose, orange, wenige grosse Carpelle ent- 
haltende Frucht, die entschieden bleibenden Kelcbzipfel, die 



277 

schmalen vom Graden zum Gebogenen schwankenden Stacheln. 
Ganz geschlossen sind die Acten (iber diese Frage noch nicht; 
immerhin sind die Indicien so bedeutend, dass die allernachste 
Zukunft eine Entseheidung bringen wird. — 

Ich fuge hicr an, dass mir Dr. Alioth die Salaevensis adunca 
von Godets Standtort: dem hintern Lauterbrunnentbal 1874 in 
Frucht mitgebracht, und Deseglise dlePerrieri identisch mit den 
Schweizer Ex. am Siidhang des St. Bernhard gesammelt hat. 

B, pimpinelli folia L. 

Ich verdanke Baker Ex. aus England (Sandhills opposite to 
Wachnesy, Cheshire) die merkwlirdiger Weise (was freilich, wie 
schon Watson Cyhele Britt. zeigte, bei einer Reihe englischer 
Pflanzen vorkommt) von den continentalen Formen derjenigen 
der Pyreneen (Valine d'Heas I. Bordere) am nSchsten stehen: 
durch den niedrigen gracilen Wuchs , sehr kleine Blattchen 
und die bluthrothen Aciculi, welcbe die jungen Triebe ganzlich 
einhullen. Unsere continentale Kalkform ist durch hohern stam- 
migern Wuchs, seitenere starkere Bestachelung und Grosse der 
Theile namhaft verschieden. — 

In der Mitte zwischen beiden Formen steht die der Sand- 
diinen von Norderney. 

B. pimpinellifoUa f. Biparti (B. Biparti Desegl.) bloss 
durch Subfoliardriisen vom Typus verschieden, leg. Kesselmayer 
bei Oppenheim (Rheingegend.) 

B. pimpinellifolio X canina Chr. R, d. Schw. 69. 

Dass dahin die i?. Hihernica Smith gehore, davon iiberzeug- 
ten mich englische, sowohl wilde als cult* Ex. von Baker. Siehe 
hieriiber meinen Aufsatz;What is B. hihernica of Smith? in dem 
Journal of Botany 1875. 

B. pimpinellifolio X molUsima Godet in litt. (B. dichroa 
Lerch.) 

Ich verdanke sowohl Dr. Lerch als Godet auch heuer wie- 
der Ex. dieser schonen, bisher nur an Einem Punkt (R. d. Schw. 
72) gefundenen Form, die ich schon 1873 1. cit. als hybride be- 
argwohnte. Die starke Driisigkeit, Form und Zahnung der Fo- 
liolen, rothe Corolle, rothe Frucht fUhrten gegen eine ruhiginosa 
hin; Godet und Lerch habeu nun aber an Ort und Stclle con- 
stat! rt, dass die mollisima^ zwischen der sie steht, im Spiel ist; 
in der That spricht die feine Pubescenz allerBlatttheile und 
ein babituelles Geprage fur diese Ableitung, um somehr, wenn 
man die sehr verscbiedene Erscheinung der unzweifelhaften 



^ 



278 

pimp. X ruiig. der Rheinpfalz („Flora" 1874: Rosenformen der 
Schweiz etc. II) dagegen halt. 

R. pomifero X canina. 

Unzweifelhaft gehort hieher eine von Junger: Breslau cult, 
H. pomifera abortiva genannte Rose, deren Friichte stets fehl- 
geschiagen. Sie verhalt sich zur canina L. genau so, wie die 
Jit. Murithii zuv Eeuteri: ausser dem pubescirenden Blattstiel 
haarlos, dunnblilttrig, Blattchen dunkelgiiln, langlieh oval, ohne 
die parallelen Bander der pomifera., zugespitzt, ziemlich gross, 
unvegelmassig doppelt gesagt, oben glatt, unten niit sehr zer- 
streuten Dtiisen. Bluthenstiele lai^g, me die Kelche dicht drii- 
senstachlig; Kelcbzipiel absteheud,in der Gestalt zwisthen canina 
und pomifera die Mitte haltend, namentlich kurzer als bei letz- 
terer. — 

Bosa Andrseioxvshii Steven in M. Bieb. fl. Taur. Cauc. Ill 
399. Besser eoumerat. Pod. Volb. 19. 61. 66. nach dessen Ex. in 
meinem Herb, non Des6gl. revis. toni. 35. 

Diese Rose theilt mit der cuspidafa M. Bieb. und der Klu- 
cJcii Besser das wenig beneidenswerthe Loos, von den Schriftstel- 
lernmit verschiedenen Westeurop. Formen identificirt, unddadurch 
zuerst inMisscredit und danu in Vergessenheitgerathenzusein. — 

Deseglise in seiner Revis. de la sect. Tomentosa 1866 pag. 
35 bezieht auf die Steven'sche Pflanze eine Form der tomentosa, 
die ich in Rosen der Schweiz 100 als f, cristata beschrieb. Ba- 
ker reiht sie mofi. of the brit. Roses 215 einfach als Synonym 
unter tomentosa Sm, ein, etc. 

Und docb zeigt der erste Anblick der Besser'schen Ex. aus 
Podolien, dass hier eine ganz eigenthundiche, mit tomentosamz^i 
zusammen zuwerfende Pflanze vorliegt, und es scheint an der 
Zeit, auch diese, wie so manche andere gute^ abcr verkannte 
Art Stevens undBesserszu rehabilitiren. 

Grosse, sehr lebhaft gefarbteCorolle, weisswol- 
liges Griffelkopfcheu , breite, eigenthiiral ich reich 
g e z a h n t e , trotz ihrer Pubescenz dunkelgrUne Blattchen, ganz 
geradc pfriemliche diinne Stacheln, bleibende Kelch- 
zipfel deuten aufeinGliednicht derTomentosen-sondernder 
V i 1 1 o s e Bgrnppe, von deren ubrigen Gliedern sie doch die k 1 e i n e , 
kugelige und sehr lang gestielte Frucht wesentlich 
unterscheidet. 



I. 



279 

# 

Cbarakteristisch sind nauientlich diese auffallend kleinen, an 
Grosse denen der wilden Primus avium kaura gleichkommenden, vol- 
ligkugeligenFriichte, dienochvoUigreif von den hart gewordenen, 
aufrechten Kelchzipfeln gekront sind. Letztere sind nicht lang, 
schmal, mit wenigen, sehnialen Anhangseln versehen. — Die His- 
piditat erstreckt sicb gleichmiissig tiber die Fruchtstiele, die 
Kelchrohre und die Sepaien; die Driiseuborsten sind dicbt, kurz, 
weicb, nicht mit Aciculi gemischt. — Die Petalen sind weit 
grosser als bei Tomentosa, sebr hsbhaft rosenroth. 

Die Blattchen sind gross, elliptisch bis obovat, weit breiter 
als bei der tomentosa, und — was entschieden auf spezifische 
Verschiedenheit weist — von ganz anderen Textur: sie sind sehr 
dunn, zart, und vou dem triiben Olivengriin (nicht graugrtin) 
der JR. foetida Bast, oder hrittannica Baker. Die Pubescenz ist 
dicht, sehr kurz, 5ind an der obern Flache schwach; die Unter- 
tiache der Blattchen ist reichlicb mit feinen braanlichen Drtisen 
besprengt. Die Zahnung ist prachtvoll: etwas divaricata, breit, 
tief, auf's Reichste mit Driisenzahnchen gewimpert. Die Blatt- 
chen beriihren sieh und greifen Uber. — Dieses sehr frandose 
Blattwerk giebt der Pflanze einen charakteristischen Habitus, der 
wo die reifen, in reichen Dolden bis zu 8 und 10 vereinigten 
FrUchtchen auf ihren 2 bis 3mal so langen Stielen dazukommen, 
eiu ganz frappauter zu nennen ist. — Die Bracteen sind sehr 
klein, schmal. Die Bestachelung ist sehr reichlicb, die Stachela 
diinn, grad pfriemlich, an den Bliithenzweigen mit einzelnen 
Borsten gemischt, die aus der Inflorescenz hinabsteigen: dieser 
Charakter ist sowohl den Podolischen als den deutschen Ex. 
eigen. 

Die BUsche sind gross (bis 2 Meter) der Wuchs scheint 

sparrig, ziemlich locker; die Loden aber aufrecht, nicht bogig. — 

Mithin haben wir es bier mit einer Villosa^ nicht einer 

Tomentosa zu thun. — 

Am nachsten Seitens der letztern kommt unserer Art die 
i?. tomentosa Sm. f. cristata mihi loc. cit. Auch diese hat, als 
Alpenform, fast bleibende, aufrechte Sepaien: aber sie hat die 
schmalen kleinen Blatter, die schmale Zahnung der tomentosa, 
ihre hellgraue Farbe und ihr schimmerndes Tomentum, sehr 
grosse Bracteen, blasse, kleine Petalen, sehr breite Stacheln, 
kurz, sie ist eine Tomentosa. — 

Von der mollissima Fries., derjenigen villosa, welcher die 
AnderzeiowsMi am nachsten steht, unterscheiden sie die griinen 



'4 

A 
J 



280 

(bei molL graugrtinen) Blatter, das glanzlose (bei tnoll. schim- 
mernde) Tomentum, die viel tiefere Zahnung, die sebr langen 
Bluthenstiele, die kleine, kngelige, lebhaft (nicht dunkel-) rothe 

Frucht. 

Unsere Form scheint eiue Ost- und Mittel- nicht Westeuro- 

paische, aber nut sebr sporadische zu sein. 

Hab. Ausser Podolien (Besser) fand sie 1873 Prof. Hauss- 
knecht verbreitet und reichlich in Tburingen : Ettersberg und 
Marienhohe bei Weimar. — 

In der Scblesischen Sammlung des Hr. v. Uechtritz fehlt sie 
■voUstandig. Dagegen findet sicb in Schlesien bei Breslau ver- 
breitet eine andere, viel verkannte, aber bOcbst bedeutende ost- 
licbe ViUosa: nicht Tomentosaidie wahre R. cuspidata M. Bieb. 
fl. taun cauc. uber die ich nachstes Jahr zu referiren hoflPe. 

■ 

Rosa vestita Godet. 

Diese, bisher nur aus dem Schweiz. Jarii und den westl. 
Alpen bekannte Form sandte rair Hr. v. Uechtritz in ganz cha- 
rakteristischer Gestalt aus Schlesien: Goerbersdorf, mittelschlesi- 
sche Sudeten, 1. Straehler, ein starker Strauch. 

Straehler in litt. bemerkt richtig, dass die FrUchte der ves- 
tita nur 2 bis 4 sehr grosse Carpelle enthalten, wahrend bei To- 
mentosa deien 30 bis 50 vorhanden sind. 

Uechtritz und Straehler halten die Pflanze fur alpino 
tomentosa, eine Annahme, die bei der Mischung der Charaktere 
beider Aiten in der Erscheinung der vestita^ und bei ihrem stets 
isolirten Vorkommen sehr nahe liegt. 

F* Mi0^mnieme» 

R. hispanica Boiss. Reuter f. Pou^ini Tratt. 

Von dieser Mittelmeerform hat Pichler bei Lienz in Tyrol 
Ex. gesammelt, so dass sie also auch im 0., wie inWallis imW., 
bis an den nordl. Fuss der Siidalpen vordringt. 

R, sephini ThuiJl. f. ahscondita Christ, in „Flora" 1874. 

Diese durch die elliptisch ovalen, nicht keiligen Blattchen, 
schmalen Stacheln, sehr zerstreuten Subfol. DrUsen abweichende, 
schwacher als der Typus charakterisirte Form hat Favrat nun 



281 

anch in derSchweiz:EclepensCt. Waadt auf Jurakalk nachgewie- 
sen. Frucht klein, kugelig. 

J?, inodora Fries. 

Diese zwischen Sepium und graveolens die Mitte haltende, 
durch wollige Griffel von ersterer abweichende Subspecies ist 
die nach Uechtritz Sammlung in Schlesien, jedoch sckon sparsam 
auftretende Sepiacee, Ueberhaupt scheint hier die N.-Ostgrenze 
dieser Gruppe so ziemlich erreicht. Die typische Sepium ist 
nur von Einem schlesischen, Standortin diesem Herb, aufgelegt. 

E. graveolens Gren. f. calcarea Christ E. d. Sch. 120. 

^^^ r 

Diese Form, die mir zuerst aus Wiirzburg vorlag, ist unge- 
mein verbreitet in Thiiringen und ira Saalgebiet; um Weimar, 
Jena,Naumburg: Burgberg bei Osterfeld, Haardorf etc. leg. Hauss- 
knecht. Auch von Hedemiinde im siidl. Hannover sandte sie Zabel. — 

Die Kelchzipfel sind zuerst abstehend, alsdann ziemlich auf- 
recht (25. Juli) und kronen theilweise noch die reife Frucht. 
(Sept.) Die Corolle ist bei der Thiiring. Form lebhaft rosa, 
gefarbter ais bei irgend einer andern Sepiacee. Die Bracteen 
sind sehr gross und umschliessen die kopfige Inflorescenz. Die 
auffallend feste Textur der rothlich angelaufenen Blattchen zeich- 
net diese Form besonders aus. — Die Stacbeln sind wenig ge- 
kriimmt, diinn, zahlreich. 

B. anisopoda Christ E. d. Schw. 120 f. trachyphylloides. 

Eine wahre Prachtform dieser bisher nur in Frankreich bis 
Genf bekannten Art fand 1866 Kesselmayer bei Bingen. Die 
Stachein sind krumm, kurz, schmal Die Fflanze ist haarlos. 
Blattchen gross, oval, nur die untersten etwas keilig; Subfoliar- 
drusen den Nerven und Nervillen folgend, sehr reichlich. Zahn- 
ung sehr ausammengesetzt, Zahne tief und schmal, Schein-Dolde 
zu 3 Bltithen, Bluthen sehr lang gestielt; die ganze Inflorescenz 
ausserst dicht drtisenborstig, auch die Eiicken der Sepalen, diese 
sehr lang, mit fadlichen Anhangseln. Kelchrohre schmal oval. 
Corolle sehr gross (rosa?) Grifl'el wollig. Frucht ..... 

Mahnt stark an eine Hybride von Trachyphylla und Sepium^ 
deren Charaktere sie vereinigt. 

JJ. caryophyllacea Besser Enum. 19. 61. 78. N. 603. 

In typischer Form in silvis ad pag. Somosly-Falu com. Neo- 
grdd, Ungarn 23. Juni 1. Borbas, so dassnunmehr die Verbindung 
voH Volhynien, Ungarn, Engadin bis zurEheinpflalz vorliegt und 
ohne Zweifel durch weitere Standorte vervollstandigt werden wird. 

(Fortsetzimg folgt.) 



r<T 



18& 

Diagnoses Muscorum quorum descriptiones et icones Soc. 
Phys. et Hist. nat. Genevensi primo Aprili communica- 
vit Dr. J. E. Duby. 

Genus novum. 

Hymenodeiston, Capsula globosa pyriformis longe pedicel- 
lata, seta membrana pellucida a basi usque ad dimidiumcapsulae 
attingente persistente involuta peristomio membranaceo circular! 
demum dilacerato clausa. • Calyptra mitraetbrmis ad apicem 
truncato-umbonata primo basi adhaerens demum libera etlin. 10 lege 
membrana e fibrillis plus minus coadunatislaciniato-timbriatainflexa 

caduca. Operculum noudum visum. — Plantae pusillimae densis- 
sime cespitosae seta primo immersa demum emergens et calyp- 
tram rejiciens. 

H, magellanicum foliis imbricatis lanceolato-spathulatis con- 
cavo-fornicatis, cellulis magnis longe parallelogrammicis. E. freto 
Magellanico retulit cl. Hombron (hb. Delessertl) — Folia pha- 
scoidea; fructificatio splachnoidea. 

Folytrichum Tristanii^ dioicum dense cespitosum caulibus, 
simplicibus erectis foliis dense appressis e basi brevi amplexi- 
cauli elongato-pugioniformibus integris versus apicem hinc inde 
breviter dentatis pierumque abrupte terminatis, marginibus om- 
nino replicatis angustis subaeqnitantibus, cellulis in parte vagi- 
nante lineari-elongatis dein subito transversalibus angustissimis 
elongatis marginem subattingentibus & hie rotundato-subeffossis ; 
nervi lamellis densis Vi ^olii partem obtegentibus angustis torulo- 
sis elongatis acie acuta; seta cinnamomea; capsula dilute cinna- 
momea tetragono-cylindrica basi in apophysim non distiactam 
coarctata; operculo piano concavo mucrone elongate refiexo, ca- 
lyptta aurea elongala piUs densis elongatis elongato-conica ca- 
psula longiore. Ex insula Tristan d'Acuna retulit D. Roussel de 
Vauzienne 1835 (hb. Delessert!) — Aff. P. appresso. 

Campylopus Berieroanus, dioicus fuscus late densissime 
cespitosus, caulibus filiformibus rigidis strictis simplicissimis, 
innovatiouibus suecessivis inflatis 3-7 nodosis terminalibus 1 — 3 
ramulos angustissimos emittentibus ; foliis caulinis arctissime im- 
bricatis e basi lanceolata integerrima sensim in acumen in parte 
snperiore hyalinum dentatum plus minus longum et etiam lon- 
gissimum divaricatum retroflexamve terminatis, cellulis alaribus 
serie 1—2 late & longe ovatis sed non carnosis nee altius coio- 
ratis vicinis byalinis angustis, superioribus rhomboideis parvis 




283 

dissepimentis validioribup, nervo lato connexo V» limbi partem 
demum limbum totum occupante ; foliis comalibus in rosulam anguste 
ovatam pilis albis retroflexis bispidam congestis cauliuis cisi cel- 
lulis minus vaHdis similibus; thecis 1—3 in comis inferioribus 
occultis setae flexuosae primum omnino demum minus incurvae 
foliis vix longiore impositis anguste lanceolatis nee minime stru- 
mosis snlcatis; operculo acuminate recto vix thecae quartam par- 
torn aequante; calyptrabrevifimbriata. — In sjlvaticis insulae Juan 
Fernandes detexit cl. Bertero. C. introflexus Mont! fl. Fernand. 
in ann. so. nat. Jun. 1835; fl. Chil. 173. non Hedw! 

0, Vernieri 1 a x i s s i m e cespitosus discolor in parte inferiore 
atro-fuscus in superiore Inteo-virens; caule tortuoso 
erecto-incurvo paulo-ramoso, ramis sterilibus plus minus d i- 
fergentibus gracilibus; foliis confertis, ramorum fructifer- 
orum imbricatis sed non squamosis, omnibus basi in caule 
longe fibroso decurrentibus basi lanceolatis sensim acuminatis; 
cellulis alaribus ferrugineo-rubris in foliis vetustis obscuris 
ovato-globosis ; fructibus terminalibus vel innovatione later- 
alibus; foliis terminalibus ut in C. exasperate sed integerrimis 
interioribus obtusissimis; foliis pericbaetialibus sive comalibus 
sive infra-perigonalibus late lanceolatis nervo longe prominulo 
integro; pericbaetiis aggregatis 1—4; capsula anguste ovata 
fuscescente parvula, calyptra cuculaeformi straminea basi 
longe-fimbriata. — Ad cortices ins. Taiti detexit D, Vernier, 
See. evangel. Paris, apud Gentiles missionarius. — Inter G. Richardi ! 
etc. exasperotuml (toWoQm^xxs caracteribus italiceimpressisdiversus, 
Bryum purpureo-nigrum dioicum dense cespitosum erectum 
oliis inferioribu s purpurascentibus superioribus superne sordide 
virescentibus adpresse imbricatis subjulaceis e basi latiore lan- 
ceolato-pugioniformibus integris versus apicem parce subdenti- 
culatis cellularum quadratarum serie fere unica usque ad apicem 
marginatis, cellulis superioribus hexagono- elongatis inferioribus 
bagilaribusque minutioribus quadratis dissepimentis crassis, 
nervo lato crasso elongato ultra limbum plus minus producto 
versus apicem dentibus 1 — Sdenticulo exasperate apiculatis; seta 
gracillime filifornii erecta purpurea; theca inclinata horizontalive 
cylindraceo-pyriformi squalina intense purpureo-nigra; peristomii 
extern! dentibus flavescenti-purpureis opacis lanceolate pugioni- 
formibus elongato-acuminatis late trabeculatis interni pellucidi 
processibus e membrana alta orientibus latis acutis feuestratis 
ciliis 2—3 interjectis basi coalitis, operculo laevi atro vernicoso 



284 

convexo umbonato, annulo lato. — In Madagascar a D. Goudot 
detectuui in- hb. Delessert — J?, apiculato Schw. affine. 

Thelm robusta prot^trato-repens late extensa onusta ramulis 
unilateralibus ereetis confertissimis brevibus foliosis fusco-Iute- 
scectibus foliis densissime imbricatis concavisorbicularibussubito 
longe acuminatis acnmine in pilum flexuoyum desinente per to- 
tam peripheriam acutissinie serratis et lobato-ciliatis; rete e 
cellulisniedialibus ellipticis, marginalibus quadratis, inferioribus 
elongatis dorso papilla unica simplici globosa instructiscomposito, 
nervis 2 (rarius 1) crassis ultra medium productis, foliis pericbaetiali- 
bus numerosis oblongo-lanceolatis incurvato-flexuosis articulatis 
interdum dentatis ; setis gracilibus iBCurvis patentibus; theca 
e basi ovato-cylindrica erecta microstoma ;peristonuo duplici exter- 
no e dentibus leiineari-pugioniformibus albescentibus trabeculatis 
interne e ciliis 16 granulatis obtusis subpellucidis. — Florida 
Chapmann in hb. Delessert — Aff. Tlelioe asprellae Sulliv.! 

Thuidium erecUim cespitosum caule tenello decuinbente re- 
pente ramose paraphylliis obtecto, ramis ereetis subsimplicibua 
lutescentibus; foliis dense imbricatis hastato-lanceolatis interdum 
ovali-lanceolatis basin involventibus longe acuminatis acumine 
pellucido, nervo lato infra apicem evanido, 'cellulis tenuissimis 
rotundatis cblorophyllosis valde papillatis, foliis perichaetialibus 
anguste lanceolatis longissime acuminato-filiformibus ; theca in 
seta laevi gracJllima striata vix flexuosa cylindracea ovato-cylin- 
draceave erecta fusca; operculoluteo e basi conica longe rostrato 
incurvato; perist. externi dentibus longe pugioniformibus basi 
dense sensim laxe trabeculatis et pellucidis, interni aequantis 
processibus angustis sensim omnino-attenuatis non perforatis e 
membrana brevi orientibusomninopellucidis, ciliis o. — In Florida 
Chapmann (hb. Delessert) — T, orthocarpo Bescb. afiine. 

Cylindrothecium Floridantim dense prostratum lutescenti-vi- 
rescens ramosum ramis dense congestis inordinatis foliis oranino 
vestitis ramulos breves erectos emittentibus, foliis inordinatis 
subpellucidis imbricatis enerviis anguste lanceolatis acutis acumi- 
natisve integris ad apicem tantum tenuissime serrulatis, cellulis 
lineari-lanceolatis angustis congestis basilaribus alaribosque 
majoribus quadrato-rotundis , perichaet. elongatioribus longe 
pugioniformibus integerrimis; setis 3—4 ereetis strictis amoene 
purpureis sub capsula paulisper dilatatis; thecis fuscis horizon- 
talibus suberectisve ovatis, perist. externi dentibus latis pelluci- 
dis laxissime trabeculatis fenestratis interni externum aequantis 






'285 

processibus angustissimis linearibua anguste lacunosis; operculo e 
basi brevi conica rostrato-acuto subincuryo, — In Florida legit 
Chapmann (hb. Delessert) C sedudrice affine. 

Hypnum Vernier^ dioicum perexiguum flavescens prostratum 
repens laxe cespitosum ramosum ramulis erectis; foliis laxis ele- 
gantissime papillatis e basi concava lanceolatis longissime acu- 
minatis integris anerviis dense areolatis cellulis angustis lineari- 
bus versus basin latioribus alaribus marginalibus interdum 2 
ovatis et 2 quadratis majoribus; fol. perich. lanceolatis longe 
acuminato-filiformibus: seta exilima purpurea incurva longissima, 
theca minytissima vix visibili erecta mox globosa mox incurvo- 
cylindrica; perist. externo dentibus pugioniformibus trabeculatis 
iinea verticali dilutiore rotatis ad apicem longe filiformibus, per. 
interni processibus latioribus basi dilatatis e membraua pellucida 
ovientibus, cilio nulio ; operculo minutissimo e basi globosa leviter co- 
nico. — Ad ligna emortua ins. Taiti adpressum legit D. Vernier 
missionarius. — Aff. II. temtiseto Sull. * 

H. (Plagothecitim) Chapmann% monoicum prostratum laxum 
dilute lutescens nitens e basi ramosum raruis e basi fasciculatis 
simplicibus gracillimis flexuosis plus minus elongatis ve.stitis foliia 
imbricatis aequalibus semiapertis lanceolatis enerviisintegerrimis 
apice acute-subobtusis, cellulis 1 — 3 brevioribus terminatis con- 
fertis anguste linearibus, alaribus utriuque 4—5 quadratis agglo- 
meratis colore intensioribus, foliis perich. latioribus caeterum 
conformibus; setis e basi ramuli & frondis orientibus laevissimis 
purpureis erectis flexuosis gracillimis; theca anguste ovato-conica 
erecta; perist. externi dentibus pugioniformibus dense trabecu- 
latis serratis ad apicem non prolongatis, interni e membrana 
orientis subaequautis processibus plicatis laxe transversim line- 
atis nonperforalis cilio uno interno lineari angusto tenuissime 
longe acuminato ad apicem flexuoso; operculo conico elongato 
obtuso, — In Florida legit ill. Chapmann (hb. Delessert). 



Beitriige znr Flora der Hawai 'schen Inseln 

von Dr. Heinrich Wawra. 

Corrigenda, ♦) 

Bei Lahordia Waiolani st. acute 1. arete — Standort: Oahu, 
Schluchten des Waiolani 1683. 



*) Conf. Flora Jahrg. 1874 & 75. 



^ 



286 

Bei Lahordia Waialealae st. extrinatae 1. striatae. — Standort: 
Kauai, Walder am Waialeale 2120. — St. Seeseite 1. 

Leeseite. 

, Phyllostegia st. die ja nach 1. die je nach. 
, Fhyllostegia Honolnlensis st. subcarinosus 1. subscariosus. 
, Stenogyne Kamehamehae st. secta 1. recta. — st. zweilappi- 
ger 1. zweilippiger. 

, Stenogyne Haliahalae st. glabrae labio superiore basi 1. 

glabrae basi — Standort: Maui, am Haliakala im dichten 

Wald, 1928, 2311. 
, Stenogyne purpurea st. 2070 1. 2076. 
, Stenogyne ^aa/aeStaodort: Oahu nordwestlicher Gebirgszug; 

2258. 

, Cyrtandra pahidosa §. "var. arhorescens adde 1720 — st. 

Otanapepe 1. Hanapepe, 
, Cyrtandra oenoharha st. cylindracei tubo 1. cylindracei laci- 

niis tubo — st. subtus venarum I. subtus ad venarum, 
, Cyrtandra Kalichii st. intro L intus. 
, Cyrtandra HonoMensis adde 1981. 

, Lobeliadeae st. Kapselfruchten 1. Kapselfrucbtigen — st. 

globoso vel obovoideo 1. globoso vel ovoideo. 
, Delissea clermontioides st. kraftiger 1. kasiger. 
, Delissea Kealiae st. stigmate piloso 1. stigmate pilosis. 

, Delissea filigera st. Kauai Walder von Waihee 1. Maui 
Walder von Waihee, 1955 — st. fand neue 1. fand nuv. 

, Rolla7idia Humholdtiana st, brevissima 1. brevissime. 

, Ciermontia macrocarpa st. iis homomorphis 1. iis calycis 
homomorphis. 

, Cyathodes Douglasii var. fi struthioloides st. Seeseite 1. Lee- 
seite. 

, Vaeeitmtm rdicutaiam a fm. grundifoli^ S^ndort: Kauai, 
dicht bewaldete Stellen von Halemanu. 2121. 

, Solanum acukatissimum st. 1807 1. 1809. 

, Diibantia plantaginea st. Waialeale 1. Pohakupili. 

, Hesperomannia arhorescens adde Nro. 2222. 

, Lipochaeta heterophylla adde (1896). 

, Acaena exigua st. friichtenloBe L frUchteiose. 



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Bei Pe?ea oUongifoUa St. pavenius t. pare uno. 

Pelea Kaalae st. Petala acnt. valvata 1. Petaia aest valvata, 
Melicope grandifoUa st. Ovarium und Anlheien I. ^Ovarium 

Oder Antheren. 

Melicope harhigera St. au deu Zweigen I. an einzelnea 
Zweigen. 

w 

Edwardsia chrysophylla Standort: Maui Bergwiesea des 
Haliakala 1884. 

Cassia st. 2053 1. 2035. 

Eurya Sandivicensis fm. grandifoUa adde (2367). 
PiUosponim term inalioides var. glabrum st. 1709 I. 1709 a. 
Pitiosporum terminalioidis var. spathidatum st. 1709 1. 
1709 b. 

Guphea Balsamona adde Nro. 1869. 
Alphitonia excelsa st. schnitzen 1. schnitzten. 
Geranium cuneatum var. « Memiesii st. 2316 a. 1. Aus 
Hillebrands Herbar 2316 a. 

Geranium cuneatum var. ^ hypoleucum st. Maui am Halia- 
kala 1048 1. Kauai am Waialeale 2148. 
Geranium arboreum st. Gray I. c. 3121 1. 301. Gray 1. c.t. 30. 
Metrosideros polymorpha st Metrosiderosarten, 1. Metrosi- 
derosarten niclit, 

Metrosidtros polymorpha var. y st. 1703 1. 1702. 
Metrosideros macropus st. von M. ubereinstimmt h von M. 
rugosa ubereinstimmt. 

JBroussaisia angusta st. Freyc. S. Pacif. 1. Gray S. Pacif. 
Sida Sectum St. 1805 1. 1803. 
Sida Diellii st. voUblattrige L wollblattrige. 
Gassipinum spec, st 1875 I 1857, 
Capparideae st. Sandwicensis 1. Sandtvichiana, 
Senehiera didyma st, Punch-Canal 1. Punch Bowl a»d Maui 
am Haliakala. 

Kadua parvida St. Art jener aus 1. Art jenen aus. 
Gouldia st bei den Gattungen 1. beider Gattungen. 
GotddCa Sandwicensis st und die der einen Gruppe viel- 
fache Beriihrungspunkte mit jener der andern 1. und die 
Arten der einen Gruppe vielfache Beriibrungspunkte mit 
jenen der andern — st. var. i, parviflora 1. var. i, par- 
vifolia, 

Gouldia Sandwicensis var. d. cordata st. brevissima 1. bre- 
vissime. 



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Bei Goiddia Sandwicemis 
1. hat kleine Beeren. 



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Coprosma longifolia st. ultra medium membranaceam 1. 
ultra medium in ochream amplam glabram grosse dentata- 
tam membranaceam coalitae. 

Coprosma Waimeae hat die Diagnose zu lauten: Arbu- 
scula raraulis gracilibus parce foliosis, ibliis coriaceis elli- 
pticis obtusis, stipulis e basi latissima cuspidatis glabris; 

floribus drupis ternis in pedunculo axillari plerum- 

que geminate petiolo sublongiore subglobosis pulposis pro 

genere majusculis. 

^ertera depressa adde Nro. 2049. 

Pharbitis insularis adde Nro. 2195. 

Jacquemontia Saadwicensis St. 1925 1. 1923 — st. Boransia 

I. Boramia. 

Alyxia olivaeformis st, protractione 1. protractiore, 
Myrsine Gaudichaudii st. ovatis vel obtusis 1. oxatis acutis 
vel obtusis. 

Myrsine Gaudichaudii var. fi hirsuta st. excurvatum 1. ex- 
cavatum, 

Myrsine Lessertiana st. 2189 1. 1689. 

Morus indica st. Haliakala I. Haliakala 1865. 

Plantago princeps var. laxifolia st. (interaxillSre) 1. (intra- 

axillare) und st. BUrsten 1. Borsten. 

Euphorbia Bemyi st. 12 lin. longae L 1 lin. longae. 

Claoxylon Sandwicense st. nervis «ecundariis 1, nervi se- 
cundarii. 

Pisonia inermis st. 2750 1. 1750. 

Wickstromia st. Consistenz, der Farbe 1. Consistenz, Farbe, 
Bumex giganteus var. hirsutus st. Halemauu 1. Halemanu 
1880 b. 

Polygonem glabrum st. 1880 b. 1. 1836. 
Batis maritima st. umwachsen 1. anwachsen. 
Peperomia hypolmca fm. glabra st 1815 1. 1715. 



Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'schen Buchdruckerei 

(F. Hubert in Kegenaburg. 



I 








58. Jahrgang. 



N^ 19. 



Regensbnrgy 1. Jnli 



1875. 



m 



Inlialt« Dr. Christ: Neue und bemerkenswerthe Rosenformen. (Fortsetz- 
ung & Schluss). — W. Ny lander: Addenda nova ad Liehenographiaia 
europaeam. — Berichtigung. — Einlaufe zur Bibliothek und zum Herbar. 



V 






Neue und bemerkenswerthe Rosenformen, 

beobachtet 1874 

von 
Dr, Christ in Basel. 

(Fortsetzung & Schluss.) 

VMM. Ho9a Miwehii Bess. 

Besser Enum. plantarum bucusque in volhyn. Podol. Gub. 

Kiev. Bessarab. lectarum 1822. — M. Bieb. 11. Taur. Caucas. HI 
346. 

Wohl fiber keine Rose hat eine solche Verwirrung geherrscht, 
wohl keine ist so sehr bin und hergeworfen worden als diese, 
und keine ist heute so verkannt und der wahre Typus so ganz 
vergessen. — 

Ledebour fl. Ross. II 79 identificirt sie mit sepium Koch = 
ThuilL, Rapin in Renter catai. Geneve 73, Grenier fl. jur. 248 
und Des6gl. essai 100 mit B. anisopoda Christ R. d. Schweiz 
120. Godet suppl. a la fl. du Jura 78 mit IL graveolens Gren. — 

der Pflanze 



Ailein 



schon die Besser'sche Diagnose, die 

Blattchen zuschreibt, macben 



diese 



rundlich-elliptische 

Identificationen mit Formen, die sich durch keilige Blattform 

auszeichnen, verdachtig. 






Flora 1876, 



19 



290 

Dies hat auch Cr^pin primitiae mon. Eos. I 71 gefUhlt, und 
deshalb die Besser'sche Pflauze als eine noch unaufgeklarte 
Form bei Seite geatelit. — 

In meinen Rosen d. Schweiz 122 babe ich nun das Besser- 
sche Orig. Ex. cult. hort. bot. Cremenec 1827 aus dem Godet- 
schen Herb, beschrieben, und diese Form fur eine aus West- 
europa nicht bekannte Art der Rubiginosa-GYuiiipej im Habitus 
an canina erianernd, erklart. — 

Es ist das Verdienst Ludovico Caldesi's in Faenza, zuni 
ersten Mai seit mehr als 50 Jahren diese Art wieder an's Licht 
gebracht zu haben. EineSendung Eosen, die er aus der Urageb- 
ung seines Wohnorts (Colline di Faenza, an der Bahn von Bo- 
logna nach Rimini) gesammelt, enthalten reichlich bliiheude und 
Fr-ttcbt-Ex. 4er ^chten, mit dem Cremenec'^ehen Grig.-Ex. voU- 
kommen stiramenden B. Kluckii, — sodass mx nun einen leicht 
znganglichen, stideurop. Standort ftir diese seltene Form besitzen. 
Caldesi nenut sie JJ. rubiginosa /? Iberica Boiss. fl. or. II 687. 
An dieser Stelle giebt Boiss. R. Kluclcii als Synonym mit der 
B. Iberica Stev. in M. Bieb., und reiht beide als var- mit gros- ^ 
sern, oben oft drtisigen Blattchen und ofter kahlen Bliithenstie- 
len und Kelchen tmter rUbiginosa L. ein. — 

Es ist eine, den Buhigineae zugehorige, zwischen Caryophyl- 
lacea Besser und tomentella Lem. sich einschiebende, also die 
Sepiaceae Cr6p. mit meinen Tomentellae verbindende Art- 

Hier die Diagnose: 

Wuchs gedrungen. Stacbeln zahlreieb, dick, hackig, von 
eiuerlei Gestalt; nicht veriangert sichelformig, wiebei riibig. son- 
dern breiter, eher wie tomentella. Zweige kurz, zahlreich, Blatt- 
chen 7, elliptisch-rundlich bis rund, kurz zugespitzt, an der Basis 
abgerundet, dfinn, Grosse der tomentella, Blattstiele mit einzelnen 
Hackchen, etwas filzig, und Blattnerven derUnterseite ziemlich 
dicht behaart; auch auf dem Parenchym der Oberseite einzelne 
Haarchen. — Driisen der Blatt- U. Seite zahlreich, den Nervil- 
len folgend, staubfein, im Alter sich verwischend; O.-Seite mit r 
einzelnen, grosseren pustelformig vortretenden Drusen versehen. 
Bl. Eand sehr tief gezahnt,Zahne breit, scharf zugespitzt, reich- 
lich mit Driisenzahnchen besetzt. — 

Nebenblattchen und Bracteen gross, reichlich drusig bewim- 
pert, sonst schwach drQsig und behaart. 

BlUthenstiele so lang oder etwas langer als die Frucht, kahl, 
wie die Kelchrohre und der Rucken der Kelchzipfel. — Letztere 



29 

kurz, sehr reichlich und fast kammformig fiederspaltig, einzelnc 
Lappen ovallanzettlich, kurz, dicht driisig gewirapert. — Kelch- 

* 

zipfel abstehend,dann zuriickgeschlagen, bald binfallig. Blumen- 
blatter klein (Grosse der micrantha) mattrosa, Grifiel schwach 
wollig, sehr kurz. Frucht verkehrt oval bis kugelig, reif (Octob.) 
tiefroth, pulpos, Discus mittelmassig. — 

Von jR. caryophyllaceaBe^ser durch gleichformige Bestachelung 
(obne acicuii); durch nicht keilige, nicht ovale, sondern an der 
Basis gerundete, grossere Blattchen und starkere Zahnung, lan- 
gere Bltithenstiele, kiirzere Kelehzipfel; von R, tomentella Lem. 
durch den gedrungenen Wuchs, die reichlichen Subfoliardrusen 
und die pustelforniigen Suprafoliardriisen, die tiefere Zahnung, 
kiirzere dicht gewiinperte ADhangsel der Kelehzipfel, scbmalern 
Discus; von B, rubignwsa L. durch gleichformige, weniger ge- 
krumnite Stacheln, kahle Bltithenstiele und Kelche, kurze Keleh- 
zipfel, staubfeine Subrdiardrusen verschieden. 

E, Kluckii ist somit eine schwacher als Sepium und rubigi- 
nosa charakterisirte, mit caryophyllacea und tomentella auf glei- 
cher Stufe stehende Art (Art zweiten Kanges.) 

TEEM. Vawnew^tellae * 

E. tomentella Lem. f. sinuatidens Chr. R. d, Schw. 129, 

Diese merkwtirdige Form fand ich 1874 nicht seltcn im westl. 
Easier Jura, in der Gegend des Wiesenbergs, wo ich 3 distincte 
Bezirke ihres Vorkomraeos nachweisen kann. Ex. mit hau- 
figen Subfoliardrusen bei Himmelsgrund Gem. Hafelfingen. — 
Mit dieser sinuatidens ist die JR. ranina L. f. Watsoni Baker 
men. 236 sehr nahe verwandt, wo nicht identisch, nach Ex. 
leg. Webb bei Disley, Cheshire comm. Baker. 

Eine hochst besondere Form aber ist: 

B, tomentella Lein. f. canescens. 

(J?, canescens Baker in Sched. 1874) 
man mochte sie einen Uebergang der tomentella zur tomerUosa 
nennen. Die Blattform ist langlich oval, die Zahnung sehr zu- 
sammengesetzt, die Behaarung dicht, selbst auf der Oberflache 
der Blattchen, einer kahlern tomentosa kaum nachstehend; die 
Blattstiele sind sehr filzig, kleindrttsig. Subfoliardrusen fehlen. 
Bltithenstiele lang, nebst der Frucht und den bald zuruckgeschla- 
genen und abfailigen Kelchzipfeln kahl — Stacheln krumm. 

Das meiste Interesse jedoch bietet die 

B. tomentdla Lem. f. sclerophylla 

19* 



292 

R. sclerophylla Scheutz studier 20. N. 3 

Diese, im Habitus und besonders durch die langlich-keiligen 
Blattchen eiue Sepium nachabmende, ziemlich kahle und freudig- 
griine Tomentelle, bisher als eine fur Scandinavien charakteristi- 
sche Form betracbtet, hat sich iiamlich sowohl in England als 
auf den Gebirgen des mittl. und stidl. Europa vorgefunden. 

a) Der scand. Typus hat, verglichen mit der normalen to- 
mentella Lem., kiivzere, dunnere, sehr krumme Stacheln, gedrun- 
gene Verastelung, starre etwas lederige, gelbgriine keilige lan- 
zettlich-ovale Blattchen, die nur auf den Nerven der U. Seite be- 
haart sind. Die Zahnung ist tief, offen, reichlich verdoppelt, 
Subfoliardrusen fehlen. Biattstiel der behaarte und kurzdrusige 
der Tomentella^ mit Yielen backigeu Aciculi. Kelchzipfel zuriick- 
geschlagen, lang, mit spitzen Anhangselu, auf d. Kucken kahl, 
wie die Frueht und der mit letzterer gleichlange Fruchtstiel. 
Griffel behaart. 

b) Identiscb, nur etwas grosser, und mit etwas sparsamen 
Driisen des Blattstiels, fand ich sie 1874 Juli in den Vogesen 
von Elsass-Lothringen ob St. Marie aux Mines, ca. 3000'. Co- 
roUe blass-rosa, wie die schwed. Ex. (med blekroda kronblad: 
Scheutz), 

c) Ebenso, abev mit fast drusenlosen Blattstielen und weiss- 
licher CoroUe: Vogesen, Schloss Eappoldstein ca. 2000'. 

d) Sehr drilsig an Biattstiel, Stipulae und Rand der Kelch- 
zipfel, mit kurzem Fruchtstiel und aufrechten Kelchzipfeln, 
Griffel behaart. leg. Baker 1874: Boltley, England. Siehe meinen 
Aufsatz im Journal of Botany April 1875. — 

e) Ebenso , aber Fruchtstiel fa^t fehlend, Kelchzipfel auf- 
Teeht-zusaBimeLneigeiid, Giifiel ein -weisswolHges Kopichen, Sta- 
cheln diinn, schwach gekrummt. 0. Wallis/Bina-Thal 1. Favrat 
1874. 

In d. und e. ist derEinfluss der Bergregion deutlich beraerk- 
bar, durch dleselben Charaktere, welche die B. Eeuteri von der 
B, canina^ die jB. graveolens von der jR, sepium^ die iJ. t'oriifolia 
von der B, dumeforum und die B. concinna Pug- von der tomen- 
tella typica trennen. — 

Formen, welche eine gewisse Annaherung der sclerophylla 
an dtimetorum vermitteln, sind: 

f) Blattchen weniger keilig, aber docb schmal oval, beider- 
seits zugespitzt, klein. Zahne einfach, nur rait ganz kleinen 
Drtisenansatzen bezeichnet, Biattstiel wenig drttsig, Kelchzipfel 






293 

sehr zerschlitzt,Anhangsel sehr schmal, lang. Pflanze roth fiber* 
laufen. Hab. Bel Caro bei Siena. Mai 1874. 

g) Ganz ahnlich, Blattchen aber schon breiter, oval, Pflanze 
driisiger als vorige, auch die Zahnung zusammengesetzter: Les 
Plans sur Bex leg, Favrat, 

Diese ganze Reibe bildet eine zu Tomentella gehorige, von 
ihr durch eigentbiiQiliche Blattform habituell stark abweichende, 
bis zur mimicry einer Sepittm niaskirte Subspecies, innerhalb 
welcher sicb sowohl eine fonuH montana, ah ein Hinneigen zur 
dumetorum durch abnebmende Dvusigkeit, ganz ebenso constati- 
ren lasst wie bei der typischen Tomenfelia selbst. — 

Gewiss eine interessante Thatsacbe, die anf viele der, von 
franzos. Autoren .nufgestellte „Arten** ein bezeichnendes Licht 
zu werfen geeignet ist. 

B. abietina Gren. bei Chr. R. d. Schw, 132. f. clivorum 
li, clivorum Scheutz studier 28. 

Stachein krunim, stark. Blattstiele filzig, sparsam drusig. 
Blattchen kahl, nur am Mittelnerv unteu sparsam behaart, ellip- 
tisch, zugespitzt, genahert, einfach bisunregelmassig doppelt ge- 
sagt. Griffel behaart. Fruchtstiel kaum so lang als die Frucbt, 
nebst deren Basis und dem Kiickeu derKeichzipfel zerstreut bor- 
stendriisig, Kelchzipfel zurtickgeschlagen. 

Hab. Lyckeby, Blekinge, Schweden 1. Scheutz. 

Es ist dies eine zu dem Formenkreis der abietina^ also der 
hispiden Tomentellen gehorige Pflanze: die erste aus dem Nor- 
den, da alle bisber bekannten den Alpen oder dem Jura angeho- 
ven. Sie ist schwaeher ausgepragt, als die alpinen Formen, und 
nahert sich durch die vorherrschend eiufache Zahnung, die zu- 
riickgeschlagenen Kelchzipfel etc, der dumetorum weit mehr, als 
z. B.die uriensis. Von den schweiz. Formen lasst sie sich noch 
am meisten mit der Thomasii vergleichen. 

JR. alpestris Rapin. 

Es gereicht mir znr Befriedigung, mittbeilen zu konnen, dass 

die Herren Lerch und Godet diese, einst (1856) von Bapin auf 
dem hohen Saleve eutdeckte, seither nur in den Alpen (Waadt, 
Freiburg, Glarus siehe Rosen d. Schw. 140) wiedergefnndeneRose 
nunmehr in typischer Gestait im Jura von Neuscbatel bei Gouvet 
nacbgewiesen haben. 



^ 






394 

JR. trachyphylla Kau. /". nifidula. 

Kleiner Zwergstrauch von V» Meter, ^verschieden von Aliothii 
K d. Schw. duvch stammigen, gedrungenen Wuchs, kurze zahl- 
reiche Bluthenzweige, zahlreiche, grosse, breite, fast grade Sta- 
cheln, kleinere dickliche, spiegelndeBlattchen, ohne Subfoliardrii- 
sen. — Zweige blau bereift, Pflanze roth uberlanfen, Hispiditat 
der Bltithentheile wie beim Typus,reich]icher als bei AliotUL 

Hab. auf dem Gneisfelsen unter Schloss Rappoldstein, Elsass, 
dicht bei der Ruine, — in zahlreichen kleinen Buschen, ganz 
analog der Aliothii unseres Jurakalks. — 

Eine Mittelstellung zwischen den Ganinae und den trachy- 
pJtyllae nimmt ein die wabrhaft prachtvolle, in mancher Bezieh- 
ung doch wieder ganz eingenthUmliche 

J?. Kosinsciana Besser Enum. und nach Orig.-Ex. vom Autor aus 
Podolien in meinemHerb. — sieheauchKerner inostr. bot Zeitung. 
Stacheln nicht haufig, dunn, hackig, ganzePflanzehaarlos. Blatt- 
chen constant zu 5, gross, sehrentfernt, gestielt, diinn, ohne Sub- 
foliardrilsen, fast kreisrund, kurz zugespitzt ; Zabnung nicht tief, sehr 
zusammengesetzt ; Zahne uudZahnchen mit grossen Driisensehr 
reiehlich besetzt, sowie dieBlattstieleund Stipulae, diesichdarch 
ihre schmale lineale Form mit kuvzen, auseinander- 



fahrenden Ohrchenauszeichnen und an PimpinelU folia mshnen. 

Blathenstiele ungleich, 1 bis 2mal linger als die Frucht, 
drusenborstig; Kelehrohve kahl; Kelcbzipfel tief fiederspaltig, Fie- 
derlappen auffallend lang, schmallanzettUch bis lineal, auf dem 
Riicken stark drtisenborstig, zuritckgeschlagen. — Griffel ein 
sehr grosses, weisswolliges Kopfchen. Discus mittelmassig. Peta- 
len die grossten der Canineae von der GrSsse der Gallica, bell- 
rosa Oder weisslich? — 

Ungarn: leg. V. Borbas: Budae ad vias vinearum versus Li- 
potmezo 1874, am 10. Juni in Bliithe. 

Eine der originellsten und pragnantesten Formen; sicherlich 
eine gute Art. 

R. Beuteri Godet. 1st in Tburingen und Schlesien nach 
Haussknecht's und Uechtritz' Herb., verbreitet; neben dem 
Typus kommt die /". compUcata Gren. und in Thiiringen: Groben 
auch die, bisber weit seltenere kleine myriodonta (Christ. R. d. 
Schw. 167) vor. 



295 

Die f, archetijpa Ghn Fiom ^g^ kdisait in 0. Wallis: Brieg 
I. Favrat, mit ganz kleinen Blattcben und voUig kahlen Griffein I vor. — 

M, Eeuteri God. f. pilosula. 

Eine Form der Reuteri^ welche behaarte Blattstiele und 
iiiit einzelHen Haarchen bestreute Mittelnerven der Blattunter- 
seite hat, und dadurch genau die Steliung zwischen Eeuteri 
God. und Coriifolia Fries einnimmt, wie die urbica Lem. zwi- 
schea canina L. und dumetonim Thuill. — 

Wir haben somit nicbt nur ein Bindeglied zwischen den 
Ebenenformen dQvcaninae pilosae nni glanduli far ae^ soni^vn auch 
ein solches zwiscben deren Bergformen aufzuweisen, wasein wei- 
teresLiclitauf die systematische Bedeutung dieser Species wirft 

R. Reuteri God. f. kispidior. 

Genau das Analogon der jR- canina L. f. hispidissima Christ 
R. d. Schw. 162 innerhalb der moutanen Caninen, — Es ist eine 
grossfruchtige Reuteri^ deren Kelchrohre, und in minderm Grad 
auch der Bliithenstiel und die Kelchzipfel ganz so dicht mit je- 
nen steifen, gebogenen, weichdornigen, zugespitzten und driisea- 
losen Aciculi besetzt sind, die wir bei der pomifera^ der montana 
Chaix etc. finden. — Die Matttrhea konimen einfach, aber auch 
doppelt gesagt vor. — 

Hab. Valines Vaudoises, supra Cogno und Alpes de Prot: 
leg. Rostan. 

Wallis: Vex, Ypresse. Painsec L Wolf. Alpen v. Waadt: 1. 

Rapin 1874. — 

R> Reuteri God. f. Ilseana, 

R. Ilseana Crepin Primit. I 113. 

Wie schon Crepin 1. cit. verrauthet, gehort diese Pflanze zur 
Eeuteri und zwar als eine diirftig entwickelte, schmalblattrige, 

dicht blau bereifte Form derselben. 

Sie ist voliig kahl und drlisenlos, die Blattchen sind klein- 
verlangert eliiptisch, mit liegender einfacher Zabnung; die auf, 
rechten zusammenneigeuden, sehr schmalen und fast ungetheiit^ 
Kelchzipfel, das weisswollige Grifielkopi'chen, die fast ungestielte 
Frucht charakterisieren sie deutlich als eine Reuter% die durch 
sehr gracilen W^uchs und auffallend starke Bereifung allerdings 
habituell abweicht. — 

R. montana Chaix f. Sanguisorhella Christ R. d. Scb. 181. 

Diese reizende Miniaturform, bisher nur aus der subalpinen 
Region von U. Waliis bekaant. fand Wolf 1874 auch in 0. Wal- 
lis bei Stalden. 



296 

iJ. coriifoUa Fries, typica, 

Diese im Alpenzuge, im Jura, in England andSchweden ver- 
breitete Art liegt mir nun auch aus Thuringen (I. Haussknecht) 
Schlesien (herb. Uechtritz, und Siebenbiirgen (herb, der Univers. 
Klausenburg) vor. 

iJ. coriifoUa Fries f. cinerea Rapin 

biaher nur voa Saleve und aus WaUis bekannt, sandte mir 
Uechtritz von Bveslau: alte Oder. Nitschke bat sie ahcanino 
tomer.tosa in Verhandl Bresl bot Sect. 1856 pag. 15 beschrieben. 

U- coriifoUa Fries, f. BellevaUis Puget, 
ausgezeichnet durch die elliptisch spitzen, sebr scharf gezahnten 
oben kahlen und dunkelgriinen, uuten nur auf dem Mittelnerv 
behaarten Blattchen und beinahe weissen Bliithen: das Analogon 
der Urbica bei der dumetorum Thuill. auch in der Schweiz: 
aux Plans, Alpen von Waadt, von Favrat 1874 gefunden, mit 
der bisher nur in Wallis (und Schweden) gefundenen f. Bover- 
nierana Cr6pin. 



Waitziana 



4 

I 



ii. galUco X JReuteri f. cofnpUcata, 
S.Beuteri compUcata 

pumila Haussknecht in i 
exc. B 621, 

Einer gaUico Xcanina f. hiserrata ahnlich, aber ganz nie- 
driger Zwergstrauch, Habitus der pumila Jacq. Stacheln un- f 

gleich, schmal, schwach gebogen. Nebenblattehen breit, amEande ' 

nebst den Blattstielen driisig. Diese nebst dem Mittelnerv der 1 

Bl. schwach behaarte Pflanze iibrigens haarlos. Blattchen gross, 
rundlich, zu 5, seltener zu 7, scharf und offen doppelt driisig ge- 
sagt; Bracteen gross, breit, so lang als die BilUhenstiele, Blti- 
thenstiel so lang als die Frucht, nebst dem Rand der Kelchzipfel 
und der Basis der Frucht drUsenborstig; Frucht selbst glatt, 
ohne Stieldrlisen, pulpos, oval, gross, von den aufrech- 
ten Kelchzipfeln bis gegen die Reife hin besetzt. 
Griftel in ein woUiges KSpfchen vereinigt, Blathe sehr gross, an 
GalUca erinnernd, etwas heller, einzeln oder zu zwei. 

Durch die Frucht und Inflorescenz ganz deutlich als Bastard 
der Reuteri charakterisirt, und dadurch sehr auffallend, dass beim 
Ueberwiegen der Merkmale dieser Art doch der Wuchsdurchaus 
der der reinen GalUca ist. 



297 

Hab. An Ackerrainen und Waldraiidern bei Weimar in Thd- 
ringen, vor der Rodung zu Ackerland in Menge. L HansskBecht 

1873. 

Auch Rb. fand sie in Thuringen 1811 nod Waifz bei Alten- 
burg, 

JR. iurbinata Alton, 

Diese, dufchaus dem FormenkreisderGa&'ca-Bastarde zuge- 
horige Culturpilanze fand Wolf im montanen Wallis; Mayea de 
St. Barbara bei Sion voilJg verwildert, wie sie im ostl. Euvopa 
(Gegend v. Wien nach Kocb) und in Mitteldeutschland (Main- 
Saalgebiet, Thliringen JRb.) dies nicbt selten zu thun scheint. Die 
Walliser Pflanze hat halbgefiillte Bliithen und ist steril. 



la nova ad Uclienog^raplilaiii euro 

Coatinuatio vicesima prima. — Exponit W. Nylander. 



I. Lichinodium sirosiphoideum Nyl 

Thallus niger vel nigricans, dense subpulvinato-stipatus (al- 
tit. 1—2 miilim.), subeffusus, e fruticulis ramosis iutricatis con- 
stans, rigidiusculus. Apotbecia non visa. 

In Finlandia, Hollola, supra tbailum Parmetoe saxatilis saxi- 
colae (Lang). 

Genus Lichineorum tbalJo saltern accedens ad Lichimlhm^ 
sed gonimiis longe longitudinaliter seriatis, pluribas seriebus 
in quavis thalli parte (truncis vel ramis ejus) perductis. Thallus 
erassit. 0,1 miilim. vel in ramis tenuior, minute ceilulosus (mi- 
nus distincte quam in Homodio). Goniraia glauca, diametris 
0,008—0,014 miilim. 

2. CoUema suhplicatile Nyl. 

Thallus virescenti-nigricans subplicatus, difformiter lobatus, 
mediocris; apotbecia fusco-nigricantia, sat parva, urceolato-impressa 
margine tballino turgido reeepta; sporae Bnae tumide subfusifor- 
mes 5-septatae et septulis intercedentibus sensu longitudinali 
parcis simul divisae, longit. 0,026—34 miilim., erassit. 0,011—15 
miilim. 

Super saxa quartzosa inundata rivuli in Banatu (Lojka). 

Facies fere Collematis chalamni, Comparetur C. Etiganeum 
Mass, 



Ck£LS> 

3fiW5 

3. Coniocyhe ohscuripes NyL 

Similis Coniocybae subpallidae Nyl. in Flora 1874, p. 318, 
sed thallo glauco tenuissimo continuo vel evanescente, stipitibus 
fuscescentibus aut fascis. 

Super corticem alni putrescentis in Finlandia, HoUola (E. | 

Lang). 

Gonidia chroolepoidea. Sporae diametri 0,004—6 millim. 






4. Placodinm dissidens Nyl. 

Subspecies esse possit Placodii murorum^ cui sat simile 
sed laciniis magis discretis el subliberis. Colore thalli vitellino 
et laciniis planioribus (planiuscalis vel convexiusculis) difiert a 
Flacodio elegante. Sporae longit. 0,009—16 inillim., crassit. 
0,065—7 lailUm, 

In Anglia, prope Cirencester, supra tecta argillaceo-schistosa 
(Joshua). 

5. Lecanora olivacella Nyl. 

Thallus olivaceo-pallidus vel subvirescenti-pallidus, tenuis, 
rimoso-diffractus vel passim areolato-squaniulosus, areolis planius- 
culis vel par um convex! s; apothecia subfusca vel subfusco-palle- 
scentia (latit. 0,5 millim.)i piana, demum biatoroidea convexa; 
sporae Suae ellipsoideo-oblongae l^septatae, longit. 0,009 — 14 
millim., crassit 0,0035— 0,0045 luilUm., paraphyses mediocres apice 
incrassato sordide violaceo. Jodo gelatinahymenialis coerulescens, 
deinde obscurata (thecae nonnihil violacee tinctae). 

Supra saxa calcarea ad Monspelium. 

Species e stirpe Lecanorae ery sites notis datis benedistincta. 
Spermatia arcuata, longit 0,016— 18 millim., crassit. 0,0005 millim. 

6. Lecanora luridatula Nyl. 

Quasi X. umbrina apotheciis biatorinis luridis planiuscuUs ^ 

(latit. 0,5 raillim.), obtuse marginatis. Sporae longit. 0,009— 0,0U 
millim., crassit. 0,004—6 millim., paraphyses nou bene discretae, 
epithecium luteo-fuscescens (suhinspersum). 

Supra lignum (saepe inundatum) molendinae in Finlandia 
(Lang). 

Gonidia in bypothecio (versus perithecium) nonnihil intrusa. 
Spermogonia non visa. 



^' 



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2&9 



7. Pertusaria violaria Nyl. 



Thailus albido-cinei'ascens glebuloso-diffraetus, supra subcere- 
briformi-verrocosas, crassulus (erassit circiter 1 milUm.); apo- 
thecia non visa. 

Supra saxa serpentinea prope Limoges (E. Lamy). 

Genus nonnihil incertutn, nam esse possit hie Lichen Leca- 
nova aut Urceolaria. Nota maxime peculiaris est chemica; thai- 
lus Ca CI 4:, scilicet extus intusque violacee tingitur, K nonnihil 
flavescit. 



8. Lecidea anterior Nyl. 



Forsan subspecies Lecideae erysiboidis^ sed sporae longiores 
(longit. 0,0U~-16 millim., erassit. 0,0035—0,0045 miUim.). 

Supra ligna putrescentia in Finlandia media (Norrlin et 
Lang). 



9. Lecidea suhvorticosa'Syh 



Sat similis Lecideae vorticosae Flk., sed sporis majoribus 
(longit. 0,015—21 niillim., erassit. 0,007—8 miilim.) et paraphy- 
eibus mollioribus, kidus distinctis. 

Supra calcem micaceo-schistosum in Tyrolia, Waldrast, alti- 
tudine 7500 pedum (Arnold). 

Reactiones ambarum specierum conveniunt Spermogonia 
autem in L, stibvorticosa non sunt visa. 



10. Lecidea melaphanoides Nyl. 

Sat similis Lecideae melaphanae (cfr. Flora 1869, p. 83) et 
vix differens nisi hypothecio infra medio incolore et gelatina hy- 
meniali jodo e eoenilescente vinose fulvescente vel subrubeseente 
(thecis praesertim tinctis). 

Supra saxa granitiea prope Helsingfors (E. Lang). 

In £. melaphana gelatina hymeniaiis jodo coernlescens, coe- 
rulescentia subpersistente (praesertim theearum). In L, mela- 
phanoide sporae oblongo-ellipsoideae, longit 0,009— 0,01 4 miilim,, 
erassit. 0,005—6 miilim., (intevdum crassitie solum 0,0045 miilim. 
et aliqi^ndo spurie 1-septatae), Ap©the€ia latit. 0,3^0,5 miilim. 



i 






300 

11. Lecidea acervttlans Nyl. 

Apotheciis fere sicut in L^iaaiUari (epithecio nigricante, pe- 
rithecio etiamnigricante, faypothecio saltern infra violaceo-fusco), 
sed thallo grannlato-squamuloso, glebuloso-diffracto. 

Supra terram saxi serpentinei (inter Grimmias) prope Mag- 
nac-Bourg (Haute-Vienne) in Gallia (Lamy). 

Thallus e squamulis supra planiusculis fuscescentibus et 
saepe quasi albido-marginatulis concretis compositus. Apothecia 
plana inarginata (latit, 0,6—1,5 millim.), saepe difformia. Sporae 
bacillares, longit. 0,034—36 millim., crassit. 0,0025 millim. Para- 
physes mediocres apice incrassato nigrieante (K obsolete violacee 
mutato vel subimmutato)* Faciem Lecideae nnereO'Virescentis 
fere in memoriam revocat, sed accedit ad Lecideam muscorum. 



12. Lecidea praecontigua Nyl. 

Subsimilia Lecideae contiguae^ thallo albo, contigue areolato, 
mediocri; apotheciis nigris planis marginatis (latit. circiter 1 mil- 
lim.), super thallum vix prominulis, sed sporis multo majoribus 
(longit. 0,023—30 millim., crassit. 0,011—16 millim.); parapbyses 
gracilescentes, epitbecium fuscescenti-obseuratum. Jodo gelatina 
bymeniaJis intensive coerulescens, dein vinose rubens. 

Supra saxa basaltica in Mont-Dore (Lamy). 

Thallus K — , I — . Spermogonia non 



L7t«* 



13. Lecidea sublutescens Nyl. 

Thallus albido-lutescena yel ochraeeo-albidus, tennis, planiuscu- 
lus, areolatus; apothecia planiuscula marginata (latit. 1 millim. vel 
minora) ; sporae 8 nae incolores ellipsoideae simpliees, longit. 
0,012—19 millim., crassit. 0,007—8 millim., epitbecium coerule- 
scenti-obscuratum vel violascenti-obscuratum, hypothecium (cum 
perithecio) nigrum. Gelatina hymenialis jodo intensive et persi- 
stenter coerulescens. 

Supra saxa calcarea vel micaschistoso-calcarea in alpibus 
Tyrolicis, altit,- 7000—7500 pedum (Arnold). 

Species in stirpe Lecideae petrosae et prope Lecideam cya- 
nisam distincta non solum notis allatis, sed insuper sper- 
matiis peculiaribus utroque apice incrassatulis (longit. 0,005—6 
millim., crassit. fere 0,0007 millim.). Thalamium anpra coerule- 
scens. Paraphyses mediocres molles. 






301 



14. Lecidea li^gdiniga Nyl. 



Thallus albus, sat tenuis, demura areolato-diffractus, indetcr- 
ininatus; apothecia plana marginata (latit 1 miilim. vel minora); 
sporae longit. 0,020—23 miiiira., crassit. 0,010—11 niillim., epi- 
theciam fuscoviolacee nigrescens, hypothecium (cum perithecio) 
nigrum tenue. 

Supra saxa calcarea in Tyrolia, Waldrast (Arnold). 

Affinis priori et quodanimodo facie accedens, sed thallo albo, 
sporis majoribus, hypothecio tenuiore et spermatiis cylindricis 
(longit. 0,008—9 millini., crassit parnm ultra 0,0005 uiiUiin.). 

15. Lecidea aglaei^a Nyl. 

Subsimilis Lecideae aglaeae^ at ihallo nitidiusculo, sporis mi- 
noribus (longit. 0,009—0,011 miilim, crassit. 0,005—6 oiillimO et 
gelatina hymeniali jodo vix tincta (thecis fere solis turn coerule- 
scentibus et dein vinose violaceis velviolaceo-vubescentibus. 

Supra saxa silicea in Arvernia hand procul a Mout-Dore 
(Lamy). 

Species sine dubio disticcta, sed spermogonia nondum visa, 
forsan ad stirpenj Lecideae parasemae pevtineat. Thallus crassit. 
1 toillim, vel saepius crassior et fere usque 2 tnillini. attingens, 
areolis convexiuseulis inaequalibus sursnm circun^-circa nigris 
(nigredine ex hypothallo ascendente). Stratum corticale K non 
tinctum vel lente nonnihil iutescens. Apothecia inaequalia im- 
Kiarginata (latit 0,7—1,5 milliraOi '^^us obscura, parapbyses we- 
diocres apice incrassato snaaragdulo-coerulescente. 

16. Lecidea fuscoatrata NyL 

Sat similis Lecideae fumosae var. fuscoalrae, sed thallo 
Ca CI — et sporis minoribus (longit. 0,008 — 9 millim., crassit. 
0,0035 milliun.). Gelatina hymenialis jodo coerulescens, dein the- 
cae violacee tinctae. 

Supra saxa gneissacea in Tyroliae alpibus (Arnold)- 

17» Lecidea modica Nyl. 

Thallus cinerascenti-albidus tennis depresso-subgranulatns 
parcus vel evanescens ; apothecia nigra plana marginatula vel 
cite convexiuscula immarginata (latit. 0,5—0,7 miliim.), intus al- 
bida; sporae 8nae nigrescentes ellipsoideae 1-septatae, longit. 



^ 



3©2 

0^012—17 millim., crassit. 0,006—8 millim., parapbyses fere me- 
diocres apice incrassato smaragdescente (inde epithecium ejus 
coloris), hjpotbeeiiiin incohr so]uin sfrato infero et perithecio 
sabvioUiscenti-fuscis. Gelatina hymenialis jodo coerulescens, the- 
cae dein viiiose fulvescentes vel subiubescentes. 

Supra saxa quartzosa in Haute-Vienne (Lamy), 
Species dieticcta e stirpe Lecideae olivaceo-fuscae (Anzi). 
Thalius K — , I intus +. Epithecium acido Ditrico roseo-purpura- 
sceus (praecedente coerulescentia); K uon tinctum. 

18. Lecidea sequax Nyl. 

Forsan varietas Lecideae wyriocarpae thallo albido evane- 
scente, apotheciis in vimis lapidis seriatis coDvexis (latit. 0,a — 0,6 
millim.). Sporae longit. 0,011—12 millim., crassit. 0,006 miilim. 
Gelatina hymenialis jodo coerulescens, dein thecae vinose tinctae. 

Supra saxa quartzosa prope rivum Vienne in Gallia (Lamy). 

19. Verru caria subviridula Nyl. 

Accedens omnino ad Yerrucariam mridulam, sed areolis 
thalli subverrucoso-rugulosis (minus tamen quam in F. virente) 
et sporis longit. 0,021 — 25 millim., crassit. 0,011—13 millim. 
Pyvenium nigrum. 

Supra saxa calcarea in regione boiealilacusLadogae(Norvlin). 

In thallo observatur Endococcus gemmifer. 



ObAervaiiones. 

ColUma papxilosum Ach. forsan sit C granuliferum Nyl. in 
Flora 1875, p. 103, sed planta Achariana sterilis neque omnino 
certa (lignicola ex Helvetia). 

ColUma hydrorhamm Ach. est forma Collemodii plicaUlis. 

Stereodadium apocalypiicvm (Nyl.) Sibiricum in Europa non 
fuit observatunij sed cl. Arnold aliam ejusdem, utvidetur, generis 
speciem detexit in Brenner Tyroliae, thallo toto albido sursum 
latiore et demum nonnihii diviso (altit. 2—3 millim., stipitibus 
conipressiusculis basi latit. 0,3—0,5 millim.), parte thalli corticali- 
gonidiali facile leprose-dissoluto, crescentem stipatam super saxa 
micaceo-schistosa. Dicatur Stereodadium TyroUense, 






_ I. ^c 



303 



Stida aurata inter Stiotas eurof^eas tpertinet ad genus sepa- 
randum Parmosfidam, apotheciis bene parmelinis mox dignotum. 
Flures species exoticae eo pertinent. 

Inter Umbilicarias europaeas etiam rite distinguenda sint 
duo genera, quorum aiterum Vmhilicaria sensu strictiore (hue 
Z7. pustulaia et U, atropniinosa) differt apotheciis externe rece- 
ptaculum thallinum e strato cortical! et medullari (exclusis goni- 
diis) coiistam oSerre; aherum, Gyrophora meo sensu^ apothecia 
lecideina (plus minusve gyrosa) habens perithecio textura diffe- 
rente a textura corticali thalli, in quam transit. Ita Umbilicaria 
analogiam exhibet cum apotheciis Stidarum (exclma Parmostida) 
et SHdinarum, quoad receptaculum, — Simul observetur quoad 
typumanatomicum thalli, ex.gr. in Umbilicaria piistulata, eiadesse; 

1 " Stratum epithallinum, quo thallus plus minus quasi suf- 
fusus conspicitur, laxe cellulosum; 

2 " Stratum corticali-gonidiale, ubi videre licet gonidia gigni 
in infera parte hujus strati minute cellulosi et intra cellulas 
(uec ullo modo e filamentis medullaribus vel m y e 1 o h y p fa i s , ut etiam 
dicipossunt) et simul gonidia, praesertiminclusa, vix ulla divisione 
multiplicari ; pauciora saepius gonidia inter radices superiores 
myelohypharum libera; 

3' Stratum meduUare album, ex myelohyphis laxe intertextis 
granuiationibusque inspersis formatum; 

4 ** Stratum covticale inferius crassum et soUdam^ in quo 
superius est et praedominans stratum cartilagineum ex filamen- 
tis conglutinatis (chondrohyphis) horizontalibus *) compositum 
(quale deest in parte concava cujusvis „pustulae" thallinae) et 
infra hoc stratum obvenit aliud inferum, etiam rigidum, cavitati- 
bus cellulosis minutis crebre excavatum; itaque hoe inferius so- 
lum sub ipsis „pustulis" obvium, strato chondroideo (e chondro- 
hyphis constituto) ibi deficiente. 

Pertusaria communis * leiotera facie externa est PertusariQC 
leioplacae^ sed sporis 1 — 2 in thecis. Fagicola in Dania (Bramth), 
in Gallia (Lamy). 

1) Auctor parum expertus hoc respectu loquitur de „filamentis longi- 
tudinaliter directis." Quid hoc significat in Umbilicaria, quae nihil habet 
longitudinale, sed membranam varie rotundatam sistit. Si dicta fuissent fila- 
menta corticalia sensu r ad tali (vel in sensu radiorum thalli) directis, hocce 
intelligibile aliquid obtulisset, sed ea longitudinal iter disposita invenire in 
thallo Umbilicariae est sane ridiculum. Inter alios baud paucos errores, quos 
idem scriptor quoque in hoc eodem capite committit, notetur adbuc, earn 
fitratam corticale chondroideum sumere pro medulla 1 



f 



4 






304 

Berichtigung. 

In meinen kleinem Artikel „Beitrag zur Moosflora von Spa- 

nien/' Flora 1874, No. 33, hat sich, durch ein Missverstanduiss 
meiiierseits, ein IrrtbuiB eingeschUchen. Das als Barhula mar- 
ginala sub Nr. 21 bezeichnete Moos gehort zu Barhula limhata 
De Notar,, einer der B, marginata Br. et Sch. allerdings nahe 
stehenden, aber durch weichere und viel breitere Blatter 
von ihr verschiedenen Art, welche seither nur in I tali en be- 
obachtet worden ist. — 

A. Geheeb. 



i:inlaiife znr Bibllotliek und zam Herbar. 

49. Bataviaasch Genootschap van Kunsten en Wetenschappen, Notulen Vol. 
Xn 1874 i\o. 1-3. 

50. Lotos. Zeitschrift fiir Naturwissenschaften. 24. Jahrg. Prag 1874. 

51. Verhandlungen des botaniscken Vereins der Provinz Brandenburg. 16. 

Jahrg. Berlin 1874. 

52. Jordan, de Texistence en societe des espeees affines. Lyon. 

53. Annalea de la societe d' Agriculture de Lyon* Serie 4, tome 4, 5, 6. 

54. Annales de la societe botanique de Lyon. Ann^e 1. et 2. 

55. Atti del reale Istituto Yeneto. Tomo 3. Serie 4. Dispensa 7. 8. 9. Venezia 

56. Alliormn adhuc cognitorum monographia auctore Regel, Petropolis 1875 

57. Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt 1875, Nr. 1—5. 

58. Flora Curiensis. Von Briigger. Chur, Casanova. 1874. 

59. Justus von Liebig, Denkschrift von Dr. E. Erienmeyer. MUnchen 1874. 

60. L. Radlkofer, Serjania Sapindacearum genus monograpMce descriptum. 
MUnchen 1875. 



1874. % 



1875. Nr. 1. 2. 



1875. 



LhagU' 



in Frag. 
Dresdae. 



Redacteur : Dr. Singer. Druck der F. Neubauer 'scben Buehdruckerei 

(F. Haber} in Regenaburg. 



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58. Jahrgang. 



Ns 20. 



Regensbnrg, 11. Jili 



187& 



Inlialt* F. Hildebrand: Ueber die Jngendati8t&nd« solcher Pflanzen, 
welehe im Alter Tom vegetativen Charakter ihrer Verwandten i^wtlc&en. — 
Dr. C. Sanlo: Schluas za den BemerkoBgett des Hem ProlDippel fiber 
die Sferuktur der ZellhSute waa Pinus savcBtris* — 




Ueber die Jagendzastande solcher Pflanzen, welche im Alter 

Veg^tiven Charakter ihrer Vervrandten abweichen 



t< 



von 

f* Hildetoaii 

Tafd vu a ^ 



Bei dem Zusammenfassen der Pflanzengattungea unlet den 
hoherea Begriff der Familie wird zwar in erster Linie auf die 



*iv 



Theile 



Afehnlichkeit 



aussjK* 



nach den Blutlieatbeilen gebildeten Familien findet man ab^ 
ancb eine mehr oder weniger hervortretende Verwandtschaft der 
▼egetativen Organe, so dass wir in sehr vielen Fallen bestimmea 
konnen, zn welcber Pflanzenfamilie ein Gewachs gehort, ohne 
dass wir dasselbe in BiUthe seben. In sulchen Familien kommeu 
utti dann am so auffallender diejenigmi Ausnahmen vor, wo die 
vegetativen Tiieile der Pianze vollstancjig yerscbiedes sind von 
denen ibrer Verwandten. Wie aber in vielen FAlleft bei einer 



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306 













naheren Untersuchung vort wunderbar ersclieinenden Ausnahmen 
dasWunderbare derselbenentwederschwiildet oqler uns zu andereii 
Gesichtspunkten fahrt, so anch hier. Deini Vfenn wir jene vom 
Familiencharakter abweichenden Pflanzen in ihfen Jugendzustan- 
den untersucSen, so fioden wir, dass diese Jugendzustande voll- 
standig mit dem Charakter der anderen Verwandten iiberein- 
stimmen, Schon Darwin') hat auf diese hochst iuteressanten und wich- 
tigen Erscheinungen aufmerksam gemacht, indemer unteranderem 
sagt: „®ewisse Organe des Individuums, die im erwacbsenen 
Zustande ganz verschieden werden nnd zu verschiedenen Zwe- 
cken'dienen, sind im Embryo durchaus gleich. A«ch dieEmbry- 
onen verschiodener Thiere einer und derselben Kiasse sind oft 
auffallend ahnlich, wovon kein besserer Beweis gegeben warden 
kann, als eiu Y.on Agassiz angefuhrter Fall, wo derselbe verges- 
sep hatle den Embryo irgend eiues Wirbeljhieres zu ^^ikettiren 
und nachher nicht mehr entscheiden konnte, ob deirselbe von 
einem SSugethiere, einem Vogel oder Reptil starame. Die wurm- 
artigen- Larven von Schmetteriingen, Fliegen, Bieneninsekten 

etc. habeti unteT^iiiander viel mebr Aebnlicbkeit als die eiwach- 
senen Insekten .... Die ersten Blatter (Jes Stechdornp undder 
mit Phyllodien versehenen Akazien sind gefiedert oder getheilt^ ^ 

wie dies gewohnlieh bei den Leguminosen der Fall ist." 

Wenn nun auch die beiden von Parwin an Pflanzen ange- 
fulivten Erscheinungen nnd nocb verschiedene andere ahnliche 
mehr oder weniger allgemein bekannt sein durften, s6 mftcKte i 

es doch nicht tiberfiussig sein einmal eine Zusammenstellung '; 

derselben zugeben und zu zeigefl, wle in alien solchen abnorm j 

aussehenden Fallen, wo die j^egetftfeiven Theile einer erwacbsenen 
Pflanze von dem Charakter ihrer sonstigen Verwandten abwei- 
chen, diese Abweichung in den Jugendzustanden nicht vorkommt j 

und wie dieses Verhaltniss auf eine faktische Verwandtschaft 'j 

' 

jencr Pflanzen und ihre Abstammung von gemeinsamenVorfahren 
liindeutet. Uebrigens werden sich auch wohl einige Falle finden, 
welche weniger bekannt und vielen ganz neu sein dlirrten. 

Besprecben wir znerst die Falle, wo die Stengel einer BlaU- 
spreite ahnlich geworden, die sie vertreten; dann von der Um- 
wandlung der Btattstiele in Gebilde, die Blattspreiten ahnlich; 
welter von den Fallen, wo die Blattspreiten selbst verandert 
werden, und schliesslich den Erscheinungen, wo die Nebenblatter 
die Blattspreiten vertreten. 

13 Darwin: Origin, of Species, Fifth Thausend p. 438. 






30T 

1. Pflanzeri, bei denen die Stengel blattsprei- 
tenartig sind. 

Carmichaeliajiustralis, Fig. 1. 

Bei den erwachseuen Pflauzen von Carmichaelia ^jftustralis 
siiid bekanntlich die Zweige alle plattgedriickt und blattahnlich ; 
sie besitzen nur kleine Schuppenblattchen, in deren Achseln die 
Bluthenzweigeentspringen. Bei der Keiraung zeigen sich nun 
folgende Erscheinungen; Die beiden fiber die Erde kommenden 
Kotyledonen haben eine elliptische Gestalt, wie die verwaudten 
Gattungen, oberiialb der Kotyledonen zeigt der Stengel schon 
eine kleine Verbreiterung und es sitzen an ihm ein bis zweige- 
stielte herzformige Blattclien. Ueber dem Ansatz dieser wird 
der Stengel noch flacher und es folgen nun bis zu 5 zusammen- 
gesetzte Blatter. Von diesen sind die ersten iminer dreizahlig 
und haben berzformige Blattchen, wahrend die letzten oft gefie- 
dert sind, mit 2 Fiederpaaren und einem Endblattchen, Auf 
diese gefiederten Blatter Iblgt dann wieder ein dreizabliges, und 
dann ist es mit der Bildung hervortretender Blatter aus, indem 
nun an dem ganz flach gewordenen Stengel nur kleine Schuppen 
an Stelle der Laubblatter erscheinen. Wie bei vielen Gewachsen 
so treten aucb hier aus den Achseln der Kotyledonen bisweilen 
Zweige hervor, die sich beinahe ganz so verhalten, wie die 
Ilauptaehse, erst weniger platt sind, mit einfachen oder dreizah- 
ligen Blattern und darauf ganz flach mitkleinenSchuppenblattern. 

Hiernach sehen wir, dass die vom Typus der Leguminosen 
in der Bildung der vegetativen Theile so sehr abweichende 
Carmichaelici^australis in ihrer Jugend durchaus dem Typus ihrer 
Verwandten entspricht. Aehnlich, wenn auch in gewisserWeisse 
abweichend verhalt sich die Sacbe bei 

Bossiaeaj'ufa Fig. 2. 

Hier sind die Zweige der erwachsenen Pflanze ganz flach 
durch FlUgelung des holzigen Mitteltheiles; anstatt der Blatter 
stehen an den scharfen Eandern in regelmassigen Abstanden 
vertheilt nui je zwei kleine spitzige Stipulae; von Blattspreiten 
ist nichts vorhanden. An den Keircpflanzen fanden sich hinge- 
gen folgende Verhaltnisse: die Hauptachse derselben zeigte fain- 
ter den beiden eiformigen Kotyledonen bis zu ihrem Ende keine 
merkliche Verbreiterung und war mit ungefahr 10 ziemlich lang 
gestielten Blattern besetzt, deren Spreite eine verkehrt eiformige 
Gestalt hatte. Oberhalb dieser 10 Blatter erschien die Haupt- 

20* 




I 



308 

L 

achse in ihrem Wachsthum gehemmt, indem sie sich auch nach 
langerer Zeit nicht weiter entwickeite. Anstatt dessen traten aus 
der Achsel der Kotyledonen Seitenzweige hervor, die an ihrem 
unteren Theil der Hauptachse glichen, weiter nach ihrer Spitze 
zu aber sich allmalig verbreiterten; ebenso glichen die unteren 
Blatter dieser Zweige denen der Hauptachse, wahrend die weiter 
nach oben stehenden mehr und mehr lineal-lanzettlich wurden 
aber noch deutlich eine Spreite zeigten. Anders verhielt sich 
die Sache mit Zweigen, die unterhalb der Kotyledonen aus der 
Hauptachse bervorsprossten, deren Achse vonAnfangan eineVer- 
breiternng zeigte und nur ein eiformiges Blatt besass, worauf 
lineale lanzettliche folgten, bis endlich weiter nach oben, bei 
noch starkerer Verbreiterung der Stengel nichts mehr vom Haupt- 
blatt zu sehen war, sondern an den Knoten nur die beiden klei- 
nen Stipularschuppchen standen. 

So stellte sich hier an den Keimpflanzen von Bossiaea .rufa 
ein interessanter Entwickelungsprozess dar, indem die bald ver- 
ktimmernde Hauptachse nebst ihren Blattern denen anderen Ar- 
ten von Bossiata z. B. macrophylla und cinerea glich, wo noch 
kein Anfang zu einer Phyllokladienbildung bemerkbar ist. In 
weiterer Folge standen dann die aus den Achseln der Kotyledo- 
nen entspringenden Zweige, in der Vegetationsweise wieder an- 
deren Arten von Bossiaea z, B. B. linophylla und spinescens 
gleichend, indem sie zwar noch beblattert waren aber schon 
einen verbreiterten Stengel besassen. Erst bei den hypokotyle- J 

donaren Zweigen trat nach einigen Blattern die reine Phyllokla- j 

dienbildung auf, wie sie sich an den Zweigen der erwachsenen \ 

Pflanzen von Bossiaea rufa zeigt. Wir sehen hier also, urn die 
Sache von der entgegengesetztenSeite zu betrachten, ein bemer- 
kenswerthes Verhaltniss, wo wir in einer und derselben Gattung 

1 

Arten haben, die sich auf den verschiedenen Stufen zut Phyllo- 
kladienentwickelung befinden, welche Stufen dann an den Keim- 
pflanzen der mit vollstandigen Phyllokladien versehenen Arten 
hinter einander an einem und demselben Individuum sich aus- 
bilden. Es durfte dieser Umstand wohl hinlanglich dafur spre- 
chen, daBS die Vorfahren ailer Bos~siaea- Arten gestielte eiformige 
Blatter besassen, die denen ahderer, verwandter Leguminosengat- 
tungen glichen, und dass erst allmalig bei einzelnen Arten die 
Phyllokladienbildung aufgetreten, welche bei den einen auf er- 
ster Stufe stehen geblieben , bei den andern den hSchsten Grad 
der Ausbildung namlich die voUstandige Blattlosigkeit erreichte. 












T^^ 



309 

Aehnlich wie die Keimpflanzen von Bossiaea rufa werden sich 
auch wohl die von B. scolopendrina und ensafa verhalten, wo 
auch an den erwaehsenen Pflanzen jede Laubblattbildung fehlt 

Muhlenbeckiajplatydada Fig. 3. 
An den raehr oder weniger erwaehsenen Pflanzen dieser 
Polygonee sind die Zweige sehr stark flach gedriickt und zeigen 
keine Spurmehr von Blattspreiten, an deren Stelle sich an den 
Knoten nur kleine hautige Schiippchdu bcfiuden. Leider wollte 
es bis dahin nicht gelingen Keindinge zu erziehen, da die bei 
uns sich ausbildenden Samen dieser Pllanze taub sind; doch 
konnen wir wohl mit einiger Berechtigung schliessen, dass diese 
Keimlinge in ibrer BlattbilduDg denjenigen Zweigen gleichen 
werdefl, die raanchmaJ nh eine Art vottEUekschlag an SieckUngs- 
pflanzen von Muhlenheckia jplatyclada auftreten. Es wird hier 
ganz der gleiehe Fall vorliegen wie bei einigen Arten von 
JuniperuSj Cupressus und Acacia wo die beblatterten Zweige, 



welehe sich manchmal an erwaehsenen Pflanzen bilden ganz den 
Keimlingen gleichen. Man kann an diesen beblatterten Zweigen 
von Miihlenbeckia j)latyclada eine ganze Uebergangsreihe finden, 
deren Ausgangspunkt der ist, dass die Achse nur wenig verbrei- 

tert ist, und an ihr vollstandig ausgebildete pfeilformige Blatter 
sitzen, die denen anderer Arten \on Muhlenbeehia und Polygonum 
vollstandig gleichen. Eine weitere Stufe ist die, wo der SterTgel 
schon mehr bandformig ist, jedoch noch an ihra sich Blatter be- 
finden, die aber schon eine lanzettlicheForm angenommen haben; 
bei weiterer Yerbreiterung des Stengels werden diese Blatter im- 
mer schmaler und schmaler, bis sie endlich vollstandig abortiren 
und wir eiu ganz blattloses Phyllokladium vor uns haben, dessen 
Ansehen nicht zu dem Gedankea kommen lasst, dass wir hier 
eine den Polygonum-Arten verwandte Pflanze vor uns haben. 

Wahrend bei den vorhergehenden Pflanzen der Stengel unter 
Verlust der Blattbildung eine bandartige Form annahm, kommen 
wir nunmehr zu solchen Fallen, wo die Zweige zu griinen, blatt- 
losen Dornen sich umbilden: 

Colletia_spinosa* 

An den mehr erwaehsenen Pflanzen von Colletia spinosa fin- 
den wir fast gar keine Blatter, sondern dieselben werden durch 
griine Dornenzweige fur das Leben der Pflanze ersetzt. Auch 
hier ist bei den Keimpflanzen das Verhiiltniss ein anderes. An 
diesen haben wir zuerst zwei eifCirmig-rundliche Kotyledonen, 
auf welcbe kurzgestielte lanzettliche am Rande gezahnte Blatter 



310 

an der Hauptachse hinauf folgen. In den Achseln der Kotyle- 

donen bilden sich meist belaubte Zweige aus , ebenso auch oft 

in den Achseln der ersten Laubblatter, so dass man an diesen 

jungen Pflanzen noch keiue Aehnlichkeit rait den erwacbsenen, 

wegen der mangelnden Dornbildung findet. Meist erst in den 

Achseln der boher hinauf stehenden Laubblatter bilden sich die 

Dornenzweige aus: diese beginnen meist mit einem Paar kleiner 

gezahnter Laubblatter, in deren Achseln ein einfacher D.orn sich 

findet, Oder es entwickelt sich von diesen Laubblattern nur eines 

gleichfalls mit Dorn in der Achsel, wahrend ihra gegentiber ein 

Dorn, ohne Blatt an seinem Grunde, steht. Manchmal hat auch 

einer dieser beiden Dome noch einen oder zwei seitlicheDornen 

ohne Sttitzblatt, doch welter geht die Entwickelung dieser Zweige 

nicht, ebenso wie die Spitze der beblatterten in der Achsel der 

Kotyledonen befindlichen Zweige bald zu wachsen aufhort 

Weiter nach oben bilden sich an den Dornzweigen etweder 

gar keine Blatter aus, oder diese, von geringerGrosse, fallen bald 

wieder ab. Uebrigens geschieht auch dieses Abfallen vielfach an 

den tiefer stehenden Dornenzweigen, so dass spater fast keine 

Spur mehr von Blattern, auch an denKeimpflanzen zu finden ist* 

Auch bei CoUetia^bictoniensis tritt die Blattbihlung gegenuber 
der Bildung blattartiger Dornenzweige vollstandig in denHinter- 
grund. Es sind hier zwar an den einzelnenZweigen der erwacb- 
senen Pflanze kleine opponirte, kurzgestielte, eiformige Blattchen 
vorhanden, dieselben haben aber im Verhaltniss zu den in ihren 
Achseln stehenden Dornzweigen nur eine kurze Lebensdauer. 
An diesen Dornenzweigen bilden sich noch kleinere unbedeuten- 
dere Blatter aus, und die letzten Dornenzweige stehen in der 
Achsel von nur ganz kleinen unseheinbaren Schtippchen. Wir 
sehen hier also das Zurucktreten der Blattbildung gegeniiber der 
Dornenzweigbildung an der erwacbsenen Pflanze einestheils durch 
ein direktes Unterbleiben der Entwickelung grosser Laubblatter, 
anderntheils in dera baldigen Abfallen dieser begrundet. Zwar 
war es nicht moglich Keimpflanzen von CoUetia bictoniensis zu 
beobachten, doch ist wohl im Anschluss an die bei CoUetia jpi- 
nosa vorkommenden Verhaltnisse gestattet anzunehmen , dass 
auch hier sich zuerst grosse Blatter ausbilden und erst spater 
die Dornenbildung auftreten wird. 

Ob hQi CoUetia JEphedr a, in deren Diagnose „foliis nuUis" 
steht, niemals Blatter sich finden durftesehr zweifelhaft sein, wenn 
auch vielleicht an der mehr erwacbsenen Pflanze dieselben sich 



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9 



^ 



311 

erst gar nicht enfwickeln, so ist wohl zu vermathen, dass an 
Keimpflanzen eine ahnliche Blattbildung auftreten wird, wie bei 
CoTletia^p inosa, 

Bei einer Betrachtung aller Arten der gesammten Gattung 
CoUetia^ welche der Gsiiinng Ceanothus unter den Rhamneen am 
nachsten steht, ist wieder das interessante Verbaltniss zu kon- 
statiren, dass es auch hier Arten giebt, welche ihre ganze Le- 
benszeit uber deni vegetativen Charakter ihrer VerwaBdten treu 
geblieben, indem sie, wie z, B. Colleha jerraHfolia mit ausgebil- 
deten Laubblattern versehen sind. 

Ulex europaeiis. Fig. 4. 
Besonders interessantln der Abweichnung vom vegetativen 

Charakter der Papilionaceen sind die erwacbsenen Pflanzen von 
Vlex europaeus, indem hier keine Spur von B!attern zu finden 
ist, soiidern alles von Dornen staart, die theils in umgewandel- 
ten Zweigen, theiJs in nmgewandelten Blattern besteheu. Auch 
dieser Zustand hat sich erst, wie die Keimpflanzen zeigen, aus 
einem anderen herausgebildelt, der im Einklange mit dem vege- 
tativen Charakter anderer verwandter Papilionaceen steht. 

Die beiden Kofyledonen von Ulex europaeus sind eiformig 
und stiellos, Fig. 4 a,, wie bei vielen Papilionaceen; auf sie fol- 
gen zwei bis drei kleine eilormige Blatter, b., deren Spreite sich 
an ihrer Basis allmalig in einen kurzen Stiel verschmalert. An 
diese schliessen sich 6 und mehr gestielte dreizahlige Blatter, c, 
deren Theilblattchen eine eiformigeGestalt besitzen und an ihrem 
Rande nach oben etwas umgebogen sind. Die derartigen drei- 
ziibligen Blattcben schliessen sich bei einigen Keimpflanzen mit 
Ueberspringung der soeben erwahnten eiformigen direkt an die 
Kotyledouen an. Nun folgt an den hoher stehenden dreizahligen 
Blattern eine allmalige Umwandelung in stechende Organe, indem 
ihre Theilblattchen immer schmaler und schmaler werden, d; 
weiter kommt dann ein Blatt, an dessen niittlerem Endblattchen 
sich nur eines der beiden seitlichen Theilblattchen entwickelt, e, 
Oder es schliessen sich unmittelbar an die dreizahligen Blatter 
einfache lineale, f u» g. Von diesen sind die unteren noch nicht 
stechender Natur, die weiter nach oben stehenden nehmen dann 
allmalig eine Starrheit an, bis es schliesslich zur Bildung von 
spitzigen Nadeln kommt, welche sich auch weiterhin an den sich 
entwickelnden Seitenzweigen ausbilden. Die Bildung von Seiten- 
zweigen fiudet schon bei den Keimpflanzen meist in den Achseln 
dor unteren eiformigen oder dreizahligen Blotter statt. Diese 



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312 

Seitenz^eige haben uuten lineale, scfaon etwas spitzige Blatter, 
die -weiter nach oben stehenden gehen bald in die spitzigen 
stechenden Nadeln liber. Diejenigen Seitenzweige hingegen, 
vrelche aus denAchseln der hoher an derHauptachse befindlichen 
linealen Blatter entspringen, haben sogleich von ibrer Basis an 
stechende Nadelblatter. 

In dieser Weise sind an den jungen Pflanzen von Ulesc 
europaeus alle stechenden Organe aus Blatteru entstandei\. Bei 
weiterer Entwickelung sehen wir aber auch Zweigdornen, and 
zwar schliesslich diese hauptsachlicb auftreten. Es horen nara- 
lich bald die in den Achseln der Nadeln sich bildenden Zweige 
auf an ihrer Spitze zu wachsen und endigen bier mit einem 
starken Dorn; ebenso entstehen in den Achseln ihrer Nadeln 
aeitliche, mit einem Dorn endigende Zweige, die sich wieder. 
seitlich durch Dornen in den Achseln ihrer Blatter verzweigen 
konnen, so dass wir schliesslich an denZweigen der alten Pflan- 

r 

zen ein buntes Durcheinander von Dornen haben, die zum Theil 
untereinander sich vollstandig gleichen, von denen aber die einen 
mngewandelte Blatter sind, die anderen, in den Achseln dieser 
stehenden, umgewandelte Zweige. 

Wir sehen hiev also im Alter an den vegetativen Theilen 
von Ulex iuropaeus keine Spur von Aehnlichkeit mit dem ver- 
wandten Sarothamnus und den dornlosen Arten von Genistc^, 
vrahrend eine solche Aehnlichkeit an den Keimpflanzen uns aeul- 
lich entgegen tritt. Wahrend nun bei Ulex europaeus jede Spur 
der Herkunft an der erwachsenen Pflanze verwischt erscheint 
wird. 

Genista _germanica 

besonders dadurch interessant, dass hieran der erwachsenen 
Pflanze sich theils eine Abweichung vom Familiencharakter, 
theils eine Uebereinstimmung mit diesem zeigt. Die Hauptach- 
sen sind namlich mit eifonnig-lanzettlichen nicht stechenden 
Blatteru besetzt, welche denen anderer Genista-Arten sehr abn- 
lich sind, vyahrend die in den Achseln dieser Blatter stehenden 
kurzen Seitenzweige mit einem stechenden Dorn endigen und 
mit schmaleu, theils stechenden Blattern besetzt sind, die in ihrer 
Achsel mehrfach wieder einen kurzen Dornzweig zeigen. Die 
blUthentragenden Zweige sind dann wieder ganz dornlos, mit ei- 
lanzettlichen Blatteni versehen; sie entspripgen am Grunde der 
seitUchcu Dornenzweige. 



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Busselia iuncea und iunceoides. 



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318 



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Bevor mr diejenigen Falle verlassen, bei denen die vegeta- 
tiven Theile abweichend von den Verwandten der betreflfenden 
Pflanzeuarten, durch Stengelgebilde hauptsachlich reprasentirt 
werden, wollen wir noch der Busselia iuncea und iunceoideskntze 
Erwahnung thun, wenn auch von diesen die Keimpflanzen nicht 
beobachtet worden, wo aber die Riickschlage, welcbe sich an 
einzeloen ScbSsslingen finden, einen ebenso guten Aufscbluss 
iiber die Beschaffenheit der Vorfahren dieser Gewachse liefern, 
wie bei anderen Fallen die Keimpflanzen. An den erwachsenen 
Exemplaren der genannten Russelia-Arten finden wir namlich die 
liberwiegende Menge der hangenden stark verastelten Zweige fast 
ohne alle ausgebildeten Blatter; an den aussersten Verzweig- 
UDgen treten nur ganz unscheinbare kleine Scbiippchen auf, und 
an den vorhergehenden Gliedernngen der Pflanze nur kleine, 
pfriemliche bis lanzettliche Blattchen, die man beim ersten An- 
blick fast ganz libersieht^und die auch ziemlich zeitig anfangen 
abzutrocknen. Ein anderes Verbaltniss beobachteu wir an den- 
jenigen kraftigen Schosslingen, welche nahe der Basis der Pflan- 
zenstocke entspringen, Diese sind namlich mit ziemlich grossen 
Blattern versehen, abnlich denen anderer Eusselia-Arten z. B. 
B, sarmentosa; diese Blatter ^tehen in vierzahligen Wirteln und 
treten dadurch noch urn so mehr in die Erscheinung. In den 
Achseln dieser Blatter entstehen nun Zweige, an denen man oft 
schon die allmalige Abnahme der Blattbildung wahrnefamen kann, 
indem sich bier die verscbiedensten Uebergange von noch ziem- 
lich grossen Blattern bis zu den ganz unscheinbaren Scbiippchen 
beobachten lessen , und bier je starker die Verzweigung eintritt, 
desto mchr die Ausbildung der Blatter zurUckbleibt Ganz Ehnlich 
wird es sich jedenfalls mit den Keimpflanzen der genannten Ar- 
ten verhalten. 



(SchluBS foigt) 



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314 

SehlBSS 

zu den Bemerknngen des Herrn Prof. D i p p e 1 

ttbcr die Strnktnr der Zellhaute von M^nus silveriris 

in Flora 1875 p. 162. 

▼on Dr. C. Sanio, 

Dass meine Zuriickweisung *) der Dippel'schen gegen meine 

Entwickelungsgeschichte des Holzes gerichteten Angriffe sobald 

eine Antwort erhalten wiirde, habe ich von me in em consoli- 

dirten Standpunkte aus allerdings nicht erwartet, da die fiir 

mich ungeheuerlichea Behauptungen DippePs, nachdem sie 

von mir hervorgehoben waren, nach meiner Ansicbt zur Vorsicht 

batten rathen konnen. 

WennDippel in meiner Entgegnung die (persi)nliche?)Scbarfe 

der Kritik vermissfc, so ist dies Folge vollkommener Gemuthsruhe 
bei der Abfassung jenes Artikels, me sie ein gesichertes Wis- 
sen gewabrt. An sachlicber Scbarfe ist dort kein Mangel. Dass 
ich Dippel irgend welche Waffen in die Hand gegeben, beruht 
auf volliger Unkenntniss meiner Waffen. Dass icb Dippel in Be- 
zug auf die „MittelIammelle" babe nachgeben mtissen, thut mir 
allerdings leid, da meine Auffassung einfacher war. Wenn sich 
aber Dippel der fUr ihn erfreulichen Hoffnung bingiebt, dass icb 
mich allraahlig zu seiuen Auffassungen bekehren wiirde, so thut 
er mir Leid, denn damit werde ich ihm nimmer dienen konnen. 
Es hiesse dies, das Tnch fur einen Faden opfern. 

Dippels Schrift iiber Intercellularsubstanz und deren Entsteh- 
ung, die derselbebezUglich der Resorbtionstbeorie anziebt, ist mir 
allerdings unbekannt, doch ist dies fur vorliegenden Fall nicht 
von Belang, da es sich bier um ganz einfache Thatsacben, auf 
die ich meine Schliisse baue, handelt. Bei dem Cambium des 
jnngen Triebes im ersten Jahre sind Radial- und Tangentialwande 
einander an Dicke gleich. In spatern Jahren, namentlicb sehr 
aufTallig bei dicken Stammen, sind dagegen die radialen Wande 
auffallend dicker: Da sich diese radialen Wande durch Chlor- 
zinkjod deutlich violett farben, also aus Cellulose besteben, da 
ferner ersichtlich nur ein Theil dieser radialen Wande zu den 
anstossenden Cambiumzellen gehort und eine andere Entsteb- 
ung von Cellulose als aus der Zellmerabran unbe- 
kannt ist, da schliesslich in dem mittlern Theil der radialen 

1) Von den Druckfebiern in jenem Artikel bitte ich wenigstens einen zu 
corrigiren, nemlicli p. 553 in Fl. 1874 Zeile 3 von Oben statt„Tocht8rzeUen" 
iiToehteTzellenpaare^^ ku aetzen. 



J 



315 

Wande, welcher sicb mit Chorzinkjod mit anderem Tone violett 
fiirbt, die allgcmeiDen Uinrisse vorhergegangener Mutterzellen, 
bis zura zweiten Grade zuweilen zu erkennen sind, so schliesse 
ich, dass diese Zwischenmasse aus den Membranen vorhergegan- 
gener Mutterzellen hervorgeht. Dass diese Membranen dabei 
eine chemische und physikalische Umanderung erfahren, ist nach 
deui verschiedenen optischen und cbemischen Verhalten sicher, 
man kann diese Veranderung aber doeh unmoglich eine Verfliis- 
sigung nennen, da dieser Stoff nie in diesen Zustande beobachtet 
wird. Aus dem Umstande, dass diese Zwischenmasse mit den 
Jahren trotz der bedeutenden Dehnung der radialeu Wande auf- 
fallig an Dicke zunimmt, schliesse ich, dass die Mutterzellhaute, 
aus denen diese Zwischenmasse entsteht, im Cambium nie resor- 
birt werden, sondern unter chemisch-physikalischer Veranderung 
die Zwischenmasse vergrossern. Dass ich behauptet haben soil, 
bei Dippers Fig. 1 Tab, VIII in hot, Zeitung 1860 fehle diese 
Zwischenmasse, is,t eine falsche Unterstellung von Dippel, ich 
sagte nur , dass hier diese Verhaltnisse undeutlicher seien, 
als bei altem Holze. Dass bei dem ersten Jahrringe trotz seiner 
haufigen Theilungen diese Zwischenmasse nicht so schnell an- 
wiichst, als bei altem Holze, ist in der grossern Feinheit der 
Cambiumzeilhaute begrundet. 

Die Bemerkung Dippels, dass, sowie ich die Fig. 2 Tab. V 
und 3 Tab. VII gezeichnet, kein guter Schnitt den Sachverhalt 
zeige, ist erstaunlich. Zwar kann ich die Fig. 2 Tab- V nicht 
vergleichen, da ich auf der Originalzeichnung die Nummer der 
Platte, auf der sich das Priiparat befindet, nicht bemerkt babe; 
indess ist Fig. 3 Tab. VI. der angezweifelten ganz ahnlicb und 
finde ich, dass sie, soweit sich dies darstellen lasst, vollkommen 
naturgetreu ist. Schade, dass Dippel nicht angegeben, was ibm 
an jener Figur so zweifefhaft vorgekommen; indess, um Dippel 
meine vollstandige Herrschaft im Cambium zu beweisen, will ich 
ihm selber sagen, was er vom Standpunkte seines Wissens nicht 
hatte verdauen konnen, es ist dies die Dicke der Querwande der 
Cambiummutterzellen, die ihm in dieser Weise wohl noch nie 
vorgekommen. Ich gesfebe selbst , dass, nachdcm ich diese 
Zeichnungen mit Hilfe des Prisma angefertigt, mir dieselben 
gaaz fremdartig vorkamen. Ich ersebe daraus, dass Dippel 
Cambiumschnitte nur aus dem Frublingsholze vor sich hatte, wo 
bei der Schnelligkeit der Theilungen die Querwande im Cambium 
nicht zu besonderer Dicke heranwachsen konnen, da sie schnell 



I. 



316 

zum Holze oder Baste tibertreten. Im Herbstholze ist es anders, 
ja es ist mir kaum zweifelhaft, dass hier wie beim Borke 
(cf. Sanio in Pringsh. Jahrbtichern II p. 80) die Zellenbildung 
eine Zeit lang aufhort um dann (dem zweiten Safttriebe entspre- 
cbend?) von neuem zu beginnen. An solchen Praparaten ' ist 
das von tnir aufgestellte Zellenfolgegesetz fiir das Cambium erroit- 
telt, wozu ich gegen Dippel bemerke, dass es, so schwierig die 
Urtheilsbildung auch war, vollkommen richtig ist. Dass die 
Wande der Cambiumzellcn an den radialen Wandstiicken doppelt 
contourirt seien, ist denn doch nicht so schlechtweg zu behaup- 
ten; wo die radialen Wande dUnner sind, ist dieae Zusammen- 
setzung zumal an etwas grobern, tibrigens guten Schnitten, kei- 
neswegs so deutlich siehtbar. Dass ich sie in der Fig. 2 Tab. V 
und 3 Tab, VI nur theilweise gezeichnet, hat seinen Grund da- 
rin, dass ich sie nur da aufnahm, wo sie deutlich hervortrat, da 
diese Figuren nur fiir die Ermittelung der Zellfolgen entworfen 
wurden. Eine Abbildung hat vorzugsweise nur das zu zeigen, 
was der Autor beweisen will; alles, was fiir den vorliegenden 
Fall nnerheblich ist, kann weggelassen werden; es fordert dies 
die sachliche Rucksicht, die Riieksicht auf Autor und Verleger, 
der die Herstellungskosten der Tafeln zu decken hat. Ebenso 
konnte Dippel verlangen, dass bei der Darstellung morphologi- 
scher Verhaltnisse auch das Zellgewebe, das der Schnitt sieht- 
bar macht, mitgezeichnet werde. Es ist tibrigens besser, etwas 
undeutliches und fUr den vorliegenden Fall bedeutungsloses weg- 
zulassen als etwas hincinzuzeichnen, was in der gezeichneten 
Weise nicht da ist oder uach dem Thatbestande nicht da sein 
kann. 

Da nuD, wie Dippel selbst zugiebt, im altern Cambium zwi- 
schen den radialen Membranen der Cambiumzellen sich eine 
Masse findet, die aus Cellulose besteht, da ferner die Entstehung 
der Cellulose nur aus Zellmembranen bekannt ist, so ist, zumal 
Spuren vorhergegangener Mutterzellhaute zuweilen zu bemerken 
sind, zn folgern, dass diese Cellulose aus den Membranen der 
vorgegangenen Mutterzellen entstanden ist.' Es istdabei, bei 
der Yerschiedenheit im optischen und chemischen Verhalten eine 
cbemische Umanderung anzunehmen, mit der die Erkennbarkeit 
der Mutterzellhaute verloren geht. Dass diese Masse hier nicht 
zu grosserrr Machtigkeit anwachst, erkliirt sich aus der Feinheit 
der Cambinmzellenmembranen und aus dem Umstande, dass diese 
Masse bei der Zellbildung fortwahrend bald nach Innen bald 



w 



317 

nach Aussen ausgesponnen wird, je nachdem die Cambiam-Toch- 
terzellen zum Holze oder Baste tibertreten. Wiirde das Cambium 
fiir jede radiale Reihe zwei Mutterzellen haben, so wiirde diese 
Substanz bedeuteiid anwachsen ; da dies leztere nicht der Fall ist, 
so kann man schon daraus scbliessen, dass im Cambium nur je 
eine Mutterzelle fttr jede Reibe vorhanden sei. Der Beweis, den 
Dippel aus meiner Fig. 1 Tab. V fiir diese Zwischenmasse zieht, 
will nicbts sagen, da sich bier die Zellen dieser Reibe b, die 
grosstentbeils zum Baste tibergegangen sind, bis jetzt nur wenig 
gestreckt baben. Dass die Zwiscbenmasse im Holze nicbt re- 
soibirt, sondern durch Dehnung verdlinnt und zugleicb compri- 
mirt werde, ist gewiss, da sie sicb bier zwischen den Zellen nach 
der Maceration nocb nachweisen lasst, Dass die Annahme der 
Compression einer an sich dtinnen Masse bei ibrer Lockerheit 
aus physikalischen Riicksicbten schwierig sei, finde ich durchaus 
nicbt, zumal bier vermuthlich nocb ein Wasserverlust stattfindet, 
Ein zweifclbafter Punkt ist alierdings aucb mir geblieben, ncm- 
lich das Verhalten der Zwiscbenmasse an den tangentialen Wan- 
den. Ob sie hier iiberall vorhanden, oder wie das entmckelungs- 
geschicbtlicbe Raisoennement ergeben (cf. Flora 1874 p. 553), 
zwischen zwei Schwesterzellen lehlt, ist offene, aber wahrschein- 
licb nicbt mit Sicberbeit festzustellende Frage. Dippels ein- 
facbe Versicherung (Flora 1875 p. 167), dass die Zwiscbenmasse 
iiberall vorbandeu sei, kann hier nicht geniigen. Dass dieae 
Zwiscbenmasse der Einwirkung coucentrirter Schwefelsaure mehr 
widersteht, als die verholzten Membranen der Holzzellen ist, 
durcbans nicbt so auffallend, wie Dippel meint, sondern im Ge- 
gentheile ganz nattirlich. Die Zwiscbenmasse verholzt von alien 
urspriinglich aus Cellulose bestebenden Theilen des jungen Hol- 
zes zuerst und namentlich zuerst an den Ecken, wo sich 3 oder 
4 Zellen bertibren. Indem sich der grOsste Theil ibres Cellulose- 
gehaltes in Holzstoif verandert, erhalt sie dadurch eine grossere 
Widerstandskraft gegen die Wirkung der Schwefelsaure. Dass 
die schwache Blaufarbung dieser Zwiscbenmasse nach der Ma- 
ceration nicht aaf optischer Tauschung beruhe, ist mk nicht 
zweifelhaft. Die Fig. 2 Tab. VII ist sichere Beobachtung wenn 
aucb die Blaufarbung der Zwiscbenmasse, die hier als Zellmem- 
bran erscbeint, vielleicht zu intensiv ist. Dieses Praparat 
war es, was mich zu dem Irrtbum veranlasste, dass die Zwi- 
scbenmasse nach der Maceration identisch sei mit dem primaren 
Netzwerke selbst. 



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318 

Nach uieinen Untersuchungen also verwandclt sich die Zwi- 
schenmasse in den radialen Wanden der Cambiumzellen unter 
bedeutender auf Kosten ihres Cellulosegehaltes stattfindender 
Verholzung in Intercellularsubstanz, in der nach Entfernung des 
Holzstoffes der schwache Rest von Cellulose noch nachweisbar 
ist. Dass es Zustiinde nach der Maceration giebt, an denen obne 
Anwenduug von Chlorzinkjod die Zwischenmasse optisch gar 
nicht nachweisbar ist, ist gewiss; ich besitze selbst ein Praparat 
bei dem die Zellen mit einander fest zusammenhangcn, obwol 
sie sich nicht beriihren, sondern durch einen scheinbar leeren 
Raum von einnuder getrennt werden, Dass hier indess zwischen 
den Zellen sicher ein Bindemittel vorhanden ist (eben der Cel- 
lulosenrest) ist mir nicht zweif'elhaft da „Nichts" niemals ein 
Bindemittel sein kann. Nach dem ich durch Druck einige Zel- 
len von einander getrennt, war es mir gelungen, wenigstens 
nebenzwei Zellen diese sehrhelle Zwischensubstanz wahrzunehmen. 

Dippels jetzige Ansicht iiber die Zwischenmasse in der pri- 
maren Membran ist eine Combination der beiden von mir daru- 
ber geausserten Ansichten (bot. Zeitg. 1863 p. 362 und Prings- 
heim's Jahrbiicher Bd. IX p. 65 etc.), von der in letzterer Zeit- 
schrift geausserten Ansicht nimmt er die Resorbtion der Zwi- 
schenmasse in den radialen Wanden des Cambium beim XJeber- 
trilt zuiu Hoize an, von der 1863 von mir geausserten Meinung, 
wo ich eine solche Resorbtion keineswegs angenommen hatte^ 
eignet er sich die .Annahme an, dass die Zwischenmasse im 
Holze (Intercellularsubstanz) aus den Cambiumzellen selbst ent- 
stehe. Nach meiner jetzigen Ueberzeugung endlich entsteht die 
Zwischenmasse zwischen den primaren Wanden in der Radial- 
richtung aus der Zwischenmasse im Cambium, die selbst durch 
chemisch-physikalische Umanderung aus den Mutterzellhauten 
der vorhergegangenen Theilungen entstanden ist. Ueber diese 
Ansicht werde ich nicht hinausgehen, Zwei an sichunbedeutende 
Fehler in meiner Entwickelungsgeschichte des Holzea, also, der eine 
erst in seiner Verbesserung in der Flora 1874, gaben Dippel 
den Muth zu so vielen Anlaufen gegen den ganzen Bestand der 
Arbeit, 1, die Annahme einer Resorbtion der Zwischen- 
masse in den radialen Wanden des Cambiums beim Uebertritt 
zum Hoize zwischen zwei Zellen (denn zwischen 3 oder 4 Zellen 
hatte ich allerdings das Verbleiben der Zwischensubstanz und 
Umanderung deraelben in die Intercellularsubstanzzwickel fest- 
gestellt) nnd 2, die Deutung, die ich der Zwischensubstanz 



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319 

beim f ertigen Holze nach der Maceration gab : ich hielt damals 
dieZwiscbensubstanz, durch dastauschende Praparat auf Tab. VII 
^g. 2 verfuhrt, fiir das primare Netzwerk selbst und rechnete 
deshalb die primare Membran selbst zur secundaren Verdickung. 

Die Bemerkung Dippels uber Farbendiflferenz iiberrascht 
mich. Wenn Dippel, nachdem ich gegen Schacht die Gelbfarb- 
ung der tertiaren Innenauskieidung bei verholzten Zellen durcb 
TChlorzinkjod festgestellt; und Dippel trotz meiner Auseinander- 
setzung Schachts Meinung vertheidigt hatte, sich schliesslich zu 
meiner Farbenaufl'assuDg bekebrte, so war nicht die Natur son- 
dern ich sein Wegweiser. Wenn Dippel, trotzdem er hier hatte 
naehgeben mussen, fiir die cambialen Zellhaute eine andeveFarbe 
postulirt, alswie ich sie festgestellt, sokannichdazu nur bemerken, 
dass weiteres Nachsehen ihn auch hier zu meiner Farbe fiihren werde. 

In Betreff der Entstehung der Zellhaute habe ich einfach 
abzuwarten, bis Dippel das sieht, was ich gesehen. Uebrigens will 
ich zugeben, dass sobald die secundare Ablagerung einige Dicke 
erlangt hat, sich ihr innerster Theil durch einen etwas andern 
Farbenton von dem iibrigen unterscheiden lasst. Dieses ist auch 
z. B. fig. 9 und 10 Tab. X zur Darstellung gekommen. Dieser 
innerste Theil ist aber nicht die tertiare Innenauskieidung der 
fertigen Zelle. Zu dem schon frllher dartiber mitgetheilten will 
ich noch eine vollstandig pracipitirende Beobachtung hinzufiigen. 
Ware Dippels Bebauptung, dass die tertiare Innenauskieidung 
fruher als die secundare Verdickung entstehe, richtig, so miisste 
bei differenzirter Verholzung, wo diese Innenauskieidung spiralig 
gestreift ist, diese Streifung schon bei jungen Zellen sichtbar 
sein, man findct sie aber, wie vor mir liegende, durch Macera- 
tion isolirte und in essigsaurem Kali*) aufbewahrte Holzzellen 
lehren erst dann, wenn die Verdickungsschicht vollstandig fertig 
ist. Ferner entstande die tertiare Innenauskieidung unmittelbarun- 
ter der primaren Membran, so besasse sie fast dasselbe Lumen wie die 
primare Membran und man konnte nicht begreifen, wie sie bei solchen 
Zellen, diesich bisznm Verschwinden des Lumens verdicken, sich so 
hStte zusammenziehen konnen , dass sie in diese Enge hineinpasste. 

Was D ippel iiber die Entstehung der Hofscbeidewand sagt, 

1) Die unangenehmen Niederschlage eines unbekannten Salzes auf den 
Praparaten bei Anwendung von essigsaurem Kali diirften sicber durch Zu- 
aatz von Glycerin, welches so viele Salze auflost, zu vermeiden sein. Pra- 
parate von Phytolacca dioica bewahre ich schon zwei Jahre in dieser 
Mischnng nnreraudert auf. Ich nehme dem Volumen nach c. % Glycerin au> 
coneentrirte0 Kali aceticum; diellischung erfolgt nach einigcrZeit yollstiindig 



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beweist, dass er ibre Bildung nie gesehen hat Die Ent- 
stehung derselben beginnt vor der Anlage der secnndaren Ver- 
dickung unmittelbar unter dem Cambium (cf. Tab. IX fig. 1) 
durch Entgegenwachsen der priraaren Membranen der jungen 
Holzzellen unter Resorbtion der Zwischenmasse (cf. Tab. 
IX fig. 4 und Tab. X fig, 1). Was Dippel primare Membran in 
diesem Falle nennt, ist eben die Zwischenmasse. Ueber die 
primare Membran habe ich nicbts weiter zu sagen, als was die 
Fig. 4 Tab. VII und Fig. 4 Tab. IX ohne weiteres lehren. 

Wenn Dippel sagt, dass er tiber Hoftiipfelbildung vielleicht 
etwas mehr als ich gesehen habe, so gebe ich dies zu, nur mit 
dem Bemerken, dass dieses „Mehr" in Dippels Vorstellungen 
nicht aber in der Wirkliehkeit beruht. Wenn Dippel meint, 
dass die Fig. 6, 7, 8 Tab. X im Widerspruche steben mit der 
fig. 4 Keihe c und d, so ist mir dieses unbegreifliek da ich nir- 
gends gesagt, dass bei den Zellen c und d Fig. 4 die seenndare 
Ablagerung noch fehle. Sie ist hier nach dem mir vorliegenden 
Originalpraparate bei d sicher und wahrscheinlich auch bei c 
vorbanden, Dass fUr Dippel die scheibenformige Verdickung 
auf der Hofscheidewand unbequem, ja „ungeheuerlich" ist,glaube 
ich recht gem, nachdem er in hot. Zeitg. 1860 Tab. VIII fig. 9 
gerade das umgekehrte Verhaltniss hineingezeichnet und hiemit 
wie im Uebrigen eine vollkommen lalsche Abbildung gegeben 
hat. Aus dem Umstande aber, dass Dippel nicht einmal diese 
scheibenformige Verdickung, die selbst bei Querschnitten durch 
das fertige Herbstholz leicht sichtbar ist, hat sehen konnen, 
entnehme ich mit Evidenz, wie ausserordentlich weit er noch in 
der Hoftiipfelfrage zuriick ist, Wenn also Dippel fiir seinen 
Standpunkt zu der Einsicht gekommen ist, dass er hiernach 
wenig wisse, so habe ich dagegen nichts einzuwenden, auf mei- 
nen Standpunkt der ich diese Fragen, soweit dies ohne Anwend- 
ung von Chlorzinkjod mdglich ist, fortwahrend controlliren kann, 
hat dies keinen Bezug. Formell ist bier alles geleistet, was zu 
leisten moglich war, die ganze Entwickelung und der Bau dcs 
Hoftiipfels blosgeiegt, das gefundene tiberall in Harmonie mit 
den einzelnen Daten anderer Beobachter gebracht. Weshalb 
dieses alles so und nicht anders wird, weiss ich allerdings auch 
nicht und hier beginnt fur mich der Punkt, wo ich gestehen 
kann, nichts rechtes zu wisseu. Lyck, d. 9. Mai 1875. 

Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'schen Buchdmckerei 

(F. Hnber) in Regensbm^. 



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58. Jahrgang. 



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Regensbnrg, 21. Jnli 



1876. 



Inlialt« F. Hildebrand: Ueber die Jugendzustfinde solcher Pflanzen, 
welche im Alter vom vegetativen Charakter ihrer Verwandten abweichen.; 
(Schluss.) — F. Arnold: Lichenologlsche Fragmente. — X. Landerer 
Botanische Notizen aus Griechenland. 



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Ueber die Jugendzustande solcher Pflanzen, welche im Alter 
Tom vegetativen Charakter ihrer Verwandten abweichen 

von 

F. Hildebrand. 

(Schluss.) 

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Wenden wir uns nunmehr zu solchen 

2. Pflanzen, bei denen dieBlattfltiele blattsprei- 
tenartig sin d, 

von denen das bekannteste Beispiel die Gattang 

Acacia^ Fig. 5, 

in vielen Arten liefern dtirfte. Far die tiberwiegende Mehrzahl 
der Leguminosen sind ja zusammengesetzte Blatter charakteri- 
stisch, und in derGattung Acacia selbst finden wir ja eine Reihe 
von solchen Arten, die doppelt gefiederte Blatter besitzen, wie z. 
B. A. Igphantha, dealbata^ etc ; um so anffallender stechen daher 
diejenigen Arten ab, welche abweichend gebildete, wie einfache 
Blattspreiten erscheinende Anhanggebilde des Stengels besitzen, 



Flora 1875 . 



21 









322 

deren eigenthumlicbe Stellung zum Erdboden, nimlich mit den 
scharfen Seiten nach obeB und unten, ons schon liber ibre "wahre 
Blattspieitennatur zweifelhaft werden lasst. Und wirklich sind 
ja, wie allgemein bekanntj und wie aus der Entwickelungsge- 
schichte hervorgeht, diese scheinbaren Blattspreiten nichts ande- 
res als umgebildete Blattstiele. Die VerhaUnisse an den Keim- 
lingen der angedeuteten Acaqia-kriQU sind so allgemein bekannt, 
dass es vielleicht ganz iiberfliissig erscheint, hier auf dieselben 
noch einzugehen, derVoHstandigkeit halber ist dies aber dennoch 
geboten, Bei den bierher gehorigen Akazien konnen wir meb- 
rere Formen der an den erwachsenen Pflanzen vorkommenden 
Phyllodien unterscbeiden : solche die langgestreckt und ziemlich 
breit sind, wie bei A, falcata^ solche die bei ziemlicher Breite 
nicht sehr lang sind z. B, bei A. citUriformis und conspicua^Fig. 
5^ ubd solche, die ein nadelartiges Anseheu habeu, \?ie dies bei 
A* iuniperinaj armaia^ verticillata etc. der Fall ist. Alia diese 
verschiedenen angefiihrten Formen zeigen sich in der frtihesten 
Jugend der Individuen nicbt^ vielmebr jBnden wir hier eine ganz 
iiberraschende Aehnlichkeit der Species nntereinanderi so dass ^ 
es sdiifierig wird an einer Pflanze die erst ihre ersten 3—4 
Blatter entwickelt hat, zu entscheiden, welche Form dieselben 
weiter nach oben hin annehmen werden, und dass es daher oft 
nicht leicht ist bei Durcheinanderstellung der solche Keimpflan- 
zen enthaltenden Topfe die zusammengeborigen wieder heraus 
zu finden. 

Zu weit wiirde es flihrefe fiftd zh ermSdend sein, wenn wir 
eine Reihe von Keimpflanzen verschiedener ^cacia-Arten in 
ihren Fortschritten zur Phyllodienbildung beschreiben wollten; 
anstatt dessen sei nur eine allgemeine Zusammenfassung g^gG- 
ben. Auf die beiden sitzenden Kotyledonen folgen gewohnlich 
1—2 einfach gefiederte Blatter ohne Endfiederchen ; an diese 
schliessen sich dann mehrere ziemlich lang gestielte doppelt ge- 
fiederte Blatter entweder mit einem oder auch mit zwei gefie- 
derten Paaren. Yon diesen zeigen die zu nnterst stebenden 
meist noch keine Spur einer Umwandlung ihres Stieles sondero 
man wUrde aus ihnen schliessen, dass auch die Blatter der er- 
wachsenen Pflanze ihnen gleichen wfirden, etwa noch mehr ge- 
fiederte Paare zeigen. Beim Aufsteigen an der Acbse finden 
wir aber sehr bald eine Ver^nderung an den Blattstiekn anftre- 
ten, indem dieselben von den Seiten her mehr oder weniger 
flachgedriickt erscheinen (ausgenommen in den Fallen, wo die 



323 

Blatter der erwachsenen Pflanzen nadelartig sind) und allmalig 
das Ansehen einer vertikal gestellten Blattflache annehmen. 
Hand in Hand mit dieser Verbreiternng des Blattstieles geht 
nun das Verschwinden der eigentlichen Blattspreiten, welches 
Verschwinden aber bei den verschiedenen Arten von Acacia und 
selbst bei den Keimpflanzen einer und derselben Art ein ver- 
schieden schnelles ist; auf der einen Seite finden wir zwiscben 
den endgliltig ausgebildeten Phyllodien und dem Anfange der 
Urawandelung der Blattspreiten in diese eine ganze Reihe von 
Uebergangstufen der verschiedenen Blattspreiten ; in anderen 
Fallen schliesst sich ohne alien Debergang an ein Blatt mit aus- 
gebildetem verbreitertem Blattstiel und noch gut entwickelter 
doppeltfiedriger Blattspreite, ein Blatt ohne alle Spur der letz- 
teren. Nachzutragen ist noch, dass an dem Grunde der gefie- 
derten Blatter an den Keimpflanzen kleine Nebenblatter auftre- 
ten' die fiir die Leguminosen meist so charakteristisch sind, wah- 
rend dieselben am Grunde der Phyllodien nicht mehr vorkommen. 

So sehen wir ausnahmlos an alien phyllodientragenden Aka- 
zien die Jugendzustande den Familiencharakter nicht verlaugnen; 
besonders interessant sind aber auch solche Falle, die allerdmgs 
eine Ausnahme bilden, wo an erwachsenen Individuen ein Mck- 
schlag zum Jugendzustande derselben, und wir konnen wohl sa- 
gen zum Jugendzustand der Species eintritt. Bisweilen geschieht 
es namlich, dass an erwachsenen Akazien zwischen den mit 
Phyllodien versehenen Zweigen solche auftreten, welche doppelt gefie- 
derte Blatter haben, so dass man kaum glauben sollte, dass sie an der 
Pflanze gewachsen, von der sie iaktisch entspro^^sen. Diese 
Falle lassen es namentlich mit Sicherheit annehmen, dass auch 
dort, wo wir die Keimpflanzen von gewissen dem Familiencha- 
rakter in den vegetativen Organen entfremdeten Pflanzenartcn 
nicht beobachtet haben, und an den erwachsenen Pflanzen aus- 
nahmsweise einen Riickschlag zum Familiencharakter finden, auch 
an den Keimpflanzen der Familiencharakter sich zeigen wird. 

Von den erwahnten Acacia-Avien weicht in gewisser Weise 

Acacia alata^ Fig. 6 
ab, indem hier die vegetativen Theile ein Mittelding zwischen 
geflUgeltem Stengel und umgebildeten Blattstiel darstellen. Es 
sei daher gestattet die Keimpflanzen dieser Art etwas naher zu 
bescbreiben. Unmittelbar auf die zwei eiformigen Kotyledonen 
folgen zwei opponirte gefiederte Blatter, von denen jedes 2—4 
Fiederblattcfaen besitzt, mit einer Stachelspitze endigt und am 

21* 



924 

Grande mit zwei pfriemlichen Nebenblattern versehen ist An 
beide Blatter schliesst sich dann, (jedoch nichtausnabmslos) ohne 
dass der Stengel sich bis dahin verbreitert hatte, ein (ausnahms- * 

weise 2) doppelt gefiedertes Blatt, und bis hieher gleicht die Ent- 
wickelung vollstandig derjenigen der schonbesprochenen Akazien. | 
Nun fangt aber der Stengel oberhalb des Ansatzes genannter 
Blatter an sich flugelig zu verbreitern, und es folgt ohne alle 
Uebergangsbildung ein schwertformiges Blatt nait scharfen nach 
oben und nnten gerichteten Eandern, am Grunde mit den beiden 
pfriemlichen Nebenblattern. Weiter nach oben tritt nun eine 
noch starkere Fltigelung des Stengels ein und es folgt ein wei- 
teres schwextformiges Blatt, mit etwas sta.rkerem Durchmesser 
von oben nach unten, als das vorhergehende. Die weiteren Ge- 
fitaltungen sind schwer mit Worten zu beschveiben, aber leicbt 
aus der beifolgenden Abbildung zu entnehmen. An einera unter- 
brochen geflugelten Stengelgebilde sitzen in bestimmten Entfer- 
nungen zwei gegeniiberstehende Nebenblatter von pfriemlicher 
Gestalt, und von der Ansatzstelle dieser entspringt einNerv, der 
Nerv des urspriinglicheu Biattstieles, welcher mit einer Stachel- i 

spitze endigt, nach oben bin nur schwach gefliigelt ist aber nach 
unten bin einen am Stengel der Pflanze weit hinablaufenden bis 
zum Ansatz der vorhergehenden Nebenblatter reichenden Fltigel i 

zeigt. So ist auch bier die scheinbare Fliigelung des Stengels 
durch umgewandelte Blattstiele hervorgebracht, deren Stielnatur 
sich aus ihrem nach abwarts stattfindenden Uebergange durch 
pfriemliche Blatter in die gefiederten nachweisen lasst. Also 
bat aueb diese soabnorm gebildete Acacia alata in ibrerJugend 
den Familiencharakter beibebalten. 

Wahrend bei alien genannten Acacia-kxi^n an der erwach- 
senen Pflanze die Phyllodienbildung ganz rein, mit nur seltenen 
Ausnahmen ohne alle Rlickschlage zur Bildungzusammengesetzter 
Blatter statt hat, so finden vrir ein interessantes abweichendes 
Verhaltniss bei 

Oxalis rusciformis, Fig, 7. * 

Wenn wir diese Pflanze zu gewissen Perioden ihres Lebens 
betracbten, namlich dann, wenn sie sich mehr im Ruhezustand 
befindet, so sehen wir dieselbe mit Blattern besetzt, die eine 
lanzettliche regelmassige Gestalt baben und welche mit ihren 
flachen Seiten nach oben und unten gerichtet sind. Sie folgen 
ziemlich dicht aufeinander an dem kleinen strauchigen Gewacbs 
und geben demselben ein solches Ansehen, dass wir nimmermehr 



325 

glauben wfirden eine OxaJis-Art vor uns zn haben, wenn nicht 
die Bltithen un« darauf, ohne einen Zweifel iibrig zu lassen, hin- 
fUhrten. DerFaniiliencharakter in den vegetativenTheilenscheint 
hier demnach vollstandig zu fehlen. Beobachten wir aber die 
Pflanze zu der Zeit, wo sie in kraftiger Vegetation ist, so erhal- 
ten wir interessante Aufschliisse tiber ihre Lebens- und Entwickel- 
ungsgeschichte. Es zeigt sich namlich, dass die furBIattspreiten 
gehaltenen Organe weiter nichts sind als Blattstiele, und die 
Tauschung vorher wurde dadurcii bervorgebracht, dass theilweise 
die Blattspreiten sich gar nicht ausbilden, theilweise nach nicht 
langer Zeit ihres Lebens abfallen. Von dem Vorhandensein der 
Blattspreiten bis zu ihrer vollstandigen Abwesenheit fanden wir 
die versehiedensten Uebergange, vvahrend die blattspreitenartige 
Ausbildung des Blattstieles sich bei alien mehr oder weniger 
gleich bleibt. Bei den einen (Fig. 7 a) Blattern findet sich, dieser 
Blattstiel am Ende mit einer vollstandigen dreizahligen Blatt- 
spreite versehen: an seiner Spitze geht er nach einer Verschma- 
lerung in ein eiformiges Blattchen tiber, und unterhalb dieses 
Endblattchens sitzt rechts und links ein ihm gleiches eiformiges 
kurzgestieltes Blattchen, so dass wir hier eine Bildung vor uns 
haben, die in ahnlicher Weise bei vielen Oxalis-Arten sich findet. 
Diese eiformigen Blattcht-n fallen nun friiher oder spater ab, so 
dass nur die drei kurzen Stielchen von ihnen iibrig bleiben, b, 
welche oft so verschwindend klein sind, dass man sie leicht 
Ubersehen kann, und nun den eigentlichen, spreitenartig verbrei- 
terten Blattstiel, derUbrig geblieben, iur diewirkliche Blattspreite 
ansieht. In auderen Fallen werden die Blattchen an der Spitze 
des Blattstieles nur klein und schwach ausgebildet, und in noch 
anderen Fallen werden nur ihre Stielchen angelegt, die bald bis 
zur Unkenntlichkeit verschwinden, Fig. c uud d. Die mit ausgebilde- 
ten dreizahligen Blattchen versehenen Blatter folgen gewohnlich 
zu mehreren aufeinander und geheu dann weiter nach oben all- 
nialig in diejenigen uber, an denen von Anfang an fast nur der 
Blattstiel ausgebildet ist. Schliesslich , nach dem Abfallen der 
Theilblattchen, sehen sich alle Blatter untereinander fast ganz 
gleich, und wir haben hier den hochst interessantenFall vor uns, 
dass neben der Entwickelungsreihe von den dem Familiencharak- 
ter entsprechenden Blattchen, bis zu denen, die diesen verleug- 
nen, in den einzelnen Blattchen selbst eine Periode ist, wo die- 
selben den Familiencharakter besitzen, eine andere, wo sie ihn 
verloren haben. Sehr interessant ware es, die Keimung von 



326 

Oxalis^rusciformis zu beobachten, wo vielleicht im Anfange der 
Blattbildung die Verbreiterung des Blattstieles noch fehlt und so 
eine noch grossereAehnlichkeit mitden anderenOxalis-Arten statt 
findet. Kommen wir zu solchen 

3. Pflanzen, derenBlattspreite eine abweichende 
Form von den verwandten Arten zeigt, 

so treten unshiernamentlich verschiedeneConiferen entgegen, 
besonders aus den Gattungen 

JuniperuSy Cupressus, Thuia^ Siota. 

Die tiberwiegende Mehrzahl der Conifeien ist ja mit Blslt- 
tern versehen, die langgestreckt, meist spitzig und starr siud, 
und die man deswegen Nadeln zu nennen pflegl ; um Hoinehr 
fallen derartige Species auf, flir die im erwachsenen Zustande 
die Bezeichnung „Nadelh6lzer" durchaus nicht passt, indem sie 
keine Spur von Nadeln mehr besitzen, sondern kurze, oft an der 
Spitze abgerundete, dachziegelig iibereinander liegende Schup- 
penblatter. Aber auch hier finden wir diese Abweichungea vom 
Familiencharakter erst in einem bestimmten Alter, wabrend die 
Jugendzustande dieselbeu durchaus nicht zeigen. Dies Verhalt- 
niss ist wohl zu allgemein bekannt, um auf dasselbe naher ein- 
zugehen und alle einzelnen Arten aufzufiihren, an deren Keim- 
lingen sich die Sache mit Leichtigkeit beobachten lasst ^) und es 
sei daher nur weniges angedeutet. Auf der einen Seite haben wir 
Gattungen, die in alien, oder fast alien ihren Arten im erwachsenen Zu- 
stande mit Schuppenblattern versehen sind, also die Abweichung vom 
Familiencharakter in ihrer Ganzheit zeigen, wie z. B. Biota und 
Thuia] interessanter sind aber die Gattungen, -wie Juniperus^ von 
deren Arten ein Theil das ganze Leben hindurch mit Nadeln 
versehen ist, wie z. B. J, communis, wahrend andere nur in ihrer 
Jugend diese Nadelbildung zeigen, wie z. B. J] Sabina und dru- 
paceoj um dann bald zur Schuppenbildung zu schreiten. GewQhn- 
lich ist der Uebergang aus den Nadeln in die Schuppen bei 
den Keimliugen an der Hauptachse ein allmaiiger, indem die auf 
einander folgenden Nadeln immer mehr sich verkurzen und ab- 
stumpfen; an den unteren Seitenachsen ist hingegen der Ueber- 
gang zur Schuppenbildung meist ein ganz unvermittelter, ahnlich 
wie wir bei Bossiaea rufa die Phyllokladienbildung an den un- 



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1) Man vergleiche bot Zeitung 1860 p. 151. 



52T 

teren Seitenzweigen eintreten salien, wahrend die Hauptachse 
Doch nichts davon zeigte. Dieses Verbaltniss der besagten Coni- 
ferenkeimlinge deutet offenbar dahin, dass die betreffenden Arten 
iu genetischem Zusammenbange mit denjenigen stehen, welche 
ihr gauzes Leben hindurch mit Nadeln verseben sind. 

Besonders interessant werden in dieser Beziehung aber noch 
die RUckschlage zi\ jenem Iriiheren Zustandean den erwachsenen 
Pflanzen, wie wir sie schon in Shnlicher Weise bei dea mit Phyllodien 
verseheBen Akazien erwahnten, wo sie jedochziemlich selten sind, 
wahrend man sie bier sehr baufig beobaehten kann. Man findet 
oft einzelne Individueu von Juniperus- n»d Cupressus- AriQn, 
welcbe dadurch eia ganz eigenthUnilicBes Anseben erhalten, dass 
hier Zweige mit Nadeln und Zweige mit Schuppen in buntena 
Gemische vereinigt sind: wie an den Keimlingen aus den Nadeln 
sich allmalig die Schuppenbildung entwickelte, so sehen wir hier 
an einzelnen Zweigen die Schuppen sich \erlangern, zuapitzen 
und zu abstehenden Nadeln werden, in deren Achseln dann 
Zweige entspringen, die von ihrem Grunde an mit Nadeln be- 
deck! sind Oder die wieder die Schuppenbildung zeigen. 

Wabvend nun bei den Coniferen die Abweichung der BlsLtter 
an der erwachsenen Pflanze, von der fiir die Familie sonst 
charakteristischen Form keine Seltenheit ist, so lUsst sich der- 

m 

artiges bei den anderenBlUthenpflanzen bei weitem nicht so bau- 
fig finden, und wir konnen einstweilen nur wenige in ihrer Ent- 
wickelungsgeschichte beobachtete Beispiele anfiihren. 

Chondrilla juncea, 
Wahrend bei den der Gattung ChondriUa verwandten Com- 
positen wie Taraxamm und Laduca, die Blatter horizontal 
stehen (LaclucajSeariola ausgenommen) meist breite Spreiten 
haben mit schrotsagigen Eandern, finden wir bei Chondrilla jun- 
cea an dem sich iiber den Erdboden erhebenden Stengel, Blatter 
die lineal sind, ganzrandig^und die durch eineDrehung an ibrem 
Grunde Shnlich wie bei Laetuca Scariola, mit den scharfenKan- 
ten nach oben und unten gerichtet sind, so dass wir kaum glau- 
ben soliten eine Composite aus der Abtheilung der Cichoriacem 
vor uus zu haben, wenn wir nicht die an den so beblatterten 
Zweigen sich ausbildenden Bliithen wabrnahmen. Aber auch die 
Beobachtung der Keimlinge zeigt uns, dass dieser von den Ver- 
wandten abweichende Charakter nur an der erwachsenen Pflanze 
sich findet: auf die beiden Kotyledonen folgen hier namlich an 
einer sehr kurzen Achse dicht hiotereinander in zunehmender 



328 

Grosse bis zu 14 Laubblatter, welche eine ziemliche Ausdehnnng 
in die Breite haben, und im Allgemeineu denen eines Taraxacum 
officinale gleichen, so dass man diese Pflanzen kaum fiir den 
Anfangszustand der Chondrilla juncea anerkennen wurde, wenn 
man nicht ihre weitere Entwickelung beobachtete. Nach der 
Bildung dieser ersten Blattrosette verlangert sich namlich die 
Acbse und nun entstehen an ihr, meist ohne alien vermittelnden 
Uebergang die linealen ganzrandigen Blatter; seltener ist ein 
Uebergangsblatt zu finden, welches gegen die ersten Blatter et- 
was verschmalert erscheint, aber noch mit Schrotsagezahne ver- 
sehen ist; interessant ist es, dass dieser Wechsel der Blattform 
sich alljahrlich im Frtibjahr wiederholt, indem dann die am 
Grunde der Pfianze neu entstehenden Sprosse zuerst nur die 
Schrotsagebiatter zeigen, aus denen dann die verlangerte Acbse 
mit den linealen vom Verwandtencharakter abweichenden Blat- 
tern hervorscbiesst. 

Als noch nicht abgeschlossen zu betrachten und daher nur 
zu erwahnen sind die Beobachtungen tiber die BlattumTYandel- 
ungsverhaltnisse an HaTcea suaveolens und Armoracias^sticana, 
wo bei ersterer die Keimlingspflanzen Blotter besitzen, die eine 
breite Spreite zeigen und die allmSlig durch tiefere Einschnitte 
am Kande in solche Ubergehen, welche aus nadelartigen Theilen 
zusammengesetzt sind, wahrend bei Armoracia rusticana die 
Frtihjahrsschosslinge mit tieffiederspaltigen Blattern versehen 
sind, die allmUlig in die breiten am Rande gebuchteten und ge- 
kerbten Blatter iibergehen. 

Kommen wir endlich zu einer 

4) Pfianze, bei der abweichend vom Familien- 
charakter die Nebenblatter die Blatt spreiten ver- 
treten; es ist dies der 

Lafhyrus Aphaca, Fig. 8. 

Schon zum ofteren haben wir Gelegenheit gehabt daran zu 
erinnern, dass die meistenLeguminosen durch zusammengesetzte 
Blatter, mit ausgebildeten Blattspreiten charakterisirt sind. Bei 
Lathyrus ^phaca finden wir nun tiberhanpt keine Blattspreiten, 
geschweige denn zusammengesetzte Blatter, sondern an Stelle 
der Blattspreiten sehen wir bier nur eine Ranke sich entwickeln, 
und statt dessen die Nebenblatter eine ungewohnliche Ausbild- 
ung erlangen und dadarch die Blattspreite biologisch vertreten. 



329 

Hierdurch \ hat der Lathyrus Aphaca nicht nur einen von der 

Mehrzahl der Leguminosen in den vegetativen Theilen sehr ab- 
weichenden Habitus, sondern auch von seinen nachsten Ver- 
wandten aus den Gattungen Vicia^Ervum^ und selbst den Arten 
seiner eigenen Gattung ist er auffallend verschieden. Doch auch 
hier zeigen die Jugendzustande die Verwandtschaft an. Auf die 
nnter der Erde bleibenden Keimblatter (Fig. 8 a) folgen an dem 
Uber die Erde tretenden Stamm zuerst zwei abwechselnde Blat- 
ter b, bestehend aus - drei kleinen dreieckigen Blattchen, von 
denen das mittlere die Blattspreite, die seitlichen die Nebenblat- 
ter darstellen, darauf folgen zwei Blatter, die ganz dem Typus 
der verwandten Arten und Gattungen entsprechen c. Dieselbcn 
sind namlich abgebrochen gefiedert, zwar nur mit einem Fieder- 
paar; aber auch bei der Keimung der Verwandten bilden sich 
nicht von Anfang an Blatter mit mehreren Fiederpaaren aus. 
Sie endigen mit einer ziemlich scharfen Spitze, und haben an 
ihrem Grunde zwei kleine Nebenblattchen. Nach diesen beiden 
gefiederten Blattein hort nun die Bildung der Blattspreite wieder 
ganz auf, und es folgen 5 — 6 Ansatxe von Blattern, von wel- 
chen nur die Nebenblatter ausgebildet sind, d, die, je raehr nach 
oben stehend, desto grosser werden, wahrend zwischen ihnen als 
Rudiment der Blattspreite nur eine kleine Spitze sich findet. 
Endlich erscheiut zwischen den stark ausgebiideten Nebenblat- 
tern eine fadenformige Ranke, und nun kehrt die Pflanze nie 
wieder zu einer Blattbildung zurtick, die derjenigen ihrer Ver- 
wandten ahnlich ist. — 

Wenn wir hiermit die Reihe der Beobachtungen schliessen, 
so miissen wir bedauern, dass tiber einige Falle wegen Mangel 
an Beobachtnngsmaterial nichts angefuhrt werden konnte, nament- 
lich war es nicht moglich Keimpflanzen von Xyllophylla-hxtQii^) 

1) Moge hier die Beschreibung der Keimpflanzen von zwei Phyllanthna- 

Arten noch einen Platz finden: 

Bei PfL iuglandifolius folgen auf die zwei einformigen Kotyledonen 7—8 
abwechselnde Blatter von eifOrmiger Gestalt, nnd je welter sie nach oben 
stehen, desto grosser im Umfang; sie sind mit stachelartigen NebenblSttem 
versehen. Auf diese Blatter folgt dann ohne alien Uebergang, statt eines ans- 
gebildeten Laubblattes, das ganz unscheinbare Rudiment eines solchen, be- 
stehend aus drei Spitzchen, namlich dem Rest des Blatthaupttheiles nnd den 
beiden Nebenbiattern. In der Achsel dieses Blattrudlments entsteht dann 
ein Seitenzweig mit vollkommenen Bliittem die in der Form den ersten an 
der Haaptachse befindiiehen gleichen, aber xweizeilig gerichtet sind. Welter 
hinauf an der Hauptsache folgen dann gleichfaUs Blattradimente mit beblat* 
ierten Zweigen in ihrer Achsel. 



nnd hesonietB yf on PhyUodadus- krtenznerhedten; docb erscheinen 
die besprocheDen F^le ausreichendgenug um im Allgemeinen den 
Satzzu erharten, dass beisolchenPflanzendiein ihren vegetativen 
Theilen im erwachsenen Zustande Abweichungen von ihren Ver- 
wandten zeigen, diese Abweichungen in derfriihesten Jugend 
sich noch nicbt finden, dass vieltnehr die Keimpflanzen dieser ^ 
voUstandig den Keimpflanzen der Verwandten und auch diesen j 
Verwandten im erwachsenen Zustande ahnlicfa sind. Es deutet 
dieser Umstand darauf bin, dass erst in spaterer Zelt die in 
ihren vegetativen Theiien vom Verwandtencharakter abweichen- 
den Formen sich von deren Urform abgezweigt baben, wahrend 
8ie in der Jugend ihrer Entstehungmit jenen noch iibereinstimmten : 
der Entwickelungsgang im Individuum deutet auf den Entwi- 
ckelungsgang und die Abstammung der Art. 

Freiburg i/B. im Frtihjabr 1875. 



Erklarung der Abbildungen. 

(Tafel Vn A VIU.) 

Fig. 1. Junge Pflanze von Carmichaelia australis. 

Fig. 2. Junge Pflanze von Bossiaea rufa. 

Fig. 3. Stecklingspflanze von Muhlenbeckia ^latyclada. 

Fig, 4- Ulex mropQeus\ Keimling und Blftttformen der jungen 

Pflanze. Vergl. p. 6. 
Fig. 5. Acacia cpnspicua', Blattformcn der jungen Pflanze. 

Fig. 6. Junge Pflanze von Acaciajdata, 

Fig. 7, Oxalis^rusciformis': Entwickelungsstufen der Blatter an 

einer erwachsenen Pflanze. 
Fig. 8. ia/AyrMs u4pAaca:Blattformen der jungenPfl^^nze. Vergl, p. 16. 



wm 



Abweichend hierron verhalten sich die Keimpflanzen yonPhyllffttthtti 
Niruri^ indem hier erst apiter eine Keduktion der an der Hauptsache befind- 
licheik Blotter eintritt, wodurch die ersten in den Achseln dieser stehenden 
iweizeilig belaubten Zweige nicht so sehr den Eindruck von gefiederfcea 
Slattern machen wie dies bci Ph. iuglandifoliua der Fall ist, wo die Blatt- 
rudimecte, in deren Aebsel die fiederblattartigen Zweige stehen, leicbt uber- 
sehen werden kOnnen. ScbliessUck steben aucb hier bei Ph. ^iruri an der 
Haaptachse nur Bl&ttradimente, In deren Aekseln die zweixeilig belaubten 
Zweige sich entwlckeln. 



J" 



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-I- 



m 

LiehenoIogiBche Fragmente 

von F. ArnoIA 

XIX. 

I. Die Zierbe (PiwMs Cemhra) \st zwardurchdiegesammte Alpen- 
kette Yon Savoyen an bis zu den ostlichsten Auslaufern verbrei- 
tet (Sendtner Vegetal. Verb. SUdbayerns p. 539), aber Uber die 
auf ihr vorkommenden Flechten ist in den Uchenologi&cheft Wer- 
ken nur wenig Aufschluss zu finden. Stellt man aucb die ver- 
einzelten Angaben, die Exsiccata der Sammlungen, dieBeobacht- 
ungea vou Anzi im Ortlergebiete und von Lojka in den Gebir- 
gen Ungarns zusammen, so erhalt man doch nur ein unvollkom- 
menes Bild dieser Zierfaenflora. Der an der oberen Baumgrenze 
auftretende, an so manchem alpinen Standorte scbon im Aus- 
sterben begriffene Bauin, welcher je nacb seinera Vorkommen in 
den Central- oder Kalkalpen mit verschiedenartigen Lichenen be- 
wachsen ist, verdient nun aber sicher die BerucKsichtigung der 
Licbenologen. In den bayerischen Alpen ist die Zierbe haupt- 
sachlich auf der Keutalm bei Berchtesgaden and der Schaeben- 
alpe am Wettersteingebirge bei Partenkirchen heimisch and hier 
an dieser letzteren Stelie wachst sie bei 5200—5600' auf einera 
rait Kalkl)locken bedeckten Mergelboden in Gesellschaft Kiesel- 
holder Pbanerogamen (Sendtner 1. c. p. 534), Am 28. August 
1874 hatte ich Gelegenheit, wabrend meines Aufentbaltes auf der 
Scbacbenalpe 45 Licbenen an den dortigen Zierben zu beobach- 
ten, welcb letztere zerstreut und einzeln aa den kahlen Abban- 
gen und in der Mulde der Alpe wachsen und sicb weiter abwarts 
allmahlicb im Fichtenwalde verlieren. An den diinnen, mit Na- 
dein bewachsenen Zweigen kommen nur wenige Flechten vor; 
auch die Rindenschuppen und die rissige Borke der alteren 
Stamme werden von den Licbenen fast ganzlich gemieden; 
nur hie und da 1st eine alte Zierbe mit grauen Baumbarten 
formlich bedeckt. Der grosste Theil jener 45 Arten wachst viel- 
mehr theils auf dem entrindeten Hoize der Stamme and untcren 
Aeste von bereits abgestorbenen, abernoch aufragenden Baumen 
und tbeils auf dem morscheuHolze alter, niedergeworfener, lang- 
sam vermodernder Striinke. Auf dem entblossten HoIze dicker 
das Gestein umklammernder Wurzeln , auf welches in den Cen- 
tralalpen mehrere Species saxicolae iibersiedeln, beobaehtete ich 
auf dem 8cbacben nicbts Bemerkenswerthes. Die Gesammtzahl 
der bis jetzt auf Finus Cemhra in den Alpea angetroffenen 



1 



w 



332 

Lichenen betrSgt nacb meiner ScbStznog gegen 100 Arten; hie- 

von fand ich an jenem Partenkirchuer Standorte folgende 45 : 

1. Usnea larbata (L.) ftorida (L.); Th. Fries Scand. 15: der 
sterile Thallus an durren Aesten und am Grunde alter Stamme 
an der Borke. 

van kirta (L.), Stenb. 62, Schaer. exs. 399: steril mit der 
vorigen. 

var. dasypoga (Ach.), Th. Fries Sc. 16, Stenh. 16: hie und 
da c. ap., haufiger steril an den Stammen, an abgedorrten und 
frischen Zweigen. 

var. plicata (L.); Schaer. exs. 401: steril hie und da an den 
Stammen. 

2. Alectoria juhata (L.) proUxa (Ach.) Th. Fries Sc. 24, 26: 
an dUrren Aesten; hie und da auch am Grunde der Stamme, an 
deren altem Holze und auf den Striinken : steril, K 

var. cana (Ach.): steril von Zweigen herabhangend. 

3. Alect ochroleuca (Ebr.) rigida (Vill.) steril selteu am 
Grunde alter Stamme. 

4. Evernia divaricata (L.): steril von den Zweigen herunter- 
bangend. 

5. Ev, vulpina (L.): steril am Grunde der Stamme und an 
deren altem Holze, nicht haufig- 

6. Ev. furfurarea (L.): steril haufig an lebenden Zweigen, 
dUrren Aesten; auch auf dem Holze der Stamme. 

7. Vladonia coccifera (L.) communis Th. Fries f eoitensa 
Ach., Th. Fries Sc. 71; hie und da auf dem morschen Holze 
alter Strttnke: podetia e margine prolifera. 

8. Clad, deformis (L.) f. cremlata Ach: substerilis auf dem 
morschen Holze alter Sttunke. 

9. Clad, digitata (L): der sterile Thallus wie die vorigeArt. 
\0. Clad, pyxidata (L.) pocillum Ach.: die sterile Pflanze 

hie und da auf dem Holze alter Strlinke. 

11. Clad, fimhriata (L.) var. suhcornuta Nyl. Flora 1874 p. 
318: eine zu dieser Flechte (teste Nyl. in lit.) gehorigeForm hie 
nnd da an alten Strtinken: phyllocladia basalia micropbyllina. 
podetia nuda, graciliora, apice tubaeformia et viridulo-leprosa. 

12. Clad. ce7ioiea (Ach.): steril hie und da auidem morschen 
Holze alter Strtinke. 

13. Clad, squamosa HoflF,: auf morschem Holze der Striinke: 
planta substerilis. 

H. Clad. rangif€rina{L.)sylvati€a: steril uber alten Striinken. 



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- n > 



833 

16. Cetraria islandiea (L.): steril am Grunde alter Stamme. 

16. Platysma pinastri (Scop.): steril mit der vorigen, 

17. I'laU glaucum (L.) : die typische Form steril an dfirren 
Aesten. 

18. Plat. complicaUim (Laur.); Laureri Kplhbr,: steril hie 
und da an durren Aesten und am Grunde alter Stamme. 

19. Imbric, saxatilis (L.); die gewohnliche Form steril auf 
dem Holze am Grunde der Stamme, an dickeren durren Aesten, 
auf morschem Holze alter StrUnke. 

20. J. physodes (L.) vulg, Koerb.: wie die vorige, 
var. vittata Ach. : steril am Grunde alter Stamme. 

var. obscurata Ach. Anzi exs. 257 B: gemeinschaftlich mit 
der vorigen; spermog. non inveni. 

21. J. exasperatula (Nyl.) Arn. exs. 581, Nyl. Flora 1873 p. 
299; steril haufig an der Einde diinner, frischer Zweige. 

22. Parmeliopsis ambigua Wulf,, Nyl. = diffusa Web, Th. 
Fries Scand. 131: steril haufig, seliener c. ap. am Holze der 
Stamme, an diirreu Aesten, am Grunde alter Stamme, auf dem 
morschen Holze der Strunke. 

23. Farm, alrurUes Ach., Nyl. = hyperopia Koerb., Th. 
Fries : steril gemeinschaftlich mit der vorigen. 

24. Farm, placorodia Ach., Nyl. = ahurites Koerb., Th. 
Fries Scand. 109: c. ap. am Holze alter Stamme, steril an dur- 
ren Aesten. 

25. Ochrolechia pallescens (L.) corticdla Flora 1870 p. 213, 
Arn. exs. 140 a, b: gut ausgebildet hie und da an den Rinden- 
schuppen am Grunde der Stamme, auf deren Holze, seltener an 
dllrren Aesten, 

26. Lecanora subfusca (L.) f. coilocarpa (Ach.) Stizbg.: an 
der Rinde lebender Zweige. 

27. Lecanora varia (Ehr.) vulg.^ Koerb., Th. Fries Scand. 
259: am Holze der Stamme und dUrren Aeste. 

28. Lecan. mugJiicola Nyl. Flora 1872 p. 248, Anzi exs. 376; 
gemeinschaftlich mit der vorigen : planta priori obscurior, thallus 
sordide obscure stramineus, C— , K fiavesc, ap. discus olivaceo- 
nigricans, ep. sordide olivac, K— , ac. nitr. leviter roseoviol., 
hym. jodo caerul.,sporae elongato-oblongae, 0,015—17 mm. Ig., 
0,005 mm. lat.; spermogonia frustra quaesivi. 

29. Varicellaria rhodocarpa (Koerb.) Th. Fries Sc. 322, V. 
fnicrosticta Nyl. : auf dem Holze alter Strtinke, nicht haufig. 



I 



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30. Icmadophila aeruginosa (Scop.) nicht selten auf dcm 



morschen Holze alter Striinke. 

31. Biatora decolorans (Ach.) granulosa (Ehr.): Th. Fries 
Scand. 442: auf dem morschen Holze alter Striinke, nicht haufig. 

32. Biai. iurgidula (Fr.), iypica Th. Fries Scand. 470: am 
Holze diirrer Aeste und alter Stamme hie und da. 

33. Bilimhia milliaria (Fr.) Koerb. syst 214, Th. Fries [ 
Scand. 381, Arn. 348 a. b. : auf dem morschen Holze eines alten 
Strunkes: von hier in Arn, 348 b. ausgegeben. 

34. Lecid, elabens Fn, Th. Fries Scaud. 554, Arn. 602 a. b., 
Anzi 552: nicht selten am Holze alter Stamme und von hier in 
Arn. 602, b. ausgegeben; auch an durren Aesten. 

35. Lecid. assimilata Nyl. Scand. 221, a) irruhata Th. Fries 
Scand. 522. Arn. exs. 556: hie und da auf dem morschen Holze 
alter Striinke. 

36. Buellia parasema (Ach.) Th. Fries Scand. 589: auf der 
Rinde dunner, bereits abgedorrter Zweige. 

f, saprophila Korb. par. 190, Hepp 150, Anzi m. r. 296: 
nicht selten an durren Aesten, am Holze alter Stamme: sporae 
0,020—24 mm. Ig., 0,008— 9mm. lat. 

37. Buellia insignis (Naeg.) Koerb. p. 191. Hepp. 39, mus- 
corum Schaer., Th. Fries Scand. 590; hie und da an abgedorrten 
Aesten: thallus C — , K flavesc, med. jodo fulvesc., ep. hyp. 
fuse., sporae 0,036 mm. Ig. 0,018 mm. lat. 

38. Megalospora alpina (Fr.): vide Th. Fries Scand. 479, M. 
affinis (Schaer.) Kovb. par. 228 (Koerb. exs. 49 meae coll. est 
M, sanguin.): selten auf dem Holze alter Striinke: thallus cine- 
rascens, minute glebuloso granulatus, protothalio atro tenui cir- 
cumductus, C— , K flavesc., med. jodo fulvesc. apoth. atra, nuda, 
epith. atrocaerulesc., K — , ac. nitr. roseo violac., hym. hyp. inco- 
lor,, jodo caerul., sporae singulae, late pseudomarginatae, 0,070 
0,100 mm. Ig , 0,030 — 50 mm. lat. 

39. Xylogr, parallda (Ach.): auf dem Holze alter Stamme 
und Strtinke. 

40. Acolium tigillare (Ach.): am Holze alter Stamme und an 
diirren Aesten. 

41. Acolium tympanellum (Ach.) Korb. par. 285 ram Holze der 
Stamme und dttrren Aeste: thallus K — ,C— , med. jodo caerules^. 

42. Calicium nigrum (Schaer.) Koerb. par. 290; hie und da 
am Holze alter Stamme: thallus subnnllus, apoth. atra, nuda, sporae 
obscure sordide Tiridesvel oliTaceae, 0,012mm. Ig.^jS, 006 mm. lat. 



S85 

43. Calic. hyperellum (Ach.) Koerb. par. 296; sparsam an 
der Binde dfinner, federkieldicker, abgedorrter Zweige i& Geseil- 
9cbait der JBuellia paras. 

44. Cyphelium trichiale (Ach.) J[6rb. par. 297; eine rohnstc 
Form am Holze dtirrer Aeste; crusta granulato-glebulosa, pallide 
cinereoTirens, stipites validi, dispersi, sporac globulares, 0,006— 
7 mm. lat. 

45. Arthopyrenia punctiformis (Ach.): an der Binde dunner, 
lebender Zweige. 

rScUoss folgt.) 



Botanische Notizen aus Griechealand 

Ton X. Landerer in A then. 

Ueber Zierpflanzen Griechenlands. 

Zu den empfindlichsten Pflanzen fur die Kalte inGriechen- 
land, die nur fur einige Stunden wahrend der Nacht sich anf 
3 — 4° unter Null verringert, gehort Ricinus communis, wenn selbe zu 
einem baumartigen Gewachse sicb entwickelte. Es finden sich in 
den Garten alte i?icmM5-Baume, die eine Hohe von 30—40 Fuss 
erreichten. Durch eine solche Kalte von 2 — 4" zeigen sich die 
Blatter verbrannt und die Pflanze gebt zu Grunde, die jedoch 
wahrend der Sommermonate sich wieder erholt und wieder Blat- 
ter und ^Frttchte bringt. Tausende von Okken Bicinus-Samen 
konnten in Griechenland gesammelt und zur Auspressung des 
Oeles verwendet werden, jedoch selbe bleiben unbeniitzt. 

Ebenso ist es Schade, dass die Lorbeerbeeren (JBaccae Zawri) 
nicht gesammelt werden. Selbe bleiben ein Baub der Vogel. 
Auf alien Bergen uud in den Walderu finden sich LorbeerbSume 
jedodi diese Beeren werden nicht gesammelt, wahrend doch selbe 
zur Gewinnung von Hunderlen Okken dies Oeles verwendet 
werden kSnnten. — X. L. 



Ueber die Euphorbien und deren Ausrottung im Oriente. 

Ein seit vieien Jahrfiunderten von der tiirkischen Regierung 
ftir den ganzen Orient ausgegebener Befehl, der auoh in Grie- 
chenland eingehalten wurde and bis zur Stunde dorch die Be- 



336 

r 

giernng sanctionirt jedes Jahr wiederholt wird, ist die 
Ausrottung des Phlomos (Euphorbia-Pflanzen). Im MonateMarz, 
April Ziehen die Landleute mit Schaufein und Hacken aus, urn 
alle diese Phlomos zu \ernichteii,auszugraben und zu verbrennen, 
da die Meinuug seit Jahrhuntlerten im ganzen Oriente einwur- 
zelte, dass selbe die Ursache der endemisch und epidemisch 
auftretenden KrankheiteD,derWechsel-undSunipf-Fieber,die wah- 
rend der Sommer Monate auilauchen, seien. Dass die Ausdiinst- 
ungen dieser Euphorbien, die an giinstigeu Bodeaverhaltnissen 
und an wasserreichenPlatzen baumartig werden, sehrunangenehra 
richend sind und dem unter solchen Euphorbien-Gebuschen 
Sehlafenden oder Verweilenden Schwindel, Kopfweh, und Neig- 
ung zuni Brechen hervorzubringeu im Stande sind, davon 
iiberzeugte ich mich selbst, als ich vor mehreren Jahren in 
Sparta am Eurotus-Flusse unter solchen baumartigen Eu- 
phorbien schlief. Ob jedoch diese Ausdunstungen auf die Eiu- 
wohuer ganzer Dorfer einen schadlichen Einfluss haben, dieses 
diirfte genauerer Untersuchungen werth seiu. Der Phlomos wird 
auch im ganzen Oricute straflich von denFischern gebraucht, urn 
die Fische zu narkotisiren und leichter fangen zu konnen, was 
auch erzweckt wird, indem sie diese Phlommos-Pflanzen an seichte 
Stellen in das Meer einiegen oder auch die Koedersubstanzen 
damit vermischen. Jedoch solche phlomosirte Fische gehen 
schnell in Faulniss uber und der Genuss derselben wird als 
sehr schadlich angegeben und auch bestatigt. Desshalb existirt 
auch in dem Strafgesetzbuche Griecbenland ein Artikel, dass 
solche Fischer mit Gefangniss-Strafe bestraft werden, die sich 
des Phlomos zum Fischfange bedienen. Die in Griecbenland sich 
findenden Euphorbien Sp. sind: Euphorbia spinosa, E. Cj^aris- 
sias^ E, arhorea^ E. Peplis^E. palustris. Die kleinen Euphorbien 
nennt das Volk Galatzides von dem Worte Gala (Milch), da selbe 
milchgebende Pflanzen sind. Da diese Pilanzen in sumpfigen 
Gegenden wachsen, aus denen sich schadliche Sumpf-Miasmen 
entwickeln, so ist es wahrscheinlicher, dass mehr diesen Sumpf- 
exhalationen (Sumpf-Miasmen) die Ursache der endemischen 
Krankheiten zuzuschreiben ist, als den Euphorbia-Pfianzen* 



*'-i 



Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'schen Buchdruckerei 

(F. Haber) in Kegensbuig. 



H ^ 








58. Jahrgang, 



N^ 22. 



Regensburg, 1. Angnst 



1875 



Inlialt. F. Arnold: Lichenologische Fragmente. XIX. (SchlussJ 
Dr. Carl Kraus: PflanzenphysiologischeUntersuchungen- (Fortsetzung.) 
X. Landerer: Botanische Notizen aus Griechenland. — Anzeigen. 



Lichenologische Fragmente 

von F. Arnold. 

XIX. 

(Schluss.) 

II. Die in den ausgedehnten Alpenwaldern vonPartenkirchen 
vorkonimcnden Lichenen niit der Zierbenflora vom Schachen zu 
vergleichen, vvurde hier zu welt fiihren und ich beschranke mich 
um somehr auf einige wenige Angaben, als in jenen tiberraschend 
flechteuarmen Waldem die tiberail verbreiteten Arten so sehr 
iiberwiegen, dass sogar Formen wie Sticta sylvatica, NepJirom. 
toment^y Parmelia speciosa^ Fannaria conoplea die Aufmerksani' 
keit erregen. An den Buchen im Rainthale (3000—3300') fruc- 
tificirt die von dieseni Standorte in Zw. exs. 80, Ain. 593 aus- 
gegebeue Bo?nhf/liospora pachycarpa (Duf.), deren Sporenform 
vennutben lasst, dass sie zu den wenigen in Europa noch erhnl- 
tenen Resten einer einstigen sublropischen Vegetation gehort. 
An glatter Rinde der Taunen oberhalb Graseck bei 2850' ist 
HaematommaCismoninim BelU'.^ von dort in Am. ex8. 141 b. 
publicirt, ziemlich verbreitet und JJsnea longissima hangt von 

Flora 1875. 22 



338 

Ficbtenzweigen herab; Biatora atroviridis Arn. exs. 277, Th. 
Fries Scand. 472 und Baeidia Fries, viohcea Arn, exs. 282, Th. 
Fries Scand. 347 (planta sit propria species) siud an jiingeren 
Tannen, Buellia Schaereri De Not. gesellig mit Coniayigium luri- 
dum (Ach,) Flora 1873 p. 528 auf morschem Hoize eines alten 
Tannenstrunkes zu erblicken; ein anderer Tanuen-Strunk in die- 
sem Walde war mit Clad^ fimh\ siibconmta iS'yl. Flora 1874 p. 
318, von bier in Rehm Clad. exs. 63 enthalten, iiberzogeu. 
Der Thallus dieser Cladonia uahm auch von einem holzartig 
verharteten Pilze, Tolyporus^ Besitz : die einzige Flecbte, die 
ich bisher in den Alpenwaldern auf Pilze iibersiedeln sab. 

Merkwilrdig ist es, dass an der Rinde von Alnus viridis, 
deren dunkle Gebiische den Schachensee umsiiumeu, nur die 
namlichen gewobnlicben Arten, wie in den Tiroler Alpen anftre- 
ten: Catlop, cerimun^ Binod. exigua ^ Lecan. suhfusca^ Lecid. 
enieroh a vtdg» Korb., Calic. praeccdcus Nyl., Arthopyrenia punc- 
tiformis. 

III. Species saxicolae. Die Thalflora utn Pavtenkirehen kaim, 
wenn man sich nicht etwa an die Anhobe ober St. Anton (Flora 
1870 p. 1) Oder an CoUolechia caesia (Duf.) am Wege zur Gras- 
eckerklanam und an Opegrapha saxicola Ach., Stizenb. Op. p. 25, 
von diesem Standorte in Zw. 145 Aenthalten, erinnern will, billig 
mit Stillschweigen iibergaugen werden. Die Kalkbloeke bei den 
blauen Gumpen im Bainthale 3300' sind von Steinflechtea nahezu ganz 
entblosst und lediglich an den Uberflutheten Kalksteinen, welche 
die Ufereinfassung langs dev Partnach im Rainthaie bilden, beo- 
bachtete ich einige Avten, die icb zum Vergleiche mit den Was- 
serflechten der Waldrast (VI. p. 1113, XL p. 488) und den von 
Glowacki in den Kalkbachen der Kraineralpen angetroffenen For- 
men hier nenne: 

1. Placynthium nigrum (Ach.): planta typica videtur: vide 
NyL Scand. 126: ziemlich selten: sporae latiores, dyblastae 
0,015 mm. Ig., 0,007 mm. lat. 

2. Sagiolechia protuberans (Acb.); 

3. Verriic. muralis (Ach.) forma videtur : perithec. dimidiat. 
sporae 0,024—30 mm. Ig. 0,012 mm. lat. 

4. Thelid. decip. scrohicidare Garov. stellenweise hiiufig und 
von bier in Arn. exs, 611 ausgegeben. 

5. Thelid. cataractaritm (Hepp. 442) selten. 

6. Thelid. quinqueseptattim (Hepp) forma quaedam: sporae 
3 septatae, 0,045 mm. Ig., 0,015 mm. lat. 



339 

7. TolyUastia .... ad albidam m. accedens: perith. integr. 
sporae incolores, 0,030 — 33 mm. Ig., 0,015 mm. lat, 

8. Sporodidyon clandestinum Am. exs. 521: pelten. 
Versetzt man sich aber jet^t in die alpine Region und be- 

trachtet von Partenkirchen aus die kahlea, langgedehnten Wande 
des Wettersteins und der Dreithorspitze bis zu den hohen Ab- 
stiirzen der Zugspitze, so hat man ein Kalkmassiv -vor sicb, 
Tyelcbes der Lichenologie, von einigen in Kplhbr. Lich, Bay* ent- 
haltenen Angaben abgeseben, noch nicht erschlossen wurde 
insbesondere ist die Umgebung des Schneeferners noch eben so 
eine terra incognita als diejenigederiibrigendeutscben und schweizer 
Kalkgletscher. Am 29. und 30. August 1874 machte ich daher 
vom Jagerhause der Schachenalpe aus ea Versuch, die Basis 
des Wettersteins, namlich die ober dem Schachen bei etwa 5600' 
gelegene Frauenalpe iicbenologisch zu priifen. Ueber die glatten 
Felsen der Steilwande des Schachen ist der durch Man^onia 
Cantiana verursacbte bleiche Schimmer hingegossen; Petrocallis 
pyreyiaica steigt bis zur Wand, iiber welche man zur Frauenalpe 
hinaufklettert, herab und das Krummhoiz {Finns Mt^ghus) findet 
hier, kaum zweihandert Fuss ober den Zierben , seine obere 
Grenze. 

Die baumlose, zur Scbafweide benutzte Frauenalpe ist ein 
stellenweise kesselformig vertiel'ter, mit den sandhaltigen Raibler 
Schichten uberdeckter Bergvorsprung^ dessen obere Kalkgerolle 
von Papaver alpinum (fiore albo) und Petrocallis belebt werden, 
wahrend eine ober der Alpe hart au der osterreichischen Grenze 

r 

befindiiche Kalkhohle mit den griinen Polstern von Anoedangium 
Hornschuchiamini (lavo c. fr.) innen bekleidet und mit einigen 
sterilen Rasen von Hypnum mrvicaide (teste Juratzka in lit.) 
am Grunde bewachsen ist. 

A. Die Kalksteiuflechten, die ich von der Frauenalpe mitnahm, 
konnen nur als einige, die dortige Vegetation nicht erschopfende 
Proben gelten: 

1. Parmelia caesia (Hofl.) 

2. Gallop. atirantiac,\dLX.nubigenumm^{nQnK^\h,)yilL Sona- 

wendjoch p. 533: weit seltener als die folgende Art. 

3. Gallop, ochrac, miligenum Kplhbr. Lich. Bay. 163, Schaer. 
exs. 222 inf. mea coll., Arn. exs. 584: nicht selten an den Felsen, 
links ober der Frauenalpe und von hier in Arn. exs. 584 pu- 
blicirt. 

4. hecan. Agardhianoides Mass.; 

22* 



L 

1 



840 

5. Jlymenelia Prevo$ti% 

6. Hi/m, caerulea Korb.; 

7. Manzonia Caniiana Garov. 

8. JBiaU incrustans (DC). 

9. Lecid. immersa (Web.); 

10. Lee. gonioph-atrO'Sangimwa Hepp. 

11. Lecidea petrosa m. ; — 

12. Lee, caerulea Kplhb. apoth. pruinosis et nudis: 

13. Lee, liihyrga {^r.)^emergens Fw. Th. Fries Scand. 513; 

14. Endoearp, min> intestiniforme Korb. exs. 397. 

15. Verruc. plumbea Ach., 

16. Verr. disjuncta kxn, exs. 284: ziemlich selten und wenig 
entwickelt, doch an den characteristischenSporenleicht zu kennen. 

17. Verr, amylacea Hepp; var. alpina videtur; 

18. Verr. phaeosperma in. Flora 1874 p, 382; selten an deu 
Felsen: perithec. sub microscopic pauUo sovdide rubescens, bym. 
jodo vinos,, sporae siniplices,incol.,deraum luteolae et fuseesceu- 
tes, oblongae vel ovales, 0,025 mm. Ig., 0,009—12 mm. lat 

19. Amphorid^ Hochstett a.) planta alpiua typica; b. var. 
crustosum Arn. exs. 610: gemeinschaftlich mit der Stammform 
nnd deutlich in sie iibergehend auf der breiten Flache grosserer 
Kalkblocke an den trockensten Stellen der groben Kalkgerolle: 
von hier in Arn. 610 enthalten. 

20. Lithoic, tristis Kplh; 

21. Mieroih, maxmorata (Hepp.) 

22. Thelid, abscondUiim (Hepp 698) XII. Sonnwendijoch p. 534. 

23. Thelid, decipiens Hepp. /*. scrobiculare Garov.; — 

24. Thelid. quinqueseptatum Hepp, forma quaedam alpina; 

25. Polyhl, singularis (Kplh.); — 

26. PoL albida m. (Alpenform); — 

27. Pol. amota m.; — 

28. PoL cupularis (Mass.) Arn. exs. 425; hie nnd da; spet- 
mogonia numerosa, sed spermatia desunt. 

29. Lethagrium polycarpon (Schaer.); zicinUcbi selten. 

30. Cercidospora lecideoides (Anzi): compar. Flora 1874 p* 
453, Lee. arthonim (Th. Fries Scand. 551 obs. o): dieser Parasit 
diirfte einen Fall von Allelositismus Norm,. Th. Fries Scand, 343 
repraesentiren: 8 sponge Schiaache des Parasiten durchziehen 
das Hymenium der Lecid* gonioph. atrosangu\. die Flora 1869 p. 
269 tab. 8 fig. 2 abgebildeten Spermatien gehfiren demnach zu 
Lee. gon* atros. 



\ 
1 



* 



341 

31. Tichothec. pygnt, auf dem Thallus von Gallop, ochrac. 
nubig. und Lecid* petrosa. 

B, Die Raibier Schichten treten nicht in Felsen auf, sondern 
bestehen in einer erdigen, die Wiesplatze der Alpe bedingenden 
Schicht, worauf braunlichgraue Sandsteine zerstreut und ziem- 
lich sparlich umherliegen : ich bemerkte auf diesen Steinen 20 
Lichen en: 

L Gallop, aurantiOiC. (forma); 

2. Lecan. polytropa vulg. Fw., Korb. pan 154; 

3. Lee, Flotowiana Spr. ; 

4. Aspic, verruculosa'K^\]\h.^kxn, exs. 342: einewahrschein 
lich zu dieser Art gehSrige Form: thallus albidus, K — , C 
med. jodo fulvesc, epith. sordide olivac, hym. jodo caerulesc, 
deinde vinosum, hyp, incolor, sporae ovales, 0,027—30 ram. Ig., 
0,016—18 mm. lat. 

\Hymen. caerulea KcJrb; auf dem Sandsteine nur dllrftig 
ansgebildet and einer verkuramerten Aspic, flavida Hepp sehr 
ahnlich. 

6. Qyalecta lecideopsis Mass. mis. lich. (1856) p« 39, G. hy- 
alina Hepp (1858), Arn. exs. 7, Korb. 340: habituell mit derfran- 
kischen Pflanze iibereinstimmend. 

7. Sagiolechia protuberans (Ach.); — 

8. Biatora oc^racea Hepp /". rufofusca m. Flora 1870 p. 4; 

9. Lecidella goniophila Koerb. L. elaeoch, pilularis Th. Fries 
Scand. 543. 

lO.Lecid, spilota Korb. par. 154, Arn. Flora 1871 p. 153, 
L. cyanea tessellata (Fl.) Th. Fries Scand. 489: eine hieher zu 
ziehende Form: thallus albidus, rimulosus K — ,C— ,med. jodo pas- 
sim sed distincte caernlesc, epith. atroviride, K — , ac. nitr. roseo- 
viol, hyp, pallide luteolum, sporae 0,012 mm. Ig., 0,005 mm. 
Jat. 

11. Lecidea atronivea Arn. exs. 471, Flora 1870 p. 123. 

12. Lee, subluteseens Nyl. in lit. 5 Mai 1875 : eine hier unter- 
zubringende Form: planta Lecid. Juranae Sch. proxima; thallus 
areolatorimulosug, pallide lufescens, med. jodo fulvesc. epith. 
obscure viride K— , ac. nitr, roseo violac.,hyp. olivaceo nigricans, 
K et ac. nitr. subviolaceo mutatum, sporae ovales, 0,018— 23 mm. 
Ig., 0,009—12 mm. lat. 

13. Lecid, platycarpa (Ach.) 

14. Eehmia caeruleoalha Kplhb: und dicht daneben: 

15. Siegertia calcarea (Weis), 



\ 



\ 

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342 



16. Verruc. muralis Ach. : die VI. Waldrast p. 1131 erwabnte 
Alpenform sporis maioribus: thallus paruni evolutus, apoth. atra, 
peritfa. dimidiat, sporae 0,027 — 30 mm. Ig,. 0,012 — 15 mm. lat. 

17. Lithoic. fmfe (Kplh.): a.) thallo obscure, rimuloso, apoth. 
maioribus, planta normalis,- b.) thallo parum evoluto, apoth^mioo- 
ribus. — 

18. Thelidium Atiruntii Mass. forma. 

19. Phaeospora rimosicola (Leight.): Flora 1874 p. 455. 

20. Tichoth, pygm, auf dem Thallus der Lecid. atronivea. 
IV. Spec, muscic, et terrestres. Diese Lichenengruppe ist 

auf der Frauenalpe bei 5600' wohl in Folge des Einflusses der 
sandhaltigen Raibler Schichten mit 75 Arten und reichhaltiger 
als auf dem Hoehgern, der Kampen und dem Wallberg vertreten. 
Das ein paar hundert Fuss tiefer zwischen der Wettersteinalpe 
und dem Schachen befindliche Gerolle von Kalkblocken (5400') 
enthalt nur wenige Arten, nnter welchen Cladonia cervicornis 
Ach., von bier in Eehm Clad. 68 ausgegeben, erwahnenswerth 
ist. FUr Hochalpenflechten wie Biifourea madreporif. scheint die 
Frauenalpe jedoch uicht hoch genug zu liegea: derartige Formen 
diirften erst langs der obersten Kamme des Wettersteius sich 
einstellen. 

1. Cladonia deformis (L.) crenulata Ach. : vorwiegend 
steril; — var. gonecha Ach: mit tief zerschlilzten Fodetien. 

2. C. cariosa (Ach.) Spr., Th. Fries Sc. 90, Rehm Clad. 
exs. 53: der sterile Thallus. 

3- 6\ pyxid.pociHum Ach.: steril; hie und da mit zer- 
schlitzten Podetien; — der sterile Protothallus siedelt ant' PelHg- 
aphthosa Uber. 

4. C. decorticata (Fl.) macrophylla Sch., Th. Fries Sc. 91, 
Nyl. Flora 1873 p. 299: der sterile Thallus durftig ausgebildet. 

5. C gracilis (L.) hauptsachlicb in der f. macroceras Fl; 
doch kommt aucb eine kleinere sterile Form der/". cJwrdalis Fl. vor, 

6. C, degenerans (Fl.) eine zu f. aplotea Ach. gehSrige ste- 
rile Form. 

7. 0. amatirocraea (Fl.): steril: podetia apice plus minus 
deformia. 

8. C rangif,; 

9. Thamnolia vermienlaris Ach.; — 

10. Sphgridium fungiforme (Schrad.) der sterile Thallus. 

11. Cetraria island,: steril nicht selten; var. crispa Ach.: 

hie und da. 



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343 

12. Flatysma cucullat 

13. p. nivale\ 

14. P. juniper, (L.) 

15. Nephroma expallidum Nyl. Lapp. Or. 116, Arn. exs. 528 
a. b. Rabb. 911: steril zwischen Zwergweiden iiber begrastem, 
felsigen Kalkboden und von hier in Arn. 528 b. ausgegeben. 

16. Feltig. apUhosa (Hff.) sparsam und steril. — 

17. FelL rufescens Hoff., Nyl. Scand. 89, Leigbt. Grevillea 
1875 p. 167: steril nicht haufig. 

18. Pelt, canina (Hff.): steril. 

19. Solorina bispora Nyl.: zerstreut auf felsigem Boden. 

20. SoL octospora Arn. exs. 529 a. b. : bie und da auf Erde 
der Raibier Schichten. 

21. Solor, sarcafa (h-): der sterile Thallus selten; — reich 
fructificirend in tieferen Lagan z. B. auf Kalkboden am Wege 
ober Hammersbach bei 2400': sporae quaternae. — Beachtens- 
werth ist, dass nacb brieflicher Mittheilung von Dr. G. Winter 
in Leipzig S, octospora sich durch den anatomischen Bau des 
Tballus wesentlich von den beiden anderen Arten unterscheidet. 

22. Imhric. physodes (L.) /'. vittata Ach., Anzi exs. 257 c: 
steril hie und da. 

23. Parmelia caesia (Hofi.) der sterile Thallus iiber Laub- 
moosen, Barb, tortuosa, Leptotr. tiexic., auf KalkblCcken. 

24. Physcia elegans (Lk.) steril und diirftig gemeinschaftlich 
mit der vorigen. 

25. Pannaria hrunnea (Sw.) gemiina Korb. ; 

26. Pann. hypnorum (Vahl.): /'. campestris Th. Fr. : nicht 
haufig; — var. deattrata (Ach); ziemlich sparsara. 

27. Psoroma gypsaceum (Sm.); Smithii Ach: hie und da mil 
grossen Apothecien. 

28. Callop. cerin, stillicid,', — 

29. Callop, Jmigermanniae (Vahl.); vide Th. Fries Scand. 179; 
C*. ftiscolnteum XIl Brenner p. 257 : ziemlich selten. 

30. Blast, ferrug. muscicola Schaer. ; 

31. Blast, leiicoraea (Ach.): videTh. Fries Sc. 392. 

32. JJimelaena nimbosa (Fr.): ziemlich selten: planta eprui- 
nosa. 

33. Rinod, mniaraea (Ach.) Th. Fries Scand. 194: nicht haufig. 

34. Einod. turfacea (Wbg.) Arn. exs. 452 oranino ; und var, 
roscida (Smft.) Th. Fries Scand. 196, microcarpa K5rb. par. 72 
iiber Moosen. 



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344 



ii 



35. Ochrolechia tartarea (L.) var. leprosa Nyl.Lapp. or. 135t 
Th. Fries Sc. 234, Anzi exs. 101 (hue, vix ad /". frigidam Ach. 
pertinebit): nicht haufig: thallus plus minus leprosus nee „sub- 
spinulosus", C. rubesc. K. flavesc. ; apoth. minora, margineinflexo 
crenulato. 

36. OchroL upsaliensis (L.); — 

37. Lecanora Hageni (Ach.); vide Serlosgruppe p. 498; liber 
compacten Dicranum Rasen nicht haufig ; — 

38. L, subf. epibrya (Ach.); — 

39. Pertus, glomerata (Ach.) ; 

40. Aspic, verrucosa (Ach.); — 

41. Secoliga foveolaris (Ach.) K6rb. par. HI; 

42. Psora atrorufa (Dcks.): auf Erde der Raibler Schichten; 

43. Psora decipiens (Ehr.); 

44. Thalloidima vesiculare (Hfl.). 

45. Biatora Berengeriana Mass. ; 

46. B. atrofusca (Fw.) : vide Th. Fries Scand. 436 ; 

47. B. yernalis (L.): Th. Fries Sc. 427; 

48. B, uliginosa (Schrad.) ; nicht haufig. 

49 Biatorella fossarum (Duf,), Boussclii DR. Mtg., Koerb. 
par. 124 var. hemisphaerica Anzi csit 7 8j Arn. exs. 464, Th. Fries 
Scand. 397: ziemlich selten auf feuchter Erde zwischen 
kleinen Moosen, neben Distichium capillar: crusta subnulla, le- 
prosula, apoth. dispersa, convexa, rubescenti-rufa, intus K — . 
ep. hyp. lutescentia, hym. jodo caeruleum, paraph, tenerae, capiliares, 
asci polyspori, sporae oblongae, medio hie inde levissirae attenuatae, 
non raro cum 1—2 guttulis oleosis, 0,006—7 mm, Ig., 0,003 mm. lat. ; 
die Apothecien sind dunkler gefarbt als bei der typischen Pflanze 
Arn. exs. 12. 

50. Bilimbia sphaeroides (DQks.):T:h. Fries Sc. 369: hie und 
da: thallus albidus, apoth. carnea. 

51. Bil ohscuraia (Smft.): Th. Fries Sc. 372: nicht selten. 

52. Bil, microcarpa Th. Fries Sc. 376: mit der Waldraster 
Pflanze tibereinstimmend. 

53. Bil accedens m.; vide Th. Fries Sc. 375: eine Varietat; 
thallus albidus, granulatus, apoth. sordide fusca, leviter pruinosa, 
intus nee K nee ac. nitr. colorata, epith. sordide olivac, hyp. lu- 
tese., hym. jodo caernl, sporae 7—9 septatae, 0,045—52 mm. 
Ig., 0,006 mm. lat. 

54. Bil. Eegdiana (Hepp) ; Ton, syncomista (Fl.) Th. Fries 
Sc. 335; 



\ 



345 

55. Bacidia muscomm (Sw.); vide Th. Fries Sc. 354: ziem- 
lich selten. 

56. Ehaph, flavoviresc^ (Th. Fries Sc. Mli) var. alpina m. 
Brenner p. 261: sparsam; thallus citrinus, apoth. intasK— , epith. 
obscure viride, hyp. pallidius, paraph, grumulosae, hym. jodo ful- 
vese., sporae 7 septatae, 0,036 mm. Ig., 0,004 mm. lat., 8 in 
ascis subcylindricis. 

57. Lecid, Wulfeni (Hepp.); vide Th. Fries. Sc. 545. 

58. Lecid, assimilata Nyl. a. irrubata Th. Fries Seand. 522, 
Arn. exs. 556: hie und da. 

59. Buellia scabrosa (Ach.) vide Th. Fries Seand. 586: hie 
und da auf Sphyrid, fungif. 

60. Buellia insignis (Naeg.) var. mtiscorum (Schaer.), Th. 
Fries. Sc. 590: nicht haufig. 

61. Normandina laetevirens (T, B.) Nyl. Scand. 264, Endoc. 
viride Ach.: selten (iber compacten Dieranum Rasen. 

62. Placidiiim hepaticum (Ach.): vide Serlosgr. p. 501: in 

handbreiten Exemplaren. 

63. Placid, daedaleum (Kplh.) f, terrestris m. nicht haufig. 

64. Catopyr, cinereum (Pers.): hie und da. 

65. Catop. Waltkeri Kplh.: ziemlich selten, 

66. Dacampia HooJceri (Borr,); 

67. Thrombium epigaeum (Ach.) Korb. par. 382, Verr. ep. 
Nyl. Scand. 276: eine Alpenform (vel species propria?), die ich 
auch in Tirol antraf; habituell wie die gewohnliche Art, doch sind 
die Sporen grosser: hym. jodo caevulescens, paraph, tenerae, 
capillares, asci cyiindrici, sporae oblongae, simplices, 0,030—33 
m.m. Ig.; 0,009—12. m.m. hit., 8 in asco. 

68. Thelopsis melaihelia Nyl. : nicht gar selten. 

69. Folybl, Sendtneri Kplh.; 

70. FolybL evamscens m., Flora 1872 p. 148: iiber veralteten 
Moosen: thallus obducens, cinerasc, ap. nigric, perithec. integrum, 
bym. jodo vinos., absque paraph., sporae iucolores, submurali divi- 
sae, 0,045—54 mm. Ig., 0,024—50 mm. lat., 8 in asco. 

71. MierogL sphindri7ioidella(S j\.)uber compacten Dicranum- 
Rasen. 

72. Leptogium lacerum (Sw.) var. subsinuatum Nyl. in lit. 7 
Dec. 1874: auf bemooster Erde Ubereinem Kalkblockerplanta sicca 

plurabeo nigricans, stehlis, niargine laciniato-lobata; die Fflanze 

durfte eine Alpenform von L.sinuatum (Flora 1874 p. 384) sein. 



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73. Coniangium Koerberi Lahm: vide Serlosgruppe p. 501: 
parasitisch auf dem Thallus der Solorina bispora selten: apoth. 
supra thallum dispersa, nigricantia, rotundata, margine plana, 
leviter convexiuscula, epith. sordide olivascens, nee K nee ae. nitr, 
mutatura, hym. hyp. pallide et sordide luteolajodo vinose rub., sporae 
incolores, dyblastae, non raro uno apice rotundatae, altero elon- 
gatae. cnm duobus guttulis oleosis, medio levissime constrictae, 
0,015 — 16 mw. ]g., 0,004 — 5 mm. lat., 8 in ascis supra rotundatis. 

74. Bactylospora parasitaster Nyl. Flora 1875 p. 105 sub 
Lecidea ??, — parasitisch auf dem weisslichen Thallus der Bilim- 
bia sphaeroides^ selten : apoth. nigricantia, habitu biatorino, juni- 
ora leviter coneava, adultiora subplana nee urceolata, intus nee 
K nee ac. nitr. eolorata, ep. fuscum, hym. leviter luteolum jodo 
caeruleum, hyp. fuscescens, sporae fuscae, elongate oblongae, ju- 
niores 1 — 2 septatae, demum 3- rarius 5-septatae, rectae vel ra- 
ro levissime curvulae, lateribus non constrictae, non raro cum 4 
guttulis oleosis, 0,022— 25— (27) mm. Ig., 0,005 (—6) mm. lat., 8 in 
ascis elongato-oblongis. 

75. Xenosphaeria Engeliana (Saut.): parasitisch auf Solorina 
bispora. 

V. Schliesslich mochte ich noch hervorheben, dass ich auf 
Ehododendron hirsutum, welches bis auf die Thalsohle urn Par- 
lenkirchen herabgeht, keine Lichenen bemerkte; weder im Rain- 
thale, noch auf dem Schachen. Auf Salix retusa der Frauenaipe 
trat-ich nur Clad* pyxid, (Thallusschuppen); BiaL vernalis, Ba- 
nd, herbarum, Lecid, enterol. vulg. und ArtJionia excipienda f, 
rhodod. 



Pflanzenphysiologische Untersuchungen. 

Von Dr. C a r 1 K r a u s in Triesdorf. 

VL Wachsthum und Chloi!ophyllbildung. ^) 

Damit Chlorophyllbikiung eintreten kann, ist vor Allem 
nothwendig, dass Protoplasmapartien vorhanden sind, welche as- 
similirend auftveten, dann auch, dass Xanthin- uudChlorinradikal 
in Form von Leukophyll vorhanden sind, da Protoplasma und 
Leukophyll bei der Neubildung organischer Stofle zusammenwir- 



1) Die einschlagige Literatur s. J. Sachs, Lehrb. IV. Aufl. ; besonders war 
Batalina Abhandlune bot. Zeit. 1871 zu beTii^Jssip.htiflr(,n. 



1 



4 

1 



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34t 

ken mfissen. Wenn daher Pflanzen amLichte nicht ergiinen, so 

konnen entweder die Chlorophyllradikale in andere Stoffwechsel- 
producte Ubergefiihrt worden sein oder das Proloplasma war ge- 
nothigt, eino andere Richtung der Thatigkeit zn verfolgeu. Beide 
Ursachen konnen gleichzeit oder gesondert sich geltend macben. 
Sie konnen auch in Pflanzentheilen wirksaoi sein, welche vorher 
griin waren, dann gelb wuvden. In diesen Fallen kommen aber 
noch andere Umstande in Betracbt, welche bei eintretender riick- 
Hchreitender Metamorphose zur Wirkung kommen. Vcrbuchsre- 
sultate, betreffend Chloropbjllzersetzung in Losungen odergetodte- 
ten Chloropbyllkornern und dgl. konnen nicht ohne Weiteres und 
nllgemein iibertrageu werden auf dieVorgiinge Im lebenden Chlo- 
rophyllkoru. Eiue Chloropbyillosuiig bleibt bei Lichtabschluss 
selbst bei Gegenwart von Sauerstoif unveriindert, am Lichte 
wird sieiasch gelb ; lebende Chlorophyllkorner "werden bei Lichtab- 
schluss gelb, woraus zu schliessen ist, dass in lebbaft vegetiren- 
den Zellen die bestandige Xanthophyllbildung *) ihren Ursprun 
in erster Linie der Oxydation nicht zu verdanken hat, mages auch 
spater beliebige Veranderung erleideo. 

Die Ueberfuhrung der Chlorophyllbestandtheile in andere 
Stoffwechselproducte halt dieselbe Stufenieiter ein, welche bei 
der herbstlichen Veranderung dcs Chlorophylls zu beobachten ist. 
Erst wird aus dem Chlorophyll Leukophyil d. h. dns lleductions- 
product (der Formaidehyd) wird wie immerverbraucht, aber nicht 






1) J. Wiesner (Arb d. pflanzenphys. Instit. d. k. k. Wien. Univ. I. Sitzgsber. d. 
k. Akad. d. Wiss. I. Abth. April 1874) beraerkt, „dass das Verbleichen gru- 
Der Pilanzen im Dunkeln auf einer Zerstorung des Chlorophylls durch orga- 
nische Sauren beruht, welche letztere in derartigen Pflanzen sich in reich- 
licher Menge bilden.'^ Es ist zuzugeben, dass diese Sauren sekundar wjrkend 
auftreten, ob dies aber die primiire, bei voller Lebensthatigkeit der Zellen 
wirkende Ursache sei, mochte ich bezweifeln', dieser Vorgang diirfte anfangs 
nur fur eine Fortaetzung der Chloropiiyllzersetzung wie sie am Lichte statt- 
findet, zu halten sein. Acidoxanthin uud Xanthophyll sind nicht gleichartig 
(I dies. Unters.)-, nach Wiesner konnte in den besprochenen Fallen nur jenes 
uberwiegend sein, wShrend letzteres nachzuweisen ist. — Leider war mir 
die eben cit. interessante Abh. imOriginale vorher nicht bekannt. Hr. Prof. 
Dr. Wiesner hatte die Gute, mich aufmerksam zu machen, dass er bereits da- 
mab das KyanopltyU von G. Kraus als Chlorophyll in Anspruch nahm; 
ebenso hatte er gefunden, dass man aus frischen oder getrockneten Blattern 
durch Benzol kein Clilorophyll ausziehen konne, dass aber nachher Chloro- 
phyll nait Alkohol leicht auszuziehen sei. Ferner ist bereita angiegeben, dass 
»lkalisch gemachtes Chlorophyll bei Behandlung mit Alkohol und Benzol 
grijnen Alkohol und gelbes Benzol gebe. 



^ ',-'■ 



^48 

mehr ersetzt, hierauf wird anch das Chlorinradikal verwendet, 
ganz zuletzt verschwindet auch das Xanthin. 

Diese VorgSxige kann man sehr sch5n beobachten, wenn man 
Pfianzen nothigt, so stark zu wachsen, dass ihr ererbtes oder 
angenblich erworbenesWachsthumsmaterial nichtmehr zurgleich- 
zeitigen Bildung von Leukophyll und Chlorophyllkorper verwen- 
det warden kann. Bringt man Getreidekorner (Gerste, Hafer) in 
grosser Tiefe unter, so wird dass Blatt ausserordentiich lang, 
aber schwach; mag es beim ersten Hervorbrecben aus dem Bo- 
den griin oder gelb sein, bei weiterem Wachsthum wird es im- 
mer schwacber gelb, man erbalt mit Schwefelsaure keine Chlorin- 
reaktion mebr, zuletzt verschwindet auch Xanthin, Bisweilen er- 
holt sich dies erste Blatt nach einiger Zeit wieder, immer aber 
dauert es geraume Zeit, bis es vollstandig griin ist; wir finden 
auch normal in der Region der starksten Streckung die geringste 
Farbung. Bisweilen hort das erste Blatt zu wachsen auf, und es 
treten alle diese Erscheinungen erst am zweiten auf. Natlirlich 
istbei verschiedenenPflanzen verschiedeneAussaattiefe nothwendig 
je nach der Menge der Reservestoffe; fur Gerste(Chevaliergerste) 
^ind 15— 18 Cm. nothig, ftir Hafer weniger. 

Dieselben Erscheinungen findet man auch in im Finstern ausge- 
wachsenen Kartoflfeltrieben. Diese sind in den unteren gestreckteu 
Internodien farblos, wahrend nur im obersten (deutlichen), noch 
nicht gestreckten Internodium Xanthinbildung eintritt; dies Xan- 
thin verschwindet aber bei eintretender Verlangerung dieses In- 
ternodiums ebenso, wie es aus den unteren Internodien ver- 
schwunden ist. 

Langenwachsthum und Chlorophyllbildung stehen nicht in 
dem Zusammenhange, dass Ghloropbyllbildung das Wachsthum 
retardirt, sondern erst muss das Langenwachsthum gehemmt sein, 
was durch das Licht geschieht, erst dann kann Chlorophyll auf- 
treten. Wachst ein Kartoffeltrieb ohne Licbt, so ist in Folge 
der verminderten Schichtenspannung (6. Kraus) das Langenwachs- 
thum von vorneherein bedeutender als im Lichte, also auch die 
Zustromung von Wachsthumsmaterial, welches dadurch von den 
Blattern abgeleitet wird; dazu kommt noch die Einwirkung der 
Internodien auf die Turgescenz der Blatter: ohne Turgor keine 
Streckung (J. Sachs), auch wenn Wachsthumsmaterial genug vor- 
handen ist. Es ist daherbegreiflich, warum die Internodien eines 
Kartoffeltriebes bei Lichtabschluss wachsen, die Blatter nicht; 
duraus erklaren siCh die Unterschiede im Wachsthum, welche 



\ 






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849 

man erhalt, wenn man etiliorteTriebe sammt dem obersten deut- 
licb erkennbaren Internodium, welcbes der Streckung nahe steht, 
vom Lichte abscbliesst und nur die Knospe selbst am Lichte 
lasst. Die Blatter derselben entwickeln sich eine Zeit lang 
kaum mebr als sie ohne Licht gethan batten *). Es ist auch 
nicht zu wundern, wenn aus Runkeln austreibende Blatter auch 
im Finstern ziemlich gross werden , da hier die Rivalitat zwi- 
schen Stamm und Blatt wegfallt. Fur andere scheinbare Aus- 
nahmsfalle mussten erst die Spannungszustande untersucht wer- 
den. Daaselbe Verbaltniss wie zwischen Stamm wie Blatt tritt 
ofter auch zwisrhen Blattstiel und Blattspreite hervor. 

Bei den Monokotylen verhalt es sich wie bei den Kunkeln, 
indem die Blatter wacbsen, wahrend der Stamm zuriickbleibt. 
Evst wenn die Blatter ausgewachsen siod, beginut auch die 
Streckung der Internodien. Es iiberwiegen immer diejenigen 
Organe im Wachsthum, welche das rascheste Langeuwachsthum 
zeigen. 

Verhindert man die Streckung bei Lichtabscbluss oder be- 
reitet man ihr weuigstens Hindernisse, so kann naturiich dieser 
Verbraucb von Chlorin- und Xanthiiiradical nicht in dem Maasse 
eintreten, das Leukophyll bleibt erhalten, und man ist sogar zu 
der Erwartung berechtigt, dass bei derartigen Stockungen ver- 
mehrte Oxydation eintritt, welche (nach der in V entwickelten 
Anschauung) zur Chlorophyllbildung fuhren miisstCj insofern der 
Formaldehyd jetzt aus Material gebildet werden kann, welches 
sonst zui Zellhautbildung verwendet wiirde. *) In der That tritt 
unter diesen Umstanden Chlorophyllbildung bei Lichtabscbluss ein. 

Bringt man Gerste- oder Maiskeimpflanzen, die uoch in re- 
gem Wachsthum begriffen sind, in Glasrohren so unter, dass sie 



1) Die Unterschiede so behandelter Knospen u. solcher deren Internodien 
sammtlich am Lichte waren, sind augenfallig; zur vOUigen Entscheidung sind 
meine Vomchtungen unzureichend. 

2) Der in V erwahnte Versuch, Pflauaien durch Methylalkohol zum Er- 
giinen zu bringen, gelingt am einfachsten in der Weise, dass man z. B. kei- 
DQende Gerstenkorner in beliebiger Menge mit einer feuchten Umhiillung ver- 
selien unter den geigneten Vorsichtsraassregeln den Dampfen des Alkohols 
aussetzt. — Leider ist die Frage betreffs der zeitlichen Aufeinanderfolge von 
Clorophyll u. Assimilationsproduct nicht in der Weise zu entscheiden, dass 
naan experimentel zu ergrfinden sucht, wann Sauerstoffentwickelung eintrittjoder 
dass man etiolirte Pflanzen in kohlensaure freier Luft auf Chlorophyllbildung 
im Lichte untersucht. (Vergl. die Bemerkungen von A. Mayer u. Wolkoff, 
I'Widw. Jfthrb. HI, 4 ; Bousaingault Compt r. 68.) 






35$ 

im Wachstbum gehemnit sind, so bleiben sie vorevst ganz gelb, 
nach niehrtagigem Wachsthum werden sie auch ohne Licht deut- 
lich griin. Es ist vorauszusetzen, das derartiges in der Natur 
selbst vorkomme ; man hat audi Gelegcnheit, dies an Knos- 
pen vun Gvasstocken, die mit Evde bedeckt waren, oder an Ge- 
treidepflanzen, die durcli Schtdleu im Wachsthum gehemmt warden 

u. dgl. zn beobaehten. 



Botanische Notizen aus Griechenland. 

von X. Landerer in At hen. 

Ueber die Melia Azedarach. 

Eine der schonstenZierbaume Griechenlands und des Orients 
ist die Melia Acedarach. Die Saraen-Friichte, die Zentnerweise 
gesammelt werdtn konnten, und aus deaen 6—8—10% fettes 
Oel i'iir Seifen-Fabrikation und fiir andere Zwecke gewonnen 
werden koante, bleiben ganzlich unbeuiitzt. Man nennt diesen 
schonen Baum Paskalin, Osterbaum, da derselbe zur Zeit des 
Pascha (Osterzeit) bliiht. Wahrscheinlich der Aebnlicbkeit der 
BlUthen halber mit dea Bliithen der Syringa vidgaris nennt man 
auch selbe Paskalia (Osterpflanzen). Ein Bouquet dieser Blumen 
erflilU einen Salon mit dem lieblichsten Wohlgeruche. Gleich die- 
sen wohlriec'hende Blumen sind die von Pancratius maritimtis. 



Ueber die Krapp-Kultur in Griechenland. 

Noch vor 30 Jahren halten V4 der griechischeu Nation die 
National-Tracht getragen, namlichFustanellen und die rothgefarb- 
ten MUtzen, Fess genanut, die mil Krappwurzel gefarbt waren. 
Tempora mutantur et homines mutantur in illis. Statt der Na- 
tional-Tracht wurde die europaische eingefiihrt und in den Haupt- 
stadten sind die Fustanell-und Fess-Trager sehr selten geworden. 
Da es sich nun tiber den Kvappwurzel-Bau handelt so theile ich 
folgendes mit. Die Krappwurzel-Pllanze Buhia tinctorum wird 
in vielen Theilen des Landes, besonders seit einigen Jahren am 
Hafen Phaierus, auf Euboa und auch in Theben und Livadion 
gebaut und die Krapp-Plianzungen geboren zu den eintvaglicb- 
sten Pflanzungen. Jedoch urn solche schiine farbestoffreiche 
Wurzeln zu erhalten werden 5, 6, 7 Jahre erfordert, so dass 
diese Krapp-Felder 4 — 5 Jahre jedes Jabr bearbeitet, fleissig 



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3S1 

mit ZiegendUnger gediingt, alle unntttzen Pflanzen auggejatet 
werden ralissen, uin kraftige Wurzeln zu erzielen. Diese 5 — 6 
jahrigen Wurzeln werden im Monate September mit den Handen 
ausgerissen, sorgfaltig von der anbangenden Erde gereinigt, ohne 
jedoch gewaschen zu werden, indem sie sonst am Farbestoff-Ge- 
halte verlieren wiirden und an luftigen Orten getrocknet. Wenn 
sich dieselbeu mit den Fingern zerbrecben lassen, haben selbe 
den notbigen Grad der Trockenheit nm gemalen werden zu kon- 
nen. Sodann werden sie in iianfene Sackeeingestampft undaufdie 
europaischen Handelsplatze Triest, Livorno, Marseille und anch 
bis nacb England ausgeliihrt. Die besten ftir Weizenbau dien- 
licben Feldern sind t'Ur den Krappbau am geeignetsten. Die 
Samen werden im Monate Marz eingesaet; je mebr die Wurzeln 
mit guter Erde bedeekt sind desto dicker und farbestoffreicher 
werden die Wurzeln. Bei der Versendung ist grosse Vor- 
sicht nothig, dass die Wurzeln hinreichend trocken sind, am 
nicht zu schimmeln, wodurch derFarbstofif derselben bedeutend 
leidet und zu Grunde gebt. 



Auzetg^en. 

KSlner FLORA - LoUerie. 

Ziehuog nach Schluss der 

Internationalen Gartenbau - Ausstellung 

iiiti 27. §epttmBn 1875 nni fotimbt fnfle. 
Hanpt-Gewinne im Werthe von: 

10,000 JVIark, 
2 Mai 5000 mark. 

2 Mai 2000 Mark, 10 Mai 1000 Mark, 12 Mai 500 Mark, 

50 Mai 200 Mark 100 Mai 100 Mark, 200 Mai 50 Mark, 

welche auf Verlangen der Gewinner abzUglich 10"/o in Baar bezahlt werden. 

Jedes Loos kostet 3 Hark, 

^nd gewahre Wiederverkaufern entspreclienden Rabatt. 

B. «r. ]»aif§aalt in R51o. 






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Verlag von FERDINAND ENKE in Stnttgart. 



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Soebea erschien: 



Vorlesungen 



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Gehalten zu Berlin im Winterhalbjahr 1874/75 



von 



Rarl Roch, 

med. und pMl. Dr., Professor der Botanik an der Friedricli-WUlielm-Universitat zu Berlin. 

IndrelTlieilen. 

1) Geschiehte der Garten. 

2) Bau und Leben desBaumes, sowie sein Verhaltniss zuMenschen und Klima. 

8) Die Nadelholzer oder Coniferen. 
a geh. 432 Seiten. Preis 8 Mark 80 Pf, 

Das in gemeinverstandlicher, fllessender Sprache, ausserst anregend ge- 
schriebene Werke des beruhmten Verfassers dflrfte jedem Freunde der 
Natur, des Waldes und des Gartens eine wilikommene Gabe sein, wah- 
rend es dem Fachmanne, dem Botaniker, GUrtner, Forstmanne undLand- 
wirth wegen der FUUe neuer Gesichtspunkte und Tiiatsachen nahezu unent- 
behrlich sein wird. 

Die Voriesungen wurden im Winterhalbjahr 1874/75 in Berlin vor einem 
grossen, gebildeten Publikum aller Stande gehalten, und um vielseitig ausge- 
sprochenen Wiinschen nachzukommen, dem Druck ubergeben. 

Fruher erschien im gleichen Verlage: 

Dendrologie. 

Baume, Straucher und Halbstraucher, 

welche in Mittel- und Nordeuropa im Freien kultivirt werden. 

Kritisch beleuchtet von 



Karl Koch, 



med. und pM. Dr., Pfrofessor der Botanik an der Friedrich-Wilhelm-Universitat zu Berlin 

In zwei Banden. 

I Band. — Die Polypetalen. — Prels 12 Mark. — II. Band, 1. Abtheilun 
Die Mono- imd Apetalen, mit Ausnahme der Cupuliferen. — Preis 12 Mar 

II. Band, 2. Abtheilung. (Schluss) ~ Die Capolifereii Coniferen und Monoco- 

^. ,, , , tylen. - Preis 9 Mark 20 Pf. , ^ 

Uie Verlagshandlung erlaubt sich auf dieses, ton der gesammten raCB- 

Pressc als classisch nnd einiig in seiner Art bezeichnete Werk aufs Neue auf- 

merksam zu machen. 

Alle Buchhandlungen nehme n Bestellungen entgegen. 
Redacteur": Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'schen Buchdruckerei 

(F. Huber) in Eegensburg. 



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58. Jahrgang. 



Ns 23. 



Regensbnrg, 11. Angnst 



1876. 




Inhalt. L. Kny: Necrolog. — W. Nylander: Addenda nova ad 
Lichen ographiam europaeam. —F. v. Thumen: Puccinia De Baryana. — 
Dr. Dobner: Abnormer Fichtenzapfen. ~ Dr. Carl Kraus: Pflanzen- 
physiologische Untersuchungen. (Fortsetzung.) 

Bella^e* Tafel IX. 







Gnstave Adolphe T buret. 

In Gustave Thuret, welcher am 10. Mai 1875 in Nizza ver- 

schied, hat die Botanik eine ihrer hervorragendsten Zierden ver- 
loren. 

Der V.erstorbene wurde in Paris am 23. Mai 1817 geborcn.') 
Er stammte aus einer protestantischen Familie, die sich beiAuf- 
hebung des Edictes von Nantes nach Holland gefliichtet hatte. 
Unter den Sohnen seines Vaters Isaac Thuret, welcher die Stell- 
ung eines General-Consuls der Niederlande in Paris bekleidetc, 
war er der dritte. 

Seine classischen Studien absolvirte Thuret im vaterlichen 
Bause. Nach Abschluss derselben bezog er die Ecole de droit 
"nd erwarb sich 1838 das Diplom eines Licenci6 en droit. In 
den Jahren 1832 bis 1837 machte er, theils allein, theils mit 
seiner Familie mehrere Eeisen nach der Schweiz, nach Oberitalien, 

^) Fur die ia gegenwartigem Nachrafe enthalteneu thatsachlichen An- 
gaben ist der Unterzeichnete zum grdssten Theile Herm Dr. Boniet za Dftnk 
▼erpflichtet 



Flora 1875. 



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33 



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354 

DenlschlaBd, Holland und EBgland; doch hielt er sicb watrcnd 
des gi'osseren Theiles des Jahres im elterlichen Hause in Ren- 
tilly auf, das nahe bei Lagny im Departement Seine et Marne 
gelegen und nur wenige Meilen von Paris entfernt war, 

Schon frlih zeigte Thuret eine ausgespruchene Neigung zur 
Musik. Dieselbe brachte ihn zn Herrn von Villers (spater sach- 
sichem Legations-Secretar in Wien) in enge Beziehung, welcher 
Deben der Musik auch der Botanik ein wavmes Interesse vfidmete 
und sicb an den Excursionen von Jussieu betheiligte. Bei Ge!e- 
genheit eines Besuches in Rentilly wurde der Freund hiervon 
angesteckt; beide sammelten von nun an vereint die Pflanzen 
der nachsten Umgebung und bestimmten sie mit Ililfe der Flore 
Parisienne von Bautier oder der Flore Fr^ngaise von Decandolle. 
In zweifelhaften Fallen holte Herr von Villers, welcher in Paris 
wohnte, den Rath von Decaisne ein. 

AIs Thuret Ende 1839 nach Paris zurUckkehrte, ersuchte er 
Decaisne, ihm Unterricht zu ertheilen. Er wurde von ibm rasch 
in die Organographie und Anatomic der Pflanzen eingeflihrt 
und fUhlte sicb bald selbstandiger Arbeit gewachsen. Decaisne 
war damals gerade mit seinen Untersuchungen iiber die Classification 
der Algenbeschaftigt; er weihte seinen Schliler darin ein und wies 
ihn auf die Fragen bin, die noch ihrer Erledigung hariten. 

Wabrend des Winters 1839—40 unternabm Thuret seine 
erste Reise nach dem Orient und brachte unter Anderem auch 
einige Meeresalgen von dort zuriick. Im darauflfolgenden Som- 
merfinden wirihn in Lyon, woer mit Seringe und Jordan botani- 
sirte, mit Fournet Geologie trieb und die Flimmerfaden an den 
Spermatozoiden von Chara entdeckte. Im October 1840 giug er 
als Attach^ der franzosischen Gesandtschaft nach Constantinopel. 
Unter den Phanerogamen, welche er auf seinen Excursionen in 
dessen Umgebung sammelte, fand Boissier mehrere neue Arten. 
Gegen Mitte October 1841 nahm erUrlaub, um Syrien undEgyp- 
ten zu besuchen, erkrankte aber wabrend der Reise schwer in 
Thebeu und kebrte nach Frankreich zuriick. 

An diesem Abschnitte seines Lebens scheint Thuret das Be- 
darfniss gefilhlt zu haben, uber seine Zukunft teste Entschliess- 
ungen zu fassen. Er that die nothigen Schritte um eine Stellung 
als Auditeur am Conseil d'etat zu erhalten, war aber mit sei- 
ner Bevverbung nicht glucklich und liess sicb in Folge dessen 
dauernd in Rentilly nieder. Nachdem er sicb dort ein Labora- 
torinm eingerichtet hatte, nahm er dieEntwickelungsgeschichte derAI- 



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355 

gen ernstlicli in Angriff. Hier warden die Untersuchungen fiber 
die Zoosporen der Algen , fiber die Antheridien der Muscineen 
uod Farrne und uber die Fortpflanzung von Nosioc verrucosum 
ausgeffihrt, welche letztere in den Anntvles des sciences naturel- 
les (3. s6rie t. 2 (1844) und t. 11 (1849)) verofientlicht sind. 

Im Jahre 1844 unternahm Thuret in Begleitung von Decaisne 
seine erste algologische Excursion nach der Meereskiiste, urn die 
Fortpflanzung von Fucus zu untersuchen. Im nUchsten Jahre, 
wo beide Forscher sich in Arromanche aufhielten, entdeckten sie 
die Schwarmsporen von Chorda Filiim. 

Von nun an kehrte Tliuret jedes Jabr nach der Kfiste der 
Normandie oder Bretagne zuruck, meist begleifet von dem talent- 
vollen Zeichner Riocreux, dessen Namen wir fortan unter fast 
alien Tafeln finden, welche seine Arbeiten zieren. Die Frtichte 
der langjahrigen Untersucbuogen wurden in der Abhandlung 
„R6cherches sur les Zoospores des Algues et les Antheridies des 
Cryptogames" niedergelegt, welcher die PariserAkademie im Jahre 
1850 den grossen Freis fiir die Naturvvissenschaften zuerkannte. 
Obschon der alien Botanikern wohlbekannte Aufsatz in den Anna- 
les des sciences naturelles (3. serie t. 14 und 16) nur ein Aus- 
zug aus der grosseren Arbeit ist, welche noch der Veroffentlich- 
ung harrt, ist sie durch Reichthum und Gediegenhcit des Inhal- 
tes doch eine wahre Fundgrube fur alle spateven Forscher geworden. 

Im Jahre 1847 verliess Thuret Rentilly und liess sich mit 
seiner Familie in Versailles nieder. Im November 1852 siedelte 
er mit Dr. Bornet, zu dem er seit einem Jahre in nahereBezieh- 
ung getreten war, nacb Cherbourg fiber. Das erste bedentende 
Kesultat seiner dortigen Arbeiten warderexperimentelle Nachweis 
der Geschlechtlichkeit der Fucaceen. Seine Untersuchungen, 
welche in den Comptes rendus der Pariser Akademie vom 25. 
Aprill853 und in denAnnales des sc. nat (4. s^rie t, 2 (1854)) 
niedergelegt wurden, sind in dieser Beziehung durchaus entschei- 
dend und erschopfend, wenn auch die eigentliche Natur des Zeug- 
^ngsaktes, die Verschmelzung des Spermatozoides mit der Ei- 
zelle, erst spater von Pringsheim und Cohn bei anderen Algen- 
gruppen ermittelt wurden. 

Mitten in den Aufenthalt in Cherbourg fallt eine Excursion 
nach Biarritz, in deren Folge die Mittheilungen fiber die Anthe- 
ridien der Algen und tiber Bm-ntiia veroffentlicht wurden* In 
Cherbourg beobachtete Thuret spater noch die Keimung von 

23* 






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856 

In Folge des iiblen Einflusses, welchen das rauhe Klima der 
Normandie auf seine Gesundheit geaussert hatte, sah er sich ge- 
nothigt, sein Domizil nach dem Siiden Frankreich's zu verlegen. 
Unterden Orten der Mitteimeerkilste fiel seine Wahl aufAntibes. 

Zwischen dem kleinen Stadtchen und dem Golfe de Jouan, 
in welchem der erste Napoleon bei der Ruckkehr von der Insel 
Elba mit seinen Getreuen landete, springt eine felsigeLandzunge 
in das Meer bin, die sicb am Eude etwas erweitert und 
bier an ihrem boebsten Punkte einen weitbin sicbtbaren Leucbt- 
tburm tragt. Etwa balbwegs zwiscben diesem und dem Stadt- 
cben, auf dem Mckeu der Halbinsel, grundete Tburet seine Nie- 
derlassung. Einen seboneren Punkt hatte er kaum auswahlen 
konnen. Nacb beideu Seifen war ibm der Blick nach dem Meere 
bin offen. In ostlicherRichtung erbliekt man Uber dem tief blauen 
Wasser der Bucht von Nizza dessen stattlicbe Haaserreiben und 
gartenumkranzten Villen und sieht Uber ibnen die schneebedeckten 
Haupter der Seealpen in maleriscben Formen aufragen. Selbst 
die mit landschaftlichen Eeizen so verschwenderiscb ausgestatte- 
ten Ktisten des Mittelmeeres baben wenige Punkte aufzuweisen, 
welcbe sicb biermit vergleicben konnen. 

Nicbt minder bedacht, wie fUr die schone Lage, war Thuret 
fur die innere Einricbtung des Hauses und die Ausstattung des 
weit sich debnenden Gartens. Bei den reicben Mitteln, iiber 
welcbe er gebot, brauchte er sicb hierin keinerlei Bescbrankung 
aufzuerlegen. Doch herrscbte iiberail nur einfacbe Eleganz vor; 
nirgends wurde der barmonische Eindruck durch Ueberfiillung 
oderPrunk gestort. Der Bibliotbek und den reicben Sammlangen 
waren die besten Ziramer eingeraumt; bier war es, wo die bei- 
den eng befreundeten Forscber ibr Zelt aufgeschlagen batten und 
ungebindert durch amtliche Verpflicbtungen oder aussere Sorgen 
der Arbeit oblagen. Der Garten, welcher sicb besonders in der 
Ricbtung von Nizza weit gegen das Meer bin erstreckte, bot in 
seinen verschiedenen Lagen die gunstigste Gelegenheit fur die 
Cultur von Pflanzen aus gemassigten und warmeren Climaten. 
Besonders waren es die Floren der canariscben Inseln, des Caps 
der guten Hoffnung und von NeuhoUand, von welchen Tburet 
zahlreiche Arten zusammengebracht hatte, die auch zur Winters- 
zeit sein Haus mit Bltithen umkranzten. 

Nachdem er langere Zeit der sitzenden Lebensweise und der 
Arbeit ganz hatte entsagen mUssen, macbte er spater, theils mit 
Hornet allein theils mit ibm und Riocreux zusammen, jabrlich 






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357 

eine Expedition nach der Kuste des atlantischen Oceans. Jede 
derselben war dera Studium einer bestimmten Frage gewidmet. 
So gelangte durch die gemeinsamen Bemuhungen beider For- 
scber die Befrnchtung der Florideen zur vollen Aufklarung. auf 
welche so viele Untersuchungen bis dahin vergeblich gerichtet 
waren. Bin anderes Mai war es die Abgrenzung der vielgestal- 
tigen Formenkreise in den Gatfungen Edocarpus und Polysipho- 
nia^ die Fortpflanzuug von Biviilaria bullata^ von Folyides etc. 
welche Thuret beschaftigten. 

Leider werden diese letzten Untersuchungen, welche zum 
Theil noch des Abschlusses harrten, der Wissenschaft wohl nicht 
sanimtlich mehr zu Gate komnien. Um so grossere Freude wird 
es den zahlreichen Verehrern des dahingeschiedenen Forschers 
gewahren, dass die Veroffentlichung einer Auswahl der pracht- 
vollen Zeichnungen, welche er im Laufe der Jahre aber Anato- 
mie und Entwickelungsgeschichte der Algen zusammengebracht 
hat, noch bevorsteht. Von den 50 Tafeln, welche das Werk ent- 
halten sollte, waren 42 gestocben, als der Tod ihn ereilte. In 
den bewahrten Handen Bornets wird das Ganze gewiss einen 
seines Autors wiirdigen Abschluss erhalten. 

Thuret starb am 10. Mai in Nizza, nachdem er erst vor 
vvenigen Stunden, anscheineud im Yollbesitz der Gesundheit, dort 
angelangt war. Eine Brust-Affektion war aller Wahrscheinlich- 
keit nach die Ursache seines Todes. 

Die Bedeutung Thuret's fur die Wissenschaft bestand vor 
Allem in der strengen Methode der Untersnchung. Die hohen An- 
forderungen, welche er an seine eigeuen Leistungen stellte, liessen 
ihn nur solche Beobachtungen der Veroffentlichung fur wiirdig 
halten, die er immer wieder von Neuen gepriift und liber alien 
Zweifel sicher gestellt hatte. In dieser Beziehung stehen seine 
Arbeiten als unerreichte Muster da. Nur von Wenigen wird man 
sagen konnen, dass keine ihrer Beobachtungen von ihnen selbst 
berichtigt odervon Anderen bei ihren Lebzeiten angefochten worden 
ware. Thuret darf diesen hochsten Kuhm eines gewissenhaften 
Forschers fiir sich in Anspruch nehmen. 

Nicht minder hoch, als durch die Gediegenheit undReichhaltig- 
keitdesInhaltesstehenThuret's Abhandlungen durch die Klarheit 
und die anspruchslose Einfachheit der Darstellung. Es zeigt sich 
hierin derseibe kunstlerische Sinn, der ihn in der bildlichen Aus- 
stattung seiner Arbeiten den moglichsten Grad der Vollenduug 
erstreben Ijisst. In wenigen Worten versteht er Vieles zusam- 






358 

menzudrangen und dasGanze harmonisch zu gestalten. DerEin- 
druck, welchen die LektUre seiner Veroffentlichungen durch die 
Abrundung ihrer Form hinterlasst, ist uin so wohlthuender, je 
weniger die meisten Erscheinungen der modernen Fachliteratur 
uns hierin verwohnt haben. 

Als Menschen warden nur diejenigen den Verstorbenen gauz 
zu wtirdigen vermogen, "welche langer, als der Verfasser dieser 
Zeilen, das Gluck batten, in personlichem Verkehr ihm nahe zu 
stehen. Docb darf er auf Grund eigener Erfahrung bezeugen, 
dass Thuret unter voUendet weltmannischen Formen cine reiche 
Herzensgfite barg. Jeder der jUngeren Faehgenossen, den sein 
Weg an Antibes voruberfuhrte, fand in der Villa Thuret die 
freundlichste Aufnahme und, falls er diePflanzenschatze der Um- 
gebung kennen zu lernen oder fv\r wissenschaftlichc Aufgaben 
zu verwertben wiinschte, von deren liebenswttrdigen Bewohneru 
jederzeit die wohlwoUendste und uneigenntitzigste Forderung. 

L. Kny. 



Addenda nova ad liidienognrapMam europaeam. 

Continuatio secunda et vicesima. — Eiponit W. Nylander. 

1. Pterygium conferciens Nyl. 

Thallus olivaceo-nigricans, tenniter fibrillosus vel fibrillis 
divisis intricato-congestis, supra divisionibus imbvicatis, totus 
crustam dense compactam efficie'ns (crassit. vel altitudine 1—2 
millim.). 

In regione boreali Ladogae, supra rupes lacustres (Norrlin), 
socium Physciae obscurae van sciastrae (Ach.). 

Facie fere Sirosiphonis pulvinaii, sed mox laciniolls fibrilli- 
formibus supra imbricatis longe divergens. Laciniolae illae lati- 
ores depressae (latit. 0,1 millim., crassitie nonnihil niinore), elon- 
gatae, saepius vero tenuiores omnino fibrillosae. Apothecia ignota. 
Essepossit hie Lichen Pawwana, quod genus cuu\ Pterygia con&niL 

2, Stereocaulon suhintricans Nyl. 
Thallus mediocris, podetiis nudis (altit, eirciter 4 centimetro- 
rum) ramosis, granulis difformi-verniculosis vel rarius nonnihil 
crenatis; apothecia fusca frequentia, demum convexa (latit. 1 mil- 
lim. vel saepius minora); sporae fusiformes 1— 3-septatae, longit. 
0,016—23 millim., crassit. 0,0025-0,0030 millim. 






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369 

Saxicola in Finlandia, Hollola (Lang). 

Species videtur propria^) accedens ad Si, siihcoralloideSy a 
quo granulis thallinis valde distat. Sporae parvae peculiares 
Cephalodia non visa. Medulla chondroidea iutus K—-. 

3. Parmelia inftimata Nyl. 

Subsimilis P. fidiginosae^ sed nonuihil major, thallosubopaco 
(in lobis summis subcaesio olivaceo-fuliginosus), reactioue medul- 
lae Ca CI nulla. 

Supra saxa in rcgione boreali Ladogae (Norrlin). 

Species sine dubio distincta a P. prolixa^ cui forsan proxima, 
Apothecia et spermogouia ignota. Tbalius crassit, 0,06—0,07 
inillim., subtus in partibus junioribns olivaceus rbizinis concolo- 
ribus sat parcis, in partibus vetustioribus nigricans; supra pro 
magna parte isidio subgloboso-papillari tenuiconcoloriconspersus. 

4. Parmelia suhargentifera NyL 

Subsimilis Parmeliae glabrae (Sebaer.), sed tbalius subopacus 

laxe imbricatus, lobis laciniarum (praesertim terminalibUs) albo- 

sovediellis. Apothecia non visa. 

Supra muscos rupicolas in regione boreali lacus Ladoga 
(Norrlin). 

ThalJus olivaceo-fuscescens (aut varians pallido-vireseens), 

crassit. 0,1— 0;2 millim. Soredia punctiformia sparsa et simul 

saepe margines laciniarum albocaesio-sorediata. Tbalius subtus 

niger, rbizinis concoloribus firmis munitus. Spermatia acicularia sub- 

fusiformi-cylindrica,loDgit. 0,006— 8 millim., crassit. 0,0008 millim. 

5. Physcia concrustans Nyl, 

Est quasi Ph. ohsctira (et forsitan ejus subspecies) major, 
crassior, thallo pro maxima parte verrucoso-eorrugato, etiam 
apotheciis (latit. 2—3 millimetrorum) a thallo demum verrucoso- 
laarginatis. 

Populicola ad Helsingfors (Lang). 

Specimiua visa latit. 5—7 centimetrorum, thallo obscure 
cinereo. 



1) Contra Stereocaulon demuiaiulum Nyl. Ja;Flora 187:1 p. 6 subsumen- 
dum sit sub St. condemato variabili. Sporae longit. 0,023—34 millim., cras- 
sit. 0.003—4 mniim. in denudatulo. 



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360 

6. Physcia Uthofodes Nyl. 

Est ad FJiysciam ulothricem fere ut var, Uthoiea est ad P7*. o&- 
5CMram, at forsan propria species ob apothecia lecanoroidea, mar- 
gine scilicet thallino sat tenui crenulato. 

Saxicola in Finlandia, Hollola (Lang). 

Thallus castaneo-fuscns, laciniis latit. circiter 0,3 raillim. 
Apothecia obscure fusca, latit. 1 millira. vel minora, plana, mar- 
gine thallino vix prominulo. Sporae longit. 0,017—23 millim., 
crassit. 0,006—9 millim, 

7. Lecanora leucospilodes Nyl. 

Quasi L. aurantiaca^ sed thallus opacus, obscure cinereus, 
tennis (hypothallus nigricans passim praedominans), maculis albis 
(latit. 0,2—0,5 millim.) inspersus; apothecia aurantiaco-rufescen- 
tia (latit. 1 millim. velnonnihil minora); sporae longit. 0,011—16 
millim., crassit. 0,006—10 millim. (fere sicut in L. pyracea, tu- 
bulo axeos vix alio). 

Supra lapides graniticos in Finlandia, Hollola (Lang). 

Satis distincta videtuv, vix vero species sit propria. 

8. Lecanora griseo-fusca Nyl. 
Comparanda cum i. fusca (Anzi), sed thallo albido-fusce- 

scente, apotheciis lecideoideisfusco-nigris opacis rugulosis'^latit. 0,5 
millim. vel minoribus) marginatulis(demummargineevanescente); 

sporae majores (longit. 0,016—22 millim., crassit. 0,008—0,011 
millim.). Jodo gelatina hymenialis coerulescens, dein viaoseful- 
vescens (thecae sic praesertim tinctae). 

Supra lapides graniticos in Hollola (Lang). 

Thallus tenuis sublaevigatus opacus areolato-rimosus. 

9. lecanora metabolisa Nyl. 

Satis similis L. metaloloidi, sed gelatina hymenialis ]^^o 
(e coerulescente) vinose fulvescente. 

LignJcola, late distributa in montanis Europae. 

Thallus albidus, minute granulosus, saepe subevanescens. 
Apothecia vulgo conferta (testacea, fuscescentia, livida simul ob- 
venientia), demum convexa biatoroidea (latit. 0,2—0,4 millim.); 
sporae oblongae, longit. 0,009—0,013 millim., crassit. circiter 
0,004 millim. Hue pertinet L. aiUma Am. Ausfl. VI, p. ^^ 
(excL spermatiis, quae semper vidi curvula). Affinis esti. 2?2««" 
perda Krb. (et sit revera var. suhcarnea Krb. pro p. nostra L. 
tii€taboli;sa). 






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361 



10. Lecanora viridiram Nyl. 



Forsan est van Lecanorae Hageni, sed thallus obscure viridis 
granulato-verrucosus, inediocris;apothecia fusca vel subconcoloria, 
sat parva (latit. 0,5 millim. vel minora), margine thallino saepius 
siibcrenulato cincta; sporae oblongae (vel rarius immixtae bre- 
viores),loDgit. 0,011—18 millim., crassit. 0,005— 6 millim., paraphy- 
ses mediocres. Jodo gelatina bymenialis coerulescens, dein subvinose 
violaseens. 

Supra lignum pini prope Helsingfors (Lang). 

Supra caementum in Hollola subecrustacea, sporis' longit. 
0,012—19 millim., crassit, 0,005—7 millim. (Lang). 

11, Lecidea triseptatula Nyl. 

Comparanda cum L. irisepfa (Naeg.), sed apotbecia nigri- 
canti-livida vel saepe partim livido-paliescentia, sporae (3-septa- 
tae) longit. 0,012—18 millim., crassit. 0,0035—0,0045 millim. 
Jodo gelatina bymenialis coeruleseens (dein thecae vinose fulve- 
scentes), tbalamium vix tinctum. 

Supra lignum pini vetustum in Finlandia, Hollola (Lang). 

Thallus cinereus vel cinereo-viveacens , minute granulosus, 
vel varians obsoletus. Apothecia convexiuscula, latit. 0,3—0,6 
millim. Spermatia recta mediocria, — Comparanda est etiam 
L. hemipolioides NyL in Flora 1873, p. 294, baud absimilis etaffinis, 

12. Opegrapha xylographisa Nyl. 

Tballus vix ullus proprius; apothecia nigra subparallele di- 
spevsa, lanceolato-linearia (longit. 0,5— 0,7 millim., latit. 0,1 millim. 
vel pauxillo interdum latiora), eplthecio rimiformi vel aliquando 
planiore(marginato); sporae oviformi-oblougae 1— 3-septatae, lon- 
git. 0,010—14 millim., crassit. 0,0035—0,0055 millim. (arthoniomor- 
phae aeque ac thecae), epithecium fuscescens, hypothecium nigrum. 

Supra lignum putridum in Finlandia, Hollola (Lang). 

Species est sporis et thecis accedens ad typum OpegrapJiae 
«^yae, sed ceteris notis longe distat. Apothecia in humido statu 
supra planiuscula, Sporae saepius 2-septatae, Pro Xylographa 
Riinore facile sumeretur hie lichen, nisi analytice examinatur. 

13. Arthonia epiphyscia Nyl. 

Species apotheciis nigris convexis parvis (latit. 0,2 millim. 
vel minoribus) et sporis 1-septatis formae acinorum uvae (longit. 






368 

0,011—12 nulliffi., crassit. cirdter 0,0045 minim.). Jodo gelatina 

hymcnialis vinose rubena. 

Supra Phf/sciam caesiam in Finlandia, Hollola (Lang). 

14. Endocarpon polyphylluum Nyl. 

Accedens ad E, leptophjllum Ach., sed thallus castaneo-fu- 
scescens tenuiov (erassit. 0,2 millim. vel eliam tenuior), sporis 
minoribus (loiigit. 0,011 — 14 millim., crassit. 0,005—6 millim.). 

In regione boreali lacus Ladogae, supra rupes (in Walamo 
Icgi olim et dein nuper ad Kivjavalaks id legit cl. Norrlin). 

Thallus saepius polyphyllus quasi GyropJioram polyyhyUani 
minorem imitans, lobis imbricatis, ostiolis prominulis. 

15, Verrucaria inconvcrsa NyU 

Subsimiiis Verrucariae umhrinae^ mox vero differens spons 
incoloribus. 

Supra saxa gneissacea in Finlandia (Noriliu). 

Thallus fuliginosus opacus, sat tenuis, ruguloso-inaoqualis, 
passim arcolato-rimulosus. Apothecia pyrenio nigricante. Sporae 
binae incolores (vel obsolete rosello-lutescentes), murali-divisae, 
oblongae, longit. 0,030—40 millim., crassit. 0,011—16 millim. 
Ad Helsingfors lecta (a Lang) pyrenio fuscescente et sporis us- 
que longit. 0,055, crassit. 0,018 (minoribus longit, 0,030 millim-i 
crassit 0,012 millim.). 

16, Verrucaria oinigrescens Nyl. 

Subsimiiis V. nigrescenti, sed thallo tenuissimo continuo (vel 
passim snbtiliter areolato-rimuloso), sporis longit. 0,022—27 mil- 
lim,, crassit 0,010—14 millim. 

Supra saxa micaceo-schistosa in Finlandia orientali (Norrlin). 

Thallus fuliginosus opacus indeterminatus, passim subcaesius. 
Apothecia hemisphaerico-prominula (latit 0,25 millim.). 

17, Mycoponim rhypontoides Nyl. 

Sat simile M, ptelaeodi, sed thalli macula fusca saltern apo- 
thecia (i:parsa) cingens et sporis nonnihil majoribus et coloris 
subolivacei (longit 0,022—25 millim., crassit 0,009—0,010 millim.). 

Populicola in Finlandia oriental! (Norrlin). 






363 



Obiiervatlonc9i. 



Jam diu separavi a Tyrenopsi genere I*, hcwmaleam (Smrf.) 
et granatinam (Stnrf.) ob formam et structuram superiorem apo- 
thecioruni. Genus novum est Euopsis^ species illas continens. 

Ad observationem circa genus Parmostictam in Addendis pri- 
oribus (Flora 1875, p. 303), Stictis constitutum apotheciis bene 
paruielinis (et gonidiis usque iu summum marginem receptacuii 
perstratis), addere liceat, eo pertinere praecipue P. aiiratam (Ach,) 
et obvoliitam (Ach.) atque similiter separandam esse a Stictina 
genere Stictinam hirsutam^ dicendam Parmostidinmn ob formam 
omnino parmeliuam apotheciovum. Haec rite forsan mode sub- 
genera sistant, nam observatur quidem etiara Stictis ceteris go- 
nidia satis in margine tballino protrudi, etiamsi apothecia vix 
vere parmelina babeantur (ex. gr. in St, orygmaea et Urvillei), 

Pertusaria diaxantlia Nyl. Thallus sterilis boc nomine de- 
signatur incerti generis (an Pertttsaria? B.n Lecanora?) , heie fere 
ut in Lecanora tartarea^ sed Ca CI— (nee K tinctus) et sorediis 
flavis granulosis, demum coniluentibus efflorescens. Supra saxa 
ad Ladogam borealem (Norrlin). 

Arn. Exs. 559 est Lccidea atroalbicans Nyl. 

Lecidea phaeenterodes Nyl. Thallus albido-flavescens firmus 
(crassit. fere 0,5 millim.), preolato-rimuiosus; apothecia plana 
(latit 1 — 3 millim.), epithecio livide nigricante caesio-suflfuso, 
margine nigro persistente flexuoso; sporae Snae ellipsoideae, 
^ongit, 0,014—22 millim., crassit. 0,008—12 millim., paraphysea 
gracilescentes apice flavescentes, hypothecium obscure rufescens, 
parte supera fuscescente, Jodo gelatina bymenialis intensive 
(persistenter) coerulescens. In Sueciu, Nericia, supra saxagrani- 
tica (Zetterstedt). Apothecia saepe prolifera et supra epitbecium 
apothecia nonnulla minuta ferentia, Fraesertim hypothecio et 
Epithecio (lutescente) in stirpe i. contiguae notabilis; ejus var. 
soredizodes datur in Anzi L. m. r. no. 283, thallo sorediello. 

Zw. Exs. 86 D fagicola, pertinere videtur ad novam speciera 
^rthoniam hiridofuscam, affinem A spadiceae, sed differentem 
reactione thalamii K vix ulla (vel obsolete supra obscuraute) et 
apotheciis intus subincoloribus, sporismajoribus,longit. 0,014 — 17 
niillim., crassit. 0,005—6 millim. (proxime utin A.airofuscellaNyhX 
Arihoria atrofuseella, Subsimilis A, pineti Krb., sed sporis 
I Paullo minoribus (longit. 0,012—16 millim., crassit. 0,005—6 mill.). 
i In J., 5pa(Zicea lamina tenuis apothecii est subcarotino-lutescena 



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3G4 

et K obscure violacee nonnihiltincta. — Quae no. 12 allafa est 
in Am. Ausfl. XI, p« 23, e Waldrast, in Sorbo c'hamaemespilo ob- 
vcniens, alia est species comparanda, A stibspadkea mihi, extus 
subsimilis A spadiceae, at Ihalamio incolore et K non reagente; 
sporae longit. 0,010—11 millim., crassit. 0,0035—0,0045 millim. 
(hae igitur proxime sicat in A, spadicea). 



Puccinia, ne, Bwryunu Thin* 

In der „Botanischen Zeitung" Jahrgang 1858. p. 83. stellt 
De Bary eine, von ihm auf den lebenden Blattern der Anemone 
sylvestris, gefandene neue Pitccina aaf, welcher er den Namen 
Puccinia compada beilegt. In Rabenhorst: ^Herbarium mycolo- 
gicum" Bd. II. gab derselbe Forscber dann sub no, 688 diesen 
Pilz aus und diagnosivte ibm folgendermassen. 

Puccinia compacta De By. P. pulvillis orbicularibus, primum 
crocels, mox nigris, margine croceo cinctis, epidermide sem- 
per tectis, ideoque laevibus. Fructibusoblongis, breviter|)e- 
dicellatis, spora inferiore oblonga, superiore oblonga obovatave, 
aut cuspidata, aut apice rotundata, aut irregulariter truncata; 
episporio crasso, fusco laevissimo. In monte „Kaiserstuhl'^ 
prope Freiburgam legi aestate 1856 et IS57. 

DieserPilz,welcberfiucbtig betrachtetan eine jugendliche 
'Khytisme exinnert, ward spater an verscbiedenenOrten gefunden; 
ich seibst besiize ihn aus Weinheim a. d. Bergstrasse (Fuckel f. 
rhen. 1671). Zips in Ungarn (Kalchbrenner in Rabb, f. ear. 1295-), 
Krems in Nieder-Oestereicb (ipse in Thm. f. austr. 51.) 

In „Weigel, plantae Surinamenses" beschrieb nun aber Kunze 
(so viel mir bekannt im Jahre 1830) ebenfalls eine Pucinia com- 
pacta, welche Weigel 1827 auf den lebenden Blattern einer, leider 
nicbt bestimmten Pfianze, gesammelt batte. Dieser Pticcina com- 
pacta Knz. gebiihrt demnach ohne Zweifel die Prioritat vor der 
De Bary'schen Art und nenne icb desshalb die Species auf Ane- 
mone sylvestris: Puccinia De Baryana Thm. (Syn. Pwcc. 
compacta De By.) 

Der Pilz aus Surinam ist hochst cbaracteristisch und gebe 
ich bier, da eine Diagnose mir nicbt bekannt ist, eine seiche nach 
in meinem Herbar befindlicbetf Original-Exemplaren. 

Puccinia compacta Knz. in Weigel pi. Surinam. PIypop{iyl^^' 

acervnli orbiculati, conferti, atri. Sporae fere tetragonae, constrictae, 
truncatae,mucronatae,mucronulihyalini,fuscae.Longitudosporarum 



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365 

40—41 mm. (Gundlach III.— V.) latitude 26—27 mm., ad constric- 
tionem 21 — 22 mm. — Die fast viereckigen, oben und unten ab- 
geplatteten Sporen, iiber und iiber mit hyalinen Stachelspitzchen 
bedeckt, sind hochst charakteristisch undhaben mit keiner einzigeu 
mir bekannten PuccinienForm Aelinlichkeit. Paraphysen konnte 
ich keine auffinden. Die auf der Blattunterseite ziemiich dicht 
stehenden Haufcheu bilden stets Kreise, in deren Innerem die 
Sporen zumeist schon verschwunden sind, die Sporenhaufchen 
seibst stelien sehr dicht und sind von schwarzer Farbe. 

F. V. Thumen. 



Abnoriuer Flclitenzapfen. 

(Tafel IX.) 

Der bier abgebildete und mir vor eiaiger Zeit zugekommene 
Fichtenzapfen zeigt eine hochst eigenthiimliche, abnorme Bildung, 
indeminseinemoberenDrilttheilalleSchuppen ohnesonst eine we- 
sentliche Veranderungerlitten zu haben, sichmit ihrer Spitze nach 
unten zurlickgeschlagen haben, so dass es ganz das Ansehen ge- 
winnt, als wenn hier der untere Theil eines zweiten Zapfens 
umgekehrt aufgesetzt worden sei. Bei der Oeifnung des Zapfens 
um die Samen aaszustreuen, musste dieser Theil natUrlich ge- 
schlossen bleiben, da die einzelnen Schuppen, durch die iiber 
denselben liegendeu Spitzen der folgenden Schuppen an der Be- 
w'egung nach anssen verbindert wiirden. Debrigens sind auch 
in diesemabnormgebildeten Theile des Zapfens theilweise Samen 
vorhanden, deren Fliigel der Biegung der Schuppe folgten. 

Es ware wohl erwiinscht zu erfahren, ob derartig missge- 
bildete Zapfen schon ofter beobachtet wurden, und was wohl der 
Gi'und dieser sonderbaren Biidung sein diirfte. 



Ascliaffenb urg. 



Dr, Dobner, k. Professor, 



Pflanzenphysiologische Untersuchungen. 

Von Dr. Carl Kraus in Triesdorf. 

(FortsetzungO 

VII. TIeber die Einwirknng von Pflanzensauren auf 

Chlorophyll innerhalb der Pflanzen. 

Es ist oin unbestreitbarer Satz, dass, wie in der Physiologic 
^berbaupt keine Wirkung ohue Gegenwirkung gedacht werden 



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^r^W^ . . - ^- . . " . . . i ... .^.^^. r.^ 



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366 

kann, die Thiitigkeit einer Zelle und die Art ihrer Thatigkeit 
nicht bios vom Protoplasma abhangt, sondern auch von der Qua- 
litat und Quantitat der sonst vorhandenen Stoffe, niogen sie von 
anderwavts herbeigekoninien oder vom Pvotoplasma erst gebildet 
worden scin. So konute die Assimilationstliatigkeit einer Zelle 
auch durch die Gegenwnrt von Sauren gehemnit werden. Es 
scheint consequent, fur Aenderung dcs Chlorophylls in Gelb, 
welche bekanntlicb durch selbst sehr verdiinnte Sauren herbei- 
geftibrt wevden kann, eine Einwirkung des Sauregehalts der be- 
trefl'endcn Zellen in Ansprucb zn nehmeu, besonders wenn Um- 
Btande vorhanden sind , welcbe eine veichlicbe Siiureproduktion 
constatiren lassen. 

Indessen ist zu beaehten, dass der Chloropbyllfarbstoff im 
lebenden Protoplasnia enthaiten ist, welches denj Siiuregehalt 
gegeniiber als Correctiv wirkt. 

Ausgepresster Saft freudig gruner ludivlduen von Rumex 
Acetosa ist ini Stande, in sehr kurzer Zeit Chlorophyll gelb zu 
fiirben, ja auch eigenes Cblovophyl!, aber langsamev, was nicht 
auffallen kann, da das Protoplasma von Bumex resistenter gegen 
SiiuveeiuwirkuDg sich verhalten durfte, wie ja fiir verschiedene 
Protoplasniakorper auch verschiedene Empfindiichkeit gegen Kea- 
gentien constatirt ist. -Rwjwe^-Blatter werden ebenso wie andere 
erst dann gelb, wenn kein Zweifel mehr ist, dass das Protoplasma 
vollstandig getodtet ist. 

Bringt man in eine Oxalsaurelosung, welche so verdiinnt ist, 
dass sie Anthocyan eben zu rothen yexmixg und znv Gelbiarbung 
hineingelegter Blatter langer braucht als llumex-'&'d% lebende 
Algen (meist Zygmma cruciatum), so werden diese nicht im Ge- 
ringslen verandert, sie bleiben griin, scheiden reichlichSauerstoff 
ah, kurz, werden nicht getodtet, also auch nicht gelb* Todtet 
man aber dcrgleichen Faden vorher durch Glycerin oder auf an- 
dere Weise, so werden sie nacbber in derselben Oxalsaurelosung 
nach kurzer Zeit gelb und entfarbt. 

Daraus durfte zu schliessen sein, dass Pflanzensauren erst 
dann auf das Chlorophyll anderndwirken, wenn sie das Protoplasma 
getodtet Oder weuigstens zum Absterben gebracht haben, niemals 
aber ein in frisch lebenskraftigem Protoplasma befindliches Chlo- 
rophyll angreifen konnen.O In welcher Weise das Protoplasma 



1} Die mit Oxalsaure behandelten Blatter geben, soweit die SSure ge- 
wirkthat, mit Kalilauge den „durch Alkalien hervorrufbaren rothen Farbstoff", 
der bei mikrochemischen Untersuchungen Lanfig aufstosst u. von Wiesner 



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367 

die Einwirkung der Sauren anfangs netjtralisirt, ist nichtbekannt; 
die bei bedeutenderem Sauregehalte reichlichen Anthocjane 
scheinen damit in ZHsammenhang za steben. 

Abgesehen von dein weniger beweisenden Einwande, dass 
man unter Annahmo einer GeMarbung griiner Pflanzentheiledurch 
Lichtentziehung als Polge von Saurewiikung eine bedeutend tiber- 
wiegende Meuge von Acidoxaiitbin linden mUsste, ware die un- 
wahrscheinliche Voraussetzung zu niachen, das Protoplasma sei 
im Momente des Gelbwerdens bereits im Absterben begrifFen ') 
ware dies der Fall, so batte von da an die ganze Erscheinung 
mit der Theorie der Assimilation ebensowenig zu tbun als der 
Uiustand, dass Chlorophyll bei zu starker Beleucbtung bisweilen 
in lebenden Zelien zerstort wird, 

Als secundiire Erscheinung dlirfte derartige Wirkuug von 
Siiureu ofter auftreten, so z. B. bei manchen Herbstfarbungen, 
die mit grossen Saftstockungen verbnnden sind. 

Die Iliickwanderung der Stoiie im Herbste ist fur eine Fort- 
setzung des die gan^^e Assiniilationszeit hindureh fliessenden 
Stromes von Assimilationsproducteu aus den Blattern in den 
Stamm zu betracLten. Horen die Keubildungen im Stanime, 
welcbe vorher diese Wauderung veranlasst haben, beini Sinken 
der Vegetatiousbedingungeu auf,") so stellt sich durch Nieder- 
Bchlagen der Stoffe im Stamme ein Verbrauchsort her. ImBlatte 
ist aber Abfuhr ohne Ersatz, Vom Chlorophyll bleibt im gun- 

siigenFalle Xanthin zuriick, wiewohl auch das verscbwinden kann. 
In sehr vielen Fallen aber geht die StofFwanderung nicht so 
weit; am aufifallendsten ist dies bei den Blattern, deren Proto- 
plasma durch die winterliche Temperatur nicbt gettidtet wird. 
Daran schliessen sich als Uebergang viele Gewachse, theils Holche 
welcbe normal viele Stoffe in den Blattern zurtickbehalten u, nnter 



mehrmals (z. B. Sitzgsb. d. Wien Acad. LIJ erwahnt wird; Humez-BlAtter 
gebeu dieae Farbnng biflweilen schoa auf Saureeinwirkung hia. Weiteres 
bieruber bleibt vorbehalten. 

1) Die Theorie der Geibfarbung durch Saurewirkung stimmt nicht ganz mit der 
einschlagigen Beobachtungen von J. Sachs. Beim Wachsthum im Dunkeln ist an 
keine Ghlorophyllerhaltung zu denken, besonders wennhoheTemperaturenwir- 
ken. Diejungsten Blatter sind die sauersten, werdenaber zuletzt gelb; furCactus 
finden sich ausdrticklich Angaben, dasa er des Morgens sehr sauer sei und 
viel freie Oxalsaure erzeugte. 

2) Interessant sind die Bemerkungen von P. Ascherson (hot, Zeit. 1874), 
daaa in Aegypten Laubfall infolge von Angewohnung eintrete, wenn auch 
dieVegetatjonsbedingungen nicht dazu nOthigen wfirdcn. 



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368 

TJmstaadenauchwintergrun werdenkonaen (z. B.Brombeerblatter), 
tbeils solche, welche durch irgend welche Veranlassung dazu ge- 
bracht wurdcn. Die so in den Blattern verbleibeuden Stoffe er- 
leiden verschiedeneYeianderungeu undbilden die Mannigfaltigkeit 

der Ilerbstfiirbungen. 

Versucht man dies experimentell zu beweisen, so hat man 
die Schwierigfceit, dass ea nicht immer gelingt, den Vorgang bin- 
reichend zu Yerlangsamen, da die Pflanzentheile bei zu raschem 
Verfahren absterben. Knickt man anGetreiden, welche zur An- 
thocyanbildung geneigt sind z. B. an rothem Winter-Dinkel, schwar- 
zem W.-Emraer Blatter in der Spreite oder Scheide so ab, dass 
die Verbindung binreicbend gestort ist, so treten nach mehreren 
Tagen die gewSbnlicben Herbstfarbungen ein. Die reichlich Vor- 
handenen Stoffe warden zur Bildung von Anthocyanen, Xantho- 
pbyll, auch rothen Korncfaen verwendet, kurz, es tritt die ganze 
Mannigfaltigkeit der Herbstfarbungen auf. Unter den gelbenFarb- 
stoffen diirfte auch Acidoxanthin sein. Bei zu trockner warmer 
Witterung trocknen die Blatter aus, bei feuchterWitterung gelingt 
das Experiment sicherer. 

Normal stexben dieGetreideblatter an den untersten Knoten zu- 
erst ab, zu einer Zeit, wenn bereits eine Aufwartswauderung der 
Assirailationsproducte sick bemerklich macht; die Blatter werden 
biassgelb. Beginnt ein Blatt vor dieser euergischen Stoffvvan- 
derung z. B. theilweise, in der oberen HaJfte, abzusterben, so 
bleiben wenigstens die Chlorophyllradicale zuriick, und die Er- 
scheinungen sind wesentlich andere. Der absterbende Theil wird 
roth von Erythrophyll und schon rothen Kornchen,die mit Schwefel- 
saure nicht blau werden, meist je eines in jeder Zelle, oft ziem- 
lich gross. ^) Zellen, welche diese rothen Kornchen enthalten, ent- 
halten nie gleichzeitig Erythrophyll. Xanthophyllkornchen sind 
nicht vorhanden. 



1) Mindeatens ein Theil der Anthocyanradikale durfte von sekundaren 
Umsetzungen, die mit SSurebildung verbunden sind, herstammen. Wie das 
Chlorinradical 8ich hiebei betheiligt, ist erst festzusetien. Die Entwickelungs- 
gescMchte der in rothen Grasbliittern, in. nicht ausgereiften Grashalraen, ein- 
farbigen Spelzen, bei der erzwungenen Herbatfarbung u. drgl. auftretenden 
rothen Kornchen, welche wahrscheinlich eine Trennung der Chlorophyllradikftle 
in der Pflanzeergeben wird,bleibtvorbehalten. AuchOrangen durften scbdne 
Beispiele hiefUr liefern. 

Redactyur: Dr. Singer. Druck der F- Neubauer'schen Buchdruckerei 

(F. Huber) in Regensburg. 



T. I 



1," C*-^';"^' ^"'-'^'> >. ;^"^V"^^^"<* ^^^^-.^r X ', .^.. 7 -->- 



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58. Jahrgang. 



Ne 24. 



Regensburg, 21. August 



1875. 



Inlialt. Dr. M. J. LOhr: Gefass - Cryptogamen 
F. de Thiimen: Fungi Austro-Africani. — Dr. Carl 
physiologische Untersuchxmgen VUT. — Anzeige. 



Deutschlands, - 
Krau s: Filanzen 



I 



(Bluthenlose gefassfiihrende Acotyledonen. Endo- 

genae Cryptogamicae.) 

der Flora von Deutschland und angrenzender Lander, von der 
Ost- und Nordsee bis zur Adria und zum Mittelmeere. 

Zusammengestellt 

nach Koch Synopsis Florae Germanicae etHelveticae edit II. 1845. 

Als Anhang zu der Enumeratio der Flora von Deutschland und an- 
grenzender Lander von Dr. II. J- Lbhr, 

A. Goniopterides Willd. spec pi. V. Calamaria Endl. Syst. 

135. Ordn.EquisetaceenDC.fl.fr. 2.580. K.Syn. 963. Doll rh. 
Fl. Garke edit. VL 

895. Equiseium L. K. Syn. Schachtelhalm, Schafthalm. 

1. Eq, arvense L. K. Syn. Rabenhorst Krypt* 332. Scbkr. 
Krypt. t. 167. Milde Krypt. Schles. Fig, 10—20. Equiset. alpestre 
Wahlenb. lappon. 296. Var. fi. nemorosum Alex. Br, Eq. arvense 
^. Schltz. Starg. suppl. Eq. pratense Eoth tentam. (nicht Ehrh), 

Flora 1875. 24 






- 

r 

370 

y. borealeRuprecht. Erscheinungen, die manchmal zufallig vorgekom- 
men, sind: 

Eq. irrigaum Milde, Eq, riparium Fries nov. mnt. 111. Eq. 
serotinum Meyer Ccblor. hanov. Eq. campestre Schltz. Starg. 

Felder, Wiesen, Triften, Walder, besonders auf Sand und 
Thonboden verbreitet bis in die Gebirge duvcb das g, Geb. Eq. 
alpestre auf den Alpen und y. boreale Kupr. bisher nur Konigs- 
berg in Preussen bei Fucbsbofen. 3 — 4. 1|.. 

2. Eq. Telmateja Ehr. Hannov. Mag. 1788. K. Syn. Rabenh. 
Krypt. Genth. Krypt. Nassau Wirtg. Lobr, Fl. v. Koin. Equisetura 
raaximum Lamark. Garke D. FL VI. Equisetum eburneum Roth. 
Cat. Eq. fluviatile Scbkr. t. 168. Schaef. Krypt. Fries und anderer 
Aut. nicht Lin. Var. /5. serotina Al. Br. 

Nasse, schattige Walder, Waidschluchten, Bachufer etc. bis 
in die Gebirge zerstr. Var. ^. Pommem bei Lobme, Belgian 
Nordsees-trand 4—5. 2^. 

3. Eq, silvaticum L. K. Syn. Eabenhorst Krypt. 334. Schkr. 
4—5. Krypt. Garke, Genth Krypt. Nassau. Eq. capillare Hoffm. 
fl. Germ. Bischoff Krypt. t. 3.' Fig. 3, 

Etwas feuchte GebUsche, Walder, Wiesen, Aecker verbreitet 
bis in die Alpenregion. 5—6. 2f, 

4. Eq. pratense Ehr. Beitrage. Ill, (nicbt Both). Babenhorst. 
Doll. Fl.rh. Milde Schles, Krypt, 437. Eq. umbrosum Meyer in 
Willd. V. K. Syn. t. 1770. Wirtgen. FL d. Rh. Prov. Lohr FL v. 
Koln. 305. 

Feuchter Waldboden, schattige Wiesen sehr zerstreut mebr 
im Nord- und Mittel-Gebiet. Niederungen, Gebirgsgegenden in 
die Alpenthaler bis nach Norditalien ; sehr zerstreut und nieist 
selten. 

Piemont, Savoyen, Schweiz in Graubiinden und im Wallis 
Nicolai-Thale, Baden, Elsass-Lothring, Rhein-Nahe-Mosel; Duch- 
roth, Lemberg b. Sorbernbeim, Winningen b. Coblenz, Koin bei 
Biiskirchen und Gummersbach selten. Osnabruck, Unterharz, Kas- 



St 



fiel im Habichsthale, Dessau, Halberstadt, Drieseu, Mecklenbur 
Berlin, Koenigsberg, Pommern, Danzig, Schles. im Riesengebirge, 
Sachsen, Dresden, Lausitz, Baiern, Fichtelgebirg, WUrtemberg, 
Oesterreich in den Sudeten und Karpaten; Bohmen, Maebren, 
Oberungarn, Siebenburgen und Galizien, Alpen; Oesterreich, Salz- 
burg, Kaernthen. Tyrol, Insbruck, Meran, Bozen etc. 5—6. 2f., 

5. JEg. palustre L. K.Syn. Doll. rh. FL .Genth Krypt. Nas- 
sau, Rabenhorst Kryp. Schkr. t. 169—70. ' Bischoff Krypt. t. 









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371 



3. Eq. veronensePollini pi. uov, veron. III. Eq. palustre y. tenue 
Doll. rh. Fl. Eq. prostratum Hoppe, Eq. palustre y membrana- 
ceum Lej. Fl. 
Willd. 



Belg. 



III. Eq. pictum Kick. Eq, polystachium 



Wassergriiben, sumpfiger, nasser Sandboden, durch d. g, Geb. 
verbreitet Die Var. stellenweise: 5—6. 2f.. 

6. Eq. limosum L. K. Syn. Doll rh. Flora, Genth Krypt. Nassau, 
Schaef, Krypt. Trier, Schulz, Kirschleger, Prodrome de la Flore 
D'Alsace, Wirtgeu rh. Eeiseflora, Rabenborst Krypt. Schkr. 
Krypt. t. 171. Eq. fluviale Fl. Dan. Lin. suec. 11. Eq. aphyllum 
Baumgar. Transilvan IV* Eq. limosum /?. minus Al. Br. in Diill. 
rh. Fl. Eq. uliginosuin Miihlenb. in Willd. spec, plantarum plant. 
V. Eq. Heleocharis ELrh. Eq. polymorphura Schrank. 

In Surapfbodeii, Morilsten, Graben, Teichen verbreitet durch das 
ganze Gebiet 5—6. 2f. 

7. Eq. imindatiim Lasch in Rabenborst bot. Centr. BL III. 
1846. Eq. arvense-limosum Milde nov, act. Caroiin. 1852. fig. 
10—20, 1858. II. Schles. Gesell. 1850; Lasch botan. Zeitg. 1858. 
Garke D. Fl. edit. YI. 469. Eq. litorale KUblw. in Ruprecht Bei- 
trage IV. Eq. Kochianum Boeckler. 

Sumpfboden sehr zerstreut und selten im Gebiet: Schweiz 
am Neuenburger-See, Bremen, Potsdam, Dresden, Breslau^ Karlo- 
witz, Oderufer bei Auras, Brandschiitzer-See, Cbarlottenbrunn ; 
Lausitz Gr, Dobbern bel Drebkau. Oesterreich, Moosbruun b. 
Wien, Maehren im Gesenke bei Niederlindenwiese, Ungarn in d. 
Marschauen, Pressburg und am Altfluss in Siebenbllrgen. 5— 6.2f.. 

8. Eq. Memcde L. K. Syn, Rabenh. Krypt. 335. Schkr. Krypt. 
t. 172. a. Doll nh. Fl. Kirchschleger Elsass. Seblz. Pfalz. Wirtg. 
Genth. Krypt. Nassau, Schaefev Fries, Tinant Luxemburg, Lej. 
ri. Belgique. Lohr. Koln. Pollini veron. III. All. Pedem. 

Feuchte Walder, Waldbache, Flussufer zerstreut bis in die Berg- 
regionen:Italien, Schweiz, Rheingegend, Elsass, Baden, Westphalen, 
Belgien, Holland, Meklenb. nach Preussen, Schles. Sachsen, Baiera 
im Isarthale bei Mlinchen, Wurtemberg, Oesterr. Salzburg, Tirol, 
Steiermark, Ungarn, Galizien, Kroatien etc. 7—8. 2J,. 

9. Eq, trachyodon Al. Br. Flora 1839. K. Syn. 967. Eq. pa- 
leaceum Schleich Cat.. 1821 z. Theil nach Bernoulli Krypt. d. 
Schweiz 76. Eq. hiemale ^. trachyodon Doll. rh. Fl. u. Fl. bad. 
Garke D. FL VI. Eq. Mackaii Newm. Eq. trachyodon ist nach 
Braun Doll. Rabenh. var. von Eq. hiemale und wie es scheint 
Uebergangsform von Eq. hiemale zum Eq. ramosum Schleich, 

24* 






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372 



NasserSandboden an Flussnfernsehr zerstreut u. selten.Schweiz, 
Baden im Wollmadiner Ried, Rastatt, am Rheine bei Caiisruhe 
Neu-Breisach, Elsass nach Speier, Halle, Brandenburg, Berlin und 
Breslau; Sudtirol im Flussbette bei Bozen. 7—8. 2/.. 

10. JEg. ramosum Schleich. Cat. pi. helv, 1807. Koch Syn. IL 
Schukr. t. 172Wirtg. Reiseflora 167. Garke D. FI. VI. 469. Lohr 
Fl. v.Koln 306. Eq, elongatum Willd. sp. pi. V. Doll F. Badens 
L 63. Scfauitz Fl. Pfalz. Rabenii. Krypt. 336. Eq. hiemaie /?. ramo- 
sum Gent Krypt. Nassau, Kranz Fl. v. Munchen ; Eq. pannonicum 
W. etKit. in Willd. sp. pi. V. Eq. illyricum Hoppe exsicc. Eq. 
procerum Pollini veron. III. Eq. hiemaie /9. elongatum Al. Br. 
Flora 1839. I. Doll. rh. Fl. Milde schles. Krypt. 467 und 737, 

SandbodeD,Aeckerj Ufer, aucb auf etwas feuchfen sumpfigen Moo- 
ren sebr zerstr. mehr im siidl. und Mittel Geb. italien. Treviso, 
Verona, Euganeen, Venedig; wostlicbeSchweiz, auf beiden Seiten 
der Rheinebcnen Elsass b. Neubreisach, Strassburg, Speier, Mainz, 
Coblenz, Koln auf der Muhlheimer Heide, wie es scbeint, bis jotzt 
der nordwestlicbste Fundort; dann in Baden bei Alt-Breisnch, 
Rastatt, Maxdorf, Mannheim bis Offenbach etc. Baiern im Daehauer 
Moos bei Hartmannsbofen; Scblesien bei Breslau; Aussi^; Nie- 
deroesterreich- Siiasteiermark, Tirol bei Botzen, Meran, Bohmen 
Ungarn, Siebenbilrgen, Literal Dalmatien etc. 7—8. 2f.. 

II. Eq. variegatum Schleich. Cat. pi helv, K. syn. Schkr. 
Krypt. 172 b Doll Fl. Bad. I. Kirschleger Fi. d'Alsace prodr. 213 
Schultz Fl. Pfalz, Garke D. FI. VI. Wirtg. Reisefl. 162.. Lej. 
Fl. Belgica III, 300 Eq. tenue Hoppe exsicc. Eq. limosura All. 
pedem (non L.) Eq. hiemaie p. variegatum Al. Br. Eq. reptans 
p. variegatum Wahienb. lapp. 

Etwas feuchte, sandJge und kiesige Triften, Ufer zw. Weiden- 
gebiischen sehr zerstreut und seiten, besonders in Berggegenden 
Italien,Verona,Piemont, Schweiz. dann von Basel auf derRheintiacbe 
im Breisgaubeilschenheim, Sponeck, Kehl, Knillingen, Mannheim, 
Elsass bei Strassburg an d. Citadelle, Ludwigshafen, Mainz und 
einzeln bis nach den Niederlanden, Hannoveram Ufer des Innersten ; 
Harz bei Clausthal, Scblesien bei Breslau um Kattern; Riesengebirge 
im Gesenke und bei Cudowa, Preussen, Wiezienwo bei Lobau, in 
den Sudeten und Karpaten in Ungarn, Galizien, im Szecklerlande 
auf dem Budos ; auch in Niederosterreich. Salzburg, Steiermark, 
Tirol bei Innsbruck, Bozen etc. Baiern bei Munchen imisarkiese 
und in Wiirtcmberg. 7—8. 3f . 



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12. ^. alpinum Schur. Oesterr. bot. W. Bl. 1857. 417. Eq. 
hiemale ^. alpestre und Eq. fusco-zonatum Schur. Sert. 92. 

Auf den Karpaten in Siebenbiirgen in der Krummholzregion. 
8. ^. 

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B. Hydropterides Willd. sp. pi. V. Wasserfarm. 

136. Ordu. Marsileaceen Rb. Brow. Schleirafaroe. Koch Syn. 967. 
Doll rh. Fl. 42. Garke D. Fl, VL 470. 

896, Filularia Lin. Fillenkraut. 

1. P. globiilifera L. spec. pi. K. Syn. Doll Fl. bad, Kirschb. 
Prodr. d'Alsace, Schuiz Fl. d. Ffalz, Genth Krypt. von Nassau 
44. Wirtgen Handbuch d. rhein, Fl. 540. Lohr Fl. v. Kob, 
Fl. Lnxeinb. Lej. et Court Fl. Belgique III. Garke D. Fl. VI. 
Schukr. Krypt. t. 173. Sturm II. b. 1. Piemont All. 

In stehendem und stiijfliessendem Wasser, Teichen, Wiesen- 
graben, Siimpfen und Mooren. Italien, Piemont bei Frassaco, 
Schvveiz, im Jura^ Boniol bei Pruntrut, Elsass bei Colmar, Strasss- 
burg,Singolbeini; Baden Brcisgan, Ilastatt, Carlsruhe, Speier, Pfalz, 
Kaiseslautern, Frankfurt a. M. Hau:iu; fehlt dann am Mittelrhein, bis 
Bonn bei Siegburg, Kcilnbei Meerbeimund durch die niederrheini- 
scbe P^bene zerstrcutbLsCleve, wiedererscheint die Pflanze bei Mal- 
medy, Luxemburg bei Arlon, Belgien oei Limburg und Antwerpen und 
ist in Holland nicht selten und gelit nach Westphaleu etc. Baiern, 
Desendorf bei Eriangen. Lausitz, Bohmen, Maehren, Ungarn. 
Siebenbiirgen etc. 9—10. 2f. 

897. Mars ilea Lin. Kleefarn. K. Syn. 968. Doll rh. Fl. et Fl. bad 

I. Genth Crypt, v. Nassau 45. 

1. M. quadrifolia L. K. Syn. Doll rh. Fi. Kirschl. Prodr. Al- 
sace 21, Schultz Fl d. Pl'alz 560. Pollini veronens. IlL 294. 
Wirtgen Reiseflora. Baumg. Transyl. IV. 8. AIL pedein. Grerali 
Schweizer Krypt. Schukr. Krypt. t. 173. Sturm IL h. 1. Bischoff 
t. 7. fi 






2. 



Stehende und ruhig fliessende Wasser in fiachen Griiben und 
Wiesenbichen Qic. Italien haufig im Venet. Verona, Piemont, 
Scbweiz im Jurn, Villeneuve, Bonfol bei Pruntrut, auf der Rhein- 
tiiiche Elsass Hiiningen, Neubreisach, Strassburg, Pfalz bei Ger- 
uiersheiui, Speier, Baden bei Kehl, Rastatt und zerstr. bei Mann- 
beim im Nekarauer Wald, dann bei Kettich, Liedolsheim und 
Hochstetteu; fehlt sonst im ganzen Rheinthale ,auch in Belgien 
«nd Holland und kommt auch in g. Norddeutschl. nicht vor; 



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374 



findet sich aber wieder in Oberbaiern zw.EoseDheim undKloster 
Roth;Oesterr. im Hausruck Kreise, in Salzburg, im Klagenfurter 
See, in Steiermark, Krain, Tyrol am Gardasee, UngArn im Comit 
Zala, Baranya, Unghvar, Esseck in Slavonien, Siebenbiirgeu in 
der Mesos^g etc. 7—9. ^. 

137. Ordn, Salviniaceen Bartl. ord. nat. p. 15. K. Syn. 968. Garke 
D. Fl. VI. 

898. Salvinia Mich. Salvinie. K. Syn. Gurke D.Fl.Genth Fl. v. 
Nassau, Doll. rh. Fl. Wirtg. Reiseflora, 

1. 5. natans Hoffm. D. Fl. II. K. Syn. Doll Fl. bad. I.Garke. 
Kirschleger Prodr. D'Alsace, Schultz Fl. Pfalz, Lej. et Court. FL 
Belgica III. 314. 2. All. Pedem. Schukr. t. 173. Sturm 11. h. 1. 
Bischoff t. 9. ^g. I — 34. Mareilea natans Lin, 

Stehende Wasser, Teiche, Seen, Wassergraben sehr zerstreut 
im Gebiete. Italien haufig um Venedig, Peschiera; Piemont im 
Aost-Thale, sonst nicht in der Schweiz, Baden zw. Knielingen, 
und Dachsland bei Carlsruhe, Nekarauer Wald, Mannheim im Ha- 
sengraben, etc. PfalzbeiGermersheim;Elsass b. Strassburg, sonst 
wie es scheint nicht in der Kheingegend und ist fiir Belgien 
und Holland ebenfalls zweifelhaft. Die Pflanze erscheint daun 
wieder bei Halle, Barby, Berlin, Potsdam; Schlesien bei Breslau, 
Frankfurt a. Oder, Ohlau, Oppeln, Furstenwald auch um Lubeck, 
Oesterr. in Tyrol im Etschthale, Istrien, Ungarn, Siebenbiirgen, Gali- 
zien und Slavonien. 8. 2f.. 

C. Bryopterides Al. Br. Doll. rh. Fl. 34. Moosfarne Selagines 

Endl. Syst. 

138. Ordn, Lycopodiaceen DC. fl. franc. II. K. Syn. 969. 
Doll rh. FL Genth Crypt. FL Nassau. 

a. Isaeteen BartL ord. nat. Garke D, FL VL K. Syn. Doll rh. 
FL Wasserpflanzen. 

899. Isoetes Lin. K. Syn. Doll rh. FL Garke D. FL Rabeoh. 
Krypt. 331. Tausch Flora 1819. 11. Brachsenkraut. 

1. I. laciistris L. K. Syn. Reichenb. D. FL Jcon. B. I. Wirtg. 
Reiscfl. 166. Kirschleger Prodr. D'Alsace 219. Schukr. Krypt. t. 
175. Sturm II. h. 17. Rabenhorst Krypt. 131. 

In hoch gelegenen Seen, Teicben, unter Wasser auf dem 
Grunde wachsend selten, mehr in nordl. und ostlichen Geb. Italien 
im Langensee;Elsass in den Vogesen Seen Gerardmer, Loiigemer, 

und im schwarzen See; Oberbaden im Feld- und Titisee in 



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375 



Breisgau, sonst nicht in der Rheingegend. Erscheint dann wieder 
ira Adelmeer in Holland ; Schleswig im Talkwasser, Hollstein im 
Einfeldersee bei Kiel, in dem See von Trittao; Ploschensee bei 
Ratzeburg, Hannover im See bei Celle. auf Usedom in den 
Krebseen bei Heringdorf; Pommern in Landseen bei BQtow and 
Danzig, Bohmen ini Bistrtzen und Eisensteinersee im Bohmer- 
wald, bei Krakau und in Siebenburgen. 7—8.? af.. 

2, I. echinospora Durien. Gremli Fl, exc. d. Schweiz 1867. 
(Blatter kleiner, zugespitzt nicht abgerundet, Makrosporen dicht 
niit feinen, sfacheligen Fortsatzen versehen). 

In Seen mit voriger Art in Italien im Langensee entdeckt. 
Auch soli diese Art, oder vielleicbt nur Variet. im Feldsee in Ober- 
baden aufgefunden worden sein? ^. 
b. Lycopodiaceen Bartl. ord. nat. D511 rh. FI. 38. Genth. Krypt. 

Nassau 10. Barlappgewachse, Landpflanzen. 

900. Lycopodium L. K, Syn. 969. Springer in Doll rh. FL 35. 

1. L, Selago L. K. Syn. Garke D. Fl. VI. Rabenh. Krypt. 
328. Kirsehleger FJ. D'AIsace, Wirtgen Reiseflora, Schnltz Fl. d, 
Pfalz Lohr FL v. Koln 307. Schukr. Krypt. t. 159. Sturm II. h. 
5. Schaef. Krypt. Trier, Piemont, Luxemb. Lej. et. Court. Fl. 
Selgic. etc. L. recurvum Kitaib. in Willd. spec. Filic. L. reflex- 
um Schulz. 

Hochgebirge bis in dieAlpen in etwas fenchteo moosreichen 
scliluchten zerstr. seltener in Niederungen, Italien, Verona Pie- 
mont, Savoyen, Schweiz, Elsass in den Vogesen, Baden im Breis- 
gau, Nassau, Nahethal, Hochwald, Tier, Eiffel, Malmedy, Ardennen, 
Beaufort, Belgien Limburg; Coin, Bonn, Westphalen, Bremen 
Harz, Hessen, Wtirtemb. Baiern, Franken, Schlesien und mit 
Ausnabme von Dalmatien stellenweise durch g. Oesterreich etc* 
7—8. 3f . 

2, i. i7iundaium.L. K. Syn. Doll vh. Fl. Garke D. Fl. VI. 
Rabenh. Krypt, Genth Krypt. Schaefer Krypt Trier IH. Schukr. 
t. 160. Sturm IL b. 5. etc. ^ 

Torfboden in feuchten Haidegegendcn und in Hochmooren 
zerstreut durch daa Geb. Italien, Verona b. Bavolone, Mailand 
Novarra, Savoyen, Schweiz, Elsass in den Vogesen, Hagenau, 
Hochwald nach Trier, Luxemburg, Belgien, Holland, Baden, Breis- 
gan, Schwarzwald, Mammelsee, Wagheusel; Rheinhessen, Oden- 
wald, Pfalz, Nassau, Coblenz, Koln und Niederrhein bei Cleve; 



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in Westphalen, Bremen, Llibeck, in Jfecklenburg, Hannover durch 
g. Norddeutschland; Sachsen, Lausitz, Erzgebirge, Fichtelgebirge 
Baiern, Deininger-Moos, Wurtemberg, Bohmerwald, Oesterreich, 
Salzburg, Tyrol, Ungarn, Siebenburgen, etc. 7—8. 2f,. 

3.L.annotinumIj.K,Syn.Do\\.vh, Fl. Garke, D. Fl.Wirtg. rh, 
EeisefloraKirscbleger,EIsass Schulz,Pfalz, Genth, Nassau, Fl. d. Wet- 
terau,Schmitz nndRegel FL bonneus.Schaefer. KryptFL Trier, Pimont 
n, LnxemburgiLej.Fi. Belgic.III. Vol.Rabenb.Krypt. Schukr.Krypt. 
t. 162. Sturm II. h. 5. Pollini veron. III. Allioni Pedem. Gremli 
Fl. d. Schweiz Lohr Fl. v. Koln etc. 

Walder, Haiden der Gebirge zerstreut in den Voralpen 
bis nach Italien; in den nordlichen Landern, bis in die Nieder- 
nngen doch seltener. Oesterr. mit Ausnahme Dalmatien, in alien 
Provinzen etc. 7—8. ^. 

4. L. alpinum L. K. Syn. Doll rh. Fl. und Fl. bad. I. Ra- 
benh.Krypt. Garke D. Fl. VI. Wirtg. Reise-Fl. Kirschleger Elsass. 
Allien. Pedem, Schukr, t. 161. Strum II. h. 5. 

Soil nacb Springer Flora 1839. 1. 179. und nach BenouUi 
Krypt, d. Scbweiz 1847. var. v. L. complanatum L. sein? 

Begraste Trieften der Hochgebirgen und bemooste Felder 
der Alpen, verbreitet durch die Alpenkette. Italien, Piemont, 
Savoyen M. Cenis; Schweiz Beruer-Oberland. Elsass Vogesen 
Hoheneck, Rolabac, Baden auf den hohen Bevgkammen des Feld- 
bergs und Schwarzwaldes, Westphalen auf dem hohen Asten, im 
Harz auf dem Brocken; Elbegebirge, bei Gottesgabe, Schlesien 
im Riesengebirge an der Schneekoppe, am hoben Rad, im Mah- 
rischen Gesenke am Altvater, in den Sudeten und Karpaten. Un- 
garn, Galizien, Siebenburgen etc. 8—9. 2f. 

5. L: complanatum L. K. Syn. II. 971. Garke D, FL VI.2 47 
Schaefer Krypt. FL v. Trier III. 4. Rabenh. Krypt, Genth. Krypt. 
Nassau 13. Schukr. t- 163, Sturm IL h. 6. Milde Schles. Krypt. 
404. fig 7— 8. (Die aussern Blattchen sind lanzettlich, die inneren 
kleiner und pfriemlich). 

Hochgelegene Waldungen in den Voralpen und Alpen durcb 
das Geb, zerstreut Italien Apuanen, Verona, Piemont; Sa- 
voyen, Schweiz, Tirol und verbreitet durch die ganze Alpenkette ; 
dann in Schlesien, Bohmen, Mahren in den Sudeten und Karpaten 
etc. 7—8. 2;.. 

6. L. Chamaecyparissiis Al. Braun, in Doll rh. Fl. K. Syn. 
IL Wirtg. Reise FL Lohr FLv. Koln, SchulzFL d. Pfalz, Rabenh. 



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377 

Krypt. 329. Milde Schless. Krypt. (Blattchen alle gleichgestaltig) 
L. coraplanatum )5. Chamaecyparissus Doll. Fl. badens. I. 80. ist 
nach V. Hausmann Tirol, Springer Lycopodiae II. 47. Kupprecbt 
Beitriig. III. Garke D. Fl. VI. Milde Oesterr. bot. Zeitg. 1859 
iiur als Var. verschiedeu, v. L. complanatum L. in der Niederung 
anf Sandbodensteilen, durch das Gebiet, bis each Italien, 7-^-8. 

1. L. clavatum A. K. Syn. Doll rb. Fl. Rabenh, Krypt. Genth 
Krypt. Sthaefer Krypt. Schukr. Krypt. t. 162 Sturm Krypt, II. h. s. 

Berggegeuden, Heiden, Walder, bewachsene Gebirgsabhange, 
zerstreut durch das ganze Geb. bis in die Voralpen und durch 
ganz Norditalien etc, 7—8, 5^. 

901. SelaginellaSpYingerinmil rh. F1.38. K. Syn. 971. Garke 
D. Fl. VI. 472. 

1. S. spimdosa AI. Br. Di)ll. rh. Fl. K. Syn. Garke D. FL 
Wirtg. Keisefl, 165- Polini Fl. veron. Ill, S. selaginoides Kranz 
Uebensicht D. Fl. v. MUnchen 90. Link Filie. 158. Rabenh. 
Krypt. Lycopod. selaginoides L. Schukr. Krypt. t. 165, Sturm II. 
h. 5. Biychoff, Krypt. t. 11. 

Grasstellen in hoheren Gebirgen und etwas feuchten Felsen- 
abhangen zerstr. bis in d. siidl. Alpen, seltener auf Torf und 
Moorgriinden in der Ebcne, Italien, Piemont Savoyen, Schweiz, 
Oberbaden unter Torfmoos am Feldsee, bei dem Seebauer in Breis- 
gau und auf den hocbsten Stellen des Schwarzwaldes, dana 
flach Wiirtemberg, Baiern auf der R^idQ bei Ismaning und 
in den Isarauen bei Miinchen; Jena an Quellen am Wege 
V. Rattersdorf nach dem Zeitzgrund; Harz, Brocken, Erzge- 
birge; Riesengeb. in Rubenzahlsgarten, Mahrdchen Gesenke 
von Petersfceiu, im grossen Kessel; Oesterr. Wien am Schnee- 
l^erg; dann auf den Alpen von Baiern, Oesterr. Tirol und 
alien Alpenlauder; fehlt aber in Kroatien, Dalmatien und wie es 
scheint, in den Sudeten und Karpaten Landern. 7—9, 2f.. 

2. S. helvetica Link. Filie. 1841, Spring, in Doll rh. Fl. 1843 
K. Syn. Kranz Uebersicht d, Fl von Munchen Rabenb. Krypt. 330, 
Lycop. helveticuni Lin. spec, in facq. Austr. A. 196, Schukr. t. 
165, Pollini Fl. veron. III. Allioni pedem. Gremli excurs. Fl. d. 
Schweiz, Lycopod. radicans Sehrank, Fl. v. Baiern. 

Trieften, Wege und bewachsene Feisen der Alpengegen- 
den bis in die Niederungen herabsteigend, Italien, Piemont, 
Schweiz auch an den Rheindaemmen bei Rbeineck, Elsass 



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378 



auf den Vogesen; MUuchen in den Auen; Wien im Prater 
bei Dornbach, Salzburg, Tyrol, Verona, Venedig wie in den 
Alpen von Trient, Istrien, Siebenburgen, Kroatien (aber nicht 

in Dalmatian). 2f,. 

3. S. denticulata Link Filic. 1841, Spring. Lycopod. IL 82. 
1842. Pollini Fl. \erons. Ill, Eabenh. Krypt. 331, Lycopod. den- 
ticulatum L. Spec. 1106. Dill hist, muscor. t. 66, pag. 1 a. 

Mittelmeerpflanze findet sich durcb ganz Dalmatien an steini- 
gen, scbattigen Stellen als einziger Reprasentant von Lycopodium 
dann in Unteritalien bei Genua, Nizza und auf den Apenninen 
etc. 6—7, 2f. 

(Fortsetzung folgt.) 



Fungi Austro-Africanl. 

Auctore F. de Thumen. 

L 

1. Puccinia Plectranthi Thm. nov. sp. — 

P. acervulis hypophyllis, sparsis, fuscis; sporidiis sub- 
ciavatis, medio constrictis, parte superiorc apice incrassato, 
obtuso, parte inferiore ovoideo, pedicello hyalino, curvato; 
flavescentibus, 56 mm. long., 15 mm. crass., pedicello 19 mm. 
long. — In foliis vivis Pledranlhi laxiflori Bnth. in sylvis ad 
pedem mentis „Boschberg" prope pagum Somerset -East, 
Prom, boni spei 1874. Leg. P. Mac Owan. (no. 1106.) 

2. Puccinia aecidiiformis Thm. nov. sp. — 

P. acervulis hypophyllis, gregariis in soris sparsis, ochra- 
ceis, dein expallescentibus; sporidiis ovoideis, pance con- 
strictis, obtusis, pallide flavis, 54—58 mm. long., 30 mm. crass., 
pedicello hyalino recto, caduco, 6 mm. long. Fungus habitus 
Aecidii. ■ — In foliis vivis Nidorellae mespilifoliae De C. in 
Sylvia ad pedem raontis „Boschberg" pr. pagum Somerset- 
East, Promont. boni spei aest. 1874. Leg. P. Mac Owan. 
(no. 1105.) 

3. Pticcinia straminis Fckl. Fungus stylosporiferus : Uredo Uw- 
bigo vera De C. 



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4 



379 



f. Digitariae sanguinalis. 



In foliis et culmis Digitariae sanguinalis L. var. pr. 
Somerset-East, Proinont boni spei 1875. — Leg. P. Mac 
Owan. (no. 1143.) 

4. Puccinia Cerasi Cda. Fungus stylosporiferus: Uredo Castagnei 

Ray. (Sec. cl Passerini.) 

f. Persicae vulgaris. 
In foiiis vivis Persicae vulgaris Mill. pr. Somerset East, 
Promont. boni spei 1875. — Leg. P. Mac Owan. (no. 1104.) 

5. Purcinia Gladioli Cast. Fungus stylosporiferus: Uredo Gladi- 

oli Req. 

f. Gladioli EcJdoni. 
In foliis vivis Gladioli EcMoni Lehm. ad „Bazuja'' sta- 
tionis Missionis evang. inter Kaffros Tambukinos, Terra CaflF- 
rorum. — Leg. Rev. R. Bauer. 

6. Puccinia Malvacearum Mntg. 

f. AUhaeae roseae. 
In Althaeae roseae cultae foliis vivis pr. Somerset-East, 
Pronionf. boni spei. 1874. — Leg. P. Mac Owan. (no. 1117.) 

7. Pkragmidium longissimum Thm. nov. spec. 

Ph. acervulis hypophyllis, gregariis , pallide ochraceis, 
cirrhosis ; sporidiis (Teleutosporae) longissimis, lineari-lan- 
ceolatis, 4septatis, ad septas incrassatis, flavidis, apice 
acuto, hyalino, pedicello longissimo, byalino, curvato, 200 — 
240 mm. long., 13—14 mm. crass., pedicello 100 mm. ad us- 
quem long. — In foliis Buhi rigidi^m, in dumetisad pedem 
mentis „Boschberg'' prope Somerset-East, Promont. boni spei 
aut. 1874. — Leg. Mac Owan. (no. 1024.) 

8. Coleosporitim defergihile Thm. nov, sp. — 

C. acervulis hypophyllis, minutis, sparsis, pallide flavis, 
dein expallescentibus; sporidiis irregularibus, plerumque reni- 
formibus, episporio crasso, echinulato, 22—30 mm. long., 
14— lOnim., crass.,flavescentibus. — In foliis vivis P^xVos^omac 
ciliatae Kl. (Plectroniae ciliatae Dtr.) in monte „Boschberg'' 
pr, Somerset-East, Promont. boni spei. 1875. — Leg. P. 
Mac Owan. (no. 1107.) 

9. Coleosporium ochraceum Bon. 

In Agrimoniae Eupaioriae L. foliis vivis pr. Somerset, 
East; Promont. boni spei. — Leg. P. Mac Owan. (no. 1112.) 
10- Uredo mixta Duby. Fortasse Fungus stylosporiferus Melam- 
psorae salicinae L(5v. 






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f. Salicis capensis. 
acervulis 



hypophyliis, erumpentibus, aurantiacis; 
sporidiis ovoideis, epidermide reticulato, fuscis, 22 mm. long. 
14 — 16 mm. crass. — 



In foliis vivis Salicis capensis Thnbg. 
pr. Somerset -East, Promont. boni spei. 1874. — Leg. P. 
Mae. Owan. 

11. Urcdo EiciniBxnh. Manip. III. 10. — Caeo^naEicini Schlchid. 

In foliis vivis Eicini communis Lin. pr. Somerset-East, 
Promont. boni spei, 1874. — Leg. P. Mac Owan. 

12. Aeciditim Mac Otvaniamim Thin. nov. sp. 

Aec. aceivulis bypophyllis, sparsis, minutis, in macula 
exarida, aurantiaco-roseis ; sporidiis polygonis vel irregula- 
riter rotundatis, 15 — 22 mm. diam., flavescentibus; epidermide 
crasso, laevi. — In Cony^ae ivaefoliae Less, foliis vivis pr. 
Somerset-East, Promont, boni spei. 1874. — Leg. P. Mac Owan. 

13. Aecidium Mac Oivanianum Thm, 

f. Cony^ae pinnatilohatae. 
Differt sporidiis variis: rotundatis, oblongis, obtuse-ovo- 
ideis, quadrangulis, hyalinis. — In Conyzae pinnatilohatae 
DeC. foliis vivis ad ripas rivulorurn pr. monte „Boschberg'' 
pr. Somerset-East, Promont. boni spei. Aut. 1874. — Le 






P. Mac Owan. (no. 1111.) 

14. Eiggotia'i filicina Thm. nov. sp. 

P. hypophylia, fusco-atra, peritheciis dense gregaviis, 
niacuiam rotundam formantibus; sporideis ellipsoideo-ovatis, 
nucleatis. utraque obtusis, hyalinis, 12,5 mm. long., 8 mm. 
crass. — In irondibus vivis ilfara^^me salicifoliae pr. Bazuja 
in terra Kaffrorum. 1874. Leg. Rev. R. Bauer. 

15. Microstoma quercinum Niessl. 

f. Eohoris 
In Qucrctts Eohoris foliis vivis pr. Somerset-East, Pro- 
mont. boni spei. 1874 — Leg. P. Mac Owan. (no. 1110) 

16. Asteroma pullum Kalchbr. in litt. ad me. 

In foliis vivis PnVaecZetJ^a^aeJuss. insylvis moutis ,, Bosch- 
berg'' pr. Somerset-East, Promont. boni spei. Aut 1874. 
— L^ig, P. Mae Owan. (no, 1109.) Nou satis evohitum ! 

17. Depa^ea Nesodes Thm. ~ Sphaeria J^esodes Beck, et Br. 



f. Hydrocotfjles asiaticae. 



Somerset- 



In Hydrocotyles asiaticae L. foliis vivis pr. 
East, Promont. boni spei. — Leg. P. Mac Owan. (no. 1115) 



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881 

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Pflanzenphysiologische Untersuchungen. 

Von Dr. C a r 1 K r a u s in Triesdorf. 

(Fortsetzung.) 

VIII. Farbungen reifender Getreide. 

Die Art der Farbmig reifender Getreide hangt von der 
Chlorophylivertheilung ab, von der grosseren oder geringeren 
Volltitamii^keit der Stoffwanderung, was sich nach Individuen, 
weit niehr nach Varietiiten, auch nach ausserenUmstanden modi- 
Hzirt. Obwohl die Mannigtidtigkeit vielfacher Uebergange die 
Ermittelung der Gesetzinassigkeiteu sehr erschwert, findet man 
doch gerade bier schone Beispiele fiir Feststelluug der Wande- 
lungen, welche die beiden Chlorophyllradikale erleiden, weil ebeu 
:tlle uioglichen Univvandlungsstiii'en vertreten sind , und es nur 
cothig ist, die typischcn Faile aus zahlreichen Beobachtungen 
hen!u?zusucheu ') 

V'orerst solien die Veriinderungen iui Chlorophyll ftihrenden 
Parenchym betracbtet wcrden, welches bekanutlich in das sub- 
epiderinale Stiitzgewebe eingefiigt ist, ohne aber hier gleichmassig 
vertheilt zu sein; vom Ivnoteu abwarts nimmt die griine Farbung 
ab bis z\x der Stelle, wo die Scheide des uiichst unteren Blattes 
das Internodium umfasst; die davon gedeckten Theile sind sehr 
hiiufig nicht gefarbt. 

Irufurdie Ausbildung des Samens gUnstigsten Falle, also bei 
voUstcindigem Ausreifen, bleiben hier in den eingetrockneten, ver- 
schrmnpften Zellen nur weaige Ueberreste ungefarbten Protoplas- 
mas zuriick, alles andere, also auch Clorophyllradikale, ist fort- 
gewandert. Wurde der Halm noch nnreif, etwa gelbgrun geerntet 
(Mriis), so findet man die Zellen nochmit Protoplasma gefiilU, die 
Chlorophyllkorner sind entweder noch ganz frei u. isolirt oder 
zuHaufchen geballt oder die Contouren in den Haufchen sind ver- 
schwuuden, dieFarbung gleichmassig in einem Protoplasmaballen 
vertheilt. In einera spaterenReifestadium findet man das Protoplas- 
ma gelb, darin rothe Kornchen oder oft ziemlich grosse Kugela ver- 
theilt; oder das Protoplasma ist ganz gleichmassig roth gefarbt, 
ohne Ausscheidung rother Kornchen. Das Gelb ist Xanthin d. h. 

1) Nachstehendes stiitzt sich auf die Untersuchung von mehr als vierzig 
Varietaten der verschiedenen Getreidearten, wozu noch sonstige auflfallend ge- 
farbte Gramiueen kommen, so daaa das Gesagte ziemlich fttr alle unsere Gra- 
mineen gelten durfte. 



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382 

es rengirt nicht auf concentrirte Schwefelsaure. Zeiciien einer 
volistandigeren Reife ist es, wenn das gelbe Protoplasma fort ist 
und nur mehr rothe Kornchen, meist je eines in jeder Zelle zu- 
ruck bleiben; oder in den protoplasmaleeren Zellen sind audi 
diese rotben Kornchen nicht vorhnnden, sondern dafiir Erytbro- 
pbjU. Hieriindensicb flucb FaJle, dass allein die Protoplasmareste 
roth sind von mit Wasser auszichb.arem Authocyanfarbstoffe, vvobei 
gelbes Protoplasma bleibt. Haufigistder Fail, dass xanthinhal- 
tige Prototopiasmareate in der sonst mil Erythropbyll gefullten Zelle 
Tovhanden sind. Man lindet Halme (ungarischerRoggen), in denen 
das frtiher Chlorophyll enthaltene Gewebe durch das Erythropbyll 
schart'auf der Hautoberilache markivt ist. indem das in diesen Zellen 
gebildete Erythropbyll sich alhnabiig in dieWiinde des angrenzenden 
Prosencbyins ausbreitet. Diese Erscbeinun<j ist nur so weit zu 
beobachten als das Inlernodium griin war und gelb ^vird, also 
ungefahr bis zu den vcn der Scheide umhiillien Partien. 

Daraus ist zu schliessen, dass der Chlorophyllforbstoff bei 
dieser Wauderung sich in seine beiden Bestandtheile trennt; im 
gunstigsten Falle vvandern beide Radikale fort, im ungUnstigsten 
bleiben beide zurtick und zwar Xanthin in Protoplasma 
(vielleicht auch bisweilen in Fett) enthalten; Chlorin dagegen bil- 
det entweder rothe Kornchen, oder wenn Siiuren zugegen siud 
Anthocyane. 

Hier zeigt sich ein Unterscbied vom Rhodophyll, aber Aoa- 
logie mit der Fiirbung der Fucoideen (III dies. Dnters.): im Rho- 
dophyll bleibt die Chlorinreaktion lange erhalten, weil Xanthin 
und Chlorin eine Verbindung bildeten, hier aber unterliegt das 
Chlorinradikal einer raschen Aenderung, well es isolirt besteht, 
wenn es auch neben Xanthin gleichmassig ohne Ausscheidung in 
Kornchen im Protoplasma vertheilt ist. Zu bemerken ist ferner 
die Neigung, Chlorin im Halme unbeniitzt zuriickzulassen, Xan- 
thin fortzufiihren, wahrend esin anderen Fallen umgekehrt ist. Es 
scheint dies damitzusammenzuhangen, dass bier nicht so reichlich 
Stoffe vorhanden sind oder gebildet werden, die das Chlorinra- 
dikal binden konnten. 

Die gelbe Farbe des Strobes') riihrt nicht her von der Gelb- 
fiirbung in den fruber Chlorophyll fiibrenden Zellen, wie in herbst- 

1} Der Farbstoff des Strohes ist blass gelb, ermorph, leicht veranderlich, 
grQnt Eisenclilorid nicht .... die gelben Farbstoffe des Strohes sind ahnlich 
dem Gelb der Herbstblatter und stehen dem Rutin oder einem verwaadten 
Stoffe sahe. Stein, Gmelin's Handb. 



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383 

lich gelben BMtern, sondern voneinem oder vielmehr mehreren 
gelben Farbstoffen, welche in den WUnden des subepidermalen 
Sfatzgewebes enthalten sind. Wasser ziehf aus Stroh, besonders 
intensiv gefarbtem Maisstroh Gelb aus; das Stroh bleibtaber wenn 
auch geschwacht, gelb. Dies mit Wasser iiicht ausziehbareGelb ver- 
haltsich gegen concentrirte Schwefelsaure ziemlich neutral und fin- 
det sich nur in den Inteinodiumpartien, welche friihergran waren ; 
es ist dalier anzunehnien, dass dies Gelb Xanthin ist oder davon 
abstaninit mid bei der Entfernungder Chlorophyll fuhrenden Zellen 
in den Wanden des Prosonchyiijs fest gehalten wurde. 

Die weissen Internodiumtheile enthalten einChromogen, wel- 
ches durch concentrirte Schwefelsaure gelb iu's Griine, durch 
Kalilauge intensiv gelb bervortritt; selbverstandlich fiudet sich 
das Chromogen auch in den von vorneherein gelben Halmpartieo, 
dann auch im Prosencbyra der Fibrovasalstrange; es diirfte iden- 
tisch sein mit dem durch Alkalien hervornifbaren gelben Farb- 
stofie in Samenschalen u. s. w. (II dies. Unters.) Dies Chromogen 
liisst sich durch liingere Behandlung mit Wasser entfernen, leich* 
ter aus dem Prosenchym der Strange, schtverer ans dem Hypo- 
derma. Das in Wasser losliche Gelb ist wohl derGruppederExtrak- 
tivstofife beizuziihlen. 

Ein vollstandig ausgereiftes Internodium ist ganz weiss, alles 
Xanthin ist in die Korner hinaufgewandert wobei freilich die 
Form in der es wandert nicbt bekannt ist'); es liessen sich wohl 
Vermuthungen dariiber aufstellen. (Getreidevarietiiten mit weis- 
Bern Stroh und gelben Pruchten.) 

Es ist sehr wabrscheiniich, dass das ervvahnte Chromogen 
identisch ist mit einem Korper,^ der unter denselben Umstiinden 
und an denselben Orten vorhanden und durch die Eigenschaft, 
mit Eisenchiorid sich schwarz oder braun, selbst in's Rothlicbe 
zu farben, charakterisirt ist. Dieser findet sich im Halme und 
absterbenden Blattern, in Balgklappen und Spelzen; bisweilen 
wird er wahrend des Reifens schwarz und bewirkt sodieschwar- 
zen Filrbungen, die seltea an deu Blattern, hiiufiger an den In- 
florescenzspindeln und besonders in den Spelzen und Balgklap- 
pen auftreten; so entsteben die (je nach der Quantitat des Farb- 
stoffs) schwarzen oder braunen Farbungen der Spelzen und Gran- 
nen, welche fiir manche Getreidevarietaten charakteristisch sind. 

1) Die Thatsaclie der Xanthinwanderung leidet ebensowenig als dieThat- 
fiacte der Eiweisswanderung durch den Umstand, dass die Form in der ea 
wandert nicht eicher oder fiir alle F&Ue bekannt ist. 



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Concentrirte Schwefelsaure andert den Farbstoff vorerst nicht, 
farbt ihn dann allmablig gelbrotb oder gelb ins grtinliche, wahr- 
scheiolich je nach dem Stadium der Metamorphose; KaliJauge 
larbt ihn schon gelbroth, langsam, wenn er bereits dunkler ist 
Grosstentheils ist er in den Prosencbymwanden enthalten, findet 
sich aber auch als zarterWandbeleg in den Epidermis-Zellen. In 
der Eegel tritt der Favbstoff zuerst in den Stachelhaaren der 
Grannen auf, in den Spelzen zeigt er sich zuerst am Rande. 
Vor dem Eeifungsvovgauge ist er nicht "vorhanden, sondein er 
tritt erst beim Absterben auL Das zugeborige Chromogen *) wird 
durch Kalilauge und Schwefelsaure ebenso gefarbt, wie das des 
oben erwahnten durcb Aikalien und Sauren hervorrufbaren gelben 
Farbstoffes. 

Bel der Farbung der Blatter macheu sich im Allgemeiiien 
dieselben Verhiiltnisse geltend wie bei deu Halmen, sehr hiiufi 
Bind bier dieMetamorphosen sogar deutlicher. Man benierkt aueh, 
dass sich hier bei normaler Ruckwanderung weit mehr Neigung 
findet, das Cblorin fortzufiihren, Xanthin zuriickzulassen, wofiir 
der wabrscheiniiche Grund oben angegeben wurde. Das Proto- 
plasma der Spaltoffnungs-Zellen verbalt sich bier gewohnlich wie 
wie das der Fucoideen. 

Auch in den Spelzen treten ahnliche Veranderungen ein, nur 
kommt hier der braune oder schwarze Farbstoff binzu, der auch 
die rothbraunen Kornchen durchdringen kann. 






1} Dieser KOrper diirfte auch sonst vorkommeD. 



iH n z e i s e. 



Soeben erscJiien : 



Ueber 



Zellbildnng und Zelltlieilang 



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Dr. Ednard Strasbnrger 

Professor an der Universitat Jena. 

Mit vn Tafeln. Preis 12 Mark 

Verlag von Hermann Dabis in Jena 



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Redacteur: Dr. Singer. Druck der F, Neubaner'schen Buchdruckerei 

(F, Huber) in Regensburg, 



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Ns 25. 



58. Jahrgang. 



Regensburg, !• September 



1876. 



Inhalt. Dr. M.J. LOhr: Gelass - Cryptogamea Deutschlands . Fortaetzung. — 
H. Hoffmann: Notiz uber Bovista gigantea. — . M. Willkomm: Aufforde 
rung. — Anzeigen. — Einlaufe zur Bibliotbek und ztim Herbar. 



(Bluthenlose gefassffihrende Acotyledonen. Endo- 

genae Cryptogamicae.) 

der Flora von Deutschland und angrenzender Lander, von der 
Ost- und Nordsee bis zur Adria und zum Mittelmeere. 

Zusammengestellt 

nach Koch Synopsis Florae Germanicae et Helveticae edit. II. 1845. 

Ala Anhang zu der Enumeratio der Flora von Deutschland und an- 
grenzender Lander von Dr. M. J. Lobr. 

(Fortsetzung.) 



D. Filices Lin, Farnkrauter. K. Syn. 972. 



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139. Ordn. Ophioglosseen Rob. Br. prodr. 163, K. Syn. 972. 
Staehyopterides Willd. 

902. Botrychium Swartz Syn. Filic. 110. K. Syn. Doll rLFl.Garke 

D. Fl. 472. Mondrante. 

1. B. Lunaria Sw. K. Syn. Ddll. rh. Fl. Kirschleger Prod. 
d'Alsace Wirtgen Reisefl. Schultz Pfalz. Genth Krypt. Nassau, 



Flora 1875. 



25 



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386 

Schaef, Krypt. Trier, Lohr FI. v. Koln, Rabenh. Lej. Fl. Belgie. 
Tinant Luxemb. Flora Schukr. Krypt. t. 154. etc. OsmundaLunaria 
L. Sturm h. II. 1, Strempel Filic. Berolin. fig. 1—4. 

Hochgelegene Wiesen, Heiden, grasige Abhange zerstreul 
durch das g. 6eb. 6—8. 2|.. 

2. B. simplex Hitchcock Sillim. Amer. Journal 1823 naeh Milde 
Schles. Krypt. 164, fig. 138—74. Roeper bot. Zeitg. 1859. 12 B. 
Kannenbergii Klinsm. bot. Zeitg. t. 6. 1852. 379. Lasch bot. 
Zeitg. 1856. Garke D. Fl VI. 473. Vielleicht B. Lunariaj?. cor- 
datum Fries nov. Mant II p. 63. 

Sandige Stellen zwischen Gebiischen am Ufer der Swiane 
bei Memel; auf dem Auger bei Dresden, bei Neudamm, selten 
bei Rostock, und itn schies, mahrischeo Gesenk bei Niederliu- 
denwiese. 5—6.^. 

3. B. matricariaefolium Alex. Br. Doll rh. FI. 24, K. Syn. 
972. Milde Schles. Krypt. 659., fig. 182—96, Roper bot. Zeitg. 
1859. B. rntaceum Willd. Spec. V. Swartz Filic. 110 (mit Ausschluss 
der Var. multifidofo].), Garke D. Flora. VI. Kirschleger Prod. 
d' Alsace, Pollini veron. III. Schukr. Krypt. t. 155.(Nicht Wahlenb.) 
Osmunda LunariaFl. Don. t. 17 die fig. rechts. Var. des B. Lunaria 
naeh Wahlenb. Suec. II. 681, Fries Summ. veget. 252. Roper 
Mecklenb. I. Ill; Rabenh. Krypt. DoIlFl. Badens. I. 52, B. Reuteri 
Payot. naeh Milde. 

Sonnige Wiesen, Triften in Niederungen und Vorgebirgen 
sehr zerstr. selten ; und meist einzeln im Gebiete Italien, Piemont, 
Schweiz im Chamouny-Thale, auf dem Bernhardin und im Velt- 
lin bei den Badern von Bormio, Elsass auf den Vogesen, Hoheneck, 
Bruyeres und in derGegend von Bitsch; Baden zw.Schwetzingen 
und Mannheim, Franken bei Erlangen; Sacfasen Halle, Dessau, 
Oranienbaum; Mecklenburg Memel; Schlesien im Riesengebirge 
und im Gesenk bei Niederlindenwiese, Duttershof, Bohmen im 
Prager Kreise; Steiermark bei Graz, Karpaten in Ungarn und 
an der Jaworina im Comit. Neutra in Siebenburgen 5—6. ^* 

4. B. rutaefolium AL Br. in Doll rh. Fl K. Syn. Milde. 
schles. Krypt. 590. fig. 197—200. Doll FL bad. I, Roper Meck- 
lenb. Bot. Zeitg. 1859. 15. B. rutaceum var. multifidofolio Sw. 
Filic. 111. B. matricarioides Willd. spec. V. Kirschleger Prodr. 
d'Alsace .214. Rabenh. Krypt. 327. B. rutaceum Wahlenb. suec. 
IL Botr. matricariae Spreng. Garke D. Fl. VI. 473. Osmunda 
rutacea Schrank. Sturm II. h. 6. Osm. Lunaria FJ. Dan. t. 18. 
(die mittlere Fig.). 



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307 

Waldlehnen, Bergabhange, auf sonnigen trockenen Wiesen, 
Triften und auch etwas feuchtem mit Grasebewachsenem Sandboden 
stellenweise und selten im Geb. Italien, Schweiz im Cbamounj- 
Thale, Elsass im MUnsterthale, Vogesen Ballons ^v. Soulz, am 
rothen Rucken bei Sonderach, Baden, Eheinpfalz, Berlin am Ge- 
suadbruunen, Hannover, Mecklenburg bei Dragun; Ostsee bei 
Warnemiinde, Stettin, Danzig, Memel; Schlesien bei Oppeln, 
Ohlau, Genadenfeld, im Maehrscb. Gesenke am Uhustein, Ein- 
siedel an der Lissa, Hora, Bohmen, Lausitz, Iglau, auf den 
Gvenzkarpaten in Ungarn und Siebenbiirgen; dann anf den 
Alpen, Salzburg in der Stachnitz, bei Klagenfurt und in Tirol auf 
deni Bachergebirge. 

Anmerkung. Die Fundangaben von 2—3—4 scheinen 
mir als 4 verschiedene Arten noch nicht bestimmt festzustehen, 
da dieselben selbst bei den Autoren noch nicht endgiiltig ausein- 
ander gehalten scheinen. 

5. B, virginianmn Sw. Filic. 11 L B. anthemoides PresL 
Bohm. Ges. d. Wissensch. 1847- Zool. bot. Verein 1847. Milde 
schlesisch. Krypt. 699. ^g. 201. Oesterr, bot. Zeitg, 1858, Gremli 
FL exeurs. d. Schweiz 1867. 

Waldwiesen sehr selten. Schvveiz, in Graubllnden im Prettig- 
au, gegenUber deraSerneuser Bade.Friiher auch von PresL nach 
Milde in Oberoesterr. aut* der Ptirn (Pyrrhn) beim Hospital ent- 
deckt, aber spater nicht ^vieder aufgefunden. 5—6. 2f. 

903. Ophioglosstivi L. K. Syn. Natterzunge. 

1. 0. vtdgatum L. K. Syn. Doll rh. FL und FL baden. Wirt- 
gen Flora d. preuss. Rheinpvov. 543. Lohr FL v. Koln Garke D. 
FL Rabenh. Krypt Genth. Krypt. Nassau, Schaefer FL v. Trier 
lU. Schukr. Krypt. t, 172. Sturm 11. h. 6. etc 

Trockene und etwas feuchte Wiesen, Haiden aus denNieder- 
ungen bis in die Gebirge zerstreut durch das Geb. 6—7. 3f. 

2. 0. lusUanimm L. K. Syn. Lamark IV. t 864. Barrel t. 
252. Lowe Ferns VIII t. 45. 

Auf Sandboden im siidL Litoral, Istrien amHafen vonVeru- 
da, auf dem Scoglio St. Clementi bei Lesina und in Dalmatien, 

6. 3f 

140, Ordn. Osmundaceen R. Br. K* Syn. 973. Rispenfarn, 
Schizopterides Willd. Sp. pL V. D511 rh. FL 22. 

904. Osmunda h.K. Syn. Doll rh. FL Garke D. FL VL 

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388 



1. 0. rejfaWs K.SyiQ.Rabenfa. Erypt. Genth. Crypt. Schaef. Krypt. 
FL V. Trier III. Wirtg. Krypt. d. rh. Fl. Schmitz und Kegel 
Fl. V. Bonn, Loehr FL v.Koln.Lej.Fl. Belg.IILKirschleger Prodr. 
d'Alsace 214. Schukr. Krypt. t. 145. Sturm IL h. 6. Schulz Fl. 
d. Pfalz. 

Scbattiger Moorboden, Torfsumpfe, auf Haiden in Waldern, 
in der Ebene und in Berggegenden, stellenweise im Gebiete, aber 
in vielen Landern fehlend. Norditalien, Schweiz, Elsass, Yogesen, 
Hagenau, Oberbaden, Pfalz, SaarbrUcken, Fl. v. Trier, Siegburg 
bei Bonn, Kola bei Schlebusch, Pafifratb, Reusrath, dann in dcr 
niederrhein. Ebene zerstr. Wesel, Cleve; Belgien; Holland; West- 
phalen; Oldenburg, Bremen, Mecklenburg, Holstein, Tbiiringen, 
Sachsen, Schlesien. Wien am Schneeberg, Tirol in Valsugana, 
Bassaflo auf den Enganeen im Venet. Ungarn, im SzecklerLande 
am Hargita und Budos in Siebtirgen und um Krakau. 6-~7. 2f.< 

141. Ordn.HymenophyllaceenEndl. Syst.GarkeD.Fl. VI. 474. 

905. Hymenophyllum Smith Engl. Bot. Hautfarn. 

hllJunbridgense Sm.t. 162. Rabenb. Krypt. 309, GarkeD.Fl.VI. 
Schukr. Krypt. t. 135. Piemont; Fl Luxembourgeoise 1836. 492. 
Lejeun et Courtois Comp. Fl. Belgicae III. 1836. 312, Trichomanes 
tunbridgense Lin. 

In schattigen Felsschluchlen ein sehr seltenes Farnkraut. 
Sachsische Schweiz an einer Stelle des TJttewalder Grundes am 
Teufelsthor, Luxemburg bei Beaufort 1836. (Dumort. et Michel) 
wnrde vor einigerZeit ebenfalls dort aufgefunden von Dr. Ross- 
bach in Trier und OberfSrster Klotz ; Verhandl. des Naturhist, Vereins 
fttr Rheinl. und Westphalen 1874. Dann findet sich diese Pflanze 
im nordlichenFriaulbei Artegna in der Praetur Geraona inKrain, 
(nicht in Karnthen wo Rabenh. sie angibt). Italian an den Mar- 
mor-Brtichen von Carrara di Massa und auf den Apuanen etc. 

7—8. n-. 

142. Ordn. Polypodiaccen Rob. Br. Prodr. 145. K. Syn. 973. Garkc 

D. Fl. VX. 

906. Grammitis Swartz Syn. Filic. K. Syn. Doli rh.Fl. 3. Garkc 
D. Fl. VL Vollfam. Tiipfelfarn, 

1. Gr. Ceterach Sw. K. Syn. Garke D. Fl. VL Doll rh. Fl. 
Wirtgen Fl. d. Rheinprov. 544. Lohr Fl, v. Koln. Herrnkohl Fl. 
V. Cleve. Verb. d. naturh. Ver. v. Rheinl. und Westphl. II. 1871. 
Asplenium Ceterach L. Genth Krypt. Nassau 19. Kirschleger Fi. 












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d' Alsace; Schultz FL d. Pfalz.PoUini Fl veron. III. Sturm II, h. 
5. Ceterach officinarum Willd. Hildebrand Fl. v. Bonn, Tinant 
Fl. Luxemb. Gymnogramma Ceterach Spreng. Schaef. FL v. Tr. 
III. Lej. Fl. Belg. Ill, Scolopendrium Ceterach Smith Engl, Bot. 
Roth tent. III. 

Felsenspalten, Mauerritzen der Gebirge stellenw. bis in die 
Niederungen herabsteigend, in den siidlichen Gebieten und in 
dem westiicben Striche; nach Norden bin sehr selten werdend. 
In ganz Norditalien, Savoyen, Schweiz, Rheingebirgen zerstr. 
Mosel, Nabe, Elsass, Baden, Ffalz, Trier, Lnxemb., Belgien an 
d. Maas; Neander-Hohle bei Diisseldorf, Cleve; Vorarlberg, Tirol 
bis zum Baldo, Siidkrain, Oesterreich, Istrien, Kroatien, Dalmatian, 
Ungarn, Siebeabiirgen, Venedig, etc. 

907. Gymnogramma Desv. Berlin. Mag. V. 305. Nachtfarn ^- 

1. G, leptophylla Desv. Eabenh. Krypt. 311. v. Haasmann 
Tirol 1512. Folypodium leptophyllum Lin. Schukr. Krypt. t. 26, 
Grammitis leptophylla Sw. Syn, Pilic. Acrostichum leptoph. DC. et 
Lamark Syn. pi. Fl. gallic. 115. 

Alte Mauern, Felsen im siidl. Geb. Italien, Massa Carrara, 
Piemont; Sudtirol bei Meran, im Val Danone in d. Giadicarie 
und in Dalmatien um Ragusa. 3—4. ^. 

908. Polypodium L. K. Syn. Doll rh. FL Wirtg. Fl. d. Rheinprov. 
Schaef. Fl. v. Trier III Geath Krypt. Nassau, Rabenh. 
Krypt. Garke D. Fl. VI. Rabenhorst Krypt. 510. *turm IL 
11. 1. 

L P. vulgare L. K. Syn. Doll Garke, Kirschleger Prodr. 
d'Alsace. Piemont, Luxemb. Lej. FL Belg. Lohr Fl. Koln, Sturm 
IL h. 1. Schukr. Krypt. 1. II. 

Waldschluchten, Pelsspalten auf Baurawarzeln stellweiae und 

zerstr. durcLt d. g. Geb. 6—7. ^. 

2. P. megopteris L. K. 'Syn. Kirschleg. Elsass. Genth Nassau, 
Wirtgen, Fl. d. Rheinprov. Rabenh, Krypt. Schukr. t. 20. Phego- 
pteris polypodioides Fee, Garke D. Fl. VL 474. 

Laubholzwalder, besonders in Bucbenwaldungen verbteitet 
dorch das Geb. bis in die Voralpen nach Norditalien, (Doch scheint 
die Pflanze in den stidlichen Kiistenlandern zu fehlen.) 6—8. ^. 

3. P. Dryopteris L. K. Syn. Doll rh. Fl Wirtg. FL d. Rhein- 
prov. Scbaefer FL v. Trier III. Tinant Luxemb. L()hr FL v. 
Koln, Lej. FL Belg. Gentb Krypt. Nassau, Rabenh. Krypt Schukr. 
Krypt. t. 25. Sturm II, h. 1. Phegopteris Dryopteris Fee Garke 









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D. FL Gren. et Godron Franc. III. Bertoloni Krypt. italic. 46. 
Polyp. Dryopteris ^. disjunctum Ruprecht. P. disjunctum Schur 
Oestr. bot Zeitg, 1858. 

Laubholzwalder, vorzugsweise in Eichenwaldungen zerstreut 
durch das ganze Gebiet. Var. ^5. auf Schieferboden in Siebenburgen 
7—8. 2f . 

4. P. roheriiamm Hoflfm. D. FI. I. II. in add. K. Syn. Wirtg. 
Fl. d. Rbeinprov. 515. P. calcareum Sm. Engl. III. Doll rb. Fl. 
Lej. Fl. Belgic. III. Scbaef. Fl. Trier III. Kirscbleg. Prod. d'Alsace, 
Tinant Luxemb. Gentb Krypt. Nassau. 23. P. Dryopteris Bolt. 
Filic. 53. t. 1. Phegopteris Al. Br. Gavke D. Fl.VI. 475. P. Dry- 
opteris p. glandulosum Neilr. Nacbtr. z. Maly En. pL Austr. 326. 
Kalkfarn. 

Steinige Gebirgswalder, Felsen, Schluchten, an Mauern be- 
sonders auf Kalk, zerstreut durch d. Geb. bis in die Voralpen. 
Italian, Savoyen, Schweiz mit dem Jurazug nach Elsass, Strass- 
burg an der Citadelle etc. Baden am Kastelberg im Breisgau. 
Durlach Schwetzingen ; Rheinhessen, Odenwald, Nassau, (scheint 
inderPfalz zu fehlen,) Niederrhein im Brohlthal bis Tonnestein 
und mit dem Vorgebirge selten bis gegen Koln; Obermosel bei 
Trier an mehreren Stellen, Luxemburg bei Scheogen, Echter- 
nach und im Grunewald; Belgien, Verviers, Dolheira etc. West- 
phalen, Harz bei Rubeland, Dessau, Magdeburg, Potsdam; Schle- 
* sien ; Sachsen ; Baiern an d. IsaTjWtirtembergjWien an derDonau 
und zerstr. durch alle Lander des osterr. Staats. 7—8. ^. 

5. P. rhaeticum L. spec. Allioni Fl. pedem. fol. Turini 1785. 
Kirschleger Prodr. d'Alsace Strassb. 1836. Pollini veron. IlL 

Schluchten im Hochgebirge, Italian, Mont Cenis; auf den 
hohen Vogesen Hoheneck; Ballons etc. ^-^ 

909. Woodsia Rob. Br. Transact, of the Linn, societ. 1816. K. 
Syn. n, Garke D. Fl. VL 475. 

1. W. ihensis R. Br. Garke. Rabenh. Krypt. 320. Milde 
schles. Krypt. 618. Lowe Ferns VIL t. 28. W. hyperborea p. rufi- 
dula K. Syn. 975. Acro^tichum ilveuse L. Acrost. Marantae 
Haenke in Jacq. collect. II. Polystichum Marantae Roth tent. Pol- 
lini veron. III. Aspidium rulidulum Sw. Nephrodium rufidulum 
Michel americ. 2. 

Felsenabhange, Bergwiesen bis in die Alpengegenden stellen- 
weise und meist einzeln im Geb. Italian, Piemont, Savoyen, 
Schweiz. Im Rhongebirge an der Milseburg, Burghaltungen bei 



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Kassel, Harz im Ocher- und Bodethale, OberJansitz bei Tollenstein; 
Bohmen, Tissamiihle bei Einsiedel, Eger am Millesschauer, Toep- 
litz an d. Bernau, Hirscbberg bis Niemes, Iglau. Schlesien im 
Weistritzthal; Salzburg, Tirol, Steiermark, Ungarn, Siebenbiirgen, 
Slavonien, Kroatien, Dalmatien etc. 7—8. ^. 

2. TT, hyperhorea E. Br. Prodr. 173. t. 2. Garke D. Fl. VL 
475. W. hyperborea a K. Syn. 11. 975. Rabenh. Krypt. 320. Milde 
schles. Krypt. 621. Lowe Ferns VII. t. 27. Polypod. aronicum 
Witheeiin, Brit. 3. Polypod. hyperboreum Liljebl. Swartz. Schukr. 
t. 17. Sturm. 11. h. 11. Cetcrach alpinum Dl. fl. franc. 115. 

Alpen, Voralpen an Felsen, in den Sudeten auf Basalt im 
Riesengebirge in der kleinen Schneegrube and im Kessel; dann 
in Salzburg, Kaernthen, Tirol, Italien, Piemont etc. 7—8. ^. 

3 W. glabella R. Br. Richard of Frankl. Journ. 1823. Milde 
schles. Krypt. 624 fig. 204. W. pulchella Bertolon Krypt. 111. 

Alpen in Tirol am Kreuzberg und auf Dolomit-Felsen am 
Praxer-See im Pusterthal df. 

910. Aspidium Sw. K. Syn. Filic. Rob. Br. Prodr. nov. Holland 3. 
Schildfarn. 

1. A. Lonclntis Sw. K. Syn. 976, Doll rh. FL Garke D. Fl. 

VI. Wirtg. rh. Reisefl. 164, Kirschleg.. Prodr. d'Alsace. Rabenh. 

Krypt. 323. Schukr. Krypt. t. 29. Polypodium Lonchitis L. Pol- 

lini veron. III. Allion. pedem. Gremli. Fl. d. Schweiz. Sturm 
11. h. 1. 

Bewachsene ^ Hochgebirge in Felsenschluchten bis- in die 
Krummholzregion der Voralpen und Alpen sehr zerstreut. 
Italien auf den Apuanen, Apenninen, Piemont, Savoyen, Schweiz, 
im Jura, am Wasserfall bei Basel; auf der rauhen Alp in 
Wiirttemberg, Feldberg in Breisgau; Elsass auf den hohen Vo- 
gesenRossbergbei Thann; Wetterau auf dem Vogelberg, Weisen- 
thurm im Rheingau Gebirge, Fichtelgebirge, Harz, Hessen-Kas- 
sel ; Schlesien im Riesengebirge in den Sudeten;Sachsen im Uttenwal- 
der Grund;Baiern bei Pullach. Oesterr. im HoUenthal bei Wien, 
Salzburg, VorarJberg, Tirol bis zum Baldo und stellenweise in alien 
Provinzen etc, 7— 8. 2f.. NB. Die Fundangaben Hlibeners bei Ems 
und Altenahr b. Bonn, scheinen wohl auf einem Irrthum zu beruhen. 

2. A, lohatum Sw. Syn. Filic. Kunze Flora 1842. Garke D. 
Fl. VI 476. Sw. Engl Bot. t. 1563, Schukr. Krypt. t. 40. Milde 
schles. Krypt. 190. Wirtg. rh. Reisefl. 164. Hildebrand FL T. Bonn 
Naturg. Verein f. Rhnl. u Westph. Verb. 1866. I. Lej. et Court, 
Fl. Beig. lU. 307, A. aculeatum a vulgaie D511 rh. Fl. 20. K. 



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Syn, 976, Asp. aculeatum Sturm II h. 11. Polystichum lobatum 
Presl. Polypod. Plukenetii Loisl. not. 146. Gren. et Godr. Fl. 

franc. III. 

Gebirgwalder, Felsen, Schluchten Abbange bis in die Vor- 

alpen zerstr, durch das Berggebiet, Norditalien, Schweiz, Elsass, 
Baden, Nassau, 1 Coblenz, Moselthal Trier, Bonn, [Ahrthal Koln, 
Luxemb. Belgien bei Maastricht; Westphalen, Hannover, Harz, 
Jena, Sachsen, Lausitz, Brandenburg, Mecklenburg, Eiigen, Schle- 
sien bei Breslau, Riesengebirge; Baiern im Isarthale; Wiirlemb. 
Oesterr. stellenw. in alien Provinzen in den Sudeten u. Karpathen 
etc. 7—8. Of, 

3. A. aculeatum Sw. Syn. Filic. 37, t. 1562, Kunze Flora 
1842. Doll rh, Fl. 20, K. Syn. 976, Willd.sp. pl.V, Rabenh. Krypt. 
Genth Krypt. Nassau. 24. Schaef. Fl. v. Trier III. 14. Asp. acu- 
leatum /^.Swartzianum SmithK. Syn. Polystichum aculeatumRoth tent. 

3. Presl. Polypodium aculeatum Lin. 

Bergwaldungen, Bergschluchten seltener mit Vorigen sehr 
zerstr. im Gebiet, zuweilen auch wohl mit Asp. lobatum Sw. 
u. A, angulare Kitaib. verwechselt. Italien, Piemout, Schweiz, 
Oberelsass, Oberbaden, Heidelberg, Odenwald, Nassau, Rhein- 
gebirg Hoenningen am Siebengebirge bei Bonn (v. Furth und Pet. 
Dressen.) Trier in Saurthale, Luxemburg in den Ardennen; Siid- 
belgien Spaa; Pfalz am Donnersberg; Westphalen, Sachsen, 
Baiern Eriangen bei Muggendorf, Munchen im Isarthale, Wur- 
temberg; Schlesien in den Sudeten bei Ustron und im Ge- 
senke; durch die Walder der Gebirge und Alpengegendeuj 
auch auf den Karpaten in Ungarn und Siebenburgen etc. 7—8. ^» 

4. A. angulare Kitaib. Willd. spec. V. Garke Fl. VI. 477. 
Smith Engl. D. etc. Asp. Braunii Spenn. Fl. Frib. Kunze 362, 
Eabenh. Krypt. 324, Milde schles. Krypt. 490 fig. 81—86, 94, 95, 
A, aculeatum Schultz FL d. Pfalz. A. aculeatum b, angulare Al. 
Br. Doll rb. Fl. 21, A. aculeatum /?. Braunii Doll rh. Fl. K. Syn. 
977. Polystichium angulare Presl. Asp. pilosum Schur. Sieben- 
burg. Verein. 1851—1859. Oester. bot. Zeitg. 1858. 

Sonnige Waldstelleu der Vor- und Hochgebirge zersti'eut 
im Geb. Italien, Schweiz im Oberhasli, am Engelsberg und 
wohl weiter verbreitet. Baden im Breisgau auf Porphyr am 
Iberge bei Freiburg, Elsass in den Vogesen, Belgien bei Spaa, Sach- 
sische Schweiz im Wehlener und Uttawalder Grund; Schlesien 
an Waldlehnen verbreitet bei Ustron, seltener am Hockschar; 
im Kessel des mahrischen Gcsenkes in Ungarn am Scblossberg 




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bci Zuckmandel, Karpaten in Siebenbtlrgen 6tc. Dj^nn auf den 
Alpen in Salzburg im Bachergebirg, in Steiermark, Kroatien und 
Dalmatien etc. 7—9. ^. 

NB, D51I, Koch and Milde Tereinigen die obigen drei Arten 
unter Aspid. aculeatum Swartz. 

911. Tolystichum'&(ii)x Tent. FL Germ. 3. K. Syn. 977.6arke 

D. Fl. VL 477. Wirtg. Fl. d. Eheinprov. 546. Lohr Fl. y. Koln 
310. Punctfarn. 

1^ P. Thdypteris Roth. K. Syn. Wirtgen, Tinant Fl. Luxemb. 
HiJdebrand Fl. v. Bonn, Herrenkohl FL v. Clave Verb. d. naturf. 
Ver. fdr Rheinl. u. Westpb. 1871, Sturm u. Schitzlein FL v. Er- 
langen und Niirnberg, FL v. Bremen etc. Aspidium Thelypt. Sw. 
Rabenh. Krypt. Doll rb. Fl. Kirschlegcr Prodr. d' Alsace. Genth 
Krypt. Nassau. Schukr t. 52. Nephrodium Thelypt Strempel 
Schultz FL d. Pfalz. Polypodium Thelypt. Lin. mant. Sturm II. h. 1 
Schaef. FL v. Trier III. Acrostichum Thelypt. Lin. spec. pL 
Lastrea Thelypteris PresL 

Sumpfige Waldwiesen in Erlengebftschen in d* Niederungen und 
Bevggegenden durch das ganze Geb. verbreitet. 7 — 8 ^. 

2. P. Oreopteris DC. fl. franc. K. Syn. Garke D. FL VL Wirtgen 
FL d. Rheinprov. Lohr FL t. Koln. FL v. Bremen. Tinant FL 
Luxemb. Polypodium Oreopteris Ehrh. Kirschleger Prodr. d' Alsace 
216. Lej. FL Belgieu ; Polyp, montanum VogL diss. Giessen 1781 
P. pterioides VilL Aspidium Oreopteris Sw. Fil. Syn. Doll rh. 
FL Pollini veron. III. Allion. pedem. Schaef. FL v. Trier Krypt. 
Rabenh. Krypt. Schukr. t. 52. A. montanum Ascherson. Nephro- 
dium Oreoptevis Schultz. Roeper. Lastrea Oreopteris PresL 

Gebirgswalder auf trokenen, oder etwas feucbten, torfhalti- 
tigen Stellen unter Gebuschen besonders im Nadelholze zer- 
streut doch nicht iiberall, durch das Gebiet, bis in die Voralpen- 
gegenden; mit Ausschluss der stid. Ktistenlander. 7—8. 2f. 

3. P. Filix mas Roth. tent. K. Syn. Garke D. Fl. VL Aspidium 
Doll rh. FL Wirtgen. Genth Naisau Tinant, Schaefer Trier etc. 

Rabenh. Krypt, Schukr. t. 45 Asp. Mildeanum Goppert. Asp. 
cristatum Pollini veron. III. (nicht Swartz.) Filix mas b. erosum 
Doll rb. FL 16, Asp. erosum und A. depastum Schukr. Krypt. t. 
45 — 51. Polypodium Heleopteris Borkh. in Roemer Archiv 1. 3. 
p. 19 Bind nach Koch nurmonstroseFormen der Hanptart. 

Steinige Waldungen, Hohlwege, Schluchtea bewachsene Ab- 
hange durch das ganze Gebiet. 7—8. ^-^ 



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4. P. a/fiwe Ledeb. Ross. IV 515, Aspidium aifine Fischer et 
Meyer im Rupr. Beitr. Ill 36. Wie es onch Neilr- Beitr. zu Ma- 
ly's Enum. pi. austriac. scheint, ist sie wohl eine Var. des Asp. 

Filix mas Sw, 

Dalmatian bei Cattaro. Konig Friedr. August von Sachsen 

Kunze Bot. Zeitung. 1845, p. 278.) 7—8. ^. 

5. P. cm^aium Koth. tent. Ill K. Syu. Garke D.Fl.VI. Wiitg. 
Fl. d. Rheinprov. Hildebrand FI. v. Bonn Verb. d. naturh. Ver. 
ftir Rbeinl. u. Westphalen 1866 144, Lohr Fl. v. Koln. FJ. v. 
Bremen. Aspidium cristatnm Sw. Doll rh. Fl. und FK v. Baden 

•LBertolini Krypt. AUioni Fl. Pedem. Gremli Fl. d. Schweiz, Genth. 
Kvypt. Nassau; Nephrodium cristatum Micbaux Schultz Fl. d. 
Pfalz. Polypod. cristatum Lin. Poly. Callipteris Ehrb. Beitr. III. 
Var. von Asp. spinulosum Sw. nach Rop. Mecklenburg 93, ancb 
Milde zweifelt Scliles. Krypt. 519. 

Feucbter Moorboden, sumpfige Wiesen unter Erlengebiiscben 
niedereru. gebirgigerGegenden zerstreutu. selten. Italien,Piemont, 
Scbweiz bei Thun, Elsass imForst bei Hagenau, Baden bei Leben 
im Breisgau, Pfalz bei Kaisefslautern am Weiber der Papiermuhle, 
Wertbeim, Offenbach, Siegburg bei Bonn, Bensberg bei Koln, 
Sobernhcimer Wald, Coblenz auf der Montabaurer Hohe, Viersen, 
Dusseldorf, Aachen, Westphalen, Hannover, Bremen im Lesnmer 
Sumpfmoor, Mekkuburg, Halle, Sachsen im Muldetbal, Frauken 
Fl. V. Erlangen und Niirnberg, Ficbtelgebirg, Schlesien bei Oblau, 
Oppeln, dann auf den Alpen, Salzburg, Kaernthen bei Tellacb, 
Ungarn in der Zips, Szecklerland am Budos und bei Krakau. 
Zweifelhaft ist die Pflanze nacb Neilr. in Oesterreicb, Tirol und 
den sttdl. Kustenlandern. 7—8. czf. 

6. P. spinulosum DC. fl. franc. K. Syn. 978. Garke D. Fl. VI. 
Wirtg, Fl. d. Rheinprov. Hildebrand Fl. Bonn, Lohr Fl. v. Koln. 
Aspidium spinulosum Sw. Doll rh. Fl. Genth Crypt. Nassau, 
Schaef. FJ. v. Trier IIL Milde scbles. Krypt. A. dilatatum Godr. 
Fl. Lor. Nephrodium spinulos. Stremp. Filic. berol. Schulz Fl. d. 
Pfalz. Polypod. cristatum Huds. Engl. L und tere Autor. (nicbt Lin.). 

a. P. spinulosum a, elevatum. Aspidium spinulos. a elevatum 
Alex, Braun Doll rh. Fl. 17. A. spinulos. Willd. Sw. Smith. Schukr- 
Krypt. t. 48. Rabenb. Krypt. 321. Polypod. austriacum Jacq. ^^er- 

rat. 1. 

b. P. spimlos'iim j9. dilatatum K. Syn. 979. Aspidium spinulo- 
sum jS. dilatatum D(5ll rh. Fl Aspidium dilatatum Willd. Spec. V- 
Sw. Syn. Filic. Rabenh. Krypt. 322. Engl. Bot. t. 1460. Asp. spinu- 



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losum Schukr. t. 47. Asp. spinulosum /?, Hartm; Scand. Polypo- 
dium tanacetifolium Hoffin. Ausg. 11. 8, Polystichum multiflorum 
Rotb tent. germ. Lastrea dilatata Presl. 

Snmpfige Gebiische, feuchte Moore aus der Niederung bis 
in die Gebirge und Voralpen zerst. durch das ganze Gebiet. 7—8. 3f . 

7. P. Gallipteris Wilms. Wirtgen Fl. d. Rheinprov. 548. Ob 
die Pflanze mit Aspidium Gallipteris Ehrh. Beitr., -welcheeine 
Var. von Aspid. spinulosum oder A. cristatum Sw. sein soli, 
verwandt ist, kann ich nicht entscheiden, da mir keiu Exemplar 
vorliegt und die Pflanze bei uns noch nicht gefunden worden ist. 
Walder in Westphalen. Wilms. 21^. 

8. P, rigidum DC. fl. franc. II. 260. K. Syn. 979. Schukr. 
Krjpt. t. 56. Aspidium rigidum Sw. Syn. filic. 37. Rabenh. Krypt. 
321. Sturm U. h. 11. Engl. Bot. t. 2724. Willd. Spec. pi. pi. Doll 
rh. Fl. 16. Polypod. rigidum Hoffra, D. Fl. 2. Polyp, fragrans 
Vill. Delph. III. Polyp. Villarsii Bellard app. Fl. Pedem. Aspid. 
rigidum Pollini FL veron. III. Aspid. hastulatura Tenore Nap. 
IV. V. t. 250. Boiss. Espan. 11. oder Asp. nevadense Bois«. 
Elench 93. wird nach Neilr. in Bossier 1. c Milde bot. Zeitg. 
1857. 476 undWillkomm et Lange Prodr. hisp. I. 9. zu Asp. rigi- 
dum, in Kunze Flora 1848. I. und Bertoloni Crypt, zu Asp. acu- 
leatum gezogen. 

Schattige Felsen der Hochgcbirge, Voralpen, Alpen sehr 
zerstreut durch die Alpenketten. Italien, Piemont, Savoyen, Schweiz, 
Baiern, Nieder- und Oberoesterr. Steiermark, Salzburg, Vorarl- 
berg, Tirol bis zum Baldo, Gorz, Krain, Friaul, Venet. Apuanen 
nnd auf den Karpaten im sUdi. SiebenbUrgen. 7—8. ^. 

9. P. pallidum (Aspidium—Link Filic. 107.) Aspid. rigidum 
Visiani Dalmat. t. 38. test. Heuff. Zool. bot. Ver. 1856. Nephro- 
nium pallidum Bory Exp. de Moree. Ist nach Gren. et Godron 
Franc. Ill, Willkomm und Lange sudliche Form vou Polystich. 
rigidum DC. 

In Felsenspalten, Dalmatien auf dem Velebit, Monte Biokovo 
bei Clissa, Insel Lesina und in Kroatien. 7—8. ^. 
912. Cj/siopteris Bernh* K. Syn. 979. Doll rh. Fl. 14. Blasenfarn. 

1. a fragilis Bernh. K. Syn. Doll rh. Fl. et Fl. bad. I. 
Wirtg. Fl, d. Rheinprov. Genth Krypt. Nassau. Lohr Fl. v. Koln. 
Garke D. Fl. VI. etc. Cyathea fragil Bernh. Schrad. Journ. Roth. 
tent. Polypodium fragile Lin. Polyp, dentatum Dichs in Hoffm. 
2. Polyp, rhaeticum Dichs (nicht Lin.) Polyp. Pontedera All. Pedem. 
Aspidium fragile Sw. Filic. DC. Pollini veron. III. Sturm II. h. 



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11. Schukr. t. 54. 56. Schaef. Krypt. Fl. v. Trier III. Asp. anga- 
statum Host. Austr. etc. Aspid. dentatum Svv. in Willd. Cyathea 

regia Roth tent. III. (nicht Engl Bot.). 

An Felsen iind auf Baumwurzeln. verbreitet in Hugel-,Berg- 
und Voralpengegenden durch d. g, Geb. zerstreut. 7—8 2f.. 

2. G. alpina Link. Berol. 11. l^. Rabenh. Krypt. Sturm 11. 
h. II. Aspidium alpinum Sw. Filic. 42. Willd. Spec. Schukr. t. 
62 a. Cystopl. regia /?. alpinaKoch. Cyst, regia Presl. Koch. Syn. 
980. Rabenh. Krypt. 319. Lowe Ferns VIL t. 30. Polypodium 
reginm Lin. Polyp, alpinum Wulf. in Jacq. Collect IL Cyathea 
incisa Engl. Bot. t. 163. Smith, (nicht Roth.). 

Schattige Felsen der Alpen und Voralpen zerstr. durch die 
sfidliche Alpenkette; Italien, Savoyen, Scbweiz aucb ira Jura etc. 
Niederosterreicb in den Alpen bis zur Adria, Venet. Dalmatien, 
Vorarlberg, Tirol bis zum Baldo; in den Alpen B|iierns, dann in 
Ungarn und etidlichen Siebenburgen. 8—9. % 

3. C. montana Link, Berol. IL K. Syn. 981. Doll rh. Fl. 15, 
Rabenh. Krypt 319: Polypodium montanum Lamark. Haenke in 
Jacq. Collect. Poly, myrrifolium Vill. Delph. Aspidium montanum 
Sw. Filic. Syn. Fl. Dan. 2250. Pollini Fl. Veron. III. Schukr. 
Krypt, t. 63, Cyathea montana Roth. tent. Fl. germ. 

Alpen, Voralpen, an mit Gebiisch bewachsenen Felsen durch 
die gauze Alpenkette zerstreut: Italien, Piemont M. Cenis, Sa- 
voyen, Scbweiz, besondersim Jura und Appenzeller Alpen etc. Baiern, 
Oesterreich Salzburg, Vorarlberg auf dem Frechen, Tirol und 
stellenweise bis zum Baldo; Kaernthen, Krain; dann auf den Karpa- 
tGn in Galizien und Siebenblirgen auf der Rodna etc. 8—9- ^• 

4. C. sudeiica Alex. Brann und Milde schles. Krypt. 554, fig 
108—109. schles. bot. Ges. 1855. Garke D. Fl. VI 478. Cystopt 
Brannii Milde, Cyst, alpina Wimmer Schles. 11 505. Cystopt 
montana Wimmer, Milde (nicht Link noch Fries). Cyst, ieuco 
sporaoderleucosoriaSchur.Oesterr.bot.Zeitg. 1885p. 328, 1861 p.360 

Walder der Hochgebirge, Waldschlucbten in den Sudeten u 
Karpaten, Riesengebirge im Mabrisehen Gesenke yom Altvater 
nach Waldenburg, auf den Hirschwiesen dann bei Reiwiesen und 
untersten Abfall des Hockschar; in Ungarn und Galizien in 
Juvorina Thale, haufig im Biharia Gebirge und bei Borszek im 
Szeklerlande 7—8. ^. 







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CSchluss folgt.) i 



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Notiz aber Boyista gigantea 

von 

H, Hoffmann. 

Da liber die Raschheit des Wachsthums dieses Riesen unter 
nnseren Pilzen sehr iibertriebene Vorstellungen veibreitet sind 
und wenig Genaues bekannt geworden ist, so dtirften die folgenden 
Messungen einiges Interesse haben. Dieselben sind wabrend dcr 
warmen und nassen Julitage dieses Jahres von mir in Giessen 
ausgefiihrt worden, an einem Exeinplare, welches im Augenblicke 
der Entdeckung die Grosse eines kleinen Kinderkopfes hatte, und 
beziehen sich auf den grossten Umfang in der Quere. Die Form 
war von Anfang bis zu Ende ziemlieh genaa kugelig. 

Juli ah 15a» ^^ M. 30 Centimeter 



16 
17 
18 

19 

20 

21 

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30 

20 

20 



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15 



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V M. 
N M. 

V M. 

V M. 
N M. 

V M. 



35 

44 

49 

53 

57 

59 *) 

61 

62 

62 

62 



Wurde am 23. zerstort. 



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— Taglich Regen. 
Am 14. Juli beobacbtete ich ein anderes Exemplar, welches 
101 Centimeter Querumfang und 94 cm. senkrechten Umfang hatte. 
Dasselbe wurde senkrecht in 2 Stiicke zerbrochen, welche an 
freier Luft liegen blieben, das eine unter Dach, das andere der 
Sonne und den zum Theil sehr starken Regengiissen ausgesetzL 
Unter Entwickelung des bekannten putriden Geruches ging 
nun die Sporenreifung vor sich und zwar nicht an der freieu 
Oberflache, sondern unter Verschluss. Es bildete sich namlich 
an beiden Stticken binnen wenigen Tagen auf der ganzen, ziem- 
lieh ebenen Bruchfiache eine weissc papierartige Membran aus, 
erinnernd an die Peridermscfaicht einer zerschnittenen Kartoffel, 
welche den Rest der Gleba vollkommen dicht abschloss. Dieselbc 
war structurlos, granolos, und allem Anscheine nach durch einen 

Colliquations-Prozess der oberflachlich liegenden Hyphen ent- 
standen; an nianchen Stellen konnte man noch, wenn auch" un- 

deutlich, deren Contoure erkennen. Es ist hier also an einer 

ganz ungewohnlichen Stelle ein Prozess vor sich gegangen, wie 

Gr5ia« «iiica starken Henscbe&kopfea. 



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398 



er bei den BoTisten und Verwandten sonst in einer der aus- 

sersten Umfang - Schichten iiormal ist. (S, m. Aufsatz fiber 

Geaster coliformis in Bot. Zeitg. 1873 p. 373.) 

Aaf diese Membran folgen dann eine nicht scharf begrenzte, 

schwache Schicht von zergliedert-zelligen mycelartigen Hyphen, 

gleich denen in der jungen Gleba; daruDter einzebe Capillitium- 

Fasern, letztere an der braunliehen Farbe, der eigentbUmlichen 

Verastelung, der Zuspitzung der Enden und der Sparlichkeit der 

Septa deutlich von den erwahnten Hyphen zu unterscheiden; 

darunter wenige Sporen, ohne Basidien. ; 

Unmittelbar daran schloss sicb, die tibrige Masse der Gleba \ 
bildend, olivenbraunes, ganz reines Capillitium mit zahlreichen 
freien Sporen, ohne Beimischung mycelartiger Hyphen, 



Prag September 1875. 



Prof. Dr. Jtt. Willkomm, 



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Anfforderung. 

Hcrr H. Jenssen-Tusch, Verfasser des im Jahre 1867 
inKopenhagen ergchienenen Werkes: ^^Nordislce plantennavne^^ heab- } 
sichtigt einin gleicher Weise abgefasstes Verzeichniss der deutschen 
resp. gernianischen Vulgarnamen der Pflanzen herauszugeben 
(denen spater Verzeichnisse der romanischen, slavischen, finnischen 
■ u. a, Namen der Pflanzen Europas folgen soUen) und hat sicb 
desshalb an mich mit der Bitte gewendet, ihm Verzeichnisse 
deutscher Vulgarnamen aus verschiedenen Gegenden Deutschlanda 
zu verschafifen. Da jenes danische Werk iiber die nordischen 
Pflanzennamen ein ganz vorzugliehes, sein Verfasser der deut- 
schen Sprache vollkommen machtig und deshalb zu erwarten ist, 
dass die von Herrn Jenssen-Tusch beabsichtigte Bearbeitung 
der deutschen Vulgarnamen der europaischen Pflanzen sich durch 
gleiche Griindlichkeit auszeichnen werde, so erlaube ich mir, allc 
Botaniker Deutschlands und Deutsch-Oesterreichs, welche sich mit 
der Erforschung der Flora ihrer Heimath oder ihres Aufenthalts- 
Ortes beschaftigen und in der Lage sind, Vulgarnamen zu sam- 
meln, dringend aufzufordern, den genanten danischen Gelehrten 
(Adresse: Kopcnhagen, Frederiksberg Bredgade 22) durch Zu- 
sendung von mit Orts- und Quellenangabe versehenen Beitragcn 
freundlichst zu unterstiitzen. 



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Direktor des k, k. botanischen Gartens 







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399 



Anzeiglen, 



In Carl printer's 1JniTer«itaet«lracliliandliniff in 

Heidelbers ist soeben erschienen: 

iMJIIler, Professor »r« ar.JT. C, BotanischeUntcrsuchungenlV. 
IJeber die VertHeiluni^ der nioleenlarkrfifte im Bauin* 
Zwelter Xlieil. Der sosenannte abstelsende Saftstrom. 

Mit Holzschnifcten und lithographirten Tafeln. gr. 8» brosch. 5. M. 



Vollstandig erscheint soeben: 

Dr. L. PfeiflFer. 

Homenclator botanicas. Nominum ad iinem anni 1858 public! factoram, 
classes, ordines, ti-ibus, familias, divisiones, genera, subgenera vcl seetiones, 
designantium enumeratio alphabetica etc 2 Vol. in 4- 252 M. 

Ferner in gleichem Verlage: 

Dr. L. Pfeiffer. 

Synonymik. Erstes Supplement. Gr. 8. 8Vi M. 

Dr. d. Feistmantel. 

Die Versteinenmgen der Bdhmischen Eohlengebii^sablagenmsen. 

1. Abth. Mit 25 Taf. Abbild. Royal 4. (Sep.-Abdr. d. Plaeontogr.) 66 M.. 

Dv. H. R. Goppert 

Ueber innere Torgange bei dem Veredeln der B&iune nnd StrSacber. 

Mit 8 Taf. Abbild. Royal 4. 6 M. 

Verlas ^on Xlieodor VtscHer In Kassel. 



Einlaufe zur Bibtiotbek und znm Herbar. 

64. Des effets defferents d'une mSme temperature sur une mSme espSce au 
nord et au midi ; par M. A. de Candolle. 1875. 

65. Memoires de TAcademie imp, des sciences dc St. P^tersbourg. VII. Serie. 
Tome XXI. ^r. 6—12. Tome XXII. Nr. 1-3. St. P6tersbourg 1874—75. 

66. Bulletin de rAcad^mie imp. des ec. de St. P^tcrsbouig. Tome XIX. Nr. 
4, 5. Tome XX. No. 1. 2. 






400 

67. Nuovo Giornalc botanico italiano. Y6L VII. Nr. 3. Pisa 1875. 

68. Albert Zimmeter, die Gattung AquO^a. Steyr. Haas, 1875. 
69- Bulletin de la soci^t^ imp. des naturalistes de Moscou. Ann^e 1874. Nr.4. 

70. Goeppert, der k. botaDische Garten der UnlversitSt Breslau. Gftrlitz, 

Renner 1875. 

71. Celakovsky, iiber Placenten und Hemmtiiigsbildungen der Carpelle. Prag 

1875. 
73. S. Knrz, Enumeration of Bnrmese Palms. 

73. — Descriptions of few Indian Plants. [ 

74. Weddell, Remarques compl6mentaires sur la r6le du substratum dans la 
distribution des Lichens saxicoles. 

75. Papst, die Flechten und Pilze mit ca. 900 Abb. in Farben und Scbwarz- 
druck. 1. u. 2. Lfg. Gera, Griesebach 1875. 

76. Bericht fiber die Thatigkeifc der botaniscben Section der SchlesiscUen Ge- 

sellschaft zu Breslau im Jahre 1874. 

77. Jabresbericht der Gesellachaft fftr Natur-und Heilkunde in Dresden, Dresden 
1875. 

78. Dr. L. Rabenborst, die Algen Europas. Dec 242 und 243. Dresden. 1875. 

79. Atti del reale Istituto Veneto. Tomo terze, Serie qnarta, Dispensa 10. 
Tomo prime. Serie quinta. Dispenaa 1. — 7. Venezia 1874 — 75. 

80. Kolonial Museum op bet PaviJjoen bej Haarlem. 

81. Sitzungaberifthte und 3 Abhandlungen der k. boebmischen Gesellschaft 

der Wissenschaften in Prag. Jabrg, 1874. 

82. Naturbistorische Gesellscbaft zu HannOTer 23. und 24. Jabresbericht. Han- 
nover 1874. 

88, Verhandlungen und Mitthellungen des siebenburgischen Vereini fSr ^*" 
turwissenschaften in Hermannstadt. 25. Jahrg. 1875« 

84. Les substratum neutres, par. M. Weddell. 

85. Quelques mots sur FHaemato coccus lacustrig par I. Rostafinski. Cher- 
bourg 1875 

86. Charles de TEscluse, sa vie et ses oeuvres, par. E. Morren. Li^ge 1875. 

87. Uebersichtstabelle iiber die periodische Entwickelung der Freiiandpflanzen 
im k. bot. Garten zu St. Petersburg von T, v. Herder und H. Hoeltzer. 
St. Petersburg 1875. 

88. O. Drude, uber die Bluthengestaltung und die Verwandtschaftsverhaltnisse 

des Genus Parnassia. 

89. A. Braun, die Frage nach der Gymnospermie der Cycadeen. Berlin 1875. 

SO. Sitzungsberichte der mathem.- physical. Classe der k. b. Academic der 

Wissensch. zu Muchen. 1875. Heft II. 
SL Index in Rabenborst Fungorum Europaeomm exsiccatorum. Cent. I— XX. 

92. A. Braun, iiber Fichtenzapfen mit riickvirarte gericbteten Schuppen. 

93. F. C. Gochnat, tentamen medico-botanicum de plantis CiGhoraceis, Argen- 
torati, 1808. 



Bodacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer'schen Buchdruckerei 

CF* Hnber) in Regensboi^. 



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58. Jahrgang. 



m 26. 



Regenisbnrg, 11. September 



1875. 




Inlialt. Dr. M.J. Lohr: Gefass - Cryptogamen Deutschlands. (Schlues.) ~ 
A. Brann: Abnorme Fichtenzapfen. — X. Landerer: Botanische Notizen 
aus Griechenland, — Anzeigen. 




GefdH»'Crjptogamen 

(Bliithenloae gefassfiihrende Acotyledonen. Endo- 

genae Cryptogamicae.) 

der Flora von Deutschland und angrenzender LMnder, von der 
Ost- und Nordsee bis zur Adria und zum Mittelmeere. 

Zusaxumengestellt 

nach Koch Synopsis Florae Germanicae etHelveticae edit. II. 1845. 

AIs Anhang zn der Bnumeratio der Flora von Deatscbland and an- 
grenzender Lander von Dr. M. J* Ldbr« 

(Schluss.) 

913. Asplenium Lin. K. Syn. 981, Doll rh. Fl. 12.Garkc D.Fl. 

VI. 479. Streifenfarn. 

1. A, Trichomanes L. Huds. engl. Bot I. K, Syn. Rabenh. 
Krypt. Genth Krypt. Nassau 37. Schaef. Krypt. III. 11. Schokr. 
Krypt. i. 74. Wirtg. Fl. d. Rheinprov. Lohr Fl. v. K6ln, Hilde- 
brand Fl. v. Bonn, Lej. Fl. Belgic. III. Vol. Tinant Fl. v. Lux- 
emb. etc, A. trichomanoides Eeich. Fl. d. Wctterau. 2. 120. 

Felsenspalten, Mauerritzen, auf Baumvrurzeln gemein durch 
^ ganze Gebiet. 7—9. af . 



Rora 1875. 



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2. ^, gemanicum Weis Krypt. 299. Garke D. Fl. VI. 480. 
Rabenh. Krypt. 315. Schaef, Fl. v. Trier III. Krypt. Wirtg. Fl. d. 
Rheinprov. Lohr Fl. v. KoId. Tinant FL v. Luxenib. Lej. Fl. Bel- 
gic. Kirschleger Prod, d' Alsace Doll rh. Fl. 10 etc. Aspl. Breynii 
Retz. K. Syn. Scbukr. Krypt. t. 81. A. alternifulium Wulf. in 
Jacq. Misc. II. t. 5. fig. 2 Pollini veron. III. 

Scbattige etwas feuchte Felsengebange, in Spalten beson- 
ders im Urgebirge bis in die Yoralpen seltener in der Ebene, 
lerstreut durch das Gebiet Italien, Savoyen, Schweiz, Rheinge- 
birg, Baden, Elsass stellenweise bis Kdln,Luxemb, Belgien, West- 
phalen, Mecklenburg, Harz, Potsdam, Sachsen, Fichtelgebirg 
Baierc, Wurttemberg, Oesterr. Salzburg, Kaevuthen, Tirol, in den 
Sudeten und Karapaten etc. Fehlt wie es scheint in den sud- 
lichen Kpstenlandern Kroatien und Dalmatieu. 7 

S. A. Ueufleri Reichard Oesterr. ZooL bot Ges.Wien 1859. 
IL 93. t. 4. A. germanico-Trichomanes Neilr. Nacbtr. zu Maly 
Enum. p. 331. A. Ruta-muraria var. elatum Lang. Bei fluchtiger 
Betrachtung leicht flir A. germanicum Weis zu halten. 

Die Spreuschuppen am Wurzelstock sind linear und besteben 
ans langestreckten Zellen. Die Zellen werden nacb der Mitte bin 
immerdickwandiger, so dass die Spreuscbuppe eineuMittelnerven 
zcigt, welchen A. german, nicht hat. Der Stipes hat eine eigene 
rothbraune, glanzende Farbung, Am Querschnitt ist die Form 
des Wedelstieles in der unteren Halfte rundiich nach oben drei- 
eckig mit tiefer Furcbe auf der Oberseite. Die Aussenrinde ist 
sehr dick und dunkel, dielnnenrinde ist licbtgriin. Ein centrales 
stielrundes Gefassbiindel bestebt aus einem centralen, drei- 
schenkeligem Holzkorper und peripberisehem Baste; wodurcb die 
Art sich besonders von A. germanicum unterscheiden soli. Die 
Fiedern sind klirzcr gestielt, viel breiter und kurzer und die 
Schleierchen sind gekerbt. (Peter Dreesen,) Verb, des naturb. 
Vereins fur Rbeinl. und Westpbal. in Bonn. II. 1871. p. 114. 

Im Arthale in Ritzen ciner, von Devonschiefer aufgefUhrten 
Weinbergsmauer bei der Saffenburg, unfern Bonn, unter A. 
TrichomanesHuds.und A. Ruta muraria L. j?. elatum Lang. (Pet. 
Dreesen) und au d. Ahrburg Wirtg. 

Stidtirol an Felsen bei Molten zw. Bozen und Meran Neilr 

7—8. 2|.. 

4. A. Ruta-muraria Lin. Koch Syn. Doll rh. Fl. Garke D. 
Fl. VL Rabenh. Krypt. Genth Krypt. Schaef. Krypt. Fl. v. Trier 





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IIL Schukr. t. 80. b. A. Ruta-muraria p. elatum. Lang. A. multi- 
caule Presl. 

Mauerritzen, Felsenspalten durcb das ganze Gebiet gemeio. 
7—9. a^.Die Varietat seltener. 

5. A, Selosu LeydbolU Flora 1855, L8l. t. 15. v. Hausmann. 
Oesterr. bot. Wblt. 1855. Bertolioi Crypt, p, 66. 

An bewachseoen Felsen in Sudtirol auf denSchlern bei Salura 
und in Ampezzo. 7 — 8. %. 

6. A. viride Huds. Angl. II K. Syn. Doll rh. Fl. Garke D 
Fl VI. Kirschleger Prod. Fl. d'AIsace, Wirtg. rh. Reiseflora. A 
Kranz Fl v. MUuchen, Gremli Fl. d. Schweiz, Schukr. Krypt. t 
73. Sturm 11. h. 1. A* intermedium Presl, 

Hochgebirge in Felsenspalten, an Felsen der Alpen und Vor- 
aipeu, in deu Sudeten und Karpaten zerstreut im Gebiet. 

Norditalien, Savoyen, Schweiz mil dem Jura nach "WUrtcm- 
berg und Baden auf Granit im Hohlenthal bei Freiburg. Elsass 
in den Vogeseu am Kassberg, Iberg bei Ribonville, Luxemburg 
in den Ardenueu, Westphalen am Wasserfall bei Ramsbeck. Hanno- 
ver Golpaer Muhle bei Bitteufeld, Harz im Bodetbale beiRubeland, 
Thiiringer Wald am Domberg, Sacbsen bei Tharand, sacbsische 
Schweiz amKuhstall, Wiirtembergund Baierns Alpen auch an Ab- 

hangen der Isar bei Munchen. Schlesien im Riesengebirge an 
Riibenzahls Garten, kieine Schnecgrube im Mabrsch. Gesenke 
Oesterr. bei Wien am Guttenstein und zerstreut durch ganz Oester- 

reich. 7—8. 2^. 

7. Filix foemina Bernh. K. Syn. Garke D. Fl. VL Wirtg. 
Fl d. Rheinpr. Lohr. Fl. v. Koln Rabenh. Krypt. Schael. Krypt. 
Fl. Tr. IIL etc. Aspidium Filix foemina Sw. Doll Fl. bad, PoUini 
veron. IIL Schukr. t. 58. 59. Athyrium Filix foemina Roth tent. 
III. Tinant fl. Luxemb. Lej. et. Court Fl. Bclgic. III. Atbyr. 
trifidium und A. molliusculum Baumg. Transylv. IV. 

Die Pflanze andert uberhaupt in Form und Zertheilung der 

Blattwedel vielfach ab. 

In Laub und Nadelholzvraldungen, an schattigen feuchten 
Stellen, in Wiesengraben verbreitet durch das ganze Gebiet, bis 
in die Voralpengegenden. 8—9. Of.. 

8. A. alpestre Metten, Senkenb. Ges. in Frankf. a. M. 1859. 
102, 129, 242, t. 6. fig. 1—6. Garke D. Fl. VI. Aspidium alpestre 
HoppeTschb. 1805. Polypod, alpestre Hopp. K. Syn. IL 974. D511 
rh. Fl. 6. Wirtg. rh. Reisefl. 163, Wall roth Krypt, Spenner, Ra- 
benh. Polyp, ihaeticum Lin. DC Villar Voyag. Kirschleger Prodr. 

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d'Alsace. Schukr. Krypt. t. 60. Polyp, molle Allioni Pedem. V. 
Phegopteris alpestris Mettea. test. Garke D. Fl. VI. 

Im Ansehen voriger Art ahnlich. Die Frucbtbaufchf n haben 
nur in der Jugend eiu kleines Scbleiercben. Vielleicbt Var. von 
Asplenium Filix foetnina Bemb.? Walder, Hoizschlage bis in 
die Krummholzregion durch die gauze Alpenkette und wie es 
scbeint vielfach iibersehen. Italien, Scbweiz, Elsass in den Vo- 
gesen auf den Rotabac), Ballons von Soulz bei Gebweiier; Baden 
anf dem Schwarzwalde, Feldberg, Harnes^grunden etc. Harz, Brocken^ 
Erzgebirg, an der Bode und Ocker, in der Nahe des Fichtelge- 
birges vom Joachimstbale nacb Gottesgabe, in den Sudeten im 
Riesengebirge im Gesenke verbreilet auf den Karpaten der Tatra 
in Ungarn und Siebenbtirgen; Oesterr. auf den Voralpen Salz- 
burg, Steiermark, Tirol bei Bozen, Oberinuthale etc. 7 — 8. 2^. 

9. A, fontantm Bernh. Schrad. Journ. 1799. A. Halleri DC. 
fl. frauc. Rob. Brow. K. Syn. 982. Aspidium fontanum et Haileri 
Willd. V. Scbukr. Krypt. t. 53. Polypodium fontanum Lin, herbar 
teste Smith Engl. Bot. t. 2024. Polyp, pediculariiolium Hoffm. 
D, Fl. II. 10. 

An Quellen und. feuchten Stellen im Hocbgebirge und den 
Alpen selten imGebiet. Scbweiz an feuchten Felsen im Canton 
Tessin, im Canton Genf imJura auf dem Sal6ve, im Cant. Waadt 
und auf dem St. Bernhardt; in Steiermark bei Rottmann, Kaern- 
then bei Heiligcublut, Ungarn im Comit. Pest; Siebenburgen bei 
Rodna undKronstadt etc. Dass diePflanze bei Marburg in Hessen 
Yorgekommen sein soli, scheiut wohl auf einer Verwechselung 
bcruhet zu haben, da sie auch spater dort nicht mehr aufgefunden 
worden ist. 7—9. 2(,. 

10. A. lanceolatum Huds. Angl. II, Doll D. Fl. H. A. Billofii 
Fr. Schultz. Fl. der Pfalz. Wirtg. rh. Reiseflora 164. 

Auf Vogescn-Sandstein imElsass zwischen Bitsch undWeis- j 
senburg bei den Dorfcrn Steinebach nnd Fischbach; in der Pfalz 
bei Zweibriicken. 7 — 8. 3f. 

11. A. fissum Kitaib. Willd. Spec. pi. V. K. Syn. 985. Rabenh. 
Krypt. 315. Heufl. L c. 346. A. lepidum Presl. A. Breynii PoUini 
Yeron. III. (nicht Retz.) A. Trettenerianam Jan. Flora 1859. As- 
pidium cuneatum Schukr. Krypt. t. 56 b. Aspid. tenuifolium Gua- 
«oni pi. rar. t. 56. 

Felsenspalten der Alpen und Voralpen in der slidlichen Alpen- 
kettc, auf den Karpaten und im Banat stellenweise, Oberosterr. 
an dem Traunstein, Niedeiosterr. auf der Eslingalpe und dem 






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401 

Oetscher, Steiermark beiMarienzell and auf deB Eisenerz HShen, 
Sudtirol im Val Bonchi, Valsugana, Roveredo; Krain auf dem 
Loibl, Recoaro in Viceuza, in Kroatien und inDalmatien 8—9. 2f, 

12. A, Adiantim nigrum Lin. Koch Syn. 983. Doll rb« F). 
p. 11. Wirtg. rh. Reiseflora. Kirschleger FI. d' Alsace, Schultz Fl. 
(1. Pfalz, Genth Krypt. Nassau, Garke D. FI, VI. Schaef. Fl. v, Tr. 
Krypt. III. Lohr. Fl. v. Koln. Tinant Fl. Luxemb. Gremli FL d. 
ScUweiz, Hildebrand FL v. Bonn. Lej. et Court. Fl. Belgie. Pol- 
lini Fl veron. III. All. Fl. Pedem. Neilr. Beitrage zu Maly enu- 
merat. pi. austriac. Heufl. Krypt. 300. 
Var. a. A, nigrum Heufl. (Binnenlaudform). A. Adiantum nigrum 

L. Engl. Bot. t. 1950. Fl. Dan. t. 250. Sturm II. h. 5. Schukr. 



Krypt. t. 80 a. Milde schles. Krypt. fig. Ill 
trichomanoides Luinn. 



113—116. A, 
Poson. (narh Sadler). A. obtusum 
Kitaib. Willd. V. A. silesiacum Milde Schles. Ges. 1855. 
A. argutuni Kaulf. Filic. 176. 8 



9. OL. 



Var. b. Oyiopteris Heufl. (Sudliche Kastenform). A. Onopteris L. 
Spec. 1084. A. acutum Bory in Willd. Spec.V. Pollini veron. 
t. 2. Hausmann zool. bot. Ges. 11. 1858. A. Virgilii Bory 
Exp. Moree III. 289. A. davallioides Tausch Flora 1839. 11. 



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e. Serpeniini Heufl. Krypt, 315. t. 12. (Sergentingebirgsform) 

A. Serpentiui Tausch Flora 1839. II. 477. A. serpentiui jJ. 

incisum Tausch. Schukr. t, 180 b. Figur rechts. A. cuneifoli- 

um Vivian, Fragm. I. t. 18. A. novum Sadl. Epiph. 29. A. 

Forsteri Sadl. Filic. Milde schles. Krypt. Fig. 105—107. A. 

incisum Opitz. A. fissum Wim. schles. II, (nicht Kitab.). 

An etwas feuchten, steinigen Stellen, Felsenabhangcn in 
Spalten, am verbreitetsten im sudlichen Gebiete, besonders auf dcr 
Sudseite derAlpen bis zurMeereskUste, Italien, Piemont, Savoyen, 
Schweiz, Vorarlberg, Tirol bis zum Baldo, Steiermark Gorz etc. 
Var. a. besonders im Weststrich der rhein. Gcbirge; in Elsas» 
Vogesen, in Baden, in der Pfalz, Nahegebirge, an der Mosel t. 
Coblenz etc* bis Trier, Luxemb. in den Ardcnnen, Belgian an 
derMaas, Mastricht; Nassau am Taunus, Lahnthal, Ahrthale und 
im Siebengebirge bei Bonn etc. Var. c. im Harz, Fichtelgebirge, 
I^izgebirge, Sehlesien, Bohmen, Mahren in. den Sudeten und Kar- 
paten etc. Var. b. Findet sich an den Kustengebirgen am adriati- 
schen u. mittelland. Meere, Kroatien, Dalmatien, Genua, Nizza etc. *. 
13. A. septentrionale Hoffm.' D. Fl. Sw. Filic. K. Syn. 983. 
Doll. rb. Fl. 8. Garke D. Fl. VI. 480. Wirtg. rh. Reiseflora, Kirsch- 
leger Prodr. d'Alsace, Hildebrand FL v. Bonn, Schaef. Fl. v. 







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499 

Trier Iir. Krypt. Schultz Fl. d. Pfalz, Luxemburg Fl. Tinant. Lej. 
et Court. Fl. Belgic. Rabenh. Krypt. PoUiui fl. veron. III. Schukr. 
Krypt. t. 65. Sturm II. h. 5. Acropteris septentrionale Link. Krypt. 
Genth Krypt, v. Nassau 38. Acrostichura septentr. Lin. Scolopen- 
drium septentr. Roth tent. Fl, germ, 

Felsen, Mauern besonders in Berggegenden, seltener in den 
Niederungen durch das stidliche und Mittelgebiet zerstreut, oft 
verbreitet. Italien, Piemont, Savoyen, Schweiz; dann durch die 
Gebirge (besonders Devon -Schiefer) in der ganzen Rheingegend 
an der Mosel, Maas etc. bis Trier, Luxemb. Belgien, Holland 
zerstr. Westphal. Hannov. Harz, Potsdam, Riigen, Danzig, in den 
Sudeten und Karpaten, dann in Sachsen, Baiern, Wiirtemberg, 
Baden, Elsass etc. Oesterr. in alien Provinzen und Alpen etc, 

7- 8. aj,. 

^ILScolopendrium Smith, act, taur, 5. K. Syn. 984. Doll rb. 
FL Hirschzunge. 

L Sc. officinarum Sw. Filic. 61. K. Sjn. Garke D. Fl. Ra- 
benh. Krypt. 318. Kirechleger Prodr, d'Alsace. Genth Nassau Cryp- 
tog. Wirtgen FL d. pr. Rheinprovin. Hildebraud Fl. Bonn. Lohr 
FL V. K61n. Scbaefer Fl. v. Trier III. Kryptog. Scolopendr. vul- 
gare Symens Synop. 1798, Smith Brit. IIL etc. Asplenium Scolo- 
pendrium. 

Wald und Gebirgsschluchten bis in die Voralpen, zerstrent 
durch das gauze Geb. besonders im Mittel- und SUdgebiete 7 — 8. 3f. 

915, Blechnum Lin. K. Syn. Doll rh. FL Rippenfarn. 
1. JB. Spicani Roth tent. FL germ. 3. Wither. K. Syn. Doll 

FL Bad. Garke D. Fl. VL Kirschleger Fl. d'Alsace, Wirtgen 
FL d. Rheinprovinz. Lohr FL v. Koln, Poilini FL veronens. 
III. AUioni Pedem. Rabenhorst Krypt. 314. Blechn. boreale 
Sw. Filic. Gentb Kryptog. Nassau. Schukr. Kryptogamea t. 110 
Sturm II h. 11, Lomaria SpicantDesv. Schaef. Krypt. FL v. Trier 
IIL Comp. FL Belg. Lej. et Courtois IIL 311. Osmunda Spicant 
L. Onoclea Spicant Hoflm. FL Germ. 2. Acrostichura Spicant 
Vill. Delph. Strutiopteris Spic. Scopoli Carn. 2. 

Feuchte etwas torfbaUige Waldstellen in Schluchten an Fel- 
sen und auf Baumwurzeln, iu Berggegenden bis in die Voral- [ 
pen, zerstreut durch d. g. Gebiet, 7— 9. ^. 

916. Fteris Lin. K. Syn. D511 rh. FL Saumfaru. 
1. Ft aquilina L. K. Syn. Rabenh. Krypt. Genth Cryptogamenfl. 

Nassau. Wirtgen FL d. Rheinprov, Garke D. FL VL Kirschleger 



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407 

FI. d'Alsace, Schultz FI. d. Pfalz, Schaefer Fl. v. Trier Krypt. 
Tinant Luxenib. Comp. FJ. Belgicae III. Sturm II h. 1. Schukr. 
Krypt. t. 95. Pteris brevipes Tausch Flora 1836, Wedel sehr 
kurz gestielt. Ft. aquilina ^ lanuginosa Hooker. Wedel unter- 
seits behaart oder etwas wollig. Walder, Waldwiesen, Heiden 
im ganzen Gebiet bis in die Berggegenden geraein. Die Var. 
?. bis jetz nur in Preussen bei Luckenwalde und EdoigswuBter* 
hausen beobachtet. 7—9. Of, 

2. Ft cretica Lin. Sprengel syst. plant. V. 72. Pteris semi- 

serrata Forsk. Ft. heptaphylla Poir. 

Mittelmeergestade, Nizza, Genua an etwas schattigen Stellen 
bei Carrara; Piemont bei Tenda und in der Scbweiz im Canton 

Tessin 7—8. 2^. 

917. Cheilantkes Sw. 8yn. Filic. Sprengel syst. IV. 

1. Ch. odora Sw. Syn. p. 127 und 327. Rabenh. Krypt. 320. 
Schnkr- Krypt. t. 123. Cheil. suaveolens Sw. Syn. 127. Fl. gr. X. 
t.966. Ch. fragransHook.; Webb, et Berth.Canar, III. (nicht Ch. fragrans 
Sw. Syn. 197 t. 3 eine indiscbe Art). Lowe Ferns IV. t. 17. 
Poiypodium fragrans Lin. Mant. IL 307. Desf. Atian. II. 257. Adi- 
antum fragrans Lamark et De Cand. Syn. FL Gall. 112. 

Felsen des Mittelmeeres, Nizza, Oneglia etc.; an der Adria 
bis Cattaro bei St. Trinita, urn Ragusa auf Lissa, Giuppana und 
Lesina in Dalmatien. Piemont bei Turin; Val Aost. Far Tessin 
wo die Pflanze angcgeben wird, ist siesehr zweifelhaft und auch 
die Standorte in Siebenbiirgen; die dort, von Baumgarten ange- 
zeigte Pflanze ist Neilr. nach Original-Exempl, im Herbar Fischer 
Woodsia ilevensis Rob. Brown Ruprecht Beitr. III. 48. 

2. Ch. S0ovitsii Fischer et Meyer Bull. soc. Mosc. 1838. 241. 
Ledebur Ross. IV. 526. Neilr. Nachtr. z. Maly Enum. pi. Austr. 
Cb. fimbricata Visiani Fl. Dalmat. I. (1842) p» 42 III. 335. nach 
Kunze botan. Zeitung 1844. Acrostichum raicrophyllum Bertol. 
Crypt. 35. Hausmann Zool. bot. Ges. 1860. p. 71. 

Felsen des Monte Baldo in Sitdtirol, Dalmatien auf den Inseln 
Lesina undGiuppana (Nis.) und wohl auch am Mittelmeergestade. 

6-8. Of.. 

918. Adiantum Lin. K. Syn. 984. Doll rb, Fl. 6. Frauenhaar. 

1. Ad, Capillus veneris L. Spec. 1096. Jacq, Misc. II. 77. 
t. 7. K. Syn. Rabenh. Krypt. 309. EngLBot. t. 1564. Lowe Ferns 
IIL t. 15. Polliui veronens.IIL All. Pedem. Gremli Fl. d. Scbweiz. 







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408 

Fenchte Felswande und Schluchten im ganzen sUdlichen 
Gebiete, besonders jenseits, selten diesseits derAlpen, durch ganz 
Italien verbreitet, Schweiz, imJura bis zumChasseral und in der 
Tufifstein-Grotte bei Aubin im Cant. Neuschatel; Stidtirol am 
Gardasee, Valsugana bis zum Baldo, Bozen etc. Innerkrain bei 
Idria, Trient, Vencdig, Kroatien, Dalmat. Ungarn, Siebenbiirgen 

etc. 7—9, a^. 

»19. Nothochlaena R, Br. Prodr. nov, Holland 145. K. Syn. 985. 

1. N. Marantae R. Brow. K. Syn. Rabenh. Krypt,312. Spreug. 
Syst. IV. 43. Acrostichum Maraut, Lin. PoHini veronens. III. 
AUioni Pedem. Schukr. Krypt. t 4. Sturm 11. h, 6. Ceterach 
Marantae DC. fl. franc; Gymnogramma Marantae Mettenius. 

Felsen der Gebirge und des Voralpenlandes, zerstreut im 
Budlichen Gebiet, Italien, Novarra, Piemont, Verona etc. Siid- 
schweiz im Cant. Tessin; Sttdtirol in Vintsgau, Bozen, Meran, 
Brixen; Niederoesterreich im Gurhofgraben, im ZnaimerKreise bei 
Mochelno; Ungarn bei Agram nnd in Syrmien 7—8. 3f. 

920. AUosorus Bernh. K. Syn. Garke D. Fl. VI. 481. RoUfarn. 

1. A. crispus Berh. K. Syn. Spreng. Syst, IV. 65. Garke. 
Hausmann Tirol. Wirtg. rii. Reiseflora. C'ryptogramma crispa R. 
Brow. Doll, rh. Fl. et. Fl. badens. I. Rabenh. Krypt. 312. Pteris crispa 
Pollini Fl. veron. III. Allioni Pedem. Schukr. Krypt. t. 98. Kirsch- 
leger Flore d'Alsace. Onoclea crispa Hoffoi. Fl. germ. 2. Sturm 
Krypt. II. h. 1. Osmunda crispa L. Acrostichum crispum Vill. ] 
Delpb. 4. Phorolobus crispus Dcsv. Struthiopteris crispa Wallr. 
Krypt Comp. FL germ. 3, 

Steinige Triften und an Felsen der Hochgebirge, Voralpen 
und Alpen stellenweisej sehr zerstreut in den Gebirgsziigen, Italien, 
Piemont, Mont Cenis, M. Yalderi, Savoyen, Schweiz ; Oberbaden 
anf dem Schauinsland, im Hofgrund unweit Freiburg, Schwarz- 
wald, Wfirtemberg; Elsass in den Vogesen^ auf dem Rotabac, 
Hohcneck, Ballons Ton Sultz. Baiern; Harz bei Goslar, Schlesien 
Riescngebirg; Schneegrube, Riesengrund etc. Auf den Sudeten 
und Karpaten im Boermerwalde, Ungarn, Siebenbargen etc. Oester- 
reich Tirol im Oetzthale, Sarnthale, Passeycr, Steiermark etc- 7—9 2^. 

921. Struthiopteris Willd. Filic. berol. II. K. Syn. 986. Doll, 
rh. Fl. 21. Genth Crypt. Fl. v. Nassau 41. Strausseufarn. 

1. St. germanica Willd. K. Syn. Rabenh. Krypt. 325. Milde 
Schles, Krypt. p. 560, fig. 65—80. Wirtgen Fl. der preuss. Rhein- 
proYinz. 552. Genth Cryptogamenflora von Nassau, Kirschleger 






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Prodr. d'Alsace, Garke D. Fl VL 482, Hildebrand F!. v. Bonn, 
Lobr. Fl V. Koln, Compend. FI. Belg. III. Pollini Fl- veronens. 
Ill, Allion. Pedem. Onoclea Struthiopteris Hofifm, FK germ. II. 
Roth tent, et Fl. d. Wetterau. Kohling D. Fl. UL Schokr. Krjpt. 
105. Osmunda Struthiopteris Lin. 

Steinige, feuchte Waldwiesen, an schattigen Bach- und Flass- 
ufern aus den Niederungen bis in die Berg- und Voralpenregion, 
schr zerstreut im Gebiet und in vielen Gegenden fehlend, Italien 
bei Pavia, Giaveno. Scheint in der Schweiz za fehien, Elsass 
nur im WuMe voa Weissenburg und ist auf der linken Rheiu- 
seite Dur wieder bei Verviers in Belgien angegeben und scheint 
aucb in Holland zu fehien, Baden an dera rechten Rbeinufer 
erscheint die Pflauze bei Oberkireb, Gengenbach bei Oppenau, 
im Murgthale bei Gaggenau, iu der Wetterau bei Homburg, 
Reiffenberg und Usingen, Rheinprovinz im Wildbachthal bei Arsen- 
au; bei Kirchen im Siegthal, Siegburg, Fl. y. Koln, Lohmar, an der 
Agger im Wupperthal bei Neukirchen; Halle bei Scbmon, am 
Giebichsteiu, Dessau, Sorau; Schlesien bei Ustron bis zur Ober- 
lausitz. Sachsen am Hobenstein, Naumburg am Bober. Oester- 
reich auf sumpfigen Wicsen, ateinigera Flussufer gebirgiger Gegenden 
durch die nordliche Alpenkette Tirol, Kaernthen, Salzburg, Nieder- 
und Oberoster. bei Stirim in Bohmen und in den Thalern vonMahren, 
Schlesien, Galizien und im ostlichen Siebenbiirgen, Sommer und 
Winter. J^. 






Anfx&hl nng 

der Werke welche hauptsachlich bei der Zusamracnstellung der 

Gefass-Kryptogamen benutzt wurden: 
AUionii C: Flora Pedemontana fol. Turini 1785— All. Pedem. 
Ban mg art en J. Ch.: Enumerat. stirpium Transilvan. Crypto- 

gamarum sect. 1—100 eihibens Cibioi 1846.-Baumg. 

Transilv. 
Bernoulli: Die Gefass-Kryptog. d. Schweiz, Basel 1847. 

Bernoulli Schweiz. 
Bert hold: Die Gefass-Kryptog, v. Westphalen. Brillon 1863. 
Bettoloni: Flora italica Cryptogama: Bononiae 1858. --- Bertol. 

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410 

Bichoff: Beitr. zur deutscben FJora. Heidelberg, — Bichoff 

Kryptog, 
Botanische Zeitung herausgegeben v. Mohl und Schlechtendal. 

Halle, Berlin. — Botan. Zeitung. 
Bulletins de la society royale de Botanique de Belgique. 

Bruxelles, 
Dolhrheinische Flora Frankf. a. M. 1843. — Doll. rh. Fl. 
Doll: Flora des Grossberzogtbums Baden. Carlsruhe 1857. 

Doll. Baden. 
Flora Bremeosig. Bremen 1855. — Flora Brem. 
Flora von Bonn V. D. F. Hildebrand. Verbandl. naturhistorisch. 

Vereins. 1866. 
Flora Oder allgemeine botanische Zeitg. Regensburg. — Flora. 
Garke: Flora von Nord- und Mittel-Deutscbland. Edit. VI. Berlin 

18&3. — Garke D. Fl. VI, 
Gen tb; CryptogamenfloraHerzogtbun) Nassau. Mainz 1836.Genth 

Crypt. Nas sau. 
Gremli A.: Excursionsflora d. Schweiz. Arau 1867. — Gremli 

Scbweiz. 
Ha us ma nn v.: Fl. v. Tirol._Verzeichniss der in Vorarlberg und 

Tirol wacbsende Gefasspflanzen. Innsbruck 1850—54. — 

Hausmann Tirol. 
Heuffel: Enumerat, plant, in Banatu Tumesiensi spont, crescen- 

tium et frequenter cultarum. Vindobonael858. Abdruck der 

zool. bot. Gesell. in Wien. — Heuffel Banat. 
Hinterhuber K. et Julius Prodromus plant. Salzburg. 1851. 

Flora Salz burg. 
Hoffmann: Deutschland Flora. Erlangen 1798. 3. Vol. Krypto- 

gamen — Hoffm. Flora germ. 2. 
Kirschleger: Prodrome Flore d'Alsace Strassbourg 1836. — 

Kirschleger d' Alsace. 
Koch G. D.: Synopsis Florae germanicae et helveticae Edit. H. 

pars 5. Lipsiae 1844—45. — K. Syn. 
Kranz A. C.rUebersicbt der Flora v. MUnchen 1859. — Kranz 

Mil nchen. 
K r e u z e r : ProdromusFlorae Vindebonae, Wien 1840-— K r e u z e r | 

Wien. 
Kunze G.: Die Parnkrauter in Abbildungen. Supplement zu 

Schkuhr Kryptogamen. Leipzig 1849. — Kunze Filices. 
Lab an F. C; Flora der Umgebung von Hamburg u. Altona. 

Hamb. 1865. 



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411 

Lanzius-Bening.: Beitrage zur Kenntniss d. Flora v. Osfrics- 

land, Gottingen 1849. 
Lejeune et Courtois: Compendium Florae Belgicae etc. Leodii 

et Verviers 1828—36. Lejeune et C. Fl. Belgic. III. 
Lohr M. J.: Taschenb. der Flora v, Koln. 1860. — Lohr Fi. 

Koln. 
Lowe: Ferns britisch an exot. London. 1856—59. Volum VIL 

8. — Lowe Ferns. 
Meyer Fr. C: ChloraHannoverana etc. — Meyer Chlor. Hannov, 
Milde: Die Gefass-Kryptogamen Deutschlands und derSchweiz. 

Leipzig. 1865. — Milde Krypt. 
Milde: Die Gefass-Kryptogameu Schlesiens. In den Verband- 

lungea der k. Leopold. Carolin.Academie der Naturforscher. 

Breslau und Bonn. 1858. XXVL B. 2, Abtheilung. — 

Milde schles. Krypt, 
NeiJreich: Nachtrage zu Maly's Enumerat. plant, phanerogam. 

imper. Austr. Herausgegeben von derZool. botan. Gesell- 

schaft in Wien. Wien 1861. — Neilr. Nachtrg. 
Pollichia: Verhandlungen eines naturwissenschaftlichen Vereins 

der baierischen Kheinpfalz etc. Speier undDurkheim, 
Pollini Cyr.: Flora veronensis 8. Vol. IIL Verona 1822—24.— 

PoIIini veronens. 
Kabenhorst: Deutschland Kryptogamenflora. Leipzig 1858. B, 

2. 3. Abtheilung. — Kabenh. Krypt. 
Keeper: Flora von Mecklenburg. Rostock. 1843—49. — Roper 

Mecklenb. 
Roth: Tentanien Flora germanica Lipsiae 1801. — Roth tent. 

Fi. germ. 
Rupprecht: Distributio Cryptogaraarum vascularium in imperio 

rossico. In den Beitragen zur Pilanzenkunde des russi- 

schen Reiches. 3. Lieferung. Petersburg 1845. — Rupp- 

rech t Beitrage. 
S c h k u h r : Die 24. Klasse Linn. Kryptogamische Gewachse. 

Wittenberg 1809. in Abbildungen.— Schukr. Krypt. 
Schultz Fr.: Fl. d. Pfalz. Speier 1846.— SchnltzFl.d.Pfalz. 
Smith: Flora Britanic. London. 1800—1804 Volum. IIL — Sm. 

Fl, Brit. 
Stadler: de Filicibus Hungariae, Transilv. etc. Budae 1830. 

Stadler Filic. 
Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen. IL Abtheilung. 

Kryptogamie. NUrnberg* 1798 bis 1833. —Sturm II. 



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411 

Sturm u, Schnitzlein: Verzeichniss der Gef^sspflanzen von 



Ntirnberg und Erhmgen 1847 



Flora von JMiirnberg 



nnd Erlangen. 
Swartz: Genera et Si)ec. plant. Filicum in Schrader's Journal 

fur Botanik 2 Band. Gottingen 1800 — 1801. — Sw. 

Filic. 
Swartz: Synopsis Filicum Kiliae 1806. — S'w. Synop Filic. 

Tinant: Fiore Luxembourgeoise, Luxemburg 1836. — Tinant 

Luxemburg. 
Verhandlungen des naturliistorischen Vereins fiir die preussi- 

schen Rheinlande und Westphalen. Bonn 1844 — ^73. 
Verhandlungen des Zoolog.-Botauischen Vereins in Wien. 



Vi liars: Flora Delphinat. Lugduni 1785. 



Vill. Dolphin. 



Wi mraer 



Will den ow: Species plantanun. Berlin. 18iOTomus V. 8. Willd. 

Spec. 
W i m m e r : Flora v. Schlesien, Breslau 1857. edit. 3. 

Fl. schles. 
Wirtgen Ph.: Flora der preuss. Rheinprovinz. Taschenbuch etc. 

Bonn, 1857. — Wivtg, FL d. pr. Ilhcinp. 
Wirtgen Ph.:rheinischeReisefl.Coblenz 1857.— Wirt g. Be i sell. 






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Abnovme Fichtenzapfen. 

In Nr. 23 1. J, dieser Zeitschrift theilt Prof, Doebner ia 
Aschaffenburg die Abbildung und Besehreibung eines abnormen 
Fichtenzapfens mit, in dessen oberem Theil die Fruchtschuppen 
mit ihrer Spitze nach untengekehrt sind, ko dass es das Ansehen 
gewinnt, als wenn der untere Theil eines zweiten Zapfens umge- 
kehrt aufgesetzt worden sei, und fugt den Wunscb bei, zu er- 
fahren, ob derartige Zapfen schon ofters beobachtet wurden und 
was wohl der Grund dieser sonderbaren Bildung sei. Ein Bei- 
trag zur Beantwortung dieser Frage findet sich im 11. Jahrgang 
derJahresberichte der naturforsehenden Gesellschaft Graubtindens 
von 1873, wo Prof. Brugger in einer Abhandlung uber „Kruppel- 
zapfen an der nordischen Fichte in Graubiinden" eine Beihe 
von Zapfen abbildet und beschreibt, welche die von Prof. Doebner 
dargestellte Abnormitat in verscbiedener Ausdehnung zeigen, in- 
dem ein bald kleinerer, bald grosserer oberer Tbeil derselben zu- 
rUckgeschlageue Schuppeu besitzt, wobei die Scheidelinie zuweiien 






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in der Art schief verlanft, als ob zwei Zapfen in nmgekchrter 
Richtung seitlich aneinander gewachsen seien. Derarlige Zapfen 
konmien each Brugger in hochgelegenen Gegenden Graubfindens 
(bei 4250—4300 Par. Fuss ii. d. M.) an der nordischen Form der 
Fichte (P. medica;i??a Nylander) ofters vor; ein bestimmter Baum 
trug sogar im Jaiir 1872 durchgehends solche „KrUppelzapfen'*. 
Im Anschluss an Brugger's Mittheilungen theilt auch Prof. Cramer 
das Reauitat seiner Untersuehung dieser Zapfen mit und weist 
darauf bin, dass bei jugendlichen Fichtenzapten die Fruchtschuppen 
regelmiissig abvvarts gcrichtet seien, die besprochene Abnormitat 
sich somit als ein theilweises Stehenbleiben auf dieser Stufe 
erweise, indem nur die unteren Schuppen ihre ursprUngliche 
Lage verandern, die oberen aber dieselbe beibehalten. 

Dass diese Abnormitat nicht ausschliesslich der hoheren Ge- 
birgsrcgion und der ihr eigenen -nordischen Form der Fichte an- 
gehort, beweist der vum Prof. Doebner dargesteJte, wahrscheinlich 
aus der Gegend von Aschaiienburg stammende Zapfen, welcher 
nach Grosse und Schuppeutbrm der gewohnlichen Fichte ange- 
hort. Dies zeigen ferner vier in meinem Besitze befiadliche Ex- 
emplare solcher Zapfen, liber welche ich in der Sitzung des bo- 
tanischen Vereins der Prov. Brandenburg vom 26. Juni v. J. 
(Verhandl. 1874. Sitzungsber. S. 98.) eine kurze Mitttieilung ge- 
macht babe. Dleselben stellen eine ahnliche Reihe von Fallea, 
wie die von Brugger abgebildeten Zapfen dar, und es befindet 
sich darunter namentlich aucb einer mit ausgezeicbnet schiefer 
Grenzli nie der mit auf- uud abwarts gebogenea Sehuppen be- 
setzten Gebiete, wobei die abwarts gebogenen etwas kleiner sind 
und die concave Seite des gekriimmten Zapfeus einnehmen. 
Auch diese Zapfen gehoren, wiewobl sie kleiner sind als der von 
Aschaffenburg, der gemeinen Fichte an. Zwei derselben, welche 
wahrscheinlich aus dem bairischen Gebirge stammen, erhielt ich 
vor langen Jahren in Miinchen, einen, der in der Mark Branden- 
burg gefunden sein soil, gleichfalls vor langerer Zeit in Berlin, 
der vierte endlich wurde mir im vorigen Jahre von Prof. Irmisch 
aus der Gegend von Sondershausen zugesendet. Leider ist mir 
vonkeinen derselben etwas Naheres uber die Art des Vorkommens 
bekannt und -mir selbst ist es nocb niemals gegltickt, derartige 
Zapfen an ihrem Fundorte zu beobachten, wiewobl ich mich mit 
den Zapfen der Fichte in Beziehung auf Blattstellungsverhaltnisse 
seit mehr als 40 Jahren beschiiftigt und viele Tausende derselben 
in mehreren Gegenden des Schwarzwaldes, des ThUringer-Waides, 





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414 

der schlesischen und bayrischen Gebirge, sowie im Harze gemu- 
stert habe. Auch an der oberen Grenze des Vorkommens der 
Fichte, an welcher dieselbe in der Gegend des Brockens oft bei 
6 — 10 Fuss Hohe zahlreiche braunrothe Zapfcben von 5—8 Deem. 
Lange tvagt, habe ich vergeblich nacb verkehrtschuppigea ge- 
sueht. Obgleich somit diese Abnormitat nicht haufig vorzukommen 
scheint, so ist es doch kaum glaublich. dass sie nicht von Forst- 
mannern schon Sfters beobachtet worden sein sollte und in der 
forstlichen Literatur keine Erwabnung derselben sich fande. Es 
ware erwUnscht, von Fachmannern hieriiber Naheres zu erfahren. 
Ob die in Willkomm's forstlicher Flora I. 67. bei Beschreib- 
UBg der Fichte vorkommende Bemerkung „seltner komoien nion- 
strose Zapfenformen vor z. B. mit sparrig nach aussen und unten 
unigebogeneu Schuppen" sich auf die hier besprochene Abnormi- 
tat bezieht oder a«f eine Zapfenform rait nur am Eande umgc- 
bogeneu Fruchtschuppen, wekhe mir einmal auf der Platte bei 
Wiesbaden vorgekommen ist, vennag ich nicht zu entscheiden. 

Berlin im Septemb. 1875. 

A« Braiu. 



Botanische Notizen ans Griechenland 

TOD X. Landerer in A then. 

Ueber die Bereitung der Orientalischen Rachat Lukumia. 

Alien, die je in Griechenland und im Oriente waren, ist eine 
Zuckerspcise bekannt, die man Eachat Lukumia nennt. Man isst 
selbe in den Kaffeehausern und auch den Besuch abytattendeu 
Fremden wird solche angebolen, um Wasser nachzutrinken. 
Diese Eachat Lukumia sind eine Leckerspeise, die auf der Tafel 
der FUrsten und Eeicben als Zuspeise gegesseu werden kann, 
wenn sie mit Pistazien-Mandeln versetzt sind und mittelst 
Eosen-od, Bergamott-Oel aromaiisch und schdn roth getarbt sind. 

In Folge vieler Anfragen aus Deutschland dber die Be- 
reitung derselben, indem diese Orientalische Confiture in vielen 
Theilen Deutschlands schon Eingang gefunden hat und bald tiber- 
all finden wird, theile ich die Bereitung der einfachen Lukumia 
rait, v?elche die Basis der andern zusammengestzten bilden. 

Lose 5 Pfund (Livres franz. Gewicht) Zucker in 4 Ff. Wasser 
und bereite lege artis cum Albumine Ovi einen Syrup. Nach dem 



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^. 



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415 










Erkalten setze zu: 140 Gramm WeitzenstSrkmehl mit Wasser zu 
einer dunnfliissigen Masse vermeagt und 3 Gramm Acid, citric, 
in Wasser gelost, wodurch die Krystallisation des Zuckers ver- 
hindert wird. — Diese Masse aus Zucker und Amylon wird nun 
unter fortwahrendem Umriihren bei gelindem Feuer gekocht 
und abgedampft bis selbe eine Consistenz erlangt, urn sie auf 
eiuev Maroiorplatte, die man mit Zucker uud Staerkmehlpulver be- 
streut, zolldick ausbreiten zu konnen. Diese Masse wird in 
4eckige Stticke zerschnitten, von neuem init Zuckerpulver bestreut 
und in holzerne Scbacbteln eingepackt. Sind selbe geluugen, 
so miissen sie weich sein, durchsichtig -— eine zitterndc Masse 
bilden — diirfen keinen krystallisirlen Zucker zeigen und sicb 
nicht an die Zahne anhangen, Man versetzt sie, urn sie etwas 
wohlriechend zu machen, mit einigeu Tropfen 01. Bergamotti 
Oder 01. Rosavum. 

Der Name dieserorienfalischen Confiture — EachatLucum — 
istlUrkisch. Racbat — Euhe, Vergniigen, Woblgefallen, Annehmlich- 
keit, Sorgenlos; Lukum — etwas leicht zuverscblingendes: somit 
Eachat Lukum eine leicbt zu verschlingende Speise. 

So existirtauch bei einer leicht auszufubrenden Sacbe, bei der 
man jedocb auf Scbwierigkeiten stosst, das Sprichwort: Glaube 
nicht, dass es ein Lukum sei. 

Icb denke, dass diese kleine Notiz Aniass geben kann, diese 
Orientalische Speise auch in Deutschland einzufubren. 



Ueber Weinstein-Gfiwinnungen aus den griechisclien Weinen. 

Die griechischen Weine sind sehr arm an weinsteinsauren 
Salzen und imFalledieselben seiche entbalten so ist die Gewinnungaus 
diesen mit Pech und Gyps versetzten Weinen (Eesinato-Weinen) 
sehv schwierig beinahe unmoglicb zu nennen. Die Insel-Weine, 
wie die der Insel Euboa und der nordlichen Sporaden, die ohne 
Pech- und Gyps-Zusatzbereitet werden, setzen seiche ab und aus 
diesen hat man in den letzten Jahren angefangen den Weinstein 
zu gewinnen, so dass schon viele Zentner desselben im gerei- 
nigten Zustande nach Triest-Marseiile verscndet wurden and sich 
eine neue Industrie bildete. Man nannte schon in den altesten 
Zeiten diese Weinabsatze Trygia und der gereinigte Weinstein 
heisst Tryx. 



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TJeber die Oelgewinnung aus den ansgepressten Oliven. 

Eine nicht unbedeutende Industrie ist in dea letzen Jahren 
in Griechenland besonders auf der iDsel Zante aufgetaucht^ nam- 
lich die Gewinnung des in dea Oelkernen noch entbaltenen Oeles. 

In den meisten Oelmiihlen, die ohne Dampf oder hydrau- 
lische Pressen arbeiten, bleiben in den Oliven-Ueberresten noch 
3—4 Pfd. Oeles ^ zurtick und dieses wird nun durch Schwefel- 
koblenstofi daraus ausgezogen. In diesenFabriken wird auch der 
dazu notbige Scbwefei-Kohlenstoff bereitet. Die Fabriken machen 

gate Gcschafte und das gewonnene Oel wird zu Seifen-Fabrikation 
und zu andern industriellen Zwecken verwendet. 



Anzeigen. 

In der C. F. Winter'schenVerlagshandlung in Leipzig ist erschienen: 

Porstliche Flora von Deutschland und Oesterreich oder 

forstbotanische und piiauzengeographische Beschreibung aller 
im Deutschen Reich und Oesterreichischen Kaiserstaat hei- 

4 

miscben und im Freien angebauten Holzgewacbse. Nebst 
einem Anbang der forstlicben Unkrauter und Standortsge- 
vracbse. Ftir Forstmanner sowie fur Lehrer und Studirende 
an boberen Forstleheranstalten bearbeittt von Dr. Moritz 
Willkomm, Kais. Russ. Staatsrath, ord. Professor der Bo- 
tanik und Direktor dcs botanischen Gartens der Universitat 
Prag (vorher zu Dorpat), ebmaligem Lehrer der Konigl, Sachs. 
Forst-Akademie zu Tharandt. Mit 75 xylographischen Illu- 
strationen. 55 Druckbogen. gr. 8, Geheftet. Preis 22 Mark, 



Die Internationale Gartenban-Ansstellnng, 

weIchefurdasJahrl876in Amsterdam stattfindensollte,wurdemit 
Rucksicht darauf, dass die fur dasselbe Jahr in Brtissel in Aus- 
sicht genommene Internationale Ansstellung auf jeden Fall statt- 
fiuden soli, auf das Jahr 1877 verschoben. 

Das Bulletin No. 2 der Ausstellung zu Amsterdam bringt 
das Concept-Programm far „Producte aus dem Pflanzenreiche", 



Redacteur: Dr. Singer. Drnck der f*. Neubaner'schen Buchdruckerei 

(F. Haber) in Regensburg. 



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58, Jahrgang. 



Ns 27. 



Regensburg, 21. September 



1876. 




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Inhalt. Dr. Heinrich Wawra: Beitrage zur Flora der Hawai'aclieii 
Inseln: Gefasskryptomen von Dr. Luerssen.J — Literatur. — Anzeigen. — 
EinlSute zur Bibliothek und zumHer tar. 




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BeitrSge zur Flora der Hawarschen Inseln 

von Dr. Heinrich Wawra. 

n. 

von Dr. Chr. Lnexa»en 
in Leipzig. 

Aus den von Dr. H. Wawra auf den Sandwich-Insein ge- 
niachten Sammlungen erhielt ich durch die Giite des Herrn Re- 
gierungsratb Prof. Dr. Ed. Fenzl in Wien die Gefasskryptogamen 
zum Bestimmen, resp. zur Bearbeitung. In nachstehendenZeiien 
ubergebe ich im Anschlusse an die in den Jahrgangen 1872 
1875 der „Flora'* veroffentlichten Mittheilungen Wawra's die Re- 
sultate einer genauen Durchsicht der obengenaniiten Pflanzen- 
gfuppe. Bieten dieselben, wie bei der vielfacben Durchforschung 
tier Snndwich-Inseln zu erwarten, auch wenig Nenes, so ist doch 
jeder Beitrjig zum Ausbau einer auf sorgfaltige Untersuchung 
babirten Geographic der Fame willkommen. 

Mywnenophyliaeeue. 

T rirhomanes Sm. 



Trichomanes parvulum Poir. Enc. VIII. 44. 



Hora 1875 . 



27 






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Maui; Wailuku-Thal, mit* Polypodium pellucidum Klf. an 



Oahu; ohne weitere 
K auai; Hanalei: 



Felsblocken in tiefen Thalern: no. 1845! 

Angabe und ohne no. in der Sammlung. 

ohne DO. 

Trichomanes Draytoniamm Brack. U. S. Expl. Exped. Fil- 

(XVI.) 252, tab. 36, fig. 3. V. d. Bosch, Hym. nov. 31. 

Maui; Wailuku-Thal, in fiusteren Schluchten vom Wasser 
bespttlte Felsblocke in gleiehmassigen Rasen uberzieheud : no. 1833! 

Hooker und Baker ziehen in der Syn. Fil. 81. diese Art zu 
T. hipundatum Poir. (T. Filicula Bory), von welchem sie in- 
dessen durch den Bau des Indusiuras mehr abweicht, als von T. 
humileFoxst Zu Letzterem konnte man sie ala Varieiat bringen, 
die dann durch die kiirzeren, dafdr aber uni so breiteren Indu- 
sien ausgezeichnet ware, wenn nicht der abweicheiide anatomische 
Bau des Blattes vorlaufig gegen eine solche Veveinigung sprache. 
Wawra's Exemplare stimmeu in alien wesentlichen Merkmalen 
mit Originalen Brackenridge's iiberein. 

Trichomanes radicans Sw, in Schrad. Journ. IL (1800) p. 97; 
Syn. Fil. p. 143. Hook. Sp. Fil. L 125. Kuhn, Fil Airic. 36. 

Oaha; Nuannthal und Pali, an alten Staaimen im Eingange 
der Felsschlucht: no. 1765 B! — Maui; Haliakala; Schluchten 
urn Makavao (2000' (ib. M. in Felsklufien): no. leSO ! 



a'9 no. 1765 B entspricht den typischea Fornien, von 
denen Brackenridge (U. S. Expl. Exped. XVI. 254) angiebt,dass 
sie auf den Sandwichinseln in schattigen Waldern wachsen, wabr- 
end die no. 1880 von Maui den derberen Varietattm mit sitzenden 
Oder sehr kurz ges^tielten Blattern gleicht, wie sie nacb geiiauu- 
tem Autor an exponirten Platzen vorkonmien. Im Uebiigen i^^t 
die Lange des Blattstieles wie bei vielet. anderen habituellen 
Merknialen so schwankend, dass Grundung von Aiten darauf, wie 
dies u. A. V. d. Bosch thut, wohl unstatthaft i&t. Wawra's Exemplare 
unter no. 1765 B zeigen auf demselben Bhizome fast sitzeude 
neben lang gestielten Blattern. 

Trichomanes meifolium Bory in WilJd. Sp. PI. V. 509. T. 
apiifoUum Pr. Hym. 16. 

Oahu; Calichi; an den finstersten, ieuchte^ten Stellen der 
Schluchten bei 2000 Fuss u. M.: no. 1783! 

Uymenophyllum Sm. 

Hymenophyllum obtusum Hook, et Am. Bot. of Capt. Beech. 
Voy. 109. Hook. Spec. Fil. I. 93, tab. 33, D. 



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419 

Oahu; Calichi, im Moose auf Baomstammen, 2000—3000' 

ii. M.: no. 17771 

Hymenophyllnm lanceolatum Hook, et Am. Bot. of Beech. 
Voy. 109, Hook. Spec, Fil, I. 94, tab. 34, B. 

Oabu; Waiolani, von 2000' ti. M. ab au Baumstammen ge- 
mein: no. 17041 

Hymenophyllum recwrvww Gaud, in Freyc. Voy. 376. Hook. Sp. 
Fil. I. 104, tab. 37, C. Brack. U. S. Expl. Exped. Fil. 269, 

Oahu; obne specielie Standortsangabe uud obne Nummer. 

Nach Brackeiiridge auf den Sandwichinseln an den Stammea 
der Biiuaie ein sebr gemeiner Farn, aber zugleich auch sehr 
variabeL 



€fleicHe.ni€tcea>e. 

Gleichenia R. Br. 

Gleichenia (Dicranopteris) dichotoma Hook. 

Var. tomentosa. Mertensia em